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Hintergrund
der Erfindung
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Die
Erfindung betrifft virale Vektoren, die nicht infektiös sind (hier
ebenfalls als biologisch eingedämmt
(contained) bezeichnet), die allerdings selbstreplizierend und zur
nicht-nuklearen chromosomalen Transformation eines Wirts in der
Lage sind. Die viralen Vektoren können eine heterologe kodierende
Sequenz angrenzend an einen viralen Promotor erhalten. Die Erfindung
betrifft ferner Viren, welche die viralen Vektoren enthalten, die übertragbar sind.
Ein Wirt wird durch die Viren der Erfindung infiziert. Es werden
Produktionszellen offenbart, die zur Produktion der Viren oder von
Teilen davon imstande sind.
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Viren
sind eine einzigartige Klasse infektiöser Agenzien, deren unverwechselbare
Merkmale ihre einfache Organisation und ihr Replikationsmechanismus
sind. In der Tat kann ein vollständiges
virales Partikel oder Virion prinzipiell als ein Block genetischen
Materials (entweder DNA oder RNA) bezeichnet werden, das zur autonomen
Replikation in der Lage ist, umgeben von einer Proteinhülle und manchmal
von einer zusätzlichen
membranartigen Hülle,
wie zum Beispiel im Fall von Alphaviren. Die Hülle schützt das Virus vor der Umgebung
und dient als ein Vehikel zur Übertragung
von einer Wirtszelle zur anderen.
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Anders
als Zellen wachsen Viren nicht in der Größe und teilen sich dann, da
sie innerhalb ihrer Hüllen
wenige oder keine der biosynthetischen Enzyme und anderen für ihre Replikation
erforderlichen Maschinerie enthalten. Vielmehr vervielfältigen sich Viren
in Zellen durch Synthese ihrer einzelnen Komponenten, gefolgt von
deren Zusammenbau. Folglich kommt die virale Nukleinsäure, nach
Abwerfen ihrer Hülle,
in Kontakt mit der entsprechenden Zellmaschinerie, wo sie die Synthese
der für
die virale Vermehrung notwendigen Proteine spezifiziert. Anschließend wird
die virale Nukleinsäure
mit Hilfe sowohl viraler als auch zellulärer Enzyme selbst repliziert.
Die Bestandteile der viralen Hülle
werden gebildet, und die Nukleinsäure und die Hüllkomponenten
werden schließlich
zusammengebaut. Bei einigen Viren wird die Replikation durch Enzyme
initiiert, die in den Virionen vorhanden sind.
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Viren
werden in drei Hauptklassen unterteilt – tierische Viren, Pflanzenviren
und bakterielle Viren. Innerhalb jeder Klasse ist jedes Virus in
der Lage, nur bestimmte Spezies von Zellen zu infizieren. Bei tierischen
und bakteriellen Viren wird der Wirtsbereich durch die Spezifität der Anheftung
an die Zellen bestimmt, welcher von den Eigenschaften sowohl der Hülle der
Virions als auch spezifischer Rezeptoren auf der Zelloberfläche abhängt. Diese
Beschränkungen
verschwinden, wenn eine Transfektion erfolgt, d.h. wenn die Infektion
mit der nackten viralen Nukleinsäure
durchgeführt
wird, deren Eintritt nicht von virus-spezifischen Rezeptoren abhängt.
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Ein
bestimmtes Virus kann entweder DNA oder RNA enthalten, welche entweder
einzel- oder doppelsträngig
sein können.
Der Anteil der Nukleinsäure
in einem Virion variiert zwischen etwa 1% und etwa 50%. Die Menge
an genetischer Information pro Virion variiert von etwa 3 bis 300
kb pro Strang. Die Diversität
der virusspezifischen Proteine variiert entsprechend. Beispiel für doppelsträngige DNA
enthaltende Viren umfassen, sind aber nicht beschränkt auf Hepatitis
B Virus, Papovaviren, wie zum Beispiel Polyoma und Papilloma, Adenovirus,
Poxviren, wie zum Beispiel Vaccinia, Caulimoviren, wie zum Beispiel
der Cauliflower Mosaic Virus (CaMV), Pseudomonas Phage PMS2, Herpesvirus,
Bacillus subtilis Phage SP8 und die T-Bakteriophagen. Repräsentative
Viren mit einzelsträngiger
DNA sind die Parvoviren und die Bakteriophagen ΦX174, f1 und M13. Reoviren,
der Cytoplasmic Polyhedrosis Virus der Seidenraupe, der Rice Dwarf
Virus und der Wound Tumor Virus sind Beispiele für doppelsträngige RNA-Viren. Einzelsträngige RNA-Viren umfassen den
Tobacco Mosaic Virus (TMV), den Turnip Yellow Mosaic Virus (TYMV),
Picornaviren, Myxoviren, Paramyxoviren und Rhabdoviren. Die RNA
in einzelsträngigen RNA-Viren
kann entweder ein plus (+) oder ein minus (–) Strang sein. Für allgemeine
Informationen betreffend Viren siehe Grierson, D. et al., Plant
Molecular Biology, Blackie, London, pp. 126–146 (1984); Dulbecco, R. et
al., Virology, Harper & Row,
Philadelphia (1980); White, A. et al., Principles of Biochemestry, 6th
Ed., McGraw-Hill, New York, pp. 882–900 (1978).
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Ein
Weg zur Klassifikation von Pflanzenviren basiert auf der Genomorganisation.
Obwohl viele Pflanzenviren RNA-Genome aufweisen, unterscheidet sich
die Organisation der genetischen Information zwischen den Gruppen.
Das Genom der meisten einteiligen (monopartite) Pflanzen RNA-Viren
ist ein einzelsträngiges
Molekühl
in (+)-Orientierung. Es gibt zumindest 11 größere Virengruppen mit diesem
Genomtyp. Ein Beispiel für
diesen Typ von Virus ist TMV. Zumindest sechs größere Gruppen an Pflanzen RNA-Viren
weisen ein zweiteiliges (bipartite) Genom auf. In diesen besteht
das Genom üblicherweise
aus zwei verschiedenen (+)-orientierten einzelsträngigen RNA-Molekühlen, die
in separaten Partikeln verpackt sind. Beide RNAs sind für die Infektivität erforderlich. Das
Cowpea Mosaic Virus (CPMW) ist ein Beispiel eines zweiteiligen Pflanzenvirus.
Der dritte Haupttyp, der mindestens sechs größere Gruppen an Pflanzenviren
umfasst, weist drei (+)-orientierte einzelsträngige RNA-Molekühle auf,
d. h. ist dreiteilig (tripartite). Jeder Strang ist separat verpackt,
und alle drei sind für
die Infektivität
erforderlich. Ein Beispiel eines dreiteiligen Pflanzenvirus ist
das Alfalfa Mosaic Virus (AMV). Viele Pflanzenviren weisen ferner
kleinere subgenomische mRNAs auf, die zur Amplifikation eines spezifischen
Genprodukts synthetisiert werden. Eine Gruppe an Pflanzenviren,
die ein einzelsträngiges
DNA-Genom aufweist, sind die Geminiviren, wie zum Beispiel das Cassava
Latent Virus und das Maize Streak Virus.
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Es
wurden Techniken entwickelt, die zur Transformation vieler Arten
von Organismen verwendet werden können. Wirte, die mit diesen
Techniken transformiert werden können,
umfassen Bakterien, Hefen, Pilze, tierische Zellen und Pflanzenzellen oder
Gewebe. Die Transformation wird durch Verwendung eines Vektors bewerkstelligt,
der selbstrepliziernd ist, und der mit dem gewünschten Wirt kompatibel ist.
Die Vektoren basieren im allgemeinen entweder auf einem Plasmid
oder einem Virus. Fremde DNA wird in den Vektor inseriert, welcher
im Anschluss verwendet wird, um den entsprechenden Wirt zu transformieren.
Der transformierte Wirt wird anschließend durch Selektion oder Screening
identifiziert. Für
weitere Informationen betreffend die Transformation dieser Wirte
siehe Maniatis, T. et al., Molecular Cloning, Cold Spring Harbor
Laboratory, Cold Spring Harbor (1982); DNA Cloning, Ed. Glover, D.M.,
IRL Press, Oxford (1985); Grierson, D. et al., supra; and Methods
in Enzymology, Volumen 68, 100, 101, 118 and 152–155 (1979, 1983, 1983, 1986, and
1987).
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Viren,
deren Zweckmäßigkeit
für die
Transformation entsprechender Wirte gezeigt wurde, umfassen Bakteriophagen,
tierische Viren, wie zum Beispiel den Adenovirus Typ 2 und den Vaccinia
Virus, sowie Pflanzenviren, wie zum Beispiel CaMV und den Brome
Mosaic Virus (BMV). Ein Beispiel für die Verwendung eines Bakteriophagen-Vektors
wird im U.S. Patent 4,508,826 gezeigt. Das U.S. Patent 4,593,002
zeigt die Verwendung des Adenovirus Typ 2 sowie eines Bakteriphagen
zur Transformation des entsprechenden Wirts. Die Verwendung eines
Vaccinia Virus wird im U.S. Patent 4,603,112 gezeigt. Die Transformation
von Pflanzen unter Verwendung von Pflanzenviren wird Beschrieben in
EP-A 67,553 (TMV), EP-A 194,809 (BMV) and Brisson, N. et al., Methods
in Enzymology 118, 659 (1986) (CaMV).
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Die
Europäische
Patentanmeldung
EP 0194809 offenbart
einen RNA-Transformationsvektor, der ein cis-aktives Replikationselement
umfasst, das von einem (+)-Strang RNA-Virus abstammt, wie zum Beispiel dem
Brome Mosaic Virus, sowie eine heterologe Nukleinsäuresequenz,
die in eine Region des viralen Genoms inseriert ist, welche eine
derartige Insertion zu tolerieren vermag, ohne die virale Replikation
zu zerstören.
Somit kann die modifizierte RNA, welche die exogene Sequenz kodiert,
in der Empfängerzelle
exprimiert werden.
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Die
Internationale Patentanmeldung WO 87/00551 offenbart einen retroviralen
Vektor zur Übertragung
heterologen genetischen Materials in das Genom von Pflanzen. Der
Vektor umfasst 5'-
und 3'-retrovirale
Long Terminal Repeat (LTR) Sequenzen, welche die Insertion retroviraler
Sequenzen in ein Pflanzenzellgenom ermöglichen, eine Promotorsequenz
und eine Nukleinsäuresequenz
unter der transkriptionellen Kontrolle des Promotors, die ein Protein
von Interesse kodiert, das der Pflanze eine neue Eigenschaft verleiht.
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Schließlich berichten
Takamatsu et al. (EMBO J. 6,307-311,
1987) über
die Konstruktion von Tobacco Mosaic Virus (TMV) cDNA-Derivaten,
wobei das virale Hüllprotein-Gen
durch das bakterielle Chloramphenicolacetytransferase-Gen (CAT)
ersetzt wurde. Wenn in vitro-Transkripte dieser TMV-CAT Chimären in Tabakpflanzen
inokuliert wurden, wurden TMV-spezifische
Läsionen
erzeugt. Northern Blot-Analysen von RNA-Extrakten der Pflanze zeigten die Replikation
der genomischen RNAs der Derivate in den infizierten Pflanzenzellen
und die Produktion von subgenomischen RNAs.
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Wenn
das Virus ein DNA-Virus ist, können die
Konstruktionen am Virus selbst durchgeführt werden. Alternativ kann
das Virus auch zuerst in ein bakterielles Plasmid kloniert werden,
um die Konstruktion des gewünschten
viralen Vektors mit der fremden DNA zu erleichtern. Das Virus kann
im Anschluss aus dem Plasmid ausgeschnitten werden. Falls das Virus ein
DNA-Virus ist, kann ein bakterieller Replikationsursprung (origin
of replication) an die virale DNA angeheftet werden, welche im Anschluss
durch die Bakterien repliziert wird. Die Transkription und Translation
dieser DNA erzeugen das Hüllprotein,
das die virale DNA umhüllt.
Falls das Virus ein RNA-Virus ist, wird das Virus im allgemeinen
als cDNA kloniert und in ein Plasmid inseriert. Das Plasmid wird
anschließend
zur Herstellung all dieser Konstrukte verwendet. Anschließend wird
das RNA-Virus erzeugt durch Transkribieren der viralen Sequenzen
des Plasmids und Translation der viralen Gene, um das Hüllprotein (die
Hüllproteine)
zu erzeugen, das (die) die virale RNA umhüllt (umhüllen).
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Tyrosinase
ist eine Kupfer-enthaltende Monooxygenase, welche die ortho-Hydroxylierung
von Monophenolen einschließlich
Tyrosin und die Oxidation von o-Diphenolen zu o-Quinonen katalysiert.
Mason, H.S., Ann. Rev. Biochem. 34, 595 (1965). Derartige Reaktionen
umfassen die Umsetzung von Tyrosin zu Dihydroxyphenylalanin (Dopa)
und die Umsetzung von Dopa zu Dopaquinon. Diese Reaktionen können von
der spontanen Bildung von Melanin gefolgt werden. Tyrosinase kommt
in der Natur weit verbreitet vor und ist für die Bildung von Melaninpigmenten
verantwortlich. Lerch, K., Met. Ions Biol. Syst. 13, 143 (1981).
