Verfahren zur automatisierten, erythrozvtenseitigen Blutgruppen-Bestimmung
Technisches Gebiet:
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur automatisierten erythrozvtenseitigen Blutgruppen-Bestimmung gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Stand der Technik:
Unter Blutgruppen im engeren Sinne versteht man alle genetisch determinierten
Erythrozyteneigenschaften, die durch das Vorhandensein spezifischer Antigene (Blutgruppensubstanzen) an der Erythrozytenmembran charakterisiert und mit serologischen Labormethoden nachweisbar sind. Die Blutgruppenbestimmung hat wesentliche Bedeutung bei der Transfusionsbehandlung zur Vermeidung und Klärung von Transfusionszwischenfällen, bei Transplantationen, in der Schwan- gerenvorsorge, in der Gerichtsmedizin u.v.m... Das am längsten bekannte und bei der Blutgruppenbestimmung standardmäßig verwendete Blutgruppensystem ist das ABO-System mit den Blutgruppen (Phänotypen) A, B, AB und 0. Die Blutgruppe einer Probe wird durch Nachweis der Blutgruppensubstanzen durch spezifische Antigen-Antikörper-Reaktionen bei Zufuhr eines die jeweiligen Antikörper enthaltenden Serums, hier als Blutgruppenserum bezeichnet, bestimmt.
Die durch spezifische Antikörper ausgelöste Reaktion der an die Erythrozytenmembran gebundenen Blutgruppensubstanzen mit den zugeführten Antikörpern äußert sich in einem Vernetzen und Verklumpen der Erythrozyten, was makroskopisch sichtbar gemacht werden kann und als Hämagglutination bezeichnet wird. Durch Analyse der Hämagglutinationsreaktion einer Erythro- zytenprobe mit verschiedenen Antiseren kann das Muster der in der Erythrozy- tenprobe vorhandenen Antigene und damit schließlich die Blutgruppe bestimmt werden. Zur Sicherheit der Blutgruppenbestimmung wird weiterhin eine Serum- gegenprobe vorgenommen, bei welcher im Blutserum derselben Probe enthaltene Antikörper durch spezifische Reaktionen nachgewiesen werden.
Die Hämagglutination kann auf verschiedene Weise sichtbar gemacht werden. Ein bisher bekanntes Verfahren zur Blutgruppenbestimmung verwendet Rundboden-Mikrotiterplatten, wobei in die Vertiefungen der Platte eine Serie von verschiedenen Antiseren, insbesondere Anti-A, Anti-B, Anti-D und Rhesus- kontrollserum zur Bestimmung der Blutgruppe im ABO-System, einpipettiert und mit den zu testenden Erythrozyten in verdünnter Form versetzt wird. Nach
einer Inkubationszeit wird die Platte anzentrifugiert und anschließend vorsichtig aufgeschüttelt. Bei einer positiven Antigen-Antikörper-Reaktion haben sich die Erythrozyten zu einem Klumpen agglutiniert, der sich durch den Zentrifugier- schritt in der Mitte der Vertiefung ansammelt und durch das Aufschütteln möglichst nicht zerstört wird. Eine positive Reaktion ist demnach als eine punkt- oder knopfförmige Erythrozytenansammlung in der Mitte einer Vertiefung optisch zu detektieren. Demgegenüber besteht bei einer negativen Antigen- Antikörper-Reaktion, d.h. nicht erfolgter Agglutination, keine Verbindung zwischen den Erythrozyten. Die nach dem Zentrifugierschritt in der Vertiefungsmitte angesammelten Erythrozyten veteilen sich demnach durch das Aufschütteln über einen Großteil des U-förmigen Vertiefungsbodens. Eine negative Reaktion ist somit durch einen flächigen, über den Boden der Vertiefung ausgedehnten Erythrozytenfleck optisch detektierbar.
