Kunststoff-Folie mit reversibel veränderlicher Lichtdurchlässigkeit sowie Verfahren zu deren Herstellung
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf lichtdurchlässige Folien aus synthetischem Material, dessen Lichtdurchlässigkeit in Abhängigkeit von der umgebenden Atmosphäre und/oder der Beleuchtungsstärke variiert.
Es ist bekannt, dass gewisse synthetische, harzartige Verbindungen und vor allem teilweise acetalisierter Polyvinylalkohol mit komplexartig gebundenem Wasser auf Anderungen der Temperatur oder Beleuch tungsstärke in der Weise reagieren,, dass beim t) ber- schreiten einer Temperaturgrenze Zerfall der Komplexverbindung eintritt, wobei infolge der verschiede- nen Brechungsindices der Komponenten aus dem ur sprünglich durchsichtigen, optisch homogenen Körper ein optisch heterogener, weisser undurchsichtiger Körper entsteht, der zu einer starken Reflexion und Streuung des auftreffenden Lichtes führt.
Dieser Vorgang ist reversibel, d. h. beim Unterschreiten der Temperaturgrenze verschwind t die Undurchsichtigkeit wieder, wobei der Umschlagspunkt zwischen den beiden Zuständen von verschiedenen Faktoren abhängt. Es gibt eine ganze Reihe von Stoffen, welche diese Er scheinung zeigen, so z. B. Polyvinylmethyläther, Polyvinylpyrrolidone, Methylcellulose. Für die Praxis am bedeutungsvollsten haben sich die oben erwähnten Additionsprodukte von teilweise acetalisiertem Polyvinylalkohol mit Wasser und bestimmten anorganischen Hydratsalzen-wie z. B. Calziumchlorid-erwiesen.
Die Reaktionsfähigkeit dieser Additionsverbindungen auf Ändrungen der Temperatur oder Beleuch tungsstärke hängt weitgehend vom Wassergehalt des Produktes ab. Es ist friiher versucht worden, Folienmaterial aus solchen Additionsverbindungen herzustellen und die Folien als synthetisches Glas für verschiedene Zwecke zu benutzen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Eigenschaften solcher Foli-n bezüglich ihrer temperatur-und strahlungsabhängigen Lichtdurchlässigkeit nicht von Dauer sind und dass die Folien tatschlich innerhalb kurzer Zeit ihre Aktivität verlieren.
Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass die Folien trotz der hygroskopischen Eigenschaften der in ihnen enthaltenen Hydratsalze bei der in der Natur im allgemeinen herrschenden relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 79 /o so viel Wasser an die umgebende Luft abgeben, dass der Effekt des Zerfalls in heterogene Komponenten nur noch bei sehr hohen Temperaturen, z. B. bei 70 C eintritt, oder bei relativen Feuchtigkeitswerten unter etwa 50 /o überhaupt nicht mehr eintreten wurde. Ein Undurchsichtigwerden der Folien bei so hohen Temperaturen ist aber für die Praxis ohne jedes Interesse, abgesehen davon, dass die Acetale bei diesen Temperaturen bereits eine Zersetzung erleiden und somit zerstört werden.
Eine Erhöhung des Hydratsalzzusatzes auf einen Wert, bei welchem der Wasserdampfpartialdruck so weit erniedrigt ist, dass Kondensation der Luftfeuchtigkeit an den Hydraten eintreten würde, ist deswegen nicht möglich, weil bei so hohen Salz-Konzentrationen eine dauernde Weissfärbung der Folien zustandekommen würde.
Die Erhaltung der Reaktionsfähigkeit der Folie liess sich bisher nur dadurch erreichen, dass man die Folie zwischen Silikatglasscheiben brachte und di3 Ränder einer solchen Mehrschichtenscheibe wasserdampfdicht abschloss, um einen Wasserverlust gänzlich auszuschliessen. Derartige Gläser sind bekannt. Sie haben jedoch gegenüber einem reinen Kunstharzprodukt den Nachteil des erheblich grösseren Gewichts, der Bruchanfälligkeit, der schwierigeren Herstellbarkeit. Ein reines Kunstharzprodukt kann darüber hinaus leichter bearbeitet, z. B. gesägt, gebohrt, gebogen werden, was bei Silikatglasscheiben nicht bzw. nur bei Temperaturen möglich ist, die eine Zerstörung der Zwischenschicht zur Folge haben würden.
