Vorrichtung zur Analyse des Abgases von Kraftfahrzeugen
1 Einleitung
Die Abgase von Personen- und Nutzfahrzeugen verursachen vielfältige Umweltbelastungen. Durch die Einführung von Grenzwertvorschriften für die Begrenzung der Abgasemissioneπ wurden und werden die Hersteller von Kraftfahrzeugen gezwungen, die Emissionen des einzelnen Fahrzeugs, z.B. durch Werterentwicklung von Motor und Abgassystem, zu reduzieren.
Eine Verschlechterung des Abgasverhaltens über die Lebensdauer des Fahrzeuges, die sich hauptsächlich durch eine graduelle Emissionserhöhung durch Alterung, z.T. aber auch durch fehlerhafte Komponenten im Antriebs- und Abgasminderungssystem, ergibt, kann der Grund sein, daß diese Grenzwertvorschriften nicht eingehalten werden.
Üblicherweise wird durch regelmäßige Abgasuntersuchungen versucht, einen dem Ursprungszustand vergleichbaren Emissionsstand zu gewährleisten. Nachteilig daran ist, das ein Defekt erst zur nächsten Abgasuntersuchung erkannt wird und bis dahin hohe Emissionen ausgestoßen werden.
In den ersten Sekunden des Kraftfahrzeugbetriebes, wenn der Katalysator seine Betriebstemperatur noch nicht erreicht hat, ist die Schadstoffminderung des Abgases durch den Katalysator noch sehr niedrig. Da der Motor in der Kaltstartphase etwa 70% seiner gesamten Emissionen produziert, wäre jedoch eine optimale Schadstoffminderung gerade in dieser Phase, die eine derzeitige Abgasuntersuchung überhaupt nicht erfassen kann, wünschenswert.
2 Stand der Technik
Ein neuer Ansatz für die Verringerung des Schadstoffausstoßes ist die „On-Board- Diagnose" (OBD). Darunter versteht man ein System zur Emissionskontrolle durch Überwachung der Funktionstüchtigkeit der einzelnen, abgasrelevanten Bauteile eines Personen- oder Nutzfahrzeuges durch Sensoren. In den USA gibt es schon iänger eine erste Form der OBD für Pkw (OBD I-Gesetz), das ab dem Modelljahr 1995 schrittweise durch das weitergehende OBD Il-Gesetz abgelöst wird. Während die OBD I nur die
Kontrolle der Funktionstüchtigkeit der Komponenten, die mit der elektronischen Motorsteuerung in Verbindung stehen, vorsieht, verlangt die OBD II die Überwachung aller emissionsreievanten Bauteile. Ausdrücklich gefordert wird die Überwachung von Katalysator, Lambda-Sonde, Kraftstoffsystem, Sekundärluftsystem, Abgasrückführung, Tankentlüftung und die Erkennung von Verbrennungsaussetzem. Bei Feststeilung des Ausfalls bzw. der Fehlfunktion einer Komponente wird eine Signallampe am Armaturenbrett eingeschattet und ein Fehlercode gespeichert. Die festgestellte Fehlfunktion soll möglichst genau lokalisiert, beschrieben und die Information gespeichert werden, so daß sie von der Reparaturwerkstatt über eine normierte Schnittstelle für eine schnelle Identifikation und Reparatur des Fehlers ausgelesen werden kann.
Einen weitergehenden Ansatz stellt die Anwendung eines „OrvBoard-Measurement" (OBM) vor. Systeme zur direkten Analyse der Emission von Kraftfahrzeugen sind in vielfältiger Weise bekannt. Nur exemplarisch wird auf die deutschen Offenlegungsschriften 32 32416, 33 39 073, 36 08 122, 37 16 350, 39 32 838, 40 05 803, 41 24 116, 42 35 225, 43 07 190, die DE 43 19 282 C1, die US-Patentschriften 4 803 052 und 5 281 817, sowie auf die weiteren Anmeldungen GB 2264 170 A, EP 0 196 993 A2 und WO 94/09266 verwiesen. Auf diese Druckschriften wird im übrigen zur Erläuterung aller hier nicht im einzelnen beschriebenen Details ausdrücklich Bezug genommen.
