Die Erfindung betrifft die Herstellung eines pharmazeutischen
Mittels, für parenterale Verabreichung in Dosiseinheitsform mit
einem Gehalt an einem Penicillinderivat, nämlich dem Natriumsalz
der 6-[2-(4-Äthyl-2,3-dioxo-1-piperazincarboxamido)-2-phenyl
acetamido]-3,3-dimethyl-7-oxo-4-thia-1-azabicyclo[3.2.0]heptan-2-
carbonsäure (im folgenden als "Natriumpiperacillin" bezeichnet).
Diese Verbindung wurde in der US-PS 41 12 090 beschrieben. Es
handelt sich dabei um einen vorzüglichen antibakteriellen
Wirkstoff. Die vorliegende Erfindung be
trifft ein Verfahren zur Bereitung einer parenteralen
Dosisheinheit.
Das herkömmliche Verfahren zur Herstellung einer lyophili
sierten, parenteralen Dosiseinheit eines Penicillinderi
vats besteht darin, daß man eine wäßrige Lösung mit
200 mg des Penicillinderivats/1 ml der wäßrigen Lösung
bereitet und 5 ml dieser Lösung in eine Ampulle abfüllt
und sodann den Inhalt lyophilisiert. Der getrocknete Ku
chen liegt sodann in einer Menge von 1 g des Derivats vor.
Wenn nun der Arzt das Arzneimittel verabreichen will, so
wird der Ampulleninhalt mit 3,3 ml Wasser oder einem an
deren zweckentsprechenden, parenteralen Verdünnungsmittel
rekonstituiert. Das Penicillinderivat verdrängt 0,7 ml
des Verdünnungsmittels/1 g des Derivats. Das Endprodukt
nach der Rekonstituierung des Derivats hat somit ein Volu
men von 4,0 ml und die Konzentration beträgt 250 mg/ml.
Nun zieht der Arzt eine zweckentsprechende Menge der Lö
sung mit Hilfe einer Injektionsspritze aus der Ampulle und
verabreicht diese Dosis dem Patienten.
Die Schwierigkeit bei einem parenteralen Mittel des obigen
Typs besteht nun darin, daß der Arzt 4 ml der Lösung/1 g-
Dosis verabreichen muß. Piperacillin ist, wie viele andere
Penicillinderivate, hypertonisch und verursacht daher bei
der intramuskulären Injektion Schmerzen. Darüber hinaus be
trägt die Dosisgrenze für die Injektion in den Arm an
nähernd 2 ml, da die Muskulatur einfach keine größeren
interstitiellen Volumina verträgt. Die zu einem Volumen
von 4 ml führende Dosis gemäß dem Stand der Technik be
dingt somit die weniger günstige Injektion in das Gesäß.
Selbst in diesem Falle bedeutet aber die große Dosis von
4 ml, daß die Verteilungszeitdauer erhöht ist.
Es ist Aufgabe der Erfindung, eine parenterale Dosisein
heit für Natriumpiperacillin zu
schaffen, welche in einem verringerten Injektionsvolumen
im Vergleich zum herkömmlichen Injektionsvolumen verbunden
ist, und zwar durch eine höhere Konzentration des Endpro
dukts.
Die Schwierigkeit bei der Herstellung eines höherkonzen
trierten, rekonstituierten Präparats eines lyophilisierten
Penicillinderivats liegt nun darin, daß mit steigender
Konzentration des rekonstituierten Endprodukts auch die
Rekonstituierungszeit steigt. Bei einer endgültigen Kon
zentration von 400 mg/ml beträgt die Rekonstituierungszeit
mehrere Minuten, selbst bei ständigem Schütteln. Die für
die Rekonstituierung solcher Produkte erforderliche lange
Zeit führt dazu, daß Ärzte weniger geneigt sind, Mittel
mit einer derartigen Konzentration zu verabreichen. Dies
führt dazu, daß in der Regel stärker verdünnte Präparate
verabreicht werden, wobei die oben erwähnten Nachteile auf
treten.
Es ist somit Aufgabe der Erfindung, eine lyophilisierte,
parenterale Dosiseinheit für Na-Piperacillin zu schaffen, welche
auf einfache Weise zu einem hochkonzentrierten Endprodukt
rekonstituierbar ist.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch das im Patentanspruch
gekennzeichnete Verfahren gelöst.
Die erfindungsgemäße parenterale Dosiseinheit liegt in Form eines
losen, aufgeblähten und expandierten Kuchens des lyophilisierten
Penicillinderivats vor, wobei es sich um das Natriumsalz der
6-[2-(4-Äthyl-2,3-dioxo-1-piperazincarboxamido)-2-phenyl-aceta
mido]-3,3-dimethyl-7-oxo-4-thia-1-azabicyclo[3.2.0]-heptan-2-car
bonsäure handelt, welches auch als Natriumpiper
acillin bezeichnet wird. Der Ausdruck "aufgeblähter Ku
chen" bedeutet, daß der lyophilisierte Kuchen ein größeres
Volumen einnimmt als ein "Standardkuchen" gemäß dem Stand
der Technik.
