Laminardisperses System und Verfahren zu seiner Herstellung Die Verwendung dünner Schichten als Lichtfilter ist bekannt und beruhte bisher auf der Ausnutzung folgender Erscheinun gen: 1. Reflexion.
2. Absorption. 3. Interferenz.
Für die nur auf 1. und 3. beruhenden Licht filter ist kennzeichnend, dass die nicht durch fallenden Anteile des eingestrahlten Lichtes eine Spiegelung erfahren. Während mit Hilfe an Reflexion und Interferenz eine sehr selek tive Filterwirkung erzielt werden kann, ist dies mittels Absorption im allgemeinen nicht möglich, was darauf zurückzuführen ist, dass bei dünnen Schichten im Gegensatz zu Farb- gläsern eine hinreichende Absorption des Lichtes nur mit sogenannten stark absorbie renden Stoffen erreicht werden kann, das sind solche, bei denen der Kehrwert der Absorp tionskonstante kleiner als die Lichtwellen länge ist.
Die Auswahl solcher Stoffe ist be schränkt, da sie häufig keine hinreichende mechanische und chemische Widerstands- fähifgkeit aufweisen, nicht in gleichmässig dünner Schicht aufgebracht werden können und besonders im sichtbaren Bereich keine scharfen Absorptionskanten besitzen. Ihre Absorptionsspektren verlaufen im allgemeinen flach, meist mit einem Abfall der Absorption vom Ultraviolett gegen Ultrarot. Es ist bis her auch noch nicht gelungen, mit dünnen Schichten selektive Lichtfilter zu erzeugen, die keine oder wenigstens nur geringe Spie gelung des Restlichtes hervorrufen. Für viele Zwecke, z. B. für Blendschutzbeläge oder Be läge auf Glas für dekorative Zwecke, wird aber gerade dies gewünscht.
Die Herstellung bisher gebräuchlicher In terferenzlichtfilter, die ein vorbestimmtes Wellenlängenband des Spektrums hindurch lassen, während das übrige Licht reflektiert wird, erfordert anderseits einen grossen Auf wand an Zeit und Arbeit, denn zur Erzielung einer befriedigenden Steilheit der Transmis- sionsknrve an den Rändern des durchgelas senen Bereiches ist die Aufbringung einer grösseren Anzahl von Schichten erforderlich.
Solche Mehrschichtsysteme sind nun häufig nicht, sehr haltbar und neigen dazu, vom Trä ger abzuspringen. Die Zahl der Stoffe, die hei Erfüllung der optischen Bedingungen Brechungsindex, optische Weglänge - ge nügende mechanische und chemische Bestän digkeit für die Verwendung in solchen Mehr schichtsystemen aufweisen, ist gering.
Zur genaueren Erläuterung des Erfin dungsgegenstandes ist noch eine Einschaltung notwendig.
Die Kolloidwissenschaft versteht unter einem dispersen System ein System mit sich wiederholenden Diskontinuitäten seiner phy sikalischen EigerLschaften in räumlichen Ab ständen kolloider Dimensionen, also etwa von 1.-500 mu. Demgemäss kann man dünne Schichten, wie sie f är optische Zwecke, z. B. Reflexverminderung oder Interferenzfilter, verwendet werden, als laminardisperse Systeme betrachten. Die Struktur eines Kör pers kann nach verschiedenen Richtungen ver schieden sein. Im Falle homogener dünner Schichten liegt Zerteilung nur nach einer Richtung des Raumes vor.
Ein solcher Fall ist in Fig. 1 a, b, c veranschaulicht. Zu diesem Zweck wurde durch einen willkürlichen Punkt einer homogenen Einfachschicht ein rechtwinkliges Koordinatensystem (x- und y- Achse parallel, z senkrecht zur Grenzfläche) gelegt und nun irgendeine charakteristische physikalische Grösse n der Schichtsubstanz, z. B. die Brechzahl, als Funktion des Ortes dargestellt; in Fig. 1a für einen Punkt auf der x-Achse, in Fig. 1b für einen Punkt auf der y-Achse und in Fig. 1c für einen Punkt auf der x-Achse. Die Einheit des verwendeten Abszissenmassstabes liegt in der Grössenord nung kolloider Dimensionen, es sei also etwa 1 Teilstrich = 5-50 m .
