Die Erfindung bezieht sich auf ein für die Herstellung künstlicher Finger- oder Zehennägel bestimmtes Erzeugnis, bestehend aus einem vorgefertigten Nagel und einem Mittel zu seiner Befestigung.
Es ist bekannt, vorgefertigte künstliche Nägel, beispielsweise aus glasartig durchscheinenden Klebestreifen oder aus Kunststoff, wie Celluloid, auf den vorhandenen Nagel aufzukleben oder mittels weitgehend unsichtbarer Halteorgane an den natürlich gewachsenen Nagel anzuklemmen. Abgesehen davon, dass diese künstlichen Fingernägel sofort auch bei flüchtiger Betrachtung als Kunstprodukte zu erkennen sind, ist ihre Befestigung am natürlichen Nagel in jedem Fall äusserst unzureichend. Wenn Halteorgane verwendet werden, dürfen die Nägel auch nicht der geringsten Beanspruchung unterworfen werden, da diese sich sofort lösen. Die Verwendung von Klebstoff bringt ebenfalls eine Reihe von Nachteilen mit sich.
Die bisher vorgeschlagenen Klebstoffe haben entweder nicht die erforderliche mechanische Haftfestigkeit, um die Nagelprothesen auch bei Beanspruchung der Hände ausreichend festzuhalten, oder sind gegenüber Wasser und den heute üblichen Detergentien sowie gegenüber anderen Flüssigkeiten, mit denen die Hände häufig in Berührung kommen, nicht widerstandsfähig. Bei gewöhnlichen Klebstoffen erfolgt ferner infolge Luftabschluss unter dem Nagel nur eine langsame Antrocknung. Ausserdem besteht die Gefahr, dass durch die organischen Lösungsmittel für die verwendeten Klebstoffe gewisse Schädigungen der mit ihnen in Berührung kommenden, unter dem künstlichen Nagel liegenden Gewebe auftreten.
Ein weiterer Nachteil dieser bekannten vorgefertigten künstlichen Finger- und Zehennägel besteht auch darin, dass diese häufig verformt werden müssen, um sie genau auf dem natürlichen Nagel aufzulegen, da der Klebstoff zwischen gewachsenem und künstlichem Nagel nur eine dünne Schicht bildet, die nur an der Stelle eine feste Verbindung ergibt, an der die beiden aufeinanderliegenden Flächen sich berühren. Anderseits ist es aber auch möglich, die künstlichen Nägel so vorzufertigen, dass sie in jedem Fall auf jeden gewünschten Nagel vollständig aufpassen. Durch die Deformierung des künstlichen Nagels entstehen auch Spannungen, die sich auf die Haftung ungünstig auswirken und ausserdem auch ein unangenehmes Gefühl in den mit den Nägeln versehenen Fingern erzeugen.
Es ist ferner bekannt, aus einer hochviskosen bis pastenförmigen homogenen Lösung eines Polymerisats bzw. Polykondensats, wie beispielsweise Polymethylmethacrylat bzw.
ein zum überwiegenden Teil aus Methacrylsäuremethylester hergestelltes copolymeres Gemisch, in einem Monomeren, wie Methacrylsäuremethylester, oder einem Monomergemisch einen künstlichen Fingernagel in situ zu formen. Dabei dient zum Härten dieses künstlichen Fingernagels ein Zweikomponenten-Katalysatorsystem, wobei die reduzierende Komponente desselben in der Paste enthalten ist, während die peroxydische Komponente in einen flüchtigen Grundierlack eingearbeitet ist, der getrennt von der Paste vorliegt. Bei der Herstellung eines solchen künstlichen Fingernagels wird zunächst auf den natürlichen Nagel oder das Nagelbett der die peroxydische Komponente enthaltende Grundierlack aufgetragen und auf diesen die den eigentlichen Nagelkörper bildende Paste aufgebracht und hier zum künstlichen Nagel geformt. Innerhalb von 7 Minuten erhärtet der so hergestellte Kunstnagel.
Diese Nägel haften fest und haben ein gefälliges, dem natürlich gewachsenen Nagel gleichendes Aussehen. Es bedarf jedoch einer gewissen Übung, um den Nagel zu formen und einer gewissen Wartezeit, bis der einzelne Nagel ausgehärtet und ohne Bedenken einsatzbereit ist.
Aufgabe der Erfindung ist, ein einen vorgefertigten künstlichen Finger- oder Zehennagel enthaltendes Erzeugnis zu schaffen, mit dem auch von einer ungeübten Person auf einfache und sichere Weise ein einwandfreier, gut haftender Kunstnagel aufgebaut und auf dem natürlichen Nagel oder dem Nagelbett schnell befestigt werden kann.