Dieses Verfahren ist jedoch nicht bzw. nur höchst aufwendig automatisierbar. Zum einen ist ein Zentrifugier- und ein Aufschüttelungsschritt notwendig und technisch sehr aufwendig zu realisieren. Zum anderen hängt die Zuverlässigkeit der Detektion einer positiven Reaktion von der Stärke der Antikörper-Antigen- Bindung ab: Bei schwachen Bindungen kann der agglutinierte Erythrozyten- klumpen durch äußere Störungen, insbesondere durch das Aufschütteln, wieder getrennt und somit fälschlich als negative Reaktion diagnostiziert werden. Das Verfahren liefert keine Eindeutigkeit. Aus diesem Grunde ist wegen des eventuell fehlenden klaren Sedimentationsbildes auch die automatische Unterscheidung zwischen positiver und negativer Reaktion, z.B. mittels automatischer photometrischer Auswertung, praktisch nicht möglich, sondern muß von einer erfahrenen Bedienperson vorgenommen oder zumindest visuell überprüft werden und ist deshalb sehr zeitaufwendig.
Ein solches Verfahren mit zusätzlicher Erwärmung, Waschen und zweimaligem Zentrifugieren ist zum Beispiel aus der Literaturstelle Parker J.L., Maroux D.A., Hafleigh E.B., Germet F.C.: Modified microtiter tray method for blood typing, Transfusion (Philadelphia) 1978, 18(4), 417-22 [Verweis hierauf in: 15-Immuno- chemistry, Vol. 89, 1879, Page 425] bekannt geworden.
Ein weiteres Verfahren verwendet zur Detektion von Antikörper- Antigen- Reaktionen speziell präparierte Mikrotiterplatten, bei denen in den V-Boden der einzelnen Vertiefungen eine treppenförmige Struktur eingefräst ist. Die Breite der einzelnen Treppen liegt in der Größenordnung von einigen Mikrometern. In
den Vertiefungen der Platte werden in bekannter Weise Antiseren mit Erythrozyten- und Blutserumsproben zur Reaktion gebracht und nach einer Inkubationszeit ausgewertet. Findet in einer Vertiefung keine Antikörper- Antigen-Reaktion statt, so sammeln sich die Erythrozyten in der Mitte der V- förmigen Vertiefung und sind als punkt- oder knopffόrmiges Sediment detektierbar. Bei positiver Reaktion vernetzen jedoch die Erythrozyten und bilden ein flächig agglutiniertes Gebilde, das durch die treppenförmige Struktur gehalten wird. Dieselbe Reaktion in einer V-Boden-Mikrotiterplatte ohne Treppenstruktur würde zu einem Erythrozytenklumpen in der Vertiefungsmitte führen und wäre somit nicht von einer negativen Reaktion unterscheidbar. In diesem Fall ist eine positive Reaktion aufgrund der treppenförmigen Struktur jedoch als flächiger, über den Boden der Vertiefung ausgedehnter "Teppich" aus agglutinierten Erythrozyten optisch detektierbar.
Dieses Verfahren ist als klassische Sedimentationsmethode, bei welcher keine zusätzlichen mechanischen Eingriffe notwendig sind, automatisierbar; auch die Auswertung ist aufgrund klarer Sedimentationsbilder, die gegenüber mechanischen Störungen relativ stabil sind, automatisiert photometrisch oder mit einer Videokamera möglich. Problematisch ist hingegen der hohe Aufwand zur Herstellung der betreffenden Mikrotiterplatten durch Einfräsen der Treppenstruktur. Deshalb liegen die Preise der Mikrotiterplatten so hoch, daß eine einmalige Verwendung wirtschaftlich nicht tragbar ist. Zum Mehrwegbetrieb hingegen sind aufwendige Reinigungs- und Sterilisationsschritte der Platten notwendig, um keine verfälschten Ergebnisse zu erhalten. Weiterhin ist die Lebensdauer der Mikrotiterplatten erfahrungsgemäß auf etwa 60 Einsätze begrenzt.
Die Verwendung von Rinderalbumin beim Antikörpernachweis ist an sich bekannt. Das Serum eines jeden Blutspenders wird vor jeder Spende mit Test- erythrozyten in einem Dreistufentest auf das Vorliegen von Antikörpern unter- sucht. In der ersten Stufe, der Kochsalzphase, wird eine 5%ige Testerythro- zytensuspension mit Serum des Blutspenders vermengt und zentrifugiert. Verklumpen die Erythrozyten, enthält das Serum komplette Antikörper vom IgM-Typ. In der zweiten Stufe, der Supplementphase, wird das Serum-Test- erythrozytengemisch mit Supplement versetzt. Supplement ist der Oberbegriff für eiweißhaltige Lösungen wie AB-Serum und Rinderalbumin sowie makromolekulare Lösungen wie Dextran, Gelatine und Lösungen niedriger Ionenstärke (R. Eckstein: Immunhämatologie und Transfusionsmedizin, Gustav Fischer Verlag 1993, Seiten 10-11).
