Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Be- und Entladen
von Containern zwischen einem Kai und einem am
Kai liegenden Schiff mittels eines Kaikrans, einer an
einem Kranausleger verfahrbaren Laufkatze sowie einem
Containerhebegeschirr mit Haken. Ferner betrifft sie
eine Vorrichtung zur Durchführung eines derartigen Verfahrens.
Auf dem Seeweg zu transportierende Güter werden in zunehmendem
Maße so kommissioniert, daß ihr Umschlag mit
Standard-Containern erfolgen kann, die von entsprechend
ausgebildeten Schiffen weltweit transportiert werden.
Ihre Be- und Entladung erfolgt mittels sogenannter
Kaikräne, von denen in der Regel immer mehrere Kräne
ein Schiff bedienen, um die Schiffsliegezeiten so kurz
wie möglich zu gestalten. Die Anzahl der ein Schiff bedienenden
Kräne ist jedoch dadurch begrenzt, daß
zwischen den einzelnen Kränen ein Sicherheitsabstand
eingehalten werden muß. Somit hängt die Liegezeit eines
Schiffes unmittelbar von der Umschlagsgeschwindigkeit
jedes einzelnen Kaikranes ab.
Jeder Kran kann in dem ihm zugeordneten Schiffsabschnitt
entweder be- oder entladen. Er wird manuell von
einem Bediener gefahren. Das Hebegeschirr, das
üblicherweise als Container-Tragegeschirr, auch als
Spreader bezeichnet, ausgebildet ist, muß bei jeder
Kranfahrt in der Höhe verfahren werden, um eine
Kollision zwischen dem Kranhaken bzw. der an diesem
hängenden Last und dem Schiff oder den auf dem Schiff
befindlichen Containern zu vermeiden. Bei dieser Kranfahrt
wird die Laufkatze quer über einen Bereich des
Kais und über das Schiff verfahren, um einen Container
vom Land auf das Schiff zu befördern oder um einen
Container vom Schiff aufzunehmen und anschließend auf
dem Land bzw. einem bereitstehenden Transportfahrzeug
abzusetzen.
Ein üblicher Kranzyklus sieht während des Entladevorganges
etwa wie folgt aus:
- Verfahren der Krankatze vom Kai über das Schiff,
- Absenken des Spreaders, der über Seilzüge an der
Katze hängt, bis zum Container,
- Aufnahme des Containers mittels Spreaders,
- Verriegeln des Containers im Spreader,
- Anheben des Containers über das Schiffsdeck,
- Verfahren der Katze bis auf die Höhe des Kais,
- Absenken des Containers auf den Boden oder einen bereitstehenden
LKW,
- Lösen der Verriegelung des Containers im Spreader,
- erneute Kranfahrt.
Der für das Be- oder Entladen eines Containers benötigte
Zeitaufwand hängt in erheblichem Maße von der
Erfahrung und dem Geschick des Kranführers ab. Da insbesondere
die tatsächliche Höhendifferenz zwischen der
Unterkante der Last und der Oberkante des von den
übrigen im Schiff befindlichen Containern gebildeten
Beladungsprofils aus der Position des Kranführers nur
schwer zu erkennen ist, wird die Last in der Regel
höher angehoben, als es zur Einhaltung der vorgeschriebenen
Sicherheitsabstände notwendig wäre. Hierdurch
verlängern sich diejenigen Phasen der Kranbewegung,
in denen die Last nur gehoben oder gesenkt wird.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren anzugeben,
durch das die Be- und Entladezeiten von Containern wesentlich
verkürzt werden können. Weiterhin ist es Aufgabe
der Erfindung, eine Vorrichtung zur Durchführung
eines derartigen Verfahrens bereitzustellen.
Die Erfindung löst die erste Aufgabe durch ein Verfahren
der eingangs genannten Art, bei dem mittels
einer an der Laufkatze angeordneten Meßeinrichtung die
unter dieser befindliche Kai- und Schiffsoberflächenkontur
sowie die Containerbeladung des Schiffes in drei
Koordinatenrichtungen (X, Y, Z) vermessen wird, die
Meßwerte in einer Rechnereinheit gespeichert werden und
aus den Meßwerten Ausgangsdaten für die Steuerung des
Laufkatzenweges und der Kranhakenlänge generiert
werden. Vorteilhafte Weiterbildungen des Verfahrens
nach der Erfindung sind in den Ansprüchen 2 bis 9
angegeben.
