DE19528585C2 - Redox-Initiatorsystem für die radikalische Polymerisation und dessen Verwendung - Google Patents
Redox-Initiatorsystem für die radikalische Polymerisation und dessen VerwendungInfo
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Description
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Redox-Initiatorsystem für die radi
kalische Polymerisation sowie die Verwendung dieses Systems für die ra
dikalische Polymerisation von einfach oder mehrfach ungesättigten Mono
meren. Ferner betrifft die vorliegende Erfindung die Verwendung speziel
ler Redoxinitiatorsysteme zur Herstellung verzweigter Polymere aus ein
fach oder mehrfach ungesättigten Monomeren, zur Herstellung von Pfropf
polymeren sowie zur Modifizierung von Latices.
Radikalische Polymerisationen können durch sogenannte Redox-Initia
torsysteme gestartet werden. Solche Redox-Systeme umfassen beispiels
weise organisch-anorganische Redoxpaare, welche gewöhnlicherweise die
Polymerisation durch Oxidation der organischen Komponente initiieren,
wie etwa die Oxidation eines Alkohols durch Cer(IV)-Ionen. Ferner sind die
Redoxreaktionen von Cer(IV)-Salzen mit organischen Verbindungen, die
Aldehyd-, Keto- oder Carbonsäuregruppen enthalten, bekannt. Hierbei
wird angenommen, daß die Radikalbildung am α-Kohlenstoffatom der or
ganischen Verbindung erfolgt und diese somit als Endgruppe in die sich
bildende Polymerkette eingebaut wird.
Die radikalische Polymerisation hydrophober Monomere, wie Methyl
methacrylat oder Styrol, läßt sich nur sehr schwer mit dieser Redoxreak
tion im wäßrigen System starten, wobei eine drastische Abnahme der Re
aktionsgeschwindigkeit zu beobachten ist.
Wenn als organischer Redoxpartner des Cer(IV)-Ions eine hochmolekulare
Verbindung, wie beispielsweise Cellulose, Stärke oder Polyethylenglykol,
eingesetzt wird, ist mittels dieser Initiierung die Herstellung von Blockco
polymeren durch radikalische Polymerisation möglich.
Andererseits ist es bekannt, daß Blockcopolymere mit relativ einheitlicher
Kettenlängenverteilung durch ionische Polymerisation bzw. Gruppen
transferpolymerisation hergestellt werden können. Diese Techniken erfor
dern jedoch einen hohen apparativen Aufwand, da in einem mindestens
zweistufigen Verfahren absolut sauerstoff- und feuchtigkeitsfrei gearbeitet
werden muß.
Radikalische Polymerisationstechniken sind dagegen weniger sauerstoff-
und feuchtigkeitsempfindlich, wesentlich billiger und auch großtechnisch
durchführbar. Die Herstellung von Blockcopolymeren durch radikalische
Polymerisationstechniken ist für den Fall bekannt, daß ein Block in einem
aktiven Bestandteil der Polymerisation vorgebildet ist. Dabei kann es sich
beispielweise um ein Makromonomer, einen mono- oder polyfunktionellen
Makroinitiator oder um ein Makromolekül mit Kettenüberträgerfunktion
handeln. Alle diese bekannten Möglichkeiten setzen allerdings die Her
stellung eines der Blöcke vor der radikalischen Polymerisation, häufig
durch ionische oder Gruppentransferpolymerisation, voraus.
Die EP 0 215 624 A2 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von Tetrafluor
ethylenharzen in Form feiner Pulver durch Polymerisieren von Tetrafluor
ethylen in einem wäßrigen Medium unter Verwendung eines Redox-Initia
torsystems aus einem Ger(IV)-Salz und Oxalsäure, wobei die letzte Zugabe
des Initiatorsystems vor dem Endpunkt erfolgt, so daß die Umsetzung sich
verlangsamt. Durch diese Verfahrensführung (Regulierung der Zugabe
des Initiatorsystems) soll erreicht werden, daß das erhaltene TFE-Harz
pulver gegenüber den Anteilsmengen an zugesetztem Gleitmittel nicht
empfindlich ist und ein verbessertes Reckverhalten aufweist.
Aus Houben-Weyl, 4. Auflage, Ergänzungsband 20 (1987), S. 637-638 geht
hervor, daß Cer(IV) geeignet ist, um auf Cellulose eine Pfropfung zu initie
ren.
