<B>Wasch- und Reinigungsmittel.</B> Die Disulfonimidgruppe -S02NHS02- besitzt bekanntlich einen recht ausgeprägten, sauren Charakter, so dass Verbindungen, die diese Gruppierung im Molekül enthalten, wohldefinierte Salze liefern.
Es wurde nun gefunden, dass man gute Wasch- und Reinigungsmittel aus wasserlösli- ehen Salzen von im wesentlichen sulfogrup- penfreien, die Disulfonimidgruppe enthalten den Verbindungen der allgemeinen Formel R . S02NH . S02R', in der R einen höheren sekundären Alkylrest und R' einen beliebigen organischen Rest bedeutet, und anorganischen Alkalisalzen herstellen kann.
Der höhere sekundäre Alkylrest R kann gerade oder verzweigt sein und enthält vor zugsweise 8 bis 14 Kohlenstoffatome; er kann aber auch ein entsprechender Cycloalkylrest sein. Vorzugsweise werden Erzeugnisse mit einem Gemisch verschiedener Alkylgruppen verwendet. Der Rest R' bedeutet einen belie bigen organisehen Rest, insbesondere kann er auch der gleichen Art wie der Rest R sein und weitere Disulfonimidgruppen enthalten.
Die Darstellung der zur Herstellung der neuen Waschmittel verwendeten Disulfon- imide kann durch Umsetzung entsprechender Sulfochloride mit. Ammoniak, Ammonsalz, ali- phatisehen, eycloaliphatischen oder aromati schen Sulfonamiden erfolgen, wobei man vor zugsweise diejenigen Sulfochloride einsetzt, die man durch Einwirkung von Chlor und Schwefeldioxyd auf mindestens 6 Kohlen- stoffatome enthaltende,
aliphatische oder ey- eloaliphatische Kohlenwasserstoffe erhalten hat.
Zur Salzbildung aus den Disulfonimiden werden vorzugsweise einwertige Basen, wie Natronlauge, Kalilauge, Ammoniak, Triätha- nolamin und dergleichen verwendet; jedoch können in Spezialfällen auch die Salze mehr wertiger Metalle, z. B. Magnesiumsalze, An wendung finden.
Die Disulfonimide können auch die Disul- fonimidgruppe mehr als einmal im Molekül enthalten. Derartige Produkte werden leicht gewonnen, wenn man bei der Herstellung, wie oben erwähnt, solche Sulfochloride einsetzt, die nach Reed durch Einwirkung von Chlor und Schwefeldioxyd auf aliphatische und ey - cloaliphatische Kohlenwasserstoffe erhalten worden sind.
Dabei können auch je nach den Herstellungsbedingungen in geringem Mass primäre Verbindungen entstehen sowie in untergeordnetem Mass Sulfogruppen vorhan den sein, ohne dass diese Beimengungen die Art der verwendeten Erzeugnisse wesentlich beeinflussen.
Es war überraschend, dass bei den Salzen dieser Disulfonimide die Löslichkeit infolge der Anwesenheit von sekundären Alkylgrup- pen, insbesondere bei den technischen Ge mischen, wie sie beim Einsatz der mehrfach erwähnten Sulfochloride nach Reed gewonnen werden, trotz Fehlens einer Sulfonsäure- gruppe, so gross ist, dass eine Verwendung zur Herstellung von Wasch- und Reinigungsmit teln möglich ist.
Des weiteren war es über raschend, dass auch die Verbindungen mit mehreren Disulfonimidgruppen gut in Wa.seh- mitteln verwendet werden können, während dieses bekanntlich bei Verbindungen, die meh rere Sulfonsäure- oder Carboxylgruppen ent halten, im allgemeinen nicht der Fall ist.
Die Verbindungen zeigen bereits für sich ein ausgezeichnetes Wasch- und Schaumver mögen, wobei überraschenderweise oft schon in sehr geringen Konzentrationen von 0,1 bis 1 g pro Liter Waseh- und Reinigungseffekte erzielt werden, wie sie mit Seife erst. bei we sentlich höheren Konzentrationen von 3 bis 5 g- pro Liter erreicht werden. Durch den erfin dungsgemäss vorgenommenen Zusatz von anor ganischen Alkalisalzen, wie Soda., Bikarbonat, Natriumpyrophosphat und auch Glaubersalz, wird die Waschwirkung noch erhöht. Infolge dessen sollen die neuen Waschmittel anorga nische Alkalisalze, z.
B. ausser den genannten auch Trinatriumphosphat, Wasserglas, Bora:: enthalten. Ferner können die Waschmittel Perverbindungen, wie Perborate, Persulfate, Perkarbonate, enthalten.
Die neuen Waschmittel können in kalten oder warmen, alkalischen, neutralen oder schwach sauren Flüssigkeiten ohne Bedenken verwendet werden. Sie eignen sich sowohl als Feinwasehmittel wie auch als Kochwasch mittel.
