Verfahren zur Herstellung eines neuen Antibiotikums Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Angolamycin, einem neuen kri stallinen Antibiotikum.
Das Angolamycin ist eine Base und bildet, aus Benzol-Äther-Gemisch kristallisiert, farblose Kri stalle, die bei 133-l36 schmelzen. Aus gewissen Lösungsmitteln, z. B. aus Diisopropyläther, kristalli siert das Angolamycin in einer zweiten, nadelförmi gen Kristallmodifikation, F. = 165-l68 . Die Werte der Elementaranalyse weisen auf die Brutto formel C",-s-iHag+2GisN hin.
Berechnet auf diese Formel enthält das Angolamycin drei Methoxygrup- pen, zwei N-Methylgruppen, wenigstens acht C-Me- thylgruppen, bestimmt nach der Methode von Kuhn- Roth, sowie fünf aktive Wasserstoffatome (Zerewiti- noff). Das Angolamycin ist optisch aktiv, [a] D = -64 in Chloroform, und weist im Ultraviolett eine starke Bande bei 240<I>mA</I> auf (log E = 4,
16 in Ätha- nol). Im Infrarot-Spektrum, in Nujol aufgenommen, zeigen sich Banden u. a. bei 2,93, 3,53, 5,84, 5,92, 6,15, 6,81, 7,06, 7,25, 7,59, 7,87, 8,16, 8,56, 9,16, 9,34, 10,02, 10,29, 11,00, 11,91, 12,66 und 13,20,u. In Methyleellosolvewasser (80:20) gelöst, weist Angolamycin einen pK-Wert von 6,74 auf.
Bei der Hydrierung in Äthanol mit einem Palladium-Cal- ciumcarbonat-Katalysator wird 1 Mol Wasserstoff aufgenommen, während in Eisessig mit einem Platin oxyd-Katalysator 3 Mol Wasserstoff verbraucht wer den.
Angolamycin weist hinsichtlich der physikali schen Konstanten eine gewisse Ähnlichkeit mit Car- bomycin und mit Erythromycin auf. Von Carbo- mycin kann es leicht mittels der Farbreaktionen von Fischbach und Levine (Antibiotics and Chemotherapy 3, 1158 [1953]) unterschieden werden.
Angolamycin gibt dabei anfangs eine schmutziggelbe, später eine braune Farbe, während mit Carbomycin unter den gleichen Bedingungen eine violette bis purpurne Fär bung erhalten wird. Von Erythromycin unterscheidet es sich, ausser in der UV-Absorption, durch sein papierchromato- graphisches Verhalten.
Im Lösungsmittelsystem Me thanol (19 Volumteile)-Aceton (6 Volumteile)-Was- ser (75 Volumteile) wurden folgende Rf-Werte ge funden: Angolamycin 0,78, Erythromycin 0,86. Ein weiterer Unterschied zwischen Angolamycin und Erythromycin zeigt sich bei der Hydrolyse dieser Antibiotika mit verdünnten Mineralsäuren, indem die entstehenden, reduzierenden Spaltprodukte sich papierchromatographisch verschieden verhalten.
Die Salze des Angolamycins leiten sich von den bekannten anorganischen und organischen Säuren ab, beispielsweise von der Salzsäure, den Schwefel säuren, der Essig-, Propion-, Valerian-, Palmitin- oder Ölsäure, der Bernsteinsäure, Citronensäure, Mandelsäure, Glutaminsäure oder Pantothensäure. Sie stellen neutrale oder saure Salze dar.
Ihre Her stellung kann durch Einwirkung der entsprechenden Säuren auf die freie Base oder durch doppelte Um setzung von Salzen, beispielsweise von Angolamycin- sulfat mit pantothensaurem Natrium erfolgen.
