DE19730103C2 - Einstufiges Verdrängungsdruckverfahren für den Mehrfarbendruck von Textilwaren und nach dem Verfahren herstellbarer Vlies-Bodenbelag - Google Patents

Einstufiges Verdrängungsdruckverfahren für den Mehrfarbendruck von Textilwaren und nach dem Verfahren herstellbarer Vlies-Bodenbelag

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Description

Die Erfindung betrifft ein einstufiges Verdrängungsdruck-Verfahren für den Mehrfarbendruck von Textilwaren und nach dem Verfahren herstellbarer Vlies- Bodenbelag gemäß den Patentansprüchen.
Dieses neue Verdrängungsdruck-Verfahren, auch "Tinctronic-Verfahren" ge­ nannt, wird auf der Chromojet-Anlage zum Bedrucken von textilen Bodenbelägen angewendet. Mit dieser neuen Drucktechnik ist die Darstellung völlig neuartiger Musterungen möglich.
Wichtigster Rohstoff für die textilen Bodenbeläge sind die Polyamidfasern. Ihre Überlegenheit beruht auf Vorteilen für die Verarbeitung und auf guten Eigen­ schaften des fertigen Belags. Polyamide können leicht Wasser absorbieren und quellen, wie z. B. Nylon 6 oder Nylon 66. Sie können daher einfach mit Disper­ sionsfarbstoffen, Säurefarbstoffen oder Metallkomplexfarbstoffen gefärbt wer­ den. Das Färben von Polyamidfasern mit Säurefarbstoffen resultiert aus der Umsetzung mit den Aminoendgruppen. Die Anzahl dieser reaktiven Stellen wird vom Molekulargewicht beeinflußt, kann jedoch durch Zusätze wie Viskositäts­ stabilisatoren modifiziert werden.
Mit Ausnahme der Vlies- oder Flocktechnik benutzen alle Herstellungsverfahren das Fasermaterial in Form von Garnen. Polyamid und Polypropylen werden in wesentlichen Anteilen als Multifilament- oder Endlosgarn verbraucht.
Bei den bekannten Verdrängungsdruckverfahren müssen die zu verdrängenden Farbstoffe mittels Foulard als Unifarbe vor dem Drucken aufgebraucht werden. Danach werden sie kontinuierlich per Schablonendruck verdrängt. Dieses Verfah­ ren hat den Nachteil, daß man zweistufig (Foulard und Schablonen) arbeiten muß, und dieses ist daher technisch aufwendig und kostenintensiv.
Das bekannte Verdrängungsdruck-Verfahren wird z. B. in DE 36 23 967 A1 beschrieben. Dort wird in Stufe A eine Fondfärbung des Textilmaterials vor­ genommen. Die Färbung erfolgt auf bekannte Weise durch Foulardieren, Begie­ ßen oder Aufpflatschen. Aus Beispiel 1 der DE 36 23 967 A1 geht hervor, daß hierzu eine Klotzflotte verwendet wird. Die lokale Applikation der Flotte oder Paste im zweiten Schritt erfolgt dann ebenfalls auf übliche Art, z. B. mittels Druckanlagen vom Typ des Schablonen- und/oder Rotationsfilmdruckes, Rota­ tionsreliefdruckes oder Spritzdruckes. Die in dieser zweiten Stufe verwendete Flotte kann einen neutralen, alkalischen oder sauren pH-Wert aufweisen.
EP 0 487 771 A1 beschreibt ebenfalls das bekannte Verdrängungsdruck-Verfah­ ren, bei dem man zweistufig mit Foulard, d. h. Klotzflotte und Schablonen arbei­ ten muß.
Die oben beschriebene Arbeitsweise ist jedoch technisch sehr aufwendig.