Dementsprechend ist es jetzt ein Hauptziel, eine synthetische, lichtdurchlässige Folie herzustellen, welche die beschriebenen Nachteile des Mehrschichtensilikatglases überwindet und welche unter Temperaturoder Wärmestrahlungseinfluss eine reversibel veränderliche Lichtdurchlässigkeit von dauerhaftem Charakter zeigt.
Die erfindungsgemässe Kunststoff-Folie mit unter dem Einfluss der Temperatur undloder der Beleuchtungsstärke reversibel veränderlicher Lichtdurchlässigkeit, welche eine Komplexverbindung von teilweise acetalisiertem Polyvinylalkohol mit Wasser und Hydratsalzen aufweist, ist dadurch gekennzeichnet, dass sie ein neutral oder schwach alkalisch eingestelltes Gemisch von Hydratsalzen mit gleichem oder verschiedenem Kation, jedoch verschiedenem Anion von so hoher Wasserlöslichkeit und in so hoher Konzentration enthält, dass ihr Wasserdampfpartialdruck unter den Wert des mittleren Wasserdampfpartialdruckes der sie umgebenden Atmosphäre erniedrigt wird, und dass sie mit einer flexiblen und/oder starren, wasserdampfdurchlässigen, jedoch wasserunlöslichen Deckschicht aus polymerem Material einseitig oder doppelseitig versehen ist.
Es ist beispielsweise vorteilhaft, eine Folie von der erwähnten Art herzustellen, welche mindestens auf einer Seite von einer flexiblen oder starren Deckschicht aus wasserdampfdurchlässigem, polymeren Material, wie z. B. Celluloseacetat, Polyvinylacetat, Polyvinylacetal, Polyacrylsäureester, Polymethacrylsäureester, Polyvinyl- chlorid, versehen ist, während sie mit der anderen Seite z. B. auf eine Silikatglasscheibe, also ein wasserdampfundurchlässiges Material aufgebracht ist.
Ferner ist es ganz allgemein zweckmässig, die bisher übliche Fertigungstechnik von Material mit variabler Lichtdurchlässigkeit zu verbessern.
In Verfolgung dieses Zieles wurde nun die überra- schende Feststellung gemacht, dass Hydratsalze mit gleichem oder verschiedenem Kation, aber verschiedenem Anion, auf die Zerfallstemperatur des Acetalkom- plexes, den sogen. Umschlagspunkt, eine antagonistische Wirkung ausüben. So wird z. B., wenn der Acetalkomplex Lithiumchlorid enthält, der Umschlagspunkt beträchtlich gesenkt, während im Gegensatz dazu Lithiumbromid und Lithiumnitrat eine Erhöhung desselben bewirken. Das Gleiche gilt für die entsprechenden Salze des Calziums und Magnesiums.
Indem man nun eine Mischung solcher Hydratsalze mit verschiedenem Anion herstellt und die Mischung dem Acetalkomplex zusetzt, erreicht man in der Folie, ohne den Umschlagspunkt in indiskutable Temperaturbereiche zu verlagern, eine so hohe Salzkonzentration, dass der in ihr vorhandene Wasserdampfpartialdruck auf Werte herabgedrückt wird, die stets unterhalb des mittleren Wasserdampfpartialdruckes der umgebenden Atmo sphäre liegen. Dies besagt, dass die Folie unter normalen Umständen kein Wasser an die umgebende Luft abgibt, oder falls nach sehr lange andauernder Sonnenbestrahlung ein gewisser Verlust an Wasser eintritt, dieser Verlust nach Abkühlung der Folie aus der Luftfeuchtigkeit wieder ausgeglichen wird, so dass auf diese Weise die Folie immer reaktionsfähig bleibt.
Durch geeignete Wahl der Salzkomponenten bei der dem Acetalkomplex zugesetzten Salzmischung, d. h. durch vorgegebene Verhältnisse von Salzen mit verschiedenem Anion können der Grad der Lichtdurchlässigkeit und der Umschlagspunkt, d. h. also die Temperatur, bei welcher die Folie vom durchsichtigen in den undurchsichtigen Zustand übergeht, kontrolliert und in gewünschter Weise beliebig eingestellt werden.