Angolamycin besitzt eine antibiotische Wirksam keit gegenüber verschiedenen Testorganismen. Ver wendet man als Testmethode in vitro Verdünnungs reihen (Zehnerpotenzen) in Glukosebouillon, die während 24 Stunden bei 37 bebrütet werden, so ergeben sich folgende noch hemmende Konzentra tionen:
EMI0002.0001
Hemmende
<tb> Testorganismen <SEP> Konzentration
<tb> <U>llg/cm</U>s
<tb> Bacillus <SEP> megatherium <SEP> 0,1-1
<tb> Streptococcus <SEP> pyogenes <SEP> 10
<tb> Micrococcus <SEP> pyogenes <SEP> var. <SEP> aureus <SEP> 10-100
<tb> Micrococcus <SEP> pyogenes <SEP> var. <SEP> aureus,
<tb> Penicillin <SEP> resistent <SEP> 10-100
<tb> Corynebacterium <SEP> diphtheriae <SEP> 100
<tb> Entamoeba <SEP> histolytica <SEP> 10-100 Angolamycin ist in vitro nicht wirksam in einer Konzentration von 100 ,u g;\cm?, gegenüber folgenden Mikroorganismen:
Streptococcus mitis, Streptococcus faecalis, Escherichia coli, Salmonella typhosa, Sal- monella schottmuelleri, Shigella Bonnei, Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae (Typ A), Pasteu- rella pestis,
Vibrio comma (El Tor), Mycobacterium tuberculosis (H 37 Rv), Candida albicans und Can- dida tropicalis.
In vivo ist Angolamycin ebenfalls aktiv. Bei Ver abreichung an mit Streptococcus pyogenes infizier ten Mäusen werden mit 10 X 50 mg'<B>(kg</B> s. c. am 6. Tag 100 1/o und am 10. Tag 67 % überlebende festgestellt.
Die Toxizität von Angolamycin ist gering: 500 mgkg einmal subcutan injiziert, werden von Mäusen ohne Schädigung ertragen.
Das Antibiotikum Angolamycin entsteht bei der Kultur einer neuen Aktinomycetenart der Gattung Streptomyces, die mit keiner der in Bergey's Manual of Determinative Bacteriology , 6.
Aufl. oder in Actinomycetes and their Antibiotics von Waksman und Lechevalier 1953 aufgeführten Arten identisch ist und im folgenden als Streptomyces eurythermus beschrieben wird. Sie wurde bisher dreimal isoliert, und zwar aus Bodenproben, die in Cuanza (Angola), in Kisantu (Kongo) und bei Regensberg (Schweiz) gesammelt worden sind.
Alle diese drei Stämme pro duzieren das neue Antibiotikum und stimmen mor phologisch und physiologisch mit nur geringfügigen Unterschieden überein. Sie werden in unsern Labo ratorien und in der Eidg. Technischen Hochschule, Institut für spezielle Botanik, Zürich, unter der Be zeichnung A 6677, A 6905 und A 7489 aufbewahrt.
Streptomyces eurythermus bildet auf fast allen Nährmedien ein Substratmycel aus langen Hyphen und ein dunkelbraunes, diffundierendes Pigment. Das Luftmycel ist dicht und meist grau, mit einzelnen, nicht zu Büscheln vereinigten Konidienketten. Die letzteren sind ein typisches Merkmal der Gattung Streptomyces. Die einzelnen Konidien sind eiför mig bis kugelig und glatt, ihre Grösse beträgt 0,8-1<I> </I> X 0,6-0,7 p.. Das Wachstum ist relativ wenig abhängig von der Temperatur, sowohl bei 18 als auch bei 58 entwickelt sich der Pilz gut,
doch liegt das Optimum zwischen 25 und 32 .
Zur weiteren Charakterisierung wird im folgen den das Wachstum von Streptomyces eurythermus auf verschiedenen Nährmedien beschrieben. Die Nährmedien 1-8 und 12 wurden nach W. Linden bein, Arch. Mikrobiol. 17, 361 (l952) hergestellt.
1. Synthetischer Agar: Wachstum pustelig, hell braun; Luftmycel spärlich, anfangs weissgrau, später aschgrau; Pigment braun. Der Stamm A 7489 bildet ein reichlicheres, dicht samtiges, aschgraues Luftmycel.
2. Synthetische Lösung: Untergetauchtes Wachs tum, Flocken und Sediment, hellbraun; Pigment braun.
3. Glucosebrühe: Wachstum spärlich, Sediment pustelig, bräunlichgelb.
4. Glucoseagar: Wachstum kissenförmig bis runz lig, hellbraun; Luftmycel samtig, weissgrau bis grünlichgrau; Pigment kastanienbraun.
5. Glucose-Asparagin-Agar: Wachstum dünn und schleierartig, weissgelb; Luftmycel samtig, weiss grau bis aschgrau; Pigment kastanienbraun. Das Luftmycel von Stamm A 7489 ist an der Ober fläche leicht rosa gefärbt.
6. Kalzium-malat-Agar: Wachstum flechtenartig, hellbraun; Luftmycel staubig, aschgrau; Pigment dunkelbraun. Das Luftmycel von Stamm A 6905 ist bräunlichgrau.
