Verfahren zur Herstellung von Zellstoff hoher Reinheit und hoher Ausbeute Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Her stellung von Zellstoff hoher Reinheit und hoher Aus beute, und zwar bezieht sie sich auf ein Verfahren, um sowohl aus Fichten- als auch Laubholz Massen aller Art herstellen zu können, und zwar solchen von einfachen Qualitäten bis zu einem Zellstoff höch ster Güte und solchen, die als Kunstseidemasse ge eignet sind, d. h. solchen mit einem Alphagehalt von bis zu 98 ,, unter einem geringen Einsatz von Che mikalien zum Aufschliessen des Holzes.
Unter den Methoden, die für die Herstellung chemischen Zellstoffes aus Fichte und Kiefer zur Anwendung gelangt sind, haben die Sulfit- und Sul- fatmethoden den beherrschenden Rang eingenom men. Diese Methoden sind im Laufe der Jahre ver vollkommnet und jede für sich auf ihre besondere Holzart eingerichtet worden, die Sulfitmethode zum Aufschliessen von Fichtenholz und die Sulfatmethode zum Aufschliessen von Kiefernholz.
Zwecks Aus- nützung der schnellwachsenden Laubbaumarten, wie Birke, Aspe, Pappel unter anderem, zur Zellstoff herstellung :sind andere und für das Laubholz zweck mässigere Aufschlussmethoden entwickelt worden, und zwar die sogenannten Halbzellstoffverfahren. Von weiteren chemischen Aufschlussmethoden kann die Sodamethode erwähnt werden.
Ohne auf die ver schiedenen Prozesse näher einzugehen, können sie jedoch in drei Hauptgruppen eingeteilt werden: saure, neutrale und alkalische Aufschlussprozesse. Ein ge meinsames Merkmal für die chemischen Aufschluss- methoden besteht darin, dass bei richtig durchgeführ tem Aufschliessen die Cellulosefasern verhältnismässig unbeschädigt und von den Folgesubstanzen der Cel- lulose befreit gewonnen werden.
Durch Schleifen des Holzes wird weiterhin me chanische Masse oder Schliffmasse hergestellt, die sich vor allem dadurch von chemischer Masse unter- scheidet, dass die Folgesubstanzen der Cellulose (Holzpolyosen) nicht entfernt und die Fasern sehr verschiedenartiger Beschaffenheit werden. Bevor das Holz einem Schliff unterworfen wird, kann durch Dämpfen des Holzes eine gewisse Hydrolyse der Folgesubstanzen bewirkt werden.
So wird braun Schliffmasse, sogenannter Braunschliff, hergestellt, der sich im Vergleich zu gewöhnlicher (weisser) Schliffmasse durch eine geringere Menge urzerfaser- ter Fasern und Fasern grösserer Länge auszeichnet. Wie aus dem Namen hervorgeht, ist jedoch diese Masse stark verfärbt und wird meistens für die Her stellung von Zeitungspapier, gröberen Papier- und Pappsorten verwendet. Durch die hydrolysierende Wirkung des Wassers auf das Holz beim Dämpfen kann diese Methode als ein kombinierter chemischer und mechanischer Prozess betrachtet werden, obwohl der mechanische Teil der beherrschende ist.
Kombinierte mechanische und chemische Pro zesse, die in den letzten Jahren eine immer grössere Bedeutung erlangt haben, sind die vorerwähnten halbchemischen Methoden, die im wesentlichen darin bestehen, dass Holzspäne einem teilweisen Aufschlie ssen mit ,z. B. einer Natriumsulfitlösung unterworfen und anschliessend zerfasert und gewaschen werden. Diese Methoden haben besonders zur Herstellung von Masse aus Laubholz, z. B. Birke, Aspe und Pappel, Anwendung gefunden.
