DD231482B5 - Mittel zur bekaempfung phytopathogener mikroorganismen - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft Mittel, die Elicitoren in Kombination mit Fungiziden als Wirkstoffe enthalten sowie ihre Anwendung zur Bekämpfung phytopathogener Mikroorganismen an landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturpflanzen sowie in der Forstwirtschaft.
Bisher kommt neben züchterischen Maßnahmen dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eine entscheidende Bedeutung zur Ausschöpfung des Ertragspotentials von Kulturpflanzen zu.
Zur Bekämpfung von Mykosen und Bakteriosen hat momentan der Einsatz von Fungiziden und Bakteriziden den absoluten Vorrang. Ihr Einsatz bedeutet aber nicht nur einen radikalen Eingriff in die Schaderregerpopulation, sondern es gelangen in zunehmendem Maße chemische Substanzen in die Umwelt mit allen bekannten Nachteilen. Es ergaben sich vor allem Probleme bezüglich möglicher Rückstände im Erntegut bzw. in der Umwelt. Die Möglichkeit des Einsatzes von Elicitoren zur Erhöhung des Resistenzniveaus von Kulturpflanzen ist bekannt. Elicitoren können aus verschiedenen Pilzen, wie z. B. gewissen Hefen, gewonnen werden. Der Nachteil dieser Elicitoren zur Induzierung eines höheren Resistenzniveaus von Kulturpflanzen besteht vor allem darin, daß sie bis jetzt zu keinen praktikablen und ökonomisch vertretbaren Pflanzenschutzverfahren geführt haben. Lit.: Albersheim, P., et al., J. supramol. Structure 6, 599-616 (1977); West, A., Naturwissenschaften 68,447-457 (1981).
Ziel der Erfindung
Ziel der Erfindung ist es, neue Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung phytopathogener Mikroorganismen mit verbesserten Gebrauchseigenschaften zu entwickeln, die ein praktikables und ökonomisch vertretbares Pflanzenschutzverfahren durch den Einsatz von Elicitoren ermöglichen, das zu einer Stabilisierung des Ertragspotentials und zu einer Reduzierung der Anwendung von Fungiziden und Bakteriziden führt.
Die technische Aufgabe, die durch die Erfindung gelöst wird, besteht darin, Anwendungsformen für elicitorhaltige Extrakte und elicitorangereicherte Trockenmasse bzw. Kombinationen zu finden, die verbesserte Gebrauchseigenschaften zur Bekämpfung phytopathogener Pilze und Bakterien bei verringerter Umweltbelastung aufweisen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß in dem neuen Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung phytopathogener Mikroorganismen neben den üblichen Hilfsstoffen als Wirkstoffe gleichzeitig elicitorhaltige Extrakte bzw. elicitorangereicherte Trockenmassen, hergestellt aus Hefen, sowie Fungizide und/oder Bakterizide zur Anwendung kommen. Die Herstellung der elicitorhaltigen Extrakte aus Hefen, vorzugsweise aus Brauerei- bzw. Bäckerhefe (Saccharomyces cerevisiae Meyen ex Hansen), aber auch aus anderen Hefearten, wie z.B. Candida spec, Lodderomyces spec, u.a., erfolgt nach an sich bekannten Methoden.
Unter anderen dienen zur Herstellung von elicitorhaltigen Extrakten aus Brauereihefe als Ausgangsmaterial Brauhefechargen, die nach mehrfacher Nutzung aus dem Bierbereitungsprozeß ausscheiden. Eine gebräuchliche Möglichkeit der Gewinnung von Elicitoren aus Hefen besteht im Autoklavieren oder Kochen der Hefen in wäßriger Aufschlämmung und anschließendem Abzentrifugieren oder Abfiltern der ungelösten Rückstände, die als Futtermittel genutzt werden können. Dieser Vorgang kann mit den Rückstand im Bedarfsfalle ein-oder mehrmals wiederholt werden. Das Filtratwird dann zur Trockne gebracht und als elicitorangereicherte Trockenmasse zur Weiterverarbeitung verwendet. Die Gewinnung der Elicitoren aus Hefe kann weiterhin z.B. durch Extraktion mit organischen Lösungsmitteln wie z.B. Chloroform/Methanol erfolgen. Nach der Entfernung der Lösungsmittel durch Destillation ist der Extrakt als elicitorangereicherte Trockenmasse zur Herstellung von Pflanzenschutzmittelformulierungen verwendbar.
