Verfahren zur Entfeuchtung bzw. Trockenhaltung von wassergierigen Bauwerksteilen, wie insbesondere von Mauerwerken Die vorliegende Erfindung bzweckt bei wasser gierigen (kapillar feucht werdenden) Bauwerksteilen, so insbesondere beim Mauerwerk von Gebäuden, die Beseitigung bereits aufgesaugter Bodenfeuchtigkeit bzw. die wirksame und ständige Verhinderung der Aufsaugung selbst, also die nachträgliche Entfeuchtung nasser Gebäude und die Isolierung neuer Gebäude gegen Feuchtwerden.
Für die Lösung dieser Aufgabe hat man schon früher mehrere Methoden vorgeschlagen, wie z. B. den nachträglichen Einbau von horizontal verlegten, wasserdichten Pappen, Entfeuchtung durch Belüftung, oder Senkung des Grundwasserspiegels durch Sicker- leitungen. Jede dieser Methoden hat schwere Mängel. So ist der nachträgliche Einbau der schwarzen Isolier- pappen nur in Ziegelmauern oder nicht gewölbe- tragenden (nicht pfeilerartigen) Mauern durchführbar, dabei ist das Verfahren auch sehr kostspielig.
Eine Entfeuchtung durch Lüftung lässt sich höchstens bei feuchten, nicht aber bei nassen Mauern anwenden und auch dann nur zeitweilig, solange die Räumlich keit mit der freien Luft in Berührung steht. Die Ver wendung von Sickerleitungen beschränkt sich auf ein sehr enges Gebiet (abschüssige Berglehnen) und ist unzuverlässig.
Man hat neuerdings beobachtet, dass in der Feuch tigkeitsaufnahme vom Boden her dei" elektrische Potentialunterschied zwischen Mauerwerk und Boden eine entscheidende Rolle spielt, wobei das Mauerwerk dem Boden gegenüber einen negativen . Potential unterschied aufweist. Unter Berücksichtigung dieser Erscheinung, welche durch die kapillare Struktur der wassergierigen Mauerwerke sehr begünstigt wird, hat man bereits vorgeschlagen, die erwähnte Potential differenz durch Anlegen einer künstlichen positiven elektrischen Spannung auszugleichen. Zu diesem Zwecke hat man um das zu schützende Mauerwerk herum in den Boden oder ins Mauerwerk selbst Elektroden, sogenannte Sonden, verlegt und diese an den positiven Pol einer Spannungsquelle angeschlossen.
Später wurde beobachtet, dass es für eine wirksame Entfeuchtung nicht unbedingt erforderlich ist, eine besondere Spannungsquelle zu verwenden, sondern es ist ausreichend, wenn die Sonden durch eine gemeinsame Verbindungsleitung gut geerdet werden.
Ein derartiges Verfahren und die zugeordnete Vor richtung sind bekannt. Es hat sich jedoch gezeigt, dass mit dem bekannten Verfahren die gewünschte Ent- feuchtung bzw. der Feuchtigksitsschutz mit der be kannten Vorrichtung nur in Ausnahmefällen, in zu fälliger Weise erreichbar ist, und es ist sogar wieder holt vorgekommen, dass das Mauerwerk trotz des Einbaues der Sonden und der Erdung noch feuchter wurde.
Bei der Suche nach der Ursache dieser Erscheinung wurde gefunden, dass man dem erwähnten negativen Potential erst dann ein von jedem Nebenumstand unabhängiges, konstantes und gleiches positives Poten tial gegenüberstellen kann, wenn die elektrischen Widerstände der verschiedenen Teile des natürlichen Entfeuchtungsstromkreises miteinander in eine be stimmte Beziehung gebracht werden.
Das Verfahren nach der Erfindung ist dementsprechend dadurch ge kennzeichnet, dass die elektrischen Widerstände der Bestandteile des so enthaltenden Stromkreises derart bemessen werden, dass die Formel ri <I>'</I> r2 + r. -f- r4 + r. befriedigt wird, in welcher rl den Widerstand des zu entfeuchtenden bzw.
zu isolierenden Bauwerksteiles, r2 den Übergangswiderstand zwischen Elektroden und Bauwerksteil, r3 den Gesamtwiderstand der metal lischen Leiter, r4 den Übergangswiderstand zwischen Erdung und Boden und r5 den Übergangswiderstand des Bodenabschnittes zwischen der Erdung und der Grundsohle des Bauwerkes bedeuten.
Die Befriedigung der obigen Formel ist umso wichtiger, als bei den bekannten Einrichtungen r, gewöhnlich kleiner ist als die Summe der übrigen Widerstände, was als die wichtigste Ursache der er wähnten Erfolglosigkeit anzusprechen ist. Bei der Bemessung der Stromkreisteile gemäss der genannten Formel ist r, gegeben, r3 hat, wie erwähnt, keinen wesentlichen Einfluss, und r" kann im allgemeinen ebenfalls nicht beliebig gewählt werden, da man bestrebt ist, die Erdung möglichst nahe am Mauer werk zu verlegen, was den Widerstand der dortigen Erdreichpartie bestimmt.
Deshalb wählt man zweck mässigerweise die beiden verbliebenen Widerstände r2 und/oder r4 in der Weise, dass die Formel befriedigt wird, und zwar ändert man in erster Linie r4 je nach Bedarf.