Experimente haben schlüssig ergeben, dass ein Feuchtigkeitsverlust nach einer lange andauernden Bestrahlungsperiode auch dann ausgeglichen wird, wenn die Folie von flexiblen oder starren Deckschich- ten aus wasserdampfdurchlässigem polymeren Material umgeben ist. Dieses polymere Material soll im übrigen gegen atmosphärische Einflüsse resistent und wasserunlöslich sein. Die polymeren Deckschichten bewirken nicht nur einen mechanischen Schutz der Folie, sondern wirken ausserdem als eine Art von Puffer und Regulator für schnelle Schwankungen des Feuchtigkeitsgehaltes der Folie.
Bei der Kunststoff-Folie können verschiedene Mischungen von anorganischen Salzen des Lithiums, Calziums oder Magnesiums Verwendung finden. So wurde ermittelt, dass die Chloride, Bromide und Nitrate dieser Metalle in verschiedenen Mischungen ausgezeichnete Ergebnisse liefern.
Für Folien, die vornehmlich in Gewächshäusern als Sonnenschutz für empfindliche Pflanzen dienen sollen, also dort, wo im allgemeinen die Feuchtigkeit der Luft Werte von 60 I/o nicht unterschreitet, sind Gemische von Calziumchlorid und Calziumbromid oder Calziumnitrat für die Erzielung der erforderlichen Wasser dampfdruckerniedrigung bei einem um 20 C liegendem Umschlagspunkt geeignet, während Folien, die in Büroräumen oder Industriebauten ohne Klimatisierung, in Fahrzeugen (Omnibusse) oder Wohnräumen Verwendung finden sollten, Salzgemische von Lithiumchlorid und Lithiumbromid oder Lithiumnitrat, welche eine noch stärkere Senkung der Wasserdampftension bewirken, enthalten müssen.
Bei Verwendung von Bromiden oder Jodiden ist es ratsam, zwecks Vermeidung von photochemischen Reaktionen eine neutrale oder schwach alkalische Reaktion in der Folie einzuhalten. Dies kann z. B. dadurch erreicht werden, dass man dem Acetalkom- plex kleine Mengen von Borax oder Lithiumhydroxid oder anderen alkalischen Substanzen zusetzt. Bei der Wahl der Alkalien sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die in dem Folienmantel enthaltenen Metalle keinen Niederschlag mit diesen Alkalien ergeben.
Die Konzentration der Salzgemische in der Folie wird so eingestellt, dass für den in Aussicht genomme- nen Verwendungszweck jeweils eine so niedrige Wasserdampftension erzielt wird, dass stets ein Gefälle von aussen nach innen besteht. Im Freien und in nicht klimatisierten Räumen, wo also mit erheblichen Schwankungen der relativen Luftfeuchtigkeit zu rechnen ist, wird man die Salzkonzentration so wählen, dass sie etwa 70 bis 100 Gewichtsprozent (bezogen auf die Trockensubstanz der Acetal-Lösung) ausmacht. In klimatisierten Räumen, wie sie in der Industrie ja immer häufiger vorliegen, wird man die Salzkonzentration der dort herrschenden Wasserdampftension der Luft anpassen, sie also entsprechend niedriger einstellen.
Der Umschlagspunkt der Folie kann in allen Fällen durch das Mischungsverhältnis der Salzkomponenten mit antagonistisch wirkenden Anionen auf den gewünschten, günstigsten Wert eingestellt werden.
Die erwähnten Folien besitzen viele Anwendungsmöglichkeiten. Wenn die Folie von einer starren Deck- schicht umgeben ist, z. B. aus einer solchen aus Polymethacrylsäuremethylester, kann sie als synthetisches Glas mit variabler Lichtdurchlässigkeit dienen und bietet so einen ausgezeichneten Ersatz für das bekannte mehrschichtige Silikatglas mit variabler Lichtdurchläs siglceit, vor dem es sich, insbesondere durch sein geringeres Gewicht, durch höhere Lichtdurchlässigkeit, insbesondere im kurzweiligen Bereich des Spektrums, und die leichtere Bearbeitbarkeit auszeichnet. Dazu kommt die geringere Durchlässigkeit für Wärmestrahlen.