Man erhält längs der x-Achse (Fig. la und 1b) Kontinuität der physikalischen Eigenschaften, längs der x-Achse (Fig. 1c) jedoch aufeinanderfolgende starke Diskontinuitäten. Fig. 2a, b, c veran schaulichen den Fall einer Mehrfachschicht auf einem Träger, bestehend aus drei homo genen Teilschichten, wie sie z. B. in bekann ter Weise für Interferenzfilter verwendet wird. Hier findet man in Richtung der z- Achse mehrfache Diskontinuitäten, während in der Richtung der x- und y-Achse keine Diskontinuitäten auftreten. Schliesslich ist in Fig. 3a, b, c das Schema einer sog.
inhomo genen Schicht wiedergegeben (womit bisher Schichten bezeichnet wurden, die senkrecht zur Grenzfläche einen Gradienten ihrer phy sikalischen Eigenschaften, etwa der Brech- zahl, aufwiesen). Die Bezeichnung inhomo gen könnte im Zusammenhang mit dem Er findungsgegenstand zu Verwechslungen An lass geben, und es wird daher die Bezeichnung Übergangsschicht vorgeschlagen und damit dem kontinuierlichen Übergang der physikali schen Eigenschaften, wie er in Fig. 3c ver- ansehaulicht wird, Rechnung getragen. In allen besprochenen Fällen traten in je zwei Aehsenrichtungen keine Dishontinuitäten auf.
Es war auch bisher nicht möglich, im Va kuumaufdampfverfahren oder durch Katho denzerstäubung Schichten mit in mehr als einer Achsenrichtung (nämlich der x-Achse) sieh wiederholenden starken Diskontinuitäten in der Grössenordnung kolloider Dimensionen zielsicher herzustellen. Die in der x- und Richtung reproduzierbaren makroskopisehen Änderungen physikalischer Eigenschaften be sassen in kolloidem Massstab gemessen ein sehr flaches Gefälle und erreichten bestenfalls einen in Fig. 4a, b, c veranschaulichten Grad.
Der Erfindungsgegenstand betrifft nun ein laminardisperses System, bei dem wenig stens eine der Lamellen, aus denen das System besteht, eine kolloiddisperse Primärstruktur aufweist, derart, dass innerhalb dieser Lamelle sich wiederholende Diskontinuitäten physika liseher Eigenschaften in Abständen kolloider Dimensionen auftreten, wobei das laminar disperse System durchwegs aus festen anorga nischen Stoffen aufgebaut ist. Ein solcher Fall ist in Fig. 5 a, b, c beispielsweise schema tisch wiedergegeben. Hierbei können, wie Fig. 5a andeutet, die Abstände der Diskonti- nuitäten in einer Achsenrichtung die Grösse kolloider Abmessungen überschreiten.
Man kann in einem solchen Fall von einer fibrillar- dispersen Primärstruktur der Schicht spre- ehen oder von einem (evtl richtungsgeordne ten) fibrillardispersen System mit lamellarer Überstruktur (Sekundärstruktur).
Es können aber auch in beiden, zur Schielitebene par allelen Achsrichtungen Diskontinuitäten in kolloidalen Abständen auftreten, wie Fig. 6(t. b, c veranschaulicht. -Han kann eine Anord nung aus Schichten mit totaldisperser Primär struktur als totaldisperses System mit lamel- la.rer Überstruktur bezeichnen.