Natriumpiperacillin wird in Wasser bis zu einer Konzen
tration von 125 mg/ml aufgelöst. 8 ml dieser Lösung werden
sodann in eine Ampulle eingefüllt, so daß die Gesamtmenge
von Natriumpiperacillin pro Ampulle 1 g beträgt. Die Ampullen
werden ausgewählt entsprechend ihrer Befähigung, dem Lyo
philisierungsverfahren standzuhalten. Ferner müssen solche
Ampullen gewählt werden, die mit einem Stöpsel versehen
werden können, der das Entnehmen des Inhalts mit Hilfe
einer Injektionsspritze gestattet.
Das Natriumpiperacillin wird sodann in der Ampulle nach
Standardverfahren, welche dem Fachmann bekannt sind, ge
froren und lyophilisiert. Während der Lyophilisierungs
stufe behält der gefriergetrocknete Kuchen das Volumen
bei, welches von der flüssigen Einfülldosis eingenommen
wurde. Man erhält eine kristalline, lose zusammenhängende
Masse unter dem angewendeten negativen Druck. Da das Volu
men der flüssigen Füllung 8 ml beträgt, ist somit der
lyophilisierte Kuchen wesentlich voluminöser und lockerer
(expandierter Kuchen) als der übliche 5 ml Kuchen des
Standes der Technik. Nach der Lyophilisierung werden die
Ampullen mit zweckentsprechenden Verschlüssen für die
Entnahme mit Hilfe der Injektionsspritze verschlossen.
Wenn nun der Arzt eine Dosis verabreichen will, so wird
zunächst der lyophilisierte Kuchen mit 2,5 ml eines zweck
entsprechenden Verdünnungsmittels rekonstituiert. Beispie
le solcher Verdünnungsmittel sind z. B. Wasser oder Lido
cain-hydrochlorid, ein Lokalanästhetikum, welches zuge
setzt werden kann, um dem Schmerz entgegenzuwirken, der
mit der Injektion verbunden ist und auf der hypertonischen
Wirkung des Piperacillins,
beruht. Die Zeitdauer, welche zur Rekonstituierung von 1 g
de lyophilisierten Derivats erforderlich ist, beträgt
etwa 35 sec unter Schütteln. Das endgültige Produkt hat
ein Volumen von 2,5 ml. Die Konzentration von Na-Piperacillin
beträgt 400 mg/ml der Lösung. Die In
jektionsdosis beträgt 2,5 ml/g im Vergleich zu 4 ml/g
der herkömmlichen Dosis.
Das obige Verfahren kann modifiziert werden im Sinne der
Einstellung größerer oder kleinerer Mengen des Endprodukts.
Hierzu wird eine Erhöhung oder eine Verringerung der Menge
der vor der Lyophilisierung in die Ampullen eingefüllten
Flüssigkeit vorgenommen, und zwar im Vergleich zu der Men
ge von 125 mg/ml. Ferner wird naturgemäß die Menge des Ver
dünnungsmittels, welche für die Rekonstituierung zum End
produkt erforderlich ist, entsprechend erhöht oder gesenkt,
so daß man eine Endkonzentration von 400 mg/ml erhält.
Das obige Verfahren kann auch in dem Sinne modifiziert
werden, daß man eine Konzentration der Flüssigfüllung wählt,
welche über 125 mg/ml liegt oder darunter, obgleich solche
Konzentrationen weniger günstig sind. Bei einer höheren
Konzentration der Flüssigfüllung steigt die Dichte des
lyophilisierten Kuchens und die für die Rekonstituierung
erforderliche Zeitdauer bis zur Solubilisierung des Penicil
linderivats bei einer Konzentration von 400 mg/ml steigt
an, jedoch in einem überproportionalen Maß. Wenn man z. B.
die Konzentration der Flüssigfüllung um 15% erhöht, so
führt dies zu einer Verlängerung der Rekonstituierungszeit
um mehr als 100%. Dies wird in Beispiel 3 belegt. Alter
nativ kann eine geringere Konzentration der Flüssigfüllung
gewählt werden. Je geringer jedoch die Konzentration der
ursprünglich eingefüllten Flüssigkeit ist, umso größer
muß das Volumen der ursprünglich eingefüllten Flüssigkeit
sein, um zu einer vorbestimmten Menge des lyophilisierten
Derivats zu kommen. Umso größer muß aber auch die Lyophi
lisierungsampulle sein. Wenn eine verdünntere Flüssigkeit
mit einer geringeren Konzentration eingesetzt wird, so
sind sehr große Ampullen erforderlich, damit diese das
entsprechend höhere Einfüllvolumen aufnehmen können. Nach
der Rekonstituierung auf 400 mg/ml nimmt nun aber das End
produkt nur einen relativ geringen Anteil des Gesamt-
Ampullenvolumens ein. Aus praktischen Gründen sollte daher
die Konzentration der ursprünglichen Füllung im Bereich
von 100 bis 135 mg/ml liegen, wobei eine Konzentration
von etwa 125 mg/ml bevorzugt ist.
