Verwendung eines ungefüllten oder mit Füllstoff gefüllten, organisch modifizierten Kieselsäure(hetero)polykondensats in medizinischen und nichtmedizinischen Verfahren zum Verändern der Oberfläche eines Körpers aus einem bereits ausgehärteten, ungefüllten oder mit Füllstoff gefüllten Kieselsäure(hetero)polykondensat, insbesondere für die zahnmedizinische "Chairside"-Behandlung
Die vorliegende Erfindung betrifft das Verändern der Oberfläche eines bereits ausgehärteten Formkörpers aus einem ungefüllten oder mit Füllstoff gefüllten organisch modifizierten
Kieselsäure(hetero)polykondensat mit Hilfe eines weiteren Kieselsäure(hetero)polykondensat- Materials, insbesondere bei der Reparatur von Zahnersatz oder zum Fertigstellen von Kronen auf Basis von organisch modifizierten Kieselsäure(hetero)polykondensaten im Dentallabor oder im Rahmen einer "Chairside"-Behandlung, wobei ein organisch modifiziertes Kieselsäure- (hetero)polykondensat als Reparatur- bzw. Schneidemasse sowie ggf. ein Haftvermittler eingesetzt werden. Im Verlauf des hierfür eingesetzten Verfahrens wird die Oberfläche des bereits ausgehärteten Formkörpers, z.B. eines "alten" Zahnersatzes, ggf. aufgeraut und sodann mit Haftvermittler versehen. Der Haftvermittler besitzt eine starke Haftung zu Zahnersatz aus gefüllten oder ungefüllten organisch modifizierten, in der Regel organisch vernetzten
Kieselsäure(hetero)polykondensaten und ermöglicht damit eine besonders gute Verbindung dieses Zahnersatzes mit einer wiederum aushärtbaren Reparatur- oder Schneidemasse.
Kompositbasierter direkter und indirekter Zahnersatz wird in der heutigen Zahnmedizin sehr häufig eingesetzt. Allerdings sind diese Materialien den starken mechanischen und chemischen Belastungen im Mundmilieu ausgesetzt, weshalb es auch zu Defekten wie z.B. Frakturen, kaubedingtem Verschleiß (Abrasion) etc. kommen kann. Um diese Defekte am Zahnersatz zu beheben, wird dieser heutzutage immer noch sehr häufig vollständig erneuert. Dies hat jedoch zur Folge, dass bei dieser Erneuerung immer ein Teil gesunder Zahnsubstanz mit entfernt wird. Dafür gibt es zwei Gründe. Durch die zahnfarbenen Komposite ist der Übergang zur Zahnhartsubstanz nur schwer zu erkennen; ein Abschleifen exakt des Zahnersatzes wird weiterhin durch die durch heutige Adhäsive erzielte hohe Haftung der Materialien zur Zahnsubstanz erschwert. Häufig geht mit einer Erneuerung einer Restauration auch eine erneute Lokalanästhesie einher, die den Körper des Patienten zusätzlich belastet. Um diesen Zahnersatz zu reparieren, müsste ein kraftschlüssiger Verbund von altem Zahnersatz zum nachträglich aufgebrachten
Reparaturmaterial erzielt werden.
Ein spezifisches Problem ist im Hinblick auf einen mehrschichtigen Aufbau von Kompositkronen zu sehen, wie er beispielsweise in EP 2 246 008 A2 und der noch nicht veröffentlichten
DE 10 2012 202 005.5 beschrieben ist. Dieser Mehrschichtaufbau besteht aus einem z. B. thermisch gehärteten und mittels CAD/CAM-Gerät anatomisch reduziert gefrästen
Kronengrundkörper. Im Anschluss wird ein hochtransluzentes Komposit (Schmelzschicht = sogenannte Schneidemasse) auf den gehärteten Grundkörper aufgetragen und z.B. mittels
Blaulicht ausgehärtet. Wenn der Körper aus oder mit einem Kieselsäure(hetero)polykondensat hergestellt wurde, geht durch das Härten und anschließende Nachbearbeiten des Grundkörpers (z.B. Schleifen) die ursprünglich vorhandene "Schmierschicht" auf der Oberfläche des Körpers verloren, die relativ weich und klebrig ist und noch eine Vielzahl von reaktiven Gruppen des Ausgangsmaterials trägt. Diese Schicht wird auch als Sauerstoffinhibierungsschicht bezeichnet, weil ihre Bildung wohl damit zusammenhängt, dass die vollständige Aushärtung auf der Oberfläche durch Sauerstoff inhibiert wird; ihre genaue Genese ist jedoch nicht bekannt. Sie trägt wesentlich zu einer guten Haftfähigkeit des mit ihr belegten Körpers bei; wird sie weggefräst oder geht sie durch Blaulicht-Aushärtung verloren, ist ein optimaler Haftverbund zwischen gehärtetem und nachträglich aufgebrachtem Komposit (ebenfalls bei einer Reparatur von kompositbasiertem Zahnersatz) extrem schwierig.
Dem Kostendruck auf das Gesundheitssystem kann mit kostengünstigen, aber dennoch hochwertigen Zahnersatzsystemen begegnet werden. Die in der am Prioritätstag der vorliegenden Anmeldung noch nicht offengelegten DE 10 2012 202 005.5 hierfür
vorgeschlagenen Materialien auf Basis von organisch modifizierten
Kieselsäure(hetero)polykondensaten zur Verwendung als Kronen, Inlays, Onlays (3-gliedrige Brücken), Reparatursysteme für Kronen, Prothesen-Basismaterialien, Prothesen-Zähnen und Verblendmaterial für die sog. "chairside" Anwendung (für die Anwendung durch den Zahnarzt oder sein Personal direkt am Zahnarztstuhl, d.h. während bzw. als Bestandteil der Behandlung) seien nachstehend genannt:
(a) Chairside-Kronen, -Inlays, -Onlays, (3-gliedrige Brücken), temporäre Kronen:
Die Rohlinge sind als Blöcke, z.B. als scheibenförmige runde Blöcke, aus denen mehrere Kronen gefräst werden können (mehrschichtiger Aufbau aus ggf. unterschiedlich gefärbten Materialien, deren Transluzenz vorzugsweise von innen nach außen zunimmt, wobei jede Schicht gesondert vorgehärtet und der Gesamtblock abschließend nachgehärtet wird, oder einfarbig, dann kompakte Aufbauweise), oder als hochgefüllte einfarbige opake Blöcke erzeugbar, die in spezifischen Ausführungsformen zusätzlich mit einer pastösen, transluzenten Schneidemasse bedeckt sind, die nach dem ersten Fräsvorgang
aufgetragen, gehärtet und anschließend nachgefräst wird. Die vorgefertigten Blöcke können mit Hilfe eines lichthärtenden Malsets weiter individualisiert werden. Für temporäre Versorgungen, z.B. der genannten Kronen, können günstige Füllstoffe eingesetzt werden.
(b) Prothesenbasismaterialien, Prothesenzähne, Verblendmaterial:
Diese Materialien sollen transluzent sein, eine hohe Bruchzähigkeit aufweisen und leicht zu verarbeiten sein. Hierfür eignen sich z.B. norbornen-basierte Matrices
(Ausgangsmaterialien z.B. Silane der allgemeinen Formel F, siehe unten). Die
Schrumpfung sollte möglichst gering sein, um die Formstabilität zu gewährleisten, was durch die Einarbeitung von Füllstoffen realisierbar ist: Möglich sind z.B. Brechzahl- angepasste Füllstoffe sowie Perl- und/oder Splitterpolymerisate. Die Matrix sollte möglichst
redoxinduziert härtbar sein, angemischtes Material sollte möglichst gießbar sein. Eine thermische Härtung ist jedoch auch möglich; aufgrund der Individualität der Prothesen und der sich daraus ergebenden unterschiedlichen Material stärke kann eine Lichthärtung jedoch in der Regel ausgeschlossen werden.
Die genannten Körper und Materialien werden hergestellt aus oder mit optional gefüllten Kieselsäure(hetero)polykondensaten, insbesondere als Reparaturmaterial,
Prothesenbasismaterial und Verblendmaterial sowie aus gefüllten, vorzugsweise thermisch vernetzten Kieselsäure(hetero)polykondensaten für Rohlinge für "Chairside"-Kronen, -Inlays und -Onlays und Prothesenzähne, häufig in einem von einem Zahnarzt durchzuführenden chirurgischen oder therapeutischen Verfahren.
Die einsetzbaren Kieselsäure(hetero)polykondensate stellen eine gemeinsame Materialbasis für alle vorgenannten Werkstoffe dar. Diese sind deshalb besser kombinierbar, wobei
Eigenschaften wie Ästhetik, Schlagzähigkeit, Bruchfestigkeit, E-Modul, Abrasion und
dergleichen je nach individueller Indikation für die genaue Zusammensetzung der gewählten Harzmatrix, den Füllstofftyp und deren Anteile zueinander einstellbar sind.
Den einsetzbaren Kieselsäure(hetero)polykondensaten ist ein über Kohlenstoff am Silicium gebundener Rest gemeinsam, der in der Regel mindestens eine organisch polymerisierbare Gruppe oder einen reaktionsfähigen Ring trägt. Unter einer organisch polymerisierbaren Gruppe soll vorliegend verstanden werden, dass diese Gruppe einer Polyreaktion zugänglich ist, bei der reaktionsfähige Doppelbindungen oder Ringe unter dem Einfluss von Wärme, Licht, ionisierender Strahlung oder redoxinduziert (z.B. mit einem Initiator (Peroxid oder dgl.) und einem Aktivator (Amin oder dgl.)) in Polymere übergehen (engl.: addition polymerization oder chain-growth polymerization), Bei der Polymerisation treten weder Abspaltungen von
molekularen Bestandteilen auf, noch Wanderungen oder Umlagerungen. Diese Gruppen sollten besonders bevorzugt außerdem bei Zusatz eines Thiols einer Thiol-en-Polyaddition zugänglich sein; auch primäre und sekundäre Amine (insbesondere mit mindestens zwei, aber auch drei, vier oder mehr Aminogruppen) sollten sich anlagern lassen. Alternativ können sie einer ROMP (ring opening metathese polymerization) zugänglich sein. Beispiele hierfür sind Norbornen- Gruppen. Die reaktionsfähige(n) Doppelbindung(en) dieser Gruppe kann/können beliebig ausgewählt werden, beispielsweise eine Vinylgruppe oder Bestandteil einer Allyl- oder
Styrylgruppe sein. Bevorzugt ist/sind sie Bestandteil einer Doppelbindung, die einer Michael- Addition zugänglich ist, enthält/enthalten also eine infolge der Nachbarschaft zu einer
Carbonylgruppe aktivierte Methylengruppe. Unter diesen wiederum besonders bevorzugt sind Acrylsäure- und Methacrylsäuregruppen bzw. -derivate. Die organisch polymerisierbare Gruppe enthält in der Regel mindestens zwei und vorzugsweise bis zu ca. 100 Kohlenstoffatome. Sie kann direkt oder über eine beliebige Kupplungsgruppe an das Kohlenstoffskelett des Si-C- gebundenen Restes gebunden sein.
Der Ausdruck "(Meth)Acryl..." soll vorliegend bedeuten, dass es sich jeweils um die entsprechende Acryl- oder die entsprechende Methacryl-Verbindung oder ein Gemisch von beiden handeln kann. Die vorliegenden (Meth)Acrylsäure-Derivate umfassen die Säuren selbst, ggf. in aktivierter Form, Ester, Amide, Thioester und dgl..
Die organisch modifizierten Kieselsäurepolykondensate der DE 10 2012 202 005.5 können ausschließlich Silicium-basiert sein; sie können statt dessen aber auch weitere Metallatome im anorganischen Gerüst aufweisen, wie aus dem Stand der Technik bekannt. Diese werden vorliegend als Kieselsäureheteropolykondensate bezeichnet. Der Ausdruck
"Kieselsäure(hetero)polykondensate soll beide Varianten umfassen. Die Kondensate enthalten über Kohlenstoff an Silicium gebundene organische Reste.
