Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung, insbesondere eine elektronische Schaltung,
und ein Verfahren zur Unterdrückung von Störsignalen in einem Eingangssignal
gemäss den Oberbegriffen der unabhängigen Patentansprüche. Die Erfindung eignet
sich insbesondere zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit durch Unterdrückung
von Störlärm bei Hörhilfen bzw. Hörgeräten.
Seit geraumer Zeit ist es mit herkömmlichen Hörhilfen möglich, Hörbehinderte in
die Lage zu versetzen, in ruhiger Umgebung gesprochene Sprache wieder gut zu
verstehen. Schwierigkeiten entstehen jedoch, wenn die akustische Umgebung von
Störlärm erfüllt ist. Über das Nichtverstehen des Gesprochenen hinaus beklagen sich
Träger von Hörgeräten häufig, dass ihre Geräte in dieser Situation ein ihnen
unangenehm lautes Signal wiedergeben. Für die Hörsituation im Störlärm haben
verschiedene Hersteller deshalb in jüngster Zeit nebst dem Einsatz von
Richtmikrofonen auch Verfahren zur Unterdrückung des Störlärms in ihre neueren
Hörgeräte eingebaut.
Bekannt sind in diesem Zusammenhang z.B. die Geräte Senso von Widex,
Dänemark, und Prisma von Siemens, Deutschland. Beide Geräte zeichnen sich durch
eine Verarbeitung des akustischen Signals in mehreren, separaten Frequenzbändern
aus. In den einzelnen Teilbändern erfolgt eine Untersuchung nach dem
Vorhandensein von Störlärm, und je nach Ausmass des Anteils an Störlärm werden
die betroffenen Teilsignale vor dem erneuten Zusammenfügen zum Gesamtsignal
entsprechend mehr oder weniger stark abgeschwächt. Die Anzahl der
Frequenzbänder beschränkt sich in den genannten Geräten auf drei bzw. vier.
In einer gemeinsamen Anstrengung haben die Firmen Resound, U.S.A., und
Danavox, Dänemark, digitale Hörgeräte entwickelt, die sich durch eine Verarbeitung
des akustischen Signals in zeitlich aufeinanderfolgenden Segmenten mittels der
schnellen Fourier-Transformation auszeichnen. Die Unterdrückung von Störlärm
stützt sich bei diesen Geräten auf vierzehn Frequenzbänder, die sich nach Angabe der
Hersteller jedoch weit überlappen. Wegen der geringen Trennschärfe bei der
Verwendung von maximal bloss vier Frequenzbändern, bzw. wegen der weiten
Überlappung der vierzehn aus einer Fourier-Transformation errechneten
Frequenzbänder, gelten die bisher bekannten Verfahren zur Unterdrückung von
Störlärm im wesentlichen als Massnahmen, um den Ausgangsschall der Hörgeräte
bloss angenehmer zu machen. Sie leisten jedoch kaum einen Beitrag zur objektiven
Verbesserung der Sprachverständlichkeit. Als unerwünschte Nebenwirkung
verursacht die segmentweise Verarbeitung ausserdem eine Signalverzögerung von
über 10 ms.
Es ist Aufgabe der Erfindung, eine Vorrichtung und ein Verfahren zur
Störlärmunterdrückung anzugeben, welche die Sprachverständlichkeit objektiv
verbessern und ausserdem eine nur geringe Verzögerung (bspw. kleiner als 2 ms)
zwischen Eingangs- und Ausgangssignal aufweisen. Die Aufgabe wird gelöst durch
die erfindungsgemässe Schaltung und das erfindungsgemässe Verfahren, wie sie in
den unabhängigen Patentansprüchen definiert sind.