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Tyrosinase
ist eine Phenoloxidase, die spezifisch in Quellen aus Säugetieren
gefunden wird. Andere Phenoloxidasen oder Polyphenoloxidasen können auch
in Quellen aus Pflanzen oder Pilzen gefunden werden. Phenoloxidasen
katalysieren die Oxidation phenolischer Verbindungen (zum Beispiel
3,4-Dihydroxyphenylalanin
(Dopa)), um Melanin zu erzeugen (Wheeler, M.H. et al., Can. J. Microbiol.
24, 289 (1978)). Eine gut definierte Phenoloxidase ist diejenige,
die im Pilz Cryptococcus neoformans gefunden wurde, wie beschrieben
von Polachec, I. et al., J. Bacteriol. 150, 1212 (1982). Eine andere
gut definierte Phenoloxidase ist die Drosophila Phenoloxidase, die
von Rizki, T.M. et al., Mol. Gen Genet. 201, 7 (1985) beschrieben
wurde.
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Cyclodextrin-Glucanotransferase
ist ein Enzym, das die Umsetzung von Stärke in Cyclodextrin katalysiert.
Cyclodextrin besitzt mehrere Verwendungsmöglichkeiten einschließlich der
Verwendung als Süßstoff,
der Verwendung als Ersatz für
Gummiarabikum und andere Verwendungen in Arzneimitteln, Nahrungsmitteln
und Kosmetika.
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Zusammenfassung
der Erfindung
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Die
Erfindung basiert auf viralen Vektoren wie in Anspruch 1 definiert,
die biologisch eingedämmt,
selbstreplizierend und zur nicht-nuklearen chromosomalen Transformation
eines Wirts imstande sind. Die viralen Vektoren können eine
heterologe codierende Sequenz angrenzend an einem viralen Promotor
enthalten.
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Die
Erfindung betrifft Produktionszellen wie in Anspruch 1 definiert,
die zur Herstellung von Viren oder von Teilen davon in der Lage
sind. Wirtszellen werden mit den in der Erfindung verwendeten Viren infiziert.
Ein Verfahren zur Herstellung eines gewünschten Produkts durch Anzucht
einer infizierten Pflanzenzelle liegt ebenfalls im Schutzbereich
der Erfindung.
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Genaue Beschreibung
der Erfindung
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Die
Erfindung umfasst (a) virale Vektoren, die nicht infektiös sind,
die allerdings selbstreplizierend und zur nicht-nuklearen chromosomalen
Transformation eines Wirts imstande sind, (b) virale Vektoren, die
eine heterologe kodierende Sequenz angrenzend an einen viralen Promotor enthalten,
(c) Viren, welche die viralen Vektoren enthalten, die infektiös sind,
(d) Produktionszellen, die zur Herstellung der Viren oder von Teilen
davon in der Lage sind, (e) eine Pflanzenzelle, die mit den in der
Erfindung verwendeten Viren infiziert wurde, und (f) ein Verfahren für die Herstellung
eines gewünschten
Produkts durch Anzucht einer infizierten Pflanzenzelle.
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Die
nachfolgenden Definitionen sind vorgesehen, um für ein klares und konsistentes
Verständnis
der Patentschrift und der Ansprüche
einschließlich
des so angegebenen Schutzbereichs zu sorgen:
- Angrenzend:
Eine Produktion innerhalb einer Nukleotidsequenz unmittelbar 5' oder 3' zu einer definierten Sequenz.
- Anti-Sense Mechanismus: Ein Typus von Gen-Regulation, basierend
auf der Kontrolle der Rate der Translation von mRNA in Protein aufgrund
der Gegenwart eines RNA-Moleküls
in einer Zelle, welches zumindest zu einem Teil der translatierten
mRNA komplementär
ist.
- Biologisch eingedämmt
(contained): Die virale Nukleinsäure
ist nicht imstande, natürlicherweise
einen Wirt zu infizieren, da sie nicht in der Lage ist, ein biologisch
funktionelles Hüllprotein
zu exprimieren.
- Biologisch funktionell: Die Fähigkeit, eine erwartete biologische
Funktion in einer Zelle oder einem Organismus auszuüben. Zum
Beispiel besteht die biologische Funktion eines viralen Hüllproteins
in der Umhüllung
der viralen Nukleinsäure.
Ein biologisch nicht funktionelles Hüllprotein ist nicht imstande,
die virale Nukleinsäure
zu umhüllen.
Eine Nukleotidsequenz, der eine biologisch funktionelle proteinkodierende Sequenz
fehlt, erzeugt entweder kein Protein oder erzeugt ein Protein, das
die erwartete Funktion nicht ausübt.
Falls die gesamte kodierende Sequenz für ein Protein entfernt wird,
wird kein Protein erzeugt. Falls ein signifikanter Anteil der Proteinsequenz
für ein
Protein entfernt wird, dann wird jedes Protein, das erzeugt wird,
nicht funktionieren wie das gesamte Protein funktionieren würde. Falls
die kodierende Sequenz für
ein Protein mutiert wird, wie zum Beispiel durch eine Punktmutation,
könnte
das Protein nicht funktionieren wie ein normales Protein funktionieren würde. Zum
Beispiel ist eine Nukleotidsequenz, der eine kodierende Sequenz
für ein
biologisch funktionelles Hüllprotein
fehlt, eine Nukleotidsequenz, die nicht für ein Hüllprotein kodiert, welches
zur Umhüllung
der viralen Nukleinsäure
imstande ist. Diese Bezeichnung soll auch die vollständige Deletion
der Hüllproteinsequenz
umfassen.
- Zellkultur: Eine sich vermehrende Menge an Zellen, die in undifferenziertem
oder differenziertem Zustand sein können.
- Chimäre
Sequenz oder Gen: Eine Nukeotidsequenz, die von zumindest zwei heterologen
Teilen abstammt. Die Sequenz kann DNA oder RNA umfassen.
- Kodierende Sequenz: Eine Deoxyribonukleotidsequenz, die, wenn
sie transkribiert und translatiert ist, die Bildung eines zellulären Polypeptids
zur Folge hat, oder eine Ribonukleotidsequenz, die, wenn sie translatiert
ist, die Bildung eines zellulären
Polypeptids zur Folge hat.
- Kompatibel: Die Fähigkeit,
mit anderen Komponenten eines Systems zu operieren. Ein Vektor,
der mit einem Wirt kompatibel ist, ist einer, der zur Replikation
in diesem Wirt imstande ist. Ein Hüllprotein, das kompatibel mit
einer viralen Nukleotidsequenz ist, ist eine, die zur Umhüllung der
viralen Sequenz imstande ist.
- Gen: Eine diskrete chromosomale Region, die für ein diskretes
zelluläres
Produkt verantwortlich ist.
- Wirt: Eine Zelle, ein Gewebe oder ein Organismus, der zur Replikation
eines viralen Vektors in der Lage ist, und der durch ein Virus,
welches den viralen Vektor enthält,
infiziert werden kann. Diese Bezeichnung soll eukaryontische Zellen, Organe,
Gewebe oder Organismen umfassen, wie zum Beispiel Pflanzengewebe.
- Infektion: Die Fähigkeit
eines Virus, seine Nukleinsäure
an einen Wirt zu transferieren, wobei die virale Nukleinsäure repliziert
wird, virale Proteine synthetisiert werden und neue virale Partikel
zusammengesetzt werden. Die Bezeichnungen übertragbar und infektiös werden
hier untereinander austauschbar verwendet. Die Bezeichnung nicht
infektiös,
wie hier verwendet, bedeutet nicht infektiös durch natürliche biologische Verfahren.
- Phänotypisches
Merkmal: Eine beobachtbare Eigenschaft, die das Ergebnis der Expression
eines Gens ist.
- Pflanzenzelle: Die strukturelle und physiologische Einheit von
Pflanzen, bestehend aus einem Protoplasten und der Zellwand.
- Pflanzenorgan: Ein ausgeprägter
und sichtbar differenzierter Teil einer Pflanze, wie zum Beispiel
Wurzel, Stamm, Blatt oder Embryo.
- Pflanzengewebe: Jedes Gewebe einer Pflanze innerhalb der Pflanze
(in planta) oder in Kultur. Diese Bezeichnung soll eine gesamte
Pflanze, Pflanzenzelle, Pflanzenorgan, Protoplast, Zellkultur oder
eine beliebige Gruppe von Pflanzenzellen, welche in einer strukturellen
und funktionellen Einheit organisiert sind, umfassen.
- Produktionszelle: Eine Zelle, ein Gewebe oder Organismus, der
zur Replikation eines Vektors oder eines viralen Vektors in der
Lage ist, der aber nicht notwendigerweise ein Wirt dieses Virus
ist. Diese Bezeichnung soll prokaryontische und eukaryontische Zellen, Organe,
Gewebe oder Organismen umfassen, wie zum Beispiel Bakterien, Hefen,
Pilze, tierische Zellen und Pflanzengewebe.
- Promotor: Die 5'-flankierende,
nicht-kodierende Sequenz angrenzend an eine kodierende Sequenz, welche
an der Initiation der Transkription der kodierenden Sequenz beteiligt
ist.
- Protoplast: Eine isolierte Pflanzenzelle ohne Zellwände, die
das Potential zur Regeneration in eine Zellkultur oder eine gesamte
Pflanze aufweist.
- Substantielle Sequenzhomologie: Bezeichnet Nukleotidsequenzen,
die im wesentlichen zueinander äquivalent
sind. Nukleotidunterschiede zwischen derartigen Sequenzen, die eine
substantielle Sequenzhomologie aufweisen, sind minimal bezüglich der
Beeinflussung der Funktion der Genprodukte oder einer RNA, die von
einer solchen Sequenz kodiert wird.
- Transkription: Die Herstellung eines RNA-Moleküls mit Hilfe
der RNA-Polymerase als eine komplementäre Kopie einer DNA-Sequenz.
- Vektor: Ein selbstreplizierendes DNA-Molekül, das ein DNA-Segment zwischen
Zellen transferiert.
- Viraler Vektor: Ein Vektor, der eine Nukleinsäuresequenz
eines Virus umfasst, welche derart modifiziert wurde, dass ein biologisch
nicht funktionelles Hüllprotein
erzeugt wird. Dies kann durch Entfernen zumindest eines Teils der
kodierenden Sequenz oder durch Mutieren der kodierenden Sequenz
erreicht werden. Falls das Virus für einen oder mehr Virustransmissionsfaktoren
kodiert, kann die Nukleinsäuresequenz
des Virus ebenso modifiziert werden, um diese biologisch nicht funktionell
zu machen.
- Virus: Ein infektiöses
Agens, das aus einer Nukleinsäure
besteht, welche in ein Protein eingehüllt ist. Ein Virus kann ein
mono-, di-, tri- oder vielteiliges Virus sein, wie oben beschrieben.
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Die
Erfindung sieht die Infektion eines Wirts, wie zum Beispiel eines
eukaryontischen Organismus, einer Zelle oder eines Gewebes, mittels
eines Virus wie in Anspruch 1 definiert vor, der derart modifiziert
wurde, dass das Virus übertragbar ist,
aber die virale Nukleinsäure
nicht infektiös
ist. Natürlich
vorkommende mutierte Viren können
ebenfalls die selben Eigenschaften aufweisen, nämlich übertragbar zu sein, aber eine
virale Nukleinsäure
aufzuweisen, welche nicht infektiös ist. Die Nicht-Infektiosität der viralen
Nukleinsäure
wird durch Modifizieren der Nukleinsäure bewerkstelligt, sodass
ein biologisch nicht funktionelles virales Hüllprotein (Capsidprotein) und beliebige
andere virale Transemissionsfaktoren erzeugt werden, wie hier beschrieben.
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Die
Erfindung weist eine Reihe von Vorteilen auf, wovon einer ist, dass
die Transformation und Regeneration der Zielorganismen nicht notwendig
sind. Ein anderer Vorteil ist, dass es nicht notwendig ist, Vektoren
zu entwickeln, welche die gewünschte
kodierende Sequenz in das Genom des Zielorganismus integrieren.
Existierende Organismen können
ohne das Erfordernis, über
eine Keimzelle zu gehen, mit einer neuen kodierenden Sequenz verändert werden. Ferner
bietet die Erfindung die Option, die kodierende Sequenz an den gewünschten
Organismus, das Gewebe, das Organ oder die Zelle zu applizieren.
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Die
chimären
Gene und Vektoren der Erfindung werden mit Hilfe von im Stand der
Technik gut bekannter Verfahren konstruiert. Geeignete Techniken
wurden beschrieben in Maniatis, T. et al., Molecular Cloning, Cold
Spring Harbor Laboratory, New York (1982); Methods in Enzymology,
Vols. 68, 100, 101, 118, and 152–155, Academic Press, New York (1979,
1983, 1983, 1986 and 1987); und DNA-cloning, Vols. I, II, III, Glover,
D.M. Ed., IRL Press, Oxford (1985 and 1987). Medienzusammensetzungen wurden
beschrieben in Miller, J.H., Experiments in Molecular Genetics,
Cold Spring Harbor Laboratory, New York (1972), sowie in den oben
erwähnten
Referenzen. DNA-Manipulationen und Enzymbehandlungen werden entsprechend
der von den Herstellern empfohlenen Verfahren durchgeführt.
