Verfahren zur Verhütung der Gerinnung von Schlachttierblut Alkalisalze von kondensierten Phosphorsäuren, das heisst Salze solcher Phosphorsäuren, die weniger Konstitutionswasser enthalten als die Phosphorsäure, z. B. Pyro-, Poly- und Metaphosphorsäuren, werden seit längerer Zeit zur Verhütung der Gerinnung von Schlachttierblut verwendet.
Die kondensierten Phosphate werden dabei aus schliesslich in einer schweren, dichten Pulverform an gewandt, die durch Feinmahlen kristalliner oder glas- förmiger Phosphate erhalten wird. Diese handels übliche Form der Phosphate löst sich verhältnis mässig langsam in Wasser auf und insbesondere das Tetranatriumpyrophosphat, das Natriumtripolyphos- phat, und alle Phosphatgläser neigen beim Zusammen bringen mit Wasser zur Klumpenbüdung. Diese Klum- penbildung erschwert jedoch die praktische Anwen dung; auch kann es z.
B. beim Einstreuen des Phos phats in das Blut zur Bildung kleiner Phosphat klümpchen und damit zu Fehlfabrikaten kommen.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ver hütung der Gerinnung von Schlachttierblut mit Alkali salzen von kondensierten Phosphorsäuren.
Das erfindungsgemässe Verfahren ist dadurch ge kennzeichnet, dass solche Alkalisalze von konden sierten Phosphorsäuren, die ein Schüttgewicht von weniger als 600 g11, vorzugsweise weniger als 400 gll, aufweisen, mit dem Blut zusammengebracht werden.
Es hat sich gezeigt, dass man durch das erfin dungsgemässe Verfahren die Verhütung der Gerinnung von Schlachttierblut mit kondensierten Alkaliphos- phaten in mehrfacher Hinsicht verbessern kann. Solche Phosphate waren bisher noch nicht im Handel erhältlich. Sie können durch einen direkten oder in direkten Sprühprozess in einer sehr voluminösen und leichtlöslichen Form gewonnen werden.
Unter einem direkten Sprühprozess wird verstan den, dass Alkaliorthophosphatlösungen oder auch Lö- sungen kondensierter Alkaliphosphate, insbesondere Phosphatgläser, in einem Sprühturm in eine heisse Gaszone versprüht werden, wobei die Orthophosphate bei ausreichend hoher Heizgastemperatur in konden sierte Alkaliphosphate übergehen, während die Lö sungen der kondensierten Alkaliphosphate, insbe sondere die langkettigen Polyphosphatgläser,
dabei häufig einen Kettenlängenabbau erleiden, alle aber in einer leichten, voluminösen Form anfallen. Unter einem indirekten Sprühprozess wird verstanden, dass Alkaliorthophosphatlösungen in einem Sprühtrockner bei niedrigeren Heizgastemperaturen in ein voluminö ses Orthophosphatcalcinat überführt werden und dieses Calcinat in einer zweiten Erhitzungsapparatur, z. B. einem Drehrohrofen, bei Temperaturen zwischen 260 und 500 dann in ein voluminöses kondensiertes Alkaliphosphat umgewandelt wird.
Hierbei ist immer Voraussetzung, dass sowohl beim Sprühtrocknungs- vorgang selbst wie beim Transport der Teilchen, bei der Abscheidung von der Trocknungsluft wie auch bei der Nacherhitzung durch eine geeignete Arbeitsweise vermieden wird, dass die sperrige bzw. hohlkugel förmige Feinstruktur der Einzelteilchen wesentliche mechanische Schädigungen erleidet. Ein nachheriges Mahlen der Produkte wird daher in der Regel auch unterbleiben, und es wird nur in solchen Fällen, bei denen im Sprühprozess ein allzu leichtes Schüttgewicht - z.
B. 30 gll - erreicht worden ist, unter Um ständen durch einen kurzen Mahlprozess eine Erhö hung des Schüttgewichtes angestrebt werden.
Diese voluminösen kondensierten Alkaliphosphate lösen sich nun ausserordentlich rasch in Wasser auf. Streut man sie in Wasser oder in Kochsalzlösungen ein, dann lösen sie sich meist schon beim Untersinken in der Flüssigkeit auf, häufig ohne dass ein Um rühren notwendig ist. Die Wirkung der Phosphate tritt daher gerade in den Fällen, in denen die Phos- phate trocken in das Blut eingestreut werden, beson ders rasch und unmittelbar ein. Ein Zusatz von klei nen Anteilen hochmolekularer und vernetzter Poly phosphate, wie z. B. der Kurrolschen Kaliumphos- phate, in einer voluminösen Form kann dabei von Vorteil sein.
