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Die Erfindung betrifft ein Verfahren
zum Strukturieren einer Druckformoberfläche, welche ein hydrophilierbares
Polymer aufweist, in hydrophile und hydrophobe Bereiche. Des weiteren
betrifft die Erfindung eine Einrichtung zum Strukturieren einer Druckformoberfläche, welche
ein hydrophilierbares Polymer aufweist, mit einer Energiequelle
und einer Steuerungseinheit.
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Druckformen werden in Druckwerken
von Druckmaschinen eingesetzt, um ein vorgegebenes Druckmuster,
ein vorgegebenes Sujet oder Bild, auf einen Bedruckstoff direkt
oder indirekt aufzubringen. Typische Bedruckstoffe sind Papier,
Pappe, Karton, organische Polymere (Folie oder Gewebe) oder dergleichen.
Im überwiegenden
Maße kommen
dabei Druckformen zum Einsatz, auf deren Druckfläche, wenigstens ein Teil der
Druckformoberfläche,
dauerhaft das zu druckende Muster aufgebracht, strukturiert oder
beschrieben ist. Derartige Druckformen können nur einfach, d. h. nur
einmalig mit einem Muster strukturiert, genutzt werden. Aus verschiedenen Gründen, beispielsweise
zur Verringerung der Rüstzeiten
oder des Materialverbrauchs, ist es wünschenswert, Druckformen einzusetzen,
welche mehrfach verwendet, insbesondere mehrfach beschrieben oder
mehrfach bebildert, werden können.
Anders ausgedrückt,
von besonderem Interesse sind Druckformoberflächen, welche nach einer Strukturierung
in ein erstes Bild gelöscht
und später
in ein zweites Bild strukturiert werden können. Im Zusammenhang dieser
Darstellung sei unter einer wiederverwendbaren Druckform eine Druckform
mit einer Druckformoberfläche
verstanden, welche mehrfach oder wiederholt in verschiedene Bilder
strukturiert werden kann.
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Beim regulären Offsetdruck liegt eine
Strukturierung der Druckformoberfläche in Bereiche unterschiedlicher
Benetzungseigenschaften, insbesondere hydrophile/lipophobe und hydrophobe/lipophile Bereiche,
vor. Der reguläre
Offsetdruck basiert auf der Ausnutzung der Nichtmischbarkeit von
lipophilen Substanzen, insbesondere von öligen Fluiden oder Flüssigkeiten,
und hydrophilen Substanzen, insbesondere von wässrigen Fluiden oder Flüssigkeiten, auf
der Druckform, wobei die lipophile Substanz oder die Tinte oder
Druckfarbe durch die bildaufbauenden Bereiche und die hydrophile
Substanz oder Wasser durch die nichtbildaufbauenden Bereiche der
Druckformoberfläche
festgehalten werden. Wenn die in geeigneter Weise vorbereitete Druckformoberfläche mit hydrophiler
und lipophiler Substanz benetzt wird, so halten die nichtbildmäßigen Bereiche
vorzugsweise die hydrophile Substanz zurück und stoßen die lipophilen Substanz
ab, während
die bildmäßigen Bereiche
die lipophile Substanz annehmen und die hydrophilen Substanz abweisen.
In der Folge wird dann die lipophile Substanz in geeigneter Weise
auf die Oberfläche
eines Bedruckstoffs übertragen,
auf dem das Bild fixiert werden soll. Der reguläre Offsetdruck oder konventionelle
Nassoffsetdruck kann ein direktes oder ein indirektes Flachdruckverfahren
sein.
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Beim wasserlosen Offsetdruck liegt
eine Strukturierung der Druckfläche
in hydrophobe und super-hydrophobe Bereiche, und damit ebenfalls
in Bereiche mit unterschiedlichen Benetzungseigenschaften, vor.
Im Zusammenhang dieser Darstellung wird zur Erleichterung der Notation
nur von regulären Offsetdruck
gesprochen und das Strukturierungspaar oder Benetzungseigenschaftspaar
Hydrophbie und Hydrophobie verwendet. Die beschriebenen Strukturierungen
können
sich aber auch in analoger Weise auf den wasserlosen Offsetdruck
und damit das Strukturierungspaar oder Benetzungseigenschaftspaar
Super-Hydrophobie und Hydrophobie beziehen. Hydrophil umfasst damit
die Bedeutung farbabweisend und hydrophob die Bedeutung farbführend.