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Ein
wichtiges Merkmal der Erfindung ist die Herstellung von Nukleotidsequenzen,
die zur Replikation in einem kompatiblen Wirt imstande sind, die aber
selbst zur Infektion des Wirts nicht in der Lage sind. Die Nukleotidsequenz
hat eine substantielle Sequenzhomologie mit einer viralen Nukleotidsequenz. Geeignete
virale Nukleotidsequenzen sind diejenigen der Tobamoviren, die Pflanzen
infizieren. Eine partielle Liste geeigneter Viren wurde oben beschrieben.
Die Nukleotidsequenz kann eine RNA, DNA, cDNA oder eine chemisch
synthetisierte RNA oder DNA sein.
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Der
erste Schritt zum Erhalt eines jedweden Merkmals der Erfindung ist
es, die Nukleotidsequenzen, welche für das Capsidprotein und beliebiger Transmissionsfaktoren
innerhalb der viralen Nukleotidsequenz kodieren, mit Hilfe herkömmlicher
bekannter Verfahren derart zu modifizieren, dass durch das modifizierte
Virus biologisch nicht funktionelle Proteine erzeugt werden. Deshalb
kann ein beliebiges Virus wie in Anspruch 1 definiert, für das die
Nukleotidsequenz für
das Capsid-Protein und die Nukleotidsequenzen für beliebige Transmissionsfaktoren identifiziert
wurden, für
die Verwendung in der Erfindung geeignet sein. Andere Viren können verwendet werden,
nachdem die Nukleinsäure
sequenziert wurde.
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Die
Viren, welche dieses Erfordernis erfüllen, und daher geeignet sind,
sind die Viren der Tobacco Mosaic Virus-Gruppe, wie zum Beispiel
der Tobacco Mosaic Virus (TMV), der Cowpea Mosaic Virus (CMV), der
Alfalfa Mosaic Virus (AmV), der Cucumber Green Mottle Mosaic Virus
Watermelon Strain (CGMMV-W) und der Oat Mosaic Virus (OMV).
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Tobacco Mosaic
Virus-Gruppe
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Der
Tobacco Mosaic Virus (TMV) ist ein Typus-Vertreter der Tobamoviren.
Das TMV Virion ist ein tubuläres
Filament und umfasst Hüllproteinuntereinheiten,
die in einer einzelnen rechtsdrehenden Helix angeordnet sind, wobei
die einzelsträngige RNA
zwischen den Drehungen der Helix interkaliert ist. TMV infiziert
Tabak sowie andere Pflanzen. TMV wird mechanisch übertragen
und kann für
ein Jahr oder länger
im Boden oder im Gewebe trockener Blätter infektiös bleiben.
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Die
TMV Virionen können
durch eine Umgebung mit einem pH kleiner als 3 oder größer als
8 oder durch Formaldehyd oder Jod inaktiviert werden. Präparationen
von TMV können
aus Pflanzengeweben durch Ammoniumsulfat-Präzipitation gefolgt von differenzieller
Zentrifugation erhalten werden.
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Das
einzelsträngige
RNA Genom von TMV ist etwa 6400 Nukleotide lang und ist an 5'-Ende mit einem Cap
versehen (capped), ist aber nicht polyadenyliert. Die genomische
RNA kann als mRNA für ein
Protein mit einem Molekulargewicht von etwa 130,000 (130 K) dienen
sowie für
ein weiteres mit einem Molekulargewicht von etwa 180,000 (180 K), das
mittels "readthrough" erzeugt wird. Sie
kann jedoch nicht als "Messenger" für die Synthese
des Hüllproteins
fungieren. Andere Gene werden während der
Infektion durch die Bildung monocistronischer, 3'-coterminaler subgenomischer mRNAs exprimiert, einschließlich eines
Gens (LMC), welches das 17.5 K Hüllprotein
kodiert, und ein weiteres (I2), das ein
30 K Protein kodiert. Das 30 K Protein wurde in infizierten Protoplasten
detektiert (Virology 132, 71 (1984)) und ist am Zell-zu-Zell Transport
des Virus in einer infizierte Pflanze beteiligt (Deom, C.M. et al.,
Science 237, 389 (1987)). Die Funktionen der beiden großen Proteine
sind unbekannt.
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Mehrere
doppelsträngige
RNA-Moleküle
einschließlich
doppelsträngiger
RNAs, die den genomischen, I2 und LMC RNAs
entsprechen, wurden in Pflanzengeweben detektiert, die mit TMV infiziert
waren. Diese RNA-Moleküle
sind vorzugsweise Intermediate in der Genomreplikation und/oder mRNA-Syntheseprozessen,
die mittels unterschiedlicher Mechanismen zu erfolgen scheinen.
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Der
TMV Zusammenbau erfolgt anscheinend im Cytoplasma der Pflanzenzelle,
obwohl vorgeschlagen wurde, dass ein Teil des TMV Zusammenbaus in
den Chloroplasten erfolgen kann, da Transkripte der ctDNA in gereinigten
TMV Virionen detektiert wurden. Die Initiation des TMV Zusammenbaus
erfolgt durch Interaktion zwischen ringförmigen Aggregaten ("Discs") des Hüllproteins
(jede "Disc" besteht aus zwei
Schichten aus 17 Untereinheiten) und einer einzigen internen Nukleationsstelle
in der RNA, einer Hairpin-Region etwa 900 Nukleotide vom 3' Ende im gewöhnlichen
TMV-Stamm. Jede RNA einschließlich
der subgenomischen RNAs, welche diese Stelle enthält, kann
in Virionen verpackt werden. Die "Discs" nehmen anscheinend bei Interaktion mit
der RNA eine helikale Forma an, und der Zusammenbau (Elongation)
geht im Anschluss in beide Richtungen weiter (allerdings schneller
in der 3' nach 5' Richtung von der
Nukleationsstelle aus).
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Ein
weiterer Vertreter der Tobamoviren, der Cucumber Green Mottle Mosaic
Virus Watermelon Strain (CGMMV-W) ist mit dem Cucumber Virus verwandt.
Noru, Y., et al., Virology 45, 577 (1971). Das Hüllprotein von CGMMV-W interagiert
mit der RNA sowohl von TMV als CGMMV, um in vitro virale Partikel
zusammenzubauen. Kurisu et al., Virology 70, 214 (1976).
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Mehrere
Stämme
der Tobamovirus-Gruppe werden auf der Basis des Ortes des Ursprungs
des Zusammenbaus (origin of assembly) in zwei Subgruppen eingeteilt.
Fukuda, M. et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 78, 4231 (1981). Die
Subgruppe I welche die vulgare-, OM- und tomato-Stämme einschließt, weist einen "Origin of Assembly" bei etwa 800–1000 Nukleotiden
vom 3'-Ende des
RNA-Genoms und außerhalb
des Hüllprotein-Cistrons
auf. Lebeurier, G. et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 74, 1914 (1977);
und Funkuda, M. et al., Virology 101, 493 (1980). Die Subgruppe
II, welche die CGMMV-W- und cornpea(Cc)-Stämme einschließt, weist
einen "Origin of
Assembly" bei etwa
300–500 Nukleotiden
vom 3'-Ende des
RNA Genoms und innerhalb des Hüllprotein-Cistrons
auf. Fukada, M. et al., supra. Das Hüllprotein-Cistron von CGMMV-W liegt
an den Nukleotiden 176-661
vom 3'-Ende. Die 3'-nichtkodierende
Region ist 175 Nukleotide lang. Der "Origin of Assembly" liegt innerhalb des Hüllprotein-Cistrons.
Meshi, T. et al., Virology 127, 52 (1983).
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Die
Nukleotidsequenz eines beliebigen geeigneten Virus wie in Anspruch
1 definiert kann von einer viralen Nukleinsäure durch Modifizieren der
kodierenden Sequenz des Hüllproteins
abgeleitet werden. Die Modifikation kann die Entfernung einer kodierenden
Sequenz für
zumindest einen Teil des viralen Hüllproteins sein. Alternativ
kann die Nukleotidsequenz derart synthetisiert werden, dass ihr
zumindest ein Teil der kodierenden Sequenz für das virale Hüllprotein
fehlt. Ein ausreichender Anteil der kodierenden Sequenz wird entfernt,
sodass jedes Hüllprotein,
das durch das Virus produziert werden kann, zur Verpackung der viralen
Nukleinsäure
nicht in der Lage ist. Zusätzlich
kann die kodierende Sequenz des Hüllproteins durch Mutation derart
modifiziert werden, dass das Hüllprotein,
welches produziert wird, zur Umhüllung
der viralen Nukleinsäure
nicht in der Lage ist. In jedem Fall wird ein biologisch nicht funktionelles
Protein erzeugt. In einigen Fällen
kann ein Teil des Gens für
eine hohe Aktivität
des Promoters notwendig sein. Falls das so ist, sollte nicht das gesamte
Gen delektiert werden. Um einfach auf andere Pflanzen übertragbar
zu sein, muss die Nukleotidsequenz in einem kompatiblen Hüllprotein
verpackt sein, wie weiter unten beschrieben. Die virale Nukleinsäure kann
ferner modifiziert werden, um die kodierende Sequenz eines beliebigen
viralen Transmissionsfaktors zu verändern. Die Veränderung
der kodierenden Sequenzen für
diese Faktoren stellt sicher, dass die Nukleotidsequenz nicht durch
andere Vektoren, zum Beispiel durch Insekten, übertragen werden kann.
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Die
Nukleotidsequenz wird durch Klonieren der viralen Nukleinsäure in eine
geeignete Produktionszelle hergestellt. Falls die virale Nukleinsäure DNA
ist, kann sie durch die Verwendung herkömmlicher Verfahren direkt in
einen geeigneten Vektor kloniert werden. Eine Technik ist es, einen
Replikationsursprung, der mit der Produktionszelle kompatibel ist,
an die virale DNA anzuheften. Falls die virale Nukleinsäure RNA
ist, wird zunächst
durch etablierte Verfahren eine vollständige (full-length) DNA Kopie des
viralen Genoms hergestellt. Die virale RNA wird beispielsweise mit
Hilfe von Reverser Transkriptase in DNA transkribiert, um subgenomische
DNA-Fragmente zu erzeugen, und eine doppelsträngige DNA mit Hilfe von DNA-Polymerasen
erzeugt. Im Anschluss wird die DNA in geeignete Vektoren kloniert und
in eine Produktionszelle kloniert. Die DNA-Fragmente werden kartiert
und in korrekter Sequenz kombiniert, um eine vollständige DNA
Kopie des viralen RNA-Genoms zu erzeugen. Die kodierenden Sequenzen
für das
virale Hüllprotein
und die viralen Transmissionsfaktor werden identifiziert und verändert. Die
erhaltene Nukleotidsequenz ist selbstreplizierend, aber zur Infektion
des Wirts selber nicht imstande. Jede Art und Weise, die kodierenden
Sequenzen für
das virale Hüllprotein
und die kodierenden Sequenzen für
die viralen Transmissionsfaktoren vom Rest der viralen Nukleotidsequenz
zu trennen oder die Nukleotidsequenzen dieser Proteine zu verändern, um
biologisch nicht funktionelle Proteine zu erzeugen, ist für die Erfindung
geeignet.
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Im
Fall von Alphaviren können
die E1- und E2-Glycoproteine
eine Rolle in der Übertragbarkeit des
Virus spielen (Garaff, H. et al., Nature 288, 236 (1980)). Diese
Glycoproteine werden in eine Flüssigumhüllung (liquid
envelope), welche das Hüllprotein umgibt,
eingefügt.
Die Nukleotidsequenz, die für
die E1- und E2-Glycoproteine kodiert, grenzt an die kodierende Sequenz
für das
Hüllprotein
in der Alphavirus-RNA an. Daher können die kodierenden Sequenzen
für die
E1- und E2-Glycoproteine zusammen mit der kodierenden Sequenz für das Hüllprotein
durch bekannte konventionelle Verfahren entfernt werden.
