Die Erfindung betrifft ein kristallines α-Aluminiumoxidmonohydrat
der Formel Al₂O₃ ·x H₂O, wobei x größer als
1 und kleiner als 2 ist, ein Verfahren zur Herstellung
dieses α-Aluminiumoxidmonohydrats und dessen Verwendung
zur Herstellung von Automobilabgaskatalysatoren.
Aus der DE-OS 15 92 108 ist ein Verfahren zur Herstellung
von Tonerdegelen bekannt, bei dem eine Alkalialuminatlösung
mit einer Aluminiumsulfatlösung als Fällungsmittel
gemischt wird. Das vorbekannte Verfahren wird
bei Raumtemperatur durchgeführt und ergibt ein Produkt,
bei dem es sich nicht um eine Böhmit-Pseudobömit-Zwischenform
sondern wahrscheinlich um Pseudoböhmit handelt.
Katalysatoren bestehen überlicherweise aus einem Träger
und einem auf dem Träger befindlichen katalytischen
Material, wobei der Träger gewöhnlich aus Teilchen eines
porösen Materials, z. B. Aluminiumoxid besteht. Die Teilchen
haben typischerweise eine Größe entsprechend kugelförmigen
Teilchen mit einem Durchmesser von 1 mm bis
zu 15 mm, so daß das Trägermaterial gegebenenfalls in
entsprechende Teilchenform, z. B. Kugeln, Sphäroide,
Pillen und Zylinder ausgeformt werden muß. Die Aktivität,
der Wirkungsgrad, die Stabilität und Beständigkeit eines
Katalysators sind abhängig von den Struktureigenschaften
des Trägermaterials und der daraus gebildeten Teilchen
sowie von der Art und Verteilung der katalytischen Stoffe
auf den Trägerteilchen. Dementsprechend ist es wünschenswert,
daß die die katalytische Aktivität positiv beeinflussenden
Eigenschaften des Trägermaterials durch die
Formung zu Teilchen nicht beeinträchtigt sondern möglichst
vollständig erhalten bleiben.
Die anfängliche poröse Struktur der Katalysatorteilchen und
deren Vormaterial ist bestimmend für die Größe und die Aufnahmefähigkeit
der für den Kontakt des Katalysatormaterials und
der Reaktionskomponenten zur Verfügung stehenden Oberfläche.
Durch größeren Porendurchmesser erreicht man bessere Diffusionsgeschwindigkeit
für die Reaktionskomponenten und die Produkte
an die Katalysatorteilchen und von diesen weg, was häufig zu
verbesserter Katalysatoraktivität führt. Jedoch ist das Ausmaß,
bis zu dem die Porengröße vorteilhaft erhöht werden kann, begrenzt.
In dem Maß, in dem die Porengröße ansteigt, nimmt
die Oberfläche, an der Reaktionen stattfinden können, ab.
Bei einem guten Katalysator sollte Gleichgewicht bestehen
zwischen hoher spezifischer Oberfläche, gesamten Porenvolumen
und Makroporosität. Hohe Makroporosität bedeute eine Porengrößenverteilung,
in der ein relativ hoher Anteil an Poren
mit einem Durchmesser von mehr als 1000Å vorhanden ist.
Aluminiumoxid und ausgeformte Aluminiumoxid mit geringer
Dichte und entsprechend niedriger Wärmedämmung führt zu einem
Katalysator, der schneller auf Reaktionstemperatur kommt.
Ein besonders brauchbares Katalysatorträgermaterial
ist Aluminiumoxid, da es von Natur aus einen hohen Porositätsgrad
hat und eine vergleichsweise hohe Oberfläche
in dem Temperaturbereich, in dem normalerweise die meisten
katalytischen Reaktionen ablaufen, behält. Wenn man
es jedoch während langer Zeitspannen unter hohen Temperaturen
einsetzt, kann Aluminiumoxid infolge Überhitzung
sintern und sein Kristallgefüge ändern. Dadurch wird
die katalytische Aktivität, beispielsweise weil für
katalytischen Reaktionen zur Verfügung stehende Oberfläche
verlorengeht, absinken.
Da die physikalischen und chemischen Eigenschaften von
Aluminiumoxid weitgehend von den Verfahrensmaßnahmen
bei der Herstellung abhängig sind, sind schon zahlreiche
Herstellungsverfahren entwickelt worden, mit denen versucht
wurde, die zur Verwendung als Katalysatorträgermaterial
benötigten Eigenschaften zu optimieren. Aluminiumoxid
wird meist durch Kombination einer wasserlöslichen
sauren Aluminiumverbindung, zum Beispiel eines Aluminiumsalzes,
wie Aluminiumsulfat, Aluminiumnitrat oder Aluminiumchlorid,
mit einem Alkalialuminat, wie beispielsweise
Natrium- oder Kaliumaluminat ausgefällt (siehe
z. B. US-PS 29 88 520, US-PS 38 64 461, US-PS 35 20 654,
US-PS 30 32 514 und US-PS 31 24 418). Allerdings waren
bisher die Eigenschaften der resultierenden Produkte
nach dem Waschen und Trocknen in der Regel in der einen
oder anderen Richtung, beispielsweise hinsichtlich hoher
Oberfläche, Makroporosität, Phasenstabilität oder niedriger
Dichte, unbefriedigend.
Bei einem Verfahren zur Bildung von größeren Teilchen aus
Aluminiumoxid sollte das geformte Aluminiumoxid nicht nur
die Oberflächeneigenschaften, die Porosität und Dichteeigenschaften
des Ausgangsaluminiumoxidmaterials beibehalten,
sondern auch geringe Schrumpfung und hohen Abriebwiderstand
sowie gute Brechfestigkeit haben. Übliche Trägermaterialien
mit niedriger Dichte haben gewöhnlich unzureichende Strukturfestigkeit.
Wenn sie nicht stabilisiert sind, unterliegen
Aluminiumoxidteilchen einer beträchtlichen Schrumpfung und
Änderung des geometrischen Volumens, wenn sie während des
Gebrauchs hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Durch zu starkes
Schrumpfen entstehen im Katalysatorbett ungefüllte Kanäle,
durch die die Reaktionskomponenten hindurchströmen können,
ohne daß sie Kontakt mit dem Katalysator bekommen.
Hoher Abriebwiderstand sichert Strukturbeständigkeit und Beibehaltung
der Aktivität unter hohen mechanischen Beanspruchungen.
Während des Transportes, des Einfüllens in die Reaktionszone
und länger dauernder Benutzung sind Katalysatorteilchen zahlreichen
Kollisionen unterworfen, und dadurch entsteht in den
äußeren Schichten Materialverlust. Abrieb von katalytisch
aktiver Schicht, die in dem äußeren Volumenbereich der Teilchen
vorhanden ist, beeinträchtigt die katalytische Leistungsfähigkeit
und führt auch dazu, daß das Materialvolumen in der
Reaktionszone geringer wird. Volumenverlust durch Schrumpfung
und/oder Abrieb bei hochverdichteten eng zusammensitzenden
Teilchen in einem Festbettkatalysator kann dazu führen, daß
die Teilchen gelockert werden und eine verstärkte Bewegung
und mehr Kollisionen durch Vibration möglich werden. Wenn ein
fest gepacktes Bett sich erst einmal lockert, nimmt der Abrieb
noch zu. Während der Lagerung ist der Katalysator häufig in
großen turmartigen Behältern gepackt. Der Katalysator muß,
damit er der durch das Gewicht der Teilchen verursachten Kraft
zu widerstehen vermag, eine hohe Brechfestigkeit haben.
Katalysatoren werden zur Umwandlung von umweltverschmutzenden
Autoabgasen zu weniger störenden Substanzen verwendet. Als
hauptsächlich katalytisch wirksame Komponenten kann man Edelmetalle
einsetzen oder in kleinen Mengen zur Beschleunigung
der Aktivitä der Basismetallsysteme zugeben. In den US-PS
31 89 563 und 39 32 309 sind Edelmetallkatalysatoren zur
Steuerung der Autoabgasemission beschrieben. Die US-PS
34 55 843 kann als Beispiel für einen Basismetallkatalysator,
der mit Edelmetall als Promotor ausgebildet ist, dienen. Nicht
beschleunigte Basismetallkatalysatoren sind beispielsweise
in der US-PS 33 22 491 offenbart.
Ein allgemein üblicher Nachteil von Abgaskatalysatoren ist
ihre abnehmende Aktivität bei hohen Temperaturen, mechanischer
Vibration und Vergiftung durch im Abgas vorhandenes Blei,
Phosphor und Schwefelverbindungen nach längerer Gebrauchsdauer
in einer Größenordnung von etwa 80 000 Kilometer. Ein wirksamer
Katalysator sollte seine Aktivität gegen Vergiftung,
Änderung der kristallinen Phase und Strukturabbau durch Widerstand
gegen Edelmetallkristallitwachstum beibehalten.
