Gegenstand der Erfindung ist ein neues Verfahren zur Herstellung von Cephalosporansäurederivaten, nämlich von 3 Desacetoxymethyl- 3-formyl-7-aminocephalosporansäure (3 Formyl-7-amino- ceph-3-em-4-carbonsäure) und ihren 7 Acylderivaten der Formel I
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worin X ein Wasserstoffatom oder einen Acrylrest und OR1 eine abspaltbare substituierte Methoxygruppe bedeutet.
Im US-Patent 3 351 596 ist ein Verfahren zur Herstellung gewisser Ester der Formel I beschrieben, das dadurch gekennzeichnet ist, dass Verbindungen, welche statt der Formylgruppe eine Hydroxymethylgruppe aufweisen, oxidiert werden. Als Oxidationsmittel werden oxidierende Metallverbindungen wie oxidierende Metalloxide, z.B. Chromtrioxid oder Mangandioxid angeführt. Als Ester werden u.a. Niederalkylester und Phenylester sowie leicht eliminierbare Ester wie Benzyl-, p Methoxybenzyl-, 3,5-Dimethoxybenzyl-, Diphenylmethyl- und C1-C6-Haioalkylester genannt.
Jedoch hat sich gezeigt, dass die genannten leicht eliminierbaren Ester von 3-Formylverbindungen der Formel I nach dem beschriebenen Verfahren nicht in nennenswerter Ausbeute hergestellt werden können, weil die Halogenalkylester unter den bekannten Herstellungsbedingungen lactonisieren und die Ester des Benzyltyps, vor allem Diphenylmethylester, durch das Oxidationsmittel angegriffen werden.
Daher können nach dem patentierten Verfahren praktisch keine Ester hergestellt werden, die in die freie Säure bzw. deren Salze der Formel I überführbar sind.
Es wurde nun überraschenderweise gefunden, dass die Oxidation von abspaltbaren substituierten Methylestern der 3 Hydroxymethylverbindung mit aliphatischen Sulfoxiden in Gegenwart von Anhydriden aromatischer Carbonsäuren vorgenommen werden kann und dass dabei weder die Estergruppe noch die Sulfidfunktion angegriffen wird. Die Estergruppe kann nach bekannten Methoden abgespalten werden.
Das erfindungsgemässe Verfahren ist daher dadurch gekennzeichnet, dass man Verbindungen der Formel II
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worin X und OR, die angegebene Bedeutung haben, mit aliphatischen Sulfoxiden in Gegenwart von Anhydriden aromatischer Carbonsäuren oxidiert. Wenn erwünscht, kann man aus erhaltenen Verbindungen der Formeln die Estergruppe abspalten und, wenn erwünscht, die erhaltenen Verbindungen in Salze oder erhaltene Salze in andere Salze überführen.
Als aliphatische Sulfoxide sind vor allem zu nennen Diniederalkylsulfoxide, besonders Dimethylsulfoxid, Diäthylsulfoxid, Dipropylsulfoxid, Dibutylsulfoxid und Niederalkylensulfoxide, z. B. Tetramethylensulfoxid.
Anhydride aromatischer Carbonsäuren sind z. B. Phthalsäureanhydrid, vor allem aber Benzoesäureanhydrid.
Das Sulfoxid wird zweckmässigerweise in Überschuss und das Anhydrid in etwa der gleichen molaren Menge wie das Sulfoxid angewendet. Sulfoxid und Anhydrid können auch als Lösungsmittel dienen. Man kann auch zusätzlich inerte Verdünnungsmittel wie Benzol, Toluol, oder Gemische von inerten Lösungsmitteln verwenden.
Die Oxidation kann unter Kühlung oder leichter Erwärmung, z.B. bei Temperaturen von ca. -50 bis +70 aC, durchgeführt werden; vorzugsweise arbeitet man bei Zimmertemperatur.