Die Primär- struktur kann -in verschiedenen Richtungen verschiedene Dispersitätsgrade aufweisen. Eine Schicht mit hoher fibrillardisperser Primär struktur zeigt Fig. 7a, b, c, eine solche mit totaldisperser Primärstruktur Fig. <I>8 a,</I> b,
<I>c.</I> Fig. 7c und 8c zeigen die Diskontinuität der physikalischen Eigenschaften auch innerhalb der Schicht in der Richtun. senkrecht zur S Sihiehtebene. Die Schichten können auch wenigstens in einer Achsrichtung einen Gra dienten der Häufigkeit oder Grösse der Kol loidteilchen der Primärstruktur aufweisen; wie dies in Fig. 9 an einem totaldispersen System für die z-Achse dargestellt wurde.
Die Primärstruktur kann bei totaler (drei- dinmensionaler) Dispersion Korpuskeln von Kugeliger oder auch solche von gestreckter bzw. abgeplatteter (Faden- oder Plättchen-) Form enthalten, deren Grösse nicht einheitlich sein braucht. Ferner kann das partiell- oder totaldisperse System aus mehr als zwei Komponenten aufgebaut sein. Ein derartiges System mit drei Komponenten innerhalb einer düinnen Schicht ist in Fig. 10a, b, c wieder gegeben. Ein lamellardisperses System mit totaldisperser Primärstruktur und vier Kom ponenten ist in Fig. 17 a, b, c dargestellt. In diesem Beispiel wurde jede der drei Schich ten als Zweikomponentensystem gewählt.
Darüber hinaus können nach dem erfindungs gemässen Verfahren beliebige Kombinationen der oben angeführten Typen der Primär lind Sekundärstruktur hergestellt werden.
Die optischen Effekte, die an solchen Sclhichten oder Schichtkombinationen mit total- oder partielldisperser Primärstruktur erzielt werden, sind sehr verschiedenartig und in theoretischer Hinsicht noch nicht vollstän dig geklärt. Sie treten besonders dann stark hervor, wenn starke Diskontinuitäten der Brechzahl und des Absorptionsindex zwischen den, einzelnen Komponenten des dispersen Syltemns vorliegen. Die Art der Effekte ist von der Form und Grösse der Teilchen ab hängig.
Ist der Dispersitätsgrad der Primär- si ruktur sehr hoch, so dass man sie als mole- kurlardispers bzw. atomardispers betrachten kann, so beobachtet man an demn lamninar- dispersen System lediglich die eingangs er wähnten Merkmale: Reflexion, Absorption und Interferenz. Mit abnehmendem Disper- sitätsgrad zeigen nun die Extinktionsspektren solcher Systeme neu hinzutretende Banden, die auf die Streuung des Lichtes zurück zuführen sind.
Bei geeigneten Stoffkombi nationen und Dispersitätsgraden kann die durch Streuung erzielte wellenlängenabhän gige Extinktion gegenüber der Wirkung von Reflexion, Absorption und Interferenz weit aus überwiegen. Man kann an solchen Syste men Extinktionsspektren mit scharf ausge prägten Maxima erhalten. Ein typisches Ex tinktionsspektrum dieser Art ist in Fig. 12 dargestellt. Damit können sehr selektive Licht filter hergestellt werden, u. a. auch solche, die nur geringe Spiegelung des Lichtes erge ben. Fibrillardisperse Systeme weisen häufig Dichroismus auf und können. dann als Polari sationsfilter angewendet. werden.
Solche Systeme kann man auch in Kombination mit homogenen dünnen Schichten gegebenenfalls unter zusätzlicher Ausnützung von Reflexion, z1.bsorption und Interferenz anwenden und dadurch besondere Filterwirkungen erzielen.
Auch besondere elektrische Effekte wur den an solchen Systemen beobachtet: relativ hohe elektrische Leitfähigkeit bei Anwesen. heit metallischer Komponenten, Kataphorese kolloidaler Korpuskel innerhalb der Schicht bei Anlegen einer Gleichspannung bei Tem peraturen, die weit unterhalb des Schmelz punktes der das System aufbauenden Kom ponenten liegen. Weiter zeigt sich Richtungs abhängigkeit des elektrischen Widerstandes bei geordneten fibrillardispersen Systemen.
