DE2142425A1 - Verfahren zur herstellung einer rieselfaehigen, als futtermittel verwendbaren trockenmelasse - Google Patents

Verfahren zur herstellung einer rieselfaehigen, als futtermittel verwendbaren trockenmelasse

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Description

Dipl.-Ing. H. MITSCHERÜCH 8 MÜNCHEN 22,
Steinsdorfstraße 10
Dipl.-Ing. K. GUNSCHMANN Telefon: (oe)1, .296684
Dr. rer. nqt.W. KÖRBER 2142425
PATENTANWÄLTE 24. Aug. 1971
Dr.Kö/wa
Süddeutsclie Zucker-Aktiengesellschaft
68 Mannheim
Maximilianstr. 1o
Patent anmeldung
Verfahren zur Herstellung einer rieselfähigen, als !Futtermittel verwendbaren Trockenmelasse
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung einer rieselfähigen, als spezielles futtermittel verwendbaren Trockenmelasse aus Zuckerrüben- und/oder Zuckerrohrmelasse·
Durch die angestrebte spezielle Aufbereitungsart sollen sich einerseits die Trocknungseigenschaften der Melasse verbessern, so daß höhere spezifische Trocknungsleistungen erreicht werden, und zum anderen durch die spezielle Aufbereitungsart der flüssigen Melasse ein Trockenprodukt erhalten -verden, das die Trockenmelasse lagerfähig macht.
Melasse ist bekannterweise ein Nebenprodukt bei der Zucker-(Saccharose)-Gewinnung aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr. Sie entsteht zwangsläufig dadurch, daß bei der Extraktion des
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Zuckers aus dem Pflanzenmaterial andere Pflanzeninhaltsstoffe in den Extraktionssaft mit übergehen, die die Kalk-Säure-Behandlung der Säfte passieren und bei der Kristallisation als gelöste Stoffe vorliegen, die sich nach (meist) 3-stufiger Kristallisation soweit angereichert haben, daß die Anwesenheit der Hichtzuckerstoffe eine weitere Kristallisation der Saccharose verhindert. Aufgrund der kristallisationsbehindernden Eigenschaften der Nichtzuckerstoffe steigen die Kristallisationskosten mit abnehmender Reinheit der Säfte an, so daß sich die wirtschaftlich optimale Entauckerung der Melasse nach der Preisrelation reiner Zucker : Melasse richtet.
Der Gebrauchswert der Melasse ergibt sich aus der Mischung von Saccharose als Hauptbestandteil und den anderen ehemaligen Pflanzeninhaltsstoffen. Sie eignet sich sehr gut als !Futtermittel und als Grundstoff für mikrobiologische Stoffumwandlungen (Alkohol-, Hefe-, Zitronensäure-, Penicillin-Gewinnung u.a.). Auch werden ehemalige Pflanzeninhaltsstoffe (z.B. Glutaminsäure) direkt aus der Melasse bzw. der Melasseschlempe, dem Rückstand der Melassevergärung, gewonnen.
Melasse, wie sie bei der Herstellung anfällt, enthält in der Regel zwischen 1o - 2ο$ Wasser. Die Melassetrockensubstanz besteht zu ca. 60$ aus Zucker (Gesamtzucker: Saccharose und - Invertzucker) und ca. 40$ aus ETichtzucker. Die handelsübliche Melasse wird zur Vergleichmässigung meist mit Wasser verdünnt, wobei ein Mindestgehalt von 76,3$ Trockensubstanz (TS ~) und von 47»0$ Gesamtzucker in der Trockensubstanz nicht unterschritten werden darf.
