CH392780A - Verfahren zur Herstellung von intravenös anwendbaren Antikörperpräparaten humanen Ursprungs - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von intravenös anwendbaren Antikörperpräparaten humanen UrsprungsInfo
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Description
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Verfahren zur Herstellung von intravenös anwendbaren Antikörperpräparaten humanen Ursprungs Die intravenöse Verabreichung von Gamma-Glo- bulin- bzw. Antikörperpräparaten, ist der intramuskulären Anwendung aus verschiedenen Gründen vorzuziehen: - Das Gamma-Globulin kommt rascher zur Wirkung. - Es findet kein Verlust durch Proteolyse am Injektionsort statt.
- Die grössere Wirksamkeit einer Dosis gestattet, den gewünschten Effekt mit geringeren Mengen zu erzielen, wodurch die Behandlung wesentlich billiger wird.
- Die bei der intramuskulären Applikation grösserer Gamma-Globulinmengen unvermeidlichen Schmerzen an der Einstichstelle fallen weg.
Bis heute war es nicht möglich, auch noch so sorgfältig hergestellte Gamma-Globulinpräparate regelmässig intravenös zu applizieren. Ein gewisser Prozentsatz von Empfängern reagierte auf intravenöse Gamma-Globulingaben regelmässig mit mehr oder weniger ausgeprägten, vielfach aber sogar bedrohlichen, anaphylaktoiden Reaktionen.
Die Reaktionen sind einerseits bedingt durch die Tatsache, dass es sich bei Gamma-Globuhnpräparaten notwendigerweise um Präparate handelt, die aus einem einer sehr grossen Anzahl von Individuen entstammenden Ausgangsmaterial gewonnen. werden. Anderseits sind die Reaktionen empfängerseitig bedingt.
Es ist möglich, durch Zusätze zu den Gamma- Globulinlösungen oder durch gleichzeitige, vorausgehende oder nachfolgende Verabreichung anderer Medikamente (z. B. Antihistaminika u. a.) die Reaktionen zu unterdrücken oder mindestens stark abzuschwächen.
Durch langsame Infusion sehr verdünnter Gamma- Globulinlösungen lässt sich eine allfällig auftretende Reaktion sehr genau unter Kontrolle halten. Ein Patient, der auf eine Gamma-Globulininfusion reagiert hat, tritt nach Abklingen der Reaktion regelmässig in eine Refraktärperiode von etwa 4 Tagen Dauer ein. Während dieser Periode werden vom Patienten beliebig grosse Gamma-Globulinmengen intravenös reaktionslos ertragen.
Weiter wurde gefunden, dass - einerseits die unerwünschten Reaktionen: parallel gehen der antikomplementären Aktivität des Gamma-Globulins und - anderseits die antikomplementäre Aktivität des Gamma-Globulins vorwiegend an höhermolekulare Aggregate mit Sed'imentationskonstanten S20>7 Svedberg-Einheiten gebunden ist. Jedoch ist auch natives Gamma-Globulin, in dem sich in der Ultra- zeritrifuge keine Teilchen mit S2,>7 mehr nachweisen lassen, immer noch antikomplementär.
- Ein durch Ultrazentrifugation von allen. Anteilen mit S2o > 7 befreites Gamma-Globulin wird intra- venös meist gut vertragen.
Es ist bekannt, dass sich Gamma-Globulinpräpa- rate zu kleineren Teilchen partiell abbauen lassen, ohne dass dabei ihre spezifische Antikörper-Wirksam- keit Schaden erleidet. Wir haben gefunden, dass diese Präparate intravenös durchwegs reaktionslos vertragen werden. Sie stellen somit gegenüber den bisher zur Verfügung stehenden einen, erheblichen Fortschritt dar.
Der chemische Angriff auf die Gamma-Globulin- moleküle zum Zwecke des Abbaus zu kleineren Einheiten kann sich gegen verschiedenartige Bindungen im Molekül richten, wie z. B. Säureamidbindungen (Peptidbindungen) oder -S-S-Brücken oder mehrere Arten von Bindungen gleichzeitig.