Das neue Verfahren kann zur Herstellung beliebiger 7 Acylamino-cephalosporansäurederivate der Formel 1 verwen- det werden. Es sei darauf hingewiesen, dass die erfindungsgemässe Oxidation von Verbindungen der Formel II zu Verbindungen der Formel I nicht abhängig ist von der Art des Acylrestes X in 7-Stellung des Cephalosporin-Ringsystems. X kann daher die Bedeutung aller auf dem Cephalosporin-Gebiet bekannten N7-Acylreste haben. Falls diese Acylreste funktionelle Gruppen, wie z. B. Hydroxy-, Amino-, Carboxyl- oder Mercaptogruppen aufweisen, ist es vorteilhaft, sie bei der Reaktion vorübergehend in bekannter Weise zu schützen, insbesondere durch Schutzgruppen, wie sie für Aminosäuren, z. B. von der Peptidsynthese her (vgl. beispielsweise das belgische Patent Nr. 757 786) bekannt sind.
Die Schutzgruppen können nachträglich, wenn erwünscht, aus der erhaltenen Verbindung der Formel I abgespalten werden, so dass man die Verbindung mit freien funktionellen Gruppen im Acylrest X erhält. Wenn die Verbindung der Formel I in andere antibiotisch aktive Cephalosporinverbindungen umgewandelt werden soll, kann es zweckmässig sein, die Schutzgruppen in der Verbindung der Formel I zu belassen und erst nach Vollzug der Umwandlungsreaktion abzuspalten.
Als auf dem Cephalosporin-Gebiet bekannte Acylreste, die bei dem vorliegenden Verfahren in den Verbindungen der Formel I als Substituent X vorhanden sein können, sind beispielsweise die Acylreste zu nennen, die in den folgenden U.S. Patenten aufgeführt sind: 3218318 (Flynn ketal., publ. 16.11.1965), 3 236841 (Kuehl et al., publ. 22.2.1966), 3 252 973 (Flynn et al., publ.
24.5.1966), 3 261 832 (Cowley et al., publ. 19.7.1966), 3 270 009 (Flynn et al., publ. 30.8.1966), 3 351 956 (Chamberlin, publ. 7.11.1967)3 355 452 (Fechtigetal., publ.
28.11.1967), 3 483 197 (Bickel et al., publ. 9.12.1969), 3 484 437 (Urech et al., publ. 16.12.1969) oder franz. Patent 2 012 122 (Johnson et al.).
So kann der Acylrest vor allem der Rest einer Carbonsäure oder Thiocarbonsäure oder ein von der Kohlensäure sich ableitender Rest, z.B. ein Carbaminsäure- oder Monokohlensäureesterrest, sein. Der Carbonsäure- oder Thiocarbonsäurerest kann sich herleiten von gegebenenfalls substituierten aliphatischen, cycloaliphatischen, cycloaliphatisch-aliphatischen, araliphatischen, heterocyclischen oder heterocyclischaliphatischen Carbonsäuren.
In dieser Hinsicht sind zu nennen:
1) Ein Rest der Formel R2(CH2),CO, worin n für eine ganze Zahl von 0 bis 4, vorzugsweise für 0 oder 1 steht und die Methylengruppetn) gegebenenfalls substituiert ist (sind) und worin R2 ein unsubstituierter oder durch einen oder mehrere Substituenten substituierter Aryl-, Cycloalkyl-, Heterocyclyl-, Aryloxy-, rylthio, Cycloalkoxy, (:ycloalkyl- thio-, Heterocyclyloxy oder Heterocyclylthiorest ist. Arylreste sind mono- oder bicyclische carbocyclische Reste, besonders Phenylreste.
Cycloalkylreste sind 4- bis 8-gliedrig, vor allem Cyclopentyl und ýclohexyl. Heterocyclylreste sind monooder bicyclische Reste mit Stickstoff, Sauerstoff und/oder Schwefel als Heteroatomen, besonders Eleste mit 14 Eietero- atomen und insgesamt 5 oder ó Ringatomen. Die Reste können ungesättigt oder teilweise oder ganz gesättigt sein und können einen ankondensierten Benzolring enthalten.