Allen chemischen Zellstoffherstellungsverfahren ist das Problem der Chemikalienwirtschaftlichkeit gemeinsam. In den letzten Jahren sind durch gesetz liche Massnahmen die Möglichkeiten der Sulfitfabri- ken, die Sulfitablauge in die Gewässer abzulassen, stark begrenzt worden, und die Rückgewinnung der nach dem Kochen zurückbleibenden Chemikalien der Calciumbisulfitkochsäure ist unwirtschaftlich. Ander seits erfordern Kochflüssigkeiten mit Natrium als Base grosse Investierungen in Anlagen und grosse Betriebskosten für die Chemikalienrückgewinnung.
Angesichts der oben in Kürze geschilderten Tech nik auf dem Gebiet der Zellstoffherstellung, wie sie heute vorliegt, ist das Bedürfnis gross, ein einfaches und wirtschaftliches Verfahren zur Herstellung eines Zellstoffes hoher Güte und hoher Ausbeute zu fin den, d. h. ein Verfahren, das die Verwendung von teuren Chemikalien und davon bedingten Chemika- lienrückgewinnungsanlagen, die in Aufbau und Be trieb teuer sind, nicht erfordert.
Nach der Erfindung hat es sich nun überraschen derweise als möglich erwiesen, aus Holz einen Zell stoff vornehmster Güte, d. h. mit einem Gehalt an Alphacellulose von biss zu 98 %, und hoher Ausbeute dadurch herzustellen, dass zunächst das Holz einer mechanischen Zerfaserung in Gegenwart von Wasser unterworfen wird, dass anschliessend die erhaltene Fasersuspension zum Entfernen von Fasermehl und Hydrolysierungsprodukten entwässert und wieder mit Wasser verdünnt, mit einem Chlorbleichmittel ver setzt und bei normaler Temperatur, etwa 20 C, während 0,5 bis 2 Stunden gebleicht wird,
dass die Fasersuspension anschliessend wieder entwässert und wieder gewaschen und danach mit Wasser in einem Kocher bei einem pH-Wert von 4 bis 9 auf eine Temperatur innerhalb des Bereiches 70-160 C er wärmt und bis zu 3 Stunden auf dieser Temperatur gehalten wird.
Im folgenden werden der Reihenfolge nach die verschiedenen Teilstufen des neuen Verfahrens und ein Teil der dabei zu Gebote stehenden Möglichkei ten erläutert.
Als Ausgangsmaterial für das neue Masseher stellungsverfahren kann man sowohl Fichte als auch Kiefer wie auch verschiedene Laubhölzer, wie Birke, Aspe und Pappel, verwenden, wobei, wie im fol genden gezeigt werden wird, keine radikalen Verän derungen hinsichtlich des eigentlichen Kochprozesses ergriffen zu werden brauchen.
Bei dem neuen Verfahren ist es auch ohne weite res möglich, in demselben Kocher Gemische von Fasern verschiedener Hölzer je nach der bezweckten Verwendung der fertigen Masse einzusetzen. Zerf aserung Die dem neuen Verfahren zugrunde liegende Idee besteht darin, dass die Fasern vor dem Kochprozess mechanisch freigemacht werden sollen, vorzugsweise in bekannter Weise durch warmen Nassschliff in Schleifstühlen.
Da bei richtiger Kontrolle der Wasser zufuhr die Fasersuspension die Schleifstühle mit einer Temperatur von etwa 70 C verlässt, kann man mit einer erheblich höheren Temperatur in der Auflage fläche zwischen dem Stock und dem Schleifstein rech nen, einer Temperatur, die tatsächlich bedeutend über 120 C steigen kann und die sich für die Bewirkung einer Hydrolyse der Kohlehydrate des Holzes ausreichend gezeigt hat. Bei Analyse des Wassers in der von dem Schleifstuhl austretenden Fasersuspension findet man etwa 1 % Zuckerarten, d. h. im grossen gesehen entsprechend dem Abbau der Kohlehydrate, der bei Hydrolyse von Holzspänen bei 70-120 C erreicht wird.
Dies bedeutet ander seits, dass beim eigentlichen Schle;fen des Holzes bis zu etwa 20 % der Kohlehydrate im Holz abgebaut und mit dem Spülwasser zbgetragen werden und dass ebenso etwa 15 % des Lignins vom Holz entfernt werden, während die Cellulose in der Schliffmasse unverändert zurückbleibt.