Die Anmeldungen IV und 121 befassen sich im engeren Sinne mit benachbarten Themengebieten und werden aus diesem Grunde ausführlicher behandelt. So beschreibt das Patent IM eine infrarote Meßvorrichtung, die den Betriebszustand des Katalysators in der Form überwacht, daß sie seitlich in den Katalysator hineinschaut und durch eine
Öffnung die im Katalysator herrschende Gasatmosphäre bestimmt. In 121 wird eine schnell zu taktende Meßvorrichtung dargestellt, die durch Hintereinanderschatten mehrerer infraroter Küvetten eine zeitliche Auflösung von 0,1-0,2 s ermöglicht. Beide Quellen geben keine Hinweise für die kontinuierliche Messung des Schadstoffausstoßes hinter dem Katalysator im Auspuffsystem.
Aus den Literaturquetten ist zu entnehmen, daß momentan kein Meßsystem in der Lage ist, die tatsächliche Emission in der Kaitstartphase und im Betrieb ständig zu erfassen, um alle Abweichungen aufzuzeichnen und Fehler zu signalisieren.
3 Beschreibung des Patentgegenstandes
Zukünftige Fahrzeuge werden zur Abgasanaiyse ein integriertes OBM-System besitzen. Dabei werden bestimmte Anteile des Abgases analysiert. Durch Vergleich von momentanen Konzentrationsveriäufen mit gespeicherten Soll-Kennlinien kann auf einen Fehler im Verbrennungssystem geschlossen werden. Eine Warnung wird dann ausgelöst, wenn ein für den jeweiligen Autotyp gespeicherter und als .gut* gefundener Verlauf lang anhaltend, wiederholt und eindeutig überschritten wird. -Langanhaltend" bedeutet eine größere Zeit lang, .wiederholt" bedeutet, daß die Überschreitung nicht einmal, sondern mehrmals auftritt, und .eindeutig" bedeutet, daß die Konzentration die vorgegebene
Fensterbreite des Toleranzbandes verlassen hat. Diese Kriterien dienen der Absicherung der Analyse und sorgen dafür, daß keine Falschmeldung abgegeben wird.
Fig.1 zeigt exemplarisch, wie die Schadstoffkonzentration durch Fehler im Verbrennungssystem, hier Zündaussetzer (1 ), beeinflußt wird.
Die Messung der Abgase wird durch die schwankenden Bedingungen im Kraftfahrzeug erschwert. Zum einen muß ein Meßsystem die allgemeinen, für ein Kraftfahrzeug gültigen Toleranzgrenzen und Anforderungen einhalten und andererseits sind gerade die Abgaseigenschaften Druck, Feuchte, Temperatur und Durchfluß starken Schwankungen unterworfen, die die Konzentrationsmessung beeinflussen. Bei der Lösung dieser Aufgabe benötigt man besonders robuste, mikrosystemtechnische Bauteile sowohl für die Abgasaufbereitung als auch für die Messung der Abgaskomponenten.
Eine Vorrichtung zur Analyse des Abgases von Kraftfahrzeugen ist aus der DE 19605 053 A1 bekannt. Bei dieser Vorrichtung treten jedoch, wie auch bei den in den weiteren Druckschriften beschriebenen Meßgeräten, in der geforderten Anwendung Probleme auf. Wegen der in einem Kraftfahrzeug auftretenden Erschütterungen muß das Meßsystem sehr stabil gebaut und darüber hinaus unempfindlich gegenüber Ruß-, Staub- und Aerosoiablagerungen sein. Dennoch muß eine hohe Auflösung erreicht werden, da die Konzentrationen der zu messenden Bestandteile des Abgases, wie Kohlenmonoxid (CO), Kohlenwasserstoffe (HC) und Stickoxide (NO), gerade bei katalysatorbestückten Otto- Motor-Kraftfahrzeugen, sehr niedrig sind.
Bei der voriiegenden Erfindung eines OBM-Systems wird als Methode der Abgasanaiyse das Verfahren der infraroten Gasabsorption verwendet. Die Erfindung geht von dem
Grundgedanken aus, daß zur Erzieiung der notwendigen Auflösung eine große optische Weglänge erforderlich ist. Die Küvette kann in einem Kraftfahrzeug dann untergebracht werden, wenn sie in die Konstruktion des Kraftfahrzeuges integriert wird.