Houben-Weyl, 4. Auflage, Band 14/1 (1961), S. 269 beschreibt verschiede
ne Oxidationsmittel bei der Redox-Polymerisation von Acrylnitril in wäßri
ger Lösung mit Natriumhydrogensulfat. Neben Kaliumperoxydisulfat, Na
triumhypochlorit und Wasserstoffperoxid wird als Oxidationsmittel auch
Cer(IV)-sulfat genannt.
Aus Houben-Weyl, 4. Auflage Ergänzungsband 20 (1987), Kapitel Acrylamid
gehen verschiedene Initiatorsysteme für die Polymerisation von Acry
lamid hervor, wobei Cer(IV) in Kombination mit Thioharnstoff, Glycerin
oder Tetramethylenglykol genannt ist.
Die AT 264 825 B beschreibt ein Verfahren zur Redox-Polymerisation von Vi
nylmonomeren unter Verwendung eines Oxazirans, das 1-30 Kohlenstof
fatome besitzt, und eines Redox-Reduktionsmittels. Als Reduktionsmittel
für die vorgeschlagenen Oxaziran-Verbindungen werden eine Vielzahl von
Verbindungen genannt, wobei jedoch organische Sulfonsäuren oder Deri
vate davon nicht erwähnt werden.
Die DE 26 05 332 A1 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von Chloro
prenpolymerisaten durch wäßrige Emulsionspolymerisation unter Ver
wendung eines bestimmten Polymerisationsinitiators in Gegenwart von
Sauerstoff, wobei zu Polymerisationsbeginn 30-90% der Initiatoren vorlie
gen und der Rest der Polymerisation portionsweise zugegeben wird. Als Po
lymerisationsinitiatoren werden folgende Systeme vorgeschlagen.
- - Natriumdithionit (NaDT) alleine
- - NaDT + Formamidinsulfinsäure (FAS)
- - NaDT + Kaliumperoxodisulfat (KPOD)
- - NaDT + FAS + KPOD
- - NaDT - KPOD + Natriumanthrachinon-β-sulfonat (NaACHS)
- - NaDT + FAS + KPOD + NaACHS
Die DE 26 43 140 A1 beschreibt Pfropfcopolymere aus Xanthomonas-Kolloid
und Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure und wahlweise einem zu
sätzlichen Acrylmonomer, bei dem es sich um (Meth) Acrylsäure, Acryla
mide oder Acrylsäureester handeln kann. Des weiteren beschreibt sie ein
Verfahren zur Herstellung des Copolymers, das dadurch gekennzeichnet
ist, daß das Xanthomonas-Kolloid mit 2-Acrylamido-2-niethylpropansul
fonsäure und wahlweise zusätzlich mit einem oben beschriebenen Acryl
monomer in einem wäßrigen Medium unter Ausschluß von Sauerstoff und
in Gegenwart einer ausreichenden Menge eines Cer(IV)-Salzkatalysators
umgesetzt wird. Die so gebildeten Polymere besitzen eine gerigen Salzemp
findlichkeit und sind besonders als Verdickungsmittel für Wasser uns Su
spensionsmittel geeignet.
Das "Journal of Applied Polymer Science", Vol. 52, S. 1709-1725 (1994) be
schreibt die Pfropfcopolymerisation von Acrylsäure auf Caesarweed-Fa
sern (urena lobata) durch das Redox-Paar Cer(IV)/Toluol, u. a. Cer(IV)/p-
Toluolsulfonsäure.
Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Redox-
Initiatorsystem für die radikalische Polymerisation zur Verfügung zu stel
len, das sich für die radikalische Polymerisation von einfach oder mehr
fach ungesättigten Monomeren im wäßrigen System sowie zur Herstellung
von Blockcopolymeren mit relativ einheitlicher Kettenlängenverteilung
eignet.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Redox-Initiatorsystem ge
mäß Anspruch 1 gelöst. Gegenstand der Erfindung ist ebenfalls die Ver
wendung eines solchen Redox-Initiatorsystems für die radikalische Poly
merisation von einfach oder mehrfach ungesättigten Monomeren gemäß
Anspruch 2. Weitere Gegenstände der Erfindung betreffen die Verwen
dung spezieller Redoxinitiatorsysteme zur Herstellung verzweigter Poly
mere aus einfach oder mehrfach ungesättigten Monomeren gemäß An
spruch 3, zur Herstellung von Pfropfcopolymeren gemäß Anspruch 4 sowie
zur Modifizierung von Latices gemäß Anspruch 5. Vorteilhafte bzw. beson
ders zweckmäßige Ausgestaltungen des Erfindungsgegenstandes sind in
den Unteransprüchen angegeben.