Es wurde festgestellt, dass sich insbesondere die durch einen direkten Sprühprozess in nichtkristalliner, voluminöser Form gewonnenen Phosphate im Blut rasch auflösen und sich infolgedessen hervorragend für die Gerinnungsverhütung von Schlachttierblut eignen.
Einige der zur Gerinnungsverhütung geeigneten handelsüblichen Alkaliphosphate sind an sich in Wasser verhältnismässig leicht löslich, doch lösen sich diese Salze beim Zugeben zum Schlachttierblut nur sehr langsam, teilweise erst nach mehreren Tagen auf. Man musste deshalb zunächst eine wässrige Lö sung der kondensierten Alkaliphosphate herstellen, die dann mit dem Blut vermischt wurde. Dieses Ver fahren ist umständlich und bringt überdies eine un erwünschte Verdünnung des Blutes mit sich.
Eine Beobachtung des Benetzens und Auflösens von Alkaliphosphaten im Blut ergibt, dass die im Han del befindlichen Präparate sich sehr schwer benetzen, wodurch die Auflösung lange Zeit erfordert. Manche Alkaliphosphate benetzen sich zwar leichter, diese zer teilen sich jedoch im Blut nicht und lösen sich nicht auf.
Wird das Phosphat in ein zylinderförmiges hohes Pulverglas mit einem Inhalt von 100 cms gegeben, das frische Blut darauf gefüllt und die Mischung um geschwenkt, dann stellt man fest, dass bei den im Handel befindlichen Präparaten Teile des Salzes noch über Tage hinweg ungelöst am Boden des Gefässes liegen. Andere Phosphate lösen sich zwar etwas schneller, doch dauert es auch bei diesen noch mehrere Stunden, bis das Phosphat gelöst ist.
Will man die vorherige Auflösung des Phosphates in Wasser vermeiden, so ist es nötig, dass das Phosphat sich sofort mit dem Blut benetzt und bei geringem Umrühren sich rasch und vollkommen auflöst, da sonst innerhalb der Gerinnungszeit des Blutes nur ein Teil des Phosphates wirksam sein kann.
Besonders günstig sind für diesen Anwendungs zweck die neuartigen Phosphate deshalb, weil sie in folge ihrer raschen Löslichkeit ohne vorheriges Auf lösen in Wasser direkt mit dem Blut zusammenge bracht werden können. Sie werden zweckmässigerweise direkt in das leere Blutauffanggefäss eingebracht, dann das Blut darauf gegossen und nötigenfalls kurz um gerührt. So gelingt es ohne vorheriges Auflösen des Phosphats in Wasser und Zugabe der Lösung, die eine Verdünnung des Blutes bewirken würde, die Ge rinnung des Blutes zu verhindern. Die Menge des Phosphats wird jeweils für ein Stück Vieh bestimmter Grösse - z.
B. ein Schwein oder ein Rind - in Ein zelbeuteln verpackt an den Verbraucher geliefert und diese Phosphatmenge in das Auffanggefäss gegeben, wodurch Fehldosierungen vermieden werden und eine sehr bequeme Arbeitsweise erreicht werden kann. Diese Arbeitsweise empfiehlt sich in a11 den - be sonders häufigen - Fällen, bei denen das Blut als solches direkt, z. B. für die Wurstfabrikation, Verwen dung findet.
Soll das Blut für die Plasmagewinnung dienen, also zentrifugiert werden, dann kann es sich empfeh len, das Blut vorher etwas zu verdünnen, da mit Wasser verdünntes Blut sich allgemein besser zentri fugieren lässt und das Plasma eine hellere Farbe auf weist, als beim nicht verdünnten Blut. Auch in die sen Fällen wird das voluminöse Phosphat trocken aus dem Beutel in die Blutauffangschüssel geschüttet, dann Wasser in einer Menge von etwa 1:1o des Blut volumens dazugesetzt und hierauf sofort das Blut dazugegeben und einmal kurz umgerührt. Auch hier bringen die neuartigen Phosphate eine wesentliche Vereinfachung der Arbeitsweise.