Bei Nadelfilz-Bodenbelägen ist jedoch schon lange bekannt, farbige Muster dadurch herzustellen, daß man auf die Vliesbeläge andersfarbige, kugelähnliche Garne aufbringt und diese dann auf dem Vliesbelag verankert. Dieses Verfahren ist auch unter dem Namen "Kugelgarn-Verfahren" der Fa. Forbo, Schweiz bekannt. Bei derartigen Vliesbelägen besteht jedoch der Nachteil, daß aufgrund hoher Belastung ein Abrieb an den Kugeln entsteht und sich somit Laufstraßen bilden.
Daher ist es Aufgabe der Erfindung, ein neuartiges Verdrängungsdruck-Verfahren für den Mehrfarbendruck von Textilwaren, insbesondere von Teppichen aus Polyamidfasern und von Vliesbelägen, d. h. Nadelfilz-Belägen, sowie neuartige Vlies-Bodenbeläge bereitzustellen, wobei das Verfahren in einfacher Weise und ohne Verwendung von Farbauftragsgeräten wie Foulard durchführbar ist. Weiter­ hin sollen die beim Kugelgarn-Verfahren aufgezeigten Nachteile vermieden werden.
Diese Aufgabe wird durch das neue "Tinctronic-Verfahren", d. h. durch das Verdrängungsdruck-Verfahren für den Mehrfarbendruck gemäß Anspruch 1 sowie durch den mittels einer Chromojet-Spritzdruckanlage hergestellten textilen Bodenbelag gemäß Anspruch 7 gelöst.
In den Unteransprüchen sind vorteilhafte Ausführungsformen der Erfindung enthalten.
Es ist allgemein bekannt, daß Chromojet-Anlagen verschiedene Farben nicht aufeinander, sondern nur nebeneinander drucken können. Diese Vorgehensweise beschreibt z. B. auch A. Nachberger in: "Chemiefasern/Textilindustrie", 7/8 1980, S. 657 bis 660. Dies ist aber gerade für das Verdrängungsdruckverfahren unerläßlich.
Das übliche Druckverfahren auf der Chromojet-Anlage läuft nämlich wie folgt ab: Die Chromojet-Anlage muß zunächst auf die nebeneinander zu druckenden Muster eingestellt, d. h. programmiert werden. Dabei wird die Fläche der zu bedruckenden Muster in Prozent angegeben. Muster und Farbzahl müssen insgesamt 100% ergeben, so daß die zu bedruckende Oberfläche vollständig abgedeckt ist.
Beispiel
Ein grüner Fond soll mit gelben, roten und blauen Blumen-Mustern bedruckt werden. Der Fondanteil beträgt 80%, der Anteil der gelben Blumen-Muster beträgt 5,5%, der Anteil an roten Blumen-Mustern 4,5%, der Anteil an blauen Blumen-Mustern 10%. Die Summe ergibt 100%.
Es wurde nun festgestellt, daß mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens auf der Chromojet-Anlage überraschenderweise unter bestimmten Bedingungen, die im folgenden noch erläutert werden, dennoch verschiedene Farbmuster aufein­ ander gedruckt werden können. Die Chromojet-Anlage wird derart eingestellt, daß im ersten Farbwerk sämtliche Figuren und Fond mit derselben Farbe zu­ sammen gedruckt werden, während mit den weiteren Farbwerken die verschie­ denen Farben, welche die Verdrängungspasten enthalten, auf den Fond gedruckt werden und somit in einem Arbeitsgang das fertige Endprodukt entsteht.