4 Technischer Aufbau des Me&systems
Den prinzipiellen Einbau des OBM-Systems in ein Kraftfahrzeug sowie die wichtigsten Komponenten des Verbrennungssystems zeigt Fig.2. Der Motor (2) als Verbrennungskraftmaschine produziert Abgas, im Katalysator (3) erfolgt die Umwandlung von Schadstoffen in minder giftige Substanzen. Die Entnahmestelle (4), die
Abgasaufbereitung (5), die Anaiysevorrichtung (6), die Auspuffanlage (7) sowie die Datenleitung (8) zur Verbindung der Anzeigeeinheit (9) mit der Anaiysevorrichtung (6) bilden das OBM-System im Kraftfahrzeug.
Die Entnahme des Abgases aus dem Auspuff des Kraftfahrzeuges erfolgt hinter dem Katalysator, da nur so eine Aussage über den Zustand des gesamten Verbrennungssystems und des Katalysators gemacht werden kann.
Die Abgasaufbereitung ist als Gaslaufplan in Fig.3 dargestellt. Das Abgas wird mit einem auswechselbaren Abgasfilter (11) von Ruß und Partikeln gesäubert. Ein Magnetventil (12) dient der Umschaltung zwischen Abgas und Kalibriergas (s. Kap.7). Die Meßgaspumpe (13) befördert das zu messende Gas durch den Druckminderer (14) und einen Durchflußmesser (15) in die Anaiysevorrichtung (6).
Die Abgasanaiyse erfolgt nach dem Prinzip der infraroten Gasabsorption in der Analysevorrichtung (Küvette). Diese besteht aus einer Infrarotquelle (transparenter Kolben), deren Strahlung durch eine Meßstrecke (Küvette) auf einen Meßkopf trifft. Die Küvette kann dabei aus einem geraden, hochreflektierenden Rohr oder aus mehreren Rohren mit Spiegeiköpfen, die die Strahlung reflektieren, bestehen. Im Meßkopf sind zwei pyroelektrische Meßfühler untergebracht, die mit verschiedenen optischen Filtern bestückt sind und ein meßgasabhängiges und ein Referenz-Signal erzeugen. Die Bildung des Quotienten dieser Signale verringert die Störeinflüsse (Te p., Druck, Verschmutzung, Alterung) auf das Meßsignal. Die Verwendung des pyroelektrischen Prinzips erfordert eine getaktete Strahiungsquelie. Ein elektrischer Takt auf die Strahlungsquelle vermeidet anfällige mechanische Komponenten (Chopper). Die Robustheit des Meßsystems wird dadurch erhöht, daß die Küvette (Meßstrecke) aus Edelstahl besteht Sollte die
Vorrichtung verschmutzen oder Teile davon ausfallen, ist es von Vorteil, daß die Vorrichtung modular aufgebaut ist und einzelne Komponenten, z.B. der Filter, einfach ausgetauscht werden können.
5 Nachrüstbausatz zur Abgasanaiyse in älteren Kraftfahrzeugen
Bei älteren Kraftfahrzeugen, in denen noch kein OBD- oder OBM-System vom Hersteller direkt ins Kraftfahrzeug eingebaut ist, kann die Funktionstüchtigkeit von Motor und Abgasnachbehandlung nicht außerhalb der Abgasuntersuchung nicht überprüft werden. Deshalb sollte eine Möglichkeit zum Nachrüsten vorhanden sein.
Nachteilig beim Nachrüsten von OBD sind die vielen Meßwertaufnehmer, für die kein Platz und keine Anschlüsse in der Elektronik vorgesehen sind. Deshalb ist der Einbau eines On-Board-Meßsystems günstiger.
In Figur 4 ist ein solches modulares OBM-Nachrüstsystem abgebildet. Die Abgasentnahme erfolgt mit einer Entnahmesonde (16), die am Auspuffende befestigt wird. Das Gas wird in einer Abgasaufbereitung (17) gereinigt, getrocknet und weiter in die Anaiysevorrichtung (6) gepumpt. Die Aπzeigeeiπheit (9) am Armaturenbrett zeigt dann Informationen über den Zustand und Betrieb des OBM-Systems an.
Die Unterbringung des Nachrüstbausatzes im Kraftfahrzeug wird in Fig.5 dargestellt. Dabei wird die Entnahmesonde (16) am Auspuffende befestigt. Die Anaiysevorrichtung (6) und die Gasaufbereitung (17) können im Kofferraum untergebracht werden. Die Anzeigeeinheit (9) kann ans Lüftungsgitter gehängt oder anderweitig am Armaturenbrett befestigt werden.
