DE3442065C2 - Nifedipin-Zusammensetzung und Verfahren zu ihrer Herstellung - Google Patents

Nifedipin-Zusammensetzung und Verfahren zu ihrer Herstellung

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Description

Die Erfindung betrifft neue pharmazeutische Zusammensetzungen, in denen Nifedipin (d. h. 1,4-Dihydro-2,4-dimethyl-4-(2′- nitrophenyl)-3,5-dicarbomethoxypyridin) enthalten ist. Insbe­ sondere bezieht sich die Erfindung auf eine Nifedipin enthaltende Zusammensetzung, die leicht absorbiert wird, eine langanhal­ tende Wirkung hat und für die rektale Verabreichung geeignet ist.
Nifedipin hat eine koronargefäßerweiternde und hypotensive Wirkung und ist eine wichtige Verbindung als Arzneimittel für die Therapie von Angina pectoris und Bluthochdruck. Nifedipin ist schwer wasserlöslich. Folglich wird es kaum absorbiert, wenn es in festem Zustand oral verabreicht wird. Um deshalb die Absorption in den Verdauungsorganen zu erhöhen und seine biologische Wirksamkeit zu verbessern, wurden zahlreiche pharmazeutische Modifikationen vorgenommen. Diese können in zwei Hauptmethoden eingeteilt werden.
Eine davon ist ein Verfahren, bei dem Nifedipin solubilisiert wird. Es ist beispielsweise in den japanischen Offenlegungs­ schriften 53/121921, 54/20127, 54/44034, 54/55713, 54/55714, 54/95721 und 56/115726 offenbart. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß Nifedipin in einem Träger, wie Polymeren, gelöst oder dispergiert wird, so daß die Löslichkeit von Nifedipin verbessert und als Folge davon seine biologische Wirksamkeit verbes­ sert wird. Solch ein Verfahren ist beispielsweise in den japanischen Offenlegungsschriften 54/46837, 56/68619 und 57/85136 erläutert.
Nach solchen Verfahren hergestellte pharmazeutische Zuberei­ tungen weisen eine ausreichende Absorption und sofortige Wirksamkeit auf, weil das Nifedipin umgehend in den Verdauungs­ organen gelöst wird. Zu gleicher Zeit sinkt jedoch manchmal der Blutdruck infolge eines raschen Anstiegs der Nifedipin­ konzentration im Blut rapide ab, und dies führt zu unerwünsch­ ten Nebenwirkungen, wie Schwindelanfällen beim Aufstehen und Aufrichten. Außerdem haben solche leicht absorbierbaren Zube­ reitungen den weiteren Nachteil, daß das Nifedipin sofort abgebaut und ausgeschieden wird, woraufhin der Blutspiegel rapide absinkt und nur eine kurzzeitige Wirkung erzielt wird.
Wenn folglich solche Zubereitungen vor dem Schlafengehen gegeben werden, kann die Verhütung von Angina-pectoris- Anfällen während des Schlafes nicht garantiert werden, und deshalb sind Zubereitungen mit Langzeitwirkung seit langem erwünscht. Außerdem gibt es Berichte, gemäß denen Nifedipin- Zubereitungen für die orale Anwendung Nebenwirkungen auf die Verdauungsorgane zeigen. Zur Zeit sind keine anderen Zuberei­ tungen als die oral Verabreichbaren auf dem Markt, und ein weiterer Nachteil ist, daß bei Patienten, die infolge schwerer Erkrankung nicht in der Lage sind zu schlucken, eine Therapie mit Nifedipin nicht möglich ist. Auf jeden Fall wartet man schon lange auf parenteral verabreichbare Zubereitungen des Nifedipins.
Aus Chemical Abstracts, Vol. 99(13), 98723 g ist bekannt, daß Nifedipin beinahe vollständig im Verdauungstrakt nach sublingualer, oraler und rectaler Verabreichung absorbiert wird. Nähere Angaben sind dieser Druckschrift nicht zu entnehmen.