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Beispielsweise aus dem Dokument
DE 199 45 847 A1 ist
bereits eine Druckform und ein Verfahren zum Ändern der Benetzungseigenschaften
ihrer Oberfläche
bekannt. Die Druckform weist eine Halbleiteroberfläche auf,
welche zunächst
in einen ersten, im wesentlichen einheitlichen chemischen Zustand mit
einer ersten Benetzungseigenschaft, beispielsweise in einen hydrophilen
Zustand, gebracht wird. Dann werden Bereiche der Druckformoberfläche in einen
zweiten chemischen Zustand mit einer zweiten Benetzungseigenschaft,
welche verschieden von der ersten Benetzungseigenschaft ist, beispielsweise
in einen hydrophoben Zustand, versetzt. Für den Übergang vom ersten Zustand
mit der ersten Benetzungseigenschaft in den zweiten Zustand mit
der zweiten Benetzungseigenschaft und für den Übergang vom zweiten Zustand
mit der zweiten Benetzungseigenschaft in den ersten Zustand mit
der ersten Benetzungseigenschaft sind jeweils chemische Veränderungen
der Druckformoberfläche
erforderlich. Veränderungen
der Druckformoberfläche
finden in nur wenigen atomaren Schichten an beziehungsweise direkt
in der Oberfläche
statt. Verschiedene Ausführungsformen
von Prozessen zur Veränderung
der Benetzungseigenschaften sind aufwendig und erfordern teilweise
Hilfsmittel wie chemische Reagenzien und dergleichen oder bewirken
eine Materialabtragung.
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Im Dokument
US 3,678,852 wird eine Druckform aus
einem Halbleitermaterial beschrieben. Das Halbleitermaterial, in
einer Ausführungsform
Silizium, kann durch Energieeinwirkung von einem amorphen, ungeordneten
Zustand in einen kristallinen, geordneten Zustand und umgekehrt überführt werden.
Anders ausgedrückt,
die Energiezufuhr bewirkt eine Veränderung (Phasenübergang)
in der atomaren beziehungsweise molekularen Struktur des Halbleitermaterials.
Im amorphen Zustand ist die Oberfläche der Druckform relativ glatt,
während
sie im kristallinen Zustand relativ rauh ist. Ein Bereich auf der
Druckform im amorphen Zustand ist damit hydrophob oder farbliebend,
während
ein Bereich im kristallinen Zustand hydrophil oder farbabstoßend ist.
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Aus dem Dokument
DE 25 24 701 ist ein Verfahren zum
Herstellen von Flachdruckformen bekannt. Polytetrafluorethylenfolie
wird mittels einer naßchemischen
Behandlung mit in Ammoniak gelöstem
Natrium aufgerauht. Die aufgerauhte Folie wird bildmäßig in Bereichen
mit Laserlicht so lange bestrahlt, bis die Folienoberfläche in diesen
Bereichen geglättet
ist. Die auf diese Weise in hydrophile und hydrophobe Bereiche strukturierte
Oberfläche
kann in einem Offsetdruckverfahren abgedruckt werden.
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In diesem Zusammenhang sei auch das
Dokument
DE 37 14 157
A1 erwähnt,
welches ein Verfahren zum Offsetdrucken und eine Offsetdruckplatte beschreibt.
Eine Oberfläche
mit Mikrokörnung
(hydrophil) wird in Bereichen durch Laserbehandlung eingeebnet,
so dass hydrophobe Bereiche erzeugt werden. In einer Ausführungsform
handelt es sich um eine Chromoberfläche.
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Aufgabe der vorliegenden Erfindung
ist es, eine Druckformoberfläche
auf einfache Weise, insbesondere ohne mechanische Materialabtragung
oder chemische Reaktion, in hydrophile und hydrophobe Bereiche zu
strukturieren.
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Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein
Verfahren zum Strukturieren mit den Merkmalen gemäß Anspruch
1 und durch eine Einrichtung zum Strukturieren mit den Merkmalen
gemäß Anspruch
8 gelöst.
Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen charakterisiert.