Aus der Firmendruckschrift: DADE IgM Anti-D (MS-201), 09.96, der Firma DADE Diagnostika GmbH, München, ist die Verwendung einer Verdünnungslösung von 4,5-6,5 Gew/Vol.% Rinderalbumin und 0,1 Gew/Vol.% Natriumazid als Konservierungsmittel in Zusammenhang mit dem Einsatz von D-Antigen (RH1) bekannt geworden. Das monoklonale D-Antigen ist gentechnischer Herkunft, die polyklonalen D-Antigene sind humanen oder tierischen Ursprungs und werden aus dem Serum gewonnen. Die Verdünnungslösung wird hier als Reagenz verwendet, jedoch gelangen vorbehandelte Mikrotiterplatten zum Einsatz. Ebenso sind ein Waschschritt, ein Zentrifugierschritt und ein Aufschüt- telungsschritt notwendig.
Durch die DE 195 49 049 ist eine Testplatte für einen Agglutinationstest mit einer Vielzahl von darin ausgebildeten Vertiefungen bekannt geworden, die jede an einer Oberfläche anhaftendes Protein A und/oder Protein G aufweisen; diese sind aber nur in der Lage, IggAntikörper nachzuweisen. Durch die EP 0 408 280 A2 ist eine Testplatte aus Polycarbonat mit V-förmigen Vertiefungen, die am tiefsten Punkt gerundet sind, bekannt geworden, welche für mehrere Erhitzungszyklen ausgelegt ist, weshalb die Testplatte bis 125Grad Celsius hitzebeständig ist.
Durch die Literaturstelle J.H. Spindler, M.Kerowgan, H.Eichler, S.F.Goldmann: Photometric Evaluation of the Solid-Phase Antiglobulin Test Using Length Measurement of the Absorption Curve, Vox Sang 1998; 74, 36-41 ist ein photometrisches Auswerteverfahren über die Vermessung der Kurvenlänge des Sedimentationsbildes in Mikrotiterplatten vorgeschlagen worden.
Technische Aufgabe:
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur erythrozvtenseitigen Blutgruppen-Bestimmung anzugeben, welches sowohl in der Präparation als auch in der Auswertung der Proben einfach und kostengünstig automatisierbar, sowohl semi- wie auch vollautomatisierbar, ist und welches die Verwendung von Einweg-Mikrotiterplatten erlaubt.
Offenbarung der Erfindung und deren Vorteile: Die Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zur erythrozvtenseitigen Blutgruppen-Bestimmung gemäß Anspruch 1 durch die Verwendung von Spitzboden- Mikrotiterplatten; Einpipettieren eines vorbestimmten Volumens eines oder mehrerer mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnter Blutgruppenseren in
jeweils eine Vertiefung der Mikrotiterplatte, wobei die Verdünnungsverhältnisse des Serums bzw. der Seren jeweils in bekannter Weise durch Vortitrierung ermittelt wurden; Hinzufügen eines vorbestimmten Volumens mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnter Erythrozyten des zu typisierenden Bluts zu den jeweiligen Reagenzien; Inkubation von wenigstens 30 Minuten bei Temperaturen von etwa 15Grad Celsius bis 35Grad Celsius; optische Auswertung des Sedimentationsbildes zur Erfassung einer Erythrozyten- agglutination durch Antigen-Antikörper-Reaktion, ob in einer Vertiefung der Mikrotiterplatte eine Antikörper-Antigen-Reaktion stattgefunden hat, wobei die Schritte 1.1. bis 1.5. automatisch unter Verwendung eines Pipettierautomaten mittels eines Steuerungsprogramms zur Steuerung des Automaten durchgeführt werden, wobei die optische Auswertung des Schrittes 1.5. auf photometrischem Weg oder videogesteuert vorgenommen wird.