Melasse ist eine dunkelbraune bis schwarze zähe Flüssigkeit. Die Viskosität der Melasse ist stark abhängig vom Trockenaubstanzgehalt und von der Temperatur. Diese Viskosität der
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flüssigen Melasse ist für verschiedene Verwendunggarten ein technologischer Uachteil: Während für industrielle Abnehmer die flüssige Konsistenz der Melasse hinsichtlich Be-= und Entladung, Transport, Lagerung und Verarbeitung "bei Vorhandensein von Großtanks und Installation entsprechender. Pumpen und Rohrleitungen durchaus zweckmässig sein kann, stellt die Zähigkeit der flüssigen Melasse auf dem Gebiete der buttermitt elzubereitung, insbesondere im bäuerlichen Betrieb, teilweise einen großen Nachteil hinsichtlich Handhabung und Verwendung dar. Heben dem allgemein unangenehmen Klebrigwerden von Geräten und Gefäßen führen schwer zu entfernende Restmengen in Transport- und Lagerbehältern zu Substanzverlusten. Die schwierige Entleerung ist wegen des Zeitaufwandes zusätzlich ein wichtiger Kostenfaktora
Bei der Vermischung von Melasse mit anderen - trockenen Futtermitteln zur Herstellung von Mischfuttern verleiht der Melasseanteil der Mischung eine klebrige Konsistenz, die meist nicht erwünscht ist. Die Zähigkeit verhindert das Eindringen der Melasse in die kleineren Poren der anderen Mischungs-Stoffe, so daß sich ein relativ dicker Melassefilm ausbildet. Ein gleichmässiges Verteilen der zähflüssigen Melasse mit trockenen Komponenten erfordert eine längere 'Mischstrecke bzw. Mischzeit.
Es ist schon versucht worden, bisher bekannte Trocknungsverfahren auch zur Herstellung von Trockenmelasse aus flüssiger Melasse anzuwenden, wobei jedoch die spezifische Leistung der Anlagen aufgrund der ungünstigen Trocknungseigenschaften der Melasse relativ niedrig liegt, so daß die Rentabilität bei der technischen Verwirklichung in Frage gestellt ist. Ausserdem erhält man ein Trockenprodukt, das aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften bei der späteren Lagerung zum Zusammenbacken und Verklumpen neigt. Man hat
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daher bisher davon Abstand genommen, flüssige Melasse durch übliche Trocknungsverfahren zu behandeln.
Es ist bereits vorgeschlagen worden, zur Herstellung von Futtermitteln Melasse nach ihrer entsprechenden Verdünnung mit Wasser unter Anwendung des Sprühtrocknens zu trocknen· Dabei wurde der verdünnten Melasse vor Eingabe in den Sprühtrockner Calciumhydroxid zugesetzt und die derart behandelte Melasse mit Luft oder einem Inertgas verschäumt.
^ !Tun ist das Sprühtrocknen ein relativ aufwendiges Verfahren und bedingt insbesondere,dass die flüssige Melasse zunächst verdünnt werden muß, d.h. es wird ihr unnötig viel später wieder durch !Trocknung zu beseitigendes Wasser zugeführt.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, unter Vermeidung der genannten Unzulänglichkeiten bei der herkömmlichen Verwendung von Melasse ein Verfahren vorzuschlagen, bei dem die Melasse unter Anwendung bekannter Trocknungsverfahren zu einem leicht zu handhabenden, gut dosierbaren und gut mischbaren sowie rieselfähigen Trockenerzeugnis verarbeitet werden kann.
) Zur Lösung dieser Aufgabe wird erfindungsgemäss ein Verfahren vorgeschlagen, bei dem die Melasse mit dem aus dem Zuckergewinnungsverfahren anfallenden Feuchtigkeitsgehalt auf etwa 5o°ö erwärmt wird, der erwärmten Melasse ein Oxyd der Erdalkali-Gruppe zugesetzt und anschließend mit Jjuft oder einem Inert-Gas aufgeschäumt wird und schließlich die aufgeschäumte Masse einer an sich bekannten Kontakt-,Konvektions-)Vakuum- und/oder Strahlungstrocknung, also einer Trocknung, wie sie insbesondere mit Band-Jialzen-, Vakuum-, Zyklo- und Dünnschichtverdampfungstrocknern durchgeführt wird, unterworfen wird.