Völlig überraschend hat sich gemäß der Erfindung gezeigt, daß organische
Sulfonsäuren oder Derivate davon mit Cer(IV)-Ionen ein äußerst effektives
Initiatorsystem für die radikalische Polymerisation selbst hydrophober
einfach oder mehrfach ungesättigter Monomere, wie etwa Methyl
methacrylat und Styrol, im wäßrigen System bilden.
Gegenstand der Erfindung ist somit ein Redox-Initiator system für die ra
dikalische Polymerisation, umfassend folgende Komponenten:
- A) eine Cer(IV)-Ionenquelle; und
- B) eine organische Sulfonsäure oder ein Derivat davon, ausgenom men 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure und p-Toluolsulfon säure.
Als Cer(IV)-Ionenquelle eignen sich Cer(IV)-Salze, insbesondere alle im
pH-Bereich unterhalb 7 wasserlöslichen Cer(IV)-Salze, wie Cer(IV)-ammo
niumnitrat, Cer(IV)-ammoniumsulfat, Cer(IV)-sulfat oder die verschiede
nen Doppelsalze des Cer(IV)-sulfats, wie etwa K4[Ce(SO4)4].2H2O. Vor
zugsweise wird Cer(IV)-ammoniumnitrat eingesetzt.
Die organische Sulfonsäure kann aus Alkyl-, Aryl-, Alkaryl- und Aralkyl
sulfonsäuren und deren Derivaten gewählt werden. Als Derivate werden
vorzugsweise Alkalimetallsulfonate, insbesondere Natriumsulfonate, ein
gesetzt. Der organische Rest der Sulfonsäure kann beispielsweise eine Al
kylgruppe sein, wobei diese soviel Kohlenstoffatome enthalten kann, bis
das Alkylsulfonat noch eine Wasserlöslichkeit von ca. 1% besitzt. Der or
ganische Rest kann auch eine einfach oder mehrfach ungesättigte, alipha
tische Kohlenwasserstoffkette sein. Die Sulfonsäuregruppe kann an je
dem Kohlenstoffatom des organischen Rests positioniert sein. Bei Verbin
dungen mit mehreren Kohlenstoffatomen können auch mehrere Sulfon
säuregruppen vorliegen, wodurch die Wasserlöslichkeit erhöht wird. Für
bestimmte Anwendungen eignen sich auch polysulfonierte Verbindungen.
Die organischen Sulfonsäuren können weiterhin verschiedene Substi
tuenten aufweisen. Hierbei ist jedoch zu beachten, daß Elektronendona
torsubstituenten in Nachbarschaft zur Sulfonsäuregruppe sich negativ
auf die Initiierung auswirken können. Es ist bevorzugt, daß sich das zur
Sulfonsäuregruppe in α-Stellung befindliche Kohlenstoffatom durch eine
gewisse Elektronenarmut auszeichnet.
Beispiele besonders geeigneter organischer Sulfonsäuren sind Methansulfonsäure,
Pentadecylsulfonsäure, Hexadecylsulfonsäure, Benzol-1,3-
disulfonsäure, Styrolsulfonsäure, Vinylsulfonsäure, Polystyrolsulfon
säure, Poly(2-acrylamido-2-methylpropansulfonsäure) und deren Deriva
te oder Copolymere mit beliebigen Monomeren.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform umfaßt das Redox-Initiator
system weiterhin eine anorganische Mineralsäure, wie beispielsweise
Schwefelsäure oder Salpetersäure, um bei der Polymerisation den pH-
Wert der Lösung bzw. des wäßrigen Systems auf weniger als 7, insbesonde
re weniger als 1,5 einzustellen. Ein solcher Zusatz wirkt sich beschleuni
gend auf die Reaktionsgeschwindigkeit aus.
Das erfindungsgemäße Initiatorsystem verhält sich wie ein herkömmli
ches Redox-Initiatorsystem, so daß das Verhältnis der Komponenten (A)
und (B) beliebig gewählt werden kann. Bei einem äquimolaren Verhältnis
der Komponenten werden jedoch optimale Ergebnisse erzielt.