Gegenstand der Erfindung ist ein Erzeugnis der eingangs genannten Art, das dadurch gekennzeichnet ist, dass der vorgefertigte Finger- oder Zehennagel aus Kunststoff besteht und einen Peroxyd-Polyrnerisationskatalysator aufweist, dass das Befestigungsmittel eine lagerfähige, durch Polymerisation härtbare Kunststoffphase auf Basis von Acryl- oder Meth acrylpolymerisat oder Polyester ist und eine gegenüber dem Peroxid-Polymerisationskatalysator reduzierend wirkende Komponente enthält.
Durch die erfindungsgemässe Kombination sind die Nachteile der bekannten künstlichen Finger- und Zehennägel ausgeschaltet und das Aufbringen und Befestigen des Kunstnagels auf dem natürlichen Nagel oder dem Nagelbett ist sehr vereinfacht. Der vorgefertigte künstliche Nagel wird beim Aufsetzen auf den gewachsenen Nagel oder das Nagelbett nicht deformiert, sondern durch das aus der vorzugsweise gleichen polymerisierbaren Masse wie der Nagel selbst bestehende Klebemittel unterfüttert, d. h. es wird ein Unterbau geschaffen, wodurch sämtliche Hohl- und Zwischenräume zwischen dem gewachsenen Nagel oder dem Nagelbett und dem künstlichen Nagel ausgefüllt werden. Ein so aufgesetzter Nagel sitzt absolut fest und ist haltbar und man kann jede Arbeit mit den Händen durchführen, ohne dass die Gefahr besteht, dass der künstliche Nagel sich löst.
Bei einer Ausführungsform der Erfindung wird der Polymerisationskatalysator auf die Unterseite des vorgefertigten Nagelkörpers aufgebaut. Dies kann durch Auftragen einer Lösung dieses Katalysators auf die zu beschichtende Fläche des Nagelkörpers erfolgen. Nach Verdunsten des Lösungsmittels bleibt auf dieser Unterseite dann eine dünne Schicht des Katalysators zurück. Vorzugsweise wird hierfür ein organisches Lösungsmittel verwendet. Dem Lösungsmittel kann noch ein hierin löslicher Kunststoff zugesetzt werden.
Das zum Härten bzw. Polymerisieren dienende Beschleunigersystem ist ein Zwei-Komponentensystem, das aus einem Peroxyd und einem Amin besteht. Dabei ist die peroxydische Komponente dem vorgefertigten Nagelkörper und die reduzierende Komponente der als Klebemittel dienenden Kuhststoffmasse einverleibt. Das die reduzierende Komponente bildende Amin kann ein reines N,N-Dimethyl-p-toluidin sein. Die peroxydische Komponente befindet sich ferner in einem Grundierlack, der gegebenenfalls vor dem Aufbringen der als Klebemittel dienenden Kunststoffmasse auf den natürlich gewachsenen Nagel oder das Nagelbett aufgetragen werden kann. Auf diese Weise erfolgt ein schnelles Aushärten des Klebemittels. Falls erwünscht, kann der Grundierlack natürlich auch auf die Oberfläche der Klebemasse gestrichen werden.
Der vorgefertigte Nagelkörper kann aus dem gleichen Kunststoff wie die als Unterbau und Klebemittel verwendete Kunststoffmasse bestehen oder aus einem Kunststoff, der sich unmittelbar mit der für die Unterfütterung und die Befestigung verwendeten polymerisierbaren Kunststoffmasse verbindet. Hierdurch wird erreicht, dass das Klebemittel einen integrierenden Bestandteil der fertigen Nagelprothese bildet und dauerhaft fest mit dem vorgefertigten Nagelkörper verbunden wird. Die als Klebemittel dienende Kunststoffmasse ist ein indifferenter Stoff, der von Wasser, synthetischen Waschmitteln, Alkohol und anderen Lösungen und Flüssigkeiten, mit denen die Hände in Berührung kommen können, in keiner Weise angegnffen wird. Ausserdem werden durch die Kunststoffmasse, in der das Monomere nicht freifliessend vorliegt, Gewebeschäden vermieden.
Der Nagelkörper kann durch Spritzguss, Druckguss oder in einer anderen bekannten Weise hergestellt werden. Es eignen sich hierfür Polymerisate auf Acryl- oder Methacrylbasis, auf Polyesterbasis sowie Mischpolymerisate hiervon oder Polykarbonate. Die Härte und Elastizität des Nagelkörpers wird den natürlichen Nägeln weitgehend angepasst.