Solche starren Folien können anstelle von Flachglas für Bedachungen, Gewächshäuser, Gebäudefronten, Kraftfahrzeugfenster etc. eingesetzt werden. Wenn die Folie von einer flexiblen Deckschicht umhüllt ist, findet sie bedeutende Anwendung in der Landwirtschaft und im Gartenbau, z. B. zum Bedecken von Blumen-und Gemüsebeeten, zum Bespannen von Wanderkästen und tragbaren Gewächshäusern u. ä.
Für die Beschichtung des Folienmaterials mit einer flexiblen, schützenden Deckschicht kommen alle lichtdurchlässigen und lichtbeständigen Lacke und Folien in Frage, welche durch die Witterungsbedingungen nicht nennenswert beeinflusst werden und eine genügend grosse Wasserdampfdurchlässigkeit haben, um die Kondensation der Luftfeuchtigkeit an den Hydratsalzen zu ermöglichen. So sind z. B. Lacke oder Folien aus Celluloseacetat, Polyvinylacetat, Polyvinylacetal, Polyacrylsäureester oder einem Mischpolymerisat von Polyvinylchlorid und Polyvinylacetat oder weichmacherhaltigem Polyvinylchlorid brauchbar. FUr bestimmte Anwendungsgebiete der flexiblen Folie, z.
B. wenn die Folie im Gartenbau zur Bedeckung von Wanderkästen oder transportablen Gewächshäusern benutzt wird, ist es von Vorteil, die Folie auf beiden Seiten mit Stoffen von verschiedener Wasserdampfdurchlässigkeit zu beschichten, in der Weise, dass die den Witterungseinflüssen ausgesetzte, nach aussen gekehrte Seite mit einem Material geringerer Wasserdampfdurchlässigkeit, aber besonders hoher mechanischer Widerstandsfähig- keit, z. B,. Polyterephthalsäureglykolester, die dem feuch ten Boden zugekehrte Seite mit einem Material höherer Wasserdampfdurchlässigkeit, z. B. Polyvinylacetat, abgedeckt wird.
Auf diese Weise wird auch nach stärk- ster Sonnenbestrahlung ein eventueller Wasserverlust der Folie aus der Bodenfeuchtigkeit schnell ausgeglichen. Für die Beschichtung der Folie können natürlich auch Dispersionen von synthetischen Harzen herangezogen werden.
Selbstverständlich kann di-flexible Deckschicht auf die Folie aber nicht nur durch Kaschieren oder Lackieren aufgebracht werden, sondern es kann umgekehrt auch der in Lösung gebrachte Acetalkomplex auf die Abdeckfolie, z. B. eine solche aus Polyacrylsäureester oder Polyterephthalsäureester, durch Giessen oder Spritzen oder Streichen oder Zentrifugieren aufgebracht werden.
Acetale mit niedrigem Acetalisierungsgrad kann man bei genügender Kühlung auch statt in einem Alkohol-Wassergemisch lediglich in Wasser lösen und aus der hochviskosen Lösung mit Hilfe einer gekühlten Strangpresse mit Breitschlitzdiise eine Folie erzeugen, die man auf die flexible, wasserdampfdurch lässige Abdeckfolie auflaufen lässt und anschliessend mit einem der erwähnten Stoffe lackiert oder mit einer zweiten dünnen Abdeckfolie aus diesen Stoffen kaschiert. Die stranggepresste Masse kann aber auch nach dem Austritt aus der Düse koaguliert (durch Wärmeeinwirkung) und mit Hilfe eines Walzenpaares mit der schützenden Trägerfolie vereinigt werden.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die gekühlte Zentrifuge auf die Abdeckfolie auflaufen zu lassen oder mit Hilfe einer Spritzpistole oder im Gleichstrom-Hochspannungsfeld aufzusprühen, in der Zentrifuge zu trocknen und zu lackieren. Das Arbeiten in der Zentri- fuge ergibt die Möglichkeit, durch eine spezifische Ausbildung der Auflagefläche, in die z. B. Vertiefung in bestimmter Regelmässigkeit eingearbeitet sind, gewisse optische Effekte bei der späteren Eintrübung zu erreichen, insofern als an den vertieften Stellen die reaktionsfähige Schicht stärker ausgebildet wird als an den erhabenen, so dass hier Unterschiede in der Ein trübungsdichte entstehen.