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Erfindungsgemäß wird im Verfahren zum Strukturieren
einer Druckformoberfläche,
welche ein hydrophilierbares Polymer aufweist, in hydrophile und
hydrophobe Bereiche Energie auf wenigstens einen Bereich der Druckformoberfläche, in
dem das Polymer hydrophiliert, d. h. in einem hydrophilen Zustand,
ist, insbesondere hydrophil terminiert ist, derart zugeführt, dass
die Druckformoberfläche
verflüssigt
und durchmischt wird. Das Polymer in der Druckformoberfläche ist
dabei nur in einer Grenzschicht an der Oberfläche hydrophiliert.
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Anders ausgedrückt, der hydrophilierten Druckformoberfläche wird
lokal selektiv Energie derart zugeführt, dass sie ihre Beweglichkeit
oder Viskosität ändert, gegebenenfalls
einem Phasenübergang von
einer festen zu einer flüssigen
Phase unterliegt. Eine erhöhte
Beweglichkeit der Moleküle
des Polymers führt
zu Positionsänderungen
der Moleküle
in der Druckformoberfläche.
Bewegungen und Positionsänderungen
treten dabei nicht nur in lateraler Richtung parallel zur Druckformoberfläche, sondern auch
in Richtung der Tiefe der Druckformoberfläche auf. Es kann sich eine
oder mehrere Konvektionsströmungen
aufbauen. Das heißt,
die Energiezufuhr bewirkt eine Durchmischung der Moleküle der Druckformoberfläche. Insbesondere
umfasst die Durchmischung eine Umlagerung, Umpositionierung, Umordnung
der Moleküle
in Richtung der Tiefe der Druckformoberfläche. Diese Durchmischung geht über die hydrophilierte
Oberfläche,
die Grenzschicht hinaus. Moleküle
in der Grenzschicht der Druckformoberfläche und außerhalb der Grenzschicht in
der Tiefe der Druckformoberfläche
werden durchmischt.
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Das Verfahren ermöglicht eine bildweise Strukturierung
der Druckformoberfläche,
das heißt, die
Erzeugung von hydrophoben Bereichen.
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Bevorzugt wird die Energie in Form
von Laserlicht der Druckformoberfläche zugeführt. Es kann sich bei der Druckform
insbesondere um eine mit einem hydrophilierbaren Polymer beschichteten
Träger handeln.
Der Träger
kann metallisch sein. Die Druckform kann flächig (Druckplatte) oder zylinderförmig (Druckhülse) sein.
Es kann eine Vielzahl von Bereichen durch das erfindungsgemäße Verfahren
verflüssigt
werden, so dass ein Sujet in Form von hydrophoben Bereichen in die
hydrophile Druckformoberfläche
geschrieben oder bebildert wird.
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Die Oberflächenenergie des Polymers, welche
durch einen Prozess mit im Vergleich zur Schichtdicke des Polymers
(Tiefenausdehnung der Druckformoberfläche mit hydrophilierbarem Polymer),
beispielsweise einige Mikrometer oder einige Millimeter, auf der
Druckform geringer Eindringtiefe, beispielsweise wenige Nanometer,
(in einer Grenzschicht) großflächig verändert (Initialisierung),
insbesondere hydrophiliert, ist, wird durch einen lokalen, thermisch
induzierten Prozess, eine thermische Durchmischung des Polymers,
rückgängig gemacht. Durch
bildweises Durchführen
des thermischen Durchmischens werden Bereiche auf der Druckform geschaffen,
welche hydrophob, also farbführend sind,
während
Bereiche verbleiben, welche hydrophil, also wasserführend sind.
Die Druckform kann nach erfolgter Strukturierung mittels eines Offsetdruckverfahrens
abgedruckt werden. Die Druckform kann mehrfach verwendet oder wiederverwendet werden:
Eine erneute Durchführung
des oberflächennahen
Prozesses zur Veränderung
der Oberflächenenergie
ist nach einer Reinigung der Druckformoberfläche möglich. Gegebenenfalls kann
diese erneute Initialisierung, die Regeneration des Ausgangszustand
des erfindungsgemäßen Verfahrens,
durch ein großflächiges thermisches
Durchmischen vor der Hydrophilierung unterstützt werden.