Das zu bedruckende Produkt, das immer nur eine rohweiße Ausgangsware ist, wird daher mit Hilfe einer dem Fachmann bekannten Chromojet-Spritzdruck­ anlage mit einer wässerigen Druckpaste bedruckt. Diese Druckpaste enthält neben einem synthetischen Verdickungsmittel auf Acrylatbasis mit hoher Ionen­ resistenz mindestens einen auf- oder überdruckbaren Farbstoff sowie gegebenen­ falls einen Säurespender. Durch vollflächiges Aufspritzen dieser Druckpaste, die Viskositäten von 200 bis 400 cP.s besitzen, wird eine Fondfärbung erzielt. Wesentlich ist hierbei, daß bei der Farbstoffauswahl für den Fond nur Farbstoffe eingesetzt werden, die später auf- oder übergedruckt werden können. Beispiele für Hauptfarbstoffe sind Lanacron Gelb® S-2G KWL oder Lancron Rot® S-G, Lanacron Marineblau® S-G KWL, Lanacron Braun® S-GL oder Lanacron Orange® S-2R, Lancron Rot® S-3G, Lancron Bordeaux® S-B, Lanacron Schwarz® S-6401. Die erzeugte Fondfärbung wird dann mit der Chromojet-Spritzdruckanlage mit einem oder mehreren Druckmustern überdruckt. Die nachträglich aufgespritzten Druckpasten enthalten neben den Verdrängungsdruck-Farbstoffen ein syn­ thetisches Verdickungsmitel auf Acrylatbasis mit hoher Ionenresistenz, weitere Hilfsmittel, die Farbstoff- oder Faseraffinität besitzen, sowie gegebenenfalls einen Säurespender. Wesentlich ist hier, daß die Druckpaste für die Buntdruck­ reserve als Hilfsmittel modifiziertes Fettamin-Ethoxylat wie beispielsweise Lyo­ print® 854 enthält.
Die nachträglich aufgespritzten Druckpasten weisen eine Viskosität im Bereich von 150 bis 200 cP.s zum Herstellen von großflächigen Mustern sowie von 400 bis 500 cP.s zum Herstellen von kleinflächigen Mustern auf.
Das bedruckte Produkt wird dann bei Temperaturen von 70 bis 102°C wie üblich gedämpft und nach dem Waschen bei 80 bis 180°C getrocknet. Danach kann das Produkt geschert und gegebenenfalls mit einem Rücken versehen werden.
Wesentlich ist weiterhin, daß die zur Fondfärbung eingesetzte Druckpaste einen pH-Wert von ca. 7 aufweist.
Die rohweiße Ware besteht aus Polyamidfasern. Hier kommen alle üblichen Nylontypen in Betracht. Bevorzugt wird Nylon 6 oder Nylon 66. Weiterhin ist es auch möglich, Nadelfilz-Beläge mit dem erfindungsgemäßen Verfahren zu bedruc­ ken. Die Nadelfilz-Beläge können beispielsweise aus einem genadelten Faservlies- Textilverbundstoff bestehen, der zumindest schichtweise mit einem Bindemittel imprägniert ist. Der Textilverbundstoff kann hierbei eine obere und eine untere Bindemittelschicht sowie eine zwischen diesen liegende Bindemittel-freie Schicht aufweisen. Hierdurch wird eine hohe und dauerhafte Trittelastizität sowie eine gute Verschleißfähigkeit der oberen Schicht erreicht.
Vorteilhaft bei dem erfindungsgemäßen Verfahren ist, daß man nicht mehr den Teppich auf einem vor der Druckmaschine installierten Foulard vorfärben und anschließend mit einer Schablone bedrucken muß. Erfindungsgemäß ist nur noch ein Verfahrensschritt zum Bedrucken des Teppichbodens notwendig. Es können weiterhin verschiedene Farben auf- und nebeneinander gedruckt werden. Mit Hilfe dieser neuen Drucktechnik ist es auch erstmals möglich, ähnliche Farb­ effekte zu erzielen, die bislang, beispielsweise nur mit dem Kugelgarn-Verfahren möglich waren.
Die Erfindung wird nun durch die folgenden Beispiele näher erläutert.
Die in den Druckpasten verwendeten Verdickungsmittel, Hilfsmittel und Säure­ spender waren die folgenden:
Tanaprint® EP 2000 ist ein anionaktives synthetisches Verdickungsmittel auf Acrylatbasis mit hoher Ionenresistenz für das Bedrucken von Teppichen mit Säure- und Metallkomplex-Farbstoffen (Handelsprodukt der Fa. Sybron/Tanatex).
Sandacid V® ist ein nichtionogener phosphatfreier Säurespender in Form einer heterocyclischen Verbindung (Handelsprodukt der Fa. Sandoz AG).
