DE566018C - Verfahren zum Herstellen und Nachbehandeln von nach dem Spulen- oder Haspelsystem gesponnenen Kunstseidenfaeden - Google Patents
Verfahren zum Herstellen und Nachbehandeln von nach dem Spulen- oder Haspelsystem gesponnenen KunstseidenfaedenInfo
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Description
Beim Spinnen von Kunstseidenfäden werden die frisch gesponnenen Fasern, soweit
sie nicht in Spinnzentrifugen aufgefangen werden, auf Spulen oder Haspel aufgesponnen.
Diese aufgewickelte Kunstseide wird dann einem Waschen und Trocknen unterzogen.
Beim Spinnen auf Spulen ergeben sich folgende Schwierigkeiten:
to ι. kann man, um die Durchdringung des Kunstseidenwickels mit Flüssigkeiten nicht zu
erschweren oder unmöglich zu machen, die Spulen nur mit einer dünnen Fadenschicht
bespinnen;
2. erfordern derartige Verfahren sehr viel Zeit, sehr viel Flüssigkeiten, weil die Flüssigkeiten
nur sehr langsam die ganze Wicklung durchdringen, oder weil infolge nicht gleichmäßiger
Berührung aller Teile der Wicklung das Waschen und Nachbehandeln um die
mehrfache Zeit verlängert werden muß, als bei einer ganz gleichmäßigen Durchdringung
nötig wäre. Es ergibt sich hierdurch ein großer Verbrauch von Wasser und den sonstigen
in Frage kommenden Flüssigkeiten;
3. infolge der langen Dauer des Verfahrens ist eine große Anzahl von Spulen erforderlich;
4. bietet die Baustofffrage für die Spulen, besonders wenn es sich um die außer der
Wäsche noch erforderlichen Flüssigkeitsbehandlungen handelt, Schwierigkeiten, da es
wenige Stoffe gibt, welche von den verschiedenen, in Frage kommenden Flüssigkeiten
nicht angegriffen werden und diese wenigen in chemischer Beziehung einwandfreien Stoffe
in anderer Beziehung unpraktisch sind, da sie entweder zu schwer, zu zerbrechlich oder zu
wenig widerstandsfähig gegen den beim Trocknen durch die sich zusammenziehende Kunstseide entstehenden Druck sind;
5. ein weiterer Nachteil dieses Verfahrens besteht in dem Trocknen auf der Spule, wodurch
die inneren und äußeren Lagen der Wicklung verschiedenartig einschrumpfen, da die unteren Lagen auf der Spule einen Widerstand
finden, während die oberen infolge Dünnerwerdens der unteren Lagen genügend Spielraum zum Einschrumpfen haben. Die
Folge davon ist, daß die Kunstseide in sich ungleichmäßig gespannt wird, ferner daß sie
infolge der übergroßen Spannung auf der Spule durch Reißen einzelner Fasern häufig
flusig wird, und daß außerdem die Wicklungen sich leicht ineinanderziehen, so daß
sich vielfach Fadenbrüche beim Abwickeln ergeben.
Bei einer anderen Ausführungsform des Spinnprozesses wird der Faden auf Haspeln
aufgewickelt. Man unterzieht die auf dem Haspel befindliche Kunstseide während des
Spinnens in der Maschine oder nach demselben auf getrennten Einrichtungen der erforderlichen
Behandlung mit Flüssigkeiten;
außerdem werden die Strähnen entweder auf dem Haspel oder nach dem Herunternehmen
von diesem getrocknet. In beiden Fällen ist es nötig, den Wickel, um spätere Verwirrungen
zu vermeiden, zu fitzen. Um dieses Fitzen vornehmen zu können, wird die Kunstseide
beim Spinnen in offener Kreuzung auf den Haspel gewickelt. Durch die hierbei entstehenden
Lücken in der Wicklung werden
ίο die Fitzfäden hindurchgeflochten. Dieses Verfahren
bietet ebenfalls mannigfache Nachteile: i. wenn die Dauer des Waschens und
Trocknens auf dem Haspel auch nicht so lang ist wie beim Behandeln von auf Spulen
gewickelten Fäden, so ist sie, selbst wenn das Trocknen nicht auf dem Haspel vorgenommen
wird, doch noch so lang, daß ein erhebliches Kapital zum Beschaffen der benötigten Haspeln
angelegt werden muß;
2. bestehen hinsichtlich des für die Haspel zu verwendenden Baustoffes die gleichen oder
ähnlichen Schwierigkeiten wie für die Spulen;
3. entstehen beim Fitzen der Fäden, besonders im nassen Zustande, leicht Beschädigungen;
4. spielt der Lohn für das Fitzen bei der Herstellung von Kunstseide eine Rolle.