Ein optimaler für hohe Temperaturen ausgelegter Aluminiumoxid-
Katalysatorträger sollte möglichst niedrige Dichte und hohe
Porosität haben und gleichzeitig seine Oberfläche im wesentlichen
beibehalten und gute Eigenschaften und Abriebwiderstand
aufweisen. Er sollte darüber hinaus hinsichtlich seiner
kristallinen Phasen und seines geometrischen Volumens beständig
sein. Es bestehen Schwierigkeiten, eine geeignete Kombination
dieser sich zum Teil widersprechenden Eigenschaften zu erreichen
und ein Aluminiumträgermaterial so zu imprägnieren,
daß ein Katalysator entsteht, der die Fähigkeit
hat, Autoabgasemissionen so weit zu entgiften, wie es die derzeit
vorliegenden amtlichen Bestimmungen vorschreiben.
Der Erfindung lag deshalb die Aufgabe zugrunde, ein
als Katalysatorträger geeignetes Material zu finden,
das die Nachteile der Katalysatorträger des Standes
der Technik vermeidet bzw. den oben dargelegten
anzustrebenden Eigenschaften näher kommt als
diese.
Zur Lösung dieser Aufgabe wird ein kristallines α-Aluminiumoxidmonohydrat
der eingangs genannten Art vorgeschlagen,
das dadurch gekennzeichnet ist, daß es eine mikrokristalline
Böhmit-Pseudoböhmit-Zwischenform mit einem [020]-d-Netzebenenabstand
von 6,2 bis 6,5 Å und einer halben maximalen
Intensitätsbreite des [020]-Röntgenbeugungsmaximums
zwischen 1,65 bis 1,85 Å ist und daß es nach einer einstündigen
thermischen Behandlung bei 1010°C das Röntgenbeugungsspektrum
von R-Aluminiumoxid und ein Porenvolumen
der Poren mit einem Durchmesser von 10 bis 600 Å von
0,60 bis 0,75 cm³/g aufweist.
Gegenstand der Erfindung ist ferner das Verfahren gemäß
Patentanspruch 2 zur Herstellung des erfindungsgemäßen
α-Aluminiumoxidmonohydrats und dessen Verwendung zur
Herstellung von Automobilabgaskatalysatoren gemäß Anspruch
3.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist reproduzierbar und
führt zu kristallinem α-Aluminiumoxidmonohydrat, aus
dem Verfahrensverunreinigungen durch Auswaschen mit
Wasser und Filtrieren leicht entfernt werden können.
Infolge der Steuerung der Temperatur, der Reaktionszeit,
der Zugabegeschwindigkeit, der Konzentrationen und
der pH-Werte wird ein α-Aluminiumoxidmonohydrat gewonnen,
das eine im wesentlichen reine mikrokristalline Pseudoböhmit-
Böhmit-Zwischenformstruktur aufweist und in dem
etwa 70 bis 85 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge an
vorhandenem Al₂O₃, in kristalliner Form vorliegen.
Das Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemäßen
Aluminiumoxidmonohydrats umfaßt fünf Phasen. In
der Phase I erfolgt die Bildung von Böhmit-Impfkristallen
bei sauren pH-Werten in sehr verdünnten wäßrigen
Medien; diese Phase wird als Keimbildungsphase bezeichnet.
In der Phase II, die die Hauptphase ist, erfolgt die Ausfällung
und Kristallisation von Aluminiumoxid bei einem pH-Wert von
7 bis 8. Während dieser Phase wachsen Kristallite
von Böhmit oder Pseudoböhmit von dem wäßrigen ausgefällten
Aluminiumoxid auf die Impfkristalle auf. Die Phase II wird
als Ausfällungs- und Kristallitwachstumphase bezeichnet.
In der Phase III wird der pH-Wert des Systems durch Zugabe
einer alkalischen Lösung geändert und damit die elektrische
Oberflächenladung auf der Aluminiumoxidausfällung reduziert.
Während dieser Phase nimmt die positive Aufladung der
Aluminiumoxidteilchen allmählich ab, bis sie bei einem pH-Wert
von 9,4 bis 9,6 im wesentlichen null wird. In diesem Zustand
gilt die Aluminiumoxidausfällung als isoelektrisch. Dies ist
der Punkt im pH-Bereich, an dem die Oberfläche praktisch
keinerlei elektrische Ladung zeigt. Aus diesem Grunde bezeichnet
man die Phase III auch als Reduktionsphase für die
elektrische Aufladung der Oberfläche.
In der Phase IV erfolgt vorteilhaft die Alterung des Systems
während einer vorbestimmten Zeitspanne, und in der Phase V
wird die resultierende Aufschlämmung filtriert und gewaschen und
unerwünschte Elektrolyte und Verunreinigungen entfernt.
Vorteilhaft wird in einer letzten Verfahrensstufe der gewaschene
Filterkuchen zu einem pulverförmigen Material getrocknet. Dies
kann mit oder ohne Einarbeitung spezieller Additive, die zur
Verminderung der Adsorption von Verunreinigungen vorgesehen
sein können, geschehen.
Die Reaktionskomponenten, die man zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens benutzt, sind wasserlösliche Aluminiumsalze,
wie Aluminiumsulfat, Aluminiumnitrat und Aluminiumchlorid,
und ein Alkalialuminat, wie Natriumaluminat und
Kaliumaluminat. Bei speziellen Ausführungsformen
setzt man als Reaktionskomponenten aus Kostengründen,
weil sie leicht erhältlich sind und weil sie die gewünschten
Eigenschaften bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
haben, Aluminiumsulfat und Natriumaluminat ein. Man
verwendet die Reaktionskomponenten in Form von wäßrigen
Lösungen. Das Aluminiumsulfat setzt man bevorzugt in
hohen Konzentrationen von etwa 6 bis etwa 8 Gew.-% an
Al₂O₃-Äquivalenten ein.
Als Natriumaluminatlösung sollte vorteilhaft eine relativ
frisch zubereitete Lösung benutzt werden, in der keinerlei
Ausfällung oder ungelöstes Aluminiumoxid vorhanden ist. Man
kann Natriumaluminat durch seine Reinheit und seine Konzentration
an Aluminiumoxid-Äquivalenten charakterisieren. Diese
äquivalenten Al₂O₃-Konzentration beträgt 18 bis 22 Gew.-%.
Darüber hinaus sollte der
Alkaligehalt, beispielsweise als Na₂O-Äquivalente, so ausreichend
hoch sein, daß das Aluminiumoxid sicher vollständig
in Lösung gebracht wird. Das Natriumaluminat sollte ein Na₂O
zu Al₂O₃-Molverhältnis von mehr als etwa 1,2, vorzugsweise mehr
als etwa 1,35, aufweisen. Natürlich sollte aus wirtschaftlichen
und praktischen Gründen die Obergrenze des Molverhältnisses
nicht zu hoch liegen; für eine wirtschaftlich arbeitende praktische
Verfahrensführung wird man daher das Molverhältnis nicht
höher als etwa 1,5 wählen. Verunreinigungen, ein nicht ausreichend
hoher Alkaligehalt und zu hohe Verdünnungen bewirken,
daß das Natriumaluminat instabil wird.
Vor Beginn des Verfahrens werden die Reaktionslösungen auf
eine Temperatur zwischen 54 und 72°C, vorzugsweise
auf etwa 60°C erhitzt. Man beginnt die Reaktion mit der Keimbildungsphase,
in der eine erste Füllung von entionisiertem
Wasser in einen geeigneten Reaktionsbehälter gegeben wird.
Das Wasser wird gerührt und auf eine Temperatur von 60 bis
77°C erhitzt. Im allgemeinen liegt die Temperatur der
Füllung bei einem Wert von etwa 1,5 bis 3°C unterhalb der
Endtemperatur, bis zu der die Reaktion geführt werden soll.
Eine erste Charge von Aluminiumsulfat wird in einer so ausreichend
kleinen Menge dem Wasser zugesetzt, daß der pH-Wert
des Gemisches auf einen Wert zwischen 2 und 5, vorzugsweise
zwischen etwa 3 und etwa 4 eingestellt wird. Zu
diesem Zeitpunkt sollte die Konzentration an Aluminiumoxidäquivalenten
in dem Gemisch etwa 0,1 Gew.-%, vorzugsweise etwa
0,05 Gew.-% nicht übersteigen. Wenn man in dieser Weise sehr
niedrige Konzentration, niedrigen pH-Wert und hohe Temperatur
kombiniert, erreicht man im Ergebnis die partielle Hydrolyse
des Aluminiumsulfats und die gleichzeitige Ausbildung von
extrem kleinen Böhmit-Kristalliten. Dieser Keimbildungsvorgang
läuft sehr rasch ab, und der Beginn der Phase II setzt alsbald
nach der ersten Zugabe von Aluminiumsulfat ein. Es ist jedoch
vorteilhaft, bis zu 10 Minuten, vorzugsweise etwa 5 Minuten,
abzuwarten, damit sichergestellt ist, daß die Keimbildungsphase
ordnungsgemäß abgelaufen ist und das System mit einer
ausreichenden Menge an Impfkristallen versorgt ist.