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Zur reduktiven Aufspaltung von -S-S-Brücken können in erster Linie Sulfide oder Substanzen dienen, die selber Träger von -SH-Gruppen sind.
Praktisch lässt sich dieser Abbau sehr leicht bewerkstelligen mit Cystein, Cysteamin oder Glutathion. Diese Substanzen haben den Vorteil, ungiftig zu sein. Der Nachteil ist jedoch, dass Substanzen dieses Typs in Lösung leicht oxydieren und dabei unwirksam werden. Auch schon zu -SHHS- gespaltene Brückenverbindungen werden leicht rückoxydiert zu Disulfidbrücken. Man kommt auf diesem Wege nur zu beständigen Lösungen, sofern man für eine endgültige Blockierung der freigesetzten -SH-Gruppen sorgt, was möglich ist durch Anwendung von Jodacetamid, Sulfit usw.
Zur oxydativen Aufspaltung von Disulfidbrücken kommen als Reagenzien Perameisensäure, Peressig- säure, Wasserstoffperoxyd usw. in Frage. Eine oxy- dative Aufspaltung der Disulfidbrücken ist weitgehend irreversibel.
Eine Spaltung intramolekularer Bindungen kann allein durch pH-Verschiebung erreicht werden. Die komplementäre Wirkung des Gamma-Globulins kann schon durch blosses Inkubieren der Lösung bei pH- Werten unter 5, während eines Tages, bei 37 , weitgehend abgeschwächt werden.
Rascher verläuft die Reaktion, wenn sie mit einem Katalysator (Ferment, proteolytisch wirksame Fer- mentbruchstücke oder andere Substanzen) durchgeführt wird. Da nur ein beschränkter Abbau erwünscht ist, kann es vorteilhaft sein, das Ferment nicht bei den für seine Aktivität optimalen Bedingungen einwirken zu lassen.
Man arbeitet beispielsweise bei Temperaturen zwischen 0 und 20 und bei pH-Werten, die um 1 bis 4 Einheiten vom pH-Optimum entfernt liegen.
Der Abbruch der Fermentwirkung lässt sich nur dann allein durch pH-Verschiebung genügend vollständig erzielen, wenn das pH-Optirnum in extrem saurem oder alkalischem Gebiet liegt. In denn andern Fällen wäre eine Hemmung des Ferments unerläss- lich, sofern sich dieses nicht quantitativ aus dem Reaktionsgemisch entfernen lässt. Da eine quantitative Entfernung eines Fermentes meist nur mit grossen Schwierigkeiten möglich ist, ist es von Anfang an vorzuziehen, mit an unlösliche Träger gebundenen Fermenten zu arbeiten.
Dies bringt den weiteren Vorteil mit sich, dass, im Fälle das verwendete Ferment Anti- gencharakter aufweist, kein Antigen zurückbleibt.
Die Veränderung der Gamma-Globulinmoleküle sollte so weit gehen, dass sich nachher keine Partikeln mehr nachweisen lassen, die eine Sedimentationskon- stante S2, > 7 Svedberg-Einheiten aufweisen (gemessene Werte für die Sedimentationskonstanten, umgerechnet auf die Standardbedingungen: 20 , Lösungsmittel Wasser, Proteinkonzentration extrapoliert auf 0), und vor allem, dass das Präparat nicht mehr antikomplementär ist. Die abgebauten Präparate können nach Einstellen der gewünschten Konzentration eventuell direkt konfektioniert werden.
Es ist aber auch möglich, durch Fällen (Aussalzen, Azetonfällung usw.) und Wiederauflösen zu den endgültigen Präparaten zu kommen.
Beispiel 1 Eine Lösung von 8 g Gamma-Globulin in etwa 50 ml 2,25 % iger (0,3 m) Glycinlösung wird mit 40 mg kristallisiertem Pepsin versetzt. Das pH wird mit 0,1n Salzsäure auf 4,0 eingestellt. Die Lösung wird nun mit 0,9 % iger (0,15 m) NaCI-Lösung auf 100 ml Volumen gebracht. Diese Lösung wird während 3 Std. bei 37 inkubiert. Danach wird das pH mit 0,1n NaOH vorsichtig auf 7,30 eingestellt.