Zwar hat man versucht, den vorgenannten Schwierigkeiten dadurch aus dem Wege zu
gehen, daß man den Faden in der Spinnmaschine vor dem Aufwickeln den verschiedenen
Behandlungen unterzog, doch hat dies andere Nachteile.
Zweck der vorliegenden Erfindung ist, für die Herstellung von Kunstseidenfäden an
Stelle der vorbeschriebenen Verfahren ein neues vereinfachtes zu setzen. Dasselbe besteht
in folgendem.
Die Kunstseide wird beim Spinnen entweder auf Spülen oder nicht zu groß gewählte rollenartige
Haspel mit besonders breiten Auflageflächen α (Abb. 1) in stark gekreuzter,
aber dichter Wicklung, ohne Lücken für das Fitzen, aufgebracht. Im Gegensatz dazu zeigt
Abb. 2 das übliche Haspeln mit Lücken c in der Wicklung für die Unterbindung d. Das
Aufwickeln kann auf Einzelspulen oder Einzelhaspel oder zu mehreren Fäden durch Zwischenräume
getrennt auf entsprechend längere Spulen oder Haspel erfolgen. Auf die Spulen oder Haspel kann man in an sich bekannter
Weise durchlässige Unterlagen (Filz, Stoff, Drahtgewebe usw.) bringen, welche mit
den darauf gesponnenen Garnkörpern abgeinommen werden. Die Verwendung der vorgenannten
Unterlagen geschieht teils um die Abnahme der Garnwickel zu erleichtern, teils zur Vermeidung von Verschiebungen und Beschädigungen
des Garnkörpers bei dem nachfolgenden Nachbehandlungs-, Trocken- und Abwindeprozeß. Die Aufnahmevorrichtungen
werden so eingerichtet, daß z. B. durch Verringerung des Umfanges die Garnkörper leicht
abgenommen werden können. Zum Behändem mit den erforderlichen Flüssigkeiten werden
die Garnkörper von den Aufnahmevorrichtungen abgenommen, ohne daß sie gefitzt sind. Sie besitzen infolge ihrer dichten Wicklung
eine große Widerstandsfähigkeit gegen Verschieben und Beschädigen der Fäden. Die
Wicklung kann dabei im Gegensatz zu den bisherigen Verfahren in einer recht dicken
Schicht vorgenommen werden, da sich auf diese Weise ein viel widerstandsfähigerer
Garnkörper ergibt.
Es ist nun möglich, diese Garnkörper auf verschiedene Weise mit den erforderlichen
Flüssigkeiten ohne Nachteil für das Abwinden zu behandeln, wofür nachstehend einige Beispiele
gegeben sind.
Gemäß Abb. 3 werden die Garnkörper e flach gedrückt und in einer oder mehreren
Schichten in eine Schleuder gelegt, mit der Fläche gegen die Wand, um die Gefahr des
Verschiebens der Wicklung beim Schleudern zu vermeiden. In die Schleuder werden nacheinander
die verschiedenen Flüssigkeiten eingeführt und gegen die Kunstseidenkörper geleitet.
Durch die Schleuderkraft dringt die Flüssigkeit durch die Kunstseide hindurch und
ergibt in ganz kurzer Zeit eine einwandfreie, in allen Teilen gleichmäßige Behandlung.
Nach Abstellen der letzten Flüssigkeit läuft die Schleuder noch eine Zeitlang weiter,
worauf die Garnkörper herausgenommen und getrocknet werden. Man kann natürlich zum
besseren Ausnutzen der Schleuder den umlaufenden Behälter ganz oder in mehreren Einzelkammern auswechselbar machen und
diese außerhalb der Schleuder beschicken und dann in die Schleuder einsetzen. Man
kann auch die Behandlung mit den verschiedenen Flüssigkeiten auf mehrere Schleudern
verteilen, von denen jede nur mit einer oder nur mit einem Teil der in Frage kommenden Flüssigkeiten
arbeitet. Man muß dann jeweils den Inhalt aus einer Schleuder in die nächstfolgende
bringen. Im Anschluß an die für die eigentliche Herstellung der Kunstseide erforderliche
Behandlung kann dieselbe auch im selben Arbeitsgang gefärbt werden.