6 Kattstartmessung und Adsorptionsfalle
In der Kaltstartphase werden 70 % der gesamten Emissionen des Motors abgegeben, s. Fig.6. Mit dem On-Board-Meßsystem werden auch diese Emissionen gemessen. Anhand dieser Werte kann eine HC-Adsorptionsfalte (10, s. F'ιg.2) zum Auffangen der Kaltstartemissionen in den Abgasweg geschaltet werden. Durch die Abgasmessung erhält man die Möglichkeit, die Adsorptionsfalle zu den optimalen Zeitpunkten in den Abgasweg zu schalten bzw. die Desorption einzuleiten. Die Desorption der
zurückgehaltenen Kohtenwasserstoffteilchen erfolgt dann, wenn der Katalysator eine Temperatur erreicht hat, bei der eine zufriedenstellende Konvertierung gesichert ist.
Da das Kaltstart-Meßsystem nur einen geringen Energiebedarf hat, kann es bereits vor der Kaltstartphase in Betrieb genommen werden. Die Steuerung kann z.B. durch einen Sitzbeiegungssensor oder einen Sensor am Zündschloß erfolgen, durch den auch die HC-Adsorptionsfalle (10) in den Abgasweg geschaltet werden kann.
7 Nullinienkalibrierung
Das Meßprinzip der infraroten Gasabsαrption ist hinlänglich bekannt. Die Probleme, die dieses Meßprinzip unter wechselnden Umwettbedingungen hat, wurden bereits in Punkt 3 beschrieben. Die Korrektur der Messung durch verschiedene Verfahren wird nachfolgend beschrieben.
Häufigstes Problem ist die Verschiebung des Nullpunktes, das heißt, daß bei der Messung von unbelastetem Gas der ermittelte Meßwert nicht Null ist. Lösung dieses Problems ist eine häufige Kalibrierung des Systems mit Umgebungsluft nach folgender Methode:
Das Magnetventil (12) in der Abgasaufbereitung (5,17) wird nach einer vorher bestimmten Zeit oder Aufgrund gemessener äußerer Einflüsse automatisch umgeschaltet, so daß Außenluft in die Anaiysevorrichtung (6) gelangt, in der Außenluft sind die Konzentrationen an CO, HC und NO so gering, daß man sie mit genügender Genauigkeit als Nullgas betrachten kann. Durch einen mathematischen Abgleich wird die Nuilinie korrigiert. Dadurch ergibt sich, daß neben der Nuilinie im allgemeinen auch die Empfindlichkeiten wieder ihren richtigen Wert erreichen und somit das System wieder reproduzierbare Werte anzeigt. Fig. 7 zeigt die Wirkung dieser Nullinienkorrektur. Man sieht die durch Temperaturdrift verschobene Nuilinie (18) sowie die nach der Kalibrierung wieder korrekte Meßkurve (19). Dieser Vorgang mit einer Unterbrechung der Aufzeichnung der Emission hat keinen nennenswerten Einfluß auf die Aussagefähigkeit der Messung, die sowieso nicht die absolute Kontinuität der Beobachtungen, sondern die Erkennung von Fehlem im Abgassystem zum Ziel hat.
8 Einstellung der Empfindlichkeit der Me&stgnale mit Hilfe der C02- Konzentration der Au&enluft
Das unter Punkt 7 beschriebene Verfahren zur Nullinienkalibrierung hat den Vorteil, daß eine ständige Empfindlichkeitsjustierung entfallen kann, da sich bei diesem Verfahren die richtigen Korrekturen auch für den Empfindlichkeitspunkt (und damit alle anderen) ergeben. Trotzdem ist auch eine Kontrolle der Empfindlichkeit nach folgendem Verfahren möglich: Der C02 -Gehalt der Atmosphäre hat weltweit einen mittleren Wert von 350 ppm (in sauberer Luft, außerhalb von Städten). Diesen Tatbestand kann man für die
Empfindlichkeitskontrolle nutzen, da diese Konzentration gut zu den Meßbereichen der sonst zu erfassenden Bestandteile im Abgasstrom paßt. CO, HC vor allem aber NO haben zwar schwächere Absorptionsbanden als C02, dafür aber höhere Spitzenwerte in der Konzentration. Nach der Lambert-Beerschen Gleichung kann deshalb die gleiche Küvettenlänge, praktisch die gleiche Küvette, benutzt werden. Wenn der
Abgasanaiysevorrichtung (6) nun unbelastete Außenluft zugeführt wird, muß, nachdem die oben beschriebene Nuilpunkteinstellung durchgeführt wurde, das System die mittlere COr-Konzentration anzeigen. Man kann dann mit genügender Sicherheit davon ausgehen, daß auch für die anderen Meßkanäle der Empfindlichkeitspunkt stimmt.
