DD161182A3 - Verfahren zur herstellung eines antibiotikums der strepthothricin-gruppe - Google Patents

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DD161182A3 DD22332180A DD22332180A DD161182A3 DD 161182 A3 DD161182 A3 DD 161182A3 DD 22332180 A DD22332180 A DD 22332180A DD 22332180 A DD22332180 A DD 22332180A DD 161182 A3 DD161182 A3 DD 161182A3
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Harald Bocker
Udo Graefe
Heinz Thrum
Gertraud Bradler
Gerald Schicht
Dieter Noack
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Adw Ddr
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Abstract

Die Erfindung betrifft ein neues Verfahren zur fermentativen Herstellung des zur Gruppe der Streptothricine gehoerenden Antibiotikums Nourseothricin, welches in Kulturen von Streptomyces noursei IMET JA 3890b gebildet wird. Nourseothricin ist in vitro wirksam gegen Gram-positive und -negative Bakterien sowie gegen Mykobakterien; es zeigt auch antivirale und taeniacidale Wirkung. Es wurde gefunden, dass Zusaetze von Hemmstoffen der Atmungskette, wie Alkaliazide, Brenzkatechin sowie Amytal (Aethylisoamylbarbitursaeure), weiterhin auch von Hemmstoffen des Aminosaeuretransports in der lebenden Zelle, wie wasserloesliche anorganische Zinksalze sowie b-Alanin, einzeln oder im Gemisch dem Fermentationsmedium der Hauptkultur spaetestens bis zur exponentiellen Wachstumsphase des Nourseothricin-Bildners ein- oder mehrmalig zugesetzt, eine deutliche foerdernde Wirkung auf die Nourseothricin-Biosynthese ausueben, ohne die biologischen Eigenschaften des Fermentationsproduktes aendernd zu beeinflussen.

Description

Anwendungsgebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein neues Verfahren zur fermentativen Gewinnung von Nourseothricin, ein zur Gruppe der Streptöthricine gehörendes Antibiotikum.
Charakteristik der bekannten technischen Lösungen
Das von BRADLER und THRUM (1963/1965) aus der Kultur einer Variante von Streptomyces noursei ATCC11455 isolierte Antibiotikum Nourseothricin ist in vitro wirksam gegen Grampositive und -negative Bakterien sowie gegen Mykobakterien; es zeigt auch antivirale und taeniacidale Wirkung. Hinsichtlich der chemischen Struktur ist Nourseothricin im wesentlichen ein Gemisch der Streptöthricine F und D (GRÄFE et al. 1974).
Der das Antibiotikum Nourseothricin bildende Streptomycetenstamm ist unter der Bezeichnung Streptomyces noursei IMET JA 3890b in der Stammsammlung des Zentralinstituts für Mikrobiologie und experimentelle Therapie der Akademie der Wissenschaften der DDR hinterlegt.
Nach den in der Literatur angegebenen Verfahren (BRADLER und THRUM, 1963/1965; BOCKER und fHRUM, 1966; GRÄFE et al., 1974) erfolgt die Kultivierung unter aeroben Bedingungen. Hierzu wird an Erde lyophil getrocknetes Sporenmaterial dieses Streptomyces-Stammes auf geeignete Agarnährböden aufgebracht. Nach 6- bis 10tägiger Bebrütung bei 28 bis 300C wird der so gewachsene verspotte Mycelrasen zum Beimpfen von flüssigen sterilen Nährmedien verwendet. Solche Nährmedien bestehen aus Kohlenstoff- und Stickstoffquellen sowie anorganischen Salzen. Als Kohlenstoffquellen können verschiedene pflanzliche Stärkemehle, beispielsweise Kartoffelstärke, Glucose und/oder Glyzerin eingesetzt werden. Als Stickstoffquellen kommen insbesondere Sojamehl, verschiedene Aminosäuren und/oder Ammoniumsalze in Betracht. Die für die Antibiotikumbildung günstigste Azidität zu Beginn der Fermentation liegt im Bereich von pH 6,0 bis 6,7. Die submerse Kultivierung des Streptomyces noursei IMET JA 3890b kann in Steilbrustflaschen oder Stehrundkolben verschiedenen Inhalts als Schüttelkultur sowie in sterilbelüfteten und gerührten Fermentern aus korrosionsbeständigem Material bei Temperaturen von 25 bis 3O0C, vorzugsweise von 26 bis 28°C, durchgeführt werden. Die submerse Kultur zur Anzucht des vegetativen Impfmaterials dauert 24 bis 72 Stunden, insbesondere 48 Stunden, und der Prozeß der Hauptkultur bis 144 Stunden.