In Chemical Abstracts, Vol. 97, 44 327 u ist eine Nifedipin enthaltende Zusammensetzung beschrieben, bei der durch Zugabe von Polyethylenglykol die Aufnahme über den Ver­ dauungstrakt beschleunigt und die Nebenwirkungen erniedrigt werden. Da Nifedipin in Form kleiner Teilchen und nicht in Form von Kristallen in Polyethylenglykol dispergiert ist, ist die Aufnahme von Nifedipin signifikant erhöht.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, neue Nifedipin enthaltende Zusammensetzungen anzugeben, bei denen das Nifedipin leicht absor­ biert wird, ein ausreichender Blutspiegel für die Therapie über einen langen Zeitraum aufrechterhalten werden kann und die nicht-orale Gabe möglich ist, und ein Verfahren zur Herstellung solcher Zusammensetzungen.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die Merkmale der Patentansprüche 1 und 4 gelöst. Bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung sind den Unteransprüchen zu entnehmen.
Die Erfindung bezieht sich folglich auf eine Nifedipin enthaltende Zusammensetzungen mit der gewünschten Absorbierbarkeit und Langzeitwirkung, die Nifedipin in einem Grundstoff enthalten, der aus 5 bis 50 gew.-Teilen Polyalkylenglykol und 50 bis 95 gew.- Teilen Fett und/oder Öl besteht.
Beispiele für erfindungsgemäß anwendbare Polyalkylenglykole sind Polyethylenglykol und Polypropylenglykol, wobei Poly­ ethylenglykol mit einem Molekulargewicht von 200 bis 20 000 am meisten zu bevorzugen ist. Beispiele für erfindungs­ gemäß anwendbare Fette und/oder Öle sind Fettsäureglyceride, insbesondere solche mit 12 bis 18 Kohlenstoffatomen. Bevorzugte Beispiele für solche Glyceride sind Adeps solidus (deutsche Arzneimittelliste) und diesem entsprechende Zubereitungen, wie beispielsweise die Suppositorienmasse Witepsol® der Typen H, W, S und E. Außerdem sind auch Kakaobutter und andere pflanzliche Fette und Öle und deren gehärtete Öle ebenfalls anwendbar.
Bei der vorliegenden Erfindung ist das Mischungsverhältnis von Polyalkylenglykol und Fett und/oder Öl von grundlegender Bedeutung, und Zubereitungen mit ausreichender Absorption und Langzeitwirkung werden nur erhalten, wenn das Nifedipin in einem aus 5 bis 50 Gewichtsteilen Polyalkylenglykol und 50 bis 95 Gewichtsteilen Fett und/oder Öl bestehenden Grund­ stoff enthalten ist.
In dem vorstehend bezeichneten gemischten Grundstoff ist Nifedipin in einer Konzentration von etwa 0,1 bis 5%, vorzugs­ weise 0,25 bis 2%, enthalten. Es ist natürlich möglich, daß das erfindungsgemäße Gemisch auch andere Substanzen enthalten kann, wie nichtionische grenzflächenaktive Mittel, feinpulverige Kieselsäureverbindungen und Cellulosederivate.
Die Zusammensetzung nach der Erfindung wird wie folgt zube­ reitet: Nifedipin wird in Polyalkylenglykol gelöst und dann mit warmem und geschmolzenem Fett und/oder Öl vermischt, oder Nifedipin wird einem warmen und geschmolzenen Gemisch von Polyalkylenglykol und Fett und/oder Öl zugesetzt und darin gelöst. Dann wird das Gemisch in Formen oder Behälter für Suppositorien gegossen und abkühlen gelassen. Da das Nifedipin instabil gegenüber Licht ist, ist es angebracht, diesen Vorgang im Dunklen auszuführen. Die erfindungsgemäße Zusammensetzung wird parenteral verabreicht, am vorteilhaftesten ist die rektale Verabreichung.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Beispiele näher erläutert.
