DE19948867A1 - TNFalpha bindende Peptide und ihre Anwendung für Detektion, Inaktivierung und/oder Entfernung von TNFalpha aus biologischen Flüssigkeiten - Google Patents
TNFalpha bindende Peptide und ihre Anwendung für Detektion, Inaktivierung und/oder Entfernung von TNFalpha aus biologischen FlüssigkeitenInfo
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Abstract
Die erfindungsgemäßen Peptide mit den Formeln NH¶2¶-IQTLHAQ-COOH und NH¶2¶-RLANTFHVY-COOH binden in vitro wie ex vivo spezifisch TNFalpha. Sie eignen sich für die Herstellung von Testsystemen von TNFalpha, die Inaktivierung von TNFalpha und/oder dessen Entfernung aus Körperflüssigkeiten mittels z. B. Plasmapherese.
Description
Die Erfindung betrifft die Konstruktion und Verwendung von Peptiden, die geeignet
sind, an TNFα spezifisch zu binden. Diese Peptide kommen nach derzeitigem Wissen in
der Natur nicht vor. Mit ihrer Hilfe kann TNFα spezifisch gebunden, biologisch
inaktiviert und/oder aus Stoffgemischen entfernt werden.
TNF ist ein lösliches Protein (rel. Molmasse 17 kD), das in Reaktion auf Endotoxine
oder andere Noxen vornehmlich von Monozyten und Makrophagen produziert und
abgegeben wird. Es wurde erstmals beschrieben von Carswell, E. A. et al. (PNAS USA
72 (1975), 3666), die es im Serum von Tieren nachwiesen, welche vorher mit Endotoxin
und Bacillus Calmette Guerin (BCG) behandelt wurden.
Die biologisch aktive Form ist das Trimere aus den 17-kDa-Untereinheiten. Es kommt in
Form der ähnlichen Varianten TNFα und β vor.
TNF spielt eine zentrale Rolle in der Regulation der körpereigenen Abwehrmechanismen
nach Infektionen und Verletzungen, in der Aufrechterhaltung immunpathologischer
Prozesse und der Tumorrückbildung (Buetler, B. et al., Bueder, B. Hrsg. Tumor
Necrosis Factors: the Molecules and Their Emerging Role in Medicine (Raven Press,
New York, 1992)). Es greift in die Regulation einer Vielzahl biologischer Phänomene
ein, wie z. B. die Aktivierung der polymorphkernigen Granulozyten, Zellwachstum,
Hemmung der Lipoproteinlipase, antivirale Aktivität, Stimulierung der Kollagenase,
Stimulierung von Prostaglandin E, Aktivierung von T- und B-Zellen, erhöhte Expression
von MHC-Molekülen u. a.
Eine überhöhte Aktivität von TNF ist von pathogenetischer Bedeutung für chronische
Entzündungsprozesse (z. B. Rheumatoide Arthritis), Septikämischem Schock und
Kachexie. Die erhöhte TNF-Produktion verursacht eine exzessive Freisetzung von
Interleukin (IL) 6 und Granulozyten/Makrophagen-Kolonie Stimulierenden Faktor (GM-
CSF). Diese Zytokine verstärken die Zytotoxizität von polymorphkernigen neutrophilen
Granulozyten und die Expression zellulärer Adhäsinsproteine. Beide Phänomene sind
mitverantwortlich für die Aufrechterhaltung der Entzündungsprozesse (Williams et al.,
PNAS USA, 98 (1992), 9784).
Die Kachexie (Anorexie in Verbindung mit fortschreitendem Körpermasseverlust) bei
Tumorpatienten bzw. infolge von Infektionskrankheiten führt zu lebensbedrohlichen
Zuständen. TNF ist ein entscheidender Mediator für Kachexie bei diesen Erkrankungen.
Wiederholte TNF-Gaben an Mäuse verursachen Anorexie, Gewichtsverlust sowie Abbau
von Körperfett und Protein innerhalb von 7-10 Tagen (Carami et al., Immunol. Lett.
11 (1985), 173). Diese Effekte werden durch die gleichzeitige Verabreichung von
Antikörpern gegen TNF reduziert.