Der zum Einsatz in den Kocher bestimmte Holz schliff darf kein Fasermehl enthalten, was die Güte der fertigen Masse beeinträchtigen würde, und es ist auch nicht zweckmässig, die Aufschliessung in Gegen wart vom Schliffwasser, das die Hydrolysierungs- produkte vom Schleifprozess enthält, durchzuführen. Deshalb wird die Fasersuspension nach etwaiger Abscheidung von Knästen und gröberen Splittern entwässert und mit Wasser gewaschen, bevor sie der Vorbleiche unterworfen wird.
Vorbleiche Die Vorbleiche hat zum Zweck, den Ligninge- halt der Masse zu erniedrigen, bevor diese im Kocher aufgeschlossen wird. Bei der Vorbleiche werden die entwässerten Fasern wieder mit Wasser verdünnt und bei gewöhnlicher Temperatur (etwa 20 C) mit einem der üblichen Bleichmittel, z. B. Chlor, Chlor dioxyd, Natriumhypochlorit, bei einem pH-Wert von 8-12 gebleicht. Die Bleichzeit kann zwischen 0,5 und 2 Stunden schwanken.
Es ist wichtig, dass bei beendetem Bleichprozess ein überschuss an Chlor vorhanden ist. Nachdem zurückgebliebenes Chlor und zersetzte Ligninprodukte sorgfältig aus den Fasern ausgewaschen und die Fasern entwässert worden sind, werden diese in den Kocher eingeführt und anschliessend in der folgenden Weise behandelt: <I>Aufschliessen</I> Der Aufschliessprozess wird vorteilhaft in einem Kocher der in der Sulfit- oder Sulfatmasseindustrie üblichen Type und mit gebräuchlicher Armatur und Instrumentierung durchgeführt.
Man berechnet den Trockengehalt der Faser in derselben Weise wie beim Kochen von Hackspänen. Die Masse, die durch Schleifen oder andere mecha nische Defibrierung zerfasert wurde, wird in den Kocher zusammen mit - bezogen auf ihren Trocken gehalt - der vierfachen Menge Wasser eingesetzt. Vor der Füllung des Kochers wird die zerfaserte Masse mit heissem Wasser zu einem homogenen Massebrei gemischt. Der Kocher kann auch mittels bekannter Vorrichtungen gefüllt werden, die auf die Verwendung von Direktdampf basiert sind.
Je nach dem gewünschten Gehalt an Alphacellu- lose kann die Aufschliessung bei verschiedenen Tem peraturen und pH-Werten durchgeführt werden. Ge mäss der Erfindung wird der Beendigungsprozess der Aufschliessung bei folgenden pH-Werten durchge führt:
pH 4 für Papierzellstoff, pH 7 für Papierzellstoff und Kunstseidemasse mit Alphagehalten von 90-92 ,%, pH 9 für Edelcellulose mit Alphagehalten von <B>96-98%.</B>
Für Zellstoff, der bei einem pH von 7 bis 9 hergestellt wird, wird der pH-Wert durch Zusatz von Alkali in einer Menge von bis 7 % der Massen menge geregelt. Der Alkaliverbrauch ist auch von der Temperatur abhängig. Ein Alkaliverbrauch von 7 bei einer bei 70-120 C vorgenommenen Aufschlie ssung kann durch eine Aufschliessung bei z. B. 140-150 C bis auf 4 % erniedrigt werden. Mit dieser einfachen Methode kann man somit einen Zellstoff mit höherer Reinheit und höherem Alphage halt gewinnen als mit einem der üblichen Verfahren zur chemischen Zerfaserung von Hackspänen.
Ein sehr guter Zellstoff kann erfindungsgemäss dadurch hergestellt werden, dass die Schleifmasse vorgebleicht, gewaschen und anschliessend in Alka- lisierungstürmen mit NaOH bei Temperaturen von 70-90 C behandelt und schliesslich gebleicht wird, wobei ein chemischer Zellstoff mit Alphagehalten von 90-92 % erhalten wird.
