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Baßmechanik für Handharmoniken Die Erfindung geht aus von einer Baßmechanik
für Handharmoniken, bei der mit Stiften versehene Übertragungswellen auf Koppelungs-
und, bei entsprechender Umschaltung, auch auf Einzeltonschieber wirken, durch welche
die Tonklappen geöffnet werden. Ziel der Erfindung ist es, eine Baßmechanik für
Handharmoniken zu schaffen, mittels welcher eine solche in der Art des bekannten
Akkordeons für mehrere Spielarten auf der Baßseite und unter Anwendung völlig verschiedenartiger
Griffsysteme als Mehrzweckinstrument auswertbar wird.
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Bekannt und gebräuchlich sind bisher Baßmechaniken für den ausschließlichen
Zweck, eine Grifftechnik nach einer bestimmten und nicht weiter umwandelbaren Spielgriffweise
auf die Tonklappen zu übertragen, wie das allgemein beim Akkordeon bekannt ist.
Dabei ist der Zweck darauf gerichtet, mittels Betätigung einer einzigen Taste mehrere
Töne gleichzeitig zu einem fertigen Akkordklang zu verkoppeln. Nach diesem Charakteristikum
trägt das Instrument auch seinen Namen als Akkordeon und wird die Mechanik allgemein
als Koppelungsmechanik bezeichnet.
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Die vorliegende Erfindung hat ein ganz neuartiges Zweck- und Funktionsprinzip
zur Grundlage: nämlich darauf gerichtet, das bei allen Akkordeons gleichartig vorhandene
Tonmaterial unverändert in seinem Bestand! zu viel weitgehenderer musikalischer
Auswertbarkeit nutzbar zu machen, als dies bisher möglich war; nämlich nicht nur
gekoppelte Akkordklänge in unveränderlicher Art zu bewirken, sondern darüber hinaus
die starre Koppelung auch auflösbar und den gesamten Tonbereich als Einzeltöne spielbar
zu machen; und zwar dies nicht nur behelfsmäßig in willkürl,ich entstehender und
daher grifftechnisch und musikalisch unbrauchbarer Folge, sondern nach jeder beliebigen,
aber in sich völlig systematischen Griffordnung und unter völlig unveränderter Beibehaltung
der Akkordeon-Baßtastatur.
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Dies wird erreicht durch die nachstehend beschriebene Kombinationsmechanik,
welche umschaltbar ist. Sie vereinigt also eine Funktionsfähigkeit für zwei grundverschiedene
Griff- und Spielprinzipien in sich, auf welche nach Wunsch und Belieben umgeschaltet
werden kann.
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Soweit Versuche im ähnlichen Zwecksinne unternommen und bekannt wurden,
blieben solche ausschließlich auf eine Gewinnung außerhalb jeder brauchbaren Griffsystematik
liegender Behelfseinzeltöne beschränkt, wozu außer den normalen noch zusätzliche
Tastenreihen angeordnet wurden, deren Anwendung sich sowohl grifftechnisch wie musikalisch
als unmöglich erwies. Die Unbrauchbarkeit solcher und ähnlicher Lösungsversuche
war von vornherein bestimmt durch. die Halbheit des angestrebten Zieles, Akkorde
nur in sich willkürlich ergebende Tonbestandteile aufzulösen, ohne die systematische
Folge derselben nur anzustreben, geschweige denn zu einem grifftechnisch möglichen
und sinnvollen System durchzuführen. Die Unmöglichkeit einer brauchbaren Lösung
ist durch die beim Normalakkordeon vorliegende C)uintenschritt-Tcnfolge auf der
Baßseite bedingt, deren Umwandlung in die natürliche Ganztonfolge bisher weder angestrebt
wurde noch durch die unternommenen Versuche erreicht werden konnte. Soweit überhaupt
bekanntgeworden, unterscheidet sich die vorliegende Erfindung grundsätzlich von
allem Bisherigen sowohl in der Zielsetzung wie in der Durchführung.
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Die, Hauptbestandteile jeder Baßmechanik bilden bekanntlich die Übertragungswellen,
verschiedentlich auch als Walzen bezeichnet, welche die Aufgabe haben, den. Tastendruck
auf eine oder mehrere Tonklappen zu übertragen, welche an ganz anderer Stelle placiert
liegen als die: Tasten.
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Die: Wellen sind mit Stiften besetzt, mittels welcher die- waagerecht
laufenden Schieber bewegt werden, die ihrerseits auf die hinter ihren Winkelendnasen
stehenden Klappenhebel drücken und somit die Tonklappen öffnen.