Es wurde gefunden, daß die erfindungsgemäßen Kombinationen unerwartet eine bedeutend bessere Wirksamkeit besitzen als das bei der Summierung der Wirkungen der Einzelkomponenten nachweisbar ist. Der Effekt dieser erfindungsgemäßen Kombinationen kann dann erreicht werden, wenn die Anwendung im Verhältnis elicitorhaltiger Extrakt bzw. elicitorangereicherte Trockenmasse:Fungizid und/oder Bakterizid von 1:1 bis 1:250 erfolgt.
Aufgrund der erheblichen Wirkungssteigerung durch die Kombination besteht die Möglichkeit, ohne Wirkungsabfall die herkömmlich eingesetzte Fungizid- bzw. Bakterizidmenge zu verringern und dadurch die Umweltbelastung herabzusetzen.
Weiterhin ergibt sich durch dieses Prinzip der Kombination von Elicitoren mit Fungiziden und Bakteriziden eine Verringerung der Gefahr der Entwicklung von Resistenz der phytopathogenen Mikroorganismen gegen herkömmliche Fungizide sowie Bakterizide. Es wurde festgestellt, daß neben verschiedenartigen Fungiziden als Kombination vorrangig die Bakterizide Bronopol (2-Bromo-2-nitropropan-1,3-diol) und Chloramphenicol den vorteilhaften Effekt ergeben (z. B. bei der Pflanzgutbehandlung). Die zur Anwendung kommenden Fungizide, mit denen in den erfindungsgemäßen Kombinationen mehr als additive Wirkungen erreicht werden, sind in der Tabelle 1 aufgeführt.
Fungizide als Kombinationspartner
Lfd.-Nr. Wirkstoff
Kurzbezeichnung/chemische Bezeichnung
1 Aluminiumfosetyl/Aluminium-tris-(O-ethylphosphonat)
2 Benomyl/Methyl-i-fbutylcarbamoyO^-benzimidazolcarbamat
3 Bitertanol/ß-((1,1-Biphenyl)-4-yl-oxy)-a-(1,2-dimethyl)-1H-1,2,4-triazol-1-ethanol
4 Bupirimat^-Ethylamino-S-butyl-e-methyl^-yl-dimethylsulfamat
5 Captan/N-ITrichlormethylthiobtetrahydrophthalimid
6 Carbendazim^-IMethoxy-carbonylaminol-benzimidazol
7 Chinomethionat/e-Methyl^^-chinoxalindithiolcyclocarbonat
8 Curzate/1 -(2-Cyano-2-methoxyiminoacetyl)-3-ethylharnstoff
9 Dichlofluanid/N.N-Dimethyl-N'-phenyl-IN'-fluordichlormethylthiol-sulfamid
10 Fenarimol/2,4'-Dichlor-a-(pyrimidin-5-yl)-diphenylmethanol
11 Fenpropimorph/4-(3-(4-(1,1-Dimethyl-ethyl)phenyl)-2-methyl)-propyl-2,6(cis)-dimethyl-morpholin
12 Fentin-acetat/Triphenylzinnacetat
13 Fentinhydroxid/Triphenyl-zinn-hydrocid
14 Ferbam/Eisendimethyldithiocarbamat
15 Folpet/N-Trichlormethylthiophthalimid
16 Kupferoxidchlorid/Di-Kupferchlorid-trihydroxid
17 Mancozeb/Mangan-Zink-ethylendiamin-bis-dithiocarbamat
18 Maneb/Mangan-ethylen-1,2-bis-dithiocarbamat
19 Metalaxyl/D,L-N-(2,6-Dimethyl-phenyl)-N-(2'-methoxyacetyl)-alaninmethylester
20 Methyl-metiram/Trisfamminzink-propylen-i^-bisfdithiocarbamatD-S-methyl-tetrahydro-i^^^-dithiadiazocin-3,8-dithion,polymer
21 Metiram/Trislamminzink-ethylenbisldithiocarbamatJJ-tetrahydro-i^^^-dithiadiazocin-S^-dithion,polymer
22 Nuarimol/2-Chlor-4'-fluor-a-(pyrimidin-5-yl)-diphenylmethanol
23 Propiconazol/1 -(2-(2,4-Dichlorphenyl)-4-propyl-1,3-dioxolan-2-yl-methyl)-1 H-1,2,4-triazol
24 Propineb/Zink-(N,N'-propylen-1,2-bis(dithiocarbamat)
25 Schwefel/
26 Thiabendazol/2-(4-thiazolyl)-benzimidazol
27 Thiophanat/1,2-bis-(3-Ethoxycarbonyl-2-thioureido)-benzol
28 Thiophanat-Methyl/1,2bis-(3-Methoxycarbonyl-2-thioureido)-benzol
29 Thiram/Tetramethyl-thiuram-disulfid
30 Triadimefon/1 -(4-Chlor-phenoxy)-3,3-dimethyl-1 -(1,2,4-triazol-1 -yl)-2-butanon
31 Zineb/Zink-ethylenbisidithiocarbamat)
32 Ziram/Zink-dimethyldithiocarbamat
Die erfindungsgemäßen Kombinationen werden mit den üblichen Träger- und Zusatzstoffen in eine für die Anwendung geeignete Form gebracht. Den erfindungsgemäßen Kombinationen können weiterhin Zusätze von Herbiziden, Viriziden, Insektiziden, Mineralstoffen, Spurenelementen sowie Mittel zur Steuerung biologischer Prozesse beigemischt werden, durch die ihr Verwendungszweck zur Pflanzenhygiene und Pflanzenpflege erweitert wird.