Die antikomplementäre Wirkung von nativem Gamma Globulin wirkt sich im Hämolysetest mit Schaferythrocyten bis zu einer Verdünnung von 1 : 2048, das heisst bis zu einer Gamma-Globulinkon- zentration von 4 mg % aus. Das abgebaute Gamma- Globulin weist im gleichen System keine antikomplementäre Wirkung mehr auf.
Im abgebauten Gamma-Globulin lassen sich in der Ultrazentrifuge keine Teilchen mit einer Sedimen- tationskonstanten S2 o > 7 Svedberg-Einheiten mehr nachweisen.
Beispiel 2 Ein dem Pepsinabbau analoger Effekt lässt sich durch blosses Einstellen des pH-Wertes auf 4,0 und 17stündige Inkubation bei 37 erreichen. Nach Rückneutralisation auf pH 7,3 ist auch hier die antikom- plementäre Wirkung verschwunden.
Immunoelektrophoretisch erleiden die Gamma- Globulinpräparate bei obigen Versuchsbedingungen keine nennenswerte Änderungen. Bei höheren Pepsinkonzentrationen (Verhältnis Pepsin: Gamma-Globu- lin = 1 : 20) kommt es zu einem so weitgehenden Abbau, dass er sich immunoelektrophoretisch in einer Aufspaltung der Gamma-Globulinfraktion in eine rascher und eine langsamer wandernde Komponente mit einer gemeinsamen Antigendeterminanten äussert.
Claims (1)
- PATENTANSPRUCH Verfahren zur Herstellung intravenös applizier- barer Antikörperpräparate, dadurch gekennzeichnet, dass man ein humanes Gamma-Globulin, das Antikörper verschiedener Spezifität enthält, auf chemischem Wege so weit abbaut, dass es nicht mehr antikomplementär wirkt. UNTERANSPRÜCHE 1. Verfahren nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass man mit einem proteolytisch wirksamen Katalysator, z.B. einem proteolytischen Ferment, abbaut. 2. Verfahren nach Patentanspruch und Unteranspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man den, proteolytischen Katalysator nicht bei den Bedingungen seiner optimalen Wirksamkeit anwendet. 3. Verfahren nach Patentanspruch und Unteransprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass der proteolytisch wirksame Katalysator an einen unlöslichen Träger gebunden ist. <Desc/Clms Page number 3> 4.Verfahren nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass man mit einer reduzierenden Substanz abbaut. 5. Verfahren nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass man mit einer oxydierenden Substanz abbaut. 6. Verfahren nach Patentanspruch oder einem der Unteransprüche 1-5, dadurch gekennzeichnet, dass man mit einem proteolytisch wirksamen Katalysator und einer reduzierenden oder oxydierenden Substanz gleichzeitig oder nacheinander abbaut. 7. Verfahren nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass man mit sauren oder alkalischen Mitteln abbaut.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| CH1412961A CH392780A (de) | 1961-12-07 | 1961-12-07 | Verfahren zur Herstellung von intravenös anwendbaren Antikörperpräparaten humanen Ursprungs |
Applications Claiming Priority (1)
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| CH1412961A CH392780A (de) | 1961-12-07 | 1961-12-07 | Verfahren zur Herstellung von intravenös anwendbaren Antikörperpräparaten humanen Ursprungs |
Publications (1)
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| CH392780A true CH392780A (de) | 1965-05-31 |
Family
ID=4398243
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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| CH1412961A CH392780A (de) | 1961-12-07 | 1961-12-07 | Verfahren zur Herstellung von intravenös anwendbaren Antikörperpräparaten humanen Ursprungs |
Country Status (1)
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|---|---|
| CH (1) | CH392780A (de) |
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1961
- 1961-12-07 CH CH1412961A patent/CH392780A/de unknown
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