Die Isolierung des Antibiotikums erfolgt aus dem vom Mycel befreiten Kulturfiltrat durch Adsorption an geeignete Kationenaustauscher, beispielsweise Wofatit CP-300, und nachfolgender Elution mit verdünnten Säuren wie von BRADLER und THRUM (1963), GRÄFE et al. (1974) und GRÄFE et al. (1977a) beschrieben.
Auf dem bekannten Nährsubstrat (BRADLER u. THRUM, 1965) bildet der Stamm Streptomyces noursei IMETJA 3890b nur. verhältnismäßig geringe Mengen an Nourseothricin (unter 100^g/ml). Durch Zusatz von Aminoarylkarbonsäuren, insbesondere von 5 bis 1OmM o-Aminobenzoesäure, zum Beginn der Hauptkultur kann die Fermentationsausbeute unter den bekannten technischen Bedingungen um etwa das Fünf- bis Zehnfache gesteigert werden (BOCKER u, THRUM, 1966; THRUM und BOCKER, 1965; GRÄFE et al., 1974).
Nach den Feststellungen von GRÄFE et al. (1974,1977b, 1978,1979) reprimieren o-Aminobenzoesäure und/oder andere Aminoarylkarbonsäuren spezifisch die Bildung von Cytochrom des a-Typs (Cytochrom-Oxydasen) und hemmen dadurch indirekt sowohl den Aminosäuretransport aus dem Nährmedium in das Mycel als auch die oxydative Desaminierung der Aminosäuren in den Zellen des Nourseothricin-Bildners. Hierdurch wird einerseits eine Repression des Sekundärstoffwechsels durch ein zelluläres Überangebot an Stickstoff-Kataboliten vermieden. Andererseits wird auf diese Weise verhindert, daß als Prekursoren des Nourseothricins dienende Aminosäuren des Mediums vom Antibiotikum-Bildner während dessen Wachstumsphase weitgehend aufgebraucht werden. Diese Aminosäuren sind somit dem Sekundärstoffwechsel im Verlaufe der Nourseothricinbildung besser verfügbar, da für die Bildung von Biomasse bevorzugt die anorganische Stickstoffquelle (Ammonium-N) genutzt wird. . '
Die fermentative Nourseothricin-Produktion unter Verwendung von o-Aminobenzoesäure, die bekanntermaßen zwar eine wesentliche Steigerung der Fermentationsausbeute ermöglicht, weist jedoch die folgenden Nachteile auf, die insbesondere einer großtechnischen Anwendung entgegen stehen: s.
— Der notwendige Einsatz größerer Mengen von Aminoarylkarbonsäuren beeinflußt die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens ungünstig infolge der Kosten für solche Zuschlagstoffe
— Da eine Hitzesterilisation bzw. chemische oder Strahlensterilisation der wässrigen Aminoarylkarbonsäure-Salzlösungen wegen der Zersetzung der Aminoarylkarbonsäuren unter Bildung toxischer Umwandlungsprodukte nicht in Betracht f kommen kann, ist zur notwendigen Entkeimung solcher Lösungen nurdie Sterilfiltration möglich. Diese ist jedoch verhältnismäßig aufwendig
— Das Vorhandensein von Aminoarylkarbonsäuren in den Abläufen der Chromatographiesäulen erschwert die biologische Abasserreinigung.
Ziel der Erfindung -
Die Erfindung beinhaltet das Ziel, Nourseothricin ökonomisch herzustellen. ~
-ι- 223 321
Darlegung des Wesens der Erfindung . ~ . ·' " '"'"""
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein technisch günstiges Verfahren anzugeben, das die industrielle Produktion von Nourseothricin ohne Einsatz von Aminoarylkarbonsäuren ermöglicht.
