Steuerungsvorrichtung an Seilförderanlage, insbesondere für den Bremsvorgang Die beim Fahrbetrieb von Seilförderanlagen ein zuhaltenden Verzögerungswerte dürfen vorgeschrie bene - durch die Konstruktion bedingte - Höchst werte nicht überschreiten, da sonst mit dem Auftre ten von Schwingungen der Seile, dem Pendeln der Gehänge und mit überlastungen der Antriebsein richtung zu rechnen ist, die Förderanlage und För dergut gefährden können. Der Bremsvorgang beim Einfahren in die Station muss deshalb rechtzeitig ein geleitet werden, um bei Einhaltung der vorgeschrie benen Verzögerung ein unfallfreies Einfahren zu ge währleisten.
Anderseits soll im Interesse einer hohen Förderleistung der Bremsvorgang nicht zu früh ein geleitet werden. Man hat - um die offensichtlichen Nachteile der rein manuellen Steuerung zu vermei den - mehrfach versucht, den Bremsvorgang auto matisch zu steuern. Es sind Einrichtungen bekannt, die die Steuerung der Einfahrtbremsung von der Bewegung der Fahrgastkabine oder dem Lastgehänge ableiten. Bei dieser Gruppe von Einrichtungen wird beim Überfahren eines Fixpunktes durch das Ge hänge auf mechanischem oder photoelektrischem Wege ein Steuerimpuls ausgelöst, der die Bremsein richtungen in Funktion setzt. Auch radioaktive Strah lenquellen in Verbindung mit geeigneten strahlen empfindlichen Schaltorganen sind für die geschilder ten Steuerungsaufgaben bereits verwendet worden.
Bei bekannten Einrichtungen dieser Art sind Strah lenquelle und Strahlenindikator raumfest so ange ordnet, dass das durchfahrende Fördergehänge eine Unterbrechung des Strahlenganges hervorruft und da durch den Schaltvorgang einleitet. Wegen des erfor derlichen grossen Abstandes von Strahlenquelle und Strahlenindikator müssen Strahlenquellen mit hohen Strahlenintensitäten Verwendung finden, weshalb sich diese Einrichtungen wegen der gesundheitlichen Strahlengefahr vor allem bei Personenförderanlagen verbieten.
Bei einer etwas abgeänderten Anordnung wird eine Strahlenquelle an der Kabine oder am Last gehänge angebracht, deren Strahlung beim Vorbei fahren an dem ortsfesten, strahlenempfindlichen Schaltorgan einen Schaltimpuls auslöst, der den Bremsvorgang einleitet. Bei diesen Einrichtungen ist sogar mit einer erhöhten Strahlengefahr bei Per sonenförderung zu rechnen, da die Strahlenwirkun gen während der gesamten Förderzeit auftreten.
Alle bekannten Einrichtungen, bei denen die Steuerung von der Bewegung der Personenkabine oder dem Lastgehänge abgeleitet wird, benötigen einen Fixpunkt auf der Fahrtstrecke, dessen Entfer nung von der Station durch den erforderlichen Brems weg gegeben ist. Bei den meisten Seilförderanlagen stösst die Anbringung derartiger Einrichtungen des halb auf grosse Schwierigkeiten, vor allem bei Luft seilbahnen. Man hat aus diesem Grunde Radarein richtungen vorgeschlagen, bei denen Reflexions erscheinungen elektromagnetischer Wellen an der rahrgestellkabine selbst oder an geeigneten Re- flexionsschirmen zur Steuerung ausgenützt werden.
Wegen nicht vermeidbarer Störreflexionen an den Drahtseilen haben sich die Radareinrichtungen nicht bewährt.
Bei einer zweiten Gruppe der Steuerungseinrich- tungen leiten diese den gewünschten Schaltvorgang von der Antriebsscheibe des Zug- oder Förderseiles ab. Wegen des unvermeidlichen Seilschlupfes ergeben sich im Laufe der Betriebszeit erhebliche Fehler, die die Betriebssicherheit in Frage stellen können.
Es ist ferner vorgeschlagen worden, in das Zug seil eine Einlage eines geeignet geformten Metall stückes zu geben, die eine örtliche Verdickung des Seiles hervorruft. Beim Vorbeilaufen dieser Verdik- kungsstelle an einem mechanisch-elektrischen Schal ter, der im Stationsgebäude angebracht ist, wird der Schaltvorgang eingeleitet. Der Hauptnachteil dieser Einrichtung liegt in der Gefährdung des Drahtseiles, da sich im Bereich der Verdickungsstelle im Betrieb erhöhte mechanische Beanspruchungen der Seildrähte durch Rollen und Seilscheiben ergeben, die die Le bensdauer der Seile erheblich herabsetzen können.
Die erfindungsgemässe Steuerungsvorrichtung an Seilförderanlage, insbesondere für den Bremsvorgang, bezweckt, die genannten Nachteile der bekannten Einrichtungen zu vermeiden und besteht aus einem im Innern des Förderseiles angeordneten magneti- sierbaren oder magnetischen Teil zur Erzeugung eines magnetischen Streufeldes an dieser Seilstelle, in Verbindung mit einer ortsfest angeordneten, den Seilquerschnitt ganz oder teilweise umschliessenden Induktionsspule.