Bei den Ausführungsformen der Erfindung werden durch an sich bekannte Messungen r" <I>r3</I> und r5 be stimmt, r2 und r4 zur Befriedigung der Formel berech net und der eine oder andere der letzteren oder beide je nach Bedarf abgeändert, nach obigem im all gemeinen also verringert. Die naheliegendste Weise der Verringerung von r4 ist die Verwendung zweier oder mehrerer Erdungen anstatt einer einzigen. Eine andere Möglichkeit besteht im Umhüllen des Erdungs- körpers mit einer Bekleidung von geringerem, bekann tem Widerstand als dem des Erdreiches. Kohlenstaub ist für diesen Zweck geeignet.
Noch zweckmässiger vermengt man den Kohlenstaub mit einigen Prozenten Bentonit, da dieser stark hygroskopisch ist und in gequollenem Zustand einen sehr geringen elektrischen Widerstand besitzt.
Soll r2 verringert werden, so werden die Bohrungen zur Aufnahme der Elektroden vor dem Verlegen der letzteren mit zu deren Festlegung ohnehin vorteil haftem, aber für diesen Zweck bisher noch nicht vor geschlagenem Kalkmörtel ausgefüllt, welchem, da sein Widerstand verhältnismässig hoch 'und unsicher ist, Kohlenstaub und zweckmässig auch noch Bentonit zugegeben werden. Durch dieses Verfahren erreicht man zumeist den angestrebten Zweck, sollte jedoch r2 noch immer zu hoch sein, so können die Elektroden in einer dichteren Verteilung angeordnet werden.
In den Zeichnungen sind vier beispielsweise Aus führungsformen der zur Durchführung des Verfahrens nach der Erfindung geeigneten Einrichtung dar gestellt. Es zeigen Fig. 1 einen Vertikalschnitt des unteren Teiles einer lotrechten Grundmauer nebst Umgebung, Fig. 2 einige Elektroden und einen Teil ihrer gemeinsamen Sammelleitung in Draufsicht, Fig. 3 die Entfeuchtung eines bestimmten Teiles einer Wandfläche bei natürlicher Strömung, Fig. 4 die Entfeuchtung einer Kellermauer und Fig. 5 einen Schnitt nach Linie VII-VII der Fig. 4.
<B>111</B> Fig. 1 und 2 bedeuten 1 f den auszutrocknenden Mauerteil, la den unteren Abschnitt dieser Mauer, 2 den Fussboden der inneren Räumlichkeit, 3 die äussere Bodenhöhe und 4 die Grundwasserhöhe. In der Treffebene der Mauerteile 1f und la oder in der Nähe derselben werden in die Mauer von aussen her in gleichen Abständen Löcher gebohrt, die mit einem Kohlenstaub und Bentonit enthaltenden Kalkmörtel ausgefüllt werden, worauf in jedes Loch ein Eisen stab 5 verlegt wird.
Die Eisenstäbe bilden gemeinsam ein Elektrodensystem. Die Bohrungen erstrecken sich zweckmässig beinahe bis zur inneren Wandfläche, um die Entfeuchtung im vollen Querschnitt der Mauer wirksam werden zu lassen. Die äusseren Enden der Stäbe 5 sind durch eine gemeinsame Sammelleitung 6 verbunden, die über eine Leitung 7 an die Erdung 8 angeschlossen ist. Zur Aufnahme der Sammelleitung 6 wird in der Mauer eine Nut ausgearbeitet, die die Bohrungen verbindet. Nach Beendigung der erwähnten Arbeiten wird die Mauer durch äusseren Verputz derart wiederhergestellt, dass das gesamte Leitungssystem mit Ausnahme des Erdleiters 7 versteckt bleibt.
Auf diese Weise erhält man folgenden natürlichen Stromkreis: Erdreich - Erdleitung 7 - Sammel- leitung 6 - Eisenstäbe 5 - unterer Mauerteil la - Erd reich. Die Einwirkung dieses Stromkreises lässt die Bodenfeuchtigkeit nicht über die die Stäbe 5 enthal tende waagrechte Ebene im Mauerkörper la sickern, vorausgesetzt, dass die Teilwiderstände des Strom kreises die weiter oben angegebene Formel befriedigen. Der obere Mauerteil 1f wird daher in Ermangelung von Wassernachschub austrocknen und nicht mehr feucht werden.
Bei der Entfeuchfung ganzer Wände oder einzelner Wandflächenteilen, was beispielsweise zum Feuchtig keitsschutz von Fresken dienen kann, wird der zu entfeuchtende bzw. zu schützende Wandteil 9 mit einer aus Eisenstäben 5 gebildeten Elektrodenreihe zum Teil umgeben (Fig. 3), und durch eine Sammelleitung 6 über eine Erdleitung bzw. Erdung 8 geerdet.
Bei der Entfeuchtung bzw. Isolierung von Keller mauern wird der Verputz von der zu schützenden inneren Wandfläche abgetragen, und es werden die Bohrungen für die Elektroden 5 oben und unten an den Kellermauern ausgearbeitet (Fig. 4 und 5). Zwi schen den Elektrodenreihen wird zum seitlichen Schutz der Mauer ein Elektrodennetz aus Drähten 11 ver legt, die 2 bis 4 cm tief in der Mauer liegen. Eine Anzahl von Erdungen 8, die durch Erdleitungen 7 mit den Sammelleitungen 6 und dem Elektrodennetz verbunden sind, ist nahe der äusseren Seite der Keller grundmauer vorgesehen. Nach Unterbringung der Elektroden wird die Innenwand wieder verputzt.
Hier bedeutet r, bei der Seitenisolierung den Widerstand zwischen Elektrodennetz und Aussenwand.