7. Gelatinestich bei 18 : Wachstum sehr spärlich; Pigment dunkelbraun. Verflüssigung bei Stamm A 6677 schwach nach 40 Tagen, bei Stamm A 6905 stark (2,2 cm) nach 34 Tagen, und bei Stamm A 7489 stark (2,0 cm) nach 31 Tagen.
B. Stärkeplatte: Wachstum pustelig, goldgelb; Luft- mycel samtig, unfänglich schneeweiss, später grau; Pigment hellbraun; Stärkehydrolyse 0,5-0,8 cm nach 4 Tagen.
9. Nähragar: Wachstum pustelig, bräunlichgelb; Luftmycel samtig, aschgrau; Pigment rötlich braun. Der Stamm A 7489 bildet kein Luftmycel.
10. Kartoffel: Wachstum flechtenartig, hellbraun; Luftmycel samtig, milchweiss, dann aschgrau; Pigment bräunlich bis pechschwarz.
11. Karotte: Wachstum pustelig, bräunlichgelb; Luft- mycel samtig, bei Stamm A 6677 kreideweiss bis grau, bei den Stämmen A 6905 und A 7489 weissgrau bis rosa; Pigment pechschwarz.
12. Lackmusmilch (Difco Nr. B 107): Wachstum ringförmig, braun, später Oberflächenwachstum; Luftmycel aschgrau; Pigment dunkelbraun; Pep- tonisierung mit Gerinnung; Lackmus schwach rötlich.
Streptomyces eurythermus unterscheidet sich von andern, bekannten thermophilen Arten der Gattung Streptomyces wie folgt: von S. thermophilus (Gilbert) Waksman und Henrici durch das gut entwickelte Luftmycel, durch die starke Pigmentbildung auf Gelatine und Nähr- agar sowie durch die Farbe des Pigmentes, von S.
thermodiastaticus (Bergey) Waksman und Lechevalier durch die Farbe des Luftmycels und die Pigmentbildung, von S. thermofuscus (Waksman, Umbreit und Cordon) Waksman und Henrici durch die Farbe des Luftmycels und die Pigmentbildung auf Gelatine, von S.
casei (Bernstein und Morton) Waksman und Lechevalier durch die Farbe des Luftmycels, die Pigmentbildung und die Hydrolysierung der Stärke:
Unter den mesophilen Streptomyceten steht Streptomyces eurythermus dem S. antibioticus (Waks- man und Woodruff) Waksman und Henrici am näch sten, doch ist das Wachstum auf Kartoffeln, Karotten und Milch deutlich verschieden.
Streptomyces eurythermus wächst, nach der Me thodik von T. G. Pridham und D. Gottlieb, J. Bacte- riology 56, 107 (1948) untersucht, bei Verwendung verschiedener Kohlenstoffquellen wie folgt:
EMI0003.0029
L-Xylose <SEP> -j- <SEP> Inulin <SEP> L-Arabinose <SEP> D-Mannit
<tb> L-Rhamnose <SEP> (-) <SEP> D-Sorbit <SEP> (-)
<tb> D-Fruktose <SEP> -j-- <SEP> Dulcit <SEP> D-Galaktose <SEP> Mesoinosit <SEP> (-)
<tb> Saccharose <SEP> Salicin <SEP> -y Maltose <SEP> Natriumacetat <SEP> -f Lactose <SEP> Natriumcitrat <SEP> (-E-)
<tb> Raffinose <SEP> -E- <SEP> Natriumsuccinat Dabei bedeutet: gutes Wachstum, sichere Verwendung der betr.
Kohlenstoffquelle, (-f--) schwaches Wachstum, Verwendung der betr. Kohlenstoffquelle fraglich, (-) sehr schwaches Wachstum, Verwendung der betr. Kohlenstoffquelle unwahrscheinlich, - kein Wachstum, keine Verwendung der betr. Kohlenstoffquelle.
Zur Herstellung des Angolamycins können auch Varianten des Streptomyces eurythermus, wie sie z. B. durch Selektionierung oder Mutation, insbeson dere unter der Einwirkung von Ultraviolett- oder Röntgenstrahlen oder von Stickstoff-Senfölen, ge wonnen werden, verwendet werden.