Beispiele für erfindungsgemäß einsetzbare Kieselsäurepolykondensate, die keinesfalls beschränkend sind, können aus den folgenden Silanen hergestellt werden:
Silanen der allgemeinen Formel (A):
{Xa RbS i [ R' (A)c] (4-a-b)}xB (A) worin die Reste folgende Bedeutung haben:
X: Hydroxy, Alkoxy, Acyloxy, Alkylcarbonyl, Alkoxycarbonyl oder -NR"2;
R: Alkyl, Alkenyl, Aryl, Alkylaryl oder Arylalkyl;
R': Alkylen, Arylen oder Alkylenarylen;
R": Wasserstoff, Alkyl oder Aryl;
A: O, S, PR", POR" oder NHC(0)0;
B: geradkettiger oder verzweigter organischer Rest, der sich von einer Verbindung mit mindestens zwei C=C-Doppelbindungen und 5 bis 50 Kohlenstoffatomen ableitet;
a: 1 , 2 oder 3;
b: 0, 1 oder 2;
c: 0 oder 1 ;
x: ganze Zahl, deren Maximalwert der Anzahl von Doppelbindungen in der Verbindung B minus 1 entspricht,
Solche Silane und daraus hergestellte Polykondensate sind in DE 40 1 1 044 A1 offenbart. Silanen der allgemeinen Formel (B):
B{A-(Z)d-R1(R2)-R'-SiXaRb}c (B) worin die Reste und Indices folgende Bedeutung haben:
A = O, S, NH oder C(0)0;
B = ein geradkettiger oder verzweigter organischer Rest mit mindestens einer C=C- Doppelbindung und 4 bis 50 Kohlenstoffatomen;
R = Alkyl, Alkenyl, Aryl, Alkylaryl oder Arylalkyl;
R' = Alkylen, Arylen, Arylenalkylen oder Alkylenarylen mit jeweils 0 bis 10 Kohlenstoff -Atomen, wobei diese Reste durch Sauerstoff- und Schwefelatome oder durch Aminogruppen
unterbrochen sein können;
R1 = Stickstoff, Alkylen, Arylen oder Alkylenarylen mit jeweils 1 bis 10 Kohlenstoffatomen, wobei diese Reste durch Sauerstoff- oder Schwefelatome oder durch Aminogruppen unterbrochen sein können;
R2 = H, OH oder COOH;
X = Wasserstoff, Hydroxy, Alkoxy, Acyloxy, Alkylcarbonyl, Alkoxycarbonyl oder -NR"2;
R" = Alkyl oder Aryl;
Z = CO oder CHR, mit R gleich H, Alkyl, Aryl oder Alkylaryl;
a = 1 , 2 oder 3;
b = 0,1 oder 2;
c = 1 , 2 oder 3
d = 0 oder 1
Solche Silane sowie daraus hergestellte Kieselsäurepolykondensate sind in DE 44 16 857 C1 offenbart.
Silanen der allgemeinen Formel (C)
worin die Reste und Indices die folgende Bedeutung haben:
B = organischer Rest mit mindestens einer C=C-Doppelbindung;
R = Alkyl, Alkenyl, Aryl, Alkylaryl oder Arylalkyl;
R° und R' jeweils = Alkylen, Alkenylen, Arylen, Alkylenarylen oder Arylenalkylen;
X = Hydroxy, Alkoxy, Acyloxy, Alkylcarbonyl, Alkoxycarbonyl oder -NR"2 mit R" gleich
Wasserstoff, Alkyl oder Aryl;
a = 1 , 2 oder 3
b = 1 , 2 oder 3, mit a + b = 2, 3 oder 4;
c = 0 oder 1 ;
d = 1 , 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 oder 10;
e = 1 , 2 oder 3 oder 4; mit e gleich 1 für c = 0.
Die Silane der Formel (C) sowie daraus ableitbare Kieselsäurepolykondensate sind in
DE 199 10 895 A1 offenbart. Silane der allgemeinen Formel (D):
{B'-Z'-R1(B)-R-}a(R')bSiX4-a-b (D) worin die Reste und Indices die folgende Bedeutung haben:
R ist eine Alkylen-, Arylen- oder Alkylenarylengruppe, die durch eine oder mehrere Sauerstoffoder Schwefelatome oder Carboxyl- oder Aminogruppen unterbrochen sein oder solche Atome/Gruppen an ihrem dem Siliciumatom abgewandten Ende tragen kann;
R1 ist eine mit Z' substituierte Alkylen-, Arylen- oder Alkylenarylengruppe, die durch eine oder mehrere Sauerstoff- oder Schwefelatome oder Carboxyl- oder Aminogruppen unterbrochen sein oder solche Atome/Gruppen an einem ihrer Enden tragen kann;
R' ist eine Alkyl-, Alkenyl-, Aryl-, Alkylaryl- oder Arylalkylgruppe;
B und B' können gleich oder verschieden sein, beide Reste haben die Bedeutung einer geradkettigen oder verzweigten organischen Gruppe mit mindestens einer C=C-Doppelbindung und mindestens zwei Kohlenstoffatomen;
X ist eine Gruppe, die unter Ausbildung von Si-O-Si-Brücken eine hydrolytische
Kondensationsreaktion eingehen kann, mit Ausnahme von Wasserstoff und Halogen;
Z' hat die Bedeutung -NH-C(0)0-, -NH-C(O)- oder -CO(O)-, wobei die beiden erstgenannten
Reste über die NH-Gruppe am Rest B' gebunden sind, während die Carboxylatgruppe in beiden
Richtungen weisen kann;
a bedeutet 1 oder 2 und
b ist 0 oder 1 ;
Solche Silane und daraus ableitbare Polykondensate sind in DE 103 49 766 A1 offenbart. Silanen der allgemeinen Formel (E):
(XaRbSi)m[-{B}-([0]0P[0]pR'cYd)n]4ab (E) worin die Gruppen, Reste und Indices die folgende Bedeutung haben:
B ist eine mindestens zweibindige, geradkettige oder verzweigte Gruppe mit mindestens einem organisch polymerisierbaren Rest und mindestens 3 Kohlenstoffatomen,
X ist ein vom Siliciumatom abhydrolysierbarer Rest oder OH, mit Ausnahme von Wasserstoff und Halogen,
R und R' sind unabhängig voneinander ggf. substituiertes Alkyl, Alkenyl, Aryl, Alkylaryl oder Arylalkyl,
Y ist OH oder OR',
a ist 0, 1 , 2 oder 3,
b ist 0, 1 oder 2, wobei a + b zusammen 1 , 2 oder 3 sind,
c ist 0, 1 oder 2,
d ist O, 1 oder 2,
c + d sind zusammen 2,
m ist mindestens 1 , mit der Maßgabe, dass m nicht mehr als 1 ist, wenn a + b 1 oder 2 bedeutet,
n ist mindestens 1 ,
o ist 0 oder 1 , und
p ist 0 oder 1 ,
Silane der Formel (E) und daraus abgeleitete Kieselsäurepolykondensate sind in DE 101 32 654 A1 offenbart.
Silanen der allgemeinen Formel (F):
worin die Reste und Indices gleich oder verschieden sind und folgende Bedeutung haben: R ist Wasserstoff, R2-R1-R4-SiXxR3 3-x, Carboxyl, Alkyl, Alkenyl, Aryl, Alkylaryl oder Arylalkyl, R1 und R2 sind unabhängig voneinander Alkylen, Arylen, Arylenalkylen oder Arylenalkylen, R3 ist Alkyl, Alkenyl, Aryl, Alkylaryl oder Arylalkyl,
R4 ist -(CHR6-CHR6)n- mit n = 0 oder 1 , CHR6-CHR6-S-R5-, -C(0)-S-R5-, CHR6-CHR6-NR6 -R5,
-Y-C(S)-NH-R5, -S-R5, -Y-C(0)-NH-R5-, -C(0)-0-R5-, -Y-CO-C2H3(COOH)-R5-, -Y-CO-
C2H3(OH)-R5- oder -C(0)-NR6-R5,
R5 ist Alkylen, Arylen, Arylenalkylen oder Arylenalkylen,
R6 ist Wasserstoff, Alkyl oder Aryl mit 1 bis 10 Kohlenstoffatomen,
R9 ist Wasserstoff, Alkyl, Alkenyl, Aryl, Alkylaryl oder Arylalkyl,
X ist Hydroxy, Alkoxy, Acyloxy, Alkylcarbonyl oder Alkoxycarbonyl;
Y ist -O-, -S- oder NR6,
Z ist -O- oder -(CHR6)m mit m gleich 1 oder 2;
a ist 1 , 2 oder 3, mit b = 1 für a = 2 oder 3
b ist 1 , 2 oder 3, mit a = 1 für b = 2 oder 3
c ist eine ganze Zahl von 1 bis 6,
x ist 1 , 2 oder 3 und
a + x sind 2, 3 oder 4. Diese Silane und daraus herstellbare Kieselsäure(hetero)polykondensate sind in DE 196 27 198 A1 offenbart.
Weitere erfindungsgemäß nutzbare Kieselsäure(hetero)polykondensate umfassen
(Meth)Acrylreste und entweder Sulfonat- oder Sulfatgruppen, die jeweils unmittelbar oder mittelbar über eine unsubstituierte oder substituierte Kohlenwasserstoffgruppe mit einer C-Si- Bindung an einem Siliciumatom gebunden sind. Diese Kondensate lassen sich beispielsweise aus Silanen der Formel (G)
R1 aR2 bSiZ 4-a-b (G) herstellen, worin R1 ein hydrolytisch kondensierbarer Rest ist, R2 substituiertes oder unsubstituiertes, geradkettiges, verzweigtes oder einen Cyclus aufweisendes Alkyl, Aryl,
Arylalkyl, Alkylaryl oder Alkylarylalkyl ist oder ein entsprechendes Alkenyl ist, dessen
Kohlenstoffkette in allen Fällen gegebenenfalls durch -O-, -S-, -NH-, -S(O)-, -C(0)NH-,
-NHC(O)-, -C(0)0- -C(0)S, -NHC(0)NH- oder C(0)NHC(0)-Gruppen unterbrochen sein kann, die ggf. in beide möglichen Richtungen weisen können, Z ein Rest ist, in welchem mindestens eine (Meth)Acrylgruppe und mindestens entweder eine Sulfonat- oder eine Sulfatgruppe unmittelbar oder mittelbar über eine unsubstituierte oder substituierte Kohlenwasserstoffgruppe mit einer Si-C-Bindung am Siliciumatom gebunden vorliegen, a 1 , 2 oder 3 ist, b 0, 1 oder 2 ist und a+b zusammen 2 oder 3 sind. Spezifische Silane der Formel (G) haben die nachstehende Formel (G')
B R3— (A)b - (R4)c - (0)d - S03M
Si— R6
(G') worin
R3 ein, unsubstituiertes oder mit einer funktionellen Gruppe substituiertes, geradkettiges, verzweigtes oder mindestens einen Cyclus aufweisendes Alkylen ist,
A eine Verknüpfungsgruppe darstellt,
R4 ein gegebenenfalls durch O, S, NH oder NR8 unterbrochenes und/oder gegebenenfalls funktionell substituiertes Alkylen bedeutet,
M Wasserstoff oder ein einwertiges Metallkation oder der entsprechende Anteil eines mehrwertigen Metallkations ist, vorzugsweise ausgewählt unter Na, K, 1/2Ca, 1/2Mg und Ammonium,
R5 und R6 unabhängig voneinander entweder die Bedeutung wie R1 haben oder substituiertes oder unsubstituiertes, geradkettiges, verzweigtes oder mindestens einen Cyclus aufweisendes Alkyl, Aryl, Arylalkyl, Alkylaryl oder Alkylarylalkyl sind, ausnahmsweise stattdessen aber auch ein entsprechendes Alkylen, Arylalkylen oder Alkylenaryl sein können,
R7 eine über ein Kohlenstoffatom an das Siliciumatom gebundene Kohlenwasserstoffgruppe ist, wie sie weiter oben definiert wurde,
R8 d-Ce-Alkyl oder (Meth)Acryl ist,
B Vinyl, 2-Allyl oder, im Falle von e > 1 , ein organischer Rest mit e Vinylgruppen ist, die jeweils an eine in der geschweiften Klammer befindliche Gruppe gebunden vorliegen
Y ein Stickstoffatom, -0-CH=, -S-CH= oder -NH-CH= ist, wobei jeweils das Sauerstoffatom, das
Schwefelatom bzw. die NH-Gruppe eine Bindung zur benachbarten C(0)-Gruppe aufweist, b = 0 oder 1 ist
c = 0 oder 1 ist
mit der Maßgabe, dass für die Kombination von Y gleich einem Stickstoffatom, b = 0 und c = 0 der Rest R3 ist, sowie der Maßgabe, dass für die Kombination von Y gleich einem
Stickstoffatom, b = 0 und c = 1 der Rest R4 ein durch O, S, NH oder NR8 unterbrochenes und gegebenenfalls funktionell substituiertes Alkylen bedeutet,
d = 0 oder 1 ist, und
e = 1 , 2 oder 3 ist.