Überraschenderweise wurde gefunden, daß Zusätze von Hemmstoffen der Atmungskette, beispielsweise Natriumazide bzw. andere Alkaliazide, Brenzkatechin sowie Amytal (= Äthylisoamylbarbitursäure), und/oder auch Hemmstoffe des Aminosäuretransports in der lebenden Zelle, beispielsweise wasserlösliche Zinksalze oder /3-Alanin, der Hauptkultur zum Zeitpunkt der Beimpfung zugesetzt, eine ähnliche fördernde Wirkung auf die Biosynthese von Nourseothricin ausüben, ohne die biologischen Eigenschaften des Fermentationsproduktes ändernd zu beeinflussen. Die hierzu erforderlichen Konzentrationen an einer dieser Substanzen liegen in den Bereichen 0,025 mM bis 0,25 mM, hauptsächlich um 0,15 mM (Natriumazid) bzw. 0,15mM bis 1,75mM, hauptsächlich um 0,5OmM bis 0,75mM (Zinksulfat und /3-Alanin) oder 0,25mM bis 2,0OmM, hauptsächlich um 0,4mM bis 1,5mM (Brenzkatechin oder Amytal). ,' ,
Das Grundmedium für die Hauptkultur muß folgende Anforderungen erfüllen:
— Anwesenheit einer begrenzten Menge an leicht verwertbaren Kohlenstoffquellen, beispielsweise Glucose, zur Gewährleistung einer stufenlosen Adaptation an komplexe Kohlenstoffquellen.
— Vorhandener Überschuß an komplexen Kohlenstoffquellen, beispielsweise Stärke, zur Gewährleistung eines ausreichenden Angebots an Kohlenstoff-Kataboliten während der gesamten Fermentation.
— Limitierte Bereitstellung von komplexen Stickstoffquellen, beispielsweise Sojamehl, zur Einschränkung des Katäbolismus der Aminosäuren während der gesamten Fermentation.
Bereitstellung einer hinreichenden Menge von anorganischen Stickstoffquellen, beispielsweise Ammoniumnitrat, zur Befriedigung der diesbezüglichen Nährstoffansprüche des Nourseothricin-Bildners während dessen Wachstumsphase in der Hauptkultur. ;
Folgende Fermentationsmedien werden für das Verfahren verwendet: :
Medium Bo-30: 2,9% Glucose
1,3% Sojamehl, entölt ^
0,5% Natriumchlorid' ; :
0,3% Calciumcarbonat \
ad 100 Leitungswasser
pH 6,5 (vor Sterilisation) ·
Medium Bo-31: 3,0% Maisstärke
0,3% Glucose ,
0,7%Sojamehl, entölt
0,5% Ammoniumnitrat
0,2% Magnesiumsulfat, kristallin
0,5% Natriumchlorid
0,3% Calciumkarbonat
ad 100 Leitungswasser
pH 6,0 (vor Sterilisation) y
Medium Bo-32: 3,2% Kartoffelstärke
2,9% Glucose
1,4% Sojamehl, entölt v
0,7% Ammoniumnitrat
0,2% Magnesiumsulfat, kristallin
0,1 % Natriumchlorid / ,
0,6% Calciumcarbonat
ad 100 Leitungswasser
pH 6,0 (vor Sterilisation)
Diese Grundmedien, für die Hauptkultur eingesetzt, ermöglichen eine wesentlich höhere Fermentationsausbeute an Nourseothricin im Vergleich mit dem bekannten Fermentationsmedium. *
Beim Vorliegen von Natriumazid, bzw. anderen Alkaliaziden, Brenzkatechin, Amytal, Zinksulfat und/oder/3-Alanin bzw. anderen Hemmstoffen der Atmungskette oder des Aminosäuretransports in der lebenden Zelle, diesem Grundmedium zum Zeitpunkt der Beimpfung der Hauptkultur einzeln oder im Gemisch zugesetzt, wird die Nourseothricin-Bildung noch um das Zwei bis Zehnfache erhöht. Die hierzu erforderlichen Konzentrationen an solchen als Zusätze dienenden Substanzen liegen in den gleichen Bereichen, wie sie bereits weiter vorn angegeben sind.