TNF kommt eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie der Sepsis mit Gram-negativen
Mikroorganismen und Endotoxinschock zu. Endotoxine der Gram-negativen Bakterien
stimulieren die Monozyten/Makrophagen zur TNF-Freisetzung (in Gefolge mit der
Synthese weiterer Zytokine). TNF und andere Monozyten-Zytokine vermitteln die
metabolische imd neurohormonelle Antwort des Organismus auf Endotoxine (Fieber,
Überkeit, Anorexie und Kachexie), wobei TNF allein in der Lage ist, diese klinischen
Symptome zu verursachen. Chronische intravenöse TNF-Infusionen sind verbunden mit
Anorexie, Wasserretension, Akute-Phase-Reaktion und negativer Stickstoffbilanz
(Michie, H. R. et al., Ann. Surg. 209 (1989), 19).
Erhöhte TNF-Werte werden bei Transplantationspatienten in der akuten Phase der
Organabstoßungsreaktion gemessen (Maury und Teppo; 1. Exil. Med. 166 (1987),
1132). Die Applikation von Antikörpern gegen TNF verhindert im Tierversuch die
typischen histologischen Veränderungen einer "graft versus host"-Reaktion.
Die vielfältigen biologischen Effekte des TNF (alpha und beta) werden durch zwei
Transmembranrezeptoren vermittelt. (TNF-R55 und TNF-R75). Die extrazellulären
Domänen beider Rezeptorproteine weisen eine 28%ige Aminosäuresequenz-Homologie
auf und besitzen beide vier relativ konservierte Subdomänen. Die zytoplasmatischen
Abschnitte beider Rezeptorproteine weisen keine Homologien auf, was auf eine
unterschiedliche Weise der Signaltransduktion hinweist.
Durch Proteolyse des extrazellulären Rezeptorabschnittes werden in vivo lösliche
Proteine freigesetzt, die in der Lage sind, TNF zu binden und zu inaktivieren (TNF
binding protein). Solche TNF-Inhibitoren können im Urin gesunder Menschen ebenso
nachgewiesen werden, wie im Serum von Tumorpatienten. Viele Einflüsse, die zur
Aktivierung der TNF-Freisetzung führen, bewirken gleichzeitig eine vermehrte Abgabe
von löslichen TNF-Rezeptoren. Das läßt den Schluß zu, daß sie im Sinne eines negativen
feedback auf die TNF-Synthese wirken.
Die Hemmung von TNF könnte von großer Bedeutung sein für die Basis- oder
unterstützende Therapie vieler Krankheiten.
Viele Verfahren sind beschrieben zur Inaktivierung und/oder Entfernung von TNF aus
Patienten. In WO 96/16666 wird ein Verfahren zur Entfernung von TNF mittels
Immunadsorption und Plasmapherese beschrieben. Dazu werden Antikörper gegen TNF
an eine Matrix gekoppelt, die als spezifische Liganden während der Plasmapherese TNF
binden.
In den Patenten WO 90/06938 und WO 90/06947 (Boehm et al.) werden eine Vielzahl
von Peptiden beansprucht, die von der Aminosäuresequenz des TNF abgeleitet wurden
und den TNF-Rezeptor blockieren.
Rathjen (WO 93/06128, WO 93/01211) beschreibt Peptide, die von der TNF-
Rezeptorstruktur abgeleitet wurden und in der Lage sind, am TNF spezifisch zu binden
und seine biologische Funktion zu inaktivieren. Mit diesen Peptiden gelang es in vitro
wie in vivo (Tumorregression, TNF-ToxizitätMaus, MalariaMaus) biologische Effekte zu
neutralisieren.
Im Patent WO 92/11285 beschreiben Boehm et al. weitere Peptide, die von der TNF-
Aminosäuresequenz abgeleitet wurden und durch das Besetzen des TNF-Rezeptors die
Bindung und damit den biologischen Effekt des nativen TNF verhindern.
Alle Beispiele für die Wirksamkeit der Rezeptorblockade wurden in vitro demonstriert.