Zur automatischen optisch- photometrischen Auswertung wird die Absorption des in der Vertiefung der Mikrotiterplatte enthaltenen Erythrozyten-Reagenz- Gemischs entlang einer vorbestimmten Linie gemessen und aufgezeichnet und das so ermittelte örtliche Absorptionsprofil ausgewertet. Dazu wird für eine feste Profilbreite die Profillänge ermittelt und eine positive bzw. negative Reaktion diagnostiziert, wenn die Profillänge unterhalb bzw. oberhalb eines vorbestimmbaren Wertes liegt.
Zur Blutgruppenbestimmung im ABO-System wird ein vorbestimmtes Volumen einer oder mehrerer Reagenzien mit sämtlichen Antigen-Eigenschaften der Erytrozyten in jeweils eine Vertiefung der Mikrotiterplatte einpipettiert, wobei die Verdünnungsverhältnisse der Seren jeweils in bekannter Weise durch Vortitrierung ermittelt wurden und als Seren monoklonale oder pol klonale Antikörper-Seren verwendet werden, vorzugsweise monoklonale Antikörper-Seren. Als Seren werden monoklonale oder polyklonale Antikörper-Seren verwendet.
Vorzugsweise wird zur Blutgruppenbestimmung im ABO-System ein vorbestimmtes Volumen eines oder mehrerer der folgenden Reagenzien in jeweils eine Vertiefung der Mikrotiterplatte einpipettiert: a) Mit physiologischer Kochsalzlösung verdünntes Anti-A-Serum, b) mit physiologischer Kochsalzlösung verdünntes Anti-B-Serum, c) mit physiologischer Kochsalzlösung verdünntes Anti-D-Serum, d) mit physiologischer Kochsalzlösung verdünntes Rhesuskontroll-Serum,
wobei die Verdünnungsverhältnisse der Seren jeweils in bekannter Weise durch Vortitrierung ermittelt wurden und der Lösung jeweils Albumin derart zugesetzt wird, daß die Albumin-Konzentration 0,05 mg/ml bis 2,2 g/ml beträgt und bei Raumtemperatur von ca. 18 bis 28 Grad Celsius gearbeitet wird und wobei als Seren monoklonale oder polyklonale Antikörper-Seren verwendet werden.
Vorteilhaft werden handelsübliche und damit kostengünstige Einweg-Spitzboden- Mikrotiterplatten verwendet. Bei dem Verfahren handelt es sich um ein klassisches Sedimentationsverfahren ohne eine Zentrifugationsphase oder ein Auf- schütteln der Proben und ohne den Einsatz eines (37Grad C-) Inkubators. Insbesondere ist das Verfahren hinsichtlich der Präparation und Auswertung der Proben automatisierbar, insbesondere kann es mit Pipettierautomaten bekannter Bauart durchgeführt werden. Dabei kann das Verfahren entweder semiautomatisch oder vollautomatisch durchgeführt werden, wobei unter semiautoma- tisch ein Verfahren verstanden wird, bei dem die Mikrotiterplatte bei irgend einem Schritt von Hand bewegt wird. Unter Vollautomatisation wird die automatische Pipettierung, die mechanischen Bewegungen bzw. Manipulationen der Platten, das Zeitmanagement sowie die automatische Auswertung verstanden.
In bekannter Weise werden handelsübliche Antiseren/Blutgruppenseren zur Detektion der einzelnen Blutgruppensubstanzen und damit zur Bestimmung der Blutgruppe durch Auswertung der Reaktionen einer Probe mit einer Serie von Antiseren herangezogen. In einer Ausprägung der Erfindung wird zur Bestimmung der Blutgruppe im ABO-System eines oder eine Kombination der folgenden Blutgruppenseren verwendet: Anti-A-, Anti-B-, Anti-D- und Rhesuskontroll- Serum. Es liegt jedoch auf der Hand, daß beliebige andere Blutgruppenseren ebenso zur Bestimmung weiterer Blutgruppenmerkmale im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens herangezogen werden können, z.B. Ag, C, c, E, e, K.