Nachteilig an der oben beschriebenen Methode ist, daß die örtliche CO2 -Konzentration durch äußere Einflüsse stark schwankt. Besonders in Ballungszentren ist, bedingt durch den Straßenverkehr, die Cθ2-Koπzentration sehr hoch. Fig.8 zeigt die Kohlendioxidkonzentration in der Außeniuft während einer Meßfahrt. Nach der Justierung des Nullpunktes durch synthetische Luft (20) erfolgte die Fahrt durch eine kleine
Gemeinde (21) mit einer relativ gleichmäßigen COr-Konzentration. Die Fahrt durch eine größere Stadt (22) mit Kreuzungen und Ampeln zeigt hohe, stark schwankende CO2- Konzentrationen. Die Messung in einem ruhigen Innenhof (23) schließlich kommt der natürlichen COr-Konzentration nahe.
9 Einstellung der Empfindlichkeit durch die Cθ2-Konzentration im Abgas
Als möglicher Ausweg aus der unter Punkt 8 beschriebenen Schwierigkeit, die sich aus der Schwankung der natürlichen COr Konzentration ergibt, empfiehlt sich die Beobachtung der COr-Konzentration im Abgasstrom des Kraftfahrzeuges. Dieser Wert ist durch den Verbrennungsvorgang relativ stabil, so daß diese Konzentration als
Vergleichswert zur Einstellung der Empfindlichkeit der einzelnen Meßkanäle benutzt werden kann. Durch die hohe Konzentration von CO2 (12 Vol%) im Abgas muß allerdings die Anordnung des Cθ2-Strahlenganges in der Meßküvette anders erfolgen als für die anderen Schadgase. Grundsätzlich muß der optische Weg für die COr-Messung wesentlich kürzer sein als für die Schadgase CO, NO und HC.
10 Korrektur der durch Temperaturschwankungen bedingten Verschiebungen der Nuilinie von Me&signaien durch ein softwaretechnisches Filter
Normalerweise erfolgt die Ermittlung eines Meßwertes durch die Bildung des Quotienten aus dem Signal für die Schadstoffkomponente (Meßsignal) und dem Referenzsignal.
Die Signalverläufe von Meßsignal und Referenzsignal weisen eine große Ähnlichkeit auf. Deshalb kann man das Quotientenverfahren insofern modifizieren, daß man einen gewissen Toleranzbereich um den Signalverlauf festlegt und innerhalb dieses Bereichs den Quotienten zu „eins" setzt. Damit erhält man einen Bereich für die Null-Konzentration, und nur wenn dieser Toleranzbereich verlassen wird, wird eine Konzentration entsprechend den Werten des dann bestimmten echten Quotienten angezeigt. Hinweis: Das Korrespondieren der Konzentration „Null" mit dem Quotienten „Eins" ist nicht zwingend notwendig, erzielt im allgemeinen aber das beste Meßergebnis.
11 Kompensation der Temperaturdrift durch Betrachtung der Dynamik der Signa fverläufe
Da in Kraftfahrzeugen erfahrungsgemäß extrem dynamische Bedingungen (zeitlich schnelle Veränderung im System, verglichen mit der Taktzeit des Strahlers) herrschen, kann man die echten, d.h. vom Abgas erzeugten, Meßsignale gut von den langsamer schwingenden, temperaturbedingten Schwankungen unterscheiden. Zur Korrektur muß man die erste Ableitung des Konzentrationsverlaufs nach der Zeit bilden. Die erste Ableitung erfaßt nur echte Sprungfunktionen, die z.B. beim Gasgeben im Kraftfahrzeug entstehen. In Fig.9 ist ein konkreter Meßwertverlauf dargestellt Von dem Original- Meßsignal der Schadstoffkomponente HC (24) wurde die erste Ableitung (25) gebildet. Deutlich zu sehen ist, daß die durch Temperatureinflüsse hervorgerufenen Meßsignalschwankungen (26) in der Ableitung (25) gegen Null gehen.