Das erfindungsgemäße Verfahren bietet den Vorteil, daß
es zugleich auch Störungen des Lade- oder Löschvorganges,
die durch Schiffsbewegungen aufgrund eines sich
verändernden Wasserstands oder Beladezustandes des
Schiffes hervorgerufen werden könnten, zuverlässig ausschließt.
Auch ein Durchhängen des Kranauslegers aufgrund
einer am Haken hängenden Last kann keine Störung
dieses Vorganges verursachen. Indem in vorteilhafter
Weiterbildung des Verfahrens nach der Erfindung zusätzlich
Konturmessungen zur Erfassung des Profils des zu
befördernden Ladegutes vorgesehen sind, ist dieses Verfahren
in gleicher Weise auch für das Be- und Entladen
anderer quaderförmiger oder geometrisch regelmäßig geformter
Gegenstände hervorragend geeignet.
Die Lösung der weiteren Aufgabe erfolgt durch eine Vorrichtung
mit den kennzeichnenden Merkmalen des Patentanspruchs
10. Bei dieser erfindungsgemäßen Vorrichtung
werden für die Durchführung des Verfahrens nach der Erfindung,
das den geometrischen Ladezustand und/oder das
Ladeprofil erfaßt, an sich bekannte Einzelkomponenten
wie ein Laserentfernungsmesser, ein Laserscanner, ein
Weggeber und eine Rechnereinheit eingesetzt. Diese generieren
Profildaten, die für eine automatische Bewegungssteuerung
der Last und des Lastaufnahmemittels benutzt
werden. Der Entfernungsmesser ist in vorteilhafter
Weise vorn und zum Schiff hin ausgerichtet an
der Laufkatze angebracht, seine Meßrichtung weist senkrecht
nach unten, d.h. in Z-Richtung . Der Laserscanner
ist am gleichen Ort angebracht, seine Meßrichtung, die
der X-Y-Ebene entspricht, verläuft quer zur Bewegungsrichtung
der Laufkatze auf dem Kranausleger, der Y-Richtung.
Bei der bevorzugten Ausführungsform der Erfindung
wird die Breite der Beladungskontur über etwa
zwei Containerlängen hin vermessen. Der Weggeber
schließlich erfaßt die aktuelle Position der Katze in
bezug auf die Y-Richtung. Dieses Signal kann gegebenenfalls
auch aus einer vorhandenen Kransteuerung
abgeleitet werden, ebenso wie das Gewicht der jeweils
am Haken hängenden Last.
Gemäß der bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens wird bei jeder Kranfahrt mittels der
Meßeinrichtung ein Höhenprofil unterhalb des Fahrweges
aufgenommen, einschließlich aller Einzelheiten des
Schiffes und seiner Containerbeladung. Damit wird zugleich
der freie Raum über dem Schiff erfaßt und es
kann der für die Rückfahrt und die nächste Hinfahrt der
Katze optimale, d.h. kürzeste, Verfahrweg errechnet
werden. Indem bei jeder Kranfahrt gemessen wird, werden
Störgrößen wie Wasserstands- oder Beladezustandsänderungen,
die sich auf die Lage des Schiffes
auswirken, zuverlässig eliminiert. Dabei erfolgt die
Messung unterhalb der Laufkatze mittels der Sensoren in
drei zueinander senkrechten Koordinatenrichtungen: Der
Laserentfernungsmesser mißt in Z-Richtung die Höhe über
dem Boden bzw. dem Schiff. Der Laserscanner mißt die
Entfernung in der X-Z-Ebene und den zugehörigen Winkel.
Schließlich liefert der Weggeber für die Y-Richtung den
Verfahrweg der Laufkatze auf dem Kranausleger.
Zusätzlich kann mittels eines Lastgewichtgebers der
Einfluß einer etwaigen Durchbiegung des Kranausleger,
verursacht durch eine am Kranhaken befindliche Last,
als Korrekturgröße erfaßt und von der Kransteuerung bei
der Höheneinstellung des Kranhakens berücksichtigt
werden.