Solche Materialien sind in der ebenfalls noch nicht veröffentlichten Anmeldung DE 10 201 1 050 672.1 offenbart.
Weitere einsetzbare Kieselsäure(hetero)polykondensate lassen sich durch ein Verfahren herstellen, das dadurch gekennzeichnet ist, dass ein Silan oder Siloxan mit einem über ein Kohlenstoff an ein Siliciumatom gebundenen Rest, der mindestens zwei funktionelle Gruppen trägt, wobei eine erste der funktionellen Gruppen eine ungesättigte, organisch polymerisierbare Gruppe ist und eine zweite der funktionellen Gruppen ausgewählt ist unter
(a) weiteren ungesättigten, organisch polymerisierbaren Gruppen, (b) COOR8 oder
-(0)bP(0)(R5)2 und (c) -OH, mit R8 gleich R4 oder M^ wobei Mx+ Wasserstoff oder ein x-fach positiv geladenes Metallkation ist, und b = 0 oder 1 , in einer ersten Reaktion umgesetzt wird mit einer Verbindung der Formel (H)
X-W-(Z), (H) worin X SH, NH2 oder NHR4 ist, Z OH, der Carbonsäurerest -COOH oder ein Salz oder ein Ester dieses Restes oder ein Silylrest ist, W ein substituierter oder unsubstituierter
Kohlenwasserstoff rest ist, dessen Kette unterbrochen sein kann durch -S-, -O-, -NH-, -NR4-, -C(0)0-, -NHC(O)-, -C(0)NH-, -NHC(0)0-, -C(0)NHC(0)-, -NHC(0)NH-, -S(O)-, -C(S)0-, -C(S)NH-, -NHC(S)-, -NHC(S)0-, und a 1 , 2, 3, 4 oder eine größere ganze Zahl bedeutet, wobei R4 ein unsubstituierter oder substituierter Kohlenwasserstoffrest ist, R5 ein
unsubstituierter oder substituierter Kohlenwasserstoff rest oder OR6 ist, R6 Wasserstoff oder ein unsubstituierter oder substituierter Kohlenwasserstoffrest ist. Das Produkt der ersten Reaktion wird sodann in einer zweiten Reaktion mit einer Verbindung (J) umgesetzt
Y-(W)k -(R1 )b (J) worin Y NCO, Epoxy oder - wenn der oder die Reste Z im Produkt der ersten Reaktion (eine) Hydroxygruppe(n) ist - COA' ist, W wie voranstehend für Verbindung (H) definiert ist, R1 eine ungesättigte organisch polymerisierbare Gruppe ist, A' Hydroxy, ein Halogenid oder -OC(0)R4 mit R4 gleich unsubstituierter oder substituierter Kohlenwasserstoff rest ist, k = 0 oder 1 ist, wobei k = 0 nur für den Fall möglich ist, dass Y COA' bedeutet, und b = 1 oder größer 1 ist.
Dieses Verfahren ist in der unveröffentlichten Patentanmeldung DE 10 201 1 053 865.8
beschrieben. Sofern dabei Silane als Ausgangsmaterialien eingesetzt werden, erfolgt vor, während oder nach einem beliebigen der genannten Verfahrensschritte eine hydrolytische Kondensation.
Bei den Materialien der DE 10 2012 202 005.5 handelt es sich entweder um Massen aus organisch polymerisierbaren Kieselsäure(hetero)polykondensaten, die - z.B. zum Erreichen eines höheren organischen Vernetzungsgrades - ggf. mit organischen Verbindungen oder sonstigen Materialien modifiziert sein können, oder um Komposite, d.h. um ggf. mit organischen Verbindungen/Materialien modifizierte, polymerisierbare Kieselsäure(hetero)polykondensate, die mit Füllstoffen gefüllt sind. Die Füllstoffe können eine beliebige Form haben und
insbesondere partikelförmig und/oder faserförmig (insbesondere Kurzfasern) sein. Als Füllstoffe eignen sich z.B. diejenigen, die in DE 196 43 781 , DE 198 32 965, DE 100 184 05,
DE 100 41 038, DE 10 2005 061 965 sowie DE 10 2005 018 305 beschrieben sind. Bei Bedarf lassen sich sehr hohe Füllstoffgehalte erzielen.
Die Härtung der Kondensate erfolgt über die oben dargestellte Polymerisationsreaktion der doppelbindungshaltigen und/oder Ringe aufweisenden Gruppen. Als Initiator für die thermische Härtung wird in der Regel Dibenzoylperoxid (DBPO) in dem jeweiligen Harzsystem gelöst; andere geeignete Härter sind selbstverständlich ebenfalls möglich, wie aus dem Stand der Technik bekannt. Eine organische Vernetzung kann auch durch die Addition dimerer oder oligomerer organischer Verbindungen an entsprechende C=C-Doppelbindungen erfolgen, beispielsweise von Thiolen oder Aminen mit zwei oder mehr Thiol- oder Aminogruppen. Werden Thiole oder Amine im Unterschuss, bezogen auf die vorhandenen Doppelbindungen, eingesetzt, können verbliebene Doppelbindungen anschließend mit Licht gehärtet werden.
Neben anorganisch-organischen Hybridpolymeren sind aber natürlich auch rein organische dentale Harzsysteme in Gebrauch. Beispiele hierfür sind z.B. Bis-GMA mit OH- und C=C- Gruppen, UDMA und TEGDMA nur mit C=C-Gruppen. Es sind aber auch Mischungen dieser Harzsysteme möglich
Bis-GMA (Bisphenol -A- Glycidyldimethacrylat)
UDMA (Urethandimethacrylat)
TEGDMA (Triethylenglycoldimethacrylat)
Ganz generell ist eine thermische Härtung in allen Fällen möglich, in denen das Material vor dem Einsetzen in den Mund des Patienten gehärtet werden kann bzw. nicht für dentale Zwecke vorgesehen ist. Härtungsreaktionen, die im Mund des Patienten erfolgen müssen, sollten dagegen in der Regel lichtinduziert (z.B. mit Blaulicht) bzw. redoxinduziert durchgeführt werden.
Die Aufgabe der Erfindung liegt darin, ein Verfahren bzw. ein Mittel aufzufinden, mit dem sich im Mund des Patienten oder im Labor nachträglich ein bereits bestehender Zahnersatz, der aus oder mit einem gehärteten Kieselsäure(hetero)polykondensat in einer Reihe von Fällen aber auch aus rein organischem Material hergestellt wurde, reparieren oder verändern lässt, ohne dass das natürliche Zahnmaterial angegriffen werden muss. Bei dem bestehenden Zahnersatz kann es sich um Chairside-Kronen, -Inlays, -Onlays, (3-gliedrige Brücken), Kronen, um
Prothesenbasismaterialien, Prothesenzähne, Verblendmaterial oder um Füllungen handeln. Dieser bereits bestehende Zahnersatz wird nachstehend auch als "alter" Zahnersatz
bezeichnet. Der Ausdruck "verändern" schließt das Aufbringen eines z.B. hochtransluzenten Komposits mit ein, der als Schmelzschicht oder sogenannte Schneidemasse auf einen bereits zuvor (im Labor oder im Mund des Patienten) gehärteten Kronen-Grundkörper oder dgl.
aufgetragen und sodann gehärtet wird, um der Krone oder dgl. ein möglichst natürliches Aussehen zu verleihen. Die Aufgabe der Erfindung umfasst in spezifischen Fällen darüber hinaus die Reparatur- oder Formveränderung der voranstehend für dentale Zwecke genannten Materialien auch auf anderen technischen Gebieten.
In Lösung dieser Aufgabe wird eine Reparatur- bzw. Schneidemasse in Kombination mit einem Haftvermittler bereitgestellt, wobei die Reparatur- bzw. Schneidemasse aus einem oder mit einem Kieselsäure(hetero)polykondensat hergestellt ist, das für den (in der Regel auftretenden) Fall, dass auch der bereits bestehende Zahnersatz aus oder mit einem
Kieselsäure(hetero)polykondensat hergestellt wurde, mit diesem identisch sein kann, aber nicht muss.
Das Kondensat der Reparatur- bzw. Schneidemasse sollte dabei an Kohlenstoffatomen gebundene Gruppen, ausgewählt unter -C02H, -OH, -NHR, -SH und Gruppen mit ggf.
aktivierten C=C-Doppelbindungen, oder an Silicium gebundene Gruppen aufweisen, ausgewählt unter -OH und -OR, wobei R jeweils ausgewählt ist unter Alkyl, Aryl, Alkylaryl mit vorzugsweise 1 bis 6 Kohlenstoffatomen für nicht-arylierte Gruppen und vorzugsweise 6-16 Kohlenstoffatomen für arylierte Gruppen.
Bevorzugt weist das Kondensat freie Hydroxygruppen und/oder ggf. aktivierte
Carbonsäuregruppen und/oder C=C-doppelbindungshaltige Gruppen auf. Sofern freie
Hydroxygruppen oder ggf. aktivierte Carbonsäuregruppen vorhanden sind, kommt es auf den Härtungsmechanismus und daher auf das Vorhandensein spezifischer Gruppen, die die
Härtung bewirken, nicht an. Wenn jedoch die Härtung des bereits bestehenden Zahnersatzes mit Hilfe einer Thiol-En-Polyaddition erfolgte, können an dessen Oberfläche in manchen Fällen noch freie SH-Gruppen vorliegen, beispielsweise infolge des Einsatzes eines Überschusses an Thiol oder aufgrund einer unvollständigen Umsetzung. In solchen Fällen kann als Reparaturbzw. Schneidemasse ein Kondensat ausgewählt werden, das an Kohlenstoffatome gebundene SH-Gruppen aufweist. In ähnlicher Weise kann die Oberfläche des "alten" Zahnersatzes statt dessen -NHR-Gruppen aufweisen, z.B. dann, wenn das Ausgangsmaterial unter Verwendung von aminogruppenhaltigen Silanen hergestellt wurde, deren Aminogruppen beispielsweise nur teilweise durch Reaktion mit einer aktivierten Doppelbindung verbraucht wurden oder gar nicht in die Härtungsreaktion involviert waren. In diesen Fällen kann als Reparatur- bzw.
Schneidemasse ein Kondensat ausgewählt werden, das an Kohlenstoffatome gebundene NHR- Gruppen aufweist.
Besonders bevorzugt wird das Kondensat aus der Gruppe der oben genannten
Kieselsäure(hetero)polykondensate ausgewählt. Den Erfindern ist es dabei gelungen, ein Verfahren aufzufinden, mit dem sich eine solche Reparatur- bzw. Schneidemasse
kraftschlüssig, widerstandsfähig und langzeitstabil mit einem Altmaterial verbinden lässt. Dabei ist die Erfindung nicht auf dentale Zwecke beschränkt; dem Grunde nach kann die Oberfläche eines jeden aus einem ausgehärteten Kieselsäure(hetero)polykondensat gebildeten Körpers nach dem Verfahren der Erfindung modifiziert verändert werden.