Eine besonders vielseitige Anwendungsmöglichkeit der Folie wird erzielt, wenn die wasserdampfdurchläs- sige Deckschicht auf einer Seite der reaktionsfähigen Folie abziehbar ausgebildet wird. Diese kann dann nach Art der bekannten selbstklebenden Folien nach Abziehen der Deckschicht auf Silikatglas oder organisches Glas, z. B. auf Scheiben von Gewächshäusern oder Mistbeeten oder auf die Dachscheiben von Omnibussen aufgeklebt werden, wobei es möglich ist, die Klebefähigkeit der reaktionsfähigen Schicht durch Zusatz viskositätssteigernder Substanzen, wie z. B. Natriumacetat oder Borax erheblich zu erhöhen. Selbstver ständlich sind mannigfaltige Modifikationen dieser Grundstruktur möglich.
Zum Beispiel kann man auch auf einer der mit der reaktionsfähigen Folie fest verbundenen Deckschichten eine Dauerklebeschicht aufbringen und diese ihrerseits mit einer abziehbaren Schutzfolie versehen.
Für die starre Deckschicht der reaktionsfähigen Folie können ebenfalls alle lichtbeständigen, glasklaren, thermoplastischen oder härtbaren polymeren Stoffe, die ja alle mehr oder weniger wasserdampfdurchlässig sind, wie insbesondere Methacrylsäuremethylester, Allylharze, ungesättigte Polyesterharze und Epoxydharze mit oder ohne Glasgewebe oder andere verstärkende Mittel Verwendung finden. Auch hier kann die Herstellung in der verschiedensten Weise erfolgen. So kann z. B. die aus dem Acetalkomplex bestehende Folie in die oben genannten Stoffe in bekannter Weise einpolymerisiert werden, wobei es bei Polyester-und Epoxydharzen zur Vermeidung von Trübungen dieser Harze infolge Wasseraufnahme zweckmässig ist, die reaktionsfähige Folie mit einem dünnen aber- zug eines hydrophilen Stoffes, z. B.
Polyvinylalkohol, zu versehen. Die Harze können, soweit sie löslich sind, auch in Form ihrer Lösungen oder auch in Form einer Dispersion auf die Folie nach der Erfindung aufgebracht werden, z. B. Methacrylsäuremethylester in einem Gemisch von Athylacetat und Butylacetat ; oder es kann umgekehrt die Komplexverbindung in Form ihrer Lösung oder nach den im Zusammenhang mit der Herstellung von flexiblen Folien erwähnten Verfahren auf die starre Deckschicht aufgebracht und ihrerseits wieder durch eine starre oder flexible Deckschicht aus den oben erwähnten Stoffen durch Aufbringen einer Lösung derselben oder durch Aufpolymerisieren derselben geschützt werden. Auch die Aufbringung dieser Stoffe in der Zentrifuge ist möglich.
Selbstverständlich kann die Folie-gleichgültig, welche Herstellungsmethode angewandt wurde-auch mit Scheiben aus organischem Glas oder ähnlichen Trägern mit Hilfe einer mechanischen Presse oder im Autoklaven vereinigt werden. Die erwähnte Komplexverbindung kann ferner in Form ihrer Lösung oder auch durch Verpressen der fer, tigen Folie mit einem Gewebe aus Glasfaser oder Kunststoff, z. B. Polystyrol oder Polyvinylchlorid verbunden werden, wobei dann dieses seinerseits in härtbare oder nicht härtbare Harze einpolymerisiert wird.
Mit Hilfe der Folien lässt sich auch eine Sicherheitsglasscheibe mit variabler Lichtdurchlässigkeit herstellen, indem man zwei Scheiben aus Silikatglas mit der Folie, gegebenenfalls unter Verwendung eines Weichmachers, wie z. B. Hexylenglykol oder Trikre- sylphosphat, verbindet. Eine derartige Sicherheitsglasscheibe benötigt keine dampfabsperrende Randabdichtung und kann daher je nach Bedarf auf Mass zugeschnitten werden.