Das erfindungsgemäße Initiatorsystem eignet sich für die radikalische Po
lymerisation von einfach oder mehrfach ungesättigten Monomeren in Was
ser bzw. im wäßrigen System, insbesondere auch von hydrophoben Mono
meren, wie beispielsweise (Meth)Acrylate, Styrol und deren Derivate.
Das erfindungsgemäße Initiatorsystem eröffnet ferner auch bessere Mög
lichkeiten zur Synthese von Block- und Pfropfcopolymeren, beispielsweise
in Form von Latexteilchen, auf radikalischem Wege, wobei als Komponente
(B) des Redox-Initiatorsystems ein Polymer mit mindestens einer Sulfon
säuregruppe oder mindestens einer Sulfonatgruppe eingesetzt wird und
auf dieses Polymer ein radikalisch polymerisierbares, einfach oder mehr
fach ungesättigtes Monomer aufgepfropft wird.
Als Polymer mit mindestens einer Sulfonsäuregruppe oder Sulfonatgrup
pe können geeigneterweise Polystyrolsulfonsäure, Poly(2-acrylamido-2-
methylpropansulfonsäure), Polyvinylsulfonsäuren, Copolymere aus Sty
rolsulfonsäure oder 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure oder Vinylsulfonsäuren
mit beliebigen Monomeren oder deren Derivate eingesetzt
werden.
Im Falle der Modifizierung von Latices wird als Komponente (B) des Redox-
Initiatorsystems ein Latex mit Sulfon- oder Sulfonatgruppen auf der Ober
fläche eingesetzt und in Gegenwart dieses Latex ein einfach oder mehrfach
ungesättigtes Monomer polymerisiert. Als Latex mit Sulfonsäure- oder
Sulfonatgruppen eignet sich beispielsweise ein hochsulfonierter Polysty
rollatex.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft die Verwendung eines Initiator
systems, welches sich zur Herstellung verzweigter Polymere aus einfach
oder mehrfach ungesättigten Monomeren eignet, wobei diese Monomeren
die Komponente (B) des Redox-Initiatorsystems bilden. Im Unterschied
zu dem oben genannten Initiatorsystem kann das hier verwendete Initia
torsytem durchaus 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure enthalten.
Bei dieser verzweigenden Polymerisation können demnach als Monomere
insbesondere Styrolsulfonsäure, 2-Acrylamido-2-methylpropansulfon
säure, Vinylsulfonsäuren oder deren Derivate eingesetzt werden. Bei der
verzweigenden Polymerisation ist es bevorzugt, ein molares Verhältnis von
Monomer zu Cer(IV)-Ionenquelle von etwa 1 : 1 zu verwenden.
Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden Beispiele näher erläutert.
In einem auf 353 K temperierten Glasreaktor mit KPG-Rührer, Rückfluß
kühler und Gaseinleitungsrohr wird in 100 Gew.-Teilen entionisiertem
Wasser 1 Gew.-Teil Benzol-1,3-disulfonsäure (Natriumsalz) gelöst. Über
das Gaseinleitungsrohr wird Stickstoff durch die Lösung geleitet, um diese
zu entgasen und so im Wasser gelösten Sauerstoff zu entfernen, der als
Starter für die Polymerisation wirken könnte. Anschließend gibt man 3
Gew.-Teile Methylmethacrylat dazu, verschließt den Reaktor und rührt 10
Minuten, während sich die Gleichgewichtsbedingungen wieder einstellen.
Nun injiziert man eine Lösung von 1,096 Gew.-Teilen Cer(IV)-ammonium
nitrat in 2 Gew.-Teilen entionisiertem Wasser. Es bildet sich sofort ein
gelblicher Niederschlag, die Reaktion setzt ein und die Suspension ent
färbt sich allmählich. Nach 10 Stunden filtriert man die entstandene farb
lose Suspension durch eine G3-Glassinterfritte, wäscht mit 100 ml entio
nisiertem Wasser und trocknet das abgetrennte Polymer bei 333 K im Va
kuumtrockenschrank bis zur Gewichtskonstanz. Man erhält 2,4 Gew.-Tei
le Poly(methylmethacrylat).