Den Ausgangspunkt für die Erfindung bildet das American National Standard
Dokument ANSI S3.5-1997, "Methods for the Calculation of the Speech
Intelligibility Index". Gemäss dieser Normschrift lässt sich für ausreichend definierte
Hörsituationen ein numerischer Indexwert S berechnen, der reelle Werte zwischen
null und eins annimmt. Er gibt Aufschluss darüber, welcher Anteil der in
gesprochener Sprache insgesamt enthaltenen Merkmale zur Sprachverständlichkeit in
der gegebenen Situation einem Zuhörer für den Verständnisprozess im Gehirn
zugänglich sind. Für die konkreten Ergebnisse eines Sprachtests sind weiter der
Schwierigkeitsgrad des Sprachmaterials wie auch die Sprachkompetenz des Zuhörers
von Bedeutung. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass sich das Testergebnis in
jedem Fall als monoton wachsende Funktion des Indexwertes S erweist.
Zur Berechnung des Indexwertes S stellt die Normschrift unterschiedliche Varianten
dar, die sich hauptsächlich in der Anzahl Frequenzbänder unterscheiden, in denen
Sprach- und Geräuschsignale analysiert werden. Das Minimum beträgt sechs Bänder
und das Maximum 21. In jeder Variante wird für jedes Frequenzband i eine Grösse
A
i für die Hörbarkeit (Audibility) ermittelt, und der Index ergibt sich als gewichtete
Summe
wobei I
i konstante, relative Bedeutungsgewichte (Importance) für die einzelnen
Teilbänder bezeichnen, d.h. die Summe aller dieser Gewichte beträgt eins.
Die Werte Ai für die Hörbarkeit ergeben sich ihrerseits als Produkte
Ai = Li · Ki,
wobei Li Verzerrungsgrössen (Level distortion) und Ki sogenannte temporäre
Variablen darstellen, in welche die Pegel des Sprach- und des Geräuschsignals
eingehen.
Die Verzerrungsgrössen Li berechnen sich gemäss
Li = 1 - (Ei - Ui - 10)/160 ,
wobei Ui die in der Normschrift definierten Pegel normaler Sprache bezeichnen,
während Ei für die Pegel des Sprachsignals in der untersuchten Hörsituation stehen.
Die temporären Variablen K; berechnen sich schliesslich gemäss
Ki = (Ei - Di +15)/30,
wobei Di die Pegel eines Störgeräusches bedeuten und die Variablen Ki in jedem Fall
auf Werte zwischen null und eins begrenzt werden. In ruhiger akustischer
Umgebung ergeben sich die Grössen Di als Pegel eines fiktiven Störgeräusches, das
im allgemeinen durch die Hörschwellenwerte Normalhörender bzw. im besonderen
Fall durch jene des individuellen Hörbehinderten bestimmt sind. In akustischer
Umgebung mit erheblichem Störlärm werden die Grössen Di jedoch durch den
externen Störlärm zusätzlich allfälliger Maskierungseffekte bestimmt, die ebenfalls
durch den Störlärm, jedoch durch dessen Anteile in Bändern tieferer Frequenzlage,
verursacht werden.
Aus den Formeln (1) bis (4) geht hervor, dass zwei Bedingungen zum Erreichen des
maximalen Indexwertes S = 1 notwendig sind. Erstens müssen die Pegel des
Sprachsignals in allen Frequenzbändern mindestens 15 dB über jenen des
Störgeräusches liegen. Und zweitens darf in keinem Band der Pegel des
Sprachsignals mehr als 10 dB über jenem normaler Sprache Ui gemäss der Definition
in der Normschrift liegen.
Während in ruhiger akustischer Umgebung die Sprachpegel in Formel (4) mittels
Verstärkung in einem Hörgerät über die Hörschwellenwerte Di eines Hörbehinderten
angehoben und damit die temporären Grössen Ki maximiert werden können, ist die
Situation im Störlärm weit weniger günstig. In diesem Falle hebt die Verstärkung die
Pegel des Sprachsignals und des Störlärms im gleichen Ausmasse an, und sobald
letztere die Hörschwellenwerte des Hörbehinderten übersteigen, sind sie für die
Grössen Di massgebend, und jeglicher weitere Zuwachs der temporären Variablen Ki
ist folglich unmöglich.