Der Nagelkörper selbst ist stärker gewölbt als der natürliche Nagel. Auf diese Weise wird erreicht, dass der Nagelkörper individuell aufgebaut und der Unterlage angepasst werden kann. Mit dem als Klebemasse dienenden Kunststoff, der der Zusammensetzung des vorgefertigten Nagelkörpers artverwandt ist, wird letzterer unterfüttert, d. h. die beim Aufsetzen des Nagelkörpers zwischen diesem und dem gewachsenen Nagel oder dem Nagelbett entstehenden Hohl- und Zwischenräume werden mit dem formbaren, polymerisierbaren Kunststoff ausgefüllt und auf- bzw. unterbaut. So kann unabhängig von der natürlichen Form des Nagels ein künstlicher Standardnagel verwendet werden, ohne dass dieser in irgendeiner Weise verformt oder dem natürlichen Nagel angepasst werden muss.
Hinzu kommt, dass die als Klebemittel dienende Kunststoffmasse schnell auspolymerisiert und der aufgesetzte Nagelkörper sofort von der Masse festgehalten und hierfür keine lange Wartezeit benötigt wird.
Durch diese vorteilhafte Kombination ist es möglich, nur eine beschränkte Anzahl von Standardgrössen der vorgefertigten künstlichen Finger- oder Zehennägel vorzusehen.
Dabei können drei Möglichkeiten auftreten, nämlich der Nagelkörper ist entweder a) zu gross, b) passend oder c) zu klein.
a) Ist der künstliche Nagel zu gross, kann er leicht mit Hilfe einer gewöhnlichen Nagelfeile und/oder Schere auf die für den gewünschten Nagel erforderliche Grösse und/oder
Form gebracht werden; b) Ist der künstliche Nagel passend, kann er unmittelbar aufgesetzt werden, da seine Unterseite automatisch beim
Aufsetzen unterfüttert und aufgebaut und dem darunter liegenden Nagel oder Nagelbett angepasst wird. Längs am Rand gegebenenfalls ausgepresster überschüssiger
Kunststoff wird leicht mit einem entsprechenden Instru ment entfernt, beispielsweise mit der Spitze einer Nagel feile oder mit einer kleinen Messerklinge; c) Ist der künstliche Nagel zu klein, kann er trotzdem di rekt auf den natürlichen Nagel oder das Nagelbett aufge setzt werden, da ausreichend von der polymerisierbaren
Kunststoffmasse verwendet wird, so dass der Überschuss entlang des Randes herausgepresst wird.
Dieser Über- schuss - oder ein Teil desselben - wird so geformt, dass er den Raum zwischen dem künstlichen Nagel und dem
Nagelfalz des Fingers ausfüllt und eine natürliche Fort setzung des vorgefertigten künstlichen Nagels bildet (Fig. 2). Die Oberfläche des Überschusses kann mit
Hilfe entsprechender Instrumente modelliert werden, bis sie mit dem künstlichen Nagelkörper übereinstimmt und eine natürliche Fortsetzung bildet. Dafür eignet sich z. B.
die glatte, gegebenenfalls angefeuchtete Seite einer Nagel feile.
Die als Unterfütterung und Klebemittel dienende Kunststoffmasse besteht aus schnellhärtenden, kaltpolymerisierenden Kunststoffen, nämlich solche auf Acryl-, Methacryloder Polyesterbasis. Sie liegen in Form einer hochviskosen Lösung oder als lagerfähige praktisch peroxydfreie Paste vor.
Wie bereits erwähnt, ist die peroxydische Komponente des Katalysatorsystems in den vorgefertigten künstlichen Nagelkörper eingearbeitet, so dass die Polymerisation erst dann beginnt, wenn die zwei Komponenten miteinander in Berührung kommen.
Der vorgefertigte Nagelkörper kann eingefärbt sein, so dass ein nachträgliches Lackieren der aufgesetzten künstlichen Nägel nicht erforderlich ist. Da es sich hierbei nicht um eine Oberflächenfärbung handelt, ist die Farbe unter allen Umständen haltbar und blättert nicht ab. Gleichzeitig wird, aufgrund der Tiefenwirkung, ein natürlicherer kosmetischer Effekt erzielt. Die zum Festkleben und Unterfüttern verwendete Kunststoffmasse kann farblos oder mit irgendeinem einen kosmetischen Effekt bewirkenden Zusatz, beispielsweise Metallpartikelchen, versehen sein. Dieses hat den Vorteil, dass ausgepresster Kunststoff die Nagelumgebung nicht färbt.