Als Beispiele sind zu nennen: Furyl, Thienyl, Pyrryl, Cumaryl, Thiocumaryl,
Indolyl, Oxazolyl, Thiazolyl, Imidazolyl, Pyrazolyl, Triazolyl, Tetrazolyl, Thiadiazolyl, Oxadiazolyl, Thiatriazolyl, Pyranyl, Pyridyl, Chinolyl, Pyrimidyl, Pyrazinyl, Thiazinyl, Dithiazinyl, Thiadiazinyl, Triazinyl, Tetrazinyl, gegebenenfalls mit ihren
Isomeren, und ihre Hydrierungsprodukte.
Als Substituenten der Ringe sind vor allem zu nennen: niedere Alkyl- und niedere Alkoxygruppen sowie niedere Carballioxygruppen mit bis zu 5 Kohlenstoffatomen wie Methyl, Äthyl, Propyl, Butyl, Pentyl, Methoxy, Äthoxy-, Propoxy, Butoxy, Pentoxy, Methoxycar- bonyl, Äthoxycarbonyl, Propoxycarbonyl, tert. Butyloxycarbonyl, tert.
Amyloxycarbonyl, ferner Halogenatome wie Fluor, Chlor, Brom, Jod und das Pseudohalogen Trifluormethyl, die Nitrogruppe, die Formylgruppe, die Cyangruppe, die Carboxy- carbonylgruppe, weiter die Hydroxy-, Amino-, Carboxy- und Mercaptogruppe mit den z.B. im oben erwähnten belgischen Patent Nr.757 786 genannten Schutzgruppen, ferner unsubsti- tuiertes oder in der erwähnten Weise substituiertes Phenyl. Als Substituenten der Methylengruppe(n) kornmen die gleichen wie für die cyclischen Reste, jedoch mit Ausnahme der Niederalkylgruppe, in Betracht.
Besonders hervorzuheben sind Reste mit einer mono-substituierten Methylengruppe. Als einige Beispiele von Resten der Formel R2(CH2)nCO seien genannt: 2,6-Dimethoxybenzoyl, Tetrahydronaphtoyl, 2 Methoxynaphthoyl, 2-Äthoxy-naphthoyl, Cyclopentanoyl, 2 Phenyl-5-methyl-isoxazolyl-carbonyl, 2-(2'-Chlorphenyl)-5methyl-isoxazolyl-carbonyl, Phenylacetyl, Thienyl(2)-acetyl, Thienyl(3)-acetyl, Furyl(2)-acetyl, S-Phenylthioacetyl, Phenoxyacetyl, S-Bromphenylthioacetyl, a-Phenoxypropionyl, a Phenoxy-phenyl-acetyl, α-Methoxy-phenylacetyl, α
;-Methoxy- 3,4-dichlor-phenylacetyl, S-Benzylthioacetyl, S-Benzylthiopropionyl, Pyridyl(2)-thioacetyl, Tetrazolyl(5)-acetyl-, Tetrazolyl(1)-acetyl, Imidazolyl(2)-acetyl, Imidazolyl(1)-acetyl, Imidazolyl(2)-thio-acetyl, 1,3,4-Thiadiazolyl(2)-thioacetyl, Thiazolinyl(2)-thioacetyl, 1,2,4-Triazolyl(3)-thioacetyl, 5 Mercapto-1,3,4-iadiazolyl (2)-thioacetyl, 5-Amino-tetrazolyl(1)-acetyl, α-Amino-α-phenyl-acetyl, α-Cyan-α-phenyl- acetyl, α-Hydroxy-α-phenyl-acetyl, α-Carboxy-α-phenyl- acetyl, α-Methoxy-α-phenyl-acetyl, α-Azido-α-phenyl-acetyl, α-Formylamino-α-phenyl-acetyl, α
;-(2,2,2-Trichloräthyloxycar- bonylamino) -a-phenyl-acetyl, a (tert.butyloxycarbonylamino) -α-phenyl-acetyl, α-(2-Jodäthoxycarbonyl)-α-phenyl-acetyl, α-(2-Bromäthoxycarbonyl)-α-phenyl-acetyl, α-(2-Biphenylyl- 2-propyloxycarbonyl) --phenyl-acetyl sowie entsprecnende p- Hydroxyphenyl-acetyl-, p-Chlorphenyl-acetyl, Cyclohexylacetyl, Thienyl(2)-acetyl-, Thienyl(3)-acetyl- und Furyl(2)acetylreste, welche in os-Stellung die für Phenyl-acetyl genannten Substituenten tragen.
