Aufstallvorrichtung für Grossvieh
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Aufstallvorrichtung zum einzelnen oder gruppenweisen An- und Abbinden von Grossvieh.
Das Anbinden von Grossvieh, insbesondere Rindvieh im Stall, ist heute ein wichtiges Problem, wobei es sich darum handelt, in gewöhnlich nebeneinanderliegenden, in Reihe angeordneten Kurz- oder Langständen das Rindvieh gruppenweise an- und abzubinden, dem Rindvieh bei der Einstellung im Stand aber Gelegenheit zu geben, sich in dem Stand möglichst ungehindert zu bewegen, ohne beispielsweise bei Kurzständen die für die Sauberhaltung der Tiere äusserst wichtige Schwemmrinne oder Kotplatte zu verlassen, die die hintere Begrenzung des Kurzstandes darstellt.
Es ist bereits eine Aufstallvorrichtung mit einem Senkrecht-Kettensystem bekannt, bei dem in der Mitte des Rahmens eines Stands eine Kette vertikal gespannt ist, an der ein um den Tierhals gelegter, halbkreisförmiger Bügel oder eine entsprechende zweite Kette beidseitig geführt wird, so dass der Hals von der einen Seite durch die vertikale Kette und von der anderen Seite durch den Bügel oder die zweite Kette gehalten wird.
Dieses System hat den Nachteil, dass das Tier in dem betreffenden Stand nur eine sehr begrenzte Bewegungsfreiheit hat. Ferner müssen zur Anbindung bei jedem einzelnen Tier die Kette und der Bügel ausgehängt, dann um den Tierhals gelegt, anschliessend die Kette durch beide Bügelenden hindurchgesteckt und schliesslich wieder an der waagrechten Begrenzung eingehängt sowie gespannt werden. Es ist bei dieser Senkrecht-Kettenanbindung, insbesondere bei der Verwendung zweier Ketten, wiederholt vorgekommen, dass sich ein Tier bei der Bemühung, sich zu befreien, selbst erhängt hat.
Des weiteren ist ein Anbindesystem bekanntgeworden, bei welchem der Hals des Rindviehs zwischen starren Rohren festgehalten wird, die gering beweglich oben und unten befestigt sind. Hierbei ist eine Einzelfeststellung wie auch Gruppenfeststellung mittels einer Schubstange möglich, doch erlaubt dieses starre System dem Tier nur die Ausführung so geringer Bewegungen, dass diesem selbst das Aufstehen und Hinlegen kaum möglich ist.
Nach dem Schweizer Patent Nr. 499 956 können die vorerwähnten Nachteile der genannten Aufstallvorrichtungen bzw. Anbindungen vermieden werden, und es kann dem Grossvieh trotzdem eine erheblich grössere Bewegungsfreiheit gewährt werden, wenn der Hals des Tieres in einer elastischen, d.h. den Bewegungen des Tierhalses jeweils folgenden Schlaufe untergebracht ist, die von zwei konstruktiv nachgebenden Seilabschnitten gebildet wird, wenn für jedes Tier ein mittels einer Betätigungseinrichtung oberhalb des Tierhalses gekreuztes, beiderseits des Tierhalses entlanggeführtes und unterhalb des Tierhalses gekreuztes Seil vorgesehen ist, dessen Enden im Stallboden befestigt sind, wobei das Seil durch Drehen einer mit der Betätigungseinrichtung gekoppelten U-Schiene um jeweils 360 sowohl oberhalb als auch unterhalb des Tierhalses jeweils doppelt kreuzbar bzw.
übereinanderlegbar ist, wobei das Seil in der U-Schiene angeordnet und die entstandene Seilschlaufe nach oben bzw. unten verschiebbar ist. Dabei ist vorteilhaft das Seil zur Herstellung der die Seilschlaufe begrenzenden Doppelkreuzungen in gleicher Drehrichtung verdreht. Das Seil kann an den Enden der U-Schiene fest angebracht sein.
Die vorliegende Erfindung bezweckt, den Anwendungsbereich der Vorrichtung nach Schweizer Patent Nr. 499 956 wesentlich zu erweitern.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung der eingangs genannten Art ist dadurch gekennzeichnet, dass für jedes Tier zwei Seilpartien vorgesehen sind, welche je mit ihrem oberen Ende oberhalb des Halses eines an- oder abzubindenden Tieres mit einer zu einer Betätigungsvorrichtung gehörenden U-Schiene verbunden und je auf der einen Seite des Tierhalses vorbeigeführt sind, und von denen wenigstens die eine Seilpartie mit ihrem unteren Ende im Stallboden befestigt ist,
wobei die Seilpartien durch Drehen der U-Schiene zwischen einer Offenstellung und einer Schliessstellung der Vorrichtung in der Geschlossenstellung wenigstens oberhalb des Tierhalses zu einer verschiebbaren Schlaufe kreuzbar sind und wobei das obere Ende wenigstens einer Seilpartie an einer am einen Ende der U-Schiene gelagerten Rolle befestigt ist und diese Rolle bei Offenstellung der Vorrichtung feststellbar und bei Schliessstellung der Vorrichtung zum Auf- und Abrollen der betreffenden Seilpartie federbetätigt ausgebildet ist.