Für Fälle, in denen als Zahnersatzmaterial für Kronen, Füllungen und dergleichen ein
Kieselsäure(hetero)polykondensat bzw. ein Komposit mit einem solchen
Kieselsäure(hetero)polykondensat sowie einem oder mehreren Füllstoffen verwendet wurde, schlägt die Erfindung demnach vor, dasselbe oder ein vergleichbares Material (d.h. ein Material, das ebenfalls aus oder mit einem Kieselsäure(hetero)polykondensat hergestellt wurde) als Reparaturmaterial bzw. als Schneidemasse zur Herstellung mehrschichtiger Kronen zu verwenden. Hierbei ergibt sich das bereits eingangs geschilderte Problem, dass der
Grundköper durch die Aushärtung und die meistens erforderliche mechanische
Nachbearbeitung keine Schmierschicht (Sauerstoffinhibierungsschicht) mehr aufweist und daher nur schwer mit dem weiteren Material kraftschlüssig verbunden werden kann. Zur chemischen Aktivierung der Oberfläche wird vor dem Aufbringen des Reparaturmaterials bzw. der Schneidemasse erfindungsgemäß eine Haftvermittlerschicht angeordnet, um die Haftung zwischen den beiden jeweils ein Kieselsäure(hetero)polykondensat enthaltenden Materialien zu verbessern. Diese Schicht kann durch den Auftrag einer mindestens difunktionellen Verbindung erzeugt werden, die einerseits mit den reaktiven Gruppen auf der Oberfläche des "alten"
Zahnersatzes eine feste Bindung eingeht und andererseits mit funktionellen Gruppen des neu aufzubringenden Kieselsäure(hetero)polykondensats reagiert, derart, dass eine hohe
Scherfestigkeit erreicht wird, die im Idealfall an die Festigkeit des "alten" Zahnersatzes heranreicht bzw. diese übersteigt.
Alternativ zur chemischen Aktivierung durch einen Haftvermittler ist es möglich, die Oberfläche des "alten" Materials physikalisch durch Aufrauen zu vergrößern, z.B. mit Hilfe einer Körner- Bestrahlung ("Sandstrahlen"), wobei die Korngröße in günstiger Weise im Bereich ca. 1 1 bis 500 μηη, bevorzugt im Bereich von ca. 50-250 μηη liegt. Dieses Sandstrahlen kann bei hohem Druck (z.B. ca. 1 ,5 bis 4 bar) erfolgen. Alternativ kann das Aufrauen mit Hilfe von Schleifpapier erfolgen, beispielsweise mit einer Körnung des Schleifpapers von P500-P1000
(Körnungsangabe nach europäischer FEPA-Norm). Der Fachmann kann sich bei der Wahl dieser Mittel davon leiten lassen, dass eine gute Haftung mit den wünschenswerten
Eigenschaften dann erzielt ist, wenn die Scherfestigkeit des Materialverbunds, gemessen mit dem nachstehend gezeigten Messverfahren, so hoch ist, dass die Versagensstelle nicht im Haftverbund, sondern im jeweiligen kieselsäure(hetero)polykondensathaltigen Komposit liegt.
Eine weitere Verbesserung der Haftung kann in allen vorgenannten Ausführungsformen erzielt werden, wenn die Oberfläche des "alten" Zahnersatzes mit Hilfe eines Lösungsmittels angequollen wird. Durch diese Maßnahme kann der Haftvermittler weiter oder besser in oberflächennahe Bereiche des Zahnersatzes eindringen, was die effektive für die Haftung bereitstehende Oberfläche vergrößert. Außerdem lassen sich durch Ätzen Si-O-Si-Brücken unter Bildung von SiOH-Gruppen sowie organische Esterbindungen unter Bildung von jeweils einer Hydroxy- und einer Carbonsäuregruppen spalten. Damit kann die Oberfläche vor allem des "alten" Zahnersatzes durch die (Wieder-)Herstellung zusätzlicher reaktiver funktioneller Gruppen modifiziert werden.
Eine besonders gute Haftung lässt sich dadurch erreichen, dass die Oberfläche des "alten" Materials zuerst physikalisch aufgeraut und/oder chemisch (z.B. durch Ätzen, Quellen) vorbehandelt wird. Auf die physikalisch/mechanisch und/oder chemisch aktivierte Oberfläche wird der Haftvermittler und schließlich das Reparaturmaterial bzw. die Schneidemasse aufgetragen und ausgehärtet, was bei einer Applikation im Mund (intraoral) meistens auf photochemischem Wege, im Übrigen aber auch redoxinduziert erfolgen kann. Extraorale Anwendungen lassen auch eine thermische/IR-Härtung zu. Die Haftung kann durch eine Aktivierung der jeweils beteiligten reaktiven Gruppen, z.B. durch Erwärmen oder Belichten, unterstützt werden.
Überraschend konnte dabei gefunden werden, dass eine Reihe von di- oder sogar
mehrfunktionellen Verbindungen eine Haftung des - dann ausgehärteten - Reparaturmaterials am "alten" Zahnersatz bewirkt, die gegenüber dem direkt und ohne Haftvermittler aufgebrachten Reparaturmaterial sowie aus dem Stand der Technik bekannten Haftvermittler-Materialien
deutlich überlegen sind. Diese eignen sich für den erfindungsgemäß einsetzbaren Haftvermittler. Je nach eingesetzter Reparatur- bzw. Schneidemasse, deren Wahl sich wie erwähnt nach dem Material des "alten" Zahnersatzes richtet, können die funktionellen Gruppen dieser Verbindungen gemäß dem nachfolgenden Schema ausgewählt werden:
Aktive Gruppen des aktiven Gruppen auf der Oberfläche des
Haftvermittlers -»■ Reaktion mit -^- "alten Zahnersatzes'Vder Schneidemasse
-OH -C02H
-NCO -OH; -C02H; -NHR; -SH
-NHR C=C-Doppelbindung (aktiviert), -C02H
Aktivierte -C02X -OH; -NHR; -SH
-SH C=C-Doppelbindung (aktiviert oder nicht aktiviert)
C=C-Doppelbindung C=C-Doppelbindung (aktiviert oder nicht aktiviert), (aktiviert oder nicht aktiviert) -SH
C=C (aktiviert) -NHR
Epoxid; cyclisches Carbonat -OH; -C02H; -NHR; -SH
Als "aktivierte C=C-Doppelbindungen" sind Gruppen mit solchen Doppelbindungen zu verstehen, in deren Nachbarschaft sich eine elektronenziehende Gruppe befindet, derart, dass ein Angriff durch eine -NHR-Gruppe (ein nucleophiler Angriff) möglich ist. Beispiele für derartige Reste sind Acrylate und Methacrylate. Statt des Ausdrucks "aktivierte C=C-Doppelbindungen" wird vorliegend an manchen Stellen auch der Ausdruck "aktive C=C-Doppelbindungen" verwendet.
In einer ersten Ausführungsform, in der die Reparatur- bzw. Schneidemasse aus einem Material mit freien Hydroxygruppen besteht, können die funktionellen Gruppen dieser Verbindungen ausgewählt sein unter Carboxy- (Carbonsäure- oder aktivierten Carbonsäuregruppen wie Anhydridgruppen), Epoxy- oder Isocyanatgruppen. Ohne an eine Theorie gebunden sein zu wollen, nehmen die Erfinder an, dass dieser Effekt auf der Bindung an verbliebenen OH- Gruppen auf der - ansonsten nicht mehr reaktiven - Oberfläche des "alten" Zahnersatzes beruht. Diese OH-Gruppen können verschiedenen Ursprungs sein: Entweder besteht der "alte" Zahnersatz aus einem Material, das organisch gebundene freie Hydroxygruppen (wie z.B. in aus Silanen der Formel (B) mit R2 = OH hergestellten Kieselsäurepolykondensaten) oder Silicium-gebundene Hydroxygruppen (z.B. bei unvollständiger Kondensation der Silane nach vollständiger Hydrolyse) aufweist, oder die OH-Gruppen können mechanisch-chemischen Maßnahmen wie einem Ätzprozess mit einem wässrigen, sauren oder basischen Medium unterworfen worden sein, wodurch beispielsweise Si-O-Si-Brücken unter Ausbildung von Si-OH- Gruppen oder Estergruppen unter Ausbildung freier, organisch gebundener Hydroxygruppen gespalten wurden.
Beispiele für isocyanathaltige Haftvermittlermoleküle, die sich in dieser ersten Ausführungsform einsetzen lassen, sind Dicyclohexylmethandiisocyanat, Hexamethylen-1 ,6-diisocyanat,
Hexamethylen-1 ,8-diisocyanat, Diphenylmethan-4,4-diisocyanat, Diphenylmethan-2,4- diisocyanat, 2,4-Toluylendiisocyanat, 2,6-Toluylendiisocyanat, Triphenylmethan-4,4',4"- triisocyanat, 3-lsocyanatomethyl-3,5,5-trimethylcyclohexyl-diisocyanat und Tris(p- isocyanatophenyl)-thiophosphat.
In einer zweiten Ausführungsform besteht die Reparatur- bzw. Schneidemasse aus einem Material mit freien, ggf. aktivierten Carbonsäuregruppen, und als Haftvermittler wird eine Verbindung mit mindestens zwei Isocyanatgruppen eingesetzt. Diese reagiert dann einerseits mit den OH-Gruppen des "alten" Materials und andererseits mit den Carbonsäuregruppen des Reparatur- bzw. Schneidematerials.
In einer dritten Ausführungsform, in der die Reparatur- bzw. Schneidemasse aus einem Material mit C=C-doppelbindungshaltigen Gruppen besteht, können die funktionellen Gruppen der genannten difunktionellen Verbindungen ausgewählt sein unter Thiol- und Aminogruppen, und in diesem Fall ist es erforderlich, dass auch das Material des "alten" Zahnersatzes C=C- Doppelbindungen aufweist, wie es z.B. bei allen oben gezeigten Materialien (A) bis (G) der Fall ist. Wenn die funktionellen Gruppen Aminogruppen sind, muss eine weitere Bedingung eingehalten werden: Die genannten C=C-Doppelbindungen müssen in beiden Materialien, dem des "alten" Zahnersatzes und dem der Reparatur- bzw. Schneidemasse, aktiviert sein, z.B. durch das Vorhandensein einer elektronenziehenden Gruppe. Beispiele für derartige Reste sind Acrylate und Methacrylate.
Beispiele für aminogruppenhaltige Haftvermittlermoleküle, die sich in dieser dritten
Ausführungsform einsetzen lassen, sind Diaminoaceton, Diaminoacridin, Diaminoadamantan, Diaminoantrachinon, Benzidin, Diaminobenzoesäure, Phenylendiamin, Diaminobenzophenon, Diaminobutan, Diaminocyclohexan, Diaminodecan, Diaminodicyclohexylmethan,
Diaminomethoxybiphenyl, Diaminodimethylhexan, Diaminodiphenylmethan, Diaminododecan, Diaminoheptan, Diaminomesitylen, Diaminomethylpentan, Diaminomethylpropan,
Naphtyhlendiamin, Diaminoneopentan, Diaminooctan, Diaminopentan, Diaminophenantren, Diaminopropan, Diaminopropanol, Diaminopurin und Diaminopyrimidin.
Beispiele für thiogruppenhaltige Haftvermittlermoleküle, die sich in dieser dritten
Ausführungsform einsetzen lassen, sind Trimethylolpropantri(3-mercaptopropionat) (TMPMP); Trimethylolpropan-trimercaptoacetat) (TMPMA); Pentaerytritoltetra(3-mercaptopropionat) (PETMP); Pentaerytritoltetramercaptoacetat) (PETMA); Glykoldimercaptoacetat; Glykoldi(3- mercapto-propionat); Ethoxyliertes Trimethylolpropantri(3-mercaptopropionat); Biphenyl-4-4'- dithiol; p-Terphenyl-4,4"-dithiol; 4,4'-Thiobisbezenthiol; 4,4'-Dimercaptostilben; Benzen-1 ,3- dithiol; Benzen-1 ,2-dithiol; Benzen-1 ,4-dithiol; 1 ,2-Benzendimethanthiol; 1 ,3-Benzen-
dimethanthiol; 1 ,4-Benzendimethanthiol; 2,2'-(Ethylendioxy)diethanthiol; 1 ,6-Hexandithiol; 1 ,8- Octandi-thiol und 1 ,9-Nonandithiol.