Um eine Edelcellulose mit Alphagehalten von 96-98 % zu gewinnen, muss man unter solchen Drük- ken arbeiten, welche die erlaubten Drücke in den Alkalisierungstürmen übersteigen. Dabei wird jedoch die Aufschliessung vorteilhaft in den Kochern der Kocherei durchgeführt. Der Kocherinhalt wird dann z.
B. auf 160 C, vorzugsweise innerhalb etwa einer Stunde, in der Weise erhitzt, dass Dampf von etwa 8-9 atü entweder direkt in den Kocher eingeleitet und mit dem Massebrei in Berührung gebracht wird oder aber in einen den Kocher umgebenden Mantel oder in eine im Kocher befindliche Rohrschlange oder dergleichen eingeführt und die Wärme dieses Dampfes indirekt auf den Massebrei übertragen wird. Etwa eine halbe Stunde nach dem Beginn des Ko- chens muss der Kocher entlüftet werden.
Ein grosser Vorteil des neuen Verfahrens liegt hierbei darin, dass der Kocher bedeutend weniger Luft enthält, als dies bei der Füllung mit Hackspänen der Fall ist, da der Massebrei praktisch keine Luft enthält. Wenn das Kochen etwa drei Stunden bei 160 C gedauert hat, entsprechend einem Druck von etwa 8-9 atü, ist die Masse fertiggekocht. Nach Entspan nung des Kochers und Abziehen des Kochwassers mit den aus dem Holz herausgelösten Bestandteilen wird die fertiggekochte Masse aus dem Kocher in die Massebehälter der Fabrik entleert. Ein, sehr grosser Vorteil des neuen Verfahrens liegt darin, dass das Kochen mit reinem Wasser durchgeführt werden kann.
Bei einem solchen Kochen weist das nach beendigtem Kochen abgelassene Kochwasser im allgemeinen einen pH-Wert von etwa 4 auf. Die abgezogene Kochflüssigkeit weist dabei gewöhnlich eine dunkelbraune Farbe auf, enthält etwa 3-4 Pentosane (beim Kochen von Fichtenfasern) sowie Essigsäure und Ameisensäure. Es kann aber auch erwünscht sein, eine Ablauge zu erhalten, deren pH-Wert auf der alkalischen Seite, und zwar bis zu höchstens 9, liegt. Das Kochen mit klarem Kalkwas ser ergibt im wesentlichen denselben pH-Wert von 4 in der Ablauge wie das Kochen mit reinem Wasser.
Beim Entspannen dieser Kochungen enthält jedoch das abgezogene Kochwasser Methanol, niedrigere Pentosananteile und das Calcium als Calciumacetat gebunden. Bei der Verwendung von Kalkmehl ent stehen unlösliche Kalkseifen, die in dem gebleichten Fertigprodukt dunkle Flecken ergeben. Das Calcium- hydroxyd muss somit im Wasser vollständig gelöst vorliegen, d. h. die Lösung darf höchstens gesättigt sein (etwa 0,2 % Ca[OH]2).
Um in der Ablauge einen neutralen oder schwach alkalischen pH-Wert zu erhalten, kann man NaOH oder Soda zusetzen. Es wurde gefunden, dass das Kochen mit 3 %igem NaOH in der Ablauge einen pH-Wert von 6 bis 7 und das Kochen mit 5 %igem NaOH einen pH-Wert von etwa 8 ergibt.
Es ist natürlich mit einbegriffen, dass sämtliche üblichen und bekannten alkalischen Mittel, die was serlöslich sind, der Kochflüssigkeit, die Wasser ist, zugesetzt werden können. Es sei jedoch ausdrücklich hervorgehoben, dass der Zusatz solcher alkalischer Mittel in vielen Fällen erwünscht und vorteilhaft sein kann, dass jedoch die grundlegende Idee darin liegt, dass das Wasser als Kochflüssigkeit dient, und in dem Fall, in dem alkalisch reagierende Chemika lien wie NaOH und Na2C03 zugesetzt werden, dies lediglich eine wahlfreie Massnahme ist,
deren Anwen dung mehr im Hinblick auf die jeweilige Holzart als im Hinblick auf den Aufschluss bestimmt wird. Beim Kochen von harzreichem Kiefernholz arbeitet man somit vorzugsweise auf der ,alkalischen Seite, damit die Harzsäuren neutralisiert werden und wasserlös liche Seifen bilden sollen. Man kann folglich erfin dungsgemäss in einem pH-Bereich von 4-9 arbeiten.