Weiter ist als Acylrest X zu nennen:
2) Ein Rest der Formel worin n für eine ganze Zahl von t bis 7 steht und die Kette gerade oder verzweigt und gegebenenfalls von einem Sauerstoff- oder Schwefelatom unterbrochen und/oder durch einen oder mehrere Substituenten substituiert ist. Als Substituenten kommen die gleichen in Betracht, die oben unter 1) für die cyclischen Reste genannt sind, mit Ausnahme der Niederalkylgruppe, ausserdem die Azidogruppe und eine Ureidogruppe.
Als Beispiele für Acylreste dieser Art sind zu nennen: Acetyl, Propionyl, Butyryl, Valeryl, Hexanoyl, Heptanoyl, Octanoyl, Vinyl, Acrylyl, Crotonyl, 2-Pentenoyl, Butylthioacetyl, Allyl thioacetyl, Chloracetyl, Bromacetyl, Dichloracetyl, Dibrom- acetyl, Dijodacetyl, Difluoracetyl, Trifluoracetyl, ss-Brompro- pionyl, Cyanacetyl, ss-Cyanpropionyl, b-Amino-8-carboxy- valeryl, #-Phthaloylamino-#-carboxy-valeryl, #-Äthoxycarbo- nylamino-#-carboxy-valeryl,
#-Isobutyloxycarbonylamino- #- carboxy-valeryl, #-Benzyloxycarbonylamino-#-carboxy-vale- ryl, #-Äthylaminocarbonylamino- #-carboxy-valeryl, #-(n- Butyl)-aminocarbonylamino- #-carboxy-valeryl, #-(tert.Butyl- oxycarbonylamino)-#-carboxy-valeryl, #-(2,2,2-Trichlor äthyloxycarbonylamino)-#-carboxy-valeryl, #-(2-Biphenylyl2-propyloxycarbonyl)-#-carboxy-valeryl,
#-(2-Jodäthoxy- carbonyl) -#-carboxy-valeryl, b x-chloracetyl) -amino-b- carboxy-valeryl, b x-dichloracetyl) -amino-b-carboxy- valeryl, #-Benzoylamino-#-carboxy-valeryl, #-trinitrophenyl- amino-#-carboxy-valeryl, α-azido-acetyl, α-Methoxycarbonyl- acetyl, α-Äthoxycarbonyl-acetyl, α,α-Dimethoxycarbonyl- acetyl, α,α-Diäthoxycarbonyl-acetyl und α-Cyan-ss-dimethyl- acryl.
Weiter ist als Acylrest X zu nennen:
3) Ein Rest der Formel R3-NH-CO, worin R3 ein unsubstituierter oder substituierter aromatischer, araliphatischer oder aliphatischer Kohlenwasserstoffrest, vorzugsweise ein unsubstituierter oder substituierter Niederalkylrest ist. Als Substituenten der aromatischen und araliphati- schen Reste sind die gleichen zu nennen, wie sie unter 1) für die cyclischen Reste genannt sind, als Substituenten der aliphati- schen Reste die gleichen, mit Ausnahme der Niederalkylreste.
Als Beispiele für Acylreste dieser Art sind zu nennen: Methyl- carbamoyl, Athylcarbamoyl, Propylcarbamoyl, Isopropylcar- bamoyl, tert.Butylcarbamoyl, Phenylcarbamoyl, p-Chlorphe- nyl-carbamoyl, Benzylcarbamoyl, ss-Chloräthylcarbamoyl, 1,1 Dimethyl-2-chloräthylcarbamoyl, 2-Brompropyl-carbamoyl.