Die Mittel können in fester Form, z. B. in Pulverform, Flocken, Stücken oder Nudel form, in den Verkehr gebracht werden; sie können aber auch bereits in Flüssigkeiten ge löst sein oder in Pasten und Cremeform ge braucht werden.
Die Mengenverhältnisse zwischen den Di- sulfonimiden und den übrigen Bestandteilen des Waschmittels können innerhalb weiter Grenzen schwanken. Die Mischung der Be standteile lässt sich in verschiedener Weise durchführen. So können zum Beispiel die anor ganischen Salze bereits bei der Überführung der Disulfonimide in ihre Salze zugesetzt wer den; man kann die Mischung aber auch erst nachträglich auf Walzen oder in einem Koller- gang vornehmen. Auch durch Zerstäubung-- trocknung kann man die gewünsehte Mischung in leicht lösliche Pulver überführen.
In hartem Wasser wird die reinigende Wirkung der Disulfoniniide für sich allein herabgesetzt, erreicht aber die Werte für wei ches Wasser, wenn in CTegernvart der genann ten alkalischen Salze, wie Soda -oder Pyro- phosphat oder Metapliosphat, gearbeitet wird.
Beispiel <I>1:</I> <B>170</B> Gewielitsteile eines Paraffingemisches der mittleren Zusammensetzung C1211.6 aus der Fischer-Tropsch-Svntliese werden bei 30 bis 35 unter Bestrahlung mit elektrischem Licht so lange mit einem Gemiseh von Chlor und Scliwefeldioxy d in bekannter Weise be handelt, bis etwa 601/o des Ausgangsmate rials in sulfochloridhaltige Verbindungen überführt worden sind.
Das Unverseifbare wird durch Vakuumwasserdampfdestillation entfernt. Durch Umsetzung des Sulfochlorids mit Ammoniak wird das entsprechende Sulfon amid gewonnen. Dieses wird durch ansehlie- ssende Umsetzung mit dem Ausgangssulfon- ehlorid in ein Gemisch von Disulfonimiden der Zusammensetzung RSO9NHSO.R verwandelt, worin R der Zusammensetzung des verwen deten Paraffingemisches entspricht.
Durch Umsetmlng des Sulfonimids mit der berech neten Menge Natronlauge und Trocknen wird das Natriumsalz des Disulionimids - im fol genden als Aktivsubstanz bezeichnet - dar gestellt. 100 Gewichtsteile Aktivsubstanz wer den mit 400 Gewiehtsteilen Natriumsulfat so wie 500 Gewiehtsteilen Wasser gemischt und durch Zerstäubungstroeknung in. ein lockeres sehüttiges Pulver überführt. -Man erhält ein ausgezeichnetes Feinwasehinittel, das sieh in Konzentrationen von bis 5 g pro Liter zum.
%schen von Wolle und Seide verwenden lässt. Durch Ersatz von 75 Gewiehtsteilen Natrium sulfat durch die Bleiehe Menge Tetranatrium- pyrophosphat wird die Wasehivirkung beson ders in hartem Wasser deutlich verbessert. Beispiel <I>2:</I> 100 Gewichtsteile der Aktivsubstanz nach Beispiel 1 werden. mit 50 Gewichtsteilen eines Alkylenbenzolsulfonates (mittlere Grösse des Alkyls C1011.12) gemischt.
Dieses Gemisch wird in gleicher Weise wie in Beispiel 1 be- sehrieben mit 4-00 Gewiehtsteilen Natriumsul fat und 500 Gewichtsteilen Wasser verrührt und durch Zer;stäubungstrocknung in ein Feinwaschmittel überführt, das sich besonders durch sein hervorragendes Schaumvermögen auszeichnet.
Beispiel <I>3:</I> 20 Gewichtsteile Soda werden mit 40 (,'ewiehtsteilen Tetranatriumpyrophosphat, 15 (sewiclitsteilen Natriumsulfat, 1 Gewichtsteil celluloseglykolsaures Natrium sowie 12 Ge wichtsteilen Aktivsubstanz (vgl. Beispiel 7) und <B>1,50</B> Gewichtsteilen 'Wasser zu einer Paste gerührt und in bekannter Weise durch Zer stäuben in ein trockenes Pulver überführt. Man erhält ein ausgezeichnetes Grobwaschmit tel für Koehwäsche.
7,rsetzt man 2 Teile der Aktivsubstanz durcb 8 Teile eines Fettalkoholsulfonates unter Zumischung von 2,5 Gewichtsteilen Magne- siumsilikat und fügt dein fertigen Pulver auf einer Bandwaage 5 Gewichtsteile Natriumper- borat hinzu, so erhält man ein hervorragendes, waschaktives und stabilisiertes, selbsttätiges Waschmittel, das besonders gegen fettige Ver- sehmutzungen aktiv ist.