-
Verfahren zur Herstellung von Kunstseide aus Viskose nach dem Spinntopfspinnverfahren
Beim Spinnen von Kunstseide nach dem Spinntopfspinnverfahren wird das Gespinst mittels
eines sich auf- und abwärts bewegenden Trichters in den sich schnell drehenden Spinntopf
geführt, wodurch sogenannte Kuchen entstehen, die nachher gehaspelt werden.
-
Häufig stellt man hierbei fest, daß der Faden auf seinem Wege von
der Glasrolle oder dem anderen Fadenführer zum Topfe in Schwingungen gerät, wodurch
oft Ungleichmäßigkeiten im Endprodukt entstehen.
-
Auch kommt vielfach eine Beschädigung des Fadens vor, wodurch die
Sortierung auf Qualität weniger günstige Erfolge ergibt. Außerdem erleidet der Faden
im Trichter eine nicht unbeträchtliche Reibung. Diese Reibung muß durch die Zugkraft
des sich schnell drehenden Spinntopfes überwunden werden, welche Kraft jedoch mit
der wachsenden Dicke des gesponnenen Kuchens abnimmt. Es gibt also eine Maximaldicke
des Kuchens, die das Ende des guten Spinnens bestimmt.
-
Nach der Erfindung ist man imstande, einer Schwingung des Fadens vorzubeugen,
das Auftreten von Beschädigungen der Fäden zu beseitigen und dickere Kuchen zu spinnen,
wenn man während des Spinnens den Spinntrichter mit Flüssigkeit gefüllt hält.
-
Das Verfahren nach der Erfindung kann auch derart ausgeführt werden,
daß die koagulierende bzw. zersetzende Wirkung des Fällbades durch die im Spinntrichter
vorhandene Flüssigkeit vervollständigt wird. Man hat bereits vorgeschlagen, das
Fortscbreiten des Fadens durch den Spinntrichter hindurch zu erleichtern und ein
Festsetzen des Fadens an der Innenwandung des Trichterrohres zu vermeiden, indem
man oberhalb des Spinntrichters den nach unten abwärts gezogenen Faden mit Flüssigkeit
beschwert oder auch die Wandung des Trichters mit Flüssigkeit benetzt. In diesen
bekannten Fällen hat die Flüssigkeit, welche auch chemisch wirken kann, dann noch
den Zweck, ein Auskristallisieren von Salzen zu unterbinden, welche den Faden beschädigen
und ein glattes Durchlaufen behindern können.
-
Im Gegensatz zu den bekannten Verfahren wird nach der Erfindung während
des ganzen Spinnvorganges Flüssigkeit in den Spinntrichter geführt. Hierbei wird
nicht nur die Wand benetzt, sondern der Trichter wird praktisch völlig oder nahezu
vollständig mit Flüssigkeit gefüllt gehalten.
-
Zur Ausführung des Verfahrens nach der Erfindung wird z. B. der Kelch
des Spinntrichters mit einem Röhrchen versehen, das mittels eines Kautschukrohres
oder eines Rohres aus ähnlichem biegsamen Material mit einem Flüssigkeitsbehälter
mit konstantem Niveau in Verbindung steht. Dadurch erreicht man, daß die Höhe des
Flüssigkeitsspiegels im Trichter praktisch konstant bleibt.
-
Damit die Flüssigkeit, die in den Trichter geführt wird, genügend
abgeführt werden kann, ist es erwünscht, einen Spinntopf mit einer Vertiefung
im
Boden zu verwenden, in welcher Vertiefung Abführungsöffnungen für die Flüssigkeit
vorhanden sind. ' Bei Anwendung des Verfahrens nach der Erfindung erhält man bedeutende
Vorteile. So ist die Erfindung z. B. bei Verwendung einer längeren Tauchstrecke
von größter Bedeutung. Hierdurch erleidet das Gespinst doch einen großen Widerstand,
so daß die Zugkraft des schnell umlaufenden Spinntopfes oft nicht genügend groß
ist bzw. bald zu klein wird, um den Faden einzuziehen.