Aber auch in chemischer Hinsicht unter scheiden sich kolloiddisperse Schichten und Schichtsysteme von homogenen Schichten. So werden. z. B. korrosionsempfindliche Metalle durch korrosionsbeständige Stoffe im total dispersen Zustand bedeutend besser geschützt als im laminardispersen. Ihr chemisches Ver halten ist im totaldispersen Zustand oft gänz lich verschieden gegenüber ihrem Verhalten in dünner Schicht oder in kompaktem Zu stand.
Bei kolloiddispersen Schichten ergeben sich hinsichtlich ihrer chemischen Zusammenset zung gegenüber den bekannten, festen kolloid dispersen Systemen (z. B. Rubinglas) nicht nur qualitativ, das heisst. in der Auswahl der verwendeten Stoffe, sondern auch quantita tiv bezüglich des Mengenverhältnisses der dis pergierten Stoffe zum Dispergierungsmittel völlig neue Möglichkeiten. Beträgt z. B. bei Rubingläsern das Mengenverhältnis Gold zu Glas etwa 1:100U, so kann das Verhältnis Gold zu Dielektrikum beim erfindungsgemä ssen Verfahren 2:1 und mehr betragen. Solche Schichten verleihen einem Glasträger, auf dem sie aufgebracht sind, das Aussehen leuch tendroten Rubinglases.
Infolge der geringen Schichtdicke ist der Goldverbrauch trotzdem minimal.
Kennzeichnend für die bisherige Herstel lungsweise fester, kolloiddisperser Systeme war, dass sie stets an einen Weg über den flüssigen Zustand mindestens einer Phase ge bunden war. Sie wurden bisher meist nur unter Schmelzen der beteiligten Stoffe herge stellt. Für feste Kolloide, die für optische Zwecke geeignet waren, z. B. Rubinglas, kamen als Dispergierungsmittel nur glas artige Stoffe in Betracht, als dispergierte Stoffe nur solche, welche mit dem verwende ten Glas, dem Tiegelmaterial und der umge benden Atmosphäre bei den relativ hohen Schmelztemperaturen keine unerwünschten Reaktionen ergaben. Die Zahl der praktisch herstellbaren festen Kolloide war daher sehr gering. Bei dem erfindungsgemässen Verfah ren dagegen werden die Stoffe nicht in der flüssigen Phase miteinander vereinigt und ineinander verteilt.
Das Kennzeichen des er findungsgemässen Verfahrens zur Herstellung laminardisperser Systeme besteht vielmehr darin, dass die am Aufbau des Systems betei- lugten Stoffe in einem Unterdruckraum aus der Gasphase auf einen Träger niedergeschla gen werden.
Das bei dieser Kondensation zunächst er haltene Produkt kann verschiedene Disper- sitätsgrade aufweisen, je nachdem, ob die be teiligten Stoffe zugleich oder aufeinander folgend kondensiert wurden; hierbei ist jeder Dispersitätsgrad möglich, beginnend von atomar- oder molekulardisperser Struktur über eine diskrete lamellardisperse Struktur bis zu dünnen Schichten in der Dicke von etwa 100 m t Gegebenenfalls zunächst noch nicht total oder fibrillardisperse Primärstruk turen können auf dem Weg einer weiter unten beschriebenen Naehbehandlung leicht in diese übergeführt werden, wobei aber Vorausset zung ist, dass das Aufbringen der Schichten nach dem Verfahren gemäss Patentansprueh II erfolgte.