Beispiel 1
Zu 21 g Polyäthylenglykol (MG 400) werden 1 g Nifedipin gegeben und das Gemisch gerührt und zum Auflösen gebracht. Dann werden 84 g bei 45°C geschmolzenes Witepsol H-15® zugesetzt, das Gemisch gerührt, in Suppositorienformen (für 2-g- Zubereitungen, Erweka Co.) gegossen und abkühlen gelassen. Es werden Nifedipin-Suppositorien für die rektale Anwendung erhalten.
Beispiel 2
Ein Gemisch aus 73,5 g Witepsol W-35® und 32 g Polyethylen­ glykol (MG 1500) wird bei 50°C geschmolzen, 0,5 g Nifedipin zugesetzt, das Gemisch gerührt und zum Auflösen gebracht und gemäß Beispiel 1 zur Gewin­ nung von Nifedipin-Suppositorien behandelt.
Beispiel 3
42 g Polyethylenglykol (MG 1500) werden bei 50°C geschmolzen, und 1 g Nifedipin darin gelöst. Dann werden 63 g bei 50°C geschmolzenes Witepsol S-55® zugesetzt, das Gemisch gerührt und gemäß Beispiel 1 zu Nifedipin-Suppositorien verarbeitet.
Beispiel 4
31,5 g Polyethylenglykol (MG 1500) werden bei 50°C geschmolzen, und 1 g Nifedipin darin gelöst. Dann werden 73,5 g bei 50°C geschmolzenes Witepsol S-55® zugesetzt, das Gemisch gerührt, und gemäß Beispiel 1 Nifedipin-Suppositorien hergestellt.
Beispiel 5
21 g Polyethylenglykol (MG 1500) werden bei 50°C geschmolzen, und 1 g Nifedipin darin gelöst. Dann werden 84 g bei 50°C geschmolzenes Witepsol S-55® zugesetzt, das Gemisch gerührt und gemäß Beispiel 1 zu Nifedipin-Supositorien verarbeitet.
Beispiel 6
52,5 g Witepsol W-35® und 52,5 g Polyethylenglykol (MG 1540) werden bei 50°C geschmolzen, 1 g Nifedipin zugesetzt, das Gemisch gerührt und zum Auflösen gebracht und gemäß Beispiel 1 zu Nifedipin-Suppositorien verarbeitet.
Beispiel 7
26,25 g Polyethylenglykol (MG 1500) werden bei 50°C geschmolzen, und 2 g Nifedipin darin gelöst. Dann werden 78,75 g bei 50°C geschmolzenes Witepsol S-55® zugesetzt, das Gemisch gerührt und gemäß Beispiel 1 zu Nifedipin-Suppositorien verarbeitet.
Beispiel 8
42 g Polyethylenglykol (MG 1000) werden bei 50°C geschmolzen, 1 g Nifedipin zugesetzt und unter Rühren gelöst. Dann werden 63 g bei 50°C geschmolzene Kakaobutter zugesetzt, das Gemisch gerührt und gemäß Beispiel 1 zu Nifedipin-Suppositorien verarbeitet.
Die Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung wird nachstehend erläutert.
Suppositorien werden hergestellt durch Auflösen von Nifedipin in einem aus Polyethylenglykolen (PEG-400 : PEG-1500 : PEG-6000= 3 : 3 : 4) bestehenden Grundstoff (20 mg Nifedipin/2 g), durch Dispergieren von Nifedipin in Witepsol® S-55-Grundstoff (20 mg Nifedipin/2 g) und gemäß den Beispielen 3, 4 und 5. Diese wurden an Beagles (10 bis 11 kg Körpergewicht, 4 Hunde pro Gruppe) in einer Dosis von 2 mg/kg rektal verarbreicht. Von Zeit zu Zeit wurde Blut abgenommen und die Nifedipin­ konzentrationen im Blutserum bestimmt. Es wurde das folgende Bestimmungsverfahren angewendet: Zu dem abgenommenen Blutserum wurde n-Propyl-p-Hydroxybenzoat als interner Standard zugesetzt, dann zum Entfernen der Proteine Trichloressigsäure zugesetzt, zentrifugiert, die überstehende Flüssigkeit mit Ethylacetat extrahiert und durch Hochdruck­ flüssigkeitschromatographie bestimmt. Die Ergebnisse sind der Fig. 1 zu entnehmen.