Besonders hervorzuheben ist, dass sich dann, wenn Thiole oder Isocyanate als Haftvermittler eingesetzt werden, die Feuchtigkeit im Mund nicht nachteilig auswirkt. Bei den im Stand der Technik gängigerweise eingesetzten Adhäsivsystemen zum Befestigen von Kompositfüllungen am Zahn muss der gesamte Bereich trockengelegt werden, da die Haftwirkung durch die
Feuchtigkeit nachteilig beeinflusst wird. Dieser Schritt entfällt in der Regel bei den
erfindungsgemäßen Haftvermittlern mit den genannten Gruppen.
Schematisch lässt sich die Haftvermittlung anhand der nachstehenden Figur erläutern:
Oberfläche des gehärteten Hafrverm ersystem Reparatur- / Harzes / Komposits Schneidemasse
Mit Yb sind die reaktiven Gruppen bezeichnet, die sich noch auf der Oberfläche des "alten" Zahnersatzes befinden. Ya bezeichnet die funktionelle Gruppe der difunktionellen Verbindung, die mit dieser zur Umsetzung kommen soll. Xa ist die zweite funktionelle Gruppe der
difunktionellen Verbindung, die in Hinblick auf die am Reparaturkomposit (hier mit "Reparatur-/ Schneidemasse bezeichnet) vorhandenen Gruppen gewählt wird. Dessen reaktive Gruppen sind mit Xb gekennzeichnet, n und m bedeuten unabhängig voneinander jeweils mindestens 1 , können aber auch 2, 3, 4 bedeuten oder noch größer sein.
Von Vorteil bei der vorliegenden Erfindung kann es sein, wenn die difunktionelle Verbindung zwei oder mindestens zwei identische Gruppen aufweist, d.h. dass Ya und Xa identisch sind. Für den Fall, dass der "alte" Zahnersatz durch die Aushärtung und/oder
Oberflächenbearbeitung im Wesentlichen oder nur noch freie Hydroxygruppen auf seiner Oberfläche aufweist (wie es für die Oberfläche der Kieselsäure(hetero)polykondensate oftmals der Fall ist , d.h. Yb = OH), handelt es sich hierbei um - ggf. mit weiteren, auch möglicherweise reaktiven Gruppen substituierte - Dicarbonsäuren, Bisanhydride, Bisepoxide oder Diisocyanate, d.h. Ya ist -NCO, Epoxy oder -COA mit A = einem Bestandteil, der mit der -CO-Gruppe einen Anhydridrest bildet. In diesen Fällen wird dann eine besonders gute Haftung erzielt, wenn für das Reparaturmaterial ein Harzsystem eingesetzt wird, das aus Hydroxygruppen enthaltenden
Silanen hergestellt wurde, beispielsweise ein Harzsystem aus oder unter Verwendung von Silanen der Formel (A), die zusätzlich freie Hydroxygruppen aufweisen, oder Silanen der Formel (B), in denen R2 gleich OH bedeutet (Xb = OH). Natürlich ist es ggf. von Vorteil, wenn der "alte" Zahnersatz ebenfalls aus diesem oder einem vergleichbaren Harzsystem hergestellt worden war: Im besten Fall ist die Zahl der auf seiner Oberfläche verbliebenen OH-Gruppen deshalb höher, im schlechtesten hat dies keine Wirkung. Sofern der "alte" Zahnersatz verbliebene C=C- Doppelbindungen enthält, können auch diese zur Anbindung genutzt werden, wie bereits oben erwähnt, beispielsweise mit Hilfe einer difunktionellen Verbindung, die Thiolgruppen oder (wenn die C=C-Doppelbindungen in einer Anordnung vorliegen, in der sie aktiviert sind, siehe oben) Aminogruppen enthält. Da es viele geeignete Reparaturmaterialien/Schneidemassen gibt, die ebenfalls C=C-Doppelbindungen aufweisen (welche ja erst nach dem Aufbringen durch
Aushärten zumindest teilweise verbraucht werden), sind für solche Systeme
Dithiolverbindungen (bzw. ggf. Diamine) als difunktionelle Verbindungen günstig. Auf das obige Schema bezogen bedeuten in solchen Fällen Xb und Yb jeweils eine Gruppe, die eine (ggf. aktivierte) C=C-Doppelbindung aufweist, während Xa und Ya SH oder NH2 oder NHR mit R = z.B. Alkyl, Aryl, Alkylaryl mit vorzugsweise 1 bis 6 Kohlenstoffatomen für nicht-arylierte Gruppen und vorzugsweise 6-16 Kohlenstoffatomen für arylierte Gruppen bedeuten.
Statt dessen wird es vorkommen, dass der Zahnarzt oder Zahntechniker ein anderes
Reparaturmaterial wählt, das z.B. eine andere Härte besitzt als das des "alten" Zahnersatzes, oder dass eine vom Grundkörper unterschiedliche Schneidmasse aufgetragen werden soll. Dann ist eine difunktionelle Verbindung zu wählen, deren Gruppe oder Gruppen Xa mit reaktiven Gruppen des Reparaturmaterials reagieren können. In einer Ausführungsform schlägt die Erfindung vor, dass diese Gruppen identisch mit den Gruppen Ya sind, z.B. im Falle eines Reparaturmaterials, das freie Carboxygruppen aufweist: Dann können die Gruppen Xa wie die Gruppen Ya z.B. Epoxygruppen oder Isocyanatgruppen sein. In einer anderen Ausführungsform können die Gruppen Ya und Xa jedoch auch unterschiedlich sein. Dann ist es möglich, diese Gruppen unabhängig voneinander frei unter dem Aspekt zu wählen, dass zumindest eine davon mit dem "alten" Zahnersatz und zumindest eine weitere mit reaktiven Gruppen des
Reparaturmaterials reagieren kann. Unter Bezugnahme auf das obige Schema, das die
Reaktionen bestimmter funktioneller Gruppen mit aktiven Gruppen auf der Oberfläche des "alten" Zahnersatzes/der Schneidemasse zeigt, wird deutlich, welche Möglichkeiten der Wahl der funktionellen Gruppen des Haftvermittlers je nach Vorhandensein der aktiven Gruppen an den beiderseitigen Materialien bestehen. Wenn beispielsweise der "alte" Zahnersatz Gruppen mit C=C-Doppelbindungen aufweist und die Schneidemasse aus einem
Kieselsäure(hetero)polykondensat besteht, das neben Gruppen mit solchen unvernetzten C=C- Doppelbindungen C02H-Gruppen aufweist, kann als Haftvermittler eine Substanz eingesetzt werden, die eine oder zwei SH- und eine oder zwei OH-Gruppen aufweist. Beispiele hierfür sind Thioglycerin (3-Mercaptopropan-1 ,2-diol), 6-Mercapto-1 -hexanol, 1 1 -Mercapto-1 -undecanol und 1 -Mercaptoundec-1 1 -yl)-tetraethylenglykol. Wenn dasselbe System verwendet wird, wobei das
Material der Schneidemasse jedoch freie Hydroxy- anstelle von Carbonsäuregruppen aufweist, kann asl Haftvermittler eine Substanz eingesetzt werden, die eine oder zwei SH- und eine oder zwei COOH-Gruppen aufweist. Beispiele sind 1 1 -Mercaptoundecansäure, 3-Mercapto- propionsäure, 3- bzw. 4-Mercaptophenylessigsäure, 16-Mercaptohexadesansäure,
8-Mercaptooctansäure, 15-Mercaptopentadecansäure und 4-Mercaptophenylessigsäure.
Andere Beispiele für Haftvermittler mit unterschiedlichen Gruppen Ya und Xa sind:
Methacrylsäureisocyanatoethylester und Glycidyloxypropylmethacrylat (reagieren mit OH-, C02H-, NHR- und SH-Gruppen sowie Doppelbindungen), Aminoethanol, 2-Methylaminoethanol und Diethanolamin (reagieren mit aktivierten C=C-Doppelbindungen sowie C02H).
In einer besonderen Ausführungsform kann eine der (mindestens) zwei Funktionen des Haftvermittlers anstelle einer Gruppe wie oben aufgelistet eine Mono-, Di- oder
Trialkoxysilylgruppe sein. Diese bindet an Si-OH-Gruppen in dem "alten" Zahnersatz bzw. der Schneidemasse. Die mindestens eine andere Funktion kann dann beispielsweise eine SH- Gruppe sein. Beispiele sind 3-Mercaptopropyl-trimethoxysilan, 3-Mercaptopropyl-triethoxysilan und 3-Mercaptopropyl-methyldimethoxysilan. Silane dieser Art können auch in hydrolytisch teilkondensierter Form eingesetzt werden. Es handelt sich dann um ein hydrolytisch
teilkondensiertes, organisch modifiziertes Kieselsäurepolyteilkondensat, bei dem ein Teil der Alkoxygruppen des Silans durch Kondensation in Si-O-Si-Strukturen übergegangen ist, während ein anderer Teil der Alkoxygruppen zu Si-OH-Gruppen hydrolysiert wurde oder unverändert geblieben ist. Deshalb liegen in diesen Kieselsäurepolyteilkondensaten sowohl Si- OR- (mit OR = Alkoxy) als auch Si-OH-Gruppen vor. Solche Teilkondensate werden aus den Silanen durch vorsichtige Hydrolyse mit einem Unterschuss an Hydrolysereagens erzeugt. Sie sind mit den monomeren Verbindungen insoweit vergleichbar, als sie pro Silylgruppe mindestens eine weitere Gruppe wie die Mercaptogruppe tragen und sich ihre Si-OH-Gruppen wie die Alkoxygruppen verhalten, allerdings eher etwas reaktiver sind als diese.
Das Rückgrat der difunktionellen Verbindung, das die beiden funktionellen Gruppen verbindet, kann beliebig ausgewählt sein. Beispielsweise kann es sich um einen ggf. durch
Kupplungsgruppen wie COO, CONH, NHCO oder dergleichen oder Sauerstoff- oder
Schwefelatome oder NH-Gruppen unterbrochenen Kohlenwasserstoff handeln. Dieser kann ausgewählt sein unter vorzugsweise geradkettigen, aber auch verzweigten oder cyclischen Alkylengruppen, entsprechenden Alkenylengruppen, Arylengruppen, Aralkylengruppen, Alkylarylengruppen oder Alkylarylalkylengruppen. Die Anzahl der darin enthaltenen
Kohlenstoffatome ist nicht kritisch und kann beispielsweise zwischen 2 und 6 für nichtaromatische und nicht-zyklische Verbindungen und 5 bis 20 für zyklische bzw.
arylgruppenhaltige Verbindungen liegen. In einer anderen Ausführungsform ist die difunktionelle Verbindung ein Silan mit zwei über Kohlenstoff an das Silicium gebundenen Resten, die jeweils eine der erforderlichen funktionellen Gruppen tragen, oder mit einem solchen Rest, der beide
der erforderlichen funktionellen Gruppen trägt, oder ein Disilan mit solchen Gruppen oder ein Silanharz (ein Kondensat) aus solchen Silanen.
Günstig ist es natürlich, wenn die difunktionelle Verbindung eine Flüssigkeit ist, z. B
Hexamethylendiisocyanat. Sie kann aber auch als Lösung auf die Oberfläche des "alten" Zahnersatzes aufgebracht werden, sodass auch feste oder pastöse Verbindungen eingesetzt werden können, sofern sie in einem geeigneten Lösungsmittel löslich sind. Hierfür kommen für den Fall von Isocyanaten vor allem Ester wie Essigester oder Ether wie z.B. Tetrahydrofuran in Frage. Wenn die difunktionelle Verbindung durch Wasser, Wasser-Alkohol-Gemische sowie Alkohole nicht angegriffen wird, kommen auch diese Lösungsmittel in Frage.
Werden gefüllte Kieselsäure(hetero)polykondensate für den "alten" Zahnersatz und/oder die Reparatur- bzw. Schneidemasse verwendet, kann in besonderen Fällen auch der Füllstoff für eine verbesserte Verbindung der beiden Materialien herangezogen werden. Dies gelingt, wenn auch die für die Füllung verwendeten Partikel freie Gruppen aufweisen, die für die Anbindung des Haftvermittlers genutzt werden können. Beispiele sind Füllstoffe, die SiOH-Gruppen auf ihrer Oberfläche tragen wie Aerosil, oder silanisierte Füllstoffpartikel. Wenn silanisierte Partikel Estergruppen auf ihrer Oberfläche tragen, können diese wie auch Si-O-Si-Brücken unter Ausbildung von OH- bzw. OH- und COOH-Gruppen gespalten werden, wie oben im
Zusammenhang mit dem Effekt des Ätzens der Oberfläche des "alten" Zahnersatzes
beschrieben.