Die handelsüblichen Antiseren werden mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnt, wobei die zum Erhalt einer zuverlässigen Reaktion optimalen Verdünnungsverhältnisse wegen möglicher Konzentrations- und/oder Wirksamkeitsschwankungen zwischen Seren verschiedener Hersteller oder zwischen verschiedenen Chargen jeweils in bekannter Weise durch Vortitrierung, z.B. mittels einer geometrischen Verdünnungsserie, ermittelt wurden.
Erfindungsgemäß ist den verdünnten Blutgruppenseren jeweils Albumin, vorzugsweise Bovines Albumin, derart zugesetzt ist, daß die Albumin-
Konzentration des somit entstandenen Reagenzes jeweils 0,05 mg/ml bis 2,2 g/ml beträgt. In einer vorteilhaften Ausführung der Erfindung beträgt die Albumin- Konzentration für alle Reagenzien 0,1 mg/ml bis 1,0 g/ml, in einer weiteren Ausführung 0,2 mg/ml bis 1,0 mg/ml. Zuverlässige Reaktionsergebnisse wurden weiterhin mit einer Albumin-Konzentration von 0,3 mg/ml bis 0,4 mg/ml für alle Reagenzien erzielt. Allerdings lassen sich die Reaktionen auch ohne Zusetzen von Albumin aufgrund der Verwendung von monoklonalen Antikörper-Seren erzielen.
Die obengenannte Vortitrierung zur Ermittlung der optimalen Verdün- nungsverhältnisse wird ebenfalls unter Zusatz von Albumin in der bei der Blutgruppenbestimmung verwendeten Konzentration durchgeführt. Zur Konservierung wird den Reagenzien vorzugsweis Natrium-Acid oder ein anderes Konservierungsmittel in einer Konzentration von 0,01 bis 0,02 mg/ml, vorzugsweise 0,016 bis 0,02 mg/ml, in der Gesamtlösung zugefügt.
Mittels eines Pipettierautomaten, der programmgesteuert ist, wird ein vorbestimmtes Volumen, in der Regel 25 μl, eines oder mehrerer der zuvor angesetzten Reagenzien in jeweils eine V-förmige Vertiefung der Mikrotiterplatte einpipettiert. Zur vollständigen Zuordnung einer Blutprobe zu einer Blutgruppe des ABO-Systems mit Rhesusfaktoren sind erythrozytenseitig die vier genannten Seren, Anti-A-, Anti-B-, Anti-D- und Rhesuskontroll-Serum, ausreichend. Sollen weitere Blutgruppenmerkmale bestimmt werden, müssen je zu untersuchender Erythrozytenprobe weitere Vertiefungen der Mikrotiterplatte mit dem entsprechenden Reagenz befüllt werden. Auf einer Mikrotiterplatte können je nach Anzahl der zu bestimmenden Blutgruppenmerkmalen die Blutgruppen einer Mehrzahl von Proben typisiert werden. Bei der automatischen Pipettierung wird der Pipettierautomat in einfacher Weise mittels eines Steuerprogramms, vorzugsweise softwaremäßig, entsprechend programmiert.
Zu dem in eine V-förmige Vertiefung pipettierten Reagenz wird jeweils ein vorbestimmtes Volumen, in der Regel ebenfalls 25 μl, einer mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnten Erythrozytensuspension hinzugefügt. Das Verdünnungsverhältnis der Erythrozytensuspension beträgt etwa 1: 60 bis 1: 120, vorzugsweise 1: 81. Jede Blutprobe wird mit jedem der verwendeten Seren in einer Vertiefung der Mikrotiterplatte zusammengeführt. Im Falle einer automatischen Pipettierung kann der Pipettierautomat in einfacher Weise entsprechend programmiert werden.