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Um die Ausbildung einer Konvektionsströmung im
verflüssigten
Bereich der Druckformoberfläche
zu unterstützen
oder zu ermöglichen,
ist es besonders vorteilhaft, wenn die Energiezufuhr in dem wenigstens
einen Bereich eine lokale Verteilung, insbesondere in den die Druckformoberfläche aufspannenden
Richtungen, aufweist. Durch eine lokal abhängige oder positionsabhängige Energiezufuhr
entstehen Temperaturgradienten im verflüssigten Bereich. Beispielsweise
weist ein Laserlichtstrahl eine ausgeprägte lokale Verteilung der Intensität um die Ausbreitungsachse
auf und führt
folglich lokal abhängig
Energie bei Auftreffen auf der Druckformoberfläche zu.
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Im erfindungsgemäßen Verfahren zum Strukturieren
einer Druckformoberfläche
kann dem Schritt der selektiven Energiezufuhr ein großflächiges Hydrophilieren
der Druckformoberfläche,
insbesondere ein großflächiges Hydrophilieren
der Grenzschicht, zeitlich vorgeordnet sein. Dieser Schritt kann als
Initialisierung bezeichnet werden. Der selektiven Energiezufuhr
kann, gegebenenfalls nach Drucken und Reinigen, ein großflächiges oder
lokal selektives Hydrophilieren nachgeordnet sein, so dass das erfindungsgemäße Verfahren
wiederholt oder erneut durchgeführt
werden kann.
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Das (insbesondere großflächige) Hydrophilieren
kann durch einen nasschemischen Prozess und/oder durch Bestrahlen
mit UV-Licht und/oder durch eine Coronabehandlung und/oder durch
eine Plasmabehandlung erfolgen.
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Nach erfolgter Energiezufuhr kann
im erfindungsgemäßen Verfahren
durch Abkühlung
des wenigstens einen lokal verflüssigten
Bereichs der Druckformoberfläche
dieser derart erstarren, dass er anschließend hydrophob ist.
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In einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird die Druckformoberfläche
aus einer Schicht einer Druckfarbe mit Erstarrungsverzug gebildet.
Typische Ausführungsformen
von Druckfarben mit Erstarrungsverzug weisen wenigstens zwei Komponentengruppen
zu jeweils mindestens einem Inhaltsstoff auf, wobei der oder die
Inhaltsstoffe der ersten Gruppe Lösungsmittelcharakter für den mindestens
einen Inhaltsstoff der zweiten Gruppe haben und bei Umgebungstemperatur
in kristalliner Phase vorliegende Stoffe mit niedrigem Schmelzpunkt
sind, insbesondere 1-Hexadecanol (Cetylalkohol) und/oder 1-Octadecanol
(Stearylalkohol). Der oder die Inhaltsstoffe der zweiten Komponentengruppe sind
bei Umgebungstemperatur in festem Zustand vorliegende amorphe Stoffe,
insbesondere Polymere, beispielsweise hydroxylgruppenreiche Polyacrylate,
die in den Inhaltsstoffen der ersten Komponente löslich sind.
Wird die erste Komponentengruppe so gestaltet, dass sie einen Schmelzpunkt
der Größenordnung
80 Grad Celsius hat, und die zweite Komponentengruppe so gestaltet,
dass die sich beispielsweise ab 100 Grad Celsius in der ersten Komponentengruppe
löst, so
ist schon bei jeweils geringer Energiezufuhr beziehungsweise Energieabgabe von
20 Grad Celsius eine schnelle und vollständige Verflüssigung beziehungsweise Verfestigung
der Druckfarbe möglich.
Wenn die zweite Komponentengruppe oberhalb des Schmelzpunktes der
ersten Komponentengruppe in dieser ausfällt, kann weiterhin dann die
erste Komponentengruppe eine feste Lösung in der zweiten bilden.
Eine Reihe von verzögernd
erstarrenden oder erhärtenden
Druckfarben wird im Dokumente
DE 101 06 415 A1 "Druckmaschine und Druckverfahren" offenbart und beschrieben. Durch
Bezugnahme ist das Dokument
DE 101 06 415 A1 in den Offenbarungsgehalt
dieser Darstellung aufgenommen.
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Im Zusammenhang des erfinderischen
Gedankens wird eine wiederbeschreibbare oder mehrfachbeschreibbare
Druckform zur Verfügung
gestellt. Die Druckform kann mit einer Bebilderungseinheit, insbesondere
einem oder mehrerer Laserstrahlen, effizient bebildert oder strukturiert
und durch eine robuste Initialisierungseinrichtung wieder gelöscht werden.
