DE10032009A1 - Fahrwerk eines Schienenfahrzeuges - Google Patents
Fahrwerk eines SchienenfahrzeugesInfo
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Abstract
Es wird ein Fahrwerk eines Schienenfahrzeuges mit Queranschlag zwischen Rahmen und Achslagergehäuse (3) vorgeschlagen, bei welchem der Anschlag (25) bogeninnenseitig erfolgt. Der Anschlag (25) kann als steifer Anschlag (25) mit Luft zum Achslagergehäuse (3) oder als elastischer spielfreier Anschlag ausgeführt sein. Vorteilhaft addieren sich nicht die durch Wanken des Rahmens und die durch Gleisbogenfahrt erzeugten Querkräfte.
Description
Die Erfindung bezieht sich auf ein Fahrwerk eines Schienenfahrzeuges gemäß dem
Oberbegriff des Anspruchs 1. Das vorgeschlagene Fahrwerk ist insbesondere bei
Güterwagendrehgestellen einsetzbar.
Bei Güterwagendrehgestellen ist es üblich, daß die Querkräfte, die zwischen dem
Radsatz und dem Rahmen übertragen werden, zum kleineren Teil über die
Steifigkeit der Spiralfedern ("Flexicoilsteifigkeit") und zum größeren Teil über den
Anschlag des Achslagergehäuses zum Rahmen abgesetzt werden. Dabei werden
die Querkräfte von bogenaußen wirkend über das bogenäußere Achslagergehäuse
auf den Rahmen abgesetzt. Das bogeninnere Achslagergehäuse überträgt keine
durch Bogenfahrt hervorgerufenen Querkräfte auf den Anschlag.
Ein gleichzeitiges Anschlagen von bogeninnerem und bogenäußerem
Achslagergehäuse ist praktisch nicht realisierbar, da es dann beim Wanken des
Rahmens zu einem Verklemmen kommen würde. Außerdem würde dies einen
wirtschaftlich nicht vertretbaren erheblichen Mehraufwand bei der mechanischen
Bearbeitung erfordern.
Durch das Anschlagen und Übertragen der Querkräfte nur am bogenäußeren
Achslagergehäuse kommt es zu einer Addition der Beanspruchungen aus dem durch
das Wanken höher belastete bogenäußere Rahmenteil und den über das
Achslagergehäuse zu übertragenden Querkräften. Dies führt zu einer hohen
dynamischen Beanspruchung des Drehgestellrahmens und des bogenäußeren
Achslagergehäuses, was konstruktiv zu entsprechendem Materialaufwand und
Gewicht führt.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein insbesondere für
Güterwagendrehgestelle einsetzbares, verbessertes Fahrwerk mit vermindert
beanspruchtem Drehgestellrahmen und Achslagergehäusen anzugeben.
Diese Aufgabe wird in Verbindung mit den Merkmalen des Oberbegriffes
erfindungsgemäß durch die im Anspruch 1 gekennzeichneten Merkmale gelöst.
Die mit der Erfindung erzielbaren Vorteile bestehen insbesondere darin, daß das
vorgeschlagene Fahrwerk eines Schienenfahrzeuges ein reduziertes Gewicht
aufweist, da sich die Beanspruchungen aus dem Wanken und die Beanspruchungen
aus der Übertragung der Querkräfte nicht mehr addieren und folglich wegen der
verringerten Beanspruchung die Achslagergehäuse und Rahmenteile mit
reduziertem Materialaufwand ausgeführt werden können. Hierdurch ergeben sich
Kostenvorteile. Bei der optionalen Ausbildung des Queranschlag als spielfreier
elastischer Anschlag ergibt sich zudem eine Verbesserung der Fahrstabilität. Ein
weiterer Vorteil ist in der formschlüssigen Einbringung der Querkräfte in den Radsatz
zu sehen.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen
gekennzeichnet.
Weitere Vorteile des vorgeschlagenen Fahrwerks eines Schienenfahrzeuges
ergeben sich aus der nachstehenden Beschreibung.