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Dieses Verfahren führt zu einem Endprodukt, das sich in einem grösseren Temperaturbereich zeitlich bei luftdichter Verpackung praktisch unbeschränkt lagern lässt und außerdem die spezifische leistung der technischen Anlagen, d.h. Trocknungsanlagen, gegenüber unbehandelter Melasse wesentlich erhöht. Auch braucht das recht aufwendige Sprühtrocknungsverfahren nicht angewendet zu werden. So erhält man z.B. bei Anwendung eines Walzentrockners ein stückiges bis schuppenförmiges Produkt in Korngrössen von 1 - 1o mm, das gute Lagerungs-, !Fließ-, Mischungs- und Dosiereigenschaften hat. Es wurde auch gefunden, daß nicht notwendigerweise Calciumoxyd Anwendung finden muß, sondern entsprechend gute Ergebnisse auch mit den übrigen Oxyden der Erdalkali-Gruppe erzielt werden.
In areckmässiger Weiterbildung des Verfahrens wird das Oxyd als wässrige Suspension mit einem Peststoffgehalt von etwa 2ofo zugegeben.
Die beiden Verfahrensschritte, nämlich der Zusatz von Erdalkalihydroxyd und das Verschäumen der unbehandelten flüssigen Melasse führen auch für sich allein zu einer gewissen Verbesserung der Trocknungs- und Lagerungseigenschaften. Aber erst durch die Kombination beider Verfahrensschritte wird die entscheidende Eigenschaftsverbesserung für die Durchführung der Trocknung und die Eigenschaftsverbesserung des Endproduktes erreicht, wobei hinzukommt, daß die mit Erdalkalihydroxyd versetzte Melasse wesentlich leichter und schneller die notwendige Luftmenge beim Verschäumen aufnimmt und festhält. Es \irurde bisher angenommen, daß die positiven Auswirkungen dieser beiden genannten Verfahrensschritte nur bei der anschließenden Anwendung der Sprühtrocknung zum Tragen kommen. Überraschend werden die guten
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Eigenschaften auch schon bei in der Praxis einfacher zu handhabenden Trocknungs verfahr en bzw. !Eroeknungsvorrichtun— gen erreicht.
Zwar ist es bereits bekannt, Melasse oder auch entzückerter Melasse, dog, Yinasse, Calciumoxyd oder auch Carbonate oder Phosphate zuzugeben. Dies jedoch nicht, um ein Erzeugnis mit angestrebten physikalischen Eigenschaften zu erhalten, sondern um bei der Verwendung als Futtermittel die Neutralisierung und Ausfällung eines Sulfationen-Überschusses zu bewirken bzw. um der Melasse ausreichende Mengen an Calcium f und Phosphor zuzuführen, die ihr von Hause aus als Futtermittel fehlen.
Bei dem erfindungsgemässen Verfahren beginnt bei Verwendung von Calciumoxyd bzw. -hydroxyd als Erdalkali-Oxyd die positive Wirkung bereits bei o,5$ und erhöht sich' bei höheren Zugaben bis zu 1o?6. Die vorherige Temperatur erhöhung erhöht dabei die Mischbarkeit. Erfindungsgemäss haben sich unter Berücksichtigung der Verträglichkeit als Futtermittel eine Zugabe von 1 - 4$ Calciumhydroxyd als zweckmässig erwiesen. Nach Verrühren der Kalkmilch in der erwärmten Melasse erfolgt das Einblasen von luft oder einem anderen Inert-Gas, so daß die Masse bis zu ca. der Hälfte ihres Volumengewichtes aufgeschäumt wird; erfindungsgemäss bis zu einem Litergewicht von etwa o,8 kg. Die so aufgearbeitete Melasse wird den genannten bekannten Irocknungsverfahren unterworfen.