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Ein
zweites Merkmal der Erfindung ist eine chimäre Nukleotidsequenz, die eine
erste Nukleotidsequenz und eine zweite Nukleotidsequenz umfasst. Die
erste Sequenz ist zur Selbstreplikation in der Lage, ist jedoch
nicht zur Transmission imstande und weist eine substanzielle Sequenzhomologie
mit einer viralen Nukleotidsequenz auf, wie oben beschrieben. Die
zweite Sequenz kann in einem Wirt transkribiert werden. Die zweite
Sequenz ist vorzugsweise angrenzend an einen viralen Promoter angeordnet,
obwohl ein Fusionsprotein erzeugt werden kann, das ebenso biologische
Aktivität
aufweist. Jeder virale Promoter kann verwendet werden, aber es wird
bevorzugt, einen Promoter für
ein virales Hüllproteingen zu
verwendet, von dem zumindest ein Teil der kodierenden Sequenz deletiert
wurde. In den Fällen,
in denen die kodierende Sequenz des Hüllproteins verändert, aber
nicht deletiert wurde, kann der virale Promoter mit Hilfe herkömmlicher
Verfahren an die zweite Sequenz angeheftet werden oder die zweite
Sequenz kann in oder angrenzend an die kodierende Sequenz des Hüllproteins
inseriert werden, sodass ein Fusionsprotein erzeugt wird. Die zweite
Sequenz, die transkribiert wird, kann als eine RNA transkribiert werden,
die zur Regulation der Expression eines phänotypischen Merkmals mit Hilfe
eines Antisense-Mechanismus in der Lage ist. Alternativ kann die zweite
Sequenz in der chimären
Nukleotidsequenz im Wirt, zum Beispiel in Pflanzengewebe, transkribiert
und translatiert werden, um ein phänotypisches Merkmal zu erzeugen.
Die zweite Nukleotidsequenz kann ferner für die Expression von mehr als
einem phänotypischen
Merkmal kodieren. Die chimäre
Nukleotidsequenz wird unter Verwendung konventioneller Verfahren
derart konstruiert, dass sich die zweite Nukleotidsequenz in korrekter
Orientierung zum viralen Promoter befindet.
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Zweckmäßige phenotypische
Merkmale in Pflanzenzellen umfassen eine verbesserte Toleranz gegenüber Herbiziden,
verbesserte Toleranz gegenüber
extremer Hitze oder Kälte,
Trockenheit, Salzhaltigkeit oder osmotischem Stress, verbesserte
Resistenz gegenüber
Pflanzenschädlingen
(Insekten, Nematoden oder Spinnentiere) oder Erkrankungen (fungal,
bakteriell oder viral), Produktion von Enzymen oder sekundären Metaboliten,
männliche
oder weibliche Sterilität,
Zwergwuchs, Frühreife,
verbesserter Ertrag, Vitalität,
Heterosis, Nährstoffqualität, Geschmack
oder Verarbeitungseigenschaften oder ähnliches. Weitere Beispiele
umfassen die Produktion wichtiger Proteine oder anderer kommerziell
verwendbarer Produkte, wie zum Beispiel Lipase, Melanin, Pigmente,
Antibiotika oder ähnliches.
Ein weiteres zweckmäßiges phenotypisches
Merkmal ist die Produktion abbauender oder inhibitorischer Enzyme, wie
zum Beispiel diejenigen, die verwendet werden, um die Wurzelentwicklung
in Braugerste zu verhindern oder zu hemmen. Das phenotypische Merkmal kann
ebenfalls ein sekundärer
Metabolit sein, dessen Produktion in einem Bioreaktor erwünscht wird.
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Ein
Beispiel für
eine chimäre
Nukleotidsequenz ist eine Sequenz, die eine erste Nukleotidsequenz
enthält,
welche eine substanzielle Sequenzhomologie mit TMV aufweist, und
eine zweite Nukleotidsequenz, die eine kodierende Sequenz für Tyrosinase
ist. In einem zweiten Beispiel ist das Virus das Oat Mosaic Virus
(OMV). OMV ist zur Infektion der meisten monokotylen Spezies einschließlich Gerste
und Mais in der Lage. In einem dritten Beispiel ist die zweite Nukleotidsequenz
die kodierende Sequenz für Cyclodextrin-Glucanotransferase.
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Die
zweite Nukleotidsequenz kann in die erste Nukleotidsequenz inseriert
werden, welche oben derart hergestellt wurde, dass sie an einen
viralen Promoter angrenzt. Da die Lokalisation des Promoters für das virale
Hüllprotein-Gen
in diese Sequenz als Ergebnis der Deletion des Gens bekannt ist,
kann die zweite Nukleotidsequenz angrenzend an diesen Promoter angeordnet
werden. Alternativ kann zunächst
ein geeigneter viraler Promoter an die zweite Nukleotidsequenz angeheftet
werde, und dieses Konstrukt kann im Anschluss entweder in oder angrenzend
an die erste Nukleotidsequenz inseriert werden. Zusätzlich kann
die zweite Nucleotidsequenz in oder angrenzend an eine veränderte kodierende
Sequenz für
ein verändertes
Hüllprotein
inseriert werden.
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Eine
doppelsträngige
DNA der chimären
Nukleotidsquenz oder einer komplementären Kopie der chimären Nukletidsequenz
wird in eine Produktionszelle kloniert. Falls die virale Nukleinsäure ein RNA-Molekül ist, wird
die chimäre
Nukleotidsequenz zunächst
an einen Promotor angeheftet, der mit der Produktionszelle kompatibel
ist. Die chimäre
Nukleotidsequenz kann dann in jeden geeigneten Vektor kloniert werden,
der mit der Produktionszelle kompatibel ist. Auf diese Weise werden
nur RNA-Kopien der chimären
Nukleotidsequenz in der Produktionszelle erzeugt. Falls die Produktionszelle
zum Beispiel E. coli ist, kann der lac-Promotor verwendet werden. Falls
die Produktionszelle eine Pflanzenzelle ist, kann der CaMV-Promotor
verwendet werden. Die Produktionszelle ist eine eukaryontische Zelle,
wie beispielsweise Hefe, eine Pflanze oder ein Tier, falls die virale
RNA für
die biologische Aktivität
mit einem Cap versehen (capped) werden muss. Die chimäre Nukleotidsequenz
kann im Anschluss in jeden geeigneten Vektor kloniert werden, der
mit der Produktionszelle kompatibel ist. Alternativ wird die chimäre Nukleotidsequenz
in einen Vektor angrenzend an einen Promotor inseriert, welcher
mit der Produktionszelle kompatibel ist. Falls die virale Nukleinsäure ein DNA-Molekül ist, kann
es direkt in eine Produktionszelle kloniert werden, in dem es an
einen "Origin of Replication" angeheftet wird,
der mit der Produktionszelle kompatibel ist. Auf diese Weise werden
in der Produktionszelle DNA-Kopien in der chimären Nukleotidsequenz erzeugt.
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Ein
Promotor ist eine DNA-Sequenz, welche die RNA-Polymerase steuert, um an DNA zu binden und
die RNA-Synthese zu initiieren. Es gibt starke Promotoren und schwache
Promotoren. Unter den starken Promotoren finden sich lacUV5, trp,
tac, trp-lacUV5, λPL, ompF und bla. Ein zweckmäßiger Promotor
zur Expression fremder Gene in E. coli ist sowohl stark als auch
reguliert. Der λPL Promotor des Bakteriophagen λ ist ein
starker, gut regulierter Promotor. Hedgpeth, J.M. et al. Mol. Gen.
Genet. 163, 197 (1978); Bernard, H.M. et al. Gene 5, 59 (1979); Remaut,
E.P. et al., Gene 15, 81 (1981).
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In
einen Klonierungsvektor kann ein Gen eingeschlossen werden, das
einen temperatur-sensitiven λ-Repressor,
wie zum Beispiel λcIts
857, kodiert. Bernard et al., supra. Bei geringer Temperatur (31°C) wird der
PL-Promotor durch das cI-Gen Produkt in einem reprimierten Zustand
gehalten. Ein Anheben der Temperatur zerstört die Aktivität des Repressors.
Der PL-Promotor steuert dann die Synthese
großer
Mengen an mRNA. Auf diese Weise können die E. coli Produktionszellen
zur gewünschten
Konzentration heranwachsen, bevor sie die Produkte erzeugen, welche
innerhalb der Vektoren kodiert sind. Auf ähnliche Weise kann ein temperatur-sensitiver
Promotor durch Anpassen der Temperatur der Kultur zu einem gewünschten
Zeitpunkt aktiviert werden.
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Es
kann vorteilhaft sein, ein Plasmid zu konstruieren, das konditional
sehr hohe Kopienzahlen erreichen kann. Beispielsweise kann das Plasmid pAS2,
das einen lac- oder tac-Promotor
enthält,
bei 42°C
sehr hohe Kopienzahlen erreichen. Der lac-Repressor, der im Plasmid
pAS2 vorhanden ist, wird im Anschluss durch Isopropyl-β-D-Thiogalactosid
inaktiviert, um die Synthese der mRNA zu ermöglichen.
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Eine
weitere Alternative bei der Erzeugung der chimären Nukleotidsequenzen ist
es, mehr als eine Nukleotidsequenz herzustellen (d.h. die Nukleotidsequenzen
zu erzeugen, die für
ein vielteiliges virales Vektorkonstrukt erforderlich sind). In
diesem Fall würde
jede Nukleotidsequenz ihren eigenen "Origin of Assembly" benötigen.
Jede Nukleotidsequenz könnte
chimär
sein (d.h. jede Nukleotidsequenz hat eine fremde kodierende Sequenz
inseriert) oder nur eine der Nukleotidsequenzen könnte chimär sein.
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Wenn
man herausfindet, dass ein vielteiliges Virus die kodierende Sequenz
für sein
Hüllprotein
auf einem Strang der Nukleinsäure
trägt und
die kodierende Sequenz für
einen Transmissionsfaktor auf einem anderen Strang, würden entsprechend
der Erfindung zwei chimere Nukleotidstränge erzeugt werden. Eine fremde
kodierende Sequenz würde
anstelle des Hüllprotein-Gens
auf einem Strang der Nukleinsäure
inseriert werden (oder nahe dem veränderten Hüllprotein inseriert werden),
und eine weitere fremde kodierende Sequenz würde anstelle des Gens für den Transmissionsfaktor
auf dem anderen Strang der Nukleinsäure inseriert werden (oder
nahe dem veränderten
Gen für
den Transmissionsfaktor inseriert werden).
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Alternativ
kann die Insertion einer fremden kodierenden Sequenz in die Nukleotidsequenz
eines einteiligen Virus die Erzeugung zweier Nukleotidsequenzen
zur Folge haben (d.h. die Nukleinsäure, die für die Erzeugung eines zweiteiligen
viralen Vektors erforderlich ist). Dies würde eine vorteilhafte Situation
darstellen, wenn es wünschenswert
ist, die Replikation und Translation der fremden kodierenden Sequenz
von der Replikation und Translation von einigen der kodierenden
Sequenzen der ursprünglichen Nukleotidsequenz
getrennt zu halten. Jede Nukleotidsequenz müsste ihren eigenen "Origin of Assembly" besitzen.
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Ein
drittes Merkmal der Erfindung ist ein Virus oder ein virales Partikel.
Das Virus umfasst eine chimäre
Nukleotidsequenz wie oben beschrieben, die verpackt wurde. Das erhaltene
Produkt ist dann zur Infektion eines geeigneten Wirts imstande,
aber die chimäre
Nukleotidsequenz ist für
eine weitere Infektion nicht in der Lage, da ihr der Mechanismus fehlt,
zusätzliche
Viren oder virale Partikel zu produzieren. Die chimere Nukleotidsequenz
ist jedoch zur Replikation im Wirt imstande. Die chimäre Nukleotidsequenz
wird im Wirt transkribiert und/oder translatiert, um das gewünschte Produkt
zu erzeugen.
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Die
meisten Viren werden entweder in einem icosahedrischen Capsid, einem
sphärischen
Capsid oder einem stäbchenförmigen Capsid
verpackt. Pflanzenviren, wie zum Beispiel der Tobacco Mosaic Virus,
werden üblicherweise
in einem stäbchenförmigen Capsid
verpackt.
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Die
icosahedrischen Capside und die sphärischen Capside sind geometrisch
eingeschränkter
als ein stäbchenförmiges Capsid,
und daher hinsichtlich der Größe der Nukleinsäure beschränkt, die
verpackt werden kann. Im Gegensatz dazu ist ein stäbchenförmiges Capsid
erweiterbar, sodass es eine beliebig große Nukleinsäure verpacken kann, wie in
der europäischen
Patentanmeldung 0 278 667 erläutert.
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In
einer Ausführungsform
der Erfindung wird die chimäre
Nukleotidsequenz in einem heterologen Capsid verpackt. Üblicherweise
macht sich diese Ausführungsform
ein stäbchenförmiges Capsid
zunutze, da dieses in der Lage ist, eine längere chimäre Nukleotidsequenz zu verpacken
als das geometrisch eingeschränktere
icosahedrische Capsid oder das sphärische Capsid. Die Verwendung
eines stäbchenförmigen Capsids
erlaubt den Einbau einer längeren fremden
proteinkodierenden Sequenz, um die chimäre Nukleotidsequenz zu bilden.
Solch ein stäbchenförmiges Capsid
ist am vorteilhaftesten, wenn mehr als eine fremde kodierende Sequenz
in der chimeren Nukleotidsequenz vorhanden ist.