Es eignen sich hier besonders die durch einen direkten Sprühprozess her gestellten kondensierten Alkaliphosphate mit einem Schüttgewicht von 150 bis 400 g!1 und einem PH- Wert zwischen 5,5 und 7,5. Das mittlere Molekular gewicht soll zwischen 200 und 1600, vorzugsweise zwischen 200 und 1000 liegen. Man kann sie erhalten z. B. durch Sprühtrocknen der Lösung des sogenann- ten Grahamschen Salzes (glasigen Alkalipolymeta- phosphate) mit oder ohne Zusatz von Natronlauge zu der zu versprühenden Lösung.
Diese Sprühcalcinate bestehen meist aus dünn wandigen, perlmutterglänzenden Hohlkugeln von einem Durchmesser zwischen 0,03 und 0,5 mm, die sich vom Blut rasch benetzen lassen und vermöge ihrer Dünnwandigkeit auch sehr rasch aufgelöst wer den.
Auch die aus leichten Orthophosphatsprühealci- naten durch thermische Nachbehandlung in leichter Form herstellbaren Pyro- und Tripolyphosphate zei gen eine gute Auflösbarkeit im Blut, wenngleich sie nicht aus Hohlkügelchen, sondern aus einem Hauf- werk winziger Kristallite bestehen, in dessen Zwi schenräume das Blut rasch eindringen kann.
Gibt man in eines der oben erwähnten 100 cm3 fassenden Gläser 0,5 g von einem Tetranatriumpyro- phosphat, das aus einem auf Calcinatwalzen getrock neten Dinatriumorthophosphat hergestellt wurde, und schüttelt das Gemisch um, so zeigt sich nach einer halben Stunde noch eine ungelöste Menge des Pyro- phosphats. Verwendet man statt dessen ein Tetra- natriumpyrophosphat,
das durch Caleination einer Dinatriumorthophosphatlösung in einem Sprühtrock ner und nachfolgende Überführung in ein Drehrohr hergestellt wurde und ein Schüttgewicht von 365 b!1 aufweist, so hat sich dieses Produkt nach einer hal ben Stunde vollständig in dem Blut gelöst.
Führt man den gleichen Versuch mit einem gla sigen Polymetaphosphat (Grahamschen Salz) durch, das durch Abkühlen einer Schmelze und darauffolgen des Mahlen hergestellt wurde, so ist dieses nach einer halben Stunde praktisch noch völlig ungelöst. Stellt man das glasige Phosphat jedoch durch Auflösen des erkalteten Schmelzproduktes und Calcination in einem Sprühtrockner her, so ist das Produkt nach einer hal ben Stunde vollständig gelöst.
Um das bei der Anwendung der Phosphate mit niedrigem Schüttgewicht erzielte rasche Auflösen im Blut noch weiter zu beschleunigen, kann das Phos phat durch Übersprühen einer H,0,-Lösung teilweise in ein Perphosphat, insbesondere Perpyro- oder Per- tripolyphosphat überführt werden. Die beim Zusam menbringen mit dem Blut sofort einsetzende 0-Ab- spaltung begünstigt die Benetzung und Auflösung be trächtlich.
Den Phosphaten können weitere, als Zusätze zu Blutgerinnungsverhütungsmitteln bekannte Stoffe, wie z. B. Kochsalz, zugesetzt werden. Sie können ge gebenenfalls auch bei der Herstellung der Phosphate schon in das Präparat eingebaut werden. Es kann z. B. der Kochsalzzusatz mit der Phosphatlösung versprüht werden.
Die zu verwendenden Mengen der neuartigen Phosphate bewegen sich grössenordnungsmässig etwa in dem Rahmen der bisher gebräuchlichen Phosphat mengen, doch können sie in vielen Fällen wegen der rascheren und vollständigen Auflösung und dadurch besseren Wirkung auch mengenmässig reduziert wer den. Für die Blutgerinnungsverhütung sind in der Regel 3,5g pro Liter Blut ausreichend.
<I>Beispiel 1</I> Eine konzentrierte Lösung eines Natriumpoly- metaphosphatglases mit einem Na: P-Verhältnis = 1 : 1 wird in einem 13 m hohen Sprühtrockner bei einer Heizlufteintrittstemperatur von 300 und einer Luftaustrittstemperatur von 125 im Gleichstrom ver sprüht. Die Abscheidung von der Abluft erfolgt in einer Abscheiderbatterie. Es entsteht dabei ein vo luminöses Produkt mit einem pH-Wert von 5,6, einem Schüttgewicht von 200 g/1 und einem mittleren Mole kulargewicht von 850.