Die Nachbehandlung kann eine Kon densation (Abnahme des Dispersitätsgrades), Dispersion (Zunahme des Dispersitätgrades) oder Difformation (Verformung der Struk tur) bewirken. Es erscheint zunächst schwie rig, den bei der Nachbehandlung stattfinden den Prozess in die gewünschte Richtung zu lenken. Es zeigt sich aber überraschender weise, dass bei Niederschlagen der Schichten nach dem erfindungsgemässen Verfahren die Strukturänderung regelmässig zu der ge wünschten total- oder fibrillardispersen Pri märstruktur führt. Dabei stellt. der für opti sche Zwecke vorzugsweise angewendete Dis- persitätsgrad der Primärstruktur einen bevor zugten Haltepunkt des Dispersions- oder Kon densationsvorganges dar.
Die Schichten werden beispielsweise mit tels Vakuumaufdampfung aufgebracht (ohne dass Kathodenzerstäubung zum Aufbringen der Schichten ausgeschlossen wäre).
Zur Verdampfung gelangen z. B. zwei unter Normalbedingungen feste Stoffe. Hier bei können die zu verdampfenden Stoffe als Gemisch vorliegen. Die Verdampfung der Stoffe kann entweder gleichzeitig oder in zeitlicher Aufeinanderfolge vor sieh gehen. Die Technik der Verdampfung kann auf zweierlei Wegen erfolgen: a.) Verdampfung im Hochvakuum: Die Verdampfung erfolgt aus einer oder mehreren Verdampfungsquellen. Im letzteren Falle ist vorzugsweise ge trennte Regelbarkeit der Temperatur und Verdampfungsgesehwindigkeit für die einzelnen Verdampfungsquellen vorgesehen.
b) Kathodenzerstäubung: Durch Variation der Grösse der zer stäubenden Kathodenflächen, der an gelegten Spannungen, der Stromstär ken und der Temperaturen der Katho- denflächen kann die Zerstäubungsge- sehwindigkeit der einzelnen Stoffe ge regelt werden.
Während der Verdampfung können auch chemische Reaktionen vor sich gehen. Einer seits kann Dissoziation der verdampfenden Stoffe stattfinden, anderseits Reaktionen des Restgases mit den verdampfenden Substanzen, z. B. Oxydation. Solche chemischen Reak tionen können, wie an späteren Beispielen ge zeigt wird, bewusst herbeigeführt werden, um gewünsehte Stoffe oder Stoffkombinationen des Endproduktes zu erhalten.
Die Kondensation der Dampfströme der einzelnen Verdampfungsquellen kann durch ge eignet geformte feste oder bewegliche Blenden und durch Regelung des Abstandes Verdamp fungsquelle-Kondensationsfläche und des Auftreffwinkels in gewünschter Weise gelenkt wl erden. Hierbei kann man das Mengenver hältnis der kondensierenden Stoffe konstant halten oder mit fortschreitender Kondensa tion variieren, so dass innerhalb einer erfin dungsgemässen Schicht Gradienten der Kon zentration nach jeder beliebigen Richtung sowohl senkrecht zur Schichtebene als auch in der Schiclhtebene erreicht werden können.
Das Verfahren kann dabei so geleitet werden, dass die kondensierenden Stoffe entweder bei gleichzeitiger Kondensation eine möglichst feindisperse Primärstruktur ergeben oder bei alternierender Kondensation laminare, homo gene, aufeinanderfolgende Schichten, die noch einer weiteren Behandlung zugeführt werden müssen. In manchen Fällen, wenn richtungs- geordnete fibrillardisperse Primärstrukturen erzielt werden sollen, ist Schrägstellung der Kondensationsfläche gegenüber dem Dampf strahl vorteilhaft. Auch können während der lKondensation ehemische Reaktionen der v er- dIampften Stoffe untereinander oder mit zu gerührtem Gas herbeigeführt werden.
Die genannte, nicht in allen Fällen erfor- derliche Nachbehandlung des Kondensates zur. Herbeiführung der kolloiddispersen Primär struktur kann physikalisch und in manchen Fällen auch chemisch erfolgen. Unter den chemischen Behandlungsmetho den steht an erster Stelle die Durchführung heterogener Reaktionen mindestens eines der beteiligten festen Stoffe mit einem bei der Reaktionstemperatur gasförmigen Stoff.