Weiter sind als Acylrest X zu nennen: 4) Ein Rest der Formel R4-O-CCI, worin R4 die gleiche Bedeutung wie R3 unter 3) hat. Als Beispiele für acylreste dieser Art sind zu nennen: Methyloxycarbonyl, Äthyloxycarbonyl, Propyloxycarbonyl, tert.Butyloxy- carbonyl, tert.-Amyloxycarbonyl, Allyloxycarbonyl, Cyclopentyloxycarbonyl, Cyclohexyloxycarbonyl, Adamantyloxy- carbonyl, Tolyloxycarbonyl, Benzyloxycarbonyl, p-Methoxy benzyloxyzarbonyl,2-(p-Biphenylyl)-2-propyloxycarbonyl.
Besonders hervorzuheben sind als Acylreste X ein unsubsti- tuierter oder wie erwähnt substituierter Phenylacetyl-, Phenoxyacetyl-, Phenylglycyl-, Thienyl(2)-acetyl-, Thienyl(3)acetyl-, Furyl(2)-acetyl-, Tetrazolyl(1)-acetyl-, Methoxycarbonylacetyl-, Äthoxycarbonyl-acetyl-, Cyanacetyl- und #- Aminoadipoylrest.
Die abspaltbare substituierte Methoxygruppe OR, in den Verbindungen der Formel II enthält als Substituenten bevor- zugt solche, die eine sterische Hinderung des Esters hervorrufen und die ausserdem eine leichte Abspaltung des Esters nach den auf dem Cephalosporingebiet hierfür bekannten Verfahren z. B. durch Solvolyse, Reduktion, Fotolyse oder auf enzymatischem Wege ermöglichen. Die Methylestergruppe kann einen oder mehrere Substituenten enthalten.
Als Substituenten der Methoxygruppe zu nennen sind unsubstituierte oder substituierte mono- oder bicyclische Aryl- oder Aroylreste wie ein unsubstituierter oder substituierter Naphthyl-, Benzoyl- oder insbesondere Phenylrest, ferner niedere Alkanoyloxygruppen mit höchstens 5 Kohlenstoffatomen und unsubstituierte oder substituierte Aroyloxygruppen. Substituenten des (der) Aryl-, Aroyl- oder Aroyloxyreste (s) sind die oben unter 1) für cyclische Reste erwähnten, insbesondere ein oder mehrere Nitrogruppen und/oder Halogenatome wie Fluor, Brom, Jod, besonders Chlor, und/oder Niederalkyl- und/oder Niederalkoxygruppen wie Methyl, Äthyl, Propyl, Äthoxy, Propoxy, vor allem Methoxy.
Die substituierte Methylgruppe ist daher beispielsweise eine Phenacyl-, Bromphenacyl-, Acetoxymethyl-, Pivaloyloxymethyl-, Benzoyloxymethyl-, Benzyl-p-Methoxybenzyl-, 3,5-Dimethoxybenzyl-, 3,4-Dimethoxybenzyl-, p Nitrobenzyl-, 2,4,6-Trimethylbenzyl-, Diphenylmethyl-, Di-(pmethoxyphenyl)-methyl-, n-Phenyl-, n-(3 ,4-dimethoxy-6- nitro-phenyl)-methyl-, a-Methyl-a- (3,4-dimethoxy-6-nitrophenyl) -methyl- oder Triphenylmethylgruppe.
Die genannten Estergruppen können in bekannter Weise nach der erfindungsgemässen Oxidation abgespalten werden oder, wenn dies erwünscht ist, erst nach einer gegebenenfalls vorzunehmenden Umwandlungsreaktion, wie sie oben erwähnt wurde. Die Abspaltung kann beispielsweise durch Reduktion, z. B. mit naszierendem Wasserstoff oder mit katalytisch erregtem Wasserstoff, oder durch Fotolyse oder Solvolyse, besonders Hydrolyse in saurem Medium (Salzsäure, Trifluoressigsäure, Ameisensäure, Essigsäure) oder in schwach alkalischem Medium (bis pH ca. 10) erfolgen.