Bei üblicher Herstellung von halbchemischem Zellstoff und Sulfitzellstoff schliesst man bei Tem peraturen von 120-140 C auf. Für die Herstellung leichtgebleichter Papiermasse und Viskosemasse arbeitet man bei Aufschliessungstemperaturen von 140-160 C. Die für das neue Verfahren praktische obere Temperaturgrenze, bei der man noch eine Masse in einer Ausbeute bis zu 50 % und mit Alpha gehalten von bis zu 90 % gewinnen kann, liegt bei <B>1600</B> C.
Es ist auch möglich, die Masse stufenweise zu kochen. Indem man nach Beendigung des Kochens das Kochwasser abzieht und die Masse im Kocher behält und neues Kochwasser in den Kocher ein pumpt und gegebenenfalls dasselbe Verfahren noch einmal wiederholt, kann man gewisse Vorteile erzie len, insbesondere wenn es sich darum handelt, eine Masse aus Mischschliffmasse von z. B. Kiefer, Fichte und Birke herzustellen. Die erste Stufe des Kochens (1 Stunde; 160 C) kann dabei mit reinem Wasser durchgeführt werden, die eine Ablauge mit einem pH-Wert von etwa 4 ergibt.
Nach Abziehen dieser Ablauge wird der Kocher mit 3 %igem NaOH gefüllt, worauf die zweite Stufe (1 Stunde 160 C) durch geführt wird, wobei man eine Ablauge mit einem pH-Wert von 5-6 erhält, und schliesslich wird die dritte Stufe in derselben Weise durchgeführt, aber mit 5 %igem NaOH, das in der Ablauge einen pH- Wert von 7-8 ergibt. Bei dreimaligem einstündigem Kochen und einem Zeitaufwand von zwei Stunden für das mehrmalige Abziehen und Füllen des Kochers wird das ganze Kochen in fünf Stunden durchgeführt.
<I>Ausbleiche der Masse</I> Die fertiggekochte Masse kann auch einer Aus bleiche, beispielsweise in folgender Weise, unterzo gen werden: Nach dem Waschen wird die Masse in zwei Stufen mit Caleiumhypochlorit gebleicht, in der er sten Stufe mit einem Chlorgehalt von 18 g/1 und in. der zweiten Stufe mit 22 gll; die Bleichflüssigkeit wird in einer Menge von z. B. 3 %, bezogen auf die Trockensubstanz im Massebrei, zugesetzt. Zwi schen den verschiedenen Bleichstufen wird die Masse in üblicher Weise gewaschen.
Bei durchgeführten Versuchen, um bei der Aus bleiche die optimalen Temperaturen festzustellen, wurde die Temperatur in der ersten Stufe zwischen 38 C und 20 C und in der zweiten Stufe zwischen 42 C und 20 C verändert. Überraschenderweise hat sich gezeigt, dass die erfindungsgemäss hergestellte Masse bei nur 20 C zufriedenstellend weiss gebleicht werden kann. Sämtliche Bleichen wurden im Laufe der äusserst kurzen Zeit von einer Stunde durchge- führt.
Bei der Ausbleiche, die als eine Kaltbleiche vor genommen wurde, erhielt man einen Alphagehalt von 97 % und äusserst hohe Viskositätswerte der aus der Masse hergestellten Viskose.
Nach dem neuen Verfahren hergestellte Cellulose lässt sich sehr leicht bleichen.
Nach der Neutralisierung mit Säure und dem Waschen wird die erhaltene Edelcellulose in Form von Pappen mit einem Alphagehalt von 96-98 in den Pappsaal der Fabrik vorgefahren. übrige Ana lysen: Harz 0,1 % und Cu-Zahl 0,4. Die Viskosität der aus der Masse hergestellten Viskose kann nach Wunsch eingestellt werden.