Zugleich liegen die Pegelwerte Ei unter diesen Umständen in der Regel wesentlich
über jenen normaler Sprache Ui. Damit sind aber die Voraussetzungen zur Erhöhung
des Indexwertes S auch im Störlärm gegeben, und zwar durch Reduktion der
Verstärkung, so lange die Verzerrungsgrössen Li sich dadurch dem idealen Wert 1
wieder nähern und gleichzeitig die temporären Variablen Ki konstant bleiben. Eine
weitere wünschenswerte Auswirkung ergibt sich zudem noch durch die Verringerung
von Maskierungseffekten, wenn der Störlärm wesentliche Anteile in tiefen
Frequenzlagen aufweist, was in der Praxis oft zutrifft.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung, insbesondere eine elektronische Schaltung, zur
Unterdrückung von Störsignalen in einem Eingangssignal beinhaltet Mittel zur
frequenzabhängigen Abschwächung von Signalkomponenten. Sie weist einen
Hauptsignalpfad mit Mitteln zur frequenzabhängigen Abschwächung von
Signalkomponenten im Eingangssignal auf, wobei ein Ausgangssignal dieser Mittel
zur frequenzabhängigen Abschwächung das Ausgangssignal der Schaltung ist.
Weiter weist sie einen parallel zum Hauptsignalpfad liegenden Signalanalysepfad mit
Mitteln zur periodischen Berechnung von frequenzabhängigen
Abschwächungsfaktoren aus dem Eingangssignal auf. Im Hauptsignalpfad wird also
weder eine Transformation in den Frequenzbereich noch eine Aufteilung in
Teilbandsignale vorgenommen; der Hauptsignalpfad weist vorzugsweise lediglich
ein Unterdückungsfilter auf. Der Signalanalysepfad ist derart mit dem
Hauptsignalpfad verbunden, dass die Abschwächungsfaktoren den Mitteln zur
frequenzabhängigen Abschwächung zur Verfügung stehen.
Das erfindungsgemässe Hörgerät beinhaltet die erfindungsgemässe Vorrichtung.
Beim erfindungsgemässen Verfahren zur Unterdrückung von Störsignalen in einem
Eingangssignal, werden Signalkomponenten frequenzabhängig abgeschwächt. Das
Eingangssignal wird in einen Hauptsignalpfad und in einen parallel zum
Hauptsignalpfad liegenden Signalanalysepfad aufgeteilt. Im Hauptsignalpfad wird
das Ausgangssignal der Schaltung erzeugt, indem Signalkomponenten
frequenzabhängig abgeschwächt werden; es wird dort also weder eine
Transformation in den Frequenzbereich noch eine Aufteilung in Teilbandsignale
vorgenommen Im Signalanalysepfad werden frequenzabhängige
Abschwächungsfaktoren aus dem Eingangssignal periodisch berechnet. Die
Abschwächungsfaktoren werden für die frequenzabhängige Abschwächung
verwendet.
Die Erfindung erlaubt eine Analyse des Eingangssignals in genügend vielen und
genügend scharf getrennten Frequenzbändern, ohne dabei eine ungebührliche
Signalverzögerung nach sich zu ziehen. Sie ermöglicht gleichzeitig eine effiziente
Implementation mit moderater Rechenleistung.
Anhand eines Ausführungsbeispiels werden im folgenden die erfindungsgemässe
Schaltung und das erfindungsgemässe Verfahren zur Unterdrückung von Störlärm
erklärt. Eine übersichtliche Darstellung des Ausführungsbeispiels ist in Fig. 1
gegeben. Darin bezeichnen die Bezugszeichen:
- 1a bis 1g
- Halbband-Transversalfilter,
- 2a bis 2h
- Einheiten zur Berechnung eines Leistungswertes in kurzen
Signalsegmenten,
- 3a bis 3h
- Einheiten zur Berechnung eines Abschwächungsfaktors,
- 4
- ein Unterdrückungs-Transversalfilter
- 5
- einen Hauptsignalpfad,
- 6
- einen Siganlanalysepfad,
- 7
- einen Signaleingang bzw. ein Eingangssignal und
- 8
- einen Signalausgang bzw. ein Ausgangssignal.