Die Salze von Verbindungen der Formel I, worin X für einen Acylrest steht, sind Metallsalze, vor allem solche von therapeutisch anwendbaren Alkali- oder Erdalkalimetallen, wie Natrium, Kalium, Ammonium, Calcium, oder Salze mit organischen Basen, z.B. Triäthylamin, N-Äthyl-piperidin, Dibenzyläthylendiamin, Procain, Diisopropylamin, Äthanolamin. Ist X basisch, so können sich innere Salze bilden. Die Salze können in bekannter Weise, z. B. durch Behandlung mit Basen, wenn erwünscht mit Hilfe von Ionenaustauschern, erhalten werden.
Infolge der engen Beziehungen zwischen den neuen Verbindungen in freier Form und in Form ihrer Salze sind im vorausgegangenen und nachfolgend unter freien Verbindungen und Salzen sinn- und zweckgemäss gegebenenfalls auch die entsprechenden Salze bzw. freien Verbindungen zu verstehen.
Die als Ausgangsstoffe verwendeten Verbindungen der Formel II sind bekannt oder können in an sich bekannter Weise hergestellt werden. Beispielsweise kann man sie aus Verbindungen der Formel II, worin R für Wasserstoff steht, durch Veresterung mit wie oben erwähnt substituiertem Diazomethan oder durch Umsetzung einer Verbindung der Formel II, worin R für ein Alkali- oder Erdalkalimetallion oder für ein Ammoniumion, z. B. Triäthylammonium, steht, mit einem reaktionsfähigen Ester, z.B. einem Halogenid, insbesondere einem Chlorid, Bromid oder Jodid, eines wie erwähnt substituierten Methanols, z. B. durch Umsetzung einer Verbindung der Formel II, worin R für Natrium steht, mit Phenacylbromid erhalten.
Die Herstellung der Verbindung der Formel II, worin X und R für Wasserstoff stehen, (O-Desacetyl-7-aminocephalosporansäure) kann beispielsweise nach dem im englischen Patent 1 080 904 beschriebenen Verfahren durch Desacetylierung von 7-Aminocephalosporansäure mit Acetylesterase aus Bacillus subtilis erfolgen.VerbindungenderFormel II, worin X für einen Acylrest und R für Wasserstoff stehen, können durch Desacetylierung der entsprechenden 7-Acylamino-cephalosporansäuren nach dem Verfahren des erwähnten englischen Patentes hergestellt werden.
Die Erfindung betrifft auch diejenigen Ausführungsformen des Verfahrens, nach denen man von einer auf irgendeiner Stufe des Verfahrens als Zwischenprodukt erhältlichen Verbindung ausgeht und die fehlenden Verfahrensschritte durchführt, oder das Verfahren auf irgendeiner Stufe abbricht, oder bei denen man die Ausgangsstoffe unter den Reaktionsbedingungen bildet, oder bei denen die Reaktionskomponenten gegebenenfalls in Form ihrer Salze vorliegen.
Die Verbindungen der Formel I weisen eine antibakterielle Wirkung auf, z. B. gegenüber penicillin-sensitiven und penicillin-resistenten Staphyloccocus aureus, Kelbsiella pneumoniae und Salmonella typhosa. Dies gilt vor allem für die Salze. Sie können daher zur Bekämpfung von Infektionen, die durch solche Mikroorganismen hervorgerufen werden, verwendet werden, ferner als Futtermittelzusätze, zur Konservierung von Nahrungsmitteln oder als Desinfektionsmittel. Man kann die Verbindungen der Formel I auch als Zwischenprodukte zur Herstellung weiterer Derivate der 7-Aminocephalosporansäure verwenden.