Durch die Kombination eines Laserentfernungsmessers und
eines Laserscanners für die Messung in X-Z-Ebene ist es
möglich, sowohl Profilflanken mit hoher Genauigkeit zu
detektieren als auch Hindernisse zu erkennen. Der
Laserscanner sendet dabei einen gepulsten Laserstrahl
aus, der über einen Drehspiegel abgelenkt wird und die
Umgebung fächerförmig abtastet. Der Strahl wird bei
Auftreffen auf ein Objekt reflektiert und im Empfänger
des Scanners registriert. Der gemessene Zeitunterschied
zwischen dem Aussenden und Empfangen eines Strahls ist
der Entfernung zwischen Sender und Objekt proportional.
Der aktuelle Drehwinkel des Spiegels ist ein Maß für
die Winkellage des Objektes, das sich im Blickfeld des
Scanners befindet. Damit werden das Ladeprofil und die
Oberkante des Querschnitts von Schiff und Beladung vermessen
und erfaßt, zugleich werden Störgrößen wie die
Hakenlast und der Wasserstand mit erfaßt, so daß auch
diese Informationen für das automatische Be- und Entladen
mit verwendet werden können.
Die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren erzielbaren
Vorteile bestehen nicht nur in einer erheblichen Zeit- und
Kostenersparnis durch verkürzte Verfahrzeiten für
den Kranhaken zwischen Schiff und Kai, sie bieten vielmehr
zugleich eine deutliche Erhöhung der Sicherheit
gegen Kollisionen, da der Ablauf der Be- und Entladung
laufend überwacht wird. Der Kranbediener wird auf diese
Weise von ermüdender, gleichförmiger Arbeit entlastet
und kann sich voll auf seine Überwachungsaufgaben
konzentrieren.
Nachfolgend soll die Erfindung anhand eines in der
Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispieles näher erläutert
werden. Es zeigen:
- Fig. 1:
- eine Prinzipdarstellung einer Gesamtanordnung,
bestehend aus einem Kran und einem
von diesem zu beladenden Schiff,
- Fig. 2:
- eine Prinzipdarstellung einer Profilsensoranordnung,
- Fig. 3:
- eine Prinzipdarstellung der Wirkungsweise
eines Laserscanners und
- Fig. 4:
- eine Verfahrkurve eines Verladekrans.
Bei der in Fig. 1 gezeigten Anordnung ist ein zu be- oder
entladendes Schiff 1 an einem Kai 2 zusammen mit
einem Kran 3 im Querschnitt dargestellt. Eine Laufkatze
4 des Kranes 3 ist mit einem Hakengeschirr 5 versehen,
an dem ein zu befördernder Container 6 hängt. Die mit
einer Führerkabine ausgestattete Laufkatze 4 ist längs
eines in etwa horizontal angeordneten Auslegers 7 des
Kranes 3 derart gehaltert, daß sie in Y-Richtung über
das Schiff 1 hinweg verfahren werden kann. Im Inneren
des Schiffes 1 befinden sich weitere Container 8. Mit
in diese Figur eingezeichnet sind die Richtungen der
Koordinaten Y, dem Verfahrweg der Laufkatze 4, und Z,
dem vertikalen Abstand zwischen dem Kranausleger 7 und
dem darunter befindlichen Objekt. Schließlich ist in
dieser Figur noch eine vor der Laufkatze 4 angeordnete
Meßanordnung 9 angedeutet, die im einzelnen anhand von
Fig. 2 erläutert wird.
Die Meßanordnung 9 besteht aus einem Entfernungsmesser
10 sowie einem Laserscanner 11. Beide Sensoren 10 und
11 sind in Richtung auf das Schiff 1 vor der Laufkatze
4 unterhalb des Kranauslegers 7 angeordnet, ihre Meßstrahlen
erfassen, wie in Fig. 2 angedeutet, die Höhenkontur
senkrecht unterhalb dieser Sensoren 10 und 11
und damit die Ladungshöhe der Container 8 auf dem
Schiff 1 bzw. auch auf dem Kai 2. Beide Sensoren 10 und
11 sind mit einer Rechnereinheit 12 verbunden, an die,
wie in der Figur angedeutet, zusätzlich ein an der
Laufkatze 4 befindlicher Weggeber 13 angeschlossen ist,
der die aktuelle Position der Laufkatze 4 registriert.