-
Außerdem zeigt Kunstseide, die mit einer langen Tauchlänge gesponnen
wird, oft die Neigung, im Spinntopf bedeutend zu schrumpfen, wodurch man Kuchen
erhält, die nicht öder nur sehr ungenügend gehaspelt Terden können.
-
Schließlich ist es oft erwünscht, eine nicht zu konzentrierte saure
Lösung als Fällbad zu verwenden, ohne jedoch ein zweites oder Nachfixierungsbad
verwenden zu müssen.
-
Bei Verwendung des Verfahrens nach der Erfindung wird nun durch die
im Trichter vorhandene Flüssigkeit auf das Gespinst eine Kraft in der Richtung des
Spinntopfes ausgeübt, so daß die Zugkraft des Topfes unterstützt wird. Auch kann
man durch die richtige Wahl der Flüssigkeit, die man in den Trichter führt, das
Schrumpfen des Fadens im Topfe herabsetzen oder sogar völlig beseitigen und auch
eine Nachfixierung des Gespinstes im Topfe erzeugen.
-
Das Verfahren nach der Erfindung erhöht in nicht unbeträchtlicher
Weise die Spinndauer, da die sonst im Stiel des Trichters auftretende Reibung praktisch
völlig aufgehoben wird. So ist man bei bestimmten Vorrichtungen z. B. nur imstande,
bei 15o Deniers eine Totallänge von zo ooo m zu spinnen. Bei Anwendung des Verfahrens
nach der Erfindung kann man ungefähr eine doppelte Länge erhalten, bevor der Spinntopf
ausgewechselt werden muß.
-
Der Denier der erzeugten Seide ist sehr gleichmäßig. Die bekannte
Erscheinung, daß nämlich die Denierzahl an der Innenseite des Kuchens höher ist
als an der Außenseite, tritt bei Anwendung des Verfahrens nach der Erfindung aus
den oben angeführten Gründen nicht auf. Auch das Anfärbevermögen ist in allen Teilen
des Fadens praktisch dasselbe.
-
Da der Trichter fortwährend von der Flüssigkeit durchströmt wird,
wird die Gefahr der Salzabsetzung im Trichter vermieden und damit also auch die
Gefahr für Beschädigung des Gespinstes. Außerdem ist die Reibung im Stiel praktisch
völlig beseitigt. Auch erleichtert das Vorhandensein von Flüssigkeit im Trichter
das Einspinnen in großem- Maße.
-
Ferner ist man durch geeignete Wahl der Flüssigkeit im Trichter imstande,
eine Nachkoagulation oder Nachfixierung des Fadens auszuführen. Auf diese Weise
kann man auf äußerst einfache Weise die Vorteile des Zweibadverfahrens erhalten.
-
Dazu kann man z. B. Fällbäder verwenden, die unter den üblichen Verhältnissen
Beschwerden geben würden. So wird man bei Verwendung eines 'Fällbades mit sehr niedrigem
Säuregehalt einen Kuchen mit völlig oder teilweise alkalischer Reaktion erhalten,
was ohne Nachfixierung ein großer Nachteil ist.
-
Dadurch, daß man nun in den Trichter eine saure Flüssigkeit einführt,
kann man diesen Nachteil beseitigen und die Vorteile eines Fällbades mit niedrigem
Säuregehalt erhalten, ohne die Nachteile davon zu empfinden.
-
Eine Ausführungsform, die in der -Praxis am leichtesten auszuführen
ist, besteht darin, daß man in den Trichter die Flüssigkeit einführt, die vom Spinntopf
abgeschleudert wird.
-
Je nach dem Zweck kann man auch Wasser oder bestimmte Lösungen in
den Trichter einführen. In allen Fällen wird jedoch, da der Trichterstiel völlig
mit Flüssigkeit gefüllt ist, die Schwingung des Fadens zwischen Führungsrolle und
Spinntrichter völlig beseitigt.