Die zweite Phase des Verfahrens führt man so aus, daß man dem
Gemisch aus der Wasserfüllung und den darin enthaltenen Impfkristallen
gleichzeitig die Natriumaluminat- und die Aluminiumsulfat-
Reaktionskomponenten zusetzt. Die Lösungen werden gleichzeitig
in Form von getrennten Strömen mit festgesetzten und
im wesentlichen konstanten Zusatzgeschwindigkeiten in den
Reaktor eingeleitet; dabei entsteht die Aluminiumoxidausfällung
und bildet eine Aluminiumoxidaufschlämmung. Da die Reaktion bei
einem pH-Wert zwischen 7 und 8 durchgeführt werden
muß, wird zweckmäßig die Zugabegeschwindigkeit einer der beiden
Reaktionskomponenten während des Verfahrensablaufes so gesteuert,
daß der gewünschte pH-Bereich der Aufschlämmung schnell erreicht
wird.
Während dieser Phase steigt der pH-Wert rasch von 2 bis
5 auf 7 bis 8 an. In dem Maße, wie die Reaktionskomponenten
der anfänglichen Füllung zugegeben werden, steigt
die Aluminiumoxidkonzentration in der resultierenden Aufschlämmung
allmählich an. Unter den spezifizierten Bedingungen neigt die
Aluminiumoxidausfällung dazu, in kristallines Aluminiumoxid
einer Böhmit-Pseudoböhmit-Zwischenform zu kristallisieren. Wenn
die Ausfällungsgeschwindigkeit die Kristallisationsgeschwindigkeit
bei den speziell eingesetzten Bedingungen übersteigt,
verbleibt in der Ausfällung überschüssiges wasserhaltiges
Aluminiumoxid als Aluminiumoxidgel. Das erfindungsgemäß hergestellte
Aluminiumoxid zeichnet sich durch ein Gleichgewicht
zwischen der Menge an kristalliner Böhmit-Pseudoböhmit-
Zwischenform und der Menge an Gel. Dazu ist erforderlich, daß
die Ausfällungsgeschwindigkeit, die von der Zugabegeschwindigkeit
der Reaktionskomponenten abhängig ist, die Kristallisationsgeschwindigkeit
des wasserhaltigen Aluminiumoxids zu Böhmit-
Pseudoböhmit-Zwischenform um eine bestimmte eingestellte Menge
übersteigt. Der pH-Wert und die Temperatur der Aufschlämmung und die
Zusatzgeschwindigkeiten der Reaktionskomponenten werden während
der Ausfällung so gehalten, daß sich eine kristalline Böhmit-Pseudoböhmit-
Zwischenform bildet. Da die Kristallisationsgeschwindigkeit
in erster Linie durch die Temperatur des Systems festgelegt
ist, variieren die Zusatzgeschwindigkeiten der Reaktionskomponenten
je nach spezieller Temperatur, bei der die Reaktion
durchgeführt wird. Bei niedrig liegenden Arbeitstemperaturen
ist die Kristallisationsgeschwindigkeit relativ langsam und
infolgedessen sollte die Zugabe der Reaktionskomponenten mit
einer langsamen Geschwindigkeit erfolgen.
Beispielsweise liegt die Zusatzgeschwindigkeit in der Phase II
bei Temperaturen im Bereich von 60 bis etwa 65°C über 60 Minuten
und beträgt vorzugsweise mehr als 70 Minuten.
Andererseits kann, wenn im oberen Bereich der Reaktionstemperatur
gearbeitet wird, beispielsweise bei etwa 75
bis 85°C, die Zugabegeschwindigkeit erheblich gesteigert
werden, so daß die Phase II in kürzeren Zeiten, beispielsweise
in etwa 15 bis etwa 30 Minuten durchgeführt werden kann. Bei
einer bevorzugten Ausfällungsreaktion liegt die Temperatur
zwischen etwa 65 und 77°C und die Ausfällungsgeschwindigkeit
sollte so eingestellt sein, daß sich die Reaktion innerhalb
einer Zeitspanne von etwa 30 bis 70 Minuten, vorzugsweise
innerhalb 40 bis 60 Minuten durchführen läßt.
In einer speziellen Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens wird die Reaktion bei 68,5 bis 74°C durchgeführt,
und dabei werden die Reaktionskomponenten über eine Zeitspanne
von etwa 48 bis 52 Minuten mit im wesentlichen konstanter
Zuflußgeschwindigkeit während der gesamten Ausfällungsphase
zugegeben und der relative Zufluß wird, sofern erforderlich,
so eingestellt, daß programmierte pH-Werte wie folgt erreicht
werden:
| Zeit in Minuten vom Beginn der Phase II an |
| pH-Bereich der Aufschlämmung |
| 5±2 |
| 7,0-7,4 |
| 10±2 |
7,2-7,5 |
| 20±2 |
7,3-7,5 |
| 50±2 |
7,35-7,45 |
Im allgemeinen wird, da die Reaktion exotherm ist, eine ausreichende
Wärmemenge frei, um die Temperatur auf der gewünschten
Höhe zu halten, vorausgesetzt, daß die Wasserfüllung und die
Reaktionskomponenten, wie beschrieben, vorerwärmt werden. Wenn
es Schwierigkeiten gibt, die gewünschte Temperatur aufrechtzuerhalten,
kann durch äußere Kühlung oder Erwärmung die erforderliche
Temperatursteuerung vorgenommen werden. Die Durchführung
der Ausfällungsreaktion unter den zuvor beschriebenen
Bedingungen sichert die Bildung einer solchen Aluminiumoxidausfällung,
die das gewünschte Gleichgewicht zwischen kristallinem
α-Aluminiumoxidmonohydrat (Böhmit-Pseudoböhmit-Zwischenform)
und Gel aufweist.
Am Ende der Phase II liegt die Konzentration als Al₂O₃-Äquivalenten
der Aufschlämmung im Bereich von 5 bis 9 Gew.-%, vorzugsweise
bei etwa 6 bis etwa 8 Gew.-%. Das Materialgleichgewicht
zwischen den bis zu diesem Zeitpunkt zugegebenen Reaktionskomponenten
sollte so eingestellt sein, daß das Verhältnis
von Natrium, angegeben als Mole Na₂O, zu Sulfationen, angegeben
als Mole H₂SO₄-Äquivalent, mehr als 0,80, vorzugsweise mehr
als 0,88, jedoch weniger als 0,97 ausmacht.
Nach Beendigung der Phase II, nachdem die gewünschte Menge an
Aluminiumoxid ausgefällt ist, wird der Zufluß von Aluminiumsulfat
abgestellt. Dann wird die Phase III durchgeführt und
die elektrische Ladung an der Oberfläche des ausgefällten
Aluminiumoxids von stark positiver Ladung auf null oder möglicherweise
bis zu negativer Ladung reduziert. Dies erfolgt
in der Weise, daß der pH-Wert von dem am Ende der Phase II
vorhandenen Wert von 7 bis 8 auf einen Wert nahe
oder etwas oberhalb des isoelektrischen Punktes für Aluminiumoxid,
der irgendwo zwischen 9,4 und 9,6 liegt, gebracht wird.
Im allgemeinen stellt man den pH-Wert der Aufschlämmung auf
9,5 bis 10,5, vorzugsweise auf etwa 9,6 bis etwa 10,0 ein.
Die pH-Wert-Änderung kann man durch Zugabe von starker Alkalilösung,
wie beispielsweise Natriumhydroxid, vornehmen. Aus
praktischen Gründen ist es jedoch zweckmäßig, die anfänglich
verwendete Natriumaluminat-Reaktionskomponenten-Lösung als
alkalische Lösung einzusetzen. Es wird dann, während die pH-Wert-
Änderung erfolgt, eine zusätzliche Menge an Aluminiumoxid in
die Aufschlämmung eingebracht und damit die Ausbeute verbessert und
die Kosten vermindert. Dementsprechend arbeitet man beim erfindungsgemäßen
Verfahren in der Phase III vorzugsweise so, daß
man weiterhin Natriumaluminat, aber mit verminderter Zusatzgeschwindigkeit,
zugibt. Dadurch wird sichergestellt, daß der
End-pH-Wert nicht überschritten wird und keine örtliche Überkonzentration
an Natriumaluminat erfolgt, durch die unerwünschte
Ausfällung von Aluminiumoxid unter hohen pH-Werten und damit
die Ausbildung unerwünschter Phasen, wie beispielsweise
Bayerit (β-Aluminiumoxid-trihydrat) stattfinden könnten.
Während der Phase III wird, wie während der Phasen I und II,
die Temperatur der Aufschlämmung aufrechterhalten und es wird ständig
gerührt. Das Natriumalumininat wird zunächst kontinuierlich mit
langsamer Zugabegeschwindigkeit zugeführt, bis der pH-Wert auf
9,5 bis etwa 10,0 angestiegen ist; danach wird Natriumaluminat
diskontinuierlich in dem Maße zugegeben, wie dies
notwendig ist, um den End-pH-Wert zu erreichen. Während dieser
Phase wird das an der Oberfläche der Aluminiumoxidteilchen
fixierte Sulfation in dem Maße frei, wie die positive Ladung
der Aluminiumoxidoberfläche zu null hin reduziert oder etwas
negativ eingestellt wird. Wenn ein pH-Wert von 9,5 bis 10,5,
vorzugsweise ein pH-Wert von etwa 9,6 bis etwa 10,0 erreicht
worden ist, wird der Zufluß von Natriumaluminat unterbrochen.
