Zusatzpatent zum Hauptpatent Nr. 366607 Verfahren zur Herstellung neuer Farbstoffe Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung neuer, wertvoller organischer, vor zugsweise wasserlöslicher Farbstoffe, die eine Äthy- lenimingruppierung, insbesondere die Gruppierung der Formel
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enthalten. Neben mindestens einer Gruppierung dieser Art enthalten die erfindungsgemässen Farbstoffe vor zugsweise mindestens eine wasserlöslichmachende Gruppe, z.
B. eine gegebenenfalls acylierte Sulfon- säureamidgruppe, eine Sulfongruppe, insbesondere eine Methylsulfongruppe oder mit Vorteil min destens eine stark saure wasserlöslichmachende Gruppe, wie eine Carboxyl- oder eine Sulfonsäure- gruppe. Sie können auch weitere, insbesondere nicht wasserlöslichmachende Substituenten, wie Halogen atome, Nitro-, Acylamino-,
Alkyl- oder Alkoxy- gruppen aufweisen.
Die wasserlöslichmachenden Gruppen und die Äthylenimingruppierungen können im Farbstoff molekül beliebig verteilt sein, das heisst je eine Gruppe beider Arten kann im Rest einer einzigen Komponente vorhanden sein, oder eine Farbstoff komponente kann z. B. die löslichmachende Gruppe und eine andere die Äthylenimingruppierung enthal ten.
Die Einführung der Äthylenimingruppierung in das Farbstoffmolekül erfolgt nach vorliegendem Ver fahren dadurch, dass man in Farbstoffe, die aus tauschbare Halogenatome in einer aliphatischen Kette enthalten, durch Kondensation mit Äthylen- imin in Gegenwart säurebindender Mittel eine Äthy- lenimingruppe einführt.
Zu diesem Zweck kann man Äthylenimin z. B. mit Farbstoffen umsetzen, die derartige Halogen atome in einem aliphatischen Rest, z. B. in y- oder ss-Stellung eines aliphatischen Restes, enthalten, der direkt oder über eine Amino-, Sulfon-, Carbamid- oder Sulfonsäureamidgruppe an das Farbstoffmolekül gebunden ist;
die austauschbaren Halogenatome können auch in einem aliphatischen Acylrest, z. B. in einem Acetyl-, Propionyl- oder Äthansulfonylrest stehen.
Diese, beim vorliegenden Verfahren als Aus gangsstoffe zu verwendenden Farbstoffe sind in grosser Zahl bekannt, oder sie können nach an sich bekannten Methoden erhalten werden. Es eignen sich z. B. Farbstoffe der verschiedensten Klassen, wie Stilbenfarbstoffe, Azinfarbstoffe, Dioxazinfarbstoffe, Xanthon, Thioxanthonfarbstoffe, vor allem aber saure Phthalocyaninfarbstoffe, saure Anthrachinon- farbstoffe und insbesondere Azofarbstoffe,
und zwar sowohl metallfreie wie metallhaltige Mono- und Polyazofarbstoffe.
Die erfindungsgemässe Umsetzung solcher aus tauschbare Halogenatome enthaltender Farbstoffe mit Äthylenimin führt man zweckmässig in Gegen wart von Alkali, z. B. in Gegenwart von Natrium hydroxyd oder -carbonat, in organischen Lösungs mitteln oder vorzugsweise in wässrigem Mittel aus.
Die nach dem angegebenen Verfahren erhaltenen Farbstoffe sind neu. Sie eignen sich zum Färben und Bedrucken der verschiedensten Materialien, ins besondere polyhydroxylierter Materialien, wie cellu- losehaltiger Stoffe, und zwar sowohl synthetischer Fasern, z. B. aus Polyvinylalkohol, regenerierter Cellulose oder Viskose, als auch natürlicher Mate rialien, z. B. Leinen oder vor allem Baumwolle.
Sie eignen sich zum Färben nach der sogenannten Di- rektfärbemethode und auch nach dem Druck- oder nach dem Foulardierfärbeverfahren aus alkalischen (gegebenenfalls stark salzhaltigen) wässerigen Lösun gen, vorzugsweise aus ziemlich stark alkalischen Lö sungen, z. B. nach den Verfahren, wonach die Farbstoffe auf die zu färbende Ware durch Wärme behandlung, z. B. durch Dämpfen, fixiert werden. Es empfiehlt sich bei der Fixierung der Farbstoffe, auf den zu färbenden Materialien ziemlich starke Alkalien, z.