Die je nach Anzahl zu typisierende Blutproben und Anzahl zu bestimmender Blutgruppenmerkmale ganz oder teilweise befüllte Mikrotiterplatte wird bei Temperaturen von etwa 15 °C bis 30 °C für etwa 50 bis 70 Minuten, vorzugsweise 60 Minuten, inkubiert. Dabei agglutinieren die Erythrozyten bei einer positiven Antikörper-Antigen-Reaktion und bilden einen schon mit bloßen Auge sichtbaren "Rasen" bzw. "Teppich", der den Spitzboden der Vertiefungen der Mikrotiterplatte flächig weitgehend bedeckt. Diese Rasenbildung wird bevorzugt durch das Zufügen von Albumin erzielt und ist nach der Inkubation gegenüber mechanischen Störungen und auch über mehrere Stunden, ggfs. sogar Tage, weitgehend stabil, wobei Reaktionen auch ohne Zusetzung von Albumin erhältlich sind. Bei einer negativen Antikörper-Antigen-Reaktion sedimentieren die Erythrozyten in der Mitte der Vertiefung am tiefsten Punkt des Bodens und sind als Erythrozytenklumpen optisch detektierbar. Negative und positive Reaktionen sind bei Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens aufgrund einer deutlichen punktfόrmigen bzw. flächigen Sedimentation stets klar unterscheidbar. Bei einer Inkubationszeit von etwa 60 Minuten bei Zimmertemperatur wurden zuverlässige Ergebnisse beobachtet.
An die Inkubationsphase direkt anschließend oder auch einige Stunden bis sogar Tage später erfolgt die, vorzugsweise ebenfalls automatische, optische Auswertung der Sedimentationsbilder zur Erfassung einer Erythrozytenagglutination durch Antigen-Antikörper-Reaktion. Die optische Auswertung kann manuell, d.h. schon nach Augenmaß, durch eine Bedienperson erfolgen, die wegen der erzielbaren klaren Sedimentationsbilder nicht gesondert geschult sein muß. Erfindungsgemäß werden die Mikrotiterplatten automatisch ausgewertet, wobei die Platten mittels eines Greifroboters in den Photometer eingeführt und herausgenommen werden. Eine automatische Auswertung, z.B. photometrisch oder durch Auswertung von Bildern einer Videokamera, ist wegen der durch die Erfindung erzielbaren klaren Sedimentationsbilder zuverlässig möglich. Dies führt zu erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen sowie zu erhöhter Verwechslungssicherheit der Proben.
Eine hinsichtlich der automatischen Auswertung der Sedimentationsbilder zur Analyse, ob in einer Vertiefung der Mikrotiterplatte eine Antikörper- An tigen- Reaktion stattgefunden hat, besonders vorteilhafte Weiterbildung des Verfahrens ist die Auswertung der Sedimentationsbilder mittels eines Photometers. Dabei wird die Absorption oder Transmission des in einer Vertiefung enthaltenen Erythrozyten-Reagenz-Gemischs entlang einer vorbe-
stimmten Linie gemessen und aufgezeichnet. Diese Linie verläuft vorzugsweise durch den Mittelpunkt der Vertiefung und reicht von einem Rand der Vertiefung bis zum nächsten.
Vorzugsweise wird die Auswertung nach der Kurvenlängenmethode vorgenommen. Dabei wird für eine feste Profilbreite, d.h. für ein vorbestimmtes Intervall Δx, die Länge L des Profils bzw. ein Maß dafür ermittelt, z.B. durch Summation der Abstände aller oder einzelner Punkte des gemessenen Profils im zweidimensionalen Datenraum. Eine positive bzw. negative Reaktion wird diagnostiziert, wenn die Profillänge L der Absorptionskurve unterhalb bzw. oberhalb eines vorbestimmbaren Wertes liegt. Falls die Transmission gemessen wurde, sind die Verhältnisse umgekehrt. Denn bei einer positiven Reaktion ist über den Großteil der Breite der Vertiefung eine erhöhte Absorption bzw. verminderte Transmission zu beobachten. Dies führt zu einem flachen Profil mit verkürzter Kurvenlänge. Bei einer negativen Reaktion konzentriert sich das absorbierende Material auf einen engen räumlichen Bereich, was zu einem stark ausgeprägten Absorptionsmaximum bzw. Transmissionsminimum und damit zu einer verlängerten Kurvenlänge führt.
Die erfindungsgemäße Wirkung der "Rasenbildung" im Falle einer positiven Antigen-Antikörper-Reaktion kann anstelle von Albumin auch mit Ovalbumin, Thyreoglobulin, Fibrinogen, Gewebsantigenen oder eine Mischung dieser Substanzen einschließlich Albumin erzielt werden.