Die neuen Verbindungen können als Heilmittel, z. B. in Form pharmazeutischer Präparate, Verwendung finden. Diese enthalten die Verbindungen in Mischung mit einem für die enterale, topicale oder parenterale Applikation geeigneten pharmazeutischen organischen oder anorganischen, festen oder flüssigen Trägermaterial. Für die Bildung desselben kommen solche Stoffe in Frage, die mit den neuen Verbindungen nicht reagieren, wie z.B. Wasser, Gelatine, Lactose, Stärke, Stearylalkohol, Magnesiumstearat, Talk, pflanzliche Öle, Benzylalkohole, Gummi, Propylenglykol, Polyalkylenglykole, Vaseline, Cholesterin oder andere bekannte Arzneimittelträger. Die pharmazeutischen Präparate können z. B. als Tabletten, Dragees, Salben, Cremen, Kapseln oder in flüssiger Form als Lösungen, Suspensionen oder Emulsionen vorliegen.
Gegebenenfalls sind sie sterilisiert und/oder enthalten Hilfsstoffe, wie Konservierungs-, Stabilisierungs-, Netz- oder Emulgiermittel, Lösungsvermittler oder Salze zur Veränderung des osmotischen Druckes oder Puffer. Sie können auch andere therapeutisch wertvolle Substanzen enthalten. Die Präparate werden nach üblichen Methoden erhalten.
Die Erfindung wird in dem folgenden Beispiel beschrieben.
Die Temperaturen sind in Celsiusgraden angegeben.
Beispiel
1,0 g aus Toluol umkristallisiertes Diphenylmethyl-3hydroxymethyl-7ss- [N'-tert-butyloxycarbonyl-D.-(a) -phenyl glycylamino] -ceph-3-em-4-oat (F. 121 "C) und 10,0 g Benzoesäureanhydrid werden in 20 ml absolutem Dimethylsulfoxid gelöst. Die farblose Lösung wird während 5 Stunden bei Raumtemperatur im Dunkeln stehen gelassen. Dann wird das hellbraune Reaktionsgemisch im Hochvakuum zur Trockne eingedampft. Der ölige Rückstand wird in 50 ml Methylenchlorid aufgenommen und mit zweimal je 70 ml 5-prozentiger sek. Kaliumphosphat-Lösung und 70 ml gesättigter Kochsalzlösung extrahiert. Der organische Extrakt wird mit wasserfreiem Magnesiumsulfat getrocknet und am Vakuum zur Trockne eingedampft.
Vom Rückstand wird, durch zweimaliges Digerieren mit je 200 ml Petroläther, das überschüssige Benzoesäureanhydrid abgetrennt. Den nun festen, gelben Rückstand gibt man auf eine Silicagel-Säule (50 g; Merck puriss. mit 10% Wasser). Man eluiert zunächst mit Methylenchlorid-Toluol (1:1); es werden Fraktionen von je 50 ml aufgefangen. Die Fraktionen 2-3 enthalten unpolare Verunreinigungen, welche verworfen werden. Aus den Fraktionen 8-11 (Elution mit Methylenchlorid) werden 552 mg dünnschichtchromatographisch reines Diphenylmethyl-3-formyl-7ss[N'- tert.butyloxycarbonyl-D-(a) -phenylglycylamino] -ceph-3-em4-oat isoliert. Aus Diacetyläther kristallisiert das Produkt in farblosen Nadeln, welche bei 179-181"unter Zersetzung schmelzen.
Das Produkt zeigt im Dünnschichtchromatogramm auf Silicagel die folgenden Rf-Werte (Nachweis mit Joddampf oder UV254 nm: im System Toluol-Aceton (4:1) Rf = 0,74 (Ausgangsmaterial: 0,26) im System Toluol-Aceton (2:1) Rf = 0,88 (Ausgangsmaterial: 0,44) im System Toluol-Essigester (1:1) Rf = 0,93 (Ausgangsmaterial: 0.30)
Das Ausgangsmaterial kann wie folgt hergestellt werden:
4,0 g 3-Acetoxymethyl-7ss- [N'-tert.-butyloxycarbonyl-D (a)-phenylglycylamino] -ceph-3-em-4-carbonsäure werden in 50 ml Wasser aufgeschlämmt. Nach Zugabe von 7,7 ml 1-n.