Zur Erzeugung des Angolamycins wird Strepto- myces eurythermus oder dessen Mutanten, vorzugs weise in wässrige, anorganische Salze, eine Kohlen stoff- und Stickstoffquelle enthaltender Nährlösung, gezüchtet, bis diese eine antibakterielle Wirkung zeigt, und das gebildete Angolamycin hierauf aus dem Kulturfiltrat isoliert. Das Angolamycin kann auch in an sich bekannter Weise hydriert werden.
Die Nährlösung kann als anorganische Salze bei spielsweise Chloride, Nitrate, Carbonate, Sulfate von Alkalien, Erdalkalien, Magnesium, Eisen, Zink, Mangan enthalten. An stickstoffhaltigen Verbindun gen und gegebenenfalls zuzusetzenden Kohlehydraten und wachstumsfördernden Stoffen seien z.
B. genannt: Aminosäuren und ihre Gemische, Peptide und Pro teine sowie ihre Hydrolysate, wie Pepton oder Tryp- ton, Fleischextrakte, wasserlösliche Anteile von Ge treidekörnern, wie Mais und Weizen, von Destilla- tionsrückständen bei der Alkoholherstellung, von Hefe, Bohnen, insbesondere der Sojapflanze, von Samen, beispielsweise der Baumwollpflanze, ferner Glukose, Saccharose, Lactose, Stärke usw.
Die Züchtung erfolgt vorzugsweise aerob, also beispielsweise in ruhender Oberflächenkultur oder vorzugsweise submers unter Schütteln oder Rühren mit Luft oder Sauerstoff in Schüttelflaschen oder den bekannten Ferrnentern. Als Temperatur eignet sich eine solche zwischen 20 und 50 . Eine wesent liche antibakterielle Wirkung zeigt die Nährlösung dabei im allgemeinen nach 11/2-5 Tagen.
Zur Isolierung des Antibiotikums "aus dem vom Mycel abgetrennten Kulturfiltrat können z. B. fol gende Verfahren dienen: Man extrahiert das Kultur filtrat, vorteilhaft bei einem PH über 7,0 mit einem mit Wasser nicht mischbaren, organischen Lösungs mittel, wie Estern niederer Fettsäuren, beispielsweise Äthylacetat oder Amylacetat, chlorierten Kohlen- wasserstoffen, z. B. Äthylenchlorid, Methylenchlorid oder Chloroform, Ketonen, z.
B. Methylpropylketon, Methylamylketon oder Diisobutylketon, Alkoholen, wie Butylalkoholen oder Amylalkoholen, Äthern, z. B. Äthyläther, Diisopropyläther, Dibutyläthern oder Glykoläthern und dergleichen.
Anstelle einer Lösungsmittelextraktion des Kulturfiltrates, oder in Kombination mit einer solchen als weitere Reini gungsoperation, kann man das Antibiotikum auch durch Absorption gewinnen, beispielsweise an Aktiv kohle oder aktivierten Erden, wie Fullererde oder Floridin, und anschliessende Extraktion des Adsor- bates z:
B. mit einer sauren wässrigen Lösung und,/ oder mit einem in Wasser wenigstens teilweise lös lichen organischen Lösungsmittel, wie Isopropanol, Butanol oder Methyläthylketon. Weiter kann man das Antibiotikum z. B. als Salz einer organischen Sulfonsäure oder durch Fällung mit Pikrinsäure direkt aus dem Kulturfiltrat ausfällen.
Ein gutes Reinigungsverfahren für das neue Anti biotikum stellt die Verteilung zwischen einer sauren wässrigen Lösung und einem mit Wasser nicht misch baren organischen Lösungsmittel dar. Zweckmässig erfolgt die Verteilung nach dem Gegenstromverfah ren in entsprechenden Apparaten. Auch Chromato- graphie ist zur Reinigung sehr geeignet. Die Gewin nung des reinen Antibiotikums in kristalliner Form nimmt man z. B. aus organischen Lösungsmitteln, wie Äther, Äther-Petroläther-Gemischen, Benzol Äther-Gemischen oder Aceton-Petroläther-Gemi- schen vor.
Zur Umkristallisation dienen dieselben Lösungsmittel oder auch wässrig-organische Lösun gen, wie verdünnte Alkohole, verdünntes Aceton usw.
Angolamycin, seine Salze, seine Umwandlungs- und Spaltprodukte, oder entsprechende Gemische können als Heilmittel z. B. in Form pharmazeuti scher Präparate Verwendung finden. Diese enthalten die genannten Verbindungen in Mischung mit einem für die enterale, parenterale oder lokale Applikation geeigneten pharmazeutischen organischen oder an organischen Trägermaterial. Für dasselbe kommen solche Stoffe in Frage, die mit den neuen Verbin- Jungen nicht reagieren, wie z. B.