Durch Gelpermeationschromatographie (GPC) in Tetrahydrofuran (THF)
wird die molare Masse des Produktes ermittelt. Diese ergibt sich zu
Mw = 1,5.105 g/mol (Gewichtsmittel).
Man geht wie in Beispiel 1 vor, setzt aber an Stelle von Methyl(methacrylat)
3 Gew.-Teile Styrol ein. Man erhält nach einer Reaktionszeit von 10 Stun
den 2,2 Gew.-Teile Poly(styrol), dessen Molmasse mittels GPC in Tetrahy
drofuran zu Mw = 8,0.105 g/mol bestimmt wird.
Man verfährt wie in Beispiel 1, verwendet aber an Stelle des Benzol-1,3-di
sulfonates 0,96 Gew.-Teile Methansulfonsäure. Man erhält nach einer Re
aktionszeit von 10 Stunden 1,0 Gew.-Teile PMMA.
Man verfährt wie in Beispiel 1, setzt jedoch statt des Benzol-1,3-disulfona
tes 0,1 g Pentadecylsulfonsäure (Natriumsalz) ein. Nach einer Reaktions
zeit von 10 Stunden erhält man 2,8 Gew.-Teile PMMA.
Man verfährt wie in Beispiel 4, ersetzt aber das Methylmethacrylat durch 3 Gew.-Teile
Styrol. Man erhält 2,7 Gew.-Teile Poly(styrol) nach einer Reak
tionszeit von 10 Stunden.
Man verfährt wie im Beispiel 1, gibt jedoch kein Sulfonat zu der Reaktions
mischung. Nach Zugabe des Cer(IV)-ammoniumnitrats verfärbt sich die
Reaktionsmischung gelborange, es tritt jedoch weder ein Niederschlag
auf, noch entfärbt sich das Gemisch. Eine Polymerisation von Methyl
methacrylat allein durch Cer(IV)-Ionen findet nicht statt.
Man verfährt wie in Vergleichsbeispiel 1, setzt jedoch an Stelle des Methyl
methacrylats 3 Gew.-Teile Styrol ein. Es findet auch mit Styrol allein keine
Polymerisation initiiert durch Cer(IV)-ammoniumnitrat statt.
Man verfährt wie in Beispiel 1 beschrieben, ersetzt jedoch das Benzol-1,3-
disulfonat durch 1 Gew.-Teil Polystyrolsulfonat (Mw = 40.000) mit einem
Sulfonierungsgrad von ca. 50%. Nach 5 Stunden erhält man 2,8 Gew.-Tei
le des Pfropfcopolymers, dessen Rückgrat vom Polystyrolsulfonat gebildet
wird, auf das Poly(methylmethacrylat) gepfropft ist.
Durch Gelpermeationschromatographie in Tetrahydrofuran ermittelt man
eine molare Masse von Mw = 1,4.105 g/mol) (Gewichtsmittel).
Der Nachweis der Pfropfung erfolgt ebenfalls durch Gelpermeationschromatographie,
deren UV-Detektor eine Absorption von ultraviolettem Licht
im Bereich des Polymer-Hauptpeaks zeigt. Diese kann nicht durch das Po
ly(methylmethacrylat) hervorgerufen worden sein, da dieses UV-inaktiv
ist. Sie muß also vom kovalent gebundenen Polystyrolsulfonat stammen.
Ferner erfolgt der Nachweis mittels 13C-Festkörper-NMR-Spektroskopie.
Hier können Resonanzen im aromatischen Bereich mit Verschiebungen
um δ = 128 ppm nachgewiesen werden.
Man verfährt wie in Beispiel 6, setzt aber an Stelle des Polystyrolsulfonats
1 Gew.-Teil Poly(2-acrylamido-2-methylpropansulfonsäure) (Poly(AMPS))
ein. Nach 5 Stunden erhält man 2,6 Gew.-Teile des Copolymers.
Man fährt wie im Beispiel 1, setzt jedoch an Stelle von Methyl(methacrylat)
und Benzol-1,3-disulfonat 2,06 Gew.-Teile Natriumstyrolsulfonat ein.