Natronlauge erhält man eine klare Lösung, welche mit 0,1 g gereinigter Esterase aus Bact. subtilis Stamm ATCC 6633 (vgl.
engl. Patent 1 080 904) versetzt wird. Man rührt bei 35 "C und hält das pH der Reaktionslösung durch Zugabe von 0,5-n.
Natronlauge auf 7,3. Nach Verbrauch von 14,4 ml 0,5-n.
Natronlauge ist die Reaktion beendet (5 Stunden).
Die Reaktionslösung wird auf pH 6,5 gestellt, mit Aktivkohle geklärt, dann mit ca. 120 ml Essigester überschichtet und unter Rühren mit 5-m. Phosphorsäure auf pH 2,2 angesäuert.
Man sättigt die mit Eis gekühlte Lösung mit Kochsalz und trennt die Phasen. Die wässrige Schicht wird zweimal mit je 100 ml Essigester nachextrahiert und verworfen. Die organischen Extrakte werden viermal mit je 30 ml gesättigter Kochsalzlösung gewaschen und kurz über wasserfreiem Magnesiumsulfat getrocknet. Nach Filtration wird die Lösung der 3-Hydroxymethyl-7ss- [N'-tert.-butyloxycarbonyl-D- (z)- phenylglycylamino] -ceph-3-em-4-carbonsäure mit Diphenyldiazomethan in Cyclohexan versetzt und während 45 Minuten bei Raumtemperatur stehen gelassen. Man engt die noch schwach rötlich gefärbte Lösung auf ca. 200 ml ein, versetzt mit Äther und lässt über Nacht im Kühlschrank stehen. Das dabei ausgefallene farblose Kristallisat wird abfiltriert und in der Kälte mit Äther gewaschen.
Nach Trocknen im Vakuumexsikkator werden 2,975 g Kristalle von Diphenylmethyl-3hydroxymethyl-7ss- [N'-tert.-butyloxycarbonyl-D- (or)- phenylglycylamino]-ceph-3-em-4-oat erhalten, welche sich bei
128 9C zersetzen. Die eingedampfte Mutterlauge enthält weiteres Produkt, das durch Säulenchromatographie an Silicagel (MERCK puriss.) isoliert werden kann.
In analoger Weise können die folgenden Verbindungen hergestellt werden:
Diphenylmethyl-3-formyl-7-phenylacetylamino-ceph-3em-4-oat. F. 123-125 (aus Cyclohexan).
Im Dünnschichtchromatogramm auf Silicagel G ist der Rf Wert = 0,75 im Lösungsmittelsystem Essigester/Toluol (1:1).
(Entwicklung mit Joddampf oder Nachweis mit Um254).
Diphenylmethyl-3-formyl-7ss- [5'-phthal-imido-5' diphenylmethoxycarbonyl-D-n-Valeroyl-amino] -ceph-3-em 4-oat.'
Das Produkt zeigt im Dünnschichtchromatogramm an Silicagel die folgenden Rf-Werte (Nachweis mit Jod dampf oder UV254 nm): im System Toluol-Aceton (4:1) Rf = 0,63 (Ausgangsmaterial: 0,20) im System Toluol-Aceton (2:1) Rf = 0,84 (Ausgangsmaterial: 0,38) im System Toluol-Essigester (1:1) Rf = 0,82 (Ausgangsmaterial: 0,17) Diphenylmethyl-3-formyl-7ss- (2 '-thienylacetylamino) -ceph3-em-4-oat;
Das Produkt zeigt im Dünnschichtchromatogramm auf Silicagel G Platten im System Toluol-Essigester (1:1) Rf = 0,72, (Nachweis mit Joddampf oder UV254 nm).
bis-(4-Methoxyphenyl)-methyl-3-formyl-7ss-phenylacetyl- amino-ceph-3-em-4-oat.
Das Produkt im Dünnschichtchromatogramm an Silicagel im System Eisessig-Toluol (1:1) Rf = 0,73.