Die folgenden Beispiele veranschaulichen die mögliche Zusammensetzung der Komponenten zur Herstellung künstlicher Finger- bzw. Zehennägel.
Beispiel 1 Gew.-Teile A. Polymethylmethacrylat 20
Methylmethacrylat 20
N,N-Dimethyl-p-toluidin 0,4
Titandioxyd 0,01-0,5
Hydrochinon 0,02 B. Polymethylmethacrylat 5
Benzoylperoxyd 2,5
Dibutylphthalat 2,5
Methyläthylketon 25
Die Komponente A kann pastenförmig und die Komponente B flüssig sein, wobei letztere Benzoylperoxyd enthält, das - insbesondere in Gegenwart eines Amins, wie ein tertiäres Amin - die Polymerisation des Methylmethacrylats katalysiert.
Die eine Komponente des Katalysators wird dem vorgefertigten Nagelkörper zugesetzt und die andere Komponente dieses Katalysatorsystems ist in die polymerisierbare Kunststoffmasse eingearbeitet.
Beispiel 2 Gew.-Teile C. Polykarbonat 100
Ein nagelförmiger, stark gewölbter Körper wird durch Spritzgiessen hergestellt. Die gegen den Finger gekehrte Seite (Innenseite) wird überzogen mit:
Gew.-Teile D. Benzoylperoxyd 5
Polymethylmethacrylat 5
Methyläthylketon 25
Nachdem die Innenseite von C mit D beschichtet ist, wird C bei Zimmertemperatur ruhengelassen, bis die Innenseite trocken ist. Der auf diese Weise mit Katalysator imprägnierte künstliche Nagel ist jetzt zur Verwendung fertig.
Eine Paste E aus
Gew.-Teile
Polymethylmethacrylat 20
Methylmethacrylat 27,2
N,N-Dimethyl-p-toluidin (rein) 0,55
Dioctylphthalat 2,5
Titandioxyd 0,1
Kadmiumrot 0,05
Thymol 0,03 dient als Klebemittel.
Die Komponente C ist der nagelförmige Kunststoffkörper, die Komponente D ist der Grundierlack und die Komponente E ist eine hochviskose Paste. Eine erbsengrosse Menge E wird in der Mitte des gesäuberten, entfetteten natürlichen Nagels oder Nagelrestes, auf den vorzugsweise erst die Komponente D aufgestrichen wird, aufgetragen.
Der Nagelkörper C wird mit einem anhaltenden, festen Druck auf die Stelle gepresst, so dass sie auf den Fingerspitzen den Platz des natürlichen Nagels einnimmt. Hierbei verteilt sich E gleichmässig unter C und füllt den Raum zwischen letzterem und den darunterliegenden Teilen aus. Eventueller Überschuss von E wird entfernt, oder wie oben beschrieben, modelliert.
Es ist wichtig, dass die Kunststoffmasse (Komponente E) hochviskos ist, da dadurch bewirkt wird, dass der aufgepresste künstliche Nagel sofort ausserordentlich gut festsitzt und die Hände gleich gebraucht werden können. Die Gegenwart von Peroxyd im künstlichen Nagel bewirkt nun in Verbindung mit dem in der polymerisierbaren Kunststoffmasse befindlichen Amin ein Auspolymerisieren der Kunststoffmasse, ohne dass dieser Vorgang auf der Hand spürbar ist.
Ist ein modellierter Überschuss an Kunststoffmasse am Rande des künstlichen Nagels vorhanden, kann die Polymerisation dadurch beschleunigt werden, dass die Oberfläche mit dem unter Beispiel 1 genannten Lack B bestrichen wird.
In der Zeichnung ist schematisch - in stark vergrössertem Massstab - eine Fingerspitze mit einem Nagelkörper dargestellt.
Fig. 1 ist ein Längsschnitt durch eine Fingerspitze mit einem Nagelkörper aus Kunststoff, der mit polymerisierbarer Kunststoffmasse aufgesetzt ist.
Fig. 2 zeigt eine Nagelprothese, die mit einer Randzone aus polymerisiertem Kunststoff vergrössert ist.
Auf der Fingerspitze a liegt der natürliche Nagel b, auf den eine Schicht c aus polymerisierbarer Kunststoffmasse aufgetragen ist. Auf dieser Schicht c sitzt der aus Kunststoff vorgefertigte künstliche Nagelkörper. Der Nagelfalz ist mit e bezeichnet. In Fig. 2 ist der modellierte Überschuss f am Rand des vorgefertigten künstlichen Nagelkörpers dargestellt, der einen zu kleinen künstlichen Nagelaufsatz vergrössert.