Gelatine, Milch zucker, Stärke, Magnesiumstearat, Talk, pflanzliche Öle, Benzylalkohole, Gummi, Polyalkylenglykole, Vaseline, Cholesterin oder andere bekannte Arznei mittelträger. Die pharmazeutischen Präparate können z. B. als Tabletten, Dragees, Pulver, Salben, Cremen, Suppositorien oder in flüssiger Form als Lösungen, Suspensionen oder Emulsionen vorliegen.
Gege benenfalls sind sie sterilisiert und bzw. oder enthal ten Hilfsstoffe, wie Konservierungs-, Stabilisierungs-, Netz- oder Emulgiermittel. Sie können auch noch andere therapeutisch wertvolle Stoffe enthalten.
Im nachfolgenden Beispiel sind die Temperatu ren in Celsiusgraden angegeben. <I>Beispiel</I> Man bereitet eine Nährlösung der Zusammen setzung: 3 g Fleischextrakt (Handelsprodukt Oxo Lab Lemco , eingetragene Marke), 5 g Pepton; 10 g Rohglukose, 5 g Natriumchlorid, 10g Calciumcar- bonat und 1 ' Liter Leitungswasser und stellt sie auf pH 7,5 ein.
Diese bzw. ein vielfaches derselben wird in 500 cm3-Erlenmeyern (mit je 100 cm3 Nähr lösung) oder in 500-Liter-Fermentern (mit je 300 Liter Nährlösung) abgefüllt und 20-30 Minuten bei 1 atü sterilisiert. Dann impft man mit bis zu 10 % einer teilweise sporulierenden, vegetativen Kultur des Streptomyces eurythermus an und inku- biert unter gutem Schütteln bzw.
Rühren und in den Fermentern unter Belüftung (mit etwa 1 Volum ste riler Luft pro Volum Nährlösung pro Minute) bei 27 . Nach 48 Stunden Wachstum filtriert man die Kulturen unter Zusatz eines Filterhilfsmittels je nach Volumen durch eine Nutsche oder durch eine Filter presse oder ein rotierendes Filter und befreit so die antibioticumhaltige wässrige Lösung vom Mycel und andern festen Bestandteilen.
170 Liter Kulturfiltrat werden bei pH 8 mit 70 Liter Äthylacetat im Westfalia-Extraktor ausge zogen. Dabei geht die gesamte Aktivität gegen gram positive Keime in den Extrakt, während das Kultur filtrat noch eine Aktivität gegen Pilze, insbesondere gegen Candida tropicalis, aufweist.
Der Äthylacetat- extrakt wird nun dreimal mit je 4 Liter 0,5n wässri- ger Essigsäure ausgeschüttelt, wobei die gesamte Aktivität gegen grampositive Keime in die wässrige Phase übergeht. Der essigsaure Auszug wird mit konzentrierter Sodalösung alkalisch gestellt und drei mal mit je 2,5 Liter Äthylacetat ausgeschüttelt.
Dar auf werden die Basen erneut mit insgesamt 3 Liter 0,5 n wässriger Essigsäure ausgezogen, mit konzen trierter Sodalösung in Freiheit gesetzt und schliess lich mit insgesamt 1 Liter Äthylacetat ausgeschüt telt. Die Äthylacetatlösung wird mit Wasser gewa schen, mit Natriumsulfat getrocknet und im Vakuum bei 40 zur Trockne verdampft. Es bleiben 2,39 g eines gelblichen amorphen Produktes zurück, dessen antibakterielle Wirkung beinahe derjenigen des kri stallinen Angolamycins entspricht. Die so erhaltenen 2,39g Rohprodukt werden unter gelindem Erwär- men in 50 em3 Äther gelöst.
Die Lösung wird filtriert und mit Angolamycin angeimpft. Im Verlaufe einiger Stunden scheiden sich 1,80 g des Antibiotikums in Kristallen vom F. = 131-134 ab. Zur weiteren Reinigung wird eine Lösung der Kristalle in mög lichst wenig heissem Benzol mit der zehnfachen Menge Äther versetzt. Die sich nun abscheidenden Kristalle des- reinen Antibiotikums schmelzen bei 133-136 . [a] = -64 (c -<B>1,30</B> in Chloroform).
