DE54818C - Verfahren zur Herstellung eines rauchlosen, progressiv wirkenden Schiefswollpulvers aus höchst nitrirter Cellulose - Google Patents

Verfahren zur Herstellung eines rauchlosen, progressiv wirkenden Schiefswollpulvers aus höchst nitrirter Cellulose

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DE54818C
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DENDAT54818D
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ST. VON ROMOCKI in Berlin, Karlstr. 24. II
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    • CCHEMISTRY; METALLURGY
    • C06EXPLOSIVES; MATCHES
    • C06BEXPLOSIVES OR THERMIC COMPOSITIONS; MANUFACTURE THEREOF; USE OF SINGLE SUBSTANCES AS EXPLOSIVES
    • C06B21/00Apparatus or methods for working-up explosives, e.g. forming, cutting, drying
    • C06B21/0008Compounding the ingredient

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  • Organic Chemistry (AREA)
  • Processes Of Treating Macromolecular Substances (AREA)

Description

KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 78: Sprengstoffe.
nitrirter Cellulose.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 22. November 1889 ab.
Die vorliegende Erfindung bezweckt, das Pyroxylin durch Regelung seiner Verbrennung ballistisch verwendbar zu machen.
Die gewaltige Kraft der nitrirten Cellulose, 1 ihre Rauch-, Rückstands- und Knalllosigkeit, ihre leichte, billige und wegen des Fortfalls jeder Mahloperation relativ ungefährliche Herstellungsweise, ihre Unempfindlichkeit gegen Wasser und feuchte Luft — alles Vorzüge, in denen sie auch von keiner der später aufgekommenen Pikrat- und Nitratmischungen erreicht worden ist — erweckten sogleich nach ihrem Bekanntwerden die bestimmte Annahme, es würde in der Kriegstechnik eine Aera der Schiefswolle derjenigen des Schwarzpulvers folgen.
Diese Hoffnungen sind bis jetzt nicht erfüllt.
Jahrzehnte lang fortgesetzte Versuche haben die Haltbarkeit der säurefreien Schiefswolle zweifellos erwiesen; man hat gefunden, dafs sie schon im trockenen Zustande jeder Erschütterung trotzt, welche nicht gerade so heftig ist, wie die der Geschofsladung beim Abfeuern des Geschützes, im nassen aber nicht anders, als durch einen speciellen Zünder entzündet werden kann; eins aber wollte nie gelingen: man konnte der einmal eingeleiteten Verbrennung der Nitrocellulose nicht den Charakter einer Detonation benehmen, welche den Ladungsraum der Feuerwaffe beschädigt, oder zertrümmert, bevor das Geschofs Zeit gehabt hat, seine Trägheit zu überwinden und sich der Laufseele anzupassen.
Der Grund dieser Mifserfolge ist wohl einerseits darin zu suchen, dafs man bis in die letzte Zeit hinein, wo sich die photographische Praxis des' Collodiums bemächtigte und zu Untersuchungen auch der niedrig nitrirten Schiefswollstufen anregte, fast ausschliefslich die wegen ihrer äufsersten Brisanz zum Sprengen sehr geeignete, ballistisch aber untaugliche Hexanitrocellulose (damals Trinitrocellulose genannt) kannte, und andererseits darin, dafs man, ohne Rücksicht auf die anzustrebende progressive Wirkung, die Schiefswollladungen, wie diejenigen von Schwarzpulver, stets homogen aus einer Schiefswollart herstellte und nur durch Formveränderungen (Spinnen, Pressen) oder gleichmäfsige Verdünnung mit anderen Stoffen die Verbrennung zu verlangsamen suchte.