Das erfindungsgemässe Verfahren bietet gegen über älteren Zellstoffherstellungsverfahren, die halb chemischen einbegriffen, viele wesentliche Vorteile. Man hat beispielsweise Papier aus. Schliffmasse von Kiefer nicht herstellen können. Der Grund hierfür sind, wie bekannt, die grossen Quantitäten Harz, die während des Schleifens ausgelöst werden und mit den Fasern gehen. Durch Zusatz von 5 % NaOH zum Kochwasser werden ausgelöste Harzsäuren neutra lisiert und mit dem abgezogenen Kochwasser ent fernt. Etwa rückständiges Harz bleibt als Wasser lösliche Harzseife zurück, die beim -anschliessenden Waschen und Sieben von der Masse entfernt wird.
Die Harzseifen können aus der Kochlauge zu rückgewonnen werden, um in bekannter Weise ange säuert und als Tallölsäure gewonnen zu werden.
Wie bereits erwähnt, kann man durch das neue Verfahren Zellstoff aus Fichten, Kiefer und Birke herstellen. Da das Birkenholz viel Pentosane und Essigsäure ergibt, ist es zweckmässig, für diese Faser mit NaOH von bis zu 7 % in der Kochflüssigkeit zu rechnen, um in der Ablauge einen pH-Wert von 7-8 zu erhalten. Beim Kochen ausschliesslich mit Wasser erhält man bis zu 10 % Pentosane. Ausser Birke kann man selbstverständlich andere Laubhöl zer, z. B. Aspe und Pappel, kochen.
Da man mit dem neuen Verfahren die Kochzeit z. B. für Sulfitkochen von 12 Stunden bis hinunter auf 4 Stunden abkürzen kann, bedeutet dies, dass eine vorhandene SulfitzellstoffFabrik mit einer Jah resproduktion von z. B. 20 0000 Tonnen ihre Pro duktionskapazität um das Dreifache erhöhen kann, d. h. bis zu 60 000 Tonnen.
Nach den Sulfit- und Sulfatmethoden hat man früher nicht Massen herstellen können, die gleich zeitig Fichte und Birke oder Fichte und Kiefer ent halten. Durch das neue Verfahren kann man gleich zeitig Fichte, Kiefer und Birke kochen.
Die im erfindungsgemässen Verfahren anfallen den Nebenprodukte sind von der Temperatur des Kochens und des pH-Wertes des Wassers abhängig. Bei einem pH-Wert von 4 enthält die Ablauge Essig säure und Ameisensäure und ausserdem Pentosen und Hexosen, die in bekannter Weise in Zucker bzw. Furfural umgewandelt werden können. Bei ei nem pH-Wert von 6-9 in der Ablauge erhält man Pentosen und Hexosen und ausserdem Methanol, Azeton und Terpene in den Abgasen.
Beim Kochen von Holzfasern aus Kiefer erhält man in der Ab lauge Harzseifen, die Tallölsäure ergeben.
In der Einleitung wurde hervorgehoben, dass man nach dem erfindungsgemässen Verfahren Massen mit ausserordentlich hohen Alphawerten und hohen Vis- kositätswerten erhält. Die erhaltene Masse ist somit eine Qualitätsmasse, die sich als Kunstseidemasse und Kordmasse und als Ausgangsmaterial zur Her stellung von Celluloseestern und -äthern eignet.
Es wurde weiterhin gefunden, dass man zur Her stellung einer Masse hoher Güte vorteilhaft einen Teil des beim erfindungsgemässen Verfahren als Aus gangsmaterial verwendeten mechanisch zerfaserten Stoffes durch Zeitungsmakulatur ersetzen kann. Es hat sich dabei erwiesen, dass gewöhnliches Zeitungs papier, das aus Schliffmasse hergestellt wurde, einen Alphagehalt von etwa 92 % ergibt, der an sich für den Zweck der Erfindung zu niedrig ist.
Auch die Viskosität hat sich als zu niedrig erwiesen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass ein Zeitschriften- oder Jour- nalpapier, das aus halbchemischer Masse hergestellt wurde, einen Alphagehalt von 97-98 % ergibt, aller dings auch in diesem Falle mit einer für Kunstseiden masse zu niedrigen Viskosität.