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Gegenüber bisher 24 solcher Wellen kommen bei der vorliegenden Komb-inationstechniik
deren 48 Stück zur Verwendung, welche in zwei Lagen von je 24 Stück übereinander
angeordnet sind. Die untere Gruppe bewirkt das Zustandekommen sämtlicher Grundbässe
in mehroktaviger Mehrtönigkeit, während durch die obere Gruppe die Bildung sämtlicher
Akkorde und deren Zerlegung in Einzeltöne bewirkt wird. Um dies zu ermöglichen,
bedarf es einer neuartigen Ausbildung der Klappenhebel, welche eine Umschaltbarkeit
durchführen lassen. Hierzu können die Klappenhehel nicht, wie bisher üblich, von
den ihnen zugehörigen Schiebern direkt bewegt werden, sondern es kommt jeweils ein
Zwillingshebelpaar zur Anwendung, von denen der
eine, auf gemeinsamer
Achse gelagert, jedoch darauf auch seitlich verschiebbar ist, während der andere,
als unmittelbar mit der Klappe verbunden, unverrückbar bleibt. Gleich=zeitig sind
beide mittels eines Stiftes, der in eine Lochpassung des Zwillingshebels eingreift,
miteinander gekoppelt, so, daß der verschiebbare den feststehenden im Drehsinn der
gemeinsamen Achse mitbewegt. In der weiteren Beschreibung wird dez feststehende
als Standhebel und der andere, als Verschiebehebel bezeichnet.
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Die zweite Voraussetzung zur Umschaltbarkeit im Sinne vorliegender
Erfindung liegt in der ebenfalls andersartigen als bisherigen Anordnung der Schieber.
jeweils zwei solcher, in Führungsschlitzen des Mechanikenrahmens 7 bis 8 mm nebeneinanderliegend,wirken
auf ein und denselben Verschiebehebel, welcher, wie bereits ausgeführt, in Angriffsstellung
vor die Endwinkel des eineu oder anderen Schiebers seitlich verschoben wird.
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Die gleichbleibende Lage der Schieber ist so getroffen, daß alle nach,
rechts abgewinkelten das Akkordkoppelungssystem erfassen, während alle nach links
abgewinkelten die Auflösung desselben bewirken und die Einzeltenübertragung jedes
beliebigen Griffsystems ermöglichen. je nach der Art eines solchen erhalten die
Einzelbaßschieber ihre Angriffsnasen zu den Wellenstiften an der erforderlichen
Stelle, um jeden beliebigen Einzelton von der Taste her auf die betreffende Tonklappe
zu übertragen.
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Durch diese: beiden Konstruktionsvoraussetzungen ist das Problem derUmschaltbarkeit
der Baßmechanik, und zwar unabhängig von der Anordnung des Stimmenmateria.ls wie
auch der Grifftastatur, vollkommen gelöst. Ein weiteres Merkmal, wodurch sich dies
--\lechanikenprinzip von allen bisherigen unterscheidet, liegt darin, daß hierbei
eine neuartige und .Iitnehmerstifte sparende Gruppierung der Übertragungsschieber
durchführbar wird, ohne andere, Komplizierungen durch besondere Kröpfung der Wellenstifte
in Kauf nehmen zu müssen. Entgegen der bisherigen Anordnung, wonach Dur- und Septimenakkordschieber
im gleichen Führungsschlitz übereinandergelegt werden müssen, werden nach vorliegender
Konstruktion sämtlichen Durakkorden die gleichnamigen Mollakkorde, und den Septimen
die verminderten Septimenakkordschieber zugeordnet. Daraus ergeben sich zwei wichtige
Vorteile, indem erstens keine sich gegenseitig behindernde Englage von Wellen- und
Mitneh.merstiften auftreten kann und zweitens eine gleichbleibend gerade Gestaltung
sämtlicher Tastenschieber erreicht wird, ohne deswegen die Wellenstifte entsprechend
herankröpfen zu müssen. Die Tastenschieber verlaufen infolgedessen fluchtgerade
zur Taste und können zusammen. ein Ganzes bilden, ohne sie durch eine wackelige
Drahtverbindung koppeln zu müssen, wodurch zudem toter Gang und besondere Richtarbeit
entsteht.