Der technische Aufwand bei dem erfindungsgemässen Aufbereitungsverfahren kann relativ einfach sein. Es ist eine kontinuierliche wie auch eine diskontinuierliche Arbeitsweise möglich. Die Luft kann z.B. unterhalb des Rührwerkes mittels einer Düsenlanze eingeblasen werden bzw. sie kann auch kombiniert mit dem Rührwerk über die Hohlwelle des Rührwerkes in die Masse eingeblasen werden.
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Die nach, dem erfindungsgemässen Verfahren hergestellte Trockenmelasse ist eine lockere, freifließende, pulverige, stückige Masse von hellbrauner Farbe und hohem Putterwertβ Das erfindungsgemäße Verfahren ist schonend, so daß der Putterwert, die Verdaulichkeit und die geschmacksverbessernden Eigenschaften der Melasse erhalten bleiben« Das Produkt kann in einem Korngrößenbereich erzeugt werden, der gute Mischeigenschaften besitzt. .Bei der Mischung erfolgt eine gute und schnelle Verteilung mit den übrigen Futtermittelkomponenten, wobei die infolge der Hygroskopizität während der Mischung von der Trockenmelasse aufgenommene Feuchtigkeit ausreicht, um eine gute Haftung der Melasseteilchen an den übrigen Komponenten zu gewährleisten. Ein Entmischen kann also nicht erfolgen. Die Vorteile der Verwendung solcher Trockenmelasse sind auch namentlich für den Einzelverbraucher, z.B. bei der Bereitung von Futter zur Direktverfütterung oder zur Silagebereitung hinsichtlich der guten Fließ-, Mischungs- und Dosierungseigenschaften von Bedeutung.
Bei der Verwendung von Trockenmelasse ergeben sich gegenüber Flüssigmelasse weitere beachtliche Vorteile. Die in beliebiger Grosse (,z.B. 25 kg) herzustellenden Abpackeigenheiten können palettiert und somit ohne besondere zusätzliche Kosten be- und entladen, transportiert, gelagert und umgeschlagen werden. Bei Gebrauch der Trockenmelasse wird die Verpackung', geöffnet, und das Produkt lässt sich schnell und rückstandsfrei ausschütteln.
Das getrocknete Melassepulver ist in feuchtigkeitsundurchlässiger Verpackung bei normalen Temperaturen gut lagerfähig. Das Pulver ist hygroskopisch, zieht also beim offenen Stehen Feuchtigkeit aus der Luft an oder kann nach Oberflächenkontakt Feuchtigkeit von anderen Stoffen aufnehmen. Das Produkt ist zudem gut wasserlöslich.
Ansprüche; 30981 0/0307

Claims (4)

2U2425 Ansprüche
1. Verfahren zur Herstellung einer rieselfähigen,
als spezielles Futtermittel verwendbaren Trockenmelasse aus Zuckerrüben- und/oder Zuckerrohrmelasse, dadurch gekennzeichnet, daß die Melasse mit dem aus' dem Zuckergewinnungsverfahren anfallenden !Feuchtigkeitsgehalt auf etwa 5o°C erwärmt wird, der erwärmten Melasse ein Oxyd der Erdalkali-Gruppe zugesetzt und anschließend mit Luft oder einem Inertgas aufgeschäumt wird und schließlich die aufgeschäumte W Masse einer an sich bekannten Kontakt-, Konvektions-, Vakuum- und/oder Strahlungstrocknung unterworfen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Oxyd als wässrige Suspension mit einem Feststoffgehalt von etwa 2ofo zugegeben wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß Calciumoxyd bzw. Calciumhydroxyd in einem Anteil zwischen o,5 und 1o$, vorzugsweise 1 - 4$> bezogen auf Melassetrockensubstanz, zugegeben wird.
> ■
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Aufschäumen bis zu einem Litergewicht von o,8 kg erfolgt.
Der Patentanwalt
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DE19712142425 1971-08-24 1971-08-24 Verfahren zur Herstellung einer rieselfähigen, als Futtermittel verwendbaren Trockenmelasse Expired DE2142425C3 (de)

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