Lyoprint® 854 ist ein Hilfsmittel für Druckpasten zwecks Verdrängungs- oder Buntreservierungseffekt. Lyoprint® 854 ist ein nichtionisches modifiziertes Fettamin-Ethoxylat (Handelsprodukt der Fa. Ciba-Geigy).
Die verwendete Chromojet-Spritzdruckanlage besaß in den folgenden Beispielen 1 und 2 acht Druckwerke. Die Anzahl der Druckwerke hängt natürlich von der verwendeten Spritzdruckanlage ab und kann bis zu 12 Druckwerke betragen.
Beispiel 1
Es wurde ein Teppich mit einem Flächengewicht von 650 g/m2 aus Polyamid eingesetzt. Die Rezeptur für die vier Druckpasten war wie folgt:
Die Druckpasten wurden mit 200 cP.s mit Hilfe einer unter dem Handelsnamen Variatronic bekannten Chromojet-Spritzdruckanlage auf die trockene rohweiße Polyamidware mit 1,0 Bar aufgespritzt, bei 98°C ca. 15 Min. lang kontinuierlich gedämpft, gewaschen und bei 150°C getrocknet.
Der erhaltene Druck war von hoher Qualität und Lichtechtheit.
Anschließend wurde die aufgerollte Ware geschoren sowie mit einem Rücken versehen.
Beispiel 2
Hier wurde ein Nadelvliesteppich mit einem Flächengewicht von 1200 g/cm2 eingesetzt. Die Druckpaste der fünf verschiedenen Farben wurde mit einem Druck von 1,0 Bar auf die trockene rohweiße Ware gespritzt und wie oben in Beispiel 1 beschrieben ist, weiterverarbeitet. Die Rezeptur für die fünf Druck­ farben war wie folgt:
Der erhaltene Druck war von hoher Qualität und Lichtechtheit.

Claims (7)

1. Einstufiges Verdrängungsdruck-Verfahren für den Mehrfarbendruck von Textilwaren, insbesondere von Teppichen und von Vlies-Bodenbelägen aus Poly­ amidfasern, zur Durchführung auf der Chromojet-Spritzdruck-Anlage, bei dem man auf das zu bedruckende Produkt mittels einer Chromojet-Spritz­ druckanlage eine wässerige Druckpaste aufspritzt, die neben einem syn­ thetischen Verdickungsmittel auf Acrylatbasis mit hoher Ionenresistenz mindestens einen verdrängbaren Farbstoff sowie gegebenenfalls einen Säurespender enthält, und die erzeugte Fondfärbung mit der Chromojet- Spritzdruckanlage mit mindestens einem Druckmuster überdruckt, wobei die nachträglich aufgespritzten Druckpasten neben den Verdrängungs-Farb­ stoffen ein synthetisches Verdickungsmittel auf Acrylatbasis mit hoher Ionenresistenz, Verdrängungsmittel, das Farbstoff- oder Faseraffinität besitzt, sowie gegebenenfalls einen Säurespender enthalten, und in üblicher Weise das bedruckte Produkt dämpft, wäscht und trocknet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die zur Fondfär­ bung eingesetzten Druckpasten Viskositäten von 200 bis 400 cP.s besitzen.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die nachträglich aufgespritzten Druckpasten eine Viskosität von 150 bis 200 cP.s zum Herstellen von großflächigen Mustern sowie von 400 bis 500 cP.s zum Herstellen von kleinflächigen Mustern aufweisen.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekenn­ zeichnet, daß man als Verdrängungsmittel, das Farbstoff- oder Faseraffinität besitzt, ein modifiziertes Fettamin-Ethoxylat einsetzt.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß man das bedruckte Produkt bei Temperaturen von 70 bis 102°C dämpft und nach dem Waschen bei 80 bis 180°C trocknet.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekenn­ zeichnet, daß die zur Fondfärbung eingesetzte Druckpaste einen pH-Wert von ca. 7 aufweist.
7. Vlies-Bodenbelag, herstellbar nach dem Verfahren nach einem oder mehre­ ren der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 6.
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