Die Phase III kann in einer so kurzen Zeitspanne wie 4 Minuten
ablaufen oder sich über einen langen Zeitraum wie 20 Minuten
erstrecken. Vorteilhaft führt man sie innerhalb einer Zeitspanne
von etwa 6 bis etwa 12 Minuten durch.
In der Phase IV kann man, nachdem alle Reaktionskomponenten
zugegeben worden sind, die Aufschlämmung mehrere Stunden lang
altern. Im allgemeinen altert
man etwa 30 Minuten lang. Sofern während der Phase III ein
großer Ansatz an Aluminiumoxidaufschlämmung hergestellt worden ist,
den man nicht in einem einzigen Ansatz filtrieren kann, sondern
kontinuierlich während einer Zeitspanne bearbeiten muß, unterliegt
ein Teil des Materials notwendigerweise einer Alterung,
während es für die Filtrationsbehandlung bereitgehalten wird.
Die Aluminiumoxidaufschlämmung wird anschließend filtriert, und dann
wird der Filterkuchen gewaschen; auf diese Weise werden unerwünschte
Verunreinigungen eliminiert. Als Waschflüssigkeit
verwendet man vorteilhaft entionisiertes Wasser; damit lassen
sich die wasserlöslichen Verunreinigungen entfernen. Es ist
unzweckmäßig, Verunreinigungen wie beispielsweise Calcium,
Magnesium, Chlorid, Carbonat oder Bicarbonat enthaltendes
Wasser zu verwenden. Jedoch können, je nach dem Endverbrauchszweck
für das Aluminiumoxid, einige dieser Verunreinigungen,
wie beispielsweise flüchtige Verunreinigungen, toleriert werden.
Metallische Verunreinigungen, wie beispielsweise Calcium,
Magnesium, Eisen, Silicium und Nickel können
dagegen nicht, allenfalls in äußerst geringen Konzentrationen,
toleriert werden.
Der Ausdruck "im wesentlichen rein", wie er in der vorliegenden
Beschreibung benutzt wird, bezieht sich auf
Aluminiumoxid, das einen Gehalt an Verunreinigungen, bezogen
auf Trockenbasis, hat, die folgende Obergrenzen nicht übersteigen:
Natrium, angegeben als Na₂O, 0,15 Gew.-%, Calcium,
angegeben als CaO, 0,15 Gew.-%; Magnesium, angegeben als MgO,
0,15 Gew.-%; Silicium, angegeben als SiO₂, 0,80 Gew.-%; Eisen,
angegeben als Fe₂O₃, 0,07 Gew.-%; Nickel, angegeben als NiO,
0,07 Gew.-%.
Man arbeitet mit entionisiertem Wasser, damit man ein reines
Aluminiumoxidprodukt erhält. Das entionisierte Wasser wird
üblicherweise erhitzt, wodurch die Entfernung von Elektrolyten
erleichtert wird; es kann eine Temperatur von etwa 50 bis
80°C haben. Elektrolyte lassen sich infolge der kristallinen
Natur der Ausfällung relativ leicht durch Auswaschen entfernen.
Kristallines Material hat eine geringere Tendenz, Verunreinigungen
einzuschließen, und das Auswaschen ist infolge der verbesserten
Filtrationseigenschaften leichter. Die Menge an
entionisiertem Wasser, die man benötigt, um ein Produkt guter
Qualität zu erzielen, hängt ab von der speziellen verwendeten
Filtrationsapparatur. Im allgemeinen jedoch werden je 0,453 kg
an Al₂O₃ (Trockenbasis) in dem Filterkuchen Wassermengen im
Bereich von 9 bis 45 kg benutzt.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens wird der Filterkuchen zu einem Aluminiumoxidpulver
getrocknet, das ohne daß es sich zersetzt, bequem über längere
Zeit gelagert werden kann, bevor es weiter verarbeitet wird.
Das Trocknen des Filterkuchens kann auf verschiedene Art erfolgen,
beispielsweise auf Horden oder auf
dem Transportband. Bei einer besonders vorteilhaften
Arbeitsweise gibt man jedoch dem Filterkuchen Wasser
zu, um ihn in eine pumpfähige Aufschlämmung zu bringen und
bedient sich dann einer Methode, mit der das Wasser schnell
wieder entfernt werden kann, beispielsweise der Sprühtrocknung
oder Verdampfungstrocknung. In diesen Fällen enthält die
pumpfähige Aluminiumoxidaufschlämmung etwa 15 bis etwa 20 Gew.-%
an Feststoffen. Die Aufschlämmung wird in feinzerteilten
Tröpfchen durch eine Sprühdüse in eine Trockenkammer eingedüst.
Die Tröpfchen kommen in Kontakt mit heißen Trocknungsgasen.
Beispielsweise kann die Sprühtrockner-Einlaßtemperatur der
Trocknungsgase auf etwa 430 bis etwa 370°C eingestellt sein.
Die Zuführgeschwindigkeit der Aufschlämmung wird so eingestellt,
daß man eine Auslaßtemperatur von mehr als etwa 120°C,
die jedoch etwa 200°C nicht übersteigt und zweckmäßig zwischen
etwa 150 und etwa 180°C liegt, erreicht. Wenn man unter solchen
Arbeitsbedingungen arbeitet, ist sichergestellt, daß die
partielle Entfernung des Wassers ohne Zerstörung der kristallinen
Struktur des Aluminiumoxids erfolgt.
Wenn als Trocknungsgase Öl-Verbrennungsprodukte eingesetzt werden,
können diese Gase erhebliche Konzentrationen an Kohlendioxid
enthalten. Wenn Kohlendioxid mit der alkalischen
Aufschlämmung in Kontakt kommt, wird es absorbiert und kann
möglicherweise an der Oberfläche chemisch reagieren. In solchen
Fällen enthält dann das Endprodukt geringe Mengen an Kohlendioxid
als Verunreinigung. Dieses Kohlendioxid hat jedoch in
den meisten folgenden Stufen keine größere Bedeutung. Wenn es
jedoch notwendig ist, läßt sich die Kohlendioxidaufnahme
dadurch vermindern, daß man die pumpfähige Aufschlämmung mit
Spurenmengen von Säure auf einen pH-Wert von 7 oder weniger
ansäuert. Dazu verwendet man vorzugsweise thermisch zersetzbare
organische Säuren, wie beispielsweise Essigsäure und Ameisensäure.
Mineralsäuren können möglicherweise als Verunreinigungen
festgehalten werden, und dadurch kann das Verfahren in späteren
Verfahrensstufen beeinträchtigt sein.
Im Falle des Einsatzes von Salpetersäure werden unerwünschte
Umweltverschmutzung verursachende Bestandteile erhalten.
Während des Sprühtrocknens kann, je nach den speziellen Arbeitsbedingungen,
eine Teilmenge des Gelanteils in der Ausfällung
zu Böhmit-Pseudoböhmit-Zwischenform kristallisieren. Das sprühgetrocknete
Produkt ist nicht vollständig trocken sondern enthält
noch einen bestimmten Wasseranteil. Im allgemeinen befindet
sich in dem sprühgetrockneten Produkt weniger als etwa 18 Gew.-%
Wasser; der Wasseranteil kann jedoch bis zu etwa 33 Gew.-% ansteigen.
Vorteilhaft sollte der Wassergehalt zwischen etwa
20 und etwa 28 Gew.-% liegen.
Das erfindungsgemäß verwendete Aluminiumoxid ist ein Aluminiumoxidmaterial,
das Al₂O₃, Hydratationswasser und anhängendes
Wasser enthält. Der Trocknungsgrad des
Aluminiumoxids kann in Form des darin vorhandenen Gewichtsprozent-
Anteils an Al₂O₃ angegeben werden. Es wird davon ausgegangen,
das 100% Al₂O₃ hergestellt werden, wenn drei Stunden
lang bei 650°C getrocknet worden ist.
Das partiell getrocknete wasserhaltige Aluminiumoxid, das durch
die gesteuerte Reaktion von Natriumaluminat und Aluminiumsulfat
entsteht, ist eine Zwischenform zwischen Böhmit und Pseudoböhmit.
Bei dieser Form des Aluminiumoxids handelt es sich um α-Aluminiumoxid-
monohydrat mit zusätzlichen in der Kristallstruktur eingeschlossenen
Wassermolekülen; es entspricht der Formel
Al₂O₃ · x H₂O, worin x größer als 1 und kleiner als
2 ist. Die Böhmit-Pseudoböhmit-Struktur des Produktes,
einschließlich der Kristallstruktur, des Kristallisationsgrads
und der durchschnittlichen Größe der einzelnen Kristallite
läßt sich durch Röntgenbeugungsunterbrechung bestimmen.
Pseudoböhmit wird beschrieben von Papee, Tertian und Biais in
deren Arbeit "Recherches su la Constitution des Gels et des
Hydrates Cristallises d′Alumine", veröffentlicht im Bulletin
de la Societe Chimique de France 1958, Seiten 1301-1310.
Böhmit ist ein seit vielen Jahren bekanntes, gut definiertes
Mineral, dessen kristalline Struktur und Röntgenbeugungsbild
bekannt sind (vgl. ASTM-Karte Nr. 5-0190).