Die Erfindung besteht nun darin, dafs Erfinder seine Ladungen nicht aus einer Schiefswollart bestehen läfsl, sondern jedes einzelne Korn der Ladung (für Handfeuerwaffen verwendet man am vortheilhaftesten ein einziges Korn von der ungefähren Gröfse des Ladungsraumes) aus Schichten von verschiedenem Sauerstoffgehalt, daher auch von verschiedener Verbrennungsgeschwindigkeit, zusammensetzt, derart, dafs die Bewegung des Geschosses durch die Entzündung wenig brisanter Lagen eingeleitet wird, um dann durch die Fortpflanzung in immer sauerstoffreichere Schichten bis zum Maximum beschleunigt zu werden.
Hergestellt wird dieses progressiv wirkende Schiefswollpulver, indem man geprefste Schiefswolle der höchsten Nitrationsstufe eine Zeit lang der Einwirkung eines Redüctionsmittels (Alkali) aussetzt. Das Reductionsmittel wirkt naturgemäfs
auf die äufsersten Schichten des Kornes am stärksten/ein; dieselben werden zu den niedrigsten Collodiümstufen reducirt, während nach dem unverändert bleibenden Kern zu immer brisantere Lagen auf einander folgen.
.■·. ,Die Darstellung ist also eine ganz aufserqrdentlich einfache und erfordert aufser einigen ■ -Bottichen mit Zuflufs- und Abflufsrohr keine besonderen technischen Einrichtungen.
In den Bottichen wird die geprefste Schiefswolle, wie sie die Fabriken in genügender Reinheit und in jeder gewünschten Körnung liefern, noch feucht (trockene Schiefswolle würde das Reductionsmittel zu schnell einsaugen) mit Lauge übergössen, dann mit reinem Wasser ausgespült und getrocknet. Etwa zurückbleibendes Nitrat macht das Pulver ein wenig brisanter und vermehrt den Rückstand um ein Geringes.
Verwendet man z. B. Potasche als Reductionsmittel, so entspricht eine etwa ι 5 proc. Lösung recht gut dem Zwecke. Man läfst dieselbe so lange auf die Schiefswolle einwirken, bis sie nicht mehr alkalisch reagirt. Die Menge der Lauge ist so zu bemessen, dafs das in ihr enthaltene Alkali hinreicht, um der Trinitrocellulose etwa 25 pCt. ihres Salpetersäuregehaltes zu entziehen; natürlich mufs sie sich auch immer nach der Art der Waffe richten, für welche das Pulver bestimmt ist.
Das Wesen eines derartigen Pulvers läfst sich durch chemische Analyse nicht ermitteln; dieselbe findet nur Collodium und in Aether unlösliche Schiefswolle. Erst wenn man das Korn durchschneidet und mit Jod behandelt, ersieht man aus der gelben Färbung des Kerns und der blauen Färbung der Aufsenfläche, welche beiden Farben allmälig in einander übergehen, die progressive Structur.
Wie der Bolzen eines Blasrohres durch allmälig verstärktes Blasen unter geringster Anstrengung der Lungen des Schützen am weitesten getrieben wird, und wie eine Windbüchse mit einem gegebenen Quantum Luft von gegebener Spannung den schärfsten Schufs ergiebt, wenn die Curve der Ventilmuschel für anfangs langsame, dann progressiv zu einem starken Endstofs gesteigerte Luftausströmung eingerichtet ist, so erzielt man mit dem aus verschieden brisanten Schiefswollarten zusammengesetzten Pulver eine stärkere ballistische Wirkung, als mit der gleichen Menge höchst nitrirter Schiefswolle, deren absolute Kraft natürlich gröfser ist.

Claims (1)

  1. Patent-Anspruch:
    Verfahren zur Herstellung eines rauchlosen, progressiv wirkenden Schiefswollpulvers, dessen einzelne Körner aus Schichten von nach dem Kerne zu steigender Brisanz bestehen, durch theilweise Reduction geprefster, höchstnitrirter Cellulose vermittelst alkalischer Lauge.
DENDAT54818D Verfahren zur Herstellung eines rauchlosen, progressiv wirkenden Schiefswollpulvers aus höchst nitrirter Cellulose Expired - Lifetime DE54818C (de)

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Cited By (1)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
DE1031685B (de) * 1955-03-24 1958-06-04 Activa Ibera S A Soc Treibladung fuer Geschosse

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