Nach Injektion des Cer(IV)-ammoniumnitrats erfolgt eine Eintrübung, die
sich innerhalb 2 Stunden wieder auflöst. Nach 10 Stunden dampft man die
Lösung am Rotationsverdampfer auf 10 Gew.-Teile ein und tropft in 500 Gew.-Teile
Isopropanol ein. Es fällt ein gelblich-weißes Polymer aus, das
abfiltriert wird. Nach Trocknung im Vakuumtrockenschrank bei 333 K bis
zur Gewichtskonstanz wird die Charakterisierung mittels 1H- und 13C-
NMR-Spektroskopie in D2O durchgeführt. Anhand der integrierten Proto
nensignale im aromatischen Bereich bei 7,9 und 7,0 ppm wird die erfolgte
Verzweigung nachgewiesen. Das spezifische Volumen wird zu 0,29 ml/g
bestimmt, was im Vergleich mit dem Wert für unverzweigtes Poly(styrol
sulfonat), der ca. 0,5 ml/g beträgt, für eine starke Verzweigung spricht.
Man verfährt wie in Beispiel 8, setzt aber anstatt des Natriumstyrolsulfo
nats 2,075 Gew.-Teile 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure (AMPS)
ein. Man erhält 1,8 Gew.-Teile verzweigtes Poly(AMPS).
Ein monodisperser, hoch sulfonierter Polystyrollatex mit einer Teilchen
größe von 106 nm, der einen Feststoffgehalt von 7,3% aufweist, wird um
den Faktor 10 verdünnt. Von dem verdünnten Latex werden 100 Gew.-Tei
le zusammen mit 7,5 Gew-Teile Methylmethacrylat unter ständigem Rüh
ren und Stickstoffatmosphäre auf 353 K erwärmt. Nach Erreichen der Re
aktionstemperatur gibt man eine Lösung von 1,096 Gew.-Teile Cer(IV)-
ammoniumnitrat in 2 ml Wasser dazu. Innerhalb 4 Stunden verschwindet
die gelbe Färbung und der Latex ist nicht mehr stabil. Nach dem Ende der
Reaktion filtriert man ab und wäscht den Rückstand mit 200 Gew.-Teilen
destilliertem Wasser. Man erhält 7,2 Gew.-Teile Blockcopolymer.
Man verfährt wie in Beispiel 10, setzt aber statt des Methylmethacrylats
7,5 Gew.-Teile Acrylsäure zu. Man erhält nach einer Reaktionszeit von 10
Stunden eine beigefarbene Suspension, die langsam sedimentiert. Der
Feststoffgehalt beträgt ca. 6,3%.
Ein hochsulfonierter, monodisperser Polystyrollatex mit der Teilchengrö
ße 106 nm und einem Feststoffgehalt von 7,3% wird um den Faktor 100
verdünnt und mit 2 Gew.-Teilen einer 60%-igen Lösung von N,N-Diallyl-
N,N-dimethylammoniumchlorid versetzt. Das Gemisch wird unter ständigem
Rühren in Stickstoffatmosphäre auf 80°C erwärmt. Anschließend gibt
man eine Lösung von 0,274 Gew.-Teilen Cer(IV)-ammoniumnitrat in 2 Gew.-Teilen
Wasser dazu. Nach einer Reaktionszeit von 10 Stunden erhält
man einen farblosen Latex mit einem Feststoffgehalt von 1,3% und einer
bimodalen Teilchengrößenverteilung (530 nm und 1640 nm).
Claims (16)
1. Redox-Initiatorsystem für die radikalische Polymerisation, umfas
send folgende Komponenten:
- A) eine Cer(IV)-Ionenquelle; und
- B) eine organische Sulfonsäure oder ein Derivat davon, ausgenom men 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure und p-Toluolsulfonsäure.
2. Verwendung eines Redox-Initiatorsystems nach Anspruch 1 für die
radikalische Polymerisation von einfach oder mehrfach ungesättigten Mo
nomeren in Wasser bzw. im wäßrigen System.
3. Verwendung eines Redox-Initiatorsystems, umfassend folgende
Komponenten:
- A) eine Cer(IV)-Ionenquelle; und
- B) eine organische Sulfonsäure oder ein Derivat davon,
4. Verwendung eines Redox-Initiatorsystems, umfassend folgende
Komponenten:
- A) eine Cer(IV)-Ionenquelle; und
- B) eine organische Sulfonsäure oder ein Derivat davon,
5. Verwendung eines Redox-Initiatorsystems, umfassend folgende
Komponenten:
- A) eine Cer(IV)-Ionenquelle; und
- B) eine organische Sulfonsäure oder ein Derivat davon,
6. Redox-Initiatorsystem nach Anspruch 1 oder Verwendung nach ei
nem der Ansprüche 2 bis 5, wobei die Cer(IV)-Ionenquelle ein Cer(IV)-Salz
ist.