Sonstige für das erfindungsgemäße Produkt charakteristische
Eigenschaften sind: Sein Verhalten bei Alterung unter alkalischen
Bedingungen; seine Fähigkeit, Anionen, wie Sulfate,
bei verschiedenen pH-Werten chemisch zu absorbieren; seine
kristalline Natur und Stabilität nach Behandlungen unter starker
Wärmeeinwirkung; und die hohe Temperaturstabilität seiner Oberfläche,
Porenvolumen und Porengrößenverteilung.
Alle zuvor genannten Eigenschaften basieren auf dem besonderen
Gleichgewicht zwischen der kristallinen Komponente und der
amorphen Gelkomponente in dem Produkt, sowie dessen
hervorragende chemische Gesamtreinheit.
Die Prüfung des Kristallinitätsgrads erfolgt durch Röntgenbeugungsaufnahmen.
Die Aufnahmen werden mit den in
der ASTM-Karte Nr. 5-0190 für Böhmit angegebenen Daten
verglichen. Wenn alle Beugungsmaxima zur Deckung kommen,
ist dies ein Zeichen dafür, daß es sich bei dem Produkt
um Böhmit handelt. Wenn jedoch der [020]-d-Netzebenenabstand
auf 6,6 bis 6,7 Å verschoben ist, während die
übrigen Maxima im wesentlichen unverändert geblieben
sind, ist dies ein Zeichen dafür, daß Pseudoböhmit vorliegt.
Zwischenwerte von 6,2 bis 6,5 Å zeigen an, daß
es sich bei dem Material um eine Zwischenform handelt.
Durch Vergleich der Fläche unterhalb des [020]-Maximums
mit der entsprechenden Fläche im Röntgenbeugungsspektrum
eines Materials mit bekanntermaßen hohem Anteil an Böhmit,
das als "100% Böhmit" definiert wird, läßt sich
darüber hinaus der Kristallinitätsgrad des untersuchten
Materials ermitteln.
Für ein spezielles Beugungsmaximum ist die durchschnittliche
Kristallitgröße umgekehrt proportional der Breite des Maximums
bei der Hälfte dessen maximaler Intensität. Relativmessungen
können ganz einfach so durchgeführt werden, daß man die Breite
bei halber maximaler Intensität des [020]-Beugungsmaximums
ausmißt. Große Werte der Breite entsprechen kleinen Kristallitgrößen,
während geringe Werte der Breite großen Kristallitgrößen
entsprechen. Beispielsweise ergibt 100% kristallines
α-Aluminiumoxid-monohydrat, das man durch Dehydratation gut
definierter großer Kristalle von α-Aluminiumoxidtrihydrat
erhalten hat, sehr kleine und enge Beugungsmaxima. In diesem
Material erscheint die [020]-Reflexion bei 6,1 Å, ein Anzeichen
dafür, daß es sich bei dem Produkt um Böhmit und nicht um
Pseudoböhmit handelt, und die Breite bei halber maximaler
Intensität beträgt nur etwa 0,2 Å, ein Zeichen für das
Vorhandensein von großen Kristalliten.
Im Gegensatz dazu befindet sich, wenn es sich um mikrokristallinen
Pseudoböhmit handelt, das [020]-Maximum bei Werten im Bereich
von 6,6 bis 6,7 Å. Dieses Material zeigt breitere Maxima mit
Werten für die halbe maximale Intensität von 2 Å oder
mehr.
Das erfindungsgemäße Produkt ergibt eine Böhmit-Pseudoböhmit-
Zwischenformstruktur, die charakterisiert ist durch einen
[020]-d-Netzebenenabstand im Bereich von 6,2 bis 6,5 Å,
vorzugsweise bei etwa 6,3 bis etwa 6,4 Å. Die halbe maximale
Intensitätsbreite des [020]-Maximums liegt zwischen 1,65
bis 1,85 Å, vorzugsweise bei etwa 1,75 bis etwa 1,80 Å.
Dies zeigt eine kleine Kristallitgröße an, das heißt eine Kristallitgröße,
die der kleinen Größe von Pseudoböhmit näher kommt als
der großen Größe von Böhmit. Die Kristallitgröße ist ein Faktor,
der die Mikroporosität des aus dem neuen kristallinen Aluminiumoxid
gebildeten Trägermaterials und somit das Verhalten des
Katalysators mitbestimmt.
Ausgedrückt als relative Kristallinität liegen in dem erfindungsgemäßen
Produkt etwa 70 bis etwa 85 Gew.-% der Gesamtmenge an
Al₂O₃ in kristalliner Form vor. Das erfindungsgemäße Böhmit-
Pseudoböhmit-Produkt ist charakterisiert durch hohe kristalline
Reinheit, kleine Kristallitgrößen, das heißt Mikrokristallinität,
und einen hohen relativen Kristallinitätsgehalt. Hinsichtlich
dieser Eigenschaften ist das erfindungsgemäße Produkt einmalig
und dies ist bedingt durch die Herstellungsbedingungen, mit
denen sich ein hohes Verhältnis von kristallinem Material zu
amorphen Gel fertigen läßt. Dadurch unterscheiden sich erfindungsgemäße
Produkte von den bisher bekannten Materialien, in
denen der Anteil an amorphen Gel im Produkt entweder sehr hoch
oder überhaupt nicht vorhanden ist, wie beispielsweise bei
Böhmit.
Die Art des Gleichgewichts zwischen kristallinen und amorphen
Produktanteilen im erfindungsgemäß hergestellten Produkt läßt
sich durch die Umwandlung der Gelkomponenten in unerwünschter
kristalline Phasen, wie beispielsweise Bayerit, und die
Chemisorption von Anionen an der Oberfläche bei
verschiedenen pH-Werten noch weiter charakterisieren.
Amorphe wasserfreie Aluminiumoxidprodukte haben die Tendenz
zu kristallisieren. Die kristalline Phase, die man in speziellen
Fall erhält, hängt ab von der Art der Umgebung um das Aluminiumoxid
während der Kristallisation. Ein Produkt, das aus Böhmit
und Pseudoböhmit besteht, und einen hohen Anteil an Gelkomponenten
enthält, pflegt in Form von β-Trihydrat (Bayerit) zu
kristallisieren, wenn man es längere Zeit in wäßriger alkalischer
Umgebung erhöhten Temperaturen aussetzt. Im Gegensatz
dazu bildet sich aus einem Material, das wenig oder überhaupt
keine Gelbestandteile enthält, keine kristalline Bayeritphase
unter ähnlichen Bedingungen beim alkalischen Altern. Wenn man
beispielsweise ein bei niedrigen Temperaturen hergestelltes
Aluminiumoxid aus hauptsächlich Pseudoböhmit mit darin dispergierten
hohen anteiligen Mengen an Gel wenigstens etwa 18 Stunden
lang bei etwa 50°C in einer wäßrigen Natriumhydroxidlösung
mit einem hohen pH-Wert, wie beispielsweise 10, altert, bildet
sich Bayerit aus, während das Produkt sonst in seiner
kristallinen Struktur im wesentlichen unverändert bleibt. Dies
ist ein Anzeichen dafür, daß die Bildung des Bayrits nicht
auf Kosten oder durch Umbildung von Pseudoböhmit erfolgt,
sondern daß das Bayerit sich aus der amorphen Aluminiumoxidgelphase
gebildet hat. Im Gegensatz dazu zeigt sich, wenn
das erfindungsgemäße Produkt unter gleichen Bedingungen behandelt
wird, keinerlei Anwesenheit von Bayerit. Dies ist ein
Anzeichen dafür, daß die Menge an Gel im erfindungsgemäßen
Produkt entweder sehr gering oder aber sehr viel stabiler ist.
Für die Prüfung der Anionen-Chemisorption wird eine Aufschlämmung des
zu untersuchenden Aluminiumoxidpulvers in entionisiertem Wasser
hergestellt, und diese Aufschlämmung wird mit verdünnter Schwefelsäure
bekannter Normalität über einen pH-Bereich, in dem das
Aluminiumoxid unlöslich ist, poteniometrisch titriert. Man
titriert langsam und stellt damit sicher, daß genügend Zeit
für das Eindringen der Säure in die Struktur des Aluminiumoxidprodukts
zur Verfügung steht. Über die in Rede stehenden
pH-Bereiche von etwa 9 bis etwa 4 ist Aluminiumoxid unlöslich,
so daß die Titration mit Schwefelsäure als ein Maß für die
Menge an Sulfat, das an der Oberfläche des Aluminiumoxids bei
einem gegebenen pH-Wert festgehalten oder chemisorbiert werden
kann, dient. Bei unterschiedlichen Aluminiumoxiden
ist die zum Erreichen eines bestimmten pH-Wertes von einem
üblichen Ausgangswert aus erforderliche Säuremenge ein indirektes
Maß für das Ausmaß an Aluminiumoxid-Zwischenoberfläche,
die dem wäßrigen Medium ausgesetzt ist. Materialien mit sehr
hohem Kristallinitätsgrad und sehr großen Kristallabmessungen
haben kleine Zwischenflächenbereiche und erfordern demzufolge
geringe Säuremengen, um eine bestimmte pH-Wert-Änderung zu
erzielen. Im Gegensatz dazu haben Materialien mit sehr hohem
Gelgehalt einen hohen Zwischenoberflächenbereich und erfordern
entsprechend große Säuremengen, um die gleiche pH-Wert-Änderung
zu erzielen. Die Produkte mit dazwischen gelegener Kristall/
Gel-Struktur erfordern mittlere Mengen von Säure für die
gleich pH-Wert-Änderung.