Die Applikation der vorzugsweise wäßrigen Spritzbrühen kann mit einer Vielzahl von Techniken als Blatt- bzw. Pflanzgutbehandlung erfolgen.
Ausführungsbeispiele
Es wurde festgestellt, daß verschiedene Formulierungstypen (Spritzpulver, Stäube, Lösungen, Suspensionen, emulgierbare Konzentrate usw.) zur Anwendung kommen können und den vorteilhaften Effekt ergeben. Diese Formulierungen enthalten je nach Typ Elicitorextrakt allein oder in Kombination mit einem Fungizid und/oder Bakterizid, einen oder mehrere inerte Träger (z. B. Kaolin, Glimmer, Bentonit, Sepiolit, Diatomeenerde, synthetische Kieselsäure usw.), Netz-, Dispergier- oder Emulgiermittel (z. B. Ligninsulfonate, Dinaphthalmethandisulfonate, Polyvinylsulfonate, Alkylphenylpolyglykolether, Alkylsuccinate, Natriumsulfit, Alkylbenzolsulfonate usw.), Haftmittel (z.B. Polyvinylalkohole, pflanzliche und tierische Wachse, Albumine, Dextrine, Gummi arabicum, natürliche und synthetische Harze usw.), Lösungsmittel (z.B. DMSO, DMF, HMPT, Triazetin, Propylenglykol usw.), Öle (mineralische undTriglyceride) und bei Bedarf Antiballungsmittel.
Speziell für die Herstellung von Spritzpulvern oder Stäuben können Mahlhilfsmittel neben anderen Trägern notwendig sein, wobei dann inerte Substanzen wie Kreidepulver, Quarzmehl, Tonerden, natürliche Silikate oder Salze wie Natriumsulfat, Natriumbicarbonat, Natriumphosphat, Natriumthiosulfat und Natriumcarbonat zur Anwendung kommen.
Erfindungsgemäße Mittel wurden zur Ermittlung ihrer Wirksamkeit nach folgenden Rezepturen formuliert:
Rezepturl:
80Gew.-% elicitorhaltige Trockenmasse
14 Gew.-% Kaolin 3Gew.-% Sulfitablaugepulver
3 Gew.-% ethoxylierter Alkylphenylpolyglykolether
Rezeptur II:
4Gew.-% elicitorhaltige Trockenmasse 68Gew.-% Fungizid nach Tabelle 1 22Gew.-% synthetisc he Kieselsäure 3 Gew.-% Ca-Dodecylbenzolsulfonat 3 Gew.-% ethoxylierter Alkylphenylpolyglykolether
Rezeptur III:
25 Gew.-% elicitorhaltige Trockenmasse 25 Gew.-% Bakterizid
40 Gew.-% Kaolin
5Gew.-% Sulfitablaugepulver
5 Gew.-% ethoxylierter Alkylphenylpolyglykolether
Rezeptur IV:
15 Gew.-% elicitorhaltige Trockenmasse 25Gew.-% Fungizid nach Tabelle 1 15Gew.-% Bakterizid 35 Gew.-% Kaolin
5Gew.-% Sulfitablaugepulver
5 Gew.-% ethoxylierter Alkylphenylpolyglykolether
Rezeptur V:
94Gew.-% elicitorhaltiger Extrakt 3 Gew.-% Ca-Dodecylbenzolsulfonat 3 Gew.-% ethoxylierter Alkylphenylpolyglykolether
Die Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Mittel, die als Wirkstoffe elicitorhaltige Extrakte oder elicitorangereicherte Trockenmassen aus Hefen sowie Fungizide und/oder Bakterizide enthalten, soll durch folgendes Beispiel näher erläutert werden. Zur Beurteilung der Wirkung wurden die erfindungsgemäßen Mittel gegen den Erreger der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) an Kartoffeln eingesetzt.