Das erfindungsgemässe Verfahren teilt das Eingangssignal an einem Eingang 7 in
einen Hauptsignalpfad 5 mit einem Unterdrückungs-Transversalfilter 4 und einen
dazu parallelen Signalanalysepfad 6 mit einem Block 1a-1g, 2a-2h, 3a-3h für die
Signalanalyse auf. Wie aus Fig. 1 ersichtlich ist, erfolgt die Signalanalyse im
Ausführungsbeispiel in acht verschiedenen Frequenzbändern. An den acht
Ausgängen der Einheiten 3a bis 3h stellt die Signalanalyse periodisch - im
Ausführungsbeispiel alle 32 ms - die für die verschiedenen Frequenzbänder
berechneten Werte der erforderlichen Verstärkungsreduktion zur Verfügung. Daraus
stellt das Transversalfilter 4 in der Folge jeweils die aktuelle, für die Unterdrückung
des Störlärms erforderliche Übertragungsfunktion zusammen.
Auf diese Weise wird die Signalverzögerung vom Eingang 7 der Verarbeitung bis zu
deren Ausgang 8 lediglich durch das Unterdrückungs-Transversalfilter 4 bestimmt.
Bei diesem Filter 4 handelt es sich im Ausführungsbeispiel um ein linearphasiges
Transversalfilter mit 48 Koeffizienten, das bei einer Abtastrate von 16 kHz eine
Verzögerung von 1.5 ms bewirkt. Selbstverständlich ergeben sich in der
Signalanalyse längere Verzögerungszeiten, die aber lediglich bewirken, dass die aus
der Analyse resultierenden Ergebnisse mit einer geringen Verspätung im
Verarbeitungspfad wirksam werden. Dieser Umstand ist für die beabsichtigte
Unterdrückung von zeitlich andauerndem Störlärm im allgemeinen jedoch
unbedeutend. Die einzige Ausnahme bildet der Beginn eines Sprachsignals nach
einer längeren Sprechpause im Störlärm. In diesem Fall müssen während der
Sprechpause erfolgte Verstärkungsreduktionen in den Frequenzbändern, in denen die
Sprachpegel dominieren, schnell zurückgenommen werden. Genau zu diesem Zweck
sind in den Einheiten 3a bis 3h besondere Vorkehrungen eingebaut, die an späterer
Stelle in dieser Beschreibung noch näher erläutert werden.
Die günstigen Voraussetzungen für eine effiziente Implementation des
erfindungsgemässen Verfahrens haben mit den sogenannten Halbband-Transversalfiltern
1a bis 1g und ihrer Anordnung zu tun. Ihrer Bezeichnung
entsprechend teilen diese Filter 1a bis 1g ihr Eingangssignal in zwei Teilsignale, von
denen das eine die untere Hälfte und das andere die obere Hälfte des Frequenzbandes
ihres Eingangssignals aufweist. Ein Halbband-Transversalfilter umfasst also
gewissermassen gleichzeitig ein Tiefpassfilter und ein Hochpassfilter.
Mit der im Ausführungsbeispiel vorgesehenen Abtastrate von 16 kHz gelten für die
verschiedenen Filter somit die in
Tabelle I aufgeführten Werte.
| Filter | 1a | 1b | 1c | 1d | 1e | 1f | 1g |
| Eingang [kHz] | 0 ... 8 | 0 ... 4 | 4 ... 8 | 0 ... 2 | 2 ... 4 | 0 ... 1 | 1 ... 2 |
| Ausgang 1 [kHz] | 0 ... 4 | 0 ... 2 | 4...6 | 0 ... 1 | 2 ... 3 | 0 ... ½ | 1 ... 1½ |
| Ausgang 2 [kHz] | 4 ... 8 | 2 ... 4 | 6 ... 8 | 1 ... 2 | 3 ... 4 | ½ ... 1 | 1½ ... 2 |
Im Ausführungsbeispiel gelangt ein für Transversalfilter üblicher Filterentwurf zur
Anwendung. Eine ausführliche Beschreibung findet sich z.B. im Kapitel "Design of
FIR Filters Using Windows" im Lehrbuch "Digital Signal Processing" von Alan V.
Oppenheim und Ronald W. Schafer, Prentice-Hall Verlag, welches durch
Bezugnahme in diese Schrift aufgenommen wird.