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Im Zusammenhang des erfinderischen
Gedankens wird auch eine erfindungsgemäße Einrichtung zum Strukturieren
einer Druckformoberfläche geschaffen.
Die Einrichtung ist derart gesteuert, dass ein Verfahren zum Strukturieren
einer Druckformoberfläche,
wie in dieser Darstellung offenbart, durchgeführt wird oder durchführbar ist.
Die erfindungsgemäße Einrichtung
umfasst eine Energiequelle und eine Steuerungseinheit.
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Die erfindungsgemäße Einrichtung kann in einem
Druckformbelichter oder bevorzugt in einem Druckwerk eingesetzt
werden. Das Druckwerk kann ein direktes oder indirektes Flachdruckwerk/Offsetdruckwerk
sein. Anders ausgedrückt,
ein erfindungsgemäßes Druckwerk
umfasst wenigstens eine erfindungsgemäße Einrichtung zum Strukturieren.
Das Druckwerk kann Teil einer Druckmaschine sein. Die Druckmaschine
kann eine bogenverarbeitende (auch Anleger und Ausleger umfassend)
oder eine bahnverarbeitende Druckmaschine (auch einen Falzapparat
umfassend) sein. Typische Bedruckstoffe sind Papier, Kanon, Pappe,
organische Polymere oder dergleichen.
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Weitere Vorteile und vorteilhafte
Ausführungsformen
und Weiterbildungen der Erfindung werden anhand der nachfolgenden
Figuren sowie deren Beschreibungen dargestellt. Es zeigt im Einzelnen:
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1 in
einer Folge von Teilbildern A bis E Schritte einer Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
zum Strukturieren einer Druckformoberfläche, und
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2 eine
schematische Darstellung einer Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Einrichtung
zum Strukturieren einer Druckformoberfläche gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren.
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Bevor im Detail auf die 1 eingegangen wird, sei
zunächst
auf in Ausführungsformen
der Druckformoberfläche
verwendete Polymere näher eingegangen.
Zum Einsatz kommen Polymere, welche bei Raumtemperatur fest und
oberhalb einer definierten Schmelztemperatur oder Glastemperatur flüssig sind.
Diese Polymere haben häufig
eine geringe Hydrophilie, wodurch die Benetzung einer Oberfläche mit
Wasser nur gering ist. Durch Prozesse, welche Energiezufuhr und/oder
chemische Reaktionen umfassen, wie eine Plasmabehandlung, eine Bestrahlung
mit UV-Licht, eine nasschemische Oxidation, eine Behandlung mit
einer Lauge oder einer Säure
oder auch Kombinationen dieser Prozesse, lässt sich die Oberfläche von
besagten Polymeren hydrophilieren. Insbesondere kann eine Terminierung
des Polymers stattfinden. Diese Prozesse können großflächig auf der Polymeroberfläche, insbesondere
auf einer Druckformoberfläche,
welche ein derartiges Polymer umfasst oder aus diesem besteht, beispielsweise
mit einer genügend
großen
Plasmaquelle oder UV-Lampe beleuchtet beziehungsweise durch eine mit
geeigneten Chemikalien benetzten Walze behandelt werden.
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Es können an den Molekülen an beziehungsweise
in der Oberfläche
polare/hydrophile Gruppen angelagert oder erzeugt, Ladungen oder
Dipolmomente induziert, Moleküle
oder Molekülgruppen
umgelagert, Ketten aufgebrochen oder neu orientiert werden. Es können sogar
Radikale oder Gruppen gebildet werden. Diesen Prozessen ist gemein,
dass nur eine oder wenige Monolagen des zu behandelnden Polymers
an der Oberfläche
(auch als Grenzschicht bezeichnet) verändert wird, während tieferliegende
Bereiche der Druckformoberfläche
oder der Polymerschicht unverändert
bleiben. Wird ein Bereich oder Abschnitt einer Druckformoberfläche mit einem
hydrophilierten Molekül
oder Polymer über seine
Schmelztemperatur oder Glastemperatur erhitzt, und zwar nicht nur
die eine oder wenigen Monolagen direkt an der Oberfläche, so
werden durch Konvektion oder Diffusion lokale Bereiche durchmischt oder
neu organisiert. Da die eine oder wenigen Monolagen nur einen extrem
geringen Anteil der Moleküle
der Druckformoberfläche,
insbesondere Oberflächenschicht
oder Oberflächenbeschichtung,
insgesamt ausmachen, ist nach einer solchen Durchmischung die Konzentration
der hydrophilen Moleküle direkt
an oder in der Oberfläche
geringer als vor der Durchmischung. In Konsequenz hat die Oberfläche nach
dem Durchmischen wieder die ursprüngliche hydrophobe Benetzungseigenschaft.
