-
Auf Nebensprechstörungen hochempfindliche spulenbelastete Fernmeldeleitung
mit elektrostatischer Abschirmung An Fernmeldekabel, die zur Übertragung von Frequenzen
oberhalb 350o Hz dienen, beispielsweise an Rundfunkübertragungsleitungen, werden
besonders hohe: Anforderungen hinsichtlich derNebensprech- und Erdstörungsfreiheit
gestellt. So führte man Rundfunkübertragungsleitungenentweder ineigenen K.abeln(VerbindungskabelzwischenAufnahmeort
und Sender) oder aber in besonders ausgerüsteten Fernkabeln (Programmaustauschleitung
eines allgemeinen Rundfunkdienstes). Dadurch gewinnt man zunächst die elektrostatische
und elektromagnetische Schutzwirkung-de:s Kabelbleimantels und,der Armatur sowie
einen in neueren Kabeln allgemein erreichbaren. geringeren inneren Störungsgrad.
Es wurde auch bereits vorgeschlagen, die Rundfunkleitungen noch mit einer eigenen
elektrostatisch vollkommenen Abschirmung gegenüber den innerhalb des Kabels verlaufenden
Nachbarleitungen zu versehen, z. B. in Form einer vollständig geschlossenen Umhüllung
von Stanniol o. ,dgl.
-
Mit Rücksicht auf die hohen noch zu übertragenden Frequenzen wurden
die Rundfunkleitungen für größere Entfernungen besonders leicht pupinisiert, sie
besitzen demn:acheinesehrhoheGrenzfrequenz (rooooHertz oder darüber). Aus Gründen
der Wirtschaftlichkeit, die einen möglichst großen Spulenabstand vorschreibt, wurden
sie bisher mit einem ziemlich niedrigeny Scheinwiderstand (etwa 500 Ohm)
gebaut. Mit letzterem Umstand ist jedoch ein bedeutender Nachteil verbunden. Zufolge
des geringen- Scheinwiderstandes treten nämlich in :den Rundfunkleitungen verhältnismäßig
:große Ströme und ebensolche elektromagnetische Felder auf. Diese bewirken nicht
nur mittelbar ein elektromagnetisch induziertes übersprechen zwischen den Nachbarleitungen,
insbesondere zwischen etwa nicht belasteten (Signal-) Leitungen und den Rundfunkleitungen,
sondern auch mittelbar ein Übersprechen infolge der in den Stanniolhüllen entstehendenWirbelströme.
Für letztere Kopplungsart konnte noch kein Ausgleichsmittel gefunden werden und
wird sich vermutlich auch keine dauernd wirksame Gegenmaßnahme angeben lassen, da
diese Kopplungen von der Stromstärke abhängig sind und auch nicht zeitlich konstant
bleiben. Aber auch die von Starkstromleitungen herrührenden Störungen sind zufolge
des geringeren Widerstandes der Leitungen erheblich.
-
Um diese Nachteile zu beseitigen, geht die Erfindung von dem Gedanken
aus, :die ÜbertragungsstrÖme und damit die von diesen herrührenden Störungen herabzusetzen.
Gemäß der Erfindung geschieht dies dadurch, daß
Fernmeldekabel zur
Übertragung von Frequenzen üher 350o Hz, insbesondere mit elektrostatisch geschirmten
Leitungen für Rundfunkübertragung, mit erhöhtem Wellenwiderstand gebaut werden.
Dadurch kann unter Umständen auf Verwendung verhältnismäßig starker, als Wirbelstromschutz
wirkender Metallschirme, z. B. Stanniolumhüllungen, verzichtet werden, oder aber
diese können dünner- bemessen werden. Vorteilhaft wird die Erhöhung .des Wellenwiderstandes
sowohl für die Rundfunkleitungen als auch für die benachbarten Sprech- oder Signalleitungen,
die nicht unbedingt selbst elektrostatisch geschirmt sein müssen, vorgenommen. Auf
diese Weise kann die Nebensprechdämpfung um mindestens i Neper gehoben werden; außerdem
wird das Verhältnis der von Hochspannungsleitungen induzierten Ströme zu den Rundfunkübertragungsströmeg
günstiger, da sich jene proportional der Vervielfachung
| Rundfunkleitung Signalleitung |
| Betriebskapazität .............. 0,o37ßF/km o,o4oyF/km |
| Spuleninduktivität . . . . . . . . . . . . . 35 mH
300 mH |
| Spulenabstand . . . . . . . . . . . . . . . . 400 m
80o m |
| Grenzfrequenz . . . . . . . . . . . . . . . . 1q. ooo Hz 325o
Hz |
| Wellenwiderstand . . . , . . . . . . . . . . 1540 Ohm
3050 Ohm |
Der Spulenabstand ist also für die Rundfunkleitung von i auf 0,4 km, für die übrigen
Leitungen von i auf o,8 km herabgesetzt, was natürlich einen Mehraufwand an Spulen
bedeutet.