Für das Tiefpassfilter ergibt sich damit wegen
mit
und
k ∈ [- K,+K],
wobei h
k multiplikative Konstanten (Hammingfenster) bedeuten und K für die
Filterordnung massgebend ist, dass alle Filterkoeffizienten b
k mit geradem Index k,
mit Ausnahme von k = 0, verschwinden und dass jeweils zwei Koeffizienten, jene
mit Index k und -k, gleich sind. Mit der Wahl K = 15 ergeben sich im
Ausführungsbeispiel Halbband-Transversalfilter mit 31 Koeffizienten, von denen
aber lediglich 17 von Null verschieden sind.
Seien die Abtastwerte am Eingang eines Halbband-Transversalfilters mit x[n]
bezeichnet, dann ergeben sich die Abtastwerte y
TP[n] am Ausgang des Tiefpassfilters
gemäss
Da für die Koeffizienten des Hochpassfilters b
k' = (-1)
k · b
k gilt, ergeben sich die
Abtastwerte y
HP[n] am Ausgang des Hochpassfilters gemäss
und folglich genügen im Ausführungsbeispiel zur Berechnung beider
Ausgangssignale neun Multiplikationen und siebzehn Additionen.
Wie bereits erwähnt, weist jedes der beiden Ausgangssignale eines Halbband-Transversalfilters
1a bis 1g nur die halbe Bandbreite des Eingangssignals auf.
Folglich lässt sich die Abtastrate der Ausgangssignale ohne Informationsverlust auf
die Hälfte reduzieren, d.h. es wird für die weitere Verarbeitung lediglich noch jeder
zweite Ausgangswert benötigt. Selbstverständlich brauchen Abtastwerte von
Ausgangssignalen, die in der Folge gar nicht weiter benötigt werden, auch gar nicht
erst berechnet zu werden. Für jedes Halbband-Transversalfilter 1a bis 1g müssen die
Berechnungsformeln (8) und (9) also bloss in jedem zweiten Abtastintervall
durchgeführt werden. Für die Anordnung der Halbband-Transversalfilter 1a bis 1g
im Ausführungsbeispiel ergibt sich damit eine Verarbeitung in sechzehn
unterschiedlichen, aufeinanderfolgenden Phasen. Die nachfolgende
Tabelle II zeigt,
für welche Filter die Berechnungsformeln in jeder Phase durchgeführt werden
müssen. Wichtige Aspekte dabei sind, dass in jedem Abtastintervall höchstens zwei
Filter betroffen sind, dass in allen geradzahligen Phasen sogar nur ein Filter
berechnet werden muss und dass in Phase 15 überhaupt keine Filterberechnung
erforderlich ist. Diese noch freien Rechenressourcen stehen damit in idealer Weise
für die nachfolgend definierten Rechenoperationen gemäss Formeln (11)-(13) und
(16) zur Verfügung.
| Phase | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 |
| Filter | 1a | 1b | 1a | 1d | 1a | 1b | 1a | 1f | 1a | 1b | 1a | 1d | 1a | 1b | 1a | - |
| Filter | - | 1c | - | 1e | - | 1c | - | 1g | - | 1c | - | 1e | - | 1c | - | - |
Für eine effiziente Implementation sei zur Summenbildung des Klammerausdrucks
(x[n - K - k] + x[n - K + k])
ein besonderer Addierer zusätzlich zu einer Multiplizier-Akkumulier-Einheit
vorausgesetzt. Aufgrund der sukzessiven Reduktion der Verarbeitungsrate reduziert
sich mit einem solchen Rechenwerk der Rechenaufwand für die Aufteilung des
Signals in acht Teilsignale von ansonsten etwas über 1'000'000 Instruktionszyklen
pro Sekunde auf bloss noch einen Fünftel.
Ein weiterer Vorteil ergibt sich auch für die Trennschärfe zwischen benachbarten
Frequenzbändern. Mit der sukzessiven Reduktion der Abtastrate weisen die Filter mit
geringerer Bandbreite auch zunehmend steilere Flanken auf.