Hat man die Stellen der Sprungfunktionen aus der ersten Ableitung nach der Zeit gefunden, so kann man die Punkte mit Sprungeigenschaften eindeutig erkennen. Tritt ein solcher echter Sprung auf, d.h. hebt sich ein Meßwert eindeutig aus dem vorher definierten Toleranzband mit einer zugelassenen Breite aus der Differentialkurve hervor, so muß von diesem Punkt an die echte Konzentrationskurve zur Auswertung herangezogen werden. Beim Zurückkehren der ersten Ableitung auf den Nullpunkt wird die Nuilinie wieder ais eine unveränderte, stabile Linie aus dem softwaretechnischen Filter ausgegeben. Man hat also während der Fahrt entweder eine absolute Nuilinie, ohne Schwankungen, weil keine Sprungfunktionen aufgetreten sind und die temperaturbedingten Schwankungen vernachlässigt werden, oder beim Auftreten von echten, dynamischen Sprungfunktionen, z.B. beim Gasgeben, Gangwechseln, Bremsen, etc. werden nach der ersten Ableitung die Originalmeßsignale betrachtet, die aus dem Konzentrationsveriauf gewonnen werden.
12 Einstellung der Original-Signalgrößen in den Kanälen des IR Gasanalysators
Eine weitere Korrekturmethode besteht in der Nachstellung der Signalhöhen durch eine elektronisch einstellbare Verstärkungsregelung.
Da die Referenzbande bei der infraroten Gasabsorption so ausgelegt wird, daß bei ihrer Bande grundsätzlich keine Absorption erfolgt, müßte das Meßsignal des Referenzkanals des Infrarotdetektors immer die ursprüngliche Größe besitzen. Durch Temperatureinflüsse und Alterung schwankt aber dieses Signai im Kraftfahrzeug doch beachtlich.
Um die temperaturbedingten Schwankungen der Signale zu kompensieren, besteht die Möglichkeit, das Referenzsignal durch die systemeigene Meß-Steuer-Regel-Einrichtung ständig zu beobachten. Wenn das Referenzsignal um einen vorher definierten Wert vom ursprünglich eingestellten Wert der Erstkalibrierung abweicht, werden alle Signale durch eine elektronisch einsteilbare Verstärkungsregelung auf die ursprüngliche Signaihöhe gebracht. Fig.10 zeigt den Originatveriauf des Referenzsignals (27), den durch Alterung oder Temperaturdrift geschwächten Verlauf (28) sowie den durch die elektronisch einstellbare Verstärkung korrigierten Signalverlauf (29). Durch diese Maßnahme bleibt der volle Bereich der Signaldynamik erhatten.
Verzeichnis der Figuren
Fig.1 : Schadstoffkonzentrationsverlauf bei einem Zündaussetzer
1 Zündaussetzer
Fig.2: Prinzipieller Einbau des OBM-Systems im Kraftfahrzeug
2 Motor
3 Katalysator
4 Entnahmestelle
5 Abgasaufbereitung
6 Analysevorrichtung
7 Auspuffanlage
8 Datenleitung
9 Anzeigeeinheit
10 HC-Adsorptionsfalle
Fig.3: Gasiaufplan der Abgasaufbereitung
11 Abgasfüter
12 Magnetventil
13 Meßgaspumpe
14 Druckminderer
15 Durchflußmesser
Fig.4: Prinzipieller Aufbau des Nachrüstbausatzes
16 Entnahmesonde
17 Abgasaufbereitung
Fig.5: Unterbringung des Nachrüstbausatzes im Kofferraum
Fig.6: Kattstartmessung
Fig.7: Nullinienkorrektur 1 1
8 durch Temperaturdrift verschobene Nuilinie
19 korrigierte Meßkurve
Fig.8: Kohlendioxidkonzentration in der Außenluft
20 Justierung durch synthetische Luft
21 Fahrt durch kleinere Gemeinde
22 Fahrt durch größere Stadt
23 Messung im ruhigen tnnenhof
Fig.9: Ableitung als Korrekturfunktion
24 Original-Meßsignal
25 erste Ableitung
26 temperaturbedingte Meßsignaischwankung
Fig.10: Korrektur der Signalhöhen
27 Originaiveriauf des Referenzsignals
28 durch Alterung geschwächter Verlauf
29 korrigierter Signaiveriauf
Literatur , 2
IM United States Patent System for monitoring exhaust gas composition. Patent number. 5,475,223. Date of Patent Dec, 12, 1995
121 Offenlegungsschrift DE 196 05 053 A1 : On-Board-Diagnose-/OBD/-Verfahren und
Vorrichtung im Mikromaßstab zur kontinuieriichen Messung des Schadstoffaustrages aus Kraftfahrzeugen