B. Alkalihydroxyde, zu verwenden, um eine bessere Fixierung zu erwirken; gute Resultate erhält man schon bei pH-Werten oberhalb 9, am besten jedoch oberhalb 10.
Die mit den erfindungsgemässen Farbstoffen auf cellulosehaltigen Fasern erhältlichen Färbungen zeichnen sich in der Regel durch die Reinheit ihrer Farbtöne, durch eine gute Lichtechtheit und vor allem durch hervorragende Waschechtheit aus.
Die erfindungsgemässen Farbstoffe, die höchstens zwei Sulfonsäuregruppen, vorzugsweise aber eine einzige saure wasserlöslichmachende Gruppe, auf weisen, eignen sich auch zum Färben und Bedrucken von stickstoffhaltigen Textilmaterialien, wie Leder, Seide und vor allem Wolle sowie Superpolyamid- oder Superpolyurethanfasern aus schwach alkali schem Bade.
Die auf Wolle mit solchen Farbstoffen erhaltenen Färbungen sind ausgezeichnet wasch- und walkecht. Im nachfolgenden Beispiel bedeuten die Teile, sofern nichts anderes angegeben wird, Gewichts teile, die Prozente Gewichtsprozente, und die Temperaturen sind in Celsiusgraden angegeben.
<I>Beispiel</I> 50 Teile der 1-Hydroxy-2-benzolazo-8-chlor- acetylamino-naphthalin-3,6-disulfonsäure der Formel
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werden in Form des Dinatriumsalzes in 1500 Teilen Wasser gelöst. 5 bis 10 Teile Äthylenimin werden in Wasser unter Zusatz von mindestens 13,8 Teilen Kaliumcarbonat gelöst und zur Farbstofflösung ge geben. Hierauf wird während 6 Stunden bei 30 bis 40 weitergerührt.
Der gebildete Farbstoff der Formel
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wird mit Natriumchlorid ausgesalzen, filtriert und getrocknet. Er färbt Baumwolle in waschechten karminroten Tönen.
Ausziehf ärbemethode 2 Teile des gemäss Beispiel erhaltenen Farbstoffes werden in<B>100</B> Teilen Wasser durch Aufkochen ge löst. Die erhaltene Stammlösung fügt man zu 2900 Teilen Wasser von 20 . Nach Zugabe von 30 Teilen Natriumhydroxyd und 60 Teilen Natriumchlorid geht man mit 100 Teilen Baumwolle ein, steigert die Temperatur in 45 Minuten auf 80 , gibt nochmals 60 Teile Natriumchlorid zu und färbt nach 30 Minuten bei 90 bis 95 . Dann wird die Färbung gespült und während 15 Minuten bei Siedetemperatur in einer Lösung nachbehandelt, die im Liter Wasser 2 g Na- triumcarbonat und 3 g Seife enthält.
Dann wird noch einmal kalt gespült und getrocknet.
Man erhält eine orangerote Färbung von sehr guter Wasch- und Lichtechtheit.
Foulardier f ärbemethode 1 Teil des gemäss Beispiel erhaltenen Farbstoffes wird mit 9 Teilen Harnstoff vermischt in 100 Teilen Wasser gelöst.
Mit dieser Lösung imprägniert man bei 80 am Foulard ein Baumwollgewebe und quetscht die über schüssige Flüssigkeit so ab, dass der Stoff<B>750/a</B> seines Gewichtes an Farbstofflösung zurückhält.
Die so imprägnierte Ware wird getrocknet, dann bei Zimmertemperatur in einer Lösung imprägniert, die pro Liter 10 g Natriumhydroxyd und 300 g Na triumchlorid enthält, auf 751/o. Flüssigkeitszunahme abgequetscht und während 60 Sekunden bei 100 bis 101 gedämpft. Dann wird gespült, in 0,59/o,iger Na triumbicarbonatlösung behandelt, gespült, während einer Viertelstunde in einer 0,39/o.igen Lösung eines ionenfreien Waschmittels bei Kochtemperatur geseift, gespült und getrocknet.
Es resultiert eine orangerote, kochecht fixierte Färbung. Verwendet man anstelle eines Baumwoll gewebes ein Zellwollgewebe, so erhält man ein ähn lich gutes Resultat.