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Ein
weiteres Merkmal der Erfindung ist ein Vektor, der die chimäre Nukleotidsequenz
enthält, wie
oben beschrieben. Die chimäre
Nukleotidsequenz liegt angrenzend an eine Nukleotidsequenz, die
aus der Gruppe ausgewählt
wird, welche aus einem Promotor für eine Produktionszelle oder
einem Replikationsursprung besteht, die mit der Produktionszelle
kompatibel sind. Der Vektor wird zur Transformation einer Produktionszelle
verwendet, die im Anschluss die chimäre Nukleotidsequenz in großer Menge
produziert. Die Produktionszelle kann eine beliebige Zelle sein,
die mit dem Vektor kompatibel ist. Die Produktionszelle kann prokaryontisch
oder eukaryontisch sein. Falls die virale RNA (chimäre Nukleotidsequenz)
jedoch mit einem Cap versehen werden muss, um aktiv zu sein, dann
muss die Produktionszelle in der Lage sein, die virale RNA mit einem Cap
zu versehen, wie zum Beispiel eine eukaryontische Produktionszelle.
Die Produktionszelle kann nur den Vektor enthalten, der die chimäre Nukleotidsequenz
enthält.
In diesem Fall erzeugt die Produktionszelle nur die chimäre Nukleotidsequenz,
welche im Anschluss in vitro verpackt werden muss, um ein infektiöses Virus
zu erzeugen. Die Verpackung wird entsprechend herkömmlicher
Verfahren durch Zugabe eines kompatiblen viralen Hüllproteins
zur chimären
Nukleotidsequenz erreicht. In diesem Szenario würde das virale Hüllprotein
in einer zweiten Produktionszelle erzeugt werden. Ein Vektor, der
eine kodierende Sequenz für
ein kompatibles virales Hüllprotein
angrenzend an einen Promotor umfasst, welcher mit der Produktionszelle
kompatibel ist, wird zur Transformation der zweiten Produktionszelle
verwendet. Die zweite Produktionszelle erzeugt im Anschluss das
virale Hüllprotein
in großer
Menge.
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Wie
oben ausgeführt,
kann das virale Hülllprotein,
das von der zweiten Produktionszelle erzeugt wird, homolog oder
heterolog zur viralen Nukleotidsequenz sein. Das virale Hüllprotein
muss mit der chimären
Nukleotidsequenz kompatibel und von ausreichender Größe sein,
um die chimäre
Nukleotidsequenz vollständig
zu verpacken.
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Alternativ
weist die Produktionszelle stabil in ihr Genom integriert eine kodierende
Sequenz für
ein kompatibles virales Hüllprotein
angrenzend an einen Promotor auf, der mit der Produktionszelle kompatibel
ist. Wiederum kann diese kodierende Sequenz für das virale Hüllprotein
homolog oder heterolog zur viralen Nukleotidsequenz sein. In diesem
Fall erzeugt die Produktionszelle im Anschluss das Hüllprotein und
die chimäre
Nukleotidsequenz. Die chimäre
Nukleotidsequenz wird dann vom viralen Hüllprotein verpackt, um ein übertragbares
Virus zu erzeugen.
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Bei
den meisten Vektoren ist nicht bekannt, ob die Transmissionsfaktoren
alleine für
die Infektiosität
eines Virions essentiell sind, oder ob die Transmissionsfaktoren
lediglich als ein Anhängsel
an das Capsid dienen, und daher die Infektiosität des Virions steigern, aber
eine Infektion nicht verhindern, falls sie nicht auf dem Virion
vorhanden sind. Zum Zwecke dieser Erfindung (d.h. um die Nicht-Infektionsität des viralen
Vektors sicherzustellen) wurde angenommen, dass die Transmissionsfaktoren
alleine einen viralen Vektor infektiös machen können, und daher enthält der Vektor,
der die chimäre
Nukleotidsequenz umfasst, weder eine Nukleotidsequenz für das Capsidprotein
noch eine Nukleotidsequenz für
einen beliebigen Transmissionsfaktor.
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Dieser
Vektor, der die chimäre
Nukleotidsequenz umfasst, muss jedoch einen Promotor und einen Replikationsursprung
enthalten, und vorzugsweise enthält
er einen "Origin
of Assembly". Wie oben
ausgeführt,
wird dieser Vektor zur Transformation einer Produktionszelle verwendet.
Der Replikationsursprung muss mit der Produktionszelle kompatibel
sein.
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Alle
Promotoren, die mit dem Vektor assoziiert sind, müssen mit
der Produktionszelle kompatibel sein, in welcher der Vektor verwendet
wird.
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Die
prokaryontische Produktionszelle oder eine eukaryontische Produktionszelle
wird so transformiert, das die kodierenden Sequenzen für das Hüllprotein
und die Transmissionsfaktoren (falls erforderlich) stabil in das
Genom der Zelle integriert sind. Mehrere konventionelle Verfahren
können
verwendet werden, um diese Ausgestaltung zu erreichen. Beispielsweise
können
entsprechende kodierende Sequenzen durch Transformation mit Agrobacterium
in Pflanzenzellen eingebracht werden, wie zum Beispiel beschrieben
von Schell, J. et al., Bio/Technology 1, 175 (1983); Fillatti, J.
et al., Bio/Technology 5, 726 (1987); Everett, N.P. et al., Bio/Technology
5, 1201 (1987); Pua, E-C., Bio/Technology 5, 815 (1987); Hinchee,
M.A. et al., Bio/Technology 6, 915 (1988) und Meth. Enzymol., Vol.
118, supra. Agrobacterium wurde ferner verwendet, um Viren in Pflanzen,
und zwar sowohl dikotyle als auch monokotyle, in einem Verfahren
einzubringen, das als Agro-Infektion bezeichnet wird. Diese Technik wurde
beschrieben von Grimsley, N. et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA
83, 3282 (1986); Elmer, J.S. et al., Plant Mol. Biol. 10, 225 (1988);
Grimsley, N. et al., Nature 325, 177 (1987); und Hayes, R.J. et
al., Nature 334, 180 (1988).
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Alternativ
kann die entsprechende kodierende Sequenz durch direkten Gentransfer
einschließlich
Elektroporation, Calciumchlorid- oder Polyethylenglykol-vermittelte Transformation,
Liposomenfusion-Mikroinjektion oder Beschuss mit Mikroprojektilen in
eukaryontische Zellen inseriert werden. Diese Techniken wurden beschrieben
von Fromm, M.E., Meth. Enzymol. 153, 307 (1987); Shillito, R.D.
et al., Meth. Enzymol. 153, 283 (1987); Dehayes, A., et al., EMBO
J. 4, 2731 (1985); Negrutin, R. et al., Plant Mol. Biol. 8, 363
(1987); Reich, T.J. et al., Bio/Technology 4, 1001 (1986); Klein,
T.M. et al., Bio/Technology 6, 559 (1988); und McCabe, D.E. et al., Bio/Technology
6, 923 (1988).
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Eine
Produktionszelle, die transformiert wurde, enthält die kodierenden Sequenz(en)
für das
Hüllprotein
und/oder die Transmissionsfaktoren stabil in das Genom integriert.
Der Vektor, der die chimäre Nukleotidsequenz
enthält,
wird anschließend
in die Produktionszelle eingebracht, wie vorher diskutiert.
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Sobald
die chimäre
Nukleotidsequenz repliziert ist und das Capsidprotein und die Transmissionsfaktoren
von dem entsprechenden Produktionszellen erzeugt wurden, können intakte
Virione in vitro zusammengebaut werden. Die replizierte chimäre Nukleotidsequenz
wird entsprechend bekannter üblicher
Verfahren vom Capsidprotein verpackt. Die Transmissionsfaktoren
können
getrennt zum Zusammenbau des Virions hinzugefügt werden.
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Ein
weiteres Merkmal der Erfindung ist ein Wirt, der mit dem Virus infiziert
wurde. Nach Einbringen in einen Wirt enthält der Wirt die chimäre Nukleotidsequenz,
die zur Selbstreplikation in der Lage ist, die aber nicht imstande
ist, zusätzliche übertragbare Viren
oder virale Partikel zu erzeugen. Der Wirt kann mit dem Virus mit
Hilfe herkömmlicher
Verfahren infiziert werden. Geeignete Techniken umfassen die Blattabrasion,
Abrasion in Lösung,
Hochgeschwindigkeitsbesprühung
mit Wasser und andere Verletzungen eines Wirts sowie ein Absorbieren
des Saatguts des Wirts mit Wasser, das die chimere Nukleotidsequenz
alleine oder das verpackte Virus enthält. Obwohl die chimäre Nukleotidsequenz
zur Herstellung infektiöser
Agenzien nicht imstande ist, ist sie zur Selbstreplikation und zur
Ausbreitung innerhalb des pflanzlichen Wirts in der Lage.
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Ein
alternatives Verfahren zum Einbringen einer chimären Nukleotidsequenz in einen
pflanzlichen Wirt ist eine Technik, die als Agroinfektion oder Agrobacterium-vermittelte
Transformation (manchmal als Agro-Infektion bezeichnet) bekannt
ist, wie beschrieben von Grimsley, N. et al., Nature 325, 177 (1987).
Diese Technik macht sich ein gemeinsames Merkmal von Agrobacterium
zunutze, welches Pflanzen durch Transfer eines Teils seiner DNA
(die T-DNA) in eine Wirtszelle kolonialisiert, in der sie in die
nukleare DNA integriert wird. Die T-DNA ist durch Grenzsequenzen
definiert, die 25 Basenpaare lang sind, und eine beliebige DNA zwischen
diesen Grenzsequenzen wird ebenfalls in die Pflanzenzellen transferiert.
Die Insertion einer chimären
viralen Nukleotidsequenz zwischen die Grenzsequenzen der T-DNA hat
einen Transfer der chimären
Sequenz in die Pflanzenzelle zur Folge, wo die chimäre Sequenz repliziert
wird, und sich im Anschluss systematisch durch die Pflanze ausbreitet.
Agro-Infektion wurde bewerkstelligt
mit Potato Spindle Tuber Viroid (PSTV) (Gardner, R.C. et al., Plant
Mol. Biol. 6, 221 (1986), Cauliflower Mosaic Virus (CaMV) (Grimsley, N.
et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 83, 3282 (1986)), Maize Streak
Virus (Grimsley, N. et al., Nature 325, 177 (1987) und Lazarowitz,
S.G., Nucl. Acids Res. 16, 229 (1988)), Digitaria Streak Virus (Donson,
J. et al., Virology 162, 248 (1988)), Wheat Dwarf Virus (Hayes,
R.J. et al., J. Gen. Virol. 69, 891 (1988)) und Tornato Golden Mosaic
Virus (TGMV) (Elmer, J.S. et al., Plant Mol. Biol. 10, 225 (1988)
und Gardiner, W.E. et al., EMBO J. 7, 899 (1988)). Daher könnte die Agro-Infektion
einer empfänglichen
Pflanze mit einem Virion erreicht werden, das eine chimäre Nukleotidsequenz
enthält,
die auf der Nukleotidsequenz eines beliebigen der oben erwähnten Viren
basiert.
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Mehrere
virale Produkte sind dienlich, um die Produktion und Ausbreitung
der viralen Nukleinsäuren
sicherzustellen. Ein Faktor ist eine Replicase, die an der Replikation
der viralen Nukleinsäure
beteiligt ist. Ein zweiter Faktor, der vorhanden sein kann, wird hier
als ein Transportprotein bezeichnet.
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Dieses
Protein (diese Proteine) ist (sind) an der Bewegung der viralen
Nukleinsäure
von infizierten Zellen zu benachbarten Zellen und somit an der Ausbreitung
der viralen Nukleinsäure
durch die Produktions- oder Wirtszelle, das Gewebe oder den Organismus
beteiligt. Um eine angemessene Replikation und Ausbreitung des viralen
Vektors sicherzustellen, umfasst eine zusätzliche Ausführungsform
der Erfindung die stabile Transformation der Wirts- oder Produktionszelle,
des Gewebes oder des Organismus mit einer kodierenden Sequenz für eine virale Replicase,
ein virales Transportprotein oder für beides. Die Transformation
einschließlich
der stabilen Integration in das Genom der Produktionszelle oder des
Wirts wird wie oben für
das Hüllprotein-Gen
beschrieben bewerkstelligt.
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In
einer zusätzlichen
Ausführungsform
der Erfindung wird der Wirtsbereich eines Virus derart erweitert,
das ein virales Konstrukt, d.h. die chimäre Nukleinsäure, welches verschiedene fremde
Gene enthält,
in vielen verschiedenen Wirten verwendet werden kann. Der Wirtsbereich
des Virus wird durch Transformieren des Wirts (oder der Produktionszelle, da
diese in diesem Zusammenhang ebenfalls funktionieren wird) vergrößert, um
Teile des viralen Materials zu enthalten, die bei der Ermöglichung
der Infektion des Wirts durch das virale Konstrukt zweckdienlich
sind. Bei pflanzlichen Wirtsorganismen werden die Wirte transformiert,
um das virale Replicase-Gen oder das Gen für das Transportprotein zu enthalten. Alternativ
kann das Virus erzeugt werden, um die kodierenden Sequenzen für die Transportproteine
zu enthalten, die in dem Wirt funktionell sind. Zusätzlich ist
es möglich,
Protoplasten der Wirtspflanze zu transformieren, um die virale Nukleinsäure oder
Teile davon zu erhalten, sodass alle Zellen der regenerierten Pflanze
zur Infektion in der Lage sind. Diese Transformation wird mit Hilfe
einer beliebigen der oben beschriebenen Techniken durchgeführt.