Im Folgenden sei die Erfindung an einigen Ausfüh rungsbsispielen näher erläutert. Es sei jedoch aus drücklich darauf hingewiesen, dass sie in keiner Weise auf diese Beispiele beschränkt ist, sondern dass zahlreiche andere Kompositionen, sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht, möglich sind. Es kommt nach dem Prinzip lediglich darauf an, dass die Hydratsalze (= Salze mit tempsraturabhangigem Gehalt an komplexartig gebundenem Wasser) in solcher Konzentration im Halbacetal vorhanden sind, dass ihr Wasserdampfpartialdruck unterhalb des in der Atmosphäre normalerweise vorkommenden Wasserdampfpartialdruckes liegt, ohne dass andererseits durch die hohe Salzkonzentration bei normaler Temperatur (20 bis ca.
30 C) eine Koagulation des Acetals erfolgt, was durch Kompositionen von Hydratsalzen mit verschiedenem Anion erreicht wird. Auch der Acetalisierungsgrad des Polyvinylalkohols ist in gewissen Grenzen variierbar, was wiederum die M¯glichkeit zahlreicher weiterer Variationen ergibt.
Beispiel 1
10 Gew.-Teile Polyvinylalkohol (Verseifungszahl 25 mg KOHlg, Viskosität 120 sec., gemessen an einer 10"/oigen Lösung im Fordbocher bei 20 C) werden in 90 Gew.-Teilen heissem Wasser gelöst. Die Lösung wird hierauf auf eine Temperatur von 10 C gebracht, mit 160 Teilen Acetaldehyd und 60 Teilen 11tn Salzsäure versetzt und 10 Minuten lang intensiv gerührt.
Nach Ablauf dieser Zeit wird die Acetalisierung durch Neutralisation des Katalysators, d. h. durch Zusatz von 60 Gewichtsteilen l/tn Natriauge abgebrochen und das schon zum Teil ausgefallene Acetalisierungspro- dukt durch Zugabe von heissem Wasser (90 C) vollständig ausgefällt und bis zum Verschwinden der Chlor ionen-Reaktion und des überschüssigen Acetaldehyds mit heissem Wasser ausgewaschen.
Das so gewonnene Halbacetal (Acetalisierungsgrad ca. 50 /o) mit komplex gebundenem Wasser kann etwa durch folgende Formel, die die Bauelemente des Acetals wiedergibt, dargestellt werden :
EMI4.1
Diese Verbindung ist unter der Bezeichnung Additionsverbindung von teilweise acetalisiertem Polyvinylalkohol mit Wasser in der USA-Patentschrift Nr.
2 710 274 sowie in der Publikation Sprechsaal für Keramik und Email 9l (1958) Nr. 17, Seite 5, Absatz 2, bsreits erwähnt.
Das Halbacetal, das nach dem Abfiltrioren noch einen Wassergehalt von ca. 50 /o aufweist, wird nunmehr in einem Gemisch von 70 Gewichtsteilen Wasser und 30 Gewichtsteilen Methanol unter ständigvm Rüh- ren in solcher Menge aufgelöst, dass die Lösung einen Trockengehalt von 20 /o aufweist (Viskosität, gemessen im Höppeler Viskosmeter ca. 24 000 cP).
In 100 Gewichtsteile dieser Lösung werden hierauf nacheinander unter Kühlung 4 Gewichtsteile Calciumbromid und 6 Gewichtsteile Lithiumchlorid (beide ent wässert) sowie 4 Gewichtsteile Harnstoff eingetragen und so lange gerührt, bis vollständige Losung eingetre- ten ist. Der Zusatz von Harnstoff ist aus der oben er wähnten Publikation im Sprechsaal für Keramik und Emaib bekannt und dient, wie dort bereits ausgeführt, zur Verschiebung der Umschlagstemperatur, d. h. der Temperatur, bei der der Zerfall der Additionsverbindung stattfindet, nach höheren Temperaturen. Die Lösung wird hierauf durch Evakuieren vollständig entgast.
Nunmehr wird eine Trägerfolie aus Polyvinylchlo rid oder Polyterephthalsäureglykolester in an sich bekannter Weise durch Spritzen oder Streichen derart mit der Lösung beschichtet, dass eine Filmdicke von ca.