Die Erfindung wird nachstehend anhand der in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiele näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 eine Seitenansicht eines Abschnitts des Fahrwerks eines
Schienenfahrzeuges mit radial einstellbaren Radsätzen,
Fig. 2 einen seitlichen Schnitt durch einen Abschnitt eines Radsatzes,
Fig. 3 eine Sicht auf ein im Gleisbogen befindliches Schienenfahrzeug.
In Fig. 1 ist eine Seitenansicht eines Abschnitts des vorgeschlagenen Fahrwerks
eines Schienenfahrzeuges mit radial einstellbaren Radsätzen dargestellt. Es ist ein
Laufrad 1 eines Fahrwerks eines Schienenfahrzeuges zu erkennen, dessen Achse 2
in bekannter Weise beidseitig mittels in Achslagergehäusen 3 integrierten
Achslagern gelagert ist. Die Schiene ist mit Ziffer 4 bezeichnet.
Die Primärfederung eines Laufrades 1 erfolgt mittels zweier beidseitig des
Achslagergehäuses 3 angeordneter Spiralfedern 5, 6. Die untere Abstützung der
Spiralfedern 5, 6 erfolgt über eine beidseitig des Achslagergehäuses 3 kragende
Aufnahme 7. Die oberen Enden der Spiralfedern 5 bzw. 6 greifen in Reibkeile 8 bzw.
9 ein bzw. drücken gegen diese Reibkeile, deren geneigte Oberseiten von schiefen
Ebenen 10 bzw. 11 einer Aufnahme 12 des Fahrwerkrahmens bzw.
Drehgestellrahmens abgestützt werden. Die zum Achslagergehäuse 3 gerichteten
Seitenflächen der Reibkeile 8 bzw. 9 sind mit Reibplatten 13 bzw. 14 versehen.
In Fig. 2 ist ein seitlicher Schnitt durch einen Abschnitt eines Radsatzes des
Schienenfahrzeuges dargestellt. Es ist das Laufrad 1 mit Achse 2, Achslager 15,
Achslagergehäuse 3, Aufnahme 7 des Achslagergehäuses und Aufnahme 12 des
Fahrwerkrahmens bzw. Drehgestellrahmens zu erkennen. Die seitliche
Bewegungsmöglichkeit der Radlagerung wird durch einen Anschlag 25 des
Fahrwerkrahmens bzw. Drehgestellrahmens begrenzt.
Wie bereits aus den vorstehenden Erläuterungen hervorgeht, besteht die
Primärfederung des Fahrwerkes des Schienenfahrzeuges aus den beidseitig vom
Achslager 15 bzw. Achslagergehäuse 3 angeordneten Spiralfedern 5, 6. Auf der
oberen Federseite lagern die Reibkeile 8, 9, welche über die schiefen Ebenen 10, 11
der Aufnahme 12 und die Vertikalkraft beidseitig an das Achslagergehäuse 3
gedrückt werden. So entsteht die für die vertikale Reibdämpfung notwendige
Andruckkraft am Achslagergehäuse 3, 15. Die Reibungsdämpfung ergibt sich aus der
Andruckkraft, welche abhängig von der Federbelastung und dem Reibkoeffizient
zwischen der Reibplatte 13, 14 und dem Achslagergehäuse 3 ist. Damit wird die
Reibungsdämpfung entsprechend der Zuladung des Schienenfahrzeuges im
gewünschten Maße proportional erhöht.