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Ein
weiteres Merkmal der Erfindung ist ein Verfahren für die Herstellung
eines spezifizierten Produkts, wie zum Beispiel einer anti-sense
RNA, eines Ribozyms, eines Proteins, eines Enzyms oder eines komplexen
Biomoleküls.
Solche Produkte umfassen die oben diskutierten. Die zweite Nukleotidsequenz
der chimären
Nukleotidsequenz umfasst die transkribierbare Sequenz, die zur Herstellung
des gewünschten
Produkts führt.
Dieses Verfahren beinhaltet die Infektion des geeigneten Wirts mit
dem Virus, wie zum Beispiel den oben beschriebenen, die Anzucht
des infizierten Wirts, um das gewünschte Produkt zu erzeugen,
und die Isolierung des gewünschten
Produkts, falls notwendig. Die Anzucht des infizierten Wirts wie
auch die Isolierung des resultierenden Produkts erfolgt entsprechend
konventioneller Techniken.
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In
einem Beispiel wird eine für
eine Tyrosinase kodierende Sequenz, wie beispielsweise die aus Streptomyces
antibioticus isolierte, angrenzend an den Promotor des viralen Hüllproteins
inseriert, welche von einer Nukleotidsequenz von TMV oder dem Oat
Mosaic Virus (OMV) abgeleitet ist, aus der die kodierende Sequenz
für das
Hüllprotein
entfernt wurde. Ein Virus wird unter Verwendung der erhaltenen chimären Nukleotidsequenz
wie oben beschrieben hergestellt. Tabak oder keimende Gerste wird
mit dem entsprechenden Virus infiziert. Die chimäre Nukleotidsequenz repliziert
sich selbst im Pflanzengewebe, um das Enzym Tyrosinase zu erzeugen.
Alternativ wird die für
Tyrosinase kodierende Sequenz in eine andere, geeignet modifizierte
virale Nukleinsäure
inseriert.
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Das
daraus resultierende Virus wird zur Infektion des entsprechenden
Wirts verwendet, und Tyrosinase wird produziert. Die Aktivität dieses
Enzyms führt
zur Produktion von Melanin. Siehe zum Beispiel Huber, M. et al.,
Biochemistry 24, 6038 (1985).
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In
einem zweiten Beispiel wird eine für Cyclodextrin-Glucanotransferase
kodierende Sequenz, wie etwa die aus Bacillus sp. Nr. 17–1 (siehe
U.S. Patent 4,135,977) isolierte, angrenzend an den Promotor des
viralen Hüllprotein
einer Nukleotidsequenz inseriert, welche von OMV abstammt, aus der
die kodierende Sequenz für
das Hüllprotein
entfernt wurde. Ein Virus wird unter Verwendung der chimären Nukleotidsequenz
wie oben beschrieben hergestellt. Mais oder Kartoffeln werden mit
dem entsprechenden Virus infiziert. Die chimäre Nukleotidsequenz repliziert.
sich selbst im Pflanzengewebe, um das Enzym Cyclodextrin-Glucanotransferase
zu erzeugen. Die Aktivität
dieses Enzyms führt
zur Produktion von Cyclodextrin, das als Aromastoff oder zur Arzneimittelabgabe
verwendet wird.
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Beispiele
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Die
folgenden Beispiele veranschaulichen die Erfindung zusätzlich.
In diesen Beispielen wurden Enzymreaktionen entsprechend der von
den Herstellern empfohlenen Verfahren durchgeführt, außer es ist anders angegeben.
Standardverfahren wie die in Maniatis, T. et al., supra; Meth. Enzymol.
Vol. 68, 100, 101, 118, 152–155,
supra; und DNA Cloning, Vol. I, II, III, supra beschriebenen wurden
für die
Vektorkonstruktionen und die Transformation verwendet, außer es ist
anders angegeben.
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Beispiel 1
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Herstellung einer chimären TMV
DNA, die das Tyrosinase-Gen anstelle des Hüllprotein-Gens umfasst.
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Das
1.2 kb Tyrosinase Gen wurde aus dem Streptomyces Plasmid pIJ702
(allgemein verfügbar) unter
Verwendung eines SacI/PvuII Schnitts erhalten. Es wurde in die SacI/EcoRV
Schnittstellen des Bluescript Vektors (KS) von Stratagene inseriert,
der 2.9 kb groß ist.
Das erhaltene Plasmid wurde als pBG110 (4.1 kb) bezeichnet. Das
Tyrosinase-Gen wurde durch einen SacI/HindIII Schnitt aus pBG110 entfernt
und in pUC19 (2.7 kb) inseriert, was pBG115 (3.9 kb) ergab. Das
Tyrosinase-Gen wurde
durch einen EcoRI/HindIII Schnitt aus pBG115 entfernt und in den
Bluescript Vektor (KS+; 2.9 kb) von Stratagene inseriert, was pBG120
(4.1 kb) ergab. Das Tyrosynase-Gen wurde mit einem XhoI/SmaI Schnitt
aus pBG120 entfernt, und es wurden XhoI-Linker an das SmaI-Ende
angefügt.
Dieses Tyrosinase-Gen mit den XhoI-Enden wurde in die XhoI Schnittstelle
des Bluescript Vektors (Ks+; 2.9 kb) von Stratagene inseriert, um
pBG130 (4.1 kb) zu ergeben. Da eine nicht erwünschte PstI Schnittstelle in
eine Polylinker-Region überführt wurde,
wurde pBG130 durch Entfernen einiger nichtkodierender Basen und
der Polylinker-Region modifiziert. Dies wurde mit Hilfe eines HindIII/SacI
Verdaus durchgeführt,
um die Tyrosinase aus pBG130 freizusetzen, und im Anschluss wurde
das 1.2 kb Fragment mit ExoIII behandelt, um ungefähr 200 Basen
vom HindIII 3'-Ende
zu verdauen. Nach Erzeugung glatter Enden mit T4 DNA-Polymerase
wurden XhoI-Linker eingefügt,
und das 1.0 kb Fragment wurde in den Bluescript Vektor (KS+; 2.9 kb)
von Stratagene inseriert, was pBG132 ergab. Das 1.0 kb Tyrosinase-Gen
wurde in p803 (6.3 kb) inseriert, welches ein 3.6 kb Subklon des
TMV Plasmids pS3–28
(verfügbar
von W.O. Dawson, University of California, Riverside) in pUC19 ist,
was die Plasmide pBG21 und pBG22 ergab (abhängig von der Richtung des Tyrosinase-Gens;
jedes 7–3
kb). Das Plasmid pS3–28
(11.1 kb) ist ein Klon von TMV, aus dem das Hüllprotein-Gen mit einer XhoI
Schnittstelle an dieser Position entfernt wurde. Dawson, W. 0. et
al., Phytopathology 78, 783 (1988). Ein NcoI/EcoRV Schnitt von pBG21
und pBG22 setzte ein 2.4 kb Fragment frei, welches das Tyrosinase-Gen
enthält. Dieses
Fragment ersetzte ein 1.4 kb Fragment in pS3–28, das entfernt wurde. Die
erhaltenen Plasmide pBG23 und pBG24 (abhängig von der Richtung des Tyrosinase-Gens;
jedes 12.1 kb) waren die finalen DNA-Konstruktionen, die zur Herstellung
infektiöser
RNA verwendet wurden, welche in Tabakpflanzen eingebracht wurde,
um eine mRNA für
Tyrosinase einzuführen.
Diese mRNA kann mit Hilfe von Northern Blot-Verfahren detektiert
werden.
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Beispiel 2
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Herstellung einer chimären TMV
DNA, die das GUS-Gen anstelle des Hüllprotein-Gens umfasst.
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Das
1.8 kb GUS Gen wurde aus dem Plasmid pRAJ275 (4.5 kb; Clontech Laboratories)
unter Verwendung eines EcoRI/NcoI Schnitts erhalten. Die überhängenden
Enden (sticky ends) wurden unter Verwendung des Klenow-Fragments
aufgefüllt.
Es wurden XhoI-Linker angehängt,
und das Fragment wurde in den Bluescript Vektor (KS+) von Stratagene inseriert,
der 2.9 kb groß ist.
Das erhaltene Plasmid wurde als pBG150 (4.7 kb) bezeichnet. Unter
Verwendung der Techniken aus Beispiel 1 wurde dieses GUS-Gen mit
den XhoI-Linkern in p803 kloniert, was pBG25 und pBG26 ergab (abhängig von
der Richtung des GUS-Gens;
jedes 8.1 kb). Ein SalI/NcoI Schnitt von pBG25 und pBG26 setzte
ein 3.8 kb Fragment frei, welches das GUS-Gen enthält. Diese Fragmente
ersetzten ein 2.0 kb Fragment in pS3–28, das entfernt wurde. Die
erhaltenen Plasmide pBG27 und pBG28 (abhängig von der Richtung des GUS-Gens;
jedes 12.9 kb) waren die finalen DNA-Konstruktionen, die zur Herstellung
infektiöser RNA
verwendet wurden, welche in Tabakpflanzen eingeführt wurde, um eine mRNA für das GUS-Gen einzubringen.
Diese mRNA kann mit Hilfe von Northern Blot-Verfahren detektiert
werden. Die Aktivität des
GUS-Enzyms ist ebenfalls detektierbar.
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Beispiel 3
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Herstellung einer chimären TMV
DNA, die das GUS/Hüllprotein-Gen anstelle des
TMV Hüllprotein-Gens
umfasst.
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Das
1.8 kb GUS-Gen aus pBG150 (4.7 kb), beschrieben im obigen Beispiel
2, wurde für
diese Konstruktion verwendet. Ein PstI/NcoI Schnitt von p35-5 setzte
ein 0.7 kb Fragment frei, das einen Teil des 3'-Endes und einen Teil 5'-Endes des TMV Hüllprotein-Gens
enthält.
Das Plasmid p35-5 (11.3 kb) ist ein Klon von TMV, aus dem ein Großteil des
Hüllprotein-Gens
entfernt wurde, und das eine XhoI Schnittstelle an der Stelle enthält, an welcher
der interne Teil des Hüllprotein-Gens
entfernt wurde. Dawson, W.O. et al., Phytopathology 78, 783 (1988).
Dieses 0.7 kb Fragment ersetzte ein 0.5 kb Fragment in p803, das entfernt
wurde, was pBG29 (6.5 kb) ergab. Das 1.8 kb GUS-Gen wurde in die
XhoI Schnittstelle von pBG29 inseriert, was pBG31 und pBG32 ergab
(abhängig
von der Richtung des GUS/Hüllprotein-Fusionsgens;
jedes 8.3 kb). Ein SalI/NcoI Schnitt von pBG31 und pBG32 setzte
ein 4.0 kb Fragment frei, welches das GUS/Hüllprotein-Fusionsgen enthält. Diese
Fragmente ersetzen an 2.0 kb Fragment in pS3-28, das entfernt wurde.
Die erhaltenen Plasmide pBG33 und pBG34 (abhängig von der Richtung des GUS/Hüllproteins-Fusionsgen;
jedes 13.1 kb) waren die finalen DNA-Konstruktionen, die zur Herstellung infektiöser RNA
verwendet wurden. pBG33, pBG34 und pS3-28 (als Kontrolle) werden
in RNA transkribiert, die verwendet wird, um mittels Reiben der Pflanzen
mit der RNA, einem Abrasionsmittel und einem RNAse-Inhibitor Tabakpflanzen
zu infizieren. Auf den Pflanzen werden Flecken (spots) beobachtet,
die eine erfolgreiche Infektion anzeigen. Das infizierte Pflanzengewebe
wird mazeriert, und die Fluoreszenz wird untersucht. Das mit pS3-28
infizierte Gewebe zeigte keine Fluoreszenz, während das entweder mit pBG33
oder pBG34 infizierte Gewebe Fluoreszenz zeigte.
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Beispiel 4
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Herstellung einer nicht übertragbaren
TMV Nukleotidsequenz.
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Eine
vollständige
(full-length) DNA-Kopie des TMV Genoms wird hergestellt und in die
PstI Schnittstelle von pBR322 inseriert, wie von Dawson, W. O. et
al., Proc. Nat. Acad. Sci. USA 83, 1832 (1986) beschrieben. Das
virale Hüllprotein-Gen
liegt an Position 5711 des TMV Genoms angrenzend an das 30 K Protein-Gen.
Der Vektor, welcher die DNA-Kopie des TMV Genoms enthält, wird
mit den entsprechenden Restriktionsenzymen und Exonukleasen verdaut,
um die kodierende Sequenz für
das Hüllprotein
zu deletieren. Die kodierende Sequenz des Hüllproteins wird zum Beispiel
mit einem Partialverdau mit ClaI und NsiI entfernt, gefolgt von
einer Religation, um den 3'-Schwanz
des Virus wieder anzuheften. Alternativ wird der Vektor am 3'-Ende der viralen
Nukleinsäure
geschnitten. Die virale DNA wird durch Verdau mit Bal31 oder Exonuklease
III bis zum Start-Codon der kodierenden Sequenz des Hüllproteins
entfernt. Eine synthetische DNA-Sequenz, welche die Sequenz des
viralen 3'-Schwanzes
enthält, wird
im Anschluss an das verbliebene 5'-Ende ligiert. Die Deletion der kodierenden
Sequenz für
das virale Hüllprotein
wird durch Isolation der TMV RNA und Verwendung derselben zur Infektion
von Tabakpflanzen bestätigt.