In besonderen Anwendungsfällen können den Blutgruppenseren auch eines oder beide der Enzyme Bromelin oder Papain, zum Beispiel in einem Verhältnis von 0,05V% bis 2V%, zugesetzt werden, wodurch für schwache Antigene noch eine Reaktion erzielt werden kann.
Durch das erfindungsgemäße Verfahren lassen sich in vorteilhafter Weise handelsübliche Einmal-Mikrotiterplatten zur erythrozvtenseitigen Blutgruppenbestimmung in einem einfachen klassischen Sedimentationsverfahren einsetzen. Die Sedimentationsbilder lassen eine eindeutige Unterscheidung zwischen positiven und negativen Reaktionen zu. Das Verfahren ist in einfacher Weise automatisiert, insbesondere unter Einsatz eines Pipettierautomaten und einer automatisierten optischen Auswertung der Sedimentationsbilder mit mechanisiertem Handling der Platten und einem Zeitmanagement sowie
Softwareprogramm. Dadurch wird ein hoher Probendurchsatz bei minimalen Materialkosten und erhöhter Verwechslungssicherheit erzielt.
Im folgenden ist ein Beispiel für die erfindungsgemäßen Mischungsverhältnisse zur Bestimmung von Blutgruppen im ABO-System und die Durchführung des Verfahrens beschrieben: a) 500 μl handelsübliches Anti-A-Serum wird mit 32 ml physiologischer Kochsalzlösung verdünnt, entsprechend einer Verdünnung von 1:65. Der Lösung wird 50 μl 10%ige Natrium-Acid-Lösung und 50 μl 22%iges Rinderalbumin zugefügt. Dies entspricht einer Albumin-Konzentration von 0,337 mg/ml bzw. einer Albumin- Verdünnung von 1:652. b) 2 ml handelsübliches Anti-B-Serum wird mit 30 ml physiologischer Kochsalzlösung verdünnt, entsprechend einer Verdünnung von 1:16. Der Lösung wird ebenfalls 50 μl 10%ige Natrium-Acid-Lösung und 50 μl 22%iges Rinderalbumin zugefügt. Dies entspricht einer Albumin-Konzentration von 0,343 mg/ml bzw. einer Albumin-Verdünnung von 1:642. c) Anti-D-Serum und Rhesus-Kontrollserum wird wie im Fall b) angesetzt und verdünnt. Schon dieses Herstellen der Mischungsverhältnisse der Blutgruppenseren kann automatisch durchgeführt werden.
Mittels eines Pipettierroboters werden je 25 μl der unter a), b) und c) genannten Reagenzien zur Anti-A-, Anti-B-, Anti-D-Bestimmung und Rhesuskontrolle in die Vertiefungen einer V-Boden-Mikrotiterplatte einpipettiert. Anschließend werden je 25 μl der zu untersuchenden Spender-Erythrozyten, die im Verhältnis 1:81 mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnt sind, mittels des Pipettierroboters zugefügt. Nach cirka einer Stunde Sedimentation, Inkubation bei Raumtemperatur, werden die Reaktionen photometrisch ausgewertet. Bei einer positiven Reaktion hat über die spezifischen Antikörper eine Vernetzung der Erythrozyten stattgefunden. Es bildet sich ein kompletter Rasen über die gesamte Bodenfläche. Die Rasen- und Knopfbildung wird durch Albumin gefördert und stabilisiert. Bei einer negativen Reaktion sind die Erythrozyten in der Spitze des V-Bodens sedimentiert. Zur Auswertung der Reaktionen eignet sich besonders die Kurvenlängen-Methode.
Statt Spitzboden-Mikrotiterplatten können auch solche Platten zum Einsatz gelangen, deren Boden mit kleinem Radius leicht gerundet ist.
Kurzbeschreibung der Zeichnung, in der zeigen:
Figur 1 die Aufsicht auf eine Spitzboden-Mikrotiterplatte
Figur 2a und 2b im Querschnitt eine Vertiefung einer Mikrotiterplatte mit V- förmigen Boden sowie einer negativen bzw. einer positiven
Antigen-Antikörper-Reaktion Figur 3 eine Agglutinationsmessung einer Kavität mit positivem
Ergebnis und Figur 4 eine Agglutinationsmessung einer anderen Kavität mit negativem Ergebnis.