In einer besonderen Ausführungsform der Erfindung, die mit allen vorgenannten
Ausführungsformen kombinierbar ist, wird bei der Reparatur des Zahnersatzes oder
Kronengrundkörpers eine Farbanpassung vorgenommen.
Es ist üblich, dass Kronen bzw. bestimmte Bereiche davon mit Farbpasten/Malfarben bemalt werden, um eine möglichst hohe Ästhetik zu erzielen und damit realistisch zu wirken. Als finaler Schritt werden diese Farbpasten z.B. auf Kronen aus einem organischen Kunststoff aufgebracht und mittels z.B. Blaulichtstrahler ausgehärtet. Ein großer Nachteil hierbei ist, dass diese
Farbpasten nicht sehr abrasionsresistent sind. Durch das Aufeinanderreiben beim Kauen werden die aufgebrachten Farbschichten sehr schnell abradiert. Der Farbeffekt geht dadurch verloren, und die Krone verliert an Ästhetik.
Um dem abzuhelfen, schlägt die Erfindung vor, dass die Malfarben nicht oder nicht nur auf der Außenschicht aufgetragen werden. Durch den mehrschichtigen Aufbau der erfindungsgemäßen Kompositkronen ist es nämlich möglich, die Malfarben zwischen der äußersten
(Schmelzschicht/Schneidemasse) und dem Grundkörper aufzubringen.
In einer ersten Ausgestaltung dieser Ausführungsform wird eine zusätzliche Zwischenschicht aufgebracht. Auf den ggf. aufgerauten Grundkörper wird hierbei zunächst Haftvermittler aufgebracht. Eine Farbpaste, umfassend ein Matrixsystem mit einem Fotoinitiator, das dem der
Schmelzschicht entspricht (d.h. dasselbe organisch modifizierte
Kieselsäure(hetero)polykondensat aufweist wie die Schmelzschicht oder ein solches
Kieselsäure(hetero)polykondensat aufweist, dass die gleichen reaktiven Gruppen besitzt wie die Schmelzschicht), sowie einem oder mehreren Farbpigmenten (z.B. Titandioxid, Eisenoxid in einem Mengenanteil von bevorzugt 0,001 - 1 ,0 Promille) wird aufgetragen und mit Blaulicht gehärtet. Die polymerisierte Malfarbe wirkt dabei als Dispersionsschicht, die ein erneutes Auftragen von Haftvermittler überflüssig macht. Im Anschluss kann nun die Schmelzschicht aufgebracht und gehärtet werden.
Eine weitere Ausgestaltung sieht vor, ein oder mehrere Farbpigmente direkt in den
Haftvermittler einzumischen (z.B. Titandioxid, Eisenoxid, Mengenanteil bevorzugt in einer Menge von 0,001 - 1 ,0 Promille). Auf den ggf. aufgerauten Grundkörper wird der Haftvermittler aufgetragen. Danach kann die Schmelzschicht aufgebracht und mit Blaulicht ausgehärtet werden.
In einer dritten Ausgestaltung werden die Farbpigmente "klassischen" rein organischen
Monomeren oder Prepolymeren zugesetzt, wie sie für die Herstellung organischer
Dentalsysteme verwendet werden. Beispiele für solche Monomere wurden bereits oben genannt, darunter Bis-GMA mit OH- und C=C-Gruppen, UDMA und TEGDMA nur mit C=C- Gruppen. Es sind aber auch z.B. Mischungen dieser Monomere möglich. Der Mengenanteil an Farbpigment liegt im gleichen Bereich wie für den Haftvermittler angegeben. Die Monomere werden nach dem Aufrauen und/oder vor dem Aufbringen des Haftvermittlers auf den bestehenden Zahnersatz aufgetragen.
Gegebenenfalls können zwei oder, wenn gewünscht, sogar alle drei der vorgenannten
Ausgestaltungen in Kombination angewendet werden.
In beiden Fällen werden die Malfarben/Farbpasten durch die äußere Schmelzschicht geschützt. Eine schnelle Abnutzung beim Kauen wird somit vermieden. Die Ästhetik bleibt erhalten.
Die Erfindung ist nicht auf den Dentalbereich beschränkt; sie kann gegebenenfalls für das Aufbringen eines Kieselsäure(hetero)polykondensats oder eines Komposits aus einem mit Füllstoff gefüllten solchen Kondensat auf die Oberfläche eines bereits ausgehärteten, ungefüllten oder mit Füllstoff gefüllten Kieselsäure(hetero)polykondensats (oder auch rein organischen Materials, siehe die einleitende Materialbeschreibung) beliebiger Form und in beliebigen technischen Zusammenhängen verwendet werden. Beispiele sind (mikro)optische und (mikro)elektronische Anwendungen.
Nachstehend soll die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert werden: I. Harzsysteme für das "alte" Zahnmaterial:
Synthese von Harzsystem A (aus DE 44 16 857)
O
(X
H?C=C— C— OH + ^ ,SiCH3(OC2H5)2
CH3
1. Stufe MAS- Addition (Kat/Tenp.)
2. Stufe Hydrolyse/Kondensation (Kat./Temp.)
Zur Vorlage von 125,0 g (0,503 mol) 3-Glycidyloxypropyltrimethoxysilan werden unter trockener Atmosphäre Triphenylphosphin als Kat., BHT als Stabilisator und anschließend 47,35 g (0,550 mol) Methacrylsäure zugetropft und bei 80°C gerührt (ca. 24 h). Die Umsetzung kann über die Abnahme der Carbonsäurekonzentration mittels Säuretitration sowie dem Epoxidumsatz mittels Ramanspektroskopie/Epoxidtitration verfolgt werden. Die für die Epoxidgruppe vom Epoxysilan charakteristische Bande erscheint im Ramanspektrum bei 1256 cm"1. Der Epoxid- bzw. Carbonsäureumsatz liegt bei > 99 % bzw. > 89 % (-» da 1 : 1 ,1 Carbonsäureüberschuss). Nach Zugabe von Essigester (1000 ml/mol Silan) und H20 zur Hydrolyse mit HCl als Kat. wird bei 30°C gerührt. Der Verlauf der Hydrolyse wird jeweils durch Wassertitration verfolgt. Die
Aufarbeitung erfolgt nach ca. mehrtägigem Rühren durch mehrmaliges Ausschütteln mit wässriger NaOH und mit Wasser und Filtration über hydrophobierten Filter. Es wird zunächst abrotiert und anschließend mit Ölpumpenvakuum abgezogen. Es resultiert ein flüssiges Harz ohne Einsatz von Reaktivverdünnern (Monomeren) mit einer sehr geringen Viskosität von ca. 3 - 6 Pa s bei 25°C (stark abhängig von den genauen Hydrolyse- und Aufarbeitungsbedingungen) und 0,00 mmol C02H/g (keine freien Carboxylgruppen).
Es ist hervorzuheben, dass bei diesem Material alle vorgenannten Haftvermittler verwendet werden können, weil es sowohl (aktivierte) C=C-Doppelbindungen als auch (organische gebundene) Hydroxygruppen aufweist.
Erfolgt die Kondensation der Silane unvollständig, bleiben zusätzliche SiOH-Gruppen im Material und damit auch auf dessen Oberfläche erhalten. Dies gilt für alle hydrolysierbaren und kondensierbaren Silanmaterialien.
Synthese von Harzsystem D (DE 10 201 1 053 865.8) Grundreaktionsprinzip: 1 CH2— OH
/ - Kat.
Beispiel 1 . Reaktion:
Zur Vorlage von 80,4 g (0,18 mol) von Harzsystem A und ggf. 0,17 g Triethylamin werden unter Rühren 8,96 g (0,276 mol) 3-Mercaptopropan-1 ,2-diol zugetropft. Die Umsetzung kann mittels NMR sowie über die Abnahme der HS-Bande mittels Raman-Spektroskopie verfolgt werden. Die für die HS-Gruppe charakteristische Bande erscheint im Raman-Spektrum bei 2566 cm"1. Es resultiert ein flüssiges Harz mit einer Viskosität von ca. 16 -18 Pa-s bei 25°C (abhängig von den genauen Synthese- und Aufarbeitungsbedingungen der Vorstufen). Eine weitere
Aufarbeitung ist in der Regel nicht erforderlich.
Synthese von Harzsystem E (DE 44 16 857)
Zur Vorlage von 129,2 g (0,52 mol) 3-Glycidyloxypropyltrimethoxysilan werden unter trockener Atmosphäre Triphenylphosphin als Kat., BHT als Stabilisator und anschließend 47,35 g (0,550 mol) Methacrylsäure zugetropft und bei 80°C gerührt (ca. 24 h). Die Umsetzung kann über die Abnahme der Carbonsäurekonzentration mittels Säuretitration sowie dem Epoxidumsatz mittels Ramanspektroskopie/Epoxidtitration verfolgt werden. Die für die Epoxidgruppe vom Epoxysilan charakteristische Bande erscheint im Ramanspektrum bei 1256 cm"1. Nach Zugabe von Essigester (1000 ml/mol Silan) und H20 zur Hydrolyse mit HCl als Kat. wird bei 30°C gerührt und 22,0 g (0,10 mol) Methacryloxymethyltrimethoxysilan langsam zugetropft. Der Verlauf der Hydrolyse wird jeweils durch Wassertitration verfolgt. Die Aufarbeitung erfolgt nach ca.
2-tägigem Rühren durch mehrmaliges Ausschütteln mit wässriger NaOH und mit Wasser und Filtration über hydrophobierten Filter. Es wird zunächst abrotiert und anschließend mit
Ölpumpenvakuum abgezogen. Es resultiert ein flüssiges Harz ohne Einsatz von
Reaktivverdünnern (Monomeren) mit einer Viskosität von ca. 5,6 Pa-s bei 25°C (stark abhängig von den genauen Hydrolyse- und Aufarbeitungsbedingungen).
Harzsystem E unterscheidet sich von Harzsystem A dadurch, dass die der hydrolytischen Kondensation unterworfenen Ausgangsmaterialien zusätzlich
Methacryloxymethyltrimethoxysilan aufweisen, was zu einer stärkeren anorganischen Vernetzung des resultierenden Systems führt. la Komposite für Kronen mit hoher Bruchfestigkeit (vorzugsweise mit einer Bruchfestigkeit, die über derjenigen von PMMA-basierten Materialien (ca. 93 MPa) liegt)
Beispiel la-1
50 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
50 Gew.-% Füllstoff Silmikron 810-10/1 (zu 99 Gew.-% aus Si02 bestehend),
Primärpartikelgröße: 0,5 μηη, unsilanisiert (Fa. Quarzwerke)
Füllstoffeinarbeitung: 3 Durchgänge im Dreiwalzwerk
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 100 ± 5 MPa
E-Modul: 4,5 ± 0,1 1 GPa
Beispiel la-2
50 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
50 Gew.-% Füllstoff Silbond 960-943 MST (zu fast 99 Gew.-% aus Si02 bestehend),
Primärpartikelgröße: 1 ,2 μηη, silanisiert (Fa. Quarzwerke)
Füllstoffeinarbeitung: 3 Durchgänge im Dreiwalzwerk
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 101 ± 1 1 MPa
E-Modul: 5,1 ± 0,08 GPa
Beispiel la-3
50 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
50 Gew.-% Füllstoff Silbond FW 600 MST (zu fast 99 Gew.-% aus Si02 bestehend),
Primärpartikelgröße: 4 μηη, silanisiert (Fa. Quarzwerke)
Füllstoffeinarbeitung: 3 Durchgänge im Dreiwalzwerk
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 1 13 ± 8 MPa
E-Modul: 5,40 ± 0,05 GPa
Beispiel la-4
40 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
60 Gew.-% Silbond FW 600 MST (zu fast 99 Gew.-% aus Si02 bestehend),
Primärpartikelgröße: 4 μηη, silanisiert (Fa. Quarzwerke)
Füllstoffeinarbeitung: 2 x Dreiwalzwerk
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 126 ± 10 MPa
E-Modul: 7,3 ± 0,1 1 GPa
Beispiel la-5
40 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
60 Gew.-% Füllstoffmischung (Fa. Quarzwerke)
- Silmikron 810-10/1 (zu fast 99 Gew.-% aus Si02 bestehend), Primärpartikelgröße: 0,5 μηη, unsilanisiert (2 Durchgänge im Dreiwalzwerk)
- Silbond FW600 MST (zu fast 99 Gew.-% aus Si02 bestehend), Primärpartikelgröße: 4 μιτι, silanisiert (2 x 15 min im Planetenmischer)
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 131 ± 14 MPa
E-Modul: 7,0 ± 0,14 GPa
Beispiel la-6
40 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
60 Gew.-% Füllstoff Silmikron 810-10/1 (zu fast 99 Gew.-% aus Si02 bestehend),
Primärpartikelgröße: 0,5 μηη unsilanisiert (Fa. Quarzwerke)
Füllstoffeinarbeitung: 3 Durchgänge im Dreiwalzwerk
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 148 ± 8 MPa
E-Modul: 6,4 ± 0,17 GPa
Ib Weitere Komposite für permanente Kronen / Grundmaterial (Wichtige Aspekte sind hier: eine hohe Bruchfestigkeit von vorzugsweise über 1 13 ± 10 MPa und ein hoher E-Modul, eine hohe Bruchzähigkeit, eine hohe Härte und eine geringe Abrasion).