Es besteht aus feinen, glasi gen Hohlkügelchen mit einem mittleren Durchmesser von 0,12 mm.
Hiervon werden 30 g in einer Blutauffangpfanne trocken verteilt und die Hälfte des Blutes eines Rindes darauflaufen gelassen und umgerührt. Das Blut ge rinnt nicht und bleibt tagelang flüssig.
<I>Beispiel 2</I> Es wird ein Mischprodukt von 35 b saurem Na- triumpyrophosphat, das durch Sprühtrocknen von Mononatriumorthophosphat und Nachbehandlung in einer Drehtrommel in leichter Form hergestellt worden war, 251/", eines Natriumtripolyphosphats,
das durch Sprühtrocknen einer Lösung von Mono- und Di- natriumorthophosphat und überführung des Calcinats in Natriumtripolyphosphat durch Nachbehandlung in einem Drehrohrofen bei etwa 300 hergestellt worden war, und schliesslich 40% eines Perpyrotripolyphos- phats verwendet.
Das Perpyrotripolyphosphat wurde dadurch her gestellt, dass eine Lösung von Mono- und Dinatrium- orthophosphat in einem Sprühtrockner calciniert, und dieses Orthophosphatcalcinat in einem Drehrohrofen in ein Gemisch von 40 /o Tetranatriumpyrophosphat und 60% Natriumtripolyphosphat überführt wurde. Dieses voluminöse Produkt wurde mit Wasserstoff superoxydlösung besprüht, so dass es einen Gehalt an 9,1% H20. aufnahm.
Es hatte ein Schüttgewicht von 430 g/1. 37,5 g des voluminösen Phosphatgemi- sches wurden trocken in einer Blutauffangpfanne ver teilt und die Hälfte des Blutes eines Rindes darauf laufen gelassen und kurz umgerührt. Das Phosphat gemisch löst sich augenblicklich in dem Blut, und dasselbe bleibt tagelang flüssig.
<I>Beispiel 3</I> Eine konzentrierte Lösung eines Natriumpoly- metaphosphatglases mit Na. P-Verhältnis 1 : 1 wird unter Zusatz von Natronlauge, wobei das Verhältnis Phosphatglas : NaOH = 100: 14 war, in einem 8 m hohen Sprühtrockner bei einer Heizlufteintrittstem- peratur von 230 und einer Austrittstemperatur von 120 im Gleichstrom verdüst. Das Produkt wird direkt am Turm abgenommen.
Es entsteht dabei ein vo luminöses Produkt mit einem Schüttgewicht von 300 g11. Es hat einen PH-Wert von 7,0 und besteht aus glasigen Phosphaten mit einem mittleren Molekular gewicht von 300.
Hiervon werden 37,5 g in einer Blutauffangpfanne trocken verteilt und die Hälfte des Blutes eines Rindes darauflaufen gelassen und leicht umgerührt. Das Blut gerinnt nicht und bleibt tagelang flüssig.
<I>Beispiel 4</I> Es wird ein Produkt verwendet, wie es in Bei spiel 3 beschrieben ist. Man gibt davon 37,5 g in eine Blutauffangpfanne und giesst etwa 1/2 1 Wasser darauf. Das Phosphat löst sich sofort auf. Darauf lässt man nun die Hälfte des Blutes eines eben gestochenen Rindes laufen. Das Blut bleibt flüssig und kann zum Zwecke der Gewinnung eines hellfarbigen Plasmas zentrifugiert werden.
<I>Beispiel 5</I> Eine konzentrierte Lösung eines Natriumpoly- metaphosphatglases mit Na: P = 1 : 1 wird mit so viel Natronlauge versetzt, dass auf 100 Teile Phos- phatglas 14 Teile NaOH kommen, und in einem 13 m hohen Sprühtrockner im Gleichstrom bei einer Heiz- lufteintrittstemperatur von 180" und einer Luftaus trittstemperatur von 120 verdüst. Das Trockenpro dukt wird am Ende längerer Transportkanäle in einer Abscheidebatterie von der Abluft getrennt.
Es ent steht dabei ein voluminöses Produkt, das ein Schütt gewicht von 240 g/1 aufweist, einen pH-Wert von 7,35 hat und aus glasigen Phosphaten mit einem mittleren Molekulargewicht von 240 besteht. Von die sem Phosphat gibt man 18 g in eine Blutauffangpfanne und lässt das Blut eines Schweines dazu laufen. Das Blut bleibt flüssig.