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Ausgehend von der Mensur des Stimmenmaterials und damit der Stimmstöcke,
sind. alle Teilungsverhältnisse aufeinander abgestimmt. Der dementsprechenden Teilung
der Resonanzbodenbohrungen ist der Teilungsabstand der Klappenhebel angepaßt und
wiederum davon abhängig die Teilung der Führungsschlitze des Rahmens, in denen die
Schieber laufen. Entsprechend einer griffgerechten Normalteilung von 16-mm-Tastenabstand
ergibt sich für die Schieber ein solcher von 8 mm und paßt nach der vorbeschriebenen
Gruppierung genau zu derselben in der Baßgriffplatte für die Tasten, welche ja in
Reihen, auf Lücke versetzt, untereinanderstehen. Eine weitere Verbesserung .gegenüber
dem bisherigen Stand bilden die aus Leichtmetall bestehenden Übertragungswellen,
deren Stifte auf Nietabsatz abgedreht sind. Somit zwischen Absatz und Kopf absolut
unverrückbar eingenietet, ist jede Lockerung, Verdrehung oder Herausfallen ausgeschlossen,
wie das häufig bei den üblich nur eingedrückten oder einseitig gelöteten Stiften
in Eisen- oder Messingwellen auftritt. Außerdem aber wird das Gesamtgewicht aller
48 N@Teillen noch erheblich niedriger als dasselbe von nur 24 solcher aus Eisen
oder Messing.
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Schließlich ist bei vorliegender Mechanik auch Bedacht genommen auf
eine anpassungsfähige Gängigkeit der Tastatur. Bei der Schaltung auf Koppelungs-@ystem
wirken bekanntlich jeweils drei oder vier Klappenhebelfedern dem Tastendruck entgegen,
demgemäß die Gangart viel schwerer ist als bei Umschaltung auf Einzeltonsystem,
«-o, nur eine Klappenfeder wirksam ist. Die Federstärke kann also auf das günstigste
Maß entsprechend dem Koppelungssystem bemessen werden. Um auch für Einzeiltonspie:l
gleichbleibende Gängigkeit zu gewährleisten, tritt mit der Umschaltung eine generelle
Zusatzfederung in Wirksamkeit. Dafür ist folgende Anordnung getroffen: Die Tonklappenschließfedern
werden durch einen sich über sämtliche Klappenhebel erstreckenden Bügel ergänzt,
welcher unter eigener Federspannung steht und mit dem Umschaltmechanismus gekoppelt
ist. Während sich dieser bei der Schaltung auf Einzelton an die Klappenhebel automatisch
anlegt und somit den Federdruck von der einzeln betätigten Klappe verstärkt, hebt
er sich mit weiterer Umschaltung ebenso wieder ab, so daß die Eigenfederung mehrerer
Tonklappen allein wieder wirksam ist.
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Diese Zusatzfederung ist außerdem durch Schraubjustierung einstellbar,
so daß die Tastaturgängigkeit individuell und unabhängig vom Klappenschließdruck
der Anschlagstechnik des Spielers genau angepaßt werden kann. Dies ist von eminenter
Bedeutung für das erreichbare Optimum an Fingerfertigkeit und effektvollster Spielltechnik,
besonders zu schnellen Passagen und Ansch:lagsarten.
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Der umfassende Fortschritt dieser Erfindung liegt darin, daß mit dieser
Mechanik nicht nur ein musikalisch vollkommenes Spezialinstrument zur Entstehung
kommt, ohne aber damit grundlegend entscheidende Vorzüge, die dem Normalakkordeon
zu eigen sind, einschränken oder aufgeben zu müssen. Die Umschaltbarkeit der Kombinationsmechanik
macht das Akkordeon zum vollendeten Mehrzweckinstrument unter voller Erhaltung aller
seiner Vorzüge und charakteristischen Klangmerkmale, verleiht ihm aber darüber hinaus
die restlos musikalische Vollkommenheit und Gleichrangigkeit mit jedem anderen Kunstinstrument.
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Es ist damit die Aufgabe gelöst, ein und dasselbe, vom Akkordeon her
gewohnte Griffeld zu polyphoner Auswertung nutzbar zu machen und damit aus seiner
bisherigen Sackgassenentwicklung auf Grund der unbrauchbaren Quintentonfolge in
den Bässen herauszukommen und diese in die natürliche Ganztonfolge umzuwandeln,
ohne etwas am Instrument zu ändern, gleichzeitig aber auch jede Eigenart des Gewohnten
durch einfache Umschaltung voll zu erhalten.