Unter den physikalischen Nachbehand lungsmethoden kommen vor allem folgende in Frage: Temperaturbehandlung Einwirkung v an ultraviolettem, ultrarotem oder sicht barem Licht, Röntgenstrahlen, Korpuskular- strahlen und Ultraschall.
Bei Temperaturbehandlung werden vor zugsweise Temperaturen angewandt, die be trächtlich unterhalb des Schmelzpunktes jedes der beteiligten Stoffe liegen.
Eine richtungsgeordnete Primärstruktur wird auch dadurch erzielt, dass während des Aufbaues der Kolloidstruktur die Schicht richtend wirkenden physikalischen Einwir kungen, z. B. 1NTagnetfeldern, elektrischen Fel dern, Temperaturgradienten, Ultraschallfel dern usw., ausgesetzt wird.
Alle oben genannten Massnahmen zur Nachbehandlung des Kondensates können gegebenenfalls auch während der Kondensa tion angewandt werden. Eine Festigung der Schicht und eine Beschleunigung der Kolloid bildung kann ferner durch Einwirkung von Lösungsmitteln, z. B. Wasser, verdünnter Säure usw., erreicht werden. Ein nachfolgen des Erwärmen der Schicht. ist dabei in vielen Fällen vorteilhaft.
Es folgen spezielle Ausführungsbeispiele Man dampft gleichzeitig oder in wieder holter zeitlicher Reihenfolge mit oder ohne Anwesenheit von Sauerstoff oder sauerstoff haltiger Atmosphäre Gold und Zink im Hoch vakuum auf einen Träger. Zur Erreichung einer gewünschten Schichtdicke und Extink- tion wird die Kondensation vorzugsweise mit optischen Einrichtungen durch Messung der Transmission und der Reflexion der aufge dampften Schicht während der Aufdampfung verfolgt und die Kondensationsgeschwindig keit beispielsweise durch Blenden geregelt.
Die auf diese Weise erhaltene dünne Schicht weist noch keine kolloiddisperse Primärstruk tur auf. Um diese zu bilden, wird der Träger mit dem Kondensat etwa 10 Min. in Sauer stoff oder sauerstoffhaltiger Atmosphäre auf eine Temperatur von etwa 300 C gebracht. Die vorher undurchsichtige, metallisch glän zende Schicht geht dadurch in eine durch sichtige, tief purpurfarbene - oder je nach Mengenverhältnis der beteiligten Stoffe auch blaue - Schicht mit. geringem Reflexions vermögen über. Diese Schicht besitzt ein aus geprägtes Extinktionsmaximum bei 550 m u, fast unabhängig von der Schichtdicke und Mengenverhältnis der Komponenten.
Ein anderes Beispiel ist auf dem System Magnesiumfluorid-Kupfer aufgebaut. Hier bei wird MgF2 und Cu gleichzeitig im Hoch vakuum verdampft. Besteht bei der Konden sation hinreichende Wärmeableitung, so bildet sich eine molekulardisperse Schicht, die in der Durchsicht grün erscheint. Wird diese Schicht nun bei 300 getempert, so nimmt sie eine intensiv purpurrote Färbung an Es ist interessant, dass dabei trotz Anwesenheit von Sauerstoff keine Oxydation des Cu stattfin det. Die Kondensation kann auch so gelenkt werden, dass in Richtung senkrecht zur Trä geroberfläche die Cu-Konzentration abnimmt. und bei geeigneter Schichtdicke eine starke Reflexionsverminderung erzielt wird.
Erfolgt hingegen die Kondensation bei erhöhter Tem peratur, so bildet sich unmittelbar die pur purrote Färbung der Schicht, so dass keine Nachbehandlung erforderlich ist.