Beispiel lb-1
15 Gew.-% Harzsystem A + 1 ,5% DBPO
85 Gew.-% Füllstoffmischung, silanisiert (55 Gew.-% Si02, 25 Gew.-% BaO, 10 Gew.-% B203, 10 Gew.-% Al203) (Schottglas GM 27884), bestehend aus:
- 18% Nanofine, Primärpartikelgröße: 0,18 μηη (1 Durchgang im Dreiwalzwerk)
- 14% Ultrafine, Primärpartikelgröße: 0,40 μηη (1 Durchgang im Dreiwalzwerk)
- 68% K6, Primärpartikelgröße: 3,0 μηη (2 x 15 min im Planetenmischer, 20 U/min)
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 167 ± 15 MPa
E-Modul: 13,8 ± 0,66 GPa
Vickershärte: 100 HV0,5; 30 s
Beispiel lb-2
100 Gew.-% Harzsystem D + 1 ,2% Campherchinon + 1 ,8% DABE
Photoinitiierte Härtung 100 s beidseitig, 1 ,5 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 130 ± 4 MPa
E-Modul: 2,7 ± 0,09 GPa
Beispiel lb-3
100 Gew.-% Harzsystem D + 1 % Lucirin-TPO
Photoinitiierte Härtung 100 s beidseitig, 1 ,5 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 132 ± 4 MPa
E-Modul: 2,7 ± 0,1 1 GPa
Beispiel Ic Einfarbige Kronen
Beispiel lc-1
15 Gew.-% Harzsystem A + 1 ,5% DBPO
85 Gew.-% Füllstoffmischung, silanisiert (55 Gew.-% Si02, 25 Gew.-% BaO, 10 Gew.-% B203,
10 Gew.-% Al203) (Schottglas GM 27884), bestehend aus:
18% Nanofine, Primärpartikelgröße: 0,18 μηη (1 Durchgang im Dreiwalzwerk)
14% Ultrafine, Primärpartikelgröße: 0,40 μηη (1 Durchgang im Dreiwalzwerk)
68% K6, Primärpartikelgröße: 3,0 μηη (2 x 15 min im Planetenmischer, 20 U/min)
Thermische Härtung für 3 h bei 100°C
Beispiel lc-2
30 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
70 Gew.-% Füllstoff, unsilanisiert 0,7 μηι (65 Gew.-% Si02, 15 Gew.-% B203, < 5 Gew.-% Al203, 5 Gew.-% K20, 10 Gew.-% Cs203, 5 Gew.-% La203, < 5 Gew.-% Zr02) (Schottglas GO 18-307) Füllstoffeinarbeitung: Kombination aus Dreiwalzwerk und Planetenmischer
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C
Id Komposite für Füllungen:
Diese Komposite können aus denselben Materialien hergestellt sein wie die vorgenannten Kronenkomposite. le Komposite für das Reparatursystem/die Schneide- bzw. Reparaturmasse: (hier sind die wesentlichen Aspekte eine hohe Ästhetik, hohe Transluzenz, hohe Härte, geringe Abrasion und gute Politurfähigkeit):
Beispiel le-1
71 ,4 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
28,6 Gew.-% Silmikron 810-10/1 (zu fast 99 Gew.-% aus Si02 bestehend), Primärpartikelgröße:
0,5 μηη, unsilanisiert (Fa. Quarzwerke)
Füllstoffeinarbeitung: 1 Durchgang im Dreiwalzwerk
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit [MPa] E-Modul [GPa] Transluzenz [%] C=C-Umsatz [%]
98 ± 8 3,1 ± 0,09 42 93
Beispiel le-2
71 ,4 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
28,6 Gew.-% Füllstoff Trisopor 4000, unsilanisiert, poröses Glas, (267 nm Porengröße), amorph, mind. 90 % Si02 (Fa. VitraBio)
Füllstoffeinarbeitung: 3 Durchgänge im Dreiwalzwerk
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Beispiel le-3
71 ,4 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
28,6 Gew.-% Füllstoff Ultrafine, Primärpartikelgröße: 0,40 μηη, silanisiert (55 Gew.-% Si02, 25 Gew.-% BaO, 10 Gew.-% B203, 10 Gew.-% Al203) (Schottglas GM 27884)
Füllstoffeinarbeitung: 1 Durchgang im Dreiwalzwerk
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Beispiel le-4
71 ,4 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
28,6 Gew.-% Füllstoff Trisopor 400, unsilanisiert, poröses Glas (40 nm Porengröße), amorph, mind. 90% Si02) (Fa. VitraBio)
Füllstoffeinarbeitung: 2 Durchgänge im Dreiwalzwerk
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Beispiel le-5
50 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
50 Gew.-% Füllstoff Nanofine, Primärpartikelgröße: 0,18 μηη, silanisiert (55 Gew.-% Si02, 25 Gew.-% BaO, 10 Gew.-% B203, 10 Gew.-% Al203) (Schottglas GM 27884)
Füllstoffeinarbeitung: 1 Durchgang im Dreiwalzwerk, anschließend: Vakuum verfahren Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit [MPa] E-Modul [GPa] Transluzenz [%] C=C-Umsatz [%]
127 ± 7 4,4 ± 0,04 n.b. n.b.
Beispiel le-6
75 Gew.-% Harzsystem A + 2% DBPO
25 Gew.-% Füllstoff sprühgetrocknete Nanopartikel, Primärpartikelgröße: 70 nm, unsilanisiert (hergestellt gemäß DE 10 2005 061965). Füllstoffeinarbeitung: 1 Durchgang im Dreiwalzwerk Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Beispiel le-7
30 Gew.-% Harzsystem E + 2% DBPO
70 Gew.-% Füllstoffmischung, silanisiert (65 Gew.-% Si02, 15 Gew.-% B203, < 5 Gew.-% Al203 5 Gew.-% K20, 10 Gew.-% Cs203, 5 Gew.-% La203, < 5 Gew.-% Zr02) (Schottglas G018-307), bestehend aus:
- 25% Ultrafine, Primärpartikelgröße: 0,7 μηη (3 Durchgänge im Dreiwalzwerk)
- 75% K5, Primärpartikelgröße: 5,0 μηη (2 x 15 min im Planetenmischer, 40 U/min, 1 x 15 min mit 0,8 bar Unterdruck (Entgasung)
Thermische Härtung für 4 h bei 100°C, 1 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 129 ± 9 MPa
E-Modul: 10,2 ± 0,14 GPa
Beispiel le-8
30 Gew.-% Harzsystem E + 1 % Lucirin-TPO
70 Gew.-% Füllstoffmischung, silanisiert (65 Gew.-% Si02, 15 Gew.-% B203, < 5 Gew.-% Al203 5 Gew.-% K20, 10 Gew.-% Cs203, 5 Gew.-% La203, < 5 Gew.-% Zr02) (Schottglas G018-307), bestehend aus:
- 25% Ultrafine, Primärpartikelgröße: 0,7 μηη (3 Durchgänge im Dreiwalzwerk)
- 75% K5, Primärpartikelgröße: 5,0 μηη (2 x 15 min im Planetenmischer, 40 U/min, 1 x 15 min mit 0,8 bar Unterdruck (Entgasung)
Photoinitiierte Härtung 100 s beidseitig, 1 ,5 d trockene Lagerung bei 40°C
Bruchfestigkeit: 123 ± 9 MPa
E-Modul: 8,9 ± 0,44 GPa
II. Zusammensetzungen der Komposite für die Scherfestigkeitsuntersuchungen
Für die folgenden Beispiele wurden Kronen- bzw. Füllungskomposit als Grundmaterial und das Reparaturkomposit als nachträglich aufgebrachtes Material eingesetzt. Die
Zusammensetzungen sind in Beispiel 11-1 bis 11— 3 aufgelistet. Selbstverständlich sind die
aufgeführten Kompositzusammensetzungen rein beispielhaft und sollen die Erfindung nicht beschränken.
Beispiel 11-1
Das für die Messungen verwendete Kronenkomposit besteht aus Harzsystem A, 2%
(Dibenzoylperoxid) DBPO und 70 Gew.-% Füllstoff K6, Primärpartikelgröße 3 μηι (GM 27884, Fa. Schott, Zusammensetzung: 55 Gew.-% Si02, 25 Gew.-% BaO, 10 Gew.-% B203, 10 Gew.-% Al203). Der Füllstoff wurde 2 x 15 min im Planetenmischer bei 30 U/min und anschließend 1 x 15 mit 0,8 bar Unterdruck zum Entgasen eingearbeitet. Das Kronenkomposit wurde zur Bestimmung der Scherfestigkeit für 4 h bei 100°C polymerisiert.
Beispiel II-2
Das für die Messungen verwendete Füllungskomposit besteht aus Harzsystem A, 0,6%
Campherchinon (CC) und 0,9% Dimethylaminobenzoesäureethylester (DABE) und 70 Gew.-% Füllstoff K6, Primärpartikelgröße 3 μηη (GM 27884, Fa. Schott, Zusammensetzung: 55 Gew.-% Si02, 25 Gew.-% BaO, 10 Gew.-% B203, 10 Gew.-% Al203). Der Füllstoff wurde 2 x 15 min im Planetenmischer bei 30 U/min und anschließend 1 x 15 mit 0,8 bar Unterdruck zum Entgasen eingearbeitet. Das Füllungskomposit wurde zur Bestimmung der Scherfestigkeit beidseitig für je 120 s mit Blaulicht polymerisiert.
Beispiel II-3
Das für die Messungen verwendete Reparaturkomposit besteht aus Harzsystem A, 0,6% CC und 0,9% DABE und 70 Gew.-% Füllstoffmischung bestehend aus: 15% Nanofine 180
(Primärpartikelgröße 0,18 m), 14% Ultrafine 400 (Primärpartikelgröße 0,40 m), 71 % K6 (Primärpartikelgröße 3,0 m), (GM 27884, Fa. Schott, Zusammensetzung: 55 Gew.-% Si02, 25 Gew.-% BaO, 10 Gew.-% B203, 10 Gew.-% Al203). Die Füllstoffe Nanofine 180 und Ultrafine 400 wurden mit jeweils 2 Durchgängen im Dreiwalzwerk mit 130 U/min eingearbeitet. Der Füllstoff K6 wurde 2 x 15 min im Planetenmischer bei 30 U/min und anschließend 1 x 15 min. mit 0,8 bar Unterdruck zum Entgasen eingearbeitet. Das Reparaturkomposit wurde wie in den Ausführungsbeispielen angegeben gehärtet.