Auf Tierexperimente gestützte Aussagen zur pharmakologischen Wirksamkeit werden
jedoch nicht erbracht.
In den Ansprüchen des Patents WO 97/02345 werden alle Stoffe geschützt, die in der
Lage sind, an der intrazellulären Domäne des TNF zu binden und dadurch die TNF-
Wirkung in irgendeiner Form zu beeinflussen.
Gegenstand der Erfindung ist ein empirisches Verfahren zur Ermittlung von
Oligopeptidstrukturen, die geeignet sind, an TNFα spezifisch zu binden. Herkömmlich
werden solche Peptide im Ergebnis von Ligand - Rezeptor - Untersuchungen konstruiert
oder auf der Grundlage der Analytik der Liganden, deren natürlichen Rezeptoren der
anti-Sense Peptide.
Auf der Grundlage dieses Verfahrens wurden die erfindungsgemäßen Peptide NH2-
IQTLHAQ-COOH und NH2-RLANTFHVY-COOH synthetisiert, die selektiv TNFα
erkennen, binden und deren biologische Wirkung in vitro inaktivieren.
Die Erfindung wird gemäß den Ansprüchen 1-12 realisiert.
Die Erfindung soll nachfolgend durch Ausführungsbeispiele näher erläutert werden.
Bindungssystem:
- 1. Äquilibrieren des trägergebundenen Oligopeptides in 300 µl BP für 1 h bei 37°C
- 2. Blockieren des trägergebundenen Oligopeptid-Trägers in 200 µl BP mit 1% BSA für 3 h bei 37°C
- 3. Waschen des trägergebundenen Oligopeptids in je 250 µl BP für 2 × 20 min bei 37°C
- 4. Inkubieren von 125J-TNF und/oder nichtmarkiertem TNF mit dem trägergebundenen Oligopeptid in 100 µl BP für 90 min bei 25°C
- 5. Waschen des trägergebundenen Oligopeptids in je 300 µl BP für 2 × 20 min bei 25°C
- 6. Messung per cpm
Jede einzelne Bindung wurde als Doppelbestimmung ausgeführt.
Bindungspuffer (BP):
100 mM Tris, 0,1% Tween-20, 140 mM NaCl, 0,1% BSA
100 mM Tris, 0,1% Tween-20, 140 mM NaCl, 0,1% BSA
Abb.
1: Bindung von 125
J-TNF an Oligo T2
[125
[125
J-TNF] = 0,227-10 nM
Abb. 2: Bindung von 125J-TNF an Oligo T2
[125J-TNF] = 10-40 nM
[125J-TNF] = 10-40 nM
Durch die Auswertung der Kurven aus Abb. 1 und Abb. 2 läßt sich für die Bindung von
TNF durch das trägergebundene Oligopeptid T2 eine Bindungskonstante von 15-20
nM bestimmen.
Abb.
3: Kornpetition der Bindung von 125J-TNF an Oligo T2 durch unmarkiertes TNF
125
J-TNF] = 4,55 nM
Abb.
4: Kompetition der Bindung von 125
J-TNF an Oligo T2 durch unmarkiertes TNF in
Anwesenheit von Blutplasma
[125
[125
J-TNF] = 0,85 nM
Anteil von Blutplasma im BP = 25%
Anteil von Blutplasma im BP = 25%
Die Fähigkeit der erfindungsgemäßen Peptide, am TNFα zu binden und dadurch dessen
zytotoxische Eigenschaften zu neutralisieren, wurde unter Verwendung von
Mäusebiofibroblasten (Zellinie L929) demonstriert.
Die Zellen wurden in Dulbecco's modifizierten Eagle's Medium (DMEM) unter
Verwendung von 10% fötalem Kälberserum (FKS) vermehrt.