-
Für die Signalleitungen genügen billige Spulen, wie sie etwa für Stadtkabel
verwendet werden.
-
Durch die beschriebene Pupinisierungsart kann, ein vollwertiger elektrostatischer
Ausgleich (z. B. durch Kondensatoren) vorausgesetzt, ohne besondere Maßnahmen zur
Verringerung der magnetischen Kopplungen bei der Montage (z. B. Adervertauschung)
ein Mindestwert der Nebensprechdämpfung »bei Sprache« von iq.,o Neper garantiert
bzw. ein solcher von etwa 14,5 _Neper ohne weiteres erreicht werden.
-
Werden die' elektromagnetischen Kopplungen durch Adervertauschungen
noch weiter herabgesetzt, so ist ohne weiteres ein Mindestwert von 14,5 Neper gewährleistet
bzw. ein Mindestwert von 15 Neper erreichbar.
-
Wie bereits angedeutet, ist eine Voraussetzung für die vorteilhafte
Anwendbarkeit dieses Verfahrens zur Erhöhung,der Nebensprechdämpfung durch Erhöhung
:des Wellenwiderstandes, daß praktisch nur elektromagnetische Kopplungen vorhanden
sind, daß also die statische Abschirmung lückenlos gedes Scheinwiderstandes, diese
jedoch nur mit der Wurzel daraus verringern.
-
In welcher Weise die Ausführung dieser Erhöhung der Wellenwiderstände
vorzunehmen ist, möge das folgende Beispiel zeigen.
-
Die Grenzfrequenz einer in bisher üblicher Weise angelegten Rundfunkübertragungsleitung
möge etwa 1q. ooo Hz, ihr Scheinwiderstand etwa 57o Ohm, der Scheinwiderstand :der
mit den Rundfunkleitungen gemeinsam verseilten belasteten Sprech- und Signalleitungen
möge etwa q.oo Ohm betragen. Die Pupinspulen liegen in Abständen von i km.
-
Durch die Anwendung der erfindungsgemäßen Verbesserung wird aber die
Kabelanlage nach folgenden Angaben bemessen, wodurch zwischen den Rundfunkleitungen
die \Tebensprechdämpfung um i Neper, zwischen den Signalleitungen um 1,5 Neper erhöht
wird. -schlossen ist oder aber der Ausgleich elektrostatischer Kopplungen durch
Anwendung geeigneter Ausgleichskondensatoren durchgeführt ist.
-
Die vorgeschlagene Wellenwi.derstandserhöhung aller Leitünigen kommt
in erster Linie für längere Rundfunkkabel in Betracht. Bei kürzeren Kabeln, bei
denen die Reflexionserscheinungen am Anfang und Ende der Übertragungsleitungen keine
Bedeutung besitzen, kann das Arbeiten mit geringeren Stromstärken und höheren Spannungen
dadurch erreicht werden, daß die Eingangs- und Ausgangsscheinwiderstände aller an
das Kabel angeschlossenen Apparate -möglichst hoch gewählt werden.
-
Es kann .aber auch von Vorteil sein, z. B. bei besonders stark durch
äußere Störungen beeinflußten Stellen, nur einzelne Stücke -der Kabelverbindung
mit höherem Wellenwiderstand auszurüsten. Die Anpassung der einzelnen Abschnitte
kann dann zweckmäßig durch Transformätoren geschehen, die gleichzeitig die Transformation
auf geringere Stromstärken und höhere Spannung vornehmen.
-
Ebenso wie die der Rundfunkleitung unmittelbar benachbarten Leitungen
vorzugsweise mit größerem Wellenwiderstand gebaut werden sollen, ist es auch zweckmäßig,
auf
einen höheren Wellenwiderstand sämtlicher im gleichen Kabel
verlegter Leitungen zu achten. Soweit dies möglich ist, sollten auch die in der
Nähe verlegten Starkstromleitungen mit einem größeren Verhältnis von Spannung zu
Stromstärke gebaut werden.