Nourseothricin kann in an sich bekannter Weise durch Adsorption mit Aktivkohle und Kationenaustauschern (stark und schwach sauer) aus dem Kulturfiltrat gewonnen werden. Das bevorzugte Verfahren beruht auf der Adsorption an der Alkaliform von schwach sauren Kationenaustausch-Härzen. Die Elution der so erhaltenen Adsorbate wird zweckmäßig mit wäßrigen oder alkoholischen Lösungen von Mineralsäuren ausgeführt. Aus den mineralsauren Eluaten wird in der Regel reines Nourseothricin-SaIz gewonnen.
Ausführungsbeispiele
Die Erfindung wird durch folgende Ausführungsbeispiele erläutert, ohne sie jedoch hierauf zu beschränken.
1. Eine lyophil an Erde getrocknete Sporenkonserve des Stammes Streptomycesnoursei IMET JA 3890b wird auf ein geeignetes Agarmedium, beispielsweise Emerson-Agar, ausgestreut. Nach etwa siebentägiger Bebrütung bei 300C werden etwa 2cm2 große Stücken des Mycelrasens herausgeschnitten und damit jeweils ein Kulturansatz der 1. Vorzucht beimpft.
Das Medium dieser Vorzucht hat folgende Zusammensetzung:
4,0% Glucose; 1,5% Sojamehl, entölt; 0,03% KH2PO4; 0,5% NaCI; 0,3% CaCO3; Leitungswasser ad 100; pH 6,5-6,9 (vor Sterilisation).
Dieses Medium ist in 500ml fassende, mit Wattestopfen verschlossene Steilbrustflaschen in Mengen zu jeweils 50ml abgefüllt. Die Sterilisation erfolgt durch 35 Minuten langes Erhitzen auf 1200C im Autoklaven.
-ζ'- 223 321
Die beimpften Ansätze werden 48 Stunden als Schüttelkulturen bei 290C bebrütet. Mit jeweils 3ml der so erhaltenen Vprzuchten werden die Kulturansätze der Hauptkultur beimpft.
Für die Hauptkultur werden folgende Grundmedien eingesetzt:
Medium Bo-30: 2,9%Glucose; 1,3% Sojamehl, entölt; 0,5% NaCI; 0,3% CaCO3; Leitungswasser ad 100; .
pH 6,5 (vor Sterilisation) Medium Bo-31: 3,0% Maisstärke; 0,3% Glucose; 0,7% Sojamehl, entölt; 0,5% NH4NO3; 0,2% MgSO4-7H2O; 0,5% NaCI;
0,3% CaCO3; Leitungswasser ad 100; pH 6,0 (vor Sterilisation). ;
Die Nährmedien der Hauptkultur werden in Mengen zu jeweils 80 ml in 500 ml fassende, mit Wattestopfen verschlossene Steilbrustflaschen abgefüllt und 35 Minuten bei 12O0C im Autoklaven sterilisiert. ' >- Entsprechend des Versuchsplanes werden die so vorbehandelten Ansätze der Hauptkultur zum Zeitpunkt der Beimpfung mit sterilfiltrierten, wäßrigen, neutralen Lösungen der betreffenden in den Tabellen 1 und 2 aufgeführten Substanzen (maximal 3,0ml Zusatz/80 ml Medium) versetzt. Zu Vergleichszwecken wird je eine zusätzliche Gruppe von Kulturansätzen nach der gleichen Verfahrensweise mit ortho-Aminobenzoesäure (Natriumsalz) auf die für die Förderung der Noufseothricin-Bildung als besonders günstig bekannten Konzentrationen eingestellt. Die Versuche werden in fünffacher Wiederholung durchgeführt. * ,
Die während der 72- bis 120stündigen Bebrütung der Hauptkulturen bei 260C mit Hilfe des Lochplattendiffusionstestes unter Verwendung von Bacillus subtilis ATCC 6633 als Testkeim ermittelten durchschnittlichen maximalen Nourseothricin-Konzentrationen sind in den Tabellen 1 und 2 angegeben.