Es wurde gefunden, dass die isolierte TMV RNA unter natürlichen
Bedingungen nicht infektiös
ist, d.h. biologisch eingedämmt.
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Beispiel 5
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Herstellung einer nicht übertragbaren
OMV Nukleotidsequenz.
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Eine
vollständige
DNA-Kopie des OMV Genoms wird wie von Dawson, W.O. et al. (1986),
supra beschrieben, hergestellt. Der Vektor, welcher die DNA-Kopie
des OMV Genoms enthält,
wird mit den entsprechenden Restriktionsenzymen oder geeigneten
Exonukleasen verdaut, wie etwa in Beispiel 4 beschrieben, um die
kodierende Sequenz des Hüllproteins
zu deletieren. Die Deletion der kodierenden Sequenz für das virale
Hüllprotein
wird durch Isolation der OMV RNA und Verwendung derselben zur Infektion
keimender Gerstenpflanzen bestätigt.
Es wurde gefunden, dass die isolierte OMV RNA unter natürlichen
Bedingungen biologisch eingedämmt
ist.
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Beispiel 6 (gehört nicht
zur Erfindung)
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Herstellung einer nicht übertragbaren
RNV Nukleotidsequenz.
-
Eine
vollständige
DNA-Kopie des RNV Genoms wird wie von Dawson, W.O. et al. (1986),
supra beschrieben, hergestellt. Der Vektor, welcher die DNA des
RNV Genoms enthält,
wird mit den entsprechenden Restriktionsenzymen oder geeigneten
Exonukleasen verdaut, wie etwa in Beispiel 4 beschrieben, um die
kodierende Sequenz für
das Hüllprotein zu
deletieren. Die Deletion der kodierenden Sequenz für das virale
Hüllprotein
wird durch Isolieren der RNV RNA und Verwendung derselben zur Infektion keimender
Gerstenpflanzen bestätigt.
Es wurde gefunden, dass die isolierte RNV RNA unter natürlichen Bedingungen
nicht infektiös
ist.
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Beispiel 7 (gehört nicht
zur Erfindung)
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Herstellung einer nicht übertragbaren
PVY oder PVX Nukleotidsequenz.
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Eine
vollständige
DNA-Kopie des PVY oder PVX Genoms wird wie von Dawson, W.O. et al. (1986),
supra beschrieben, hergestellt. Der Vektor, welcher die DNA Kopie
des PVY oder PVX Genoms enthält,
wird mit den entsprechenden Restriktionsenzymen oder geeigneten
Exonukleasen verdaut, wie etwa in Beispiel 4 beschrieben, um die
kodierende Sequenz des Hüllproteins
zu deletieren. Die Deletion der kodierenden Sequenz für das virale
Hüllprotein wird
durch Isolation der PVY oder PVX RNA unter Verwendung der selben
zur Infektion von Kartoffelpflanzen bestätigt. Es wurde gefunden, dass
die isolierte PVY oder PVX RNA unter natürlichen Bedingungen biologisch
eingedämmt
ist.
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Beispiel 8
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Herstellung einer chimären Nukleotidsequenz,
welche die kodierende Sequenz für
Tyrosinase enthält.
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Die
kodierende Sequenz für
Tyrosinase wird aus Streptococccus antibioticus durch Verdau mit
BclI, gefolgt von 5'-Exonuklease-Verdau
bis zum Start-Codon isoliert. Alternativ wird durch ortsgerichtete
(site-directed) Oligonukleotid-Mutagenese
eine Restriktionsschnittstelle angrenzend an das Start-Codon der
kodierenden Sequenz für
Tyrosinase konstruiert. Verdau mit entsprechenden Restriktionsenzymen
ergibt die kodierende Sequenz für
Tyrosinase. Das Fragment, das die kodierende Sequenz für die Tyrosinase
enthält,
wird isoliert und angrenzend an den Promotor des viralen Hüllprotein-Gens in
die Vektoren kloniert, welche in den Beispielen 4, 5 und 6 hergestellt
wurden.
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Beispiel 9 (gehört nicht
zur Erfindung)
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Herstellung eines Virus,
das Tyrosinase enthält.
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Ein
Lambda PR-Promotor wird an die chimäre Nukleotidsequenz
aus Beispiel 8 entsprechend der von Dawson, W.O. et al. (1986),
supra beschriebenen Technik angehängt. Der erhaltene Vektor wird zur
Transformation von E. coli verwendet, der Produktionszelle in diesem
Fall.
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Ein
zweiter Vektor wird durch Insertion der kodierenden Sequenz für das virale
Hüllprotein,
isoliert in den Beispielen 4, 5 oder 6, angrenzend an den lac-Promotor
in den Vektor pBR322 hergestellt. Dieser Vektor wird zur Transformation
der Produktionszellen verwendet, die einen Vektor mit der korrespondierenden
kompatiblen chimären
Nukleotidsequenz aufweisen. Die Produktionszellen werden angezogen,
und die erhaltenen Viren werden isoliert. Alternativ wird der zweite
Vektor zur Transformation eines zweiten Stammes von E. coli verwendet,
der das Hüllprotein
erzeugt. Das Hüllprotein
und der virale Vektor werden im Anschluss kombiniert, um das Virus
zu bilden.
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Beispiel 10 (gehört nicht
zur Erfindung)
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Produktion von Melanin.
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Die
in Beispiel 9 isolierten Viren werden zur Infektion von Tabakpflanzen
(Viren basierend auf TMV) oder keimenden Gerstenpflanzen (Viren
basierend auf OMV oder RNV) verwendet. Die infizierten Pflanzen
werden unter normalen Wachstumsbedingungen angezogen. Die Pflanzen
produzieren Tyrosinase, die mit den im Pflanzengewebe vorhandenen Komponenten
reagieren, um Intermediate zu erzeugen, die innerhalb des Pflanzengewebes
oder nach Lyse des Pflanzengewebes zu Melanin umgesetzt werden.
Das Melanin wird mit Hilfe konventioneller Verfahren isoliert.
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Beispiel 11
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Herstellung einer chimären Nukleotidsequenz,
welche die kodierende Sequenz für
eine β-Cyclodextrin-Glucanotransferase
enthält.
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Die
kodierende Sequenz ist für
die β-Cyclodextrin-Glucanotransferase
wird aus dem alkalophilen Bacillus sp. Stamm Nr. 38–2 auf die
folgende Art isoliert.
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Die
chromosomale DNA aus Stamm Nr. 38–2 (Hanamoto, T. et al., Agric.
Biol. Chem. 51, 2019 (1987)) wird partiell mit Sau3AI verdaut, und
die Fragmente werden in pBR322 ligiert, das mit BamHI verdaut wurde.
Ein Transformant, der das Plasmid pCS115 trägt, welches ein 3.2 kb DNA
Fragment aus dem Genom des produzierenden Stammes enthält, weist
CGT-Aktivität
auf. Die CGT, die von diesem Transformanten erzeugt wird, ergibt
eine Präzipitationslinie,
die in einem Ouchterlony Doppel-Diffusionstest
vollständig
mit der für
die CGT aus Nr. 38–2
fusioniert. Die Nukleotidsequenz des Fragments wurde mit Hilfe der
Dideoxy-Kettenabbruchreaktion (Banger, F. et al., Proc. Nat. Acad.
Sci. USA 74, 5463 (1977)) unter Verwendung von pUC19 und der Exonuklease-Deletionsmethode
(Henikoff, S., Gene 28, 351 (1984)) aufgeklärt. Die Nukleotidsequenz des Fragments
zeigt einen einzelnen offenen Leserahmen, der dem CGT-Gen entspricht.
Ein Protein mit einer molekularen Masse von 66 kDal könnte von
diesem offenen Leserahmen mit 1758 Basenpaaren translatiert werden.
Für die
detaillierte Nukleotidsequenz siehe Hamamoto, T. et al., supra.
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Die
Sequenz der N-terminalen Aminosäuren der
extrazellulären
Form von CGT wurde mit Hilfe eines Peptid-Sequenziergeräts aufgeklärt. NH2-Ala-Pro-Asp-Thr-Ser-Val-Ser-Asn-Lys-Gln-Asn-Phe-Ser-Thr-Asp-Val-Ile
ist identisch zu der Sequenz, die aus der DNA-Sequenz (Reste 1 bis
17) abgeleitet wurde. Dieses Ergebnis zeigt, dass 27 Aminosäurereste
(Rest –27
bis –1)
ein Signalpeptid darstellen, das während der Sekretion von CGT
entfernt wird. Das ausgehend von der DNA-Sequenz kalkulierte Molekulargewicht
der reifen CGT beträgt 63,318.
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Basierend
auf einem Teil der Aminosäuresequenz
der Cyclodextrin-Glucanotransferase wird eine Sonde hergestellt
und zur Isolation der kodierenden Sequenz für dieses Enzym verwendet. Alternativ wird
die kodierende Sequenz der β-Cyclodextrin-Glucanotransferase
nach reverser Transkription isoliert. Das Fragment, dass die kodierende
Sequenz enthält, wird
isoliert und angrenzend an den Promotor des viralen Hüllprotein-Gens
in die Vektoren kloniert, die in den Beispielen 5, 6 oder 7 hergestellt
wurden.
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Beispiel 12 (gehört nicht
zur Erfindung)
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Herstellung eines Virus,
das die kodierende Sequenz für
eine Cyclodextrin-Glucanotransferase enthält.
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Ein
Lambda PR-Promoter wird an die chimäre Nukleotidsequenz aus Beispiel
8 entsprechend der in Dawson, W.O. et al. (1986), supra beschriebenen
Technik angeheftet. Der erhaltene Vektor wird zur Transformation
von E. coli verwendet, der Produktionszelle in diesem Fall.
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Ein
zweiter Vektor wird durch Insertion der kodierenden Sequenz des
viralen Hüllproteins,
isoliert in den Beispielen 5, 6 oder 7, angrenzend an den lac-Promoter
in den Vektor pBR322 hergestellt. Dieser Vektor wird zur Transformation
der Produktionszellen verwendet, die einen Vektor mit der korrespondierenden
kompatiblen chimären
Nukleotidsequenz aufweisen. Die Produktionszellen werden angezogen und
die erhaltenden Viren werden isoliert.
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Beispiel 13 (die gehört nicht
zur Erfindung)
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Produktion von Cyclodextrin
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Die
in Beispiel 12 isolierten Vieren werden zur Infektion von Maispflanzen
(Viren basierend auf OMV oder RNV) oder Kartoffelpflanzen (Viren
basierend auf PVY oder PVX) verwendet. Die Infizierten Pflanzen
werden unter normalen Wachstumsbedingungen angezogen. Die Pflanzen
produzieren Cyclodextrin-Glucanotransferase, welche die Umsetzung von
Stärke
in Cyclodextrin im Pflanzengewebe katalysiert. Das Cyclodextrin
wird mit Hilfe herkömmlicher Verfahren
isoliert.
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Beispiel 14
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Herstellung einer chimären Nukleotidsequenz
aus TMV und Chloramphenicol-Acetyltransferase.
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Eine
nicht übertragbare
TMV Nukleotidsequenz (pTMVS3-28) wird hergestellt, wie in Beispiel 4
beschrieben. Im Anschluss wird eine chimäre Nukleotidsequenz (S3-CAT-28)
hergestellt, welche das Chloramphenicol-Acetyltransferase (CAT)-Gen
anstelle des zuvor entfernten Hüllprotein-Gens
enthält.
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Das
CAT-Gen wird aus pCM1 (Pharmacia) mit SalI entfernt und in die Nukleotidsequenz
aus Beispiel 4 ligiert, welche mit XhoI gespalten wurde. Diese Konstruktion
erzeugt pTMVS3-CAT-28,
von dem die Mutante cp S3-CAT-28 transkribiert wird. Die korrekte
Sequenz und Orientierung wird mit Hilfe einer Sequenzierung, wie
von Sagursky, R.J. et al., Gene Anal. Technol. 2, 89 (1985) beschrieben,
bestätigt.
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Diese
chimäre
DNA-Sequenz wird im Anschluss unter Verwendung des PM-Promoters
(Ahlquist, P. et al., Mol. Cell Biol. 4, 2876 (1984)) und der RNA-Polymerase
aus E. coli (Dawson, W.O. et al., Proc. Nat. Acad. Sci. USA 83,
1832 (1986)) transkribiert, um infektiöse chimäre RNA zu erzeugen. Die Infektiosität wird durch
Zermahlen der Blätter
in kaltem 1% Natriumpyrophosphat-Puffer, pH 9.0 mit 1% Bentonit
und 1% Celite bei unmittelbarer Inokulation untersucht. Alternativ
kann die Infektiosität
unter Verwendung Phenol-extrahierter RNA im selben Puffer untersucht
werden (Dawson, W. O., Virology 73, 319 (1976)).