Die Querfederung erfolgt über die Flexicoilwirkung der Spiralfedern 5, 6. Die
Bewegung in Querrichtung erfolgt zwischen Achslagergehäuse 3 und dem in der
Aufnahme 12 befindlichen Reibkeil 8, 9. Der Reibkeil 8, 9 ist wiederum gegenüber
dem Fahrwerkrahmen bzw. Drehgestellrahmen des Schienenfahrzeuges in
Querrichtung geführt. Nach Erreichen der maximal zulässigen Querbewegung erfolgt
der Anschlag zwischen Drehgestellrahmen und Achslagergehäuse 3, was
nachfolgend noch im einzelnen behandelt wird. Die Querbewegung wird ebenfalls -
wie die vertikale Bewegung - über die vertikale Reibplatte 13, 14 des Reibkeils 8, 9
zum Achslagergehäuse 3 gedämpft. Auch hier erfolgt im vorgegeben und
gewünschten Maße die Reibdämpfung abhängig von der Zuladung.
Die Anforderung einer radialen Einstellbarkeit wird über die geometrischen
Verhältnisse zwischen Radsatzmitte, Federfußpunkthöhe und Anlagehöhe des
Reibkeils 8, 9 in Verbindung mit der Bewegungsmöglichkeit des Reibkeils 8, 9 in
Längsrichtung realisiert. Durch das konische Radprofil werden im Bogen
Wendekräfte erzeugt, die im Radberührpunkt wirken und als Tx-Kräfte bezeichnet
werden. Diese Tx-Kräfte wirken an einem Radsatz 18, 19 entgegengesetzt und
versuchen, den Radsatz radial einzustellen.
Die radiale Einstellbarkeit des Radsatzes 18 erfolgt in zwei Stufen. In der ersten
Stufe, bei der die Tx-Kräfte kleiner als die auftretende Reibkraft in der x-Richtung
des Reibkeils sind, erfolgt eine Wendebewegung infolge des Abstandes zwischen
Achslagermitte und Reibkeilhöhe. Infolge des durch den Abstand erzeugten
Momentes um die Querachse erfolgt eine Pendelbewegung des Achslagergehäuses
3 um den Abstützpunkt des Reibkeils 8, 9 zum Achslagergehäuse 3. Durch diese
Pendelbewegung, die oberhalb der Achsmitte des Radsatzes 18 erfolgt, wird eine
Längsbewegung in der Ebene der Radsatzdrehmitte bewirkt. Damit können in der
ersten Stufe kleine Lenkbewegungen des Radsatzes 18 realisiert werden, die
insbesondere dazu geeignet sind, Gleislagefehler auszugleichen.
In der zweiten Stufe, bei welcher die Tx-Kräfte größer als die auftretende Reibkraft
sind, erfolgt eine Verschiebung der Reibkeile 8, 9 gegenüber dem Fahrwerkrahmen
bzw. Drehgestellrahmen des Schienenfahrzeuges und damit eine größere
Lenkbewegung des Radsatzes 18. Infolge der nun bewirkten radialen Einstellung
des Radsatzes 18 sinken die Tx-Kräfte und die Lenkbewegung geht in den
Mechanismus der ersten Stufe zurück, in dem nur kleine Korrekturen der
Lenkbewegung bewirkt werden. Durch die über die zweite Stufe erfolgte Bewegung
ergibt sich ein quasi kraftfreier neuer Gleichgewichtszustand im Bogen. Dies ist die
Voraussetzung für den gewünschten niedrigen Verschleiß durch die radiale
Einstellung der Räder des Schienenfahrzeuges.
Gegenüber konventionellen, radial einstellbaren Radsätzen bei Schienenfahrzeugen,
bei denen die Tx-Kräfte während der ganzen Bogenfahrt permanent gegen den
Widerstand der Primärfedersteifigkeit (cx-Steifigkeit) arbeiten, erfolgt ein quasi
kraftfreier, neuer Gleichgewichtszustand.
Eine Reduzierung der Beanspruchungen und damit eine Reduzierung des Gewichts
wird vorteilhaft dadurch erzielt, daß der Queranschlag zwischen Achslagergehäuse
und Rahmen bogeninnenseitig mittels des Anschlags 25 erfolgt. So addiert sich die
Beanspruchung aus dem Wanken nicht mit der Beanspruchung aus der Übertragung
der Querkräfte.
Der Anschlag 25 kann dabei als steifer Anschlag mit Luft zum Achslagergehäuse
ausgeführt werden.