2. Das vegetative Impfmaterial des Nourseothricin-Bildners wird wie im Ausführungsbeispiel 1 beschrieben angezogen. Mit je 10ml der 48stündigen Kulturlösung werden die Ansätze der 2. Vorzucht beimpft. Dieses Medium hat die gleiche
, Zusammensetzung wie das der 1 .Vorzucht und wird auch in gleicher Weise sterilisiert. Das Medium ist in Anteilen zu je 400 ml in 2 500 ml fassende, mit Wattestopfe η verschlossene Steilbrustflaschen abgefüllt. Deren Bebrütung erfolgt 24 Stunden bei 29X als Schüttelkultur. Mit jeweils 800ml der so erhaltenen 2. Vorzucht werden die in Anteilen von je 20 Liter in vorher hitzesterilisierte 30 Liter-fassende Glasfermentoren abgefüllte sterile Grundmedien der Hauptkultur beimpft. Verwendet werden hierzu die im Ausführungsbeispiel 1 angegebenen Medien Bo-30 und Bo-31, die als Entschäumer noch zusätzlich
; 0,3% Sonnenblumenöl enthalten. Unmittelbar nach dem Beimpfen erfolgt der Zusatz der sterilfiltrierten, wäßrigen, neutralen Lösungen der in Tabelle 3 aufgeführten Substanzen (maximal 200ml Zusatz/20 Liter Medium).
Die Fermentationsansätze werden 120 Stunden bei einer Temperatur von 26 bis 280C und einer Belüftungsrate von 20 Liter Luft/Minute (bei Normaldruck) unter Rühren (440 U/min) bebrütet. Als Entschäumer wird im Bedarfsfalle steriles Sonnenblumenöl in der technisch erforderlichen Menge zugesetzt.
Das während der Fermentation gebildete Nourseothricin wird täglich wie im Ausführungsbeispiel 1 beschrieben mikrobiologisch bestimmt. Die ermittelten Testwerte finden sich in der Tabelle 3.
3. Das vegetative Impfmaterial des Nourseothricin-Bildners wird in der gleichen Weise und unter Verwendung des gleichen Nährmediums, wie in den Ausführungsbeispielen 1 und 2 beschrieben, angezogen.
Mit acht 24stündigen Schüttelkulturen der 2. Vorzucht wird ein mit 150 Liter hitzesterilisiertem Medium (60 Minuten bei 1250C) der vorgenannten Zusammensetzung gefüllter, mit Vorrichtungen zur Sterilbelüftung und einem Rührwerk ausgestatteter Edelstahlfermenter (200 Liter Bruttovolumen) beimpft. Die Kultivierung erfolgt bei 26 bis 28°C, einer Geschwindigkeit des Rührwerks von 375 U/min und einer Belüftungsrate von 1 Liter Luft pro 1 Liter Kulturlösung in der Minute (bei Normaldruck).
Nach 20- bis 24stündiger Bebrütung werden 100 Liter dieser Kultur zur Beimpfung von 600 Liter Nährmedium der Hauptkultur eingesetzt. Dieses ist vorher im Fermenter der Hauptkultur (1600 Liter Bruttovolumen; mit Vorrichtungen zum Rühren, StepIbelüften und Temperieren) durch Istündiges Erhitzen auf 130°C sterilisiert worden.
Das hierbei eingesetzte Nährmedium Bo-32hat folgende Zusammensetzung:
3,2% Kartoffelstärke
2,9% Glucose
1,4% Sojamehl, entölt s
0,7% Ammoniumnitrat
0,2% Magnesiumsulfat, kristallin
0,1 % Natriumchlorid
0,6% Calciumcarbonat
0,3% Sonnenblumenöl
0,048% Zinksulfat, kristallin
ad 100ml Leitungswasser ,
pH 5,9-6,1 (vor SteriMsation)
Das Zinksulfat wird dem Fermentationsmedium vor der Sterilisation zugesetzt.