Bevorzugte Ausführungsform der Erfindung:
Figur 1 zeigt die Aufsicht auf eine Spitzboden-Mikrotiterplatte 1 mit 96 Vertiefungen 2, die in 12 Reihen 1 bis 12 zu je 8 Stück A bis H angeordnet sind. In die Felder 1A und 1E ist Anti-A-Serum, in die Felder 1B und 1F Anti-B-Serum, in die Felder IC und IG Anti-D-Serum und in die Felder 1D und 1H Rhesus- Kontrollserum der oben beschriebenen Zusammensetzung und Menge pipettiert. In die Felder 1A bis 1D wurde Erythrozytensuspension einer ersten Blutprobe, in die Felder 1E bis 1H einer zweitem Blutprobe zugefügt.
Nach einer Inkubationszeit von etwa einer Stunde ergibt sich das in Figur 1 dargestellte Bild. In den Feldern 1A, 1B, IC, 1E und IG hat sich aufgrund einer positiven Antigen-Antikörper-Reaktion ein "Rasen" ausgebildet, der die schräge Bodenfläche praktisch vollständig bedeckt. In den übrigen Feldern sind die Erythrozyten in der Mitte der Vertiefung sedimentiert und sind als "Knopf sichtbar.
Für die erste Probe (Felder 1A bis 1D) ergibt sich folgendes Ergebnis: Anti-A positiv, Anti-B positiv, Anti-D positiv, Rhesuskontrolle negativ, d.h. die Blutgruppe wurde zu "AB positiv" bestimmt. Für die zweite Probe (Felder 1E bis 1H) ergibt sich folgendes Ergebnis: Anti-A positiv, Anti-B negativ, Anti-D positiv, Rhesuskontrolle negativ, d.h. die Blutgruppe wurde zu "A positiv" bestimmt.
Die Figuren 2a und 2b zeigen je eine Vertiefung 2 einer Mikrotiterplatte 1 mit V- förmigen, spitzen Boden 3 im Querschnitt. Weiterhin ist schematisch eine negative (Fig. 2a) bzw. eine positive (Fig. 2b) Antigen-Antikörper-Reaktion dargestellt. In Figur 2a sind die Erythrozyten aufgrund der Schwerkraft und aufgrund einer fehlenden Brückenbildung durch spezifische Antigen-Antikörper- Reaktion in die Mitte der Vertiefung gerutscht und bilden einen Knopf 4. In Figur
2b wurden die Erythrozyten aufgrund der spezifischen Antigen-Antikörper- Reaktion vernetzt und bilden einen Rasen 5, der die schräge Bodenfläche 3 bedeckt. Albumin kann dabei zur Stabilisierung der Vernetzung dienen.
Figur 3 zeigt eine Agglutinationsmessung einer Kavität, bei der die Punkte von 10-30 berücksichtigt worden sind. Als Ergebnis zeigt sich ein Rasen und somit ein positives Ergebnis. Es ergibt sich eine Kurvenlänge von Null. Figur 4 zeigt eine weitere Agglutionationsmessung wiederum unter Berücksichtigung der Punkte 10 bis 30. Das Ergebnis ist ein Knopf und somit negativ. Es ergibt sich rechnerisch eine Kurvenlänge von 3,06.
Statt Spitzboden-Mikrotiterplatten können auch solche Mikrotiterplatten verwendet werden, deren V-förmige Vertiefungen einen gerundeten Boden aufweist.
Gewerbliche Anwendbarkeit:
Das automatisierte Verfahren ist in allen Bereichen, in denen routinemäßig Blut untersucht und typisiert wird, gewerblich anwendbar, insbesondere bei den großen Blutspendediensten und in Krankenhäusern. Die Nützlichkeit des Sedimentationsverfahrens liegt darin, daß es ohne Zentrifugationsphase oder ohne Aufschütteln der Proben oder ohne 37GradC-Inkubator bei einem automatischen Ablauf erfolgt.