Wie bereits an früherer Stelle erwähnt, dienen die Einheiten 2a bis 2h in Fig. 1 der
Berechnung von Leistungswerten kurzer Signalsegmente
die für die weitere Verarbeitung im logarithmischen Bereich, also in Dezibel,
erforderlich sind. Im Ausführungsbeispiel beträgt die Dauer dieser Zeitsegmente 32
ms. Wegen der unterschiedlichen Abtastraten umfassen folglich die Summen in
Formel (10) in den Einheiten 2a bis 2d N = 32 Summanden, in den Einheiten 2e und
2f gilt N = 64, und in den Einheiten 2g und 2h N = 128.
Hinsichtlich einer effizienten Implementation sind in diesem Zusammenhang zwei
Aspekte von Bedeutung. Zunächst empfiehlt es sich für den Übergang in den
logarithmischen Bereich eine kombinatorische Schaltung zur Bestimmung des
Logarithmus dualis einzusetzen. Ferner kann in Formel (10) die Division durch N
entfallen, was im logarithmischen Bereich eine Verschiebung des 0 dB Punktes zu
Folge hat, was für die Berechnungen in den nachfolgenden Einheiten 3a bis 3h
jedoch ohne Bedeutung ist.
Wie ebenfalls schon an früherer Stelle dieser Beschreibung erwähnt, wird mit den
Einheiten 3a bis 3h berechnet, wieviel Verstärkungsreduktion in den verschiedenen
Frequenzbändern anzuwenden ist. Am Eingang dieser Recheneinheiten 3a bis 3h
treffen im Ausführungsbeispiel alle 32 ms neue logarithmische Schätzwerte p ein. In
einem ersten Vorgehensschritt soll der Variationsbereich r der Signalleistungen in
den einzelnen Teilsignalen über die unmittelbar zurückliegende Zeitdauer bestimmt
werden. Zu diesem Zweck werden separate Schätzwerte für eine obere Schranke so
und eine untere Schranke su alle 32 ms iterativ nachgeführt:
so := max(s 0 - δ, p)
und
su := min(su + δ, p),
wobei δ im Ausführungsbeispiel 0.25 dB beträgt. Der Variationsbereich r wird
anschliessend mit Hilfe der beiden Schranken ebenfalls iterativ nachgeführt:
r := r + γ · (so - su - r)3,
wobei die Skalierungsgrösse γ in der Grössenordnung von 2·10-4/dB2 gewählt wird.
Die Berechnung der Verstärkungsreduktion ΔG aus einem vorgegebenem Wert r
erfolgt schliesslich anhand einer stückweise linearen Funktion
ΔG = max(A - β · r, 0),
mit beispielsweise A = 15 dB und β = 1. Mit dieser Wahl erfolgt keine
Verstärkungsreduktion, so lange die Signalleistung im erfassten Zeitraum um mehr
als 15 dB variiert. Liegt der Variationsbereich in einem Teilsignal jedoch unter 15
dB, so wird die Verstärkung im entsprechenden Frequenzband um die Differenz zu
15 dB reduziert. Bei lange anhaltendem, konstantem Signalpegel ergibt sich für den
Variationsbereich ein Wert von 0 dB und folglich eine maximale
Verstärkungsreduktion um 15 dB.
Der zeitliche Verlauf der Variablen r wird massgeblich durch die Grössen δ und γ
bestimmt, sowie durch die Anwendung der dritten Potenz auf den Klammerausdruck
in Formel (13), der die Differenz zum bisherigen Wert von r erfasst. Die
Verarbeitungsschritte der Formeln (11) bis (14) bewirken auf einfache Weise ein
asymmetrisches zeitliches Verhalten, das den praktischen Anforderungen in idealer
Weise entspricht. Erstens haben zufällige geringe Unterschiede in
aufeinanderfolgenden Werten der Signalleistung praktisch keine Wirkung auf den
Schätzwert r. Zweitens kann sich eine Abnahme des Variationsbereichs r mit
entsprechend einhergehender Verstärkungsreduktion AG nur über eine Zeitspanne
von einigen Sekunden einstellen. Und schliesslich bewirkt eine abrupte Zunahme der
Signalleistung um ein beträchtliches Mass, z. B. um 40 dB, dass eine
Verstärkungsreduktion von bis zu 12 dB von einem Zeitsegment zu nächsten
vollständig aufgehoben wird.