Da bei einer Hydrophilierung der Oberfläche jedes Mal nur ein sehr
geringer Anteil der Moleküle
insgesamt verändert
wird, können
die beschriebenen Schritte zu einem Zyklus kombiniert werden: Hydrophilieren,
thermisches Durchmischen, Erstarren, gegebenenfalls Drucken und
Reinigen, erneutes Hydrophilieren. Dieser Zyklus kann mehrfach durchgeführt werden,
bis es zu einer Sättigung
kommt. Anders ausgedrückt, der
Zyklus kann mehrmals wiederholt werden, bevor der Anteil der veränderten,
hydrophilierten Moleküle im
Bereich so groß wird,
dass die Oberfläche
nach dem thermischen Durchmischen und Erstarren ihre ursprüngliche
hydrophobe Benetzungseigenschaft nicht mehr erhält oder der Kontrast zwischen
hydrophiler Benetzungseigenschaft und Benetzungseigenschaft des
durchmischten Bereichs nicht mehr ausreichend ist. Ein solcher Zyklus
kann für
ein Druckverfahren genutzt werden, indem zunächst die Polymeroberfläche großflächig hydrophiliert
und anschließend
durch punktweises oder bereichsweises Erhitzen, zum Beispiel mit
Laserstrahlung, das Material durchmischt wird.
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Die 1 zeigt
in einer Folge von Teilbildern A bis E Schritte einer Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
zum Strukturieren einer Druckformoberfläche.
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In Teilbild A ist schematisch eine
Druckform 2, welche eine Druckformoberfläche 4,
die ein hydrophilierbares Polymer aufweist, dargestellt. Das Polymer
kann als eine Schicht auf einem Träger, insbesondere typischer
Druckplattenmaterial wie Aluminium oder dergleichen, aufgenommen
sein. In einer Ausführungsform
wird als Polymer eine Druckfarbe mit Erstarrungsverzug (zweikomponentig
wie oben beschrieben). Mittels eines Prozesses wird die Oberflächenenergie
großflächig verändert. Im
Teilbild B ist die Druckform 2 gezeigt, deren Druckformoberfläche in einer
oder wenigen Monolagen verändert
worden ist und hydrophiliertes Polymer 6 in einer Grenzschicht
an der Oberfläche
aufweist. Ein bevorzugter Prozess umfasst die Bestrahlung mit UV-Licht,
die Druckformoberfläche 4 kann
aber auch einer nasschemischen Behandlung mit einer Lauge, einer
Säure,
einem starken Oxidationsmittel, wie beispielsweise Kaliumpermanganat,
oder einer Coronabehandlung oder Plasmabehandlung ausgesetzt werden.
In einer Ausführungsform
wird die Oberfläche
fünf Minuten
einer 1-molaren Kaliumpermanganatlösung (KMnO4)
ausgesetzt, so dass nach Oxidation die Oberfläche hydrophile Benetzungseigenschaften aufweist.
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An dieser Stelle soll erneut betont
werden, dass nur zur Notationsvereinfachung stets von Hydrophilierung,
insbesondere im Hinblick auf den konventionellen Nassoffsetdruck,
gesprochen wird. Im Zusammenhang eines erfindungsgemäßen Verfahrens
zum Strukturieren einer Druckformoberfläche für eine Anwendung in einem wasserlosen