Beispielsweise benötigt man, wenn 100% kristallines α-Aluminiumoxid-
monohydrat, das aus gut definierten großen Kristalliten
besteht, vorliegt, nur etwa 53 Milliäquivalente Schwefelsäure
je Mol Aluminiumoxid, um den pH-Wert von einem Anfangswert
von etwa 8,3 auf einen Endwert von etwa 4 zu ändern. Im Gegensatz
dazu benötigt ein Aluminiumoxid, das bei niedrigen Temperaturen
hergestellt wurde und dessen Pseudoböhmitstruktur,
Kristallinitätsprozentanteil und Kristallitgröße einen niedrigen
Kristallinitätsgrad und einen hohen Gelanteil anzeigt,
etwa 219 Milliäquivalente Schwefelsäure je Mol Aluminiumoxid
für die gleiche pH-Wert-Änderung.
Erfindungsgemäße Zusammensetzungen sind dadurch charakterisiert,
daß mittlere Mengen an Schwefelsäure für die pH-Wert-Änderung
erforderlich sind. Mit etwa 130 bis 180 Milliäquivalenten,
vorzugsweise etwa 140 bis 160 Milliäquivalenten Schwefelsäure
je Mol Aluminiumoxid läßt sich der pH-Wert einer Aufschlämmung
einer erfindungsgemäßen Zusammensetzung von etwa 8,3 auf etwa
4,0 ändern.
Für die Benutzung des erfindungsgemäßen
Produkts zur Herstellung geeigneten Trägermaterials für Automobilgas-
Katalysatoren muß es eine gute Stabilität der
strukturellen Eigenschaften bei erhöhten Temperaturen haben.
Beispielsweise sollten Porenvolumen und Oberfläche, wenn sie
nach starker Wärmebehandlung, mit der eine Katalysatorbeanspruchung
während der Benutzung simuliert wird, bestimmt werden,
ihren hohen Wert behalten und stabil sein. Diese Eigenschaften
bei hohen Temperaturen hängen weitgehend ab von der Reinheit
des eingesetzten Materials und dessen struktureller Beschaffenheit
sowie von der kristallinen Natur des Produktes nach Wärmehandlung.
Das erfindungsgemäße Produkt verliert, wenn es erhitzt wird,
allmählich sein Hydratationswasser und in anderer Weise daran
anhaftendes oder damit verbundenes Wasser. Diese Dehydratisation
verursacht eine Umwandlung der kristallinen Struktur zu
q-Aluminiumoxid. Beim weiteren Erhitzen auf höhere Temperaturen
wird das γ-Aluminiumoxid zu δ und gegebenenfalls bis zu
R-Aluminiumoxid umgewandelt. All diese Aluminiumoxid-Strukturen
sind Übergangsaluminiumoxide mit hoher Oberfläche und Porenvolumen.
Wenn man noch höher erhitzt, bildet sich α-Aluminiumoxid
oder Korund, bei dem es sich nicht um ein Übergangsaluminiumoxid
handelt und das eine sehr kleine Oberfläche und
Porenvolumen aufweist. Die letzte Umwandlung zu α-Aluminiumoxid
ist ein so tiefgreifender Eingriff, daß mit dieser Umwandlung
eine sehr starke Abnahme des Porenvolumens und der
Oberfläche verbunden ist. Ein gutes Aluminiumoxidpulver, das
sich zu Trägermaterial für Kraftfahrzeugabgaskatalysatoren
umwandeln läßt, sollte wärmestabil sein und bei ziemlich
hohen Temperaturen, wie beispielsweise 980 bis 1050°C, keine
Umwandlung zu a-Aluminiumoxid zeigen. Im allgemeinen neigen
Aluminiumoxide mit hohem Gelanteil bei relativ mäßig hohen
Temperaturen, wie 980 bis 1050°C, zum Versintern zu α-Aluminiumoxid.
Bei Substanzen, die bei niedrigen Temperaturen hergestellt
worden sind und die einen hohen Gelanteil haben,
zeigt sich die Ausbildung von unerwünschten
α-Aluminiumoxid, wenn man eine Stunde lang auf
1010°C erhitzt.
Im Gegensatz dazu bleiben erfindungsgemäße Produkte, die nur
eine sehr geringe Menge an amorphen Gel enthalten, unter
gleicher Wärmebehandlung stabil und zeigen keinerlei α-Aluminiumoxidbildung.
Erfindungsgemäße Zusammensetzungen haben nach einstündigem
Erhitzen auf 1010°C Röntgenbeugungsbilder von
R-Aluminiumoxid, γ-Aluminiumoxid und δ-Aluminiumoxid. Darüber
hinaus behalten erfindungsgemäß hergestellte Produkte bei diesen
Temperaturen im wesentlichen ihre Oberfläche und ihr Porenvolumen,
und sie bleiben selbst dann, wenn man sie über längere
Zeitspannen Behandlungen unter starker Wärmeeinwirkung unterzieht,
stabil.
Nach einstündiger Behandlung bei etwa 1010°C haben erfindungsgemäße
Produkte BET-Stickstoffoberflächen von 100 bis 150 m²/g,
besonders häufig von etwa 110 bis etwa 140 m²/g. Sie weisen
weiterhin ein Stickstoffporenvolumen von 0,60 bis
0,75 cm³/g, meist von etwa 0,64 bis etwa 0,72 cm³/g auf.
Weiterhin zeigt die Porenstruktur des so wärmebehandelten Produkts
keinen unerwünscht hohen Anteil an Mikroporosität, ermittelt
durch Stickstoffporengrößenverteilung. Das erfindungsgemäße
Produkt hat typischerweise keine Porenvolumina unterhalb
etwa 80 Å, überlicherweise nicht unter 100 Å.
Wenn in der vorliegenden Beschreibung von
"Stickstoffporenvolumen" die Rede ist, bezieht sich diese
Angabe auf Porenvolumina, die gemäß der in der Arbeit von
S. Brunauer, P. Emmett und E. Teller, J. Am. Chem. Soc., Band
60, Seite 309 (1938), beschriebenen Methode bestimmt wurden.
Diese Methode basiert auf der Kondensation von Stickstoff in
den Poren, und es gelingt damit, Poren mit Porendurchmessern
im Bereich von 10 bis 600 Å zu messen.
Wenn von Oberfläche
gesprochen wird, ist die Stickstoff-BET-Oberfläche gemeint,
die nach der an der zuvor genannten Literaturstelle bei
Brunauer, Emmett und Teller beschriebenen Methode bestimmt
worden ist.
Das erfindungsgemäße α-Aluminiumoxidmonohydrat eignet
sich für die Herstellung von kugelförmigen Aluminiumoxidteilchen.
Dies kann nach verschiedenen bekannten Verfahren,
vorzugsweise aber nach einem neuen Verfahren
erfolgen, bei dem das erfindungsgemäße Aluminiumoxidmonohydrat
und ein saures wäßriges Medium zu einer Aufschlämmung
vermischt werden, aus der Aufschlämmung Tröpfchen
gebildet werden, die Tröpfchen zur Bildung von
kugelförmigen Teilchen durch die Luft nach unten durch
eine Säule mit einem oberen Bereich mit einer mit Wasser
nicht mischbaren Flüssigkeit und Ammoniak und mit einem unteren Bereich aus
wäßrigem Ammoniak geleitet werden,
die erhaltenen Teilchen in wäßrigem Ammoniak gealtert
werden und die gealterten Teilchen getrocknet und calciniert
werden (bezüglich der Einzelheiten vergleiche die äquivalente
US-PS 41 79 408). Die auf diese Weise hergestellten
kugelförmigen Teilchen eignen sich besonders gut für
die Herstellung von Automobilabgaskatalysatoren.
Das als Trägermaterial geeignete erfindungsgemäße α-Aluminiumoxidmonohydrat
zeichnet sich durch niedrige Dichte,
hohen Grad an Makroporosität, hohe Brechfestigkeit,
guten Schrumpfwiderstand bei hoher Temperatur, guten
Abriebwiderstand und einstellbare Größe und Form aus.
Ein Katalysator, in dem das erfindungsgemäße Trägermaterial
mit einer katalytisch wirksamen Menge wenigstens eines katalytisch
aktiven Metalls oder einer Metallkomponente imprägniert
ist, zeigt hohe katalytische Wirkung in vielerlei katalytischen
Systemen, speziell solchen, die bei hohen Temperaturen arbeiten.
Zwar kann das Aluminiumoxid selbst als Katalysator aktiv sein,
es wird jedoch meist zwecks Verstärkung seiner Aktivität mit
einer geeigneten katalytischen Komponente imprägniert und aktiviert.
Der katalytische Komponente, dessen Menge, die Imprägnier- und
Aktivierungsart werden je nach der Natur der Reaktion, für die
der Katalysator eingesetzt werden soll, ausgewählt. Eine bevorzugte
katalytisch aktive Komponente ist ein Metall der Platingruppe,
wie Platin, Palladium, Ruthenium, Iridium, Rhodium,
Osmium oder deren Mischungen.