III. Vergleichsmessungen an rein mechanisch vorbehandelten Kompositen
(Oberflächenvergrößerung durch Sandstrahlen)
Für die Vergleichsmessungen wurden Scherfestigkeitsproben hergestellt, bestehend aus einem zylindrischen Grundmaterial (Kronenkomposit) und einem auf dessen eine Fläche zentrisch aufgesetzten kleineren Zylinder aus Reparaturkomposit. Durch Abscheren des kleineren Zylinders wurde festgestellt, in welchem Bereich die Scherfestigkeit des Materials liegt. Das Kronenkomposit wird vorzugsweise thermisch gehärtet und entspricht somit dem Material, das in der Regel für Kronenrohlinge eingesetzt wird, siehe oben. Das Reparaturkomposit wurde wegen der Möglichkeit, die Reparatur direkt im Mund des Patienten vorzunehmen, in der Regel
photoinduziert gehärtet. Kronen- und Füllungskomposit bilden das Grundmaterial, auf dem das Reparaturkomposit aufgebracht wird.
Beispiel 111-1
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (50 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in zwei Schritten für je 60 s mit Blaulicht auf das
Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: 1 1 ± 2 MPa (rein adhäsives Versagen zwischen den Kompositen)
Beispiel III-2
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (1 10 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in zwei Schritten für je 60 s mit Blaulicht auf das
Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: 13 ± 1 MPa (rein adhäsives Versagen zwischen den Kompositen)
Beispiel III-3
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (150 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in zwei Schritten für je 60 s mit Blaulicht auf das
Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: 12 ± 1 MPa (adhäsives Versagen mit einem Drittel an adhäsiv-kohäsivem Versagen, d.h. geringe Anteile der verbundenen Fläche zeigen z.T. kohäsive Ausbrüche aus dem Kronenkomposit)
Beispiel III-4
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (250 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in zwei Schritten für je 60 s mit Blaulicht auf das Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: 15 ± 1 MPa (adhäsives Versagen mit zwei Drittel an adhäsiv-kohäsivem Versagen, d.h. geringe Anteile der verbundenen Fläche zeigen z.T. kohäsive Ausbrüche aus dem Kronenkomposit)
Diese Vergleichsmessungen haben gezeigt, dass mit steigender Korngröße des Strahlsandes die Haftung zum Kronenkomposit zunimmt. Ohne diese Vorbehandlung war keine ausreichende Haftung zu erzielen, da sich die abzuscherenden Zylinder schon beim Entformen aus dem Silikonring von der Oberfläche lösten. Der Strahlsand mit den Korngrößen 150 und 250 μηη bewirkt sogar, dass kleine Bereiche der Scherfläche kohäsiv, d.h., dass das Grundmaterial und nicht der Verbund versagen. Durch den Einsatz von Haftvermittlern soll eine weitere Steigerung der Haftung bewirkt werden.
In den folgenden Beispielen sind bei rein kohäsivem Versagen im Komposit keine Scherfestigkeiten angegeben, da es sich hierbei nicht um den eigentlichen Haftungswert sondern um die Festigkeit des Komposites handelt. Sobald ein Kohäsivbruch vorliegt, zeigt dies, dass die Verbindung stärker ist, als das Komposit selbst.
IV Synthese verschiedener Haftvermittler mit mindestens zwei unterschiedlichen funktionellen Gruppen
Beispiel IV- 1
Herstellung eines Kieselsäurepolyteilkondensats mit Methacrylatgruppen
1 g 3-Trimethoxysilylpropylmethacrylat wird mit 19 g Aceton gemischt. Unter Rühren wird 0,109 g 1 N HCl zugegeben und für 2 h weitergerührt.
Beispiel IV-2
Herstellung eines Kieselsäurepolyteilkondensats mit Methacrylat- und kohlenstoffgebundenen OH-Gruppen
Zur Vorlage von 25,3 g (0,102 mol) 3-Glycidyloxypropyl(methyl)diethoxysilan werden unter trockener Atmosphäre 0,26 g Triphenylphosphin als Kat, 0,02 g BHT als Stabilisator und anschließend 8,61 g (0,100 mol) Methacrylsäure zugetropft und bei 85°C gerührt (ca. 24 h). Die Umsetzung kann über die Abnahme der Carbonsäurekonzentration mittels Säuretitration sowie dem Epoxidumsatz mittels Ramanspektroskopie/Epoxidtitration verfolgt werden. Die für die Epoxidgruppe vom Epoxysilan charakteristische Bande erscheint im Ramanspektrum bei 1256 cm"1. 1 g des Produktes wird mit 19 g Aceton gemischt. Unter Rühren wird 0,108 g 1 N HCl zugegeben und 0,5 h weitergerührt.
Beispiel IV-3
Herstellung eines Kieselsäurepolyteilkondensats mit Methacrylat- und kohlenstoffgebundenen OH-Gruppen
Zur Vorlage von 28,7 g (0,122 mol) 3-Glycidyloxypropyltrimethoxysilan werden unter trockener Atmosphäre 0,31 g Triphenylphosphin als Kat., 0,024 g BHT als Stabilisator und anschließend 10,33 g (0,120 mol) Methacrylsäure zugetropft und bei 85°C gerührt (ca. 24 h). Die Umsetzung kann über die Abnahme der Carbonsäurekonzentration mittels Säuretitration sowie dem Epoxid-umsatz mittels Ramanspektroskopie/Epoxidtitration verfolgt werden. Die für die
Epoxidgruppe vom Epoxysilan charakteristische Bande erscheint im Ramanspektrum bei 1256 cm"1.
1 g des Produktes wird mit 19 g Aceton gemischt. Unter Rühren wird 0,168 g 1 N HCl zugegeben und 0,5 h weitergerührt.
V. Beispielreihe Messung der Haftung von Reparaturkomposit zu Kronenkomposit:
Das genannte Kronenkomposit (siehe Beispiel 11-1 ) wurde für die Messungen nach der oben beschriebenen thermischen Härtung in Form eines Zylinders zentrisch in einen Zylinder aus Epoxydharz eingebettet, derart, dass die geraden Oberflächen der beiden Zylinder eine Ebene bildeten, siehe Figur 1. Daraufhin wurde die Oberfläche des Komposit-Zylinders mit
Schleifpapier (4000er Körnung) geschliffen, um eine plane Oberfläche zu erhalten. Es folgten die in den nachstehenden Beispielen angegebenen Maßnahmen. Dabei wurde das
Reparaturkomposit (siehe Beispiel II-3) in Form eines Zylinders mit kleinerem Durchmesser als demjenigen des Kronenkomposit-Zylinders zentrisch auf dessen plane Oberfläche aufgetragen. Mit einem Schermesser wurde sodann der kleinere Zylinder abgeschert; die angegebene Scherfestigkeit ist der Wert, der vor dem Abbrechen des Zylinders gemessen wurde. Je höher die Scherfestigkeit war, desto häufiger und in desto größerem Umfang wurde dabei ein
Ausbrechen von Material des Kronenkomposits beobachtet, was zeigt, dass die Haftung zwischen den Kompositen so hoch ist, dass sie die Eigenbruchfestigkeit des Materials übersteigt.
Beispiel V-1
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (250 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt; anschließend eine gelochte Folie aufgeklebt, um einen definierten Durchmesser der Kontaktfläche zu erhalten; Harzsystem A mit 0,6% CC und 0,9% DABE aufgetragen und für 30 s mit Blaulicht polymerisiert, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in einem Schritt für 60 s mit Blaulicht polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: 15 ± 1 MPa
(2/3 adhäsiv, 1/3 Mischbruch)
Beispiel V-2
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (250 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt, Thiol TMPMP (Trimethylolpropan- tris(3-mercaptopropionat) + (ggf. basischer Katalysator) mit 0,6% CC und 0,9% DABE für 2 h bei 60°C temperiert, danach Thiol und Probe für 1 h bei 40°C temperiert, Thiol auf
Kronenkomposit aufgetragen, 30 min bei 40°C temperiert und für 30 s mit Blaulicht
polymerisiert, überschüssiges Thiol wurde danach abgeblasen, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in einem Schritt für 100 s mit Blaulicht auf das Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: 14 ± 1 MPa (1/6 adhäsiv, 5/6 Mischbruch)
Beispiel V-3
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (1 10 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt; danach Hexamethylen-1 ,6-diisocyanat aufgetragen, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in einem Schritt für 100 s mit Blaulicht auf Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: kohäsiv im Kronenkomposit gebrochen, Haftverbund intakt.
Beispiel V-4
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (250 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt; danach Hexamethylen-1 ,6-diisocyanat aufgetragen, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in einem Schritt für 100 s mit Blaulicht auf das Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: kohäsiv im Kronenkomposit gebrochen, Haftverbund intakt.
Beispiel V-5
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (1 10 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt; danach Hexamethylen-1 ,6-diisocyanat aufgetragen, in ein mit Argon gefüllten Topf für 30 min bei 60°C aktiviert, mit Hilfe eines
Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in einem Schritt für 100 s mit Blaulicht auf das Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel;
Scherfestigkeit: kohäsiv im Kronenkomposit gebrochen, Haftverbund intakt
Beispiel V-6
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (250 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt; danach Hexamethylen-1 ,6-diisocyanat aufgetragen, in ein mit Argon gefüllten Topf für 30 min bei 60°C aktiviert, mit Hilfe eines
Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in einem Schritt für 100 s mit Blaulicht auf das Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel;
Scherfestigkeit: kohäsiv im Kronenkomposit gebrochen, Haftverbund intakt
Beispiel V-7
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (250 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt; danach Haftvermittler 1 aufgetragen, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in einem Schritt für 100 s mit Blaulicht auf das Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: kohäsiv im Kronenkomposit gebrochen, Haftverbund intakt
Beispiel V-8
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (250 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt; danach Haftvermittler gemäß Beispiel IV-2 aufgetragen, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in einem Schritt für 100 s mit Blaulicht auf das Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: kohäsiv im Kronenkomposit gebrochen, Haftverbund intakt
Beispiel V-9
Oberfläche des Kronenkomposites mit Korund (250 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt; danach Haftvermittler gemäß Beispiel
IV-3 aufgetragen, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in einem Schritt für 100 s mit Blaulicht auf das Kronenkomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: kohäsiv im Kronenkomposit gebrochen, Haftverbund intakt.
VI. Beispielreihe Messung der Haftung von Reparaturkomposit zu Füllungskomposit
Das Füllungskomposit wurde für die Messungen von zwei Seiten für 2 min mit Blaulicht gehärtet und im Anschluss daran wie für das Kronenkomposit beschrieben in Epoxidharz eingebettet und mit Schleifpapier (4000er Körnung) geschliffen, um eine plane Oberfläche zu erhalten.
Beispiel VI-1
Oberfläche des Füllungskomposites (siehe Beispiel II-2) mit Korund (250 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt, Harzsystem A mit 0,6% CC und 0,9% DABE auf das Füllungskomposit aufgetragen und für 30 s mit Blaulicht polymerisiert, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit (siehe Beispiel II-3) in einem Schritt für 60 s mit Blaulicht auf das Füllungskomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: 14 ± 1 MPa (1/3 adhäsiv, 2/3 Mischbruch)
Beispiel VI-2
Oberfläche des Füllungskomposites mit Korund (250 μηη Korngröße) mit 2,8 bar Druck im senkrechten Abstand von 1 cm zur Oberfläche gestrahlt, Thiol TMPMP (Trimethylolpropan- tris(3-mercaptopropionat) (+ ggf. basischer Katalysator) mit 0,6% CC und 0,9% DABE für 2 h bei 60°C temperiert, danach Thiol und Probe für 1 h bei 40°C temperiert, Thiol auf das
Füllungskomposit aufgetragen, 30 min bei 40°C temperiert und für 30 s mit Blaulicht
polymerisiert, überschüssiges Thiol wurde danach abgeblasen, mit Hilfe eines Silikonrings wurde der Zylinder aus Reparaturkomposit in einem Schritt für 100 s mit Blaulicht auf das Füllungskomposit polymerisiert; Lagerung 1 d bei 40°C, trocken und dunkel; Scherfestigkeit: 13 ± 1 MPa (1/6 adhäsiv, 5/6 Mischbruch)
Bezugszeichenliste zu Figur 1 :
1 Abscherrichtung des aufgebrachten Kompositzylinders
2 Haftverbund zwischen den Kompositen
3 Zylinder aus Reparaturkomposit
4 Kronen- bzw. Füllungskomposit
5 Einbettmasse (Epoxidharz)