Anstelle der logarithmischen Werte AG sind für die nachfolgende weitere
Verarbeitung im Unterdrückungs-Transversalfilter 4 lineare Abschwächungsfaktoren
a erforderlich. Dabei erfolgt die Umwandlung vom logarithmischen in den linearen
Bereich in einer effizienten Implementation sinnvollerweise mit Hilfe einer Tabelle.
Das Ausgangssignal u[n] des Unterdrückungs-Transversalfilters 4 berechnet sich
schliesslich gemäss
wobei sich im Ausführungsbeispiel mit der Wahl M = 24 die bereits an früherer
Stelle erwähnten 48 Koeffizienten ergeben. Mit den alle 32 ms neu zur Verfügung
stehenden Abschwächungsfaktoren a
j, j = 1, ..., J = 8, werden die Koeffizienten c
m,
m = 0, ..., M-1, in Formel (15) stets neu berechnet
wobei
wiederum multiplikative Konstanten (Hammingfenster) bedeuten und
Koeffizienten von transversalen Bandpassfiltern sind, in denen Fj die obere und f
j die
untere, bezüglich der Nyquistrate normierte Bandgrenze des j-ten Frequenzbandes
definieren. Mit einer Nyquistrate von 8 kHz im Ausführungsbeispiel gelten also die
Werte gemäss
Tabelle III. Dabei stehen, wie bereits anlässlich der Tab. II erwähnt,
zur Berechnung der Formel (16) bspw. die Abtastintervalle mit Phasenwert 15 (siehe
Tab. II) zur Verfügung.
| Frequenzband j | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |
| Obere Bandgrenze [kHz] | ½ | 1 | 1½ | 2 | 3 | 4 | 6 | 8 |
| Fj | 1 / 16 | 1 / 8 | 3 / 16 | 1 / 4 | 3 / 8 | 1 / 2 | 3 / 4 | 1 |
| Untere Bandgrenze [kHz] | 0 | ½ | 1 | 1½ | 2 | 3 | 4 | 6 |
| fj | 0 | 1 / 16 | 1 / 8 | 3 / 16 | 1 / 4 | 3 / 8 | 1 / 2 | 3 / 4 |
Die für eine effiziente Implementation bedeutende Formel (16) zur jeweiligen
Neuberechnung der Filterkoeffizienten ergibt sich, in dem die Einheit (4) zunächst
als Parallelschaltung von Bandpassfiltern aufgefasst wird, deren Ausgangssignale mit
den Abschwächungsfaktoren a
j multipliziert und dann additiv zusammengefasst
werden
Durch Vertauschen der Summationsreihenfolge ergibt sich
was mit den Formeln (15) und (16) identisch ist. Der entscheidende Aspekt ist, dass
der Aufwand bei einer Berechnung nach Formel (19) von etwa 3'200'000
Instruktionszyklen pro Sekunde beim Übergang auf die Vorgehensweise nach
Formel (15) und (16) auf bloss noch einen Achtel reduziert wird.
Ganz allgemein stellen die Koeffizienten eines Transversalfilters gleichzeitig auch
seine Impulsantwort dar. Das gilt auch für das Unterdrückungs-Transversalfilter 4
sowie für die transversalen Bandpassfilter gemäss Formel (18). Unter diesem
Gesichtspunkt bedeutet die Formel (16), dass die Impulsantwort des
Unterdrückungs-Transversalfilters 4 periodisch als gewichtete Summe der
Impulsantworten transversaler Bandpassfilter neu berechnet wird.
Die Erfindung wurde hier anhand eines Ausführungsbeispiels erklärt.
Selbstverständlich beschränkt sich die Erfindung aber nicht auf dieses eine
Ausführungsbeispiel. Der Fachmann ist in der Lage, weitere Ausführungsformen der
Erfindung herzuleiten.