0,1 bis 0,2 mm resultiert. Nachdem die Schicht durch Hindurchführen der Folie durch einen Trockenofen getrocknet ist, wird diese anschliessend ca. 24 Stunden bei Zimmertemperatur gelagert, wobei sie infolge Wasseraufnahme aus der Atmosphäre eine leicht klebrige Beschaffenheit annimmt. Sie wird hierauf mit einer Acetylcellulose-Folie (Stärke ca. 0,01 mm) in der Wasserpresse kaschiert.
Die so gewonnene Folie ist bei Zimmertemperatur klar durchsichtig, während sie bei Sonnenbestrahlung weiss undurchsichtig wird.
Beispiel 2
In 100 Gewichtsteile der wie vorstehend gewonnenen Lösung des Halbacetals werden 3,5 Gewichtsteile Lithiumbromid und 4,2 Gewichtsteile Lithiumchlorid unter Kühlung gelas. Eine Trägerfolie aus Polytere- phthalsäureglykolester wird mit dieser Lösung beschichtet. Nach Trocknung der Schicht wird diese mit einer Lösung von Acetylcellulose in Aceton oder einer Lösung von Polyacrylsäureester in Athylacetat in der Weise lackiert, dass die abdeckende wasserdampfdurchlässige Schicht eine Dicke von ca. 0,01 mm aufweist. Nach längerem Lagern wird die Schicht durch Wasseraufnahme aus der Atmosphäre, die durch die obige Deckschicht erfolgt, aktiv. Die so gewonnene Folie ist bei Zimmertemperatur klar durchsichtig, wäh- rend sie bei Sonnenbestrahlung opak wird.
Beispiel 3 in 100 Gewichtsteile der wie oben gewonnenen Lösung des Halbacetals werden 3 Gewichtsteile Calziumbromid und 2 Gewichtsteile Calziumnitrat (beide entwässert) in der angegebenen Reihenfolge unter Rühren bis zur vollständigen Lösung eingetragen. Im übrigen wird wie bei Beispiel l und 2 verfahren. Es resultiert eine Folie, die unterhalb von ca. 5 C klar durchsichtig bleibt, während sie beim tSberschreiten dieser Temperatur eine weisse Färbung annimmt. Auch hier kann in bekannter Weise der Umschlagspunkt durch mehr oder weniger starken Harnstoffzusatz in gewissen Grenzen variiert werden.
Beispiel 4 4o Gewichtsteile des wie in Beispiel 1 gewonnenen Halbacetals mit einem Wassergehalt von ca. 50 ouzo wird auf ca. 8 C abgekühlt und in einem auf dieser Temperatur gehaltenem Kneter mit 4,3 Teilen Lithiumnitrat und 4,6 Gewichtsteilen Lithiumchlorid so lange geknetet, bis eine vollständig homogene Masse entstanden ist. Hierauf werden unter weiterem Kneten 60 Gewichtsteile Wasser und 0,9 Gewichtsteile Harnstoff hinzugefügt. Mit der so gewonnenen Masse wird eine Trägerfolie aus Polyvinylchlorid (Dicke ca.
0,2mm) in solcher Menge beschichtet, dass die resultierende Filmdicke ca. 0,1 mm beträgt. Nach dem Trocknen im Trockentummel wird die so erhaltene Folie auf der Schichtseite mit einer wasserdurchlässigen, aber wasserunlöslichen Deckschicht aus Acetylcellulose versehen. Nach längerem Lagern wird die Folie aktiv. Sie zeigt im Gegensatz zu den vorerwähnten Folien eine über 30 C liegende Umschlagstemperatur.
Beispiel 5
Mit der nach Beispiel 1 gewonnenen Lösung des Halbacetals wird eine Scheibe aus Polymethacrylsäure- methylester in solcher Menge beschichtet, dass eine Schichtdicke von ca. 0,2 mm resultiert. Nach dem Trocknen des Films wird die so behandelte Scheibe 12 Stunden gelagert, wonach ihre Oberfläche infolge Feuchtigkeitsaufnahme eine leicht klebrige Beschaffenheit aufweist. Die Schichtseite der Folie wird hierauf mit dem Monomeren eines selbstpolymerisierten Acrylharzes in der Weise beschichtet, dass nach der Polymerisation eine abdeckende, feste Schicht von ca. 0,15 mm entsteht. Es wird eine Kunststoffglasscheibe erhalten, die als Sonnenschutzscheibe anstelle von Silikatglasscheiben Verwendung finden kann.