Die Bebrütung dieser Hauptkultur erfolgt über einen Zeitraum von 144 Stunden bei 26 bis 280C, einer Geschwindigkeit des Rührwerks von 290U/mih und einer Belüftungsrate von 1 Liter Luft pro 1 Liter Kulturlösung Jn der Minute (Druck 0,14 bis 0,16MPa).
Zur Schaumbekämpfung wird nach Bedarf steriles, wasserhaltiges Sonnenblumenöl eingesetzt. * Das während der Fermentation gebildete Nourseothricin wird täglich wie im Ausführungsbeispiel 1 beschrieben mikrobiologisch bestimmt. Die ermittelten Testwerte sind in der Tabelle 4 angegeben.
Zur Isolierung des Antibiotikums werden 500 Liter der Kulturlösung mit einem Nourseothricin-Gehalt von 4000/u.g/ml mit Oxalsäure auf pH 4,0 angesäuert und durch Separieren von den Feststoffen befreit. Anschließend wird das Filtrat mit 30%lger Natronlauge neutralisiert und zum Abtrennen nachträglicher Ausflockungen erneut separiert. Zur Adsorption des Antibiotikums wird das neutralisierte Kulturfiltrat mit einer Laufgeschwindigkeit von 70 Liter/Stunde über eine mit 70 Liter Wofatit CP-300 (Na-Form) gefüllte Säure filtriert. Das Adsorbat wird mit 50 Liter entionisiertem Wasser, nachfolgend mit
0,1 N Essigsäure bis zur Azidität pH 5,5 des Durchlaufs und noch mit 15 Liter Wasser gewaschen. Die Elution des Antibiotikums erfolgt mit 50 Liter einer 1,0N Salzsäure und nachfolgend mit entionisiertem Wasser, wobei das Eluat in zwei Fraktionen
-4- 223 321
getrennt aufgefangen wird: Fraktion I bis zum pH-Umschlag des Eluats nach sauren Werten und Fraktion Il als saures
Eluat,
Die neutrale Fraktion I (ca. 50 Liter) wird unmittelbar unter Vakuum bei maximal 4O0C bis zum Sirup (ca. 4 Liter) eingedampft.
Dieser Rückstand wird in 60 Liter Methanol rückgelöst. Nach dem Filtrieren der methanolischen Lösung wird durch portionsweises Unterrühren von insgesamt 260 Liter Aceton das Nourseothricin-Hydrochlorid ausgefällt. Der Niederschlag wird abfiltriert, mit 13 Liter Methanol/Aceton (1:3; v:v) und anschließend noch 8 Liter absolutem Aceton gewaschen und im
Vakuum über konzentrierter Schwefelsäure oder Phosphorpentoxid getrocknet. :
Ausbeute: 740g weißes, amorphes Nourseothricin-Hydrochlorid mit einem Nourseothricin-Gehalt von 950 Einheiten/mg
und 5,4% Sulfatasche. x
Die salzsaure Fraktion Il (ca 15 Liter) wird unter Umrühren portionsweise mit dem AnionenaustauscherWpfatitL-i 50 (OH-Form) versetzt, bis die Lösung neutral reagiert. Nach dem Abfiltrieren des Ionenaustauschers wird das Fittrat in gleicher Weise wie die Fraktion I konzentriert und weiterverarbeitet, wobei die einzusetzenden Lösungsmittelmengen entsprechend
zu verringern sind.