7. Redox-Initiatorsystem oder Verwendung nach Anspruch 6, wobei das
Cer(IV)-Salz Cer(IV)-ammoniumnitrat, Cer(IV)-ammoniumsulfat oder
Cer(IV)-sulfat ist.
8. Redox-Initiatorsystem nach mindestens einem der vorangehenden
Ansprüche oder Verwendung nach Anspruch 2, wobei die organische Sul
fonsäure aus Alkyl-, Aryl-, Alkaryl- und Aralkylsulfonsäuren und deren
Derivaten gewählt ist.
9. Redox-Initiatorsystem nach mindestens einem der vorangehenden
Ansprüche oder Verwendung nach Anspruch 2, wobei die organische Sul
fonsäure aus Methansulfonsäure, Pentadecylsulfonsäure, Hexadecylsul
fonsäure, Benzol-1,3-disulfonsäure, Styrolsulfonsäure, Vinylsulfonsäu
re, Polystyrolsulfonsäure, Poly(2-acrylamido-2-methylpropansulfonsäu
re) und deren Derivaten oder Copolymeren mit beliebigen Monomeren ge
wählt ist.
10. Redox-Initiatorsystem oder Verwendung nach mindestens einem der
vorangehenden Ansprüche, wobei die Derivate der organischen Sulfon
säuren Alkalkimetallsulfonate, vorzugsweise Natriumsulfonate sind.
11. Redox-Initiatorsystem oder Verwendung nach mindestens einem der
vorangehenden Ansprüche, wobei die Komponenten (A) und (B) in einem
äquimolaren Verhältnis zueinander vorliegen.
12. Redox-Initiatorsystem oder Verwendung nach mindestens einem der
vorangehenden Ansprüche, wobei das Redox-Initiatorsystem weiterhin ei
ne anorganische Mineralsäure zur Einstellung des pH-Werts auf weniger
als 7, vorzugsweise weniger als 1,5, umfaßt.
13. Verwendung nach Anspruch 3, wobei als Monomere Styrolsulfonsäu
re, 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure, Vinylsulfonsäure oder de
ren Derivate eingesetzt werden.
14. Verwendung nach Anspruch 3 oder 13, wobei die Komponenten (A)
und (B) in einem molaren Verhältnis von etwa 1 : 1 eingesetzt werden.
15. Redox-Initiatorsystem nach Anspruch 6 oder 7 oder Verwendung
nach Anspruch 4, wobei als Polymer mit mindestens einer Sulfonsäure
gruppe oder Sulfonatgruppe Polystyrolsulfonsäure, Poly(2-acrylamido-2-
methylpropansulfonsäure), Polyvinylsulfonsäuren, Copolymere aus Sty
rolsulfonsäure oder 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure oder Vi
nylsulfonsäure mit beliebigen Monomeren oder deren Derivate eingesetzt
werden.
16. Redox-Initiatorsystem nach Anspruch 6 oder 7 oder Verwendung
nach Anspruch 5, wobei als Latex mit Sulfonsäure- oder Sulfonatgruppen
ein hochsulfonierter Polystyrollatex eingesetzt wird.
Priority Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DE1995128585 DE19528585C2 (de) | 1995-08-03 | 1995-08-03 | Redox-Initiatorsystem für die radikalische Polymerisation und dessen Verwendung |
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|---|---|
| DE (1) | DE19528585C2 (de) |
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-
1995
- 1995-08-03 DE DE1995128585 patent/DE19528585C2/de not_active Expired - Fee Related
Patent Citations (4)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
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| DE2643140A1 (de) * | 1975-09-26 | 1977-04-07 | Merck & Co Inc | Pfropf-copolymer von hydrophilem xanthomonas-kolloid |
| EP0215624A2 (de) * | 1985-09-09 | 1987-03-25 | E.I. Du Pont De Nemours And Company | Herstellung feinteiliger Tetrafluorethylenpulverharze |
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Non-Patent Citations (4)
| Title |
|---|
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| Journal of Applied Polymer Science, Vol.53, S.1709-1715 (1994) * |
Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| DE19528585A1 (de) | 1997-02-06 |
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