Die Verwendung von Metallen der Platingruppe für die Automobilabgaskatalyse
ist durch das begrenzte natürliche Vorkommen dieser
Metalle eingeschränkt. Da ein großer Anteil des Weltaufkommens aus
Südafrika stammt, und die Hauptmenge der Metalle Platin, Palladium
und Rhodium ist, die in der Natur in Mengenverhältnissen von
annähernd 68 Teilen Platin, 27 Teilen Palladium und 5 Teilen
Rhodium vorkommen, werden die meisten Arbeiten mit Platingruppen-
Metallen in diesen anteiligen Mengen durchgeführt. Der Anteil
an Edelmetallen in Autoabgaskatalysatoren liegt typischerweise,
bezogen auf das Gewicht des Katalysators, bei etwa 0,005 bis
1,00 Gew.-%, vorzugsweise bei etwa 0,03 bis 0,30 Gew.-%. Die
im Einzelfall optimale Metallkombination hängt von der speziell
gewünschten Leistung des Katalysators ab; beispielsweise erreicht
man mit einem höheren Gehalt an Palladium eine schnellere
Oxydation des Kohlenmonoxids und eine bessere Wärmestabilität,
mehr Platin ergibt einen besseren Widerstand gegen Katalysatorgifte
und eine länger andauernde Kohlenwasserstoffoxydation,
während eine erhöhte Rhodiumkonzentration die Umwandlung von Stickoxiden
zu Stickstoff verbessert. Man kann
Katalysatoren gewünschtenfalls nur mit einem
einzigen Metall der Platingruppe ausbilden; gewöhnlich wird
man aber mehrere Metalle dieser Gruppe verwenden. Das Verhältnis
der Metall kann in weitem Bereich variieren; vorzugsweise
enthält ein Katalysator jedoch Platin und Palladium in einem
Gewichtsverhältnis von 5 Teilen zu 2 Teilen oder Platin,
Palladium und Rhodium in einem Mengenanteil von etwa 68 Teilen
bzw. 27 Teilen bzw. 5 Teilen.
Es sind viele verschiedene Edelmetallverbindungen bekannt und
in der Literatur beschrieben. Je nach der Art der Oberfläche
des Trägermaterials und der Wechselwirkung damit können auch
solche Verbindungen eingesetzt werden. Beispielsweise kann man
anionische oder kationische Formen von Platin in den Träger
dadurch einarbeiten, daß man H₂PtCl₆ bzw. Pt(NH₃)₄(NO₃)₂
einsetzt.
Es wurde gefunden, daß sich speziell solche Komplexverbindungen
eignen, wie sie in der US-PS 39 32 309 beschrieben sind.
Bei dieser Arbeitsweise wird der Katalysator durch Imprägnieren
des Trägermaterials mit Sulfit behandelten Platin- und
Palladiumsalzlösungen imprägniert. Wenn diese Sulfitokomplexe
auf dem Träger aufgebracht worden sind, zersetzen sie sich so,
daß ein hoher Dispersionsgrad vorliegt. Die Imprägnierungstiefe
des Metalls in dem Teilchen kann man durch unterschiedliche
kationische Form des Komplexes, zum Beispiel NH₄⁺- oder
H⁺-Form variieren.
Es wurde weiterhin festgestellt, daß für hohe Anfangsaktivität
und, was noch wichtiger ist, für bleibende hohe Aktivität die
Edelmetalle so aufgebracht werden sollten, daß etwa 50% der
gesamten wirksamen Edelmetalloberfläche sich in einer Tiefe von mehr
als 50 µm befinden. Es wurde ferner festgestellt, daß die
Edelmetalle sich in einer solchen Tiefe befinden sollten, daß 50% der aktiven Metalle
tiefer als etwa 75 µm lokalisiert sind. Die Bestimmung
der Edelmetalloberfläche erfolgt nach der Methode
von D. E. Mears und R. C. Hansford, J. of Catalysis, Band 9,
125-134 (1967).
Katalysatoren, die dreifach sowohl auf Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe
und Stickstoffoxide wirksam sind, erfordern wegen
der unterschiedlichen reduzierenden oder oxydierenden Natur
der Abgasatmosphäre eine gute Beständigkeit. Es ist weiterhin
insbesondere ein solches Trägermaterial notwendig, das eine niedrige
Dichte und hohe Makroporosität hat, weil es an sich schwierig
ist, eine gute Kohlenmonoxidentfernung und die für eine gute
Allgemeinleistung verlangte schnelle Oxydation zu erzielen.
Rhodium wird typischerweise als katalytische Komponente zur
Verbesserung der Wirksamkeit in allen drei Richtungen eingesetzt.
Da Rhodium ein ziemlich seltenes Material ist, muß man
es mit gutem Nutzeffekt einsetzen und überlegt anordnen.
Ähnlich wie bei Oxydationskatalysatoren haben in drei Richtungen
wirkende Katalysatoren eine hohe Anfangsaktivität,
und ihre Leistung bleibt ebenfalls gut, wenn die aktiven
Metalle in geeigneter Weise angeordnet sind.
Bezüglich der Aktivität des dreifach wirkenden
Katalysators, der unter Verwendung
des erfindungsgemäßen Aluminiumoxidmonohydrats hergestellt
worden ist, wird auf die in der US-PS 41 79 408, der US-PS
42 79 779 und der US-PS 43 90 456 beschriebenen Laboruntersuchungen verwiesen.
Beispiel 1
Es wurde Aluminiumoxidtrihydrat vollständig in Natriumhydroxid
gelöst und so eine Natriumaluminatlösung mit 20%
Al₂O₃ und einem Na₂O/Al₂O₃-Molverhältnis von 1,4 zubereitet.
495 g Wasser wurden in einen Reaktionsbehälter eingefüllt,
und danach wurden 631 ml 50%iger Natriumhydroxidlösung
zugesetzt. Diese Volumenmenge Natriumhydroxidlösung
entsprach bei dem spezifischen Gewicht der Lösung von 1,53 g/cm³
966 g. Das Gemisch wurde leicht gerührt und auf 93,3°C
erhitzt. Über eine Zeitspanne von 30 Minuten wurden nach
und nach insgesamt 672 g Aluminiumoxidtrihydrat zugesetzt.
Während der Zugabe des Aluminiumoxidtrihydrats wurde das
Gemisch weiter erwärmt, bis es schwach siedete und dabei
langsam gerührt. Danach wurde noch weitere 60 Minuten lang
oder solange, bis das Trihydrat gänzlich gelöst war, weiter
am leichten Sieden gehalten und gerührt. Dann wurde die
Heizquelle abgestellt, und das Gemisch wurde unter Rühren
auf 60°C abgekühlt.
Durch Zusatz von 290 g Wasser bei einer Temperatur von 60°C
und Rühren des Gemisches wurde das spezifische Gewicht und
die Temperatur der Natriumaluminatlösung auf 1,428 g/cm³
bzw. 54,4°C eingestellt. 2016 g der Lösung wurden für die
Herstellung des Aluminiumoxids verwendet.
Durch Auflösen von 1373 g Aluminiumsulfatkristallen in
1963 g Wasser wurden 2286 g einer Aluminiumsulfatlösung
mit 7% Al₂O₃, einem spezifischen Gewicht von 1,27 g/cm³
bei 25°C und einem SO₄=/Al₂O₃-Molverhältnis von 3,01 hergestellt.
Die Natriumaluminatlösung und die Aluminiumsulfatlösung
wurden auf 62,8°C erhitzt. In einen Ausfällbehälter wurden
3160 g Wasser eingefüllt, der Rührer wurde angestellt
und die Wassermenge wurde auf 68,4°C erhitzt.
Durch Zugabe von 6 ml Aluminiumsulfat mit einer Zugabegeschwindigkeit
von 36 ml/Min. wurde die Wassermenge
auf pH 3,5 angesäuert, und es wurde 5 Minuten gealtert.
Nach dieser Alterung wurde mit dem Zufluß von Natriumaluminat
mit einer Geschwindigkeit von 28 ml/Min. begonnen.
Innerhalb 5 Sekunden wurde mit dem Zufluß von
Aluminiumsulfat mit einer Geschwindigkeit von 36 ml/Min.
begonnen, und diese Zugabe wurde während der 50 Minuten
langen Ausfällphase konstant gehalten. Der Zufluß von
Natriumaluminat wurde so einreguliert, daß der pH-Wert
des Reaktionsgemisches bei 7,4 gehalten wurde. Die Ausfälltemperatur
wurde durch Erwärmen des Ausfällbehälters
auf 72,8°C gehalten.
Innerhalb 50 Minuten war die Gesamtmenge der Aluminiumsulfatlösung
zugegeben, und es blieben 317 g Natriumaluminat übrig.
Zum Schluß der Ausfällung wurde der pH-Wert des Reaktionsgemisches
durch Zugabe von weiteren 29 g Natriumaluminatlösung
auf 10,0 erhöht. Das End-Molverhältnis von
Na₂O zu SO₄= betrug 1,00. Die Lösung wurde 30 Minuten lang
bei einer konstanten Temperatur von 72,8°C gealtert und so
stabilisiert.