Da die Viskosität und der Alphagehalt einer Schliffmasse, die in der erfindungsgemässen Weise gekocht wurde, höher liegen als bei einer der auf dem Markt vorhandenen Massen, hat man hier die Möglichkeit, eine solche Masse mit aus Zeitungen (Schliffmasse) und Journalen und Zeitschriften (halb chemische Masse) hergestellten Massen zu mischen, damit man eine endgültige Masse mit der erwünsch ten Viskosität erhält.
Für gewisse Herstellungen sind jedoch ein hoher Alphag-,halt und eine niedrige Viskosität erwünscht. Es war früher mit grossen Schwierigkeiten verbunden, diese Cellulosequalität herzustellen, weil man wäh rend des Bleichprozesses Oxycellulose mit zu hohen Cu-Zahlen und entsprechend zu niedrigem Alphage halt erhalten hat, wenn man die Viskosität dadurch senkte, dass man das Auskochen weit trieb und später die Faser abbaute. Durch die hier vorgeschlagene Methode wird jedoch eine elegante Lösung dieses Problems geboten.
Es wurde weiterhin gefunden, dass unter ge wissen Bedingungen, insbesondere bei Verwendung von mechanisch zerfasertem Fasermaterial zusam men mit Zeitungsmakulatur, die Masse bereits vor dem Einsatz in den Kocher eine weniger erwünschte Verfärbung hat. Dieser Nachteil wird dadurch be seitigt, dass man vor dem Einsatz in den Kocher das vorgebleichte Fasermaterial mit Schwefeldioxyd im Zusammenhang mit dem Waschen nach der Bleiche behandelt, wobei man beispielsweise das Waschwas ser mit S02 zur sauren Reaktion, z. B. pH-Wert 4, versetzt. Durch diese Massnahme wird das Entfernen des Chlors erleichtert, und eine Masse mit geringerem Aschegehalt wird erhalten.
Ausserdem wird die Nach bleiche, der die Masse nach dem Kochen unterworfen wird, erleichtert.
Ein Zellstoff, der nach dem neuen Neutralkoch- verfahren mit einem Alphagehalt von 97 % herge stellt wurde, ist mit sogenannter Edelcellulose mit 94 % Alphagehalt verglichen worden. Die nach dem neuen Verfahren gewonnenen Fasern wiesen teils eine grössere Länge und teils eine andere Struktur auf. Die nach dem neuen Verfahren gewonnenen Fasern hatten stumpfe Enden, während Fasern von @sogenannter Edelcellulose an den Enden in eine Spitze ausgehen. Die Stärke der Fasern war jedoch in beiden Fällen dieselbe.
Weitere Vorteile des beanspruchten Verfahrens liegen in den rein sanitären Verhältnissen. Sowohl bei der Sulfit- als auch bei der Sulfatmethode waren immer die Luftverunreinigungen und die Verunrei nigungen der Sulfitablauge in Seen und Gewässern belästigend, und die Schwierigkeit, die ganze Ab- Taugemenge einer Sulfitfabrik einzuengen, ist derart bekannt, dass sie kaum erwähnt zu werden braucht. Ebenso hat man es bis jetzt nicht ermöglichen kön nen, den lästigen Mercaptangeruch der Sulfatfabriken zu beseitigen.
Bei dem neuen Verfahren hat man infolge der Abwesenheit von Schwefelchemikalien in der Koch flüssigkeit keinerlei Schwierigkeit mit der Reinhal tung der Luft. Wenn man jedoch im Rahmen der Erfindung, d. h. bei einem pH-Wert von 4-9 bei Temperaturen von 70-160 C, mit einer Flüssigkeit, die Schwefelverbindungen enthält, aufschliesst, er hält man zwar einen Geruch nach Mercaptanen, aber, da der Alkaligehalt der Flüssigkeit im Verhält nis zu der beim Sulfatkochen verwendeten Lauge sehr gering ist, entstehen entsprechend geringere Mer- captanmengen.