Gemäß Abb. 4 werden die Garnkörper e flach in einer oder mehreren Schichten in Behälter
(Körbe, Kästen mit perforiertem Boden usw.) gelegt und nacheinander von den verschiedenen
Flüssigkeiten durchströmt. Dies kann durch Berieseln mit Flüssigkeiten oder durch Druck oder Vakuum erfolgen. Bei
der Anwendung des Druck- oder Unterdruckverfahrens wird der die Kunstseidenkörper
enthaltende Behälter durch gut schließende Kappeng·, welche mit der Druck- oder Va-
kuumleitung h in Verbindung stehen, geschlossen. Nach dem Behandeln bringt man
den die Garnkörper enthaltenden Behälter zum Ausschleudern in eine Schleuder.
Nach Abb. 5 werden die einzelnen Garnkörper auf Stäbe/ aufgehängt und in ähnlicher Weise berieselt, wie dies bei der Spulentraufwäsche geschieht. Man kann mehrere Garnkörper untereinanderhängen, so daß ein und dieselbe Flüssigkeitsmenge mehrere Garnkörper nacheinander durchläuft. Das Berieseln geschieht durch Zuleiten der Flüssigkeit mittels einer oder einiger weniger Flüssigkeitsöffnungen k in einer Leitung, indem diese
Nach Abb. 5 werden die einzelnen Garnkörper auf Stäbe/ aufgehängt und in ähnlicher Weise berieselt, wie dies bei der Spulentraufwäsche geschieht. Man kann mehrere Garnkörper untereinanderhängen, so daß ein und dieselbe Flüssigkeitsmenge mehrere Garnkörper nacheinander durchläuft. Das Berieseln geschieht durch Zuleiten der Flüssigkeit mittels einer oder einiger weniger Flüssigkeitsöffnungen k in einer Leitung, indem diese
»5 langsam hin und her bewegt werden, etwa wie die Pfeile I anzeigen. Hierdurch ergibt sich
eine gleichmäßige Berieselung und eine bessere Wirkung, weil die Hinundherbewegung ein ununterbrochenes Benetzen bewirkt,
ao wodurch der Flüssigkeit Zeit gelassen wird, in die Fadenschichten einzudringen.
Mit dem Abwinden des Wickelkörpers läßt sich auch in vorteilhafter Weise, falls erforderlich,
ein Zwirnen des Fadens verbinden.
Claims (5)
- Patentansprüche:i. Verfahren zum Herstellen und Nachbehandeln von nach dem Spulen- oder Haspelsystem gesponnenen Kunstseidenfaden, dadurch gekennzeichnet, daß die auf der Kunstseidenspinnmaschine entstehenden Kunstseidenfäden in dichter gekreuzter Wicklung auf Aufwickelvorrichtungen zu Garnkörpern gewickelt werden, die Garnkörper hierauf von der Aufwickelvorrichtung abgenommen, der Behandlung mit Flüssigkeiten unterzogen und als Einzelfaden abgewunden werden.
- 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch, gekennzeichnet, daß die Garnkörper in eine Schleuder gelegt und nachbehandelt werden.
- 3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Garnkörper in einen Behälter gelegt und in diesem durch Berieselung oder unter Druck oder Vakuum behandelt werden.
- 4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Garnkörper auf Stäbe gehängt und mit Flüssigkeiten berieselt werden.
- 5. Verfahren nach Anspruch 3 und 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Leitung mit den Zuführungsöffnungen der Behandlungsflüssigkeit über den Garnkörpern hin und her bewegt wird.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
Priority Applications (1)
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|---|---|---|---|
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Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
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| DES84502D DE566018C (de) | 1928-03-06 | 1928-03-06 | Verfahren zum Herstellen und Nachbehandeln von nach dem Spulen- oder Haspelsystem gesponnenen Kunstseidenfaeden |
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|---|---|
| DE566018C true DE566018C (de) | 1932-12-08 |
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Family Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DES84502D Expired DE566018C (de) | 1928-03-06 | 1928-03-06 | Verfahren zum Herstellen und Nachbehandeln von nach dem Spulen- oder Haspelsystem gesponnenen Kunstseidenfaeden |
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|---|---|
| DE (1) | DE566018C (de) |
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1928
- 1928-03-06 DE DES84502D patent/DE566018C/de not_active Expired
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