24 Stunden vor dem Versuch werden die Zellen des geschlossenen Monolayer mit
Trypsin/EDTA vereinzelt und in DMEM/FKS aufgenommen. In die Wells einer 96-
Kavitäten-Zellzuchtplatte werden je 5 × 104 Zellen in 50 ml eingesät. Die
Zellzuchtplatten werden 3-5 Stunden bei 37°C in einer 5%igen CO2 Atmosphäre
inkubiert. Der Monolayer sollte vor Verwendung etwa zu 50% geschlossen sein. Von
den zu testenden Peptiden werden etwa 2-mM-Lösungen in 10 mM HEPES (pH 7,5)
hergestellt. Die Lösungen werden steril filtriert (200 nm) und in Verdünnungsstufen 1 : 4
in 10 mM HEPES (pH 7,5) verdünnt. Als Kontrolle dient der monoklonale Antikörper
TA-31 (Sigma) mit bekannter Inaktivierungsaktivität.
DMEM/FKS wird mit Actinomycin D (10 µg/ml) und rekombinantem humanen TNFα
(1 ng/ml) versetzt. 75 µl dieser Lösung werden mit 75 µl der jeweiligen
Peptidverdünnung, bzw. des Antikörpers (Kontrolle I) oder HEPES (Kontrolle 2)
gemischt. Nach einer Inkubation von 30 min bei Raumtemperatur wird das Gemisch
jeder Peptidverdünnungsstufe bzw. der Kontrollen in jeweils 3 Kavitäten inokuliert (je 50
µl/Kavität), in denen je 50 µl der Zellsuspension vorinkubiert wurde. Als Kontrolle 3
dienen ein Gemisch von 25 µl/Well DMEM/FKS mit Actinomycin D (10 mg/ml) und
25 µl/Well HEPES (pH 7,5).
Die Zellzuchtplatten werden über Nacht bei 37°C in einer 5%igen CO2-Atmosphäre
inkubiert. Nach Kristallviolettanfärbung der nicht lysierten Zellen wird die relative
Hemmung der zytotoxischen TNFα-Aktivität durch die Peptide ermittelt.
Claims (12)
1. TNFα bindende Peptide, bestehend aus 4-9 Aminosäuren.
2. TNFα bindende Peptide nach Anspruch 1,
gekennzeichnet durch die Aminosäure-Sequenz I
NH2-I-Q-T-L-H-A-Q-COOH I
NH2-I-Q-T-L-H-A-Q-COOH I
3. TNFα bindende Peptide nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet, daß sie aus mindestens 4 Aminosäuren langen Bruchstücken der
Formel I bestehen.
4. TNFα bindende Peptide nach Anspruch 2 und 3,
dadurch gekennzeichnet, daß einzelne Aminosäuren durch analoge Aminosäuren
ausgetauscht sind.
5. TNFα bindende Peptide nach Anspruch 1,
gekennzeichnet durch die Aminosäure-Sequenz II
NH2-R-L-A-N-T-F-H-V-Y-COOH II
NH2-R-L-A-N-T-F-H-V-Y-COOH II
6. TNFα bindende Peptide nach Anspruch 1 und 5,
dadurch gekennzeichnet, daß sie aus mindestens 4 Aminosäuren langen Bruchstücken der
Formel II bestehen.
7. TNFα bindende Peptide nach Anspruch 5 und 6,
dadurch gekennzeichnet, daß einzelne Aminosäuren durch analoge Aminosäuren
ausgetauscht sind.
8. TNFα bindende Peptide nach Anspruch 1-7,
dadurch gekennzeichnet, daß sie am N- und/oder C-Terminus blockiert sind.
9. TNFα bindende Peptide nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, daß sie durch Acetylierung, Alkylierung, Aralkylierung oder
Amidierung blockiert sind.
10. Verwendung der Peptide gemäß Anspruch 1-9 als Diagnostikum zur Detektion von
TNFα.
11. Verwendung der Peptide gemäß Anspruch 1-9 zur Inaktivierung und/oder
Entfernung von TNFα in Körperflüssigkeiten.
12. Verwendung der Peptide gemäß Anspruch 1-9 als Arzneimittel zur Bekämpfung
neoplastischer und Autoimmun-Erkrankungen sowie zur Bekämpfung und Prophylaxe
von Infektionen, Entzündungen und Abstoßungsreaktionen bei Transplantationen bzw.
als spezifischer Ligand zur Detoxikation allein oder in Kombination mit geeigneten
Trägern.
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