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Es
wurde gefunden, dass die chimäre
RNA in Tabakblättern
effizient repliziert. Die RNA kann seriell von Pflanze zu Pflanze
propagiert werden oder kann nach Phenol-Extraktion gelagert werden.
Es können
jedoch in den infizierten Pflanzen kein Virione erzeugt werden.
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Die
chimäre
RNA erzeugt während
einer SDS-PAGE keine Bande, die positiv als Chloramphenicol-Acetyltransferase
identifiziert werden kann. In Pflanzenextrakten kann jedoch funktionelle
Enzymaktivität
detektiert werden, die 14C-Chloramphenicol mit
Acetyl-CoA acetyliert.
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Beispiel 15 (gehört nicht
zur Erfindung)
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Herstellung eines Virus,
das Chloramphenicol-Acetyltransferase
enthält.
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Ein
Lambda PR-Promoter wird an die chimäre Nukleotidsequenz aus Beispiel
14 entsprechend der von Dawson, W.O. et al., Proc. Nat. Acad. Sci. USA
83, 1832 (1986) beschriebenen Technik angehängt. Der erhaltene Vektor wird
zur Transformation der Produktionszelle, E. coli, verwendet.
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Ein
zweiter Vektor wird durch Insertion der kodierenden Sequenz des
viralen Hüllproteins
(isoliert in Beispiel 4) angrenzend an den Iac-Promoter in dem Vektor
pBR322 hergestellt. Dieser Vektor wird zu Transformation der E.
coli Produktionszellen verwendet, die einen ersten Vektor der chimären Nukleotidsequenz
aufweisen. Die Produktionszellen werden angezogen, und die erhaltenen
Viren werden isoliert. Alternativ wird der zweite Vektor zur Transformation
eines zweiten Stammes von E. coli verwendet, der das Hüllprotein erzeugt.
Das Hüllprotein
und die viralen Vektoren werden im Anschluss kombiniert, um das
Virus zu bilden.
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Beispiel 16 (gehört nicht
zur Erfindung)
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Produktion von Chloramphenicol-Acetyltransferase.
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Die
in Beispiel 15 isolierten Viren werden zur Infektion von Tabakpflanzen
verwendet. Die infizierten Pflanzen werden unter normalen Wachstumsbedingungen
angezogen. Die Pflanzen produzieren das Enzym Chloramphenicol-Acetyltransferase,
das aus den Pflanzen mit Hilfe konventioneller Verfahren isoliert
wird.
-
Beispiel 17
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Transformation von Nicotiana
tabacum mit Kapsidprotein-Gen.
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Das
Kapsidprotein des Tobacco Mosaic Virus (TMV) wird von einer Nukleotidsequenz
zwischen 5712 und 6190 kodiert. Eine 3'-untranslatierte Region des RNA-Genoms
erstreckt sich bis zu Nukleotid 6395. Eine doppelsträngige (ds)
komplementäre DNA
(cDNA) des Cistrons, das die Nukleotide 5701 bis 6395 enthält und für das Kapsidprotein
kodiert, wird mit Hilfe der Reversen Transkriptase von der TMV RNA
generiert. Die Transkriptase enthält einen Oligonukleotidprimer,
der komplementär
zu einer Oligonukleotidsequenz am 3'-Ende der viralen RNA ist und eine BamHI
Schnittstelle enthält.
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Das
Klenowfragment der DNA-Polymerase wird verwendet, um den zweiten
DNA-Strang zu synthetisieren. Das HindIII-BamHI Fragment der cDNA wird
in das Plasmid pUC9 (Vieira, J. et al., Gene 19, 259 (1982)) kloniert.
Das erhaltene Plasmid wird mit AlaIII an Nukleotid 5707 (Goelet,
P. et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 79, 5818 (1982)) und mit BamHI
verdaut, um die Sequenz für
das Kapsidprotein zu entfernen. Dieses Fragment wird in den Vektor pMON237
ligiert.
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pMON237
ist ein Derivat von pMON200 (Horsch, R.B. et al., Science 227, 1229
(1985)). Dieser Vektor enthält
einen 19S CaMV Promotor, eine Polylinker-Sequenz und die Sequenz
für Nopalinsynthase
(NOS) am 3'-Ende.
Die Ligation erfolgt an der XbaI Schnittstelle, die zu einem glatten
Ende aufgefüllt
wurde (made blunt), und an der BamHI Schnittstelle. Die kodierende
Sequenz für
das Kapsidprotein wurde durch Verdau mit XbaI und BamHI aus dem Plasmid
entfernt und durch Transfer in ein geeignetes Plasmid mit einer
BglII Schnittstelle am 5'-Ende und
einer EcoRI Schnittstelle am 3'-Ende
versehen.
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Das
BglII-EcoRI Fragment wird in den Expressionskassettenvektor pMON316
zwischen den CaMV 35S Promoter und die NOS 3'-untranslatierte Region transferiert
(Rogers, S.G. et al., in: BioTechnology in Plant Science: Relevance
to Agriculture in the Nineteen Eighties, M. Zaitlin, P. Day, A.
Hollaender, Eds., Academic Press, N.Y., p. 219 (1986)). Das erhaltene
chimäre
Gen enthält
den 35S Promoter von CaMV und ein Polyadenylierungssignal des NOS-Gens.
Das erhaltene Plasmid wird in den Agrobacterium tumefaciens Stamm
GV 3111 eingebracht, welcher das abgeschwächte (disarmed) Plasmid pTi BG53-SE
trägt (Fraley,
R.T. et al., Bio/Technology 3, 629 (1985)). Ein kointegriertes Plasmid
entsteht durch Rekombination zwischen den LIH-Regionen.
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Transformierte
A. tumefaciens werden auf Antibiotikaresistenz selektiert. Selektierte
Kolonien werden zur Transformation von N. tabacum Blattscheiben
("leaf discs") verwendet, welche
im Anschluss zu ganzen Pflanzen regeneriert werden (Horsch, R.B.
et al., supra; Abel, P.P. et al., Science 232, 738 (1986)).
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A.
tumefaciens transformiert mit der Sequenz für das TMV Kapsidprotein wird
als Produktionszelle verwendet. Gleichermaßen werden Tabakzellen, die
mit der Sequenz für
das TMV Kapsidprotein transformiert wurden, als Produktionszellen
für die
Herstellung von Monomeren oder Multimeren des Kapsidproteins verwendet.
Die Zahl der Kapsidproteine und der Zeitpunkt der Produktion können durch Verfahren
kontrolliert werden, die im Stand der Technik bekannt sind (Maniatis,
T. et al., supra). Die richtige Auswahl eines temperatur-sensitiven
Repressors und ein starker Promoter haben hohe Kopienzahlen der
Plasmide und hohe Translationsraten, nur wenn gewünscht, zur
Folge.
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Beispiel 18
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Produktion von verpackten
Viruspartikeln.
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Protoplasten
von transformierten Tabakzellen, die in Beispiel 17 erhalten wurden,
werden in einer 0.5 M Mannitol-Lösung resuspendiert,
die 12–30 nM
MgCl2 enthält. Ein Hitzeschock von 45°C für 5 Minuten
wird ausgeübt.
Für die
Transformation werden die Protoplasten in Aliquots in Zentrifugenröhrchen verteilt,
und zwar 0.3 ml der suspendierten Protoplasten pro Röhrchen.
Während
der nächsten
10 Minuten wird Folgendes hinzugegeben: Die in Beispiel 1 erhaltenen
Plasmide, welche die cDNA enthalten, die für das TMV Genom kodiert, der
aber das Gen für das
Kapsidprotein fehlt, und die ein chimäres Genkonstrukt enthält; und
Polyethylenglycol (PEG)-Lösung
(MW 6000, 40% (w/v), die 0.1 M Ca(NO3)2 und 0.4 M Mannitol enthält; pH 8–9 mit KOH), um eine finale
Konzentration von 20% PEG zu ergeben. Die Aliquots werden 30 Minuten
unter gelegentlichem sanftem Schütteln
inkubiert, und im Anschluss werden die Protoplasten in Petri-Schalen gegeben (0.3 ml
originale Protoplastensupension pro Schale mit 6 cm Durchmesser)
und kultiviert. Verpackte Viruspartikel werden aus den Protoplasten
unter Verwendung herkömmlicher
Techniken isoliert.
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Alternativ
werden die in Beispiel 17 erzeugten transformierten Pflanzen mit
Virusnukleinsäure infiziert,
zum Beispiel einer chimären
Nukleotidsequenz aus Beispiel 3. Die Nukleinsäure wird repliziert, und das
Hüllprotein,
welches die Nukleinsäure verpackt,
wird produziert. Die verpackten Viruspartikel werden mit Hilfe konventioneller
Verfahren isoliert.
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Beispiel 19
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Transformation von Nicotiana
tabacum mit Replicase-Gen.
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Zwei
Replicase-Untereinheiten des Tobacco Mosaic Virus (TMV) werden von
der Nucleotidsequenz zwischen Position 70 und 4919 kodiert. Die Nukleotidsequenz
für das
130 kD Protein endet an einem Amber-Codon, das supprimiert werden
kann, um ein 180 kD Protein zu erzeugen. Eine doppelsträngige (ds)
komplementäre
DNA (cDNA) des Cistrons, welches die Nukleotide 70 bis 4919 enthält und für Replicase
kodiert, wird unter Verwendung von Reverser Transkriptase aus der
TMV-RNA generiert.
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Die
Transkriptase enthält
einen Oligonukleotidprimer, der komplementär zu einer Oligonukleotidsequenz
am 3'-Ende der viralen
RNA ist und eine BamHI-Schnittstelle enthält. Das Klenowfragment der
DNA-Polymerase wird verwendet, um den zweiten DNA-Strang zu synthetisieren.
Das HindIII-BamHI Fragment der cDNA wird in das Plasmid pUC9 kloniert
(Viera, J. et al., Gene 19, 259 (1982)). Das erhaltene Plasmid wird
mit AlaIII an Nukleotid 4919 (Goelet, P. et al., Proc. Natl. Acad.
Sci. USA 79, 5818 (1982)) und mit BamHI verdaut, um die Sequenz
für das
Kapsidprotein zu entfernen.
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Dieses
Fragment wird in den Vektor pMON237 ligiert. pMON237 ist ein Derivat
von pMON200 (Horsch, R.B. et al., Science 227, 1229 (1985)). Dieser
Vektor enthält
einen 19S CaMV-Promoter, eine Polylinker-Sequenz und die Sequenz
für Nopalinsynthase
(NOS) am 3'-Ende.
Die Ligation erfolgt an der XbaI Schnittstelle, die zu einem glatten Ende
aufgefüllt
wurde, und an der BamHI Schnittstelle. Die kodierende Sequenz für das Kapsidprotein wurde
durch Verdau mit XbaI und BamHI aus dem Plasmid entfernt und durch
Transfer in ein geeignetes Plasmid mit einer BglII Schnittstelle
am 5'-Ende und einer
EcoRI Schnittstelle am 3'-Ende
versehen. Das BglII-EcoRI Fragment wird in den Expessionskassettenvektor
pMON316 zwischen den CaMV 35S-Promoter und die NOS 3'-untranslatierte
Region transferiert (Rogers, S.G. et al., in: BioTechnology in Plant
Science: Relevance to Agriculture in the Nineteen Eighties, M. Zaitlin,
P. Day, A. Hollaender, Eds., Academic Press, N.Y., p. 219, 1986).
Das erhaltene chimäre
Gen enthält
den 35S-Promotor von CaMV und ein Polyadenelierungssignal des NOS-Gens. Das
erhaltene Plasmid wird in den Agrobacterium tumefaciens Stamm GV
3111 eingebracht, der das abgeschwächte (disarmed) Plasmid pTI
BGS3-SE trägt
(Fraley, R.T. et al., BioTechnology 3, 629 (1985)). Ein cointegriertes
Plasmid wird durch Rekombination zwischen den LIH-Regionen erhalten.
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Transformierte
A. tumefaciens werden auf Antibiotikaresistenz selektiert. Selektierte
Kolonien werden zur Transformation von N. tabacum Blattscheiben
("leaf discs") verwendet, welche
im Anschluss zu ganzen Pflanzen regeneriert werden (Horsch, R.B.
et al., supra; Abel, P.P. et al., Science 232, 738 (1986)). Die
transformierten Wirte können als
Produktionszellen oder als Wirte für die Infektion mit auf TMV
basierenden Viren verwendet werden. Die stabil inkorporierte Replicase
agiert, um die Replikation der viralen Nukleinsäure zu steigern.
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Beispiel 20
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Transformation von Tabakzellen
mit Transportprotein.
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Eine
Nukleotidsequenz von TMV von Nukleotid 4903 bis 5709 kodiert ein
30 kD Protein, das an der Erleichterung der Zell-zu-Zell-Bewegung des Virus beteiligt
ist. Zellen aus Blattscheiben ("leaf
discs") aus N. tabacum
werden mit Agrobacterium transformiert, das ein kointegriertes Plasmid
trägt,
das nach dem Verfahren aus Beispiel 17 hergestellt wurde. So transformierte
N. tabacum Zellen werden als Wirtszellen für verpackte defekte Viruspartikel
verwendet.