Offsetdruckverfahren kann eine Super-Hydrophobierung durch eine
Terminierung der Oberfläche
mit Polysiloxanen oder teflonartigen Verbindungen oder Endgruppen,
z. B. perfluorierte Kohlenwasserstoffe, erreicht werden. Eine derartig
terminierte Oberfläche ist
sehr niederenergetisch, d. h. der Kontaktwinkel gegen Wasser ist
größer als
120 Grad.
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Mittels einer Bebilderungseinheit
(siehe auch die in 2 gezeigte
Ausführungsform)
wird der Druckformoberfläche 4 Energie,
insbesondere Wärme,
in Form von elektromagnetischer Strahlung zugeführt. In einer Ausführungsform
wird mit infrarotem Laserlicht mit 80 mW Leistung auf 10 Mikrometer Strahldurchmesser
fokussiert bebildert. Eine Konvektion zur Durchmischung im verflüssigten
Bereich tritt aufgrund der Temperaturgradienten beim Laserschmelzen
auf. Alternativ zu einer Lichtquelle, insbesondere Laserlichtquelle
kann auch ein Thermokopf, der über
eines oder mehrere schnell schaltbare Heizelemente verfügt, eingesetzt
werden. Um die Energieabsorption zu ermöglichen, zu fördern oder
zu unterstützen,
kann dem Polymer in der Druckformoberfläche 4 ein Farbstoff
oder ein Pigment hinzugefügt sein,
so dass eine höhere
Absorption erreicht wird.
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Im Teilbild C ist die Druckform 2 mit
einem Bereich 8 gezeigt, in welchem in die Druckformoberfläche 4 hinein
Oberflächenmoleküle, d. h.
Moleküle aus
der Grenzsicht, untermischt sind. Anders ausgedrückt, die Druckformoberfläche 4 ist
im Bereich 8 thermisch durchmischt. An der Oberfläche des
Bereichs finden sich nun Moleküle
mit der ursprünglichen
oder intrinsischen Benetzungseigenschaft.
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Die Erstarrung der verflüssigten
Druckformoberfläche
im thermisch durchmischten Bereich findet praktisch instantan durch
schnelle Abgabe der in einem kleinen Volumen gespeicherten Wärme oder Energie
an das umgebende oder darunterliegende Volumen statt (Effekt der
Selbstabschrekung). Eine auf diese Weise strukturierte Druckformoberfläche ist an
Stellen oder in Bereichen, die erhitzt oder verflüssigt wurden,
hydrophob, an den nicht erhitzten oder verflüssigten Stellen oder Bereichen
hydrophil. Ist der Unterschied der Oberflächenenergien groß genug,
so kann die Oberfläche
als Druckform für
den Offsetdruck (konventioneller Nassoffsetdruck: hydrophil und
hydrophob, wasserloser Offsetdruck: super-hydrophob und hydrophob)
genutzt werden. Im Teilbild D ist gezeigt, dass Wasser 12 hydrophiliertes Polymer 6 benetzt,
während
Druckfarbe 14 den thermisch durchmischten Bereich 8 benetzt.
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Nach Ende des Druckprozesses und
gegebenenfalls erfolgter Reinigung der Oberfläche von Farbrückständen, Papierresten
und dergleichen kann die Druckformoberfläche 4 erneut initialisiert werden,
so dass sie großflächig an
ihrer Oberfläche hydrophiles
Polymer 6 aufweist. Analog für eine Strukturierung im Hinblick
auf eine wasserlose Offsetdruckform kann eine großflächige Superhydrophobierung
vorgenommen werden. Im Teilbild E ist die Druckform 2 nach
erfolgtem Druck und erneutem Hydrophilieren gezeigt. Eine erneute
bildweise thermische Durchmischung ist im iterativen Schritt 16 möglich, so
dass die in Teilbild C gezeigte Situation erreicht wird. Es ist
klar, dass bei der zweiten Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
eine thermische Durchmischung an anderen Bereichen als bei der ersten
Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens
vorgenommen werden kann, so dass ein anderes Sujet auf der Druckform 2 erzeugt wird.
Optional kann vor dem Initialisierungsprozess (großflächiges Hydrophobieren
und anschließendes Hydrophobieren)
die Oberfläche
großflächig erhitzt und
damit homogenisiert werden.
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Die durch das erfindungsgemäße Verfahren erzeugte
Druckform beziehungsweise der im erfindungsgemäßen Verfahren genutzte Prozess
hat eine hinreichende Stabilität,
um von der eingefärbten Druckformoberfläche mehrfach
Abzüge
oder Exemplare mittels eines Offsetdruckverfahrens beziehungsweise
für den
Fall der Strukturierung in superhydrophobe und hydrophobe Bereiche
mittels eines wasserlosen Offsetdruckverfahrens zu produzieren.