Für diese Untersuchungen erfolgte die Herstellung des elicitorhaltigen Extrakts aus Althefe (Saccharomyces cerevisiae), die einem Nachgärungstank einer Brauerei entnommen wurde.
Die Althefe wurde mit Wasser im Verhältnis 1:1 gemischt und 30 Minuten bei 1200C autoklaviert. Anschließend wurden die festen Rückstände durch Zentrifugieren abgetrennt, erneut 30 Minuten mit Wasser autoklaviert, bis dieser Vorgang insgesamt 5mal wiederholt wurde. Die vereinigten Überstände wurden zur Trockne eingedampft. Die Herstellung des erfindungsgemäßen Mittels erfolgt nach dem Beispiel der Rezeptur Il unter Verwendung des fungiziden Wirkstoffs Zineb.
Das erfindungsgemäße Mittel wurde an der Kartoffelsorte 'Libelle' unter Praxisbedingungen eingesetzt. Während der Vegetationsperiode kamen die elicitorangereicherte Trockenmasse und das Fungizid Zineb im Verhältnis 1:17 zur Anwendung.
D ie Bestimmung der Wirksamkeit des erfindungsgemäßen Mittels erfolgte nach Blattentnahme mittels der Fiederblattmethode (CREUZBURG-EGGERT u. a„ 1972). Aus der Tabelle 2 ist die vorteilhafte Wirkung des erfindungsgemäßen Mittels gegenüber den Einzelkomponenten zu entnehmen.
Wirksamkeit des erfindungsgemäßen Mittels (elicitorangereicherte Trockenmasse + Zineb) ermittelt nach der Fiederblattmethode
| Tage | unbeh. | Infektionsrate/Wirkungsgrad | % | erfindungs- |
| nach | Kontr. | % | Zineb | gem. Mittel |
| Beginn | - | elicitor- | 5,72 kg/ha11 | |
| der1. | 30,8/- | halt.Extr. | 5,40 kg/ha11 | 12,3/60,1 |
| Behandl. | 55,8/- | 0,32 kg/ha11 | 16,0/48,1 | 11,7/79,0 |
| 4 | 46,8/- | 28,6/7,1 | 24,2/56,6 | 5,5/88,2 |
| 7 | 77,6/- | 46,8/16,1 | 14,6/68,8 | 0/100 |
| 14 | 75,0/- | 39,8/15,0 | 26,0/66,5 | 0/100 |
| 21 | 88,6/- | 44,2/43,0 | 33,0/56,0 | 25,9/70,8 |
| 28 | 49,0/34,7 | 50,0/43,6 | ||
| 35 | 83,8/5,4 | |||
1 bezogen auf eingesetzte Wirkstoffmenge.
Claims (2)
1. Mittel zur Bekämpfung phytopathogener Mikroorganismen, gekennzeichnet dadurch, daß neben üblichen Formulierungshilfsstoffen als Wirkstoffe elicitorhaltige Extrakte oder elicitorangereicherte Trockenmassen, hergestellt aus Hefen, sowie Fungizide und/oder Bakterizide enthalten sind.
2. Mittel nach Punkt 1, gekennzeichnet dadurch, daß das Mischungsverhältnis zwischen den elicitorhaltigen Extrakten sowie der Fungizid- und/oder Bakterizidkomponente 1:1 bis 1:250 zur Blatt- oder Pflanzgutbehandlung beträgt.
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| DD27095484A DD231482B5 (de) | 1984-12-17 | 1984-12-17 | Mittel zur bekaempfung phytopathogener mikroorganismen |
Applications Claiming Priority (1)
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| DD231482A1 DD231482A1 (de) | 1986-01-02 |
| DD231482B5 true DD231482B5 (de) | 1993-10-21 |
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Families Citing this family (5)
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- 1984-12-17 DD DD27095484A patent/DD231482B5/de unknown
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Legal Events
| Date | Code | Title | Description |
|---|---|---|---|
| B5 | Patent specification, 2nd publ. accord. to extension act | ||
| RPI | Change in the person, name or address of the patentee (searches according to art. 11 and 12 extension act) | ||
| RPI | Change in the person, name or address of the patentee (searches according to art. 11 and 12 extension act) |