Nach dem Altern wurde das Reaktionsgemisch filtriert und gewaschen.
Für jedes Gramm Aluminiumoxid in dem Gemisch wurden
50 g Waschwasser verwendet. Eine Standard-Filtrations-Waschprüfung
wurde wie folgt durchgeführt. Reaktionsaufschlämmung (600 ml)
wurde unter Verwendung eines Filtertuchs,
bei 254 mm Vakuum in einen Durchmesser von 20,32 cm aufweisenden
Krug filtriert. Es wurde mit 2,5 l Wasser ausgewaschen.
Die Filtrationszeit betrug 2,1 Minuten, und der
Filterkuchen war 7 mm dick.
Der Filterkuchen wurde wieder aufgeschlämmt zu einer Aufschlämmung
mit 15% Feststoffgehalt und mit einer Auslaßtemperatur
von 121,1°C sprühgetrocknet zu einem Pulver mit einem
Gesamtgehalt an flüchtigen Bestandteilen von 27,5%,
bestimmt durch Glühverlust bei 1010°C. Das getrocknete Pulver
wurde 1 Stunde lang bei 1010°C calciniert.
Die Eigenschaften des getrockneten und des calcinierten Produktes
sind in Tabelle 1 angegeben.
| Trockenes Pulver |
| Gew.-% Na₂O |
0,02 |
| Gew.-% SO₄= |
0,20 |
| Gew.-% flüchtige Bestandteile |
27,5 |
| Teilchengröße des Agglomerates |
21,5 µ |
| Schüttdichte |
0,386 g/cm³ |
| Röntgenphasen |
(Böhmit-Pseudoböhmit-Zwischenform) keine α- oder β-Trihydratphasen vorhanden Maximum für [020] kristallographische Netzebene fällt auf einem Netzebenenabstand d von 6,37 Å. |
| Bei 1010°C 1 Stunden lang calciniertes Pulver
@ |
N₂-Oberfläche |
136 m²/g |
| N₂-Porenvolumen
@ |
<600 Å |
0,72 cm³/g |
| insgesamt |
0,95 cm³/g |
| Röntgenphasen |
Thetaaluminiumoxid, kein α-Aluminiumoxid vorhanden |
| Porengrößenverteilung |
Eine Porengrößenverteilungsmessung mit Stickstoff zeigte, daß alle Poren einen Durchmesser von größer als 100 Å hatten und 50% der Poren einen Durchmesser im Bereich von 100 bis 200 Å aufwiesen. |
Beispiel 2
In der nachstehenden Tabelle 2 sind die Ergebnisse von 13
Versuchsansätzen gemäß den in Beispiel 1 beschriebenen Verfahrensbedingungen
zusammengestellt.
| Eigenschaften |
| durchschnittlich |
| Gewicht Al₂O₃/Ansatz (kg) |
| 0,454 |
| Ausfällung Verhältnis Na₂O/SO₄= |
0,93 |
| Standardfiltrationstest (Min.) |
2,4 |
| Sprühgetrocknetes Pulver
@ |
Gew.-% Na₂O |
0,03 |
| Gew.-% SO₄= |
0,19 |
| Gew.-% flüchtige Bestandteile |
27,9 |
| Schüttgewicht (g/cm³) |
0,384 |
| N₂-Oberfläche nach 30 Minuten bei 400°C (m²/g) |
420 |
| N₂-Porenvolumen nach 30 Minuten bei 400°C (cm³/g) <600 Å |
0,82 |
| Röntgenstruktur |
Böhmit-Pseudoböhmit-Zwischenform |
| Bei 1010°C 1 Stunde lang calciniertes Pulver
@ |
Oberfläche (m²/g) |
131 |
| Porenvolumen (cm³/g)
@ |
insgesamt |
1,01 |
| <600 Å |
0,73 |
| Röntgenstruktur |
Thetaaluminiumoxid, kein α-Aluminiumoxid anwesend. |
Beispiel 3
In der nachstehenden Tabelle 3 werden die Ergebnisse von
bei 6 großtechnischen Versuchsansätzen gewonnenen Mischprodukten
aufgeführt. Die Verfahrensbedingungen waren die
gleichen wie in Beispiel 1 beschrieben, mit dem Unterschied,
daß je Verfahrensansatz 88,5 kg an Aluminiumoxid
(Trockenbasis) gefertigt wurden. Die Größe der Apparate
und die Mengen der Materialien waren entsprechend größer.
Die Ergebnisse waren die gleichen wie
bei den labormäßigen Ansätzen. Dies zeigt, daß das erfindungsgemäße
Verfahren ohne Schwierigkeiten in die großtechnische
Fertigung übertragen werden kann.
| Sprühgetrocknetes Pulver |
| Gew.-% Na₂O |
0,059 |
| Gew.-% SO₄= |
0,31 |
| Gew.-% CO₂ |
1,37 |
| Gew.-% flüchtige Bestandteile |
29,6 |
| Schüttdichte (g/cm³) |
0,481 |
| N₂-Oberfläche bei 400°C (m²/g) |
413,0 |
| N₂-Porenvolumen bei 400°C (cm³/g) <600 Å |
0,77 |
| Röntgenphasen |
Böhmit/Pseudoböhmit-Zwischenform |
| Bei 1010°C 1 Stunde calciniertes Pulver
@ |
N₂-Oberfläche (m²/g) |
131 |
| N₂-Porenvolumen (cm³/g)
@ |
insgesamt |
0,97 |
| <600 Å |
0,70 |
| Röntgenphasen |
Thetaaluminiumoxid, kein α-Aluminiumoxid vorhanden. |
Beispiel 4
In diesem Beispiel wird der gewaschene,
wie in Beispiel 3 beschrieben hergestellte Filterkuchen
vor dem Sprühtrocknen mit Essigsäure behandelt. Die
Essigsäure bewirkt eine Abnahme der Kohlendioxidabsorption
während des Sprühtrocknens. Bei jedem Ansatz wurde dem
Filterkuchen Eisessig zugegeben, bis ein pH von 6,0 erreicht
war. Das Gemisch wurde dabei gerührt. Das sprühgetrocknete
Produkt enthielt 3,8% Essigsäure und 64,5%
Aluminiumoxid. Dies entspricht 0,1 Mol Acetation je
Mol Aluminiumoxid.
Die Eigenschaften der gemäß Beispiel 3 und der gemäß dem
vorliegenden Beispiel hergestellten Aluminiumoxidprodukte
sind in Tabelle 4 veranschaulicht. Der Kohlendioxidgehalt
betrug 0,76%, während das Aluminiumoxid gemäß Beispiel 3
1,37% enthielt.
Beispiel 5
Es wurden die relativen anteiligen Mengen an kristallinem und
amorphem Material in dem erfindungsgemäß hergestellten Aluminiumoxid
untersucht, und dazu wurden Proben des wie in
Beispiel 1 beschrieben hergestellten Aluminiumoxids und zum Vergleich von
Aluminiumoxiden A und B, die einen niedrigeren bzw. einen
höheren Kristallinitätsgrad zeigten, in entionisiertem Wasser
zu Al₂O₃-Konzentrationen von 100 g Al₂O₃ (Trockenbasis)
in 1 l Wasser aufgeschlämmt. Jeder Ansatz wurde mittels
1,1 n Schwefelsäure mit einer Zusatzgeschwindigkeit
von 1 ml/Min. über den pH-Bereich von 8,3 bis 4,0, in dem
Aluminiumoxid unlöslich ist, langsam potentiometrisch titriert.
Die Ergebnisse zeigen, daß die erfindungsgemäßen Aluminiumoxid-
Zusammensetzungen für die gleiche pH-Wert-Änderung mittlere
Mengen an Säure erfordern und demzufolge einen Gelgehalt hatten,
der zwischen denjenigen der Proben A und B lag.
Der Kristallinitätsgrad der erfindungsgemäßen Aluminiumoxidzusammensetzungen
wurde weiterhin durch röntgenstrukturelle
Messungen der Entwicklung von β-Aluminiumoxidtrihydrat beim
alkalischen Altern und Erhitzen gezeigt. 100 g (Trockenbasis)
der in Tabelle 5 angegebenen Aluminiumoxid-A-Probe und der
wie in Beispiel 3 hergestellten und in Tabelle 3 wiedergegebenen
Aluminiumoxidprobe wurden in 250 ml entionisiertem
Wasser aufgeschlämmt und durch Zugabe von 1 n Alkali auf pH
10 gebracht. Die Alterungszeiten und -temperaturen und die
Höhe der starken und schwachen Röntgen-Intensitätsmaxima
des Aluminiumoxids A für β-Trihydrat sind in Tabelle 6 wiedergegeben.
Unter den gleichen Alterungs- und Erhitzungsbedingungen
wie bei Aluminiumoxid A war in der Aluminiumoxidzusammensetzung
gemäß Beispiel 3 kein β-Trihydrat erkennbar.
Die leichte Bildung von β-Trihydrat bei der Probe A unter
alkalischen Bedingungen zeigt an, daß darin ein höherer
Gelgehalt vorhanden ist als in dem Aluminiumoxid gemäß
Beispiel 3.