Im allgemeinen richtet sich die Auswahl der Ausgangsstoffe nach den Stoffen, die man im Endprodukt erhalten will, unter Berück sichtigung etwaiger chemischer Reaktionen bei den einzelnen Verfahrensschritten. Es er wies sich als vorteilhaft, wenn die Stoffkom ponenten des Endproduktes sich durch fol gende Eigenschaften auszeichnen: 1. mind. zwei Stoffkomponenten sollen in ihren optischen Eigenschaften starke Unter schiede aufweisen, 2. mind. einer der Stoffe soll möglichst hohe Härte aufweisen, 3. mind. einer der Stoffe soll möglichst kor rosionsbeständig sein, 4. mied. einer der Stoffe soll einen Schmelzpunkt unter 1700 aufweisen, 5. mind. zwei Stoffe sollen ineinander möglichst unlöslich oder sehwerlöslieh sein.
Dies wird vorzugsweise dadurch realisiert, dass das Endprodukt mindestens ein Metall und mindestens ein Dielektriknm enthält, Chemische Umsetzungen des Kondensates wer den verhindert, wenn die N achbehandlung im Vakuum oder inerten Gas stattfindet, erzielt, wenn die Nachbehandlung in einem bei der Reaktionstemperatur gasförmigen und mit mindestens einem der Aufbaustoffe des Kon- densates reaktionsfähigen Stoff stattfindet.
Erfindungsgemässe Schichten haben die verschiedensten Anwendungsmöglichkeiten. Blendschutzbeläge, die nicht spiegeln, und Be läge für dekorative Zwecke wurden schon ein gangs erwähnt. Für die Anwendung für deko rative Zwecke gibt es noch folgende interes sante Varianten: insbesondere bei Verwen dung von sichtbarem Licht oder Korpuskular strahlen zur Überführung der Schicht in den kolloiddispersen Zustand können unter Benut zung von Licht- oder Korpuskularstrahlopti- ken bzw. -blenden, Muster, z. B. Ziermuster, erzeugt werden, indem einzelne Stellen der Schicht stärker, andere dagegen weniger stark oder überhaupt nicht in den kolloidalen Zu stand übergeführt werden. Weitere Anwen dungsmöglichkeiten sind Lichtfilter für wis senschaftliche und industrielle Zwecke.
Oben beschriebene Rubinschichten besitzen z. B. eine Extinktionskurve, die eine Abhängigkeit der Liehttransmission (in Prozent) von der Wellenlänge des einfallenden Lichtes (in mlc) zeigt., wie sie etwa in Fig. l.? abgebildet. ist. Daraus ist ersichtlich, dass solche Schichten sieh vorzüglich für Lichtfilter eignen.
Ohne komplizierte Mehrfaelrschiehtsy steure ist damit ein Filter geschaffen, das die bisher bekann- teir Interferenzliehtfilter in @-ielen Fällen an Widerstandsfähigkeit. weit übertrifft. Ein wei terer Vorteil ist, da.ss solche Filter bei Ände rung des Lichteinfallswinkels die Wellenlänge der max. Durchlässigkeit nicht verlagern, was bekanntlich bei den Interferenzlichtfiltern sehr störend wirkt.
Ein nach der Erfindung erhaltener Liehtfilter vereint einerseits den Vorteil der Absorptionsfilter, nämlich rich tungsunabhängig zu sein, mit dem der Inter ferenzfilter, die steile Kanten in ihren Trans missionsspektren aufweisen.
Fibrillardisperse Systeme haben bekannt lich die Eigenschaft, Licht zu polarisieren. Fibrillardisperse Systeme, die nach der Er findung hergestellt sind, können daher auch als Polarisationsfilter verwendet werden.
Selbstverständlich besteht auch noch die Mö gliehkeit, dünne Schichten mit Kolloid struktur mit homogenen oder Übergangs- sebichten, wie sie bisher schon für Reflexions verminderung und dergleichen angewandt wurden, zu kombinieren und so Interferenz-, Reflexions- und Absorptionserseheinungen zu sätzlleh auszunutzen.