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Nach dem Drucken muss die bildführende Schicht
(die hydrophoben Bereiche) nicht vom Träger beziehungsweise der Druckformoberfläche entfernt werden.
Es kann eine gute Verankerung des Polymers auf dem Träger unter
Ausnutzung relativ starker chemischer oder physikalischer Wechselwirkungen genutzt
werden, ohne den Löschprozess
zu erschweren. Des weiteren kann für das Hydrophileren der Oberfläche ein
irreversibler Prozess (Molekülzerstörung, chemische
Reaktion oder dergleichen) genutzt werden, so dass die Gefahr der
unerwünschten Rückreaktion,
beispielsweise aufgrund von Alterung oder von durch den Druckprozess
induzierten Vorgängen,
verringert wird.
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Kurz gesagt, im erfindungsgemäßen Zusammenhang
findet ein thermisch durchmischbares, z. B. schmelzbares Material
Verwendung und wird in hydrophile und hydrophobe Bereiche strukturiert.
Es erfolgt eine großflächige Einstellung
der Benetzungseigenschaft der Oberfläche entgegen der intrinsischen Benetzungseigenschaft
des Materials. Beispielsweise wird ein normalerweise hydrophobes
Material hydrophiliert. Bereiche, welche die intrinsische Benetzungseigenschaften
aufweisen, werden durch thermisches Durchmischen der Oberfläche erzeugt.
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Die 2 ist
eine schematische Darstellung einer Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Einrichtung
zum Strukturieren einer Druckformoberfläche 4 gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren. In
einem Druckwerk 36 einer Druckmaschine 38 ist eine
Druckform 2 mit einer Druckformoberfläche 4 auf einem Druckzylinder 18 aufgenommen.
Der Druckzylinder 18 ist um seine Zylinderachse 20 rotierbar,
die Rotationsbewegung ist durch den Pfeil 22 angedeutet.
Eine Energiequelle 24 sendet Laserlicht 26 aus,
welches auf die Druckformoberfläche 4 in
einem punktförmigen
Bereich 28 trifft, so dass in diesem eine thermische Durchmischung
der Druckformoberfläche 4 erfolgt.
Die Energiequelle 24 ist in Richtung im wesentlichen parallel
zur Zylinderachse 20 translatierbar, die Translationsbewegung
ist durch den Doppelpfeil 30 angedeutet. In Zusammenwirkung
der Rotationsbewegung und der Translationsbewegung wird der Lichtstrahl 26 in
schraubenförmiger
oder helikaler Bahn entlang des Weges 32 über die
Druckformoberfläche 4 geführt, so
dass die gesamte Fläche
der zweidimensionale Oberfläche
der Druckform 2 durch den Lichtstrahl 26 erreichbar
ist und gegebenenfalls thermisch durchmischt werden kann. Die Koordination
der Rotationsbewegung und der Translationsbewegung erfolgt mittels
einer Steuerungseinheit 34. Die Steuerungseinheit 34 steht
in Verbindung zum Austausch von Daten und/oder Steuersignalen mit
der Energiequelle 24. Die Energiequelle 24 kann
in Abhängigkeit
der Position (entlang der Zylinderachse 20 und in Azimutalrichtung um
die Zylinderachse 20) des Lichtstrahles 26 auf
der Druckformoberfläche 4 angesteuert
werden, so dass gemäß einem
vorgegebenen Sujet eine Bebilderung oder Strukturierung vorgenommen
werden kann.
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- 2
- Druckform
- 4
- Druckformoberfläche
- 6
- hydrophiliertes
Polymer
- 8
- Bereich
- 10
- untermischte
Oberflächenmoleküle
- 12
- Wasser
- 14
- Druckfarbe
- 16
- iterativer
Schritt
- 18
- Druckzylinder
- 20
- Zylinderachse
- 22
- Rotationsbewegung
- 24
- Energiequelle
- 26
- Laserlicht
- 28
- punktförmiger Bereich
- 30
- Translationsbewegung
- 32
- Weg
des Lichtstrahls über
Druckformoberfläche
- 34
- Steuerungseinheit
- 36
- Druckwerk
- 38
- Druckmaschine