Fig. 1 zeigt die Mittelwerte von Nifedipinspiegeln im Blut­ serum, wenn die folgenden Nifedipin-Suppositorien in einer Dosis von 2 mg/kg rektal an Beagles (Körpergewicht 10 bis 11 kg, 4 Hunde pro Gruppe) gegeben werden. Ordinate und Abszisse zeigen den Blutserumspiegel (ng/ml) bzw. den Zeitverlauf (h).
○ - - - - ○ Suppositorien hergestellt aus Polyäthylenglykol allein
∆ - - - - ∆ Suppositorien hergestellt aus Witepsol® allein
⚫ - - - - ⚫ Suppositorien hergestellt nach Beispiel 3
∎ - - - - ∎ Suppositorien hergestellt nach Beispiel 4
▲ - - - - ▲ Suppositorien hergestellt nach Beispiel 5
Ebenso wurde die Fläche unter der Blutserumspiegelkurve für jede Zubereitung acht Stunden nach der Verabreichung gemessen, und die Fläche (AUC) wurde mit einer anderen Fläche (AUC) verglichen, die erhalten wurde, als 2 mg/kg einer Injektions­ lösung (hergestellt duch Auflösen von Nifedipin in 50%iger wäßriger Polyethylenglykollösung) intravenös verabreicht wurden, und das Verhältnis berechnet. Das Ergebnis ist in der folgenden Tabelle 1 angegeben.
Tabelle 1
Aus den Ergebnissen der Fig. 1 und der Tabelle 1 wird ganz deutlich, daß die Nifedipin-Zubereitungen gemäß der Erfindung einen hohen Blutserumspiegel für lange Zeit vergli­ chen mit den nur mit Polyethylenglykol- bzw. Witepsol-Grundstoff hergestellten Zubereitungen aufweisen. Was die biologische Wirksamkeit angeht, so sind die Zubereitungen nach der Erfindung zwei- bis dreimal so stark wie die Vergleichszubereitungen. Auf jeden Fall ist der erfindungsgemäß erzielbare Effekt ganz bemerkenswert.

Claims (4)

1. Zusammensetzung für die rektale Verabreichung, enthaltend Nifedipin, dadurch gekennzeichnet, daß sie Nifedipin in einem aus 5 bis 50 Gew.-Teilen Polyalkylen-glykol und 95 bis 50 Gew.-Teilen Fett und/oder Öl bestehenden Grundstoff enthält.
2. Zusammensetzung nach Anspruch 1, dadurch gekenn­ zeichnet, daß das durchschnittliche Molekulargewicht des Polyalkylenglykols 200 bis 20 000 ist.
3. Zusammensetzung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekenn­ zeichnet, daß das Fett und/oder Öl ein Fettsäure­ glycerid ist.
4. Verfahren zur Herstellung von Nifedipin-Zusammen­ setzungen nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
  • a) Nifedipin in Polyalkylenglykol gelöst, dann das warme und geschmolzene Fett und/oder Öl zugesetzt und die Mischung homogen durchmischt wird, oder
  • b) Nifedipin zu einem warmen und geschmolzenen Gemisch von Polyalkylenglykol und Fett und/oder Öl zugesetzt und damit vermischt und dann das erhaltene homogene Gemisch in geeignete Formen oder Behälter gegossen und schließlich abgekühlt wird.
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