Im folgenden wird die Erfindung anhand von Beispielen näher
erläutert.
Beispiel 1
Bestimmung der optimalen Konzentration des Endprodukts (2 g/Ampulle)
Das Natriumsalz der 6-[2-(4-Äthyl-2,3-dioxo-1-piperazin
carboxamido)-2-phenylacetamido]-3,3-dimethyl-7-oxo-4-thia-
1-azabicyclo[3.2.0]heptan-2-carbonsäure wird in Wasser bis
zu einer Endkonzentration von 200 mg/ml aufgelöst. 10 ml
dieser Lösung werden in jeweils fünf Ampullen eingefüllt
und nach Standardverfahren lyophilisiert. Jeder der er
haltenen, lyophilisierten Kuchen wird nun mit verschiede
nen Mengen Wasser rekonstituiert. Dabei erhält man eine
Reihe von Endkonzentrationen des Natriumpiperacillins.
Dabei wird berücksichtigt, daß je 1 g des Natriumpiper
acillins 0,7 ml Wasser verdrängt. Die Produkte werden
hinsichtlich pH, Dichte und Viskosität getestet, und zwar
nach Standardverfahren. Die Solubilisierungszeit wird ge
messen, wobei die Ampullen mit dem lyophilisierten Kuchen
und dem Rekonstituierungswasser von Hand geschüttelt wer
den. Es wird dabei die Zeitdauer gemessen, welche erforder
lich ist, bis das Natriumpiperacillin in Lösung gegangen
ist. Die Injizierbarkeit wird ebenfalls abgeschätzt, und
zwar anhand der Messung der Zeitdauer, welche erforderlich
ist, um 1 ml der Lösung aus einer Ampulle mit dem Endpro
dukt zu ziehen. Die Ergebnisse sind in der folgenden Ta
belle zusammengestellt.
Beispiel 2
Bestimmung der optimalen Konzentration des Endprodukts (1 g/Ampulle)
Das Verfahren des Beispiels 1 wird wiederholt, wobei man
jeweils 5 Ampullen mit jeweils 5 ml einer Lösung füllt.
Die Lösung enthält 200 mg Natriumpiperacillin/ml. Sodann
erfolgt die Lyophilisierung, wobei in den Ampullen
1 g/Ampulle verbleibt. Die Ampullen werden sodann, wie
oben erläutert, verdünnnt und die gleichen Tests werden
durchgeführt. Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden
Tabelle zusammengestellt.
Aufgrund der drastischen Steigerung der Solubilisierungs
zeit und der Dichte sowie der drastischen Senkung der
Geschwindigkeit, mit der die Lösung in die Injektions
spritze eingezogen werden kann (im Bereich zwischen 400
und 500 mg/ml), wird aus den Beispielen 1 und 2 der
Schluß gezogen, daß 400 mg/ml die oberste praktische Kon
zentration für die Rekonstituierung sind.
Beispiel 3
Relation zwischen Einfüllkonzentration und Rekonstituierungszeit
Natriumpiperacillin wird in Wasser bis zu vier verschiede
nen Konzentrationen aufgelöst, nämlich bis zu den Konzen
trationen 200 mg/ml, 166,7 mg/ml, 142,9 mg/ml und 125 mg/
ml. Eine zweckentsprechende Menge einer jeden flüssigen
Füllung mit der jeweiligen Konzentration zur Bildung eines
Rückstandes von 1 g des Natriumpiperacillins wird in die
Ampullen eingefüllt. Dabei wird eine Anzahl von jeweils
vier Ampullen verwendet. Sodann erfolgt die Lyophilisie
rung. Nach der Lyophilisierung wird jeweils der Kuchen
in einer Menge von 1 g mit 1,8 ml Wasser rekonstituiert,
wobei man ein Endvolumen von 2,5 ml mit einer Konzentra
tion von 400 mg/ml erhält. Die Rekonstituierungszeit
wird gemessen. Die Ergebnisse sind nachfolgend zusammen
gestellt.
Beispiel 3
Die folgende Tabelle zeigt die Menge der Flüssigfüllung
bei einer Konzentration von 125 mg/ml Lösung, welche er
forderlich ist, damit man ein lyophilisiertes Produkt er
hält, welches bei der Rekonstituierung eine Endkonzentra
tion von 400 mg/ml liefert. Dabei wird die USP-Überschuß
menge in Rechnung gestellt.