Ausbeute: 100g weißes, amorphes Nourseothricin-Hydrochlorid mit einem Nourseothricin-Gehalt von 500 Einheiten/mg
und 10,0% Sulfatasche
Tabelle 1: Förderung der Nourseothricin-Bildung in Schüttelkulturen des Stammes Streptomyces noursei IMET JA 3890b durch Zusätze von Natriumazid, Brenzkatechin, Amytal, Zinksulfat, /3-Alanin bzw. o-Aminobenzoesäure; Medium
Bo-30
Konzentration
des Zusatzes (mM)
/xg/ml Nourseothricin
Natriumazid
Brenzkatechin Amytal
Zinksulfat
/3-Alanin o-Aminobenzoesäure
0,025 183 1 —*
0,050 230 — ; — \
0,075 291 . — ' —·
0,100 330 — . • —
0,125 458 ; ."—
0,150 544 308
0,175 372 —: —'
0,200 230 ' ' .—
0,250 224 263 185 469 210
0,500 — " 277 221 560 329
0,750 ..' .'— . · ' 294 228 702 311
1,00 ..— 396 291 552 -.: 258
1,25 . — 412 301 439 255
1,50 — , ' 382 206 437 212
1,75 — ' · 250 174 124 157
473 500 610
Ohne Zusatz (Kontrolle)
Tabelle 2: Förderung der Nourseothricin-Bildung in Schüttelkulturen des Stammes Streptomyces noursei IMET JA 3890b durch Zusätze von Natriumazid, Brenzkatechin, Zinksulfat bzw. o-Aminobenzoesäure; Medium Bo-31
Konzentration
Zusatzes (m M)
μg/ml Nourseothricin
Natriumazid
Brenzkatechin
Zinksulfat
o-Aminobenzoesäure
961 1135 1426 1891 1085
657
949 1401 1984 1166
986 , 868
713
887 1711 1934 2158 2585 2604 2108 781
1934 1662 1612
Ohne Zusatz (Kontrolle)
620
Tabelle 3: Förderung der Nourseothricin-Bildung in Kleinfermenterkulturen des Stammes Streptomyces noursei IMET JA 3890bdurch Zusätze von Natriumazid, Brenzkatechin bzw. Zinksulfat; Medien Bo-30 und Bo-31
Konzentration fig/ml Nourseothricin . ' . ' '. ; ' " . - ^g/ml Nourseothricin 48h 72 h 96h 120 h 144h
des Zusatzes Medium Bo-30 MediumBo-31 f: ; ;V ;. Kulturdauer: 24 h 210 990 2377 4876 5020 200 530 760 , 865 , 850
0,125 mM Natriumazid 0,500 mM Brenzkatechin 1,250 mM Brenzkatechin 0,75OmM Zinksulfat 420 396 445 : 1835 - ·· '.. . ...·· ::". ' -. -: "-^ '- : : 1690.. ..- '. '[ [ ' r' ;/ ;· ;... ;':..;; ' '' -1860 . . ·. . ;·:· , ; .' ' . -'. .'.;' ' . '.' 56 .: . ..' .. ; 65
Ohne Zusatz (Kontrolle) 98 790. ' ' ' '' ' "': - ·.. " ' ;
Tabelle 4: Förderung der Nourseothricin-Bildung in Fermenterkulturen des Stammes Streptomyces hoursei IMET JA 3890b durch Zusatz von Zinksulfat; Medium Bo-32
Konzentration
des Zusatzes
0,048%Zinksulfat Ohne Zusatz (Kontrolle)

Claims (1)

  1. -1- 223
    Erfindungsanspruch:
    Verfahren zur Herstellung eines Antibiotikums der Streptothricin-Gruppe durch Züchtung eines Npurseothricin-bildenden Streptomycetenstammes unter submersen aeroben Kulturbedingungen in einem geeignete Kohlenstoff- und StickstpffqueHen sowie ausreichende Konzentrationen an Mineralsalzen enthaltenden flüssigen Nährmedium, gekennzeichnet dadurch, daß dem Nährmedium Hemmstoffe der Atmungskette vom Typ der Alkaliazide, des Brenzkatechins und/oder des Amytals (Äthylisoamylbarbitursäure) und/oder Hemmstoffe des Aminosäuretransports in der lebenden Zelle vom Typ wasserlöslicher Zinksalze und/oder /3-Alanin einzeln oder im Gemisch in fester oder flüssiger Form zugesetzt werden, und daß der Zeitpunkt des ein- oder mehrmaligen oder kontinuierlichen Zusatzes vor der Sterilisation des Nährmediums beziehungsweise vor oder nach der Beimpfung desselben, spätestens aber noch während der exponentiellen Wachstumsphase der Kultur liegt.
    Hierzu 4 Seiten Tabellen
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