Eine vorteilhafte Ausführungsart der erfindungsgemässen Vorrichtung besteht darin, dass nur das obere Ende einer Seilpartie an der in der U-Schiene gelagerten Rolle, dagegen das obere Ende der anderen Seilpartie an der U-Schiene selbst befestigt ist.
Eine weitere vorteilhafte Ausführungsform ist so gestaltet, dass das untere Ende der ersten Seilpartie verhältnismässig lose mittig im Stallboden befestigt ist, während das untere Ende der zweiten Seilpartie ein die erste Seilpartie verschiebbar umgreifendes, unteres Auge aufweist, welches sich bei Offenstellung der Vorrichtung etwa auf halber Höhe zwischen Stallboden und Halsansatz des Tieres befindet, während die an der Rolle befestigte, zweite Seilpartie etwa in Höhe des Tiernackens über einen festen Seileinsatz in Form eines hinsichtlich der späteren Kreuzung der Seilpartie offenen Auges verfügt, dessen Weiterführung nach oben rechtwinklig abgekröpft ist, und in welches sich bei Drehung der U-Schiene um 2700 von der Offenstellung der Vorrichtung aus, d.h.
bei Schliessstellung, die erste Partie verschiebbar einlegt, wobei das untere Auge nach oben rutscht, und dass ein oberhalb der U-Schiene und in deren Achsbolzen an der Standkonstruktion fest angeordneter Auslegearm an seinem der Rolle der U-Schiene zugewandten Ende mit einer Nut versehen ist, in die bei der Schliessstellung ein am Rollenende der U-Schiene angebrachter, mit einer Zugfeder betätigter Haltestift einrastet, der dabei gleichzeitig aus einem Zahnradkranz der Rolle ausrückt und deren Drehung zum Ab- und Aufrollen der Seilpartie bei Schliessstellung freigibt, und dass dieser Haltestift bei der Rückdrehung der U Schiene aus dieser Schliessstellung wieder aus der Nut ausrastet, in den Zahnradkranz der Rolle einrückt und deren Drehung feststellt.
Weitere Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung gehen aus der folgenden Beschreibung sowie aus den beigefügten Abbildungen eines Ausführungsbeispiels der Erfindung hervor.
Es zeigt:
Fig. 1 eine Ansicht der erfindungsgemässen Vorrichtung,
Fig. 2 die erfindungsgemässe Vorrichtung nach Drehung der U-Schiene von Fig. 1 um 270 ,
Fig. 3 in grösserem Massstab einen Querschnitt der Vorrichtung entlang dem Schnitt A-A von Fig. 2,
Fig. 4 in grösserem Massstab eine Aufsicht auf Fig. 3 kurz vor der 270 -Stellung, und
Fig. 5 grösserem Massstab eine Teilansicht der rechten Seite von Fig. 3.
Entsprechend Fig. 1 der dargestellten Ausführungsart der Erfindung besteht der Rahmen der Aufstallvorrichtung bei der vorliegenden Erfindung aus den beiden seitlichen Standrohren 10, die an ihren oberen Enden durch waagrecht verlaufende Rohre 11, 11a miteinander verbunden sind. Wie üblich dienen die seitlichen Standrohre jeweils als Begrenzung der beiden aneinander anschliessenden Aufstallvorrichtungen. Die Verbindung der waagrechten Rohre 11, 11a mit den Standrohren 10 erfolgt mittels der horizontalen Flansche 10a.
Die Betätigungseinrichtung erfolgt durch den Kurbeltrieb 1 über die Zahnstange 2, die das Tellerrad 3 bewegt, in dem zentrisch der Achsbolzen 4 angeordnet und an dessen unterem Ende die U-Schiene 5 fest angebracht ist.
An den beiden Enden der U-Schiene 5 können federbetätigte Gleitrollen 12a angeordnet sein, die bei Offenstellung der Vorrichtung festgestellt sind und bei Schliessstellung durch Ab- oder Aufrollen die sonst gleitende Bewegung der Seilpartien 6b, 6c in der U-Schiene 5 übernehmen.
In dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 1 ist nur die Seilpartie 6c an einer derartigen Rolle 12a befestigt, während die andere Seilpartie 6b am Ende der U-Schiene 5 fest angebracht ist. Bei Offenstellung der Vorrichtung ist die Partie 6b zur Bildung der parallel verschiebbaren Seilschlaufe 6a in an sich bekannter Weise verhältnismässig lose mittig im Boden 7 an dem Eisenbügel oder Ring 8 verankert und verläuft durch ein am Ende der Gegenpartie 6c befindliches Auge 6d verschiebbar. Dieses Auge befindet sich auf etwa hälftiger Höhe h/2 der Höhe h zwischen dem Boden 7 und dem Halsansatz des Tieres. Die Gegenpartie 6c an der federbetätigten Rolle 12a ist bei Offenstellung der Vorrichtung durch den eingerückten Haltestift 18 in der U-Schiene 5 bzl.
ihrer Drehung in der Rolle 12a festgestellt. Die Partie 6c verfügt etwa in Höhe des Tiernackens über einen festen Seileinsatz 15 in Form eines hinsichtlich der späteren Kreuzung der Partien 6b, 6c offenen Auges, wobei dieser Einsatz 15 bei seiner Weiterführung nach oben rechtwinklig abgekröpft ist.
Die Schliessstellung der Vorrichtung ist in Fig. 2 andeutungsweise wiedergegeben, die der Übersichtlichkeit wegen in gestrichelten Linien in die Fig. 1 eingezeichnet ist.
Bei dieser Schliessstellung wurde die U-Schiene durch die Betätigungsvorrichtung 1, 2, 3, 4 um 2700 von der Offenstellung der Vorrichtung aus nach Fig. 1 gedreht, so dass sich die Seilpartie 6b in das offene Auge des Seileinsatzes 15 der Seilpartie 6c verschiebbar eingelegt hat und das Auge 6d am unteren Ende der Partie 6c sich an der Partie 6b etwa um die Entfernung von weiteren h/2 bis zur Höhe h am Halsansatz des Tieres verschoben hat. Im Augenblick der Schliessstellung gibt ausserdem der Haltestift 18 die Drehung der federbetätigten Rolle 12a frei. Hierdurch spult sich die Partie 6c der Parallelverschiebung der Seilschlaufe 6a folgend ab oder auf.
Nach der Queransicht von Fig. 3, die den Schnitt A-A gemäss Fig. 2 in grösserem Massstab wiedergibt, erkennt man in Schliessstellung bei 270 die federbetätigte Rolle 12a am rechten vorderen Teil der U-Schiene 5, von der bzw. auf die sich die Seilpartie 6c bei Schliessstellung abrollen bzw. aufrollen kann, wenn das Tier in der parallel verschiebbaren Seilschlaufe 6a festgehalten wird.
Oberhalb der U-Schiene 5 ist der an der Standkonstruktion, beispielsweise den Rohren 11, 11a, fest angebrachte Auslegerarm 16 zu sehen, in den die U-Schiene 5 bei der Schliessstellung mittels des Haltestifts 18 eingerastet ist, der dabei gleichzeitig aus der Rolle 12a ausgerückt ist.
Die Fig. 4 zeigt den Auslegerarm 16 mit seiner an seinem Ende 16a angebrachten offenen Nut 16b, in die der Haltestift 18 einrasten kann, welcher am Ende der durch die Betätigungsvorrichtung 1, 2, 3, 4 bewegten U-Schiene 5 angebracht ist.
Die vollzogene Einrastung ist in Fig. 5 dargestellt, wo wiederum nur schematisch der Haltestift 18 eingezeichnet ist, der mit der Zugfeder 17 versehen mittig und genau oberhalb der Achse der Rolle 12a in der U-Schiene fest angebracht ist. Bei der 270 -Stellung rastet der Kopf des Haltestifts 18 in die Nut 16b des Auslegerarms 16 ein, wobei aus Gründen der Übersichtlichkeit in der Zeichnung eine Einrichtung zum Festhalten und Loslassen des Haltestifts in bzw. aus der Nut, beispielsweise durch eine Einkerbung, eine Auf- oder Ablauffläche usw. weggelassen ist.
Beim Einrasten in die Nut 16b hebt sich der Haltestift und rückt aus der Rolle 12a oder einem an dieser Rolle fest angebrachten Zahnradkranz 12b aus und gibt somit bei der Schliessstellung gleichzeitig die Drehbewegung der federbetätigten Rolle 12a frei, wodurch sich die Seilpartie 6c der Seilschlaufe 6a bzw. den Bewegungen des Tieres folgend ab- und aufrollen kann. Beim Ausrasten des Stifts 18 aus der Nut 16b rückt er gleichzeitig wieder in die Rolle 12a, 12b ein. Der Haltestift 18 erfüllt an dieser Stelle somit folgende Aufgaben: er blockiert bei Offenstellung der Drehbewegung der Rolle 12a, 12b und hält bei Schliessstellung die U-Schiene an ihrem Platz, wobei er sich anhebt und die Drehung der federbetätigten Rolle 12a, 12b freigibt.
Die vorliegende Erfindung bietet den Vorteil, unter Verwendung des Grundprinzips der Drehung der U-Schiene unter Bildung einer parallel verschiebbaren Seilschlaufe durch die mit der U-Schiene in Eingriff stehenden Seilpartien be stimmte Arten des so aufgestellten Viehs noch sicherer und gleichwohl bequem anzubinden und zu lösen.