Eine Reduzierung der Querkräfte und eine Erhöhung der Laufstabilität wird durch die
Ausbildung des Anschlages 25 als elastischer Anschlag erreicht. Dabei ist der
Anschlag 25 aus Federstahl oder glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) ausgebildet.
Der Anschlag 25 wird zweckmäßig mittels Nieten oder Schraubverbindungen mit
dem Drehgestellrahmen verbunden.
Ein Vorteil dieser Konstruktionsart ist es, daß der Anschlag 25 bei Verschleiß oder
bei Ersatz durch einen Anschlag anderer Steifigkeit oder bei Ersatz durch einen
Anschlag mit einem anderen freien Querspiel in einfacher und rascher Weise
austauschbar ist.
Ebenfalls vorteilhaft ist die Kraftübertragung in die Radsatzwelle über Formschluß
der Lager am Sitz der Radsatzwelle. Bei der konventionellen (bekannten)
Ausführungsform mit Queranschlag innen (der Anschlag ist zwischen Laufrad und
Achslagergehäuse angeordnet) wird die Querkraft über die verschraubte
Lagerdruckkappe und die Verschraubung in die Radsatzwelle eingeleitet. Diese
konventionelle Ausführungsform birgt das Risiko, daß durch Schraubenbruch oder
unsachgemäßes Anziehen der Schrauben die Kraftführung unterbrochen wird.
Dieses Risiko ist bei der erfindungsgemäßen Ausführungsform mit Queranschlag
außen vorteilhaft nicht mehr gegeben.
In Fig. 3 ist zur weiteren Verdeutlichung der Erfindung eine Sicht auf ein in einem
Gleisbogen 26 befindliches Schienenfahrzeug - einen Güterwagen 27 - dargestellt.
Es sind die Drehgestelle 28 mit Drehzapfen 29, Achsen 2, Laufrädern 1 und
bogeninneren Achslagergehäusen 30 sowie bogenäußeren Achslagergehäusen 31
schematisch gezeigt. Erfindungsgemäß werden die bei Bogenfahrt auftretenden
Querkräfte durch die bogeninneren Achslagergehäuse 30 bzw. die dort wirkenden
Anschläge 25 aufgenommen.
1
Laufrad
2
Achse
3
Achslagergehäuse
4
Schiene
5
Spiralfeder
6
Spiralfeder
7
Aufnahme des Achslagergehäuses
8
Reibkeil
9
Reibkeil
10
schiefe Ebene
11
schiefe Ebene
12
Drehgestellrahmen
13
Reibplatte
14
Reibplatte
15
Achslager
18
Radsatz
25
Anschlag
26
Gleisbogen
27
Güterwagen
28
Drehgestell
29
Drehzapfen
30
bogeninneres Achslagergehäuse
31
bogenäußeres Achslagergehäuse
Claims (7)
1. Fahrwerk eines Schienenfahrzeuges mit Queranschlag zwischen Rahmen
und Achslagergehäuse (3), dadurch gekennzeichnet, daß der Anschlag (25)
bogeninnenseitig erfolgt.
2. Fahrwerk nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der
Queranschlag als steifer Anschlag (25) mit Luft zum Achslagergehäuse (3)
ausgeführt ist.
3. Fahrwerk nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der
Queranschlag als elastischer Anschlag (25) ausgeführt ist.
4. Fahrwerk nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß der Anschlag (25) aus Federstahl ausgebildet ist.
5. Fahrwerk nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
der Anschlag (25) aus glasfaserverstärktem Kunststoff ausgebildet ist.
6. Fahrwerk nach einem der vorstehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch
einen Anschlag (25) zwischen Achslagergehäuse (3) und Fahrwerkrahmen.
7. Fahrwerk nach einem der Ansprüche 1 bis 5, gekennzeichnet durch einen
Anschlag (25) zwischen Achslagergehäuse (3) und Drehgestellrahmen.
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