Diese Information kann aber gegebenenfalls auch aus
einer vorhandenen Kransteuerung abgeleitet und als Meßgröße
für die Krankoordinate Y an die Rechnereinheit 12
übergeben werden.
Fig. 3 zeigt die prinzipielle Anordnung der Sensoren 10
und 11, hier der Einfachheit halber als eine Baueinheit
dargestellt, über dem Schiff 1 sowie den Containern 8.
Die Höhe in Z-Richtung wird vom Entfernungsmesser 10
mit einem durch eine stark gestrichelte Linie angedeuteten
Meßstrahl erfaßt. Die Meßebene des Laserscanners
11, dargestellt durch mehrere dünne gestrichelte
Linien, verläuft in der X-Z-Ebene der
Krankoordinaten. Damit wird die Längenausdehnung der
Container 8 in X-Richtung, d.h. quer zur Laufkatzenbewegung,
erfaßt. Zugleich wird damit auch vermieden, daß
eine Falschmessung, etwa dadurch bedingt, daß der
Sensor 10 eine Lücke zwischen zwei Containerreihen erfaßt,
zu einer Funktionsstörung der Anordnung führt.
Während jeder Kranfahrt mißt der Entfernungssensor 10
die Entfernung senkrecht nach unten in Richtung der
Krankoordinate Z und übergibt den Meßwert an die
Rechnereinheit 12. Zugleich mißt der Laserscanner 11
mit seinem Meßstrahl Entfernung und Winkel in der X-Z-Ebene,
die senkrecht zur Krankoordinate Y verläuft, wobei
der Meßstrahl eine Breite von etwa zwei Containern
8 in X-Richtung überstreicht. Auch der Laserscanner 11
übergibt seine Meßwerte an die Rechnereinheit 12. Als
weitere Eingangsgröße werden Wegdaten, entweder mittels
eines an einer Laufkatze 4 befindlichen Weggebers 13
oder aus der vorhandenen Kransteuerung erfaßt und als
Meßgröße für die Krankoordinate Y an die Rechnereinheit
12 übergeben.
Die Rechnereinheit 12 berechnet nunmehr die für die
Kransteuerung erforderlichen Profildaten und gibt diese
als Ausgangsgrößen aus. Diese Profildaten enthalten die
verknüpften Meßdaten der Sensoren 10, 11 und 13 und
dienen zur Ansteuerung von Laufkatze 4 und Haken 5 in
bezug auf die Krankoordinaten Y und Z. Wie abschließend
in Fig. 4 gezeigt ist, kann ein am Hakengeschirr 5
hängender Container 6 zwischen einem Aufnahmepunkt 14
am Kai 2 und einem Abgabepunkt 15 auf dem Schiff 1 bzw.
auf einem anderen Container 8 auf verschiedenen Bahnkurven
16 oder 17 befördert werden, wobei das Hakengeschirr
5 samt der daran hängenden Last 6 in der Höhe,
d.h. in Z-Richtung sowie seitlich, d.h. in Y-Richtung,
mittels der Laufkatze 4 und der Kransteuerung für das
Hakengeschirr 5 bewegt wird. Bei einem herkömmlichen
Beladevorgang, bei dem kein Vermessung der Konturen von
Schiff und Ladung erfolgt, müßte vom Kranhaken eine
kollisionssichere Bahn, angedeutet durch die ausgezogene
Kurve 16, durchlaufen werden, die erheblich
länger wäre als die mit vorangehender Konturvermessung
mögliche Bahnkurve 17, die in dieser Figur gestrichelt
dargestellt ist. Diese optimierte Bahnkurve ist erheblich
kürzer und ermöglicht dadurch eine wesentliche
Zeitersparnis bei jedem einzelnen Fördervorgang eines
Containers. Daraus ergibt sich in der Summe eine wesentlich
kürzere Liegezeit für das zu be- und/oder entladende
Schiff.