Falls der Teil aus einer Einlage aus magnetisierbarem Material besteht, ist zweckmässig eine ebenfalls ortsfeste Einrichtung zur Magnetisie rung des gesamten Seiles, die aus einem stromdurch- flossenen Solenoid, einem Elektromagneten oder einem Permanentmagneten bestehen kann, vorgese hen.
In Ausnahmefällen kann an Stelle der magneti- sierbaren Einlage eine permanente magnetische Ein lage Verwendung finden, wobei naturgemäss die Einrichtung zur Magnetisierung des Seiles überflüs sig ist.
Die Kraftlinien des erzeugten Streufeldes ver mögen bei Wahl einer genügend grossen magneti schen Erregung die äusseren Bereiche des Drahtseiles zu durchdringen.
Beim Vorbeilaufen der in der geschilderten Weise, z. B. mittels einer magnetischen Einlage, prä parierten Seilstelle durch die Induktionsspule, ent steht durch das von der magnetischen Einlage im Seil ausgehende magnetische Streufeld in der Induk tionsspule ein elektrischer Impuls, der - gegebenen falls nach entsprechender Verstärkung - ein Relais betätigen kann, das seinerseits zur Steuerung, z. B. des Bremsvorganges, dient.
Die magnetische oder magnetisierbare Einlage kann zwischen den Drähten oder im Inneren der Hanfseele des Seiles Platz finden. Das Seil kann nach dem Einbringen wieder vollkommen einwandfrei ver schliessbar sein, ohne eine Verdickung oder sonstige Beschädigung zu erfahren.
Die Stelle, an der man zum Beispiel die Einlage in das Seil einbringt, wird zum Beispiel für die Steuerung des Bremsvorganges so gewählt, dass un ter Einhaltung der zugelassenen Verzögerungswerte die Seilförderanlage genau in der Station zum Still stand kommt. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von beispielsweise 8 m/s und einer zulässigen Verzöge rung von 0,25 m/s2 ist die Einlage demnach 128 m vor der Fahrgastkabine in das Zugseil einzusetzen, wenn die Induktionsspule im Stationsgebäude an geordnet ist. Um eine mechanische Beschädigung des Seiles durch eine Einlage zu vermeiden, wird mit Vorteil eine flexible Einlage verwendet, etwa ein Bündel Drähte aus magnetisierbarem Material.
Zweckmässig wird als Material für die Einlage ein solches mit hoher magnetischer Permeabilität verwendet, etwa aus einer an sich bekannten Eisen kobaltlegierung. Man erzielt damit stärkere magne tische Streufelder und damit höhere elektrische Im pulse.
Die Induktionsspule ist vorzugsweise als soge nante Differentialspule ausgebildet mit zwei räumlich etwas versetzten, im entgegengesetzten Windungssinn gewickelten Windungsgruppen, die in Serie geschaltet sind. Der Vorteil einer solchen Differentialspule liegt darin, dass sie auf äussere magnetische Felder nicht anspricht und Impulse mit einer bestimmten Rich tung erzeugt.
Die grösste Empfindlichkeit der Differentialspule erhält man, wenn der Abstand der beiden im Gegen sinn gewickelten Windungsgruppen gleich dem Spu lenradius gewählt wird. Form und Höhe des in der Spule entstehenden Impulses hängt ausser von der Seilgeschwindigkeit auch noch von der Länge der magnetischen oder magnetisierbaren Einlage ab. Die höchsten Impulse erhält man, wenn die Länge der Einlage gleich dem Abstand der beiden Windungs gruppen der Differentialspule gewählt wird. Es wird daher als Ausführungsbeispiel vorgeschlagen, die Länge der magnetischen oder magnetisierbaren Ein lage, den Abstand der beiden Windungsgruppen der Differentialspule und den Spulenradius gleich gross zu machen.
Der Hauptvorteil der beschriebenen Streuungs vorrichtung liegt in der Möglichkeit der sehr genauen Einstellung des Zeitpunktes des Beginnes, z. B. des Bremsvorganges der Seilförderanlage. Dies ist be deutsam sowohl im Hinblick auf die Sicherheit als auch im Hinblick auf die Erzielung höchster För- derleistungen. Der eingestellte Zeitpunkt ist vollkom men unabhängig von etwaigen Schlupferscheinungen im Betrieb.
Ferner sind Strahlengefährdungen - auch bei Personenbeförderung - nicht vorhanden. Fixpunkte auf der Fahrtstrecke zur Anbringung von Schaltein richtungen und ähnlichem sind nicht erforderlich. Die Gefahr von Beschädigungen des Seiles durch Einbringen von Metallstücken, die ein örtliches Ruf weiten erzielen sollen, besteht nicht.
Eine entsprechende Steuerungsvorrichtung kann mit Vorteil bei Seilbahnen mit Umlaufbetrieb zur Erzeugung von Impulsen zur Kennzeichnung von Spleissstellen benützt sein. Es ist. damit auf sichere Weise möglich, das Einkuppeln der Gehänge an den Spleissstellen des Förderseiles zu vermeiden. Betriebs störungen durch fehlerhaftes Einkuppeln und Seil beschädigungen können hiermit ausgeschaltet werden. Eine besondere magnetische oder magnetisierbare Einlage im Seil kann wegfallen, indem zum Beispiel die im Seil steckenden Litzenenden des Spleisses an ihre Stelle treten.