D Gef. C 60,21 %,; H 8,78 %; N 1,40 0/0; CH30 8,80 %; CH3(N) 3,66 %; CH3(C) 11,55 %;
akt. H 0,52 0/0.
Durch Umkristallisieren aus Diisopropyläther er hält man das Angolamycin in Form von feinen Nadeln, F. = 165-168 .
Gef. C 60,49 0/0;H 8,93 0<B><I>4</I></B>; N 1,66 0/0. Statt durch direkte Kristallisation können die Rohbasen auch chromatographisch gereinigt werden. Zu diesem Zweck werden 42 mg Rohbasen an 2 g Aluminiumoxyd (Aktivität III nach Brockmann) nach der Durchlaufmethode chromatographiert, wo bei mit Benzol, Chloroform und Chloroform-Metha- nol-Gemischen eluiert wird.
Mit Benzol und Chloro form werden nur Spuren von Verunreinigungen ab gelöst, während die Chloroform-Methanol <B>(16:</B> 1)- Fraktionen 40 mg des reinen Antibiotikums enthal ten. Dieses wird in der oben beschriebenen Weise kristallisiert.
Weiter können die Rohbasen mittels Gegen stromverteilung gereinigt werden, wobei z. B. fol gende Lösungsmittelsysteme verwendet werden kön nen: a) Mac Ilvaine Puffer (pH 3,15) und Chloro form 1 : 1, b) Isopropyläther (12 Volumteile)-Aceton (10 Volumteile)-Wasser (10 Volumteile).
Bei einer Verteilung über 100 Stufen findet man das Substanz- und Aktivitätsmaximum mit dem System<I>a</I> bei Stufe Nr. 72 und mit dem System<I>b</I> bei Stufe Nr. 55.
Reineckat Eine Lösung von 60 mg Angolamycin in 1 cm3 Methanol wird mit 15 cm3 einer ätherischen Rein eckesäurelösung (bereitet nach Karrer und Schmid, Helv. 29, 1853 [1946]) langsam gefällt. Der Nie derschlag wird in Methanol gelöst und durch Zugabe von Äther gefällt.
Gef. Cr 3,96 0/0.
Anstelle des Reineckats lassen sich auch Salze anderer Säuren, insbesondere von Schwefelsäuren, Salzsäure, Essigsäure und Pantothensäure herstellen. <I>Hydrolyse von</I> Angolamycin 18 mg Angolamycin werden in 2 em3 0,5 n Schwefelsäure im Einschlussrohr während 5 Stunden auf 100 erhitzt. Das Reaktionsgemisch wird darauf zweimal mit Äthylacetat ausgeschüttelt, worauf die wässrige Phase durch Zugabe von Bariumhydroxyd- lösung auf pH 5 gebracht wird.
Man entfernt das ausgeschiedene Bariumsulfat durch Zentrifugieren und dampft die klare überstehende Lösung im Va kuum zur Trockne ein. Der Rückstand wird papier- chromatographisch untersucht, wobei ein mit Wasser gesättigtes Gemisch von Butanol und Eisessig (10:1) verwendet wird. Mit ammoniakalischer Silbernitrat lösung werden auf den Papierstreifen zwei reduzie rende Substanzen mit den Rf-Werten 0,28 und 0,65 sichtbar gemacht.
Unter gleichen Bedingungen gibt das Erythro- mycin 2 reduzierende Substanzen mit den Rf-Werten 0,23 und 0,32, während aus Pikromycin und aus Narbomycin nur ein reduzierendes Spaltprodukt (Rf 0,23) erhalten wird.
<I>Hydrierung von</I> Angolamycin a) Eine Lösung von 20 mg Angolamycin in 5 cm-' absolutem Alkohol wird 2 Stunden lang mit 10 mg Palladiumkatalysator in einer Wasserstoff atmosphäre geschüttelt. Dann filtriert man die Lö sung und dampft sie im Vakuum ein. Man erhält das Dihydroangolamycin als farbloses Pulver, wel ches antibiotisch aktiv ist.
b) Eine Lösung von 20 mg Angolamycin in 5 em3 Eisessig wird 1 Stunde mit 10 mg Platin katalysator in einer Wasserstoffatmosphäre geschüt telt. Darauf wird die Lösung filtriert und im Va kuum eingedampft. Man erhält das Hexahydro- angolamycin als farbloses Pulver, welches antibio tisch aktiv ist.