Polvamidformmasse, hieraus gebildeter Formkörper sowie Verwendungsmög- lichkeiten
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Polyamidformmasse, die aus einem Polyamid, Hohlglaskugeln, Kohlenstofffasern sowie gegebenenfalls mindes tens einem Additiv besteht. Zudem werden Formkörper angegeben, die aus der erfindungsgemäßen Polyamidformmasse gebildet sind. Ebenso beschrie ben werden Verwendungsmöglichkeiten der erfindungsgemäßen Polyamidformmasse.
Aus dem Stand der Technik sind Polyamidformmassen bekannt, die zu Zwe cken der Gewichtsreduktion Hohlglaskugeln beinhalten.
EP 2 825 590 beschreibt leichtgewichtige thermoplastisch geformte Artikel, die Hohlglaskugeln enthalten und durch einen speziellen Spritzgussprozess geschäumt wurden. Die Formkörper weisen geringe Dichten typerweise unter 1,2 g/cm 3 auf und enthalten bevorzugt Füllstoffe, um die mechanischen Ei genschaften der ungefüllten und ungeschäumten Formkörper annähernd bei-
behalten zu können.
US 2017/0321038 Al betrifft thermoplastische Formmassen, die neben Hohl glaskugeln organische Verstärkungsfasern, wie z.B. Polyamidfasern, enthalten. Auch hier werden Formkörper beschrieben, die eine tiefe Dichte, aber auch geringe Steifigkeit und Festigkeit aufweisen.
US 2012/0316261 Al offenbart Formmassen mit geringer Wärmeleitfähigkeit, die neben Polyamid, Polyolefin und Hohlglaskugeln optional Füllstoffe, insbe sondere Glasfasern enthalten. In den Beispielen wird eine Kombination aus Hohlglaskugeln und Glasfasern gearbeitet, wobei die resultierende Formmas se eine Dichte von 1,24 g/cm 3 aufweist.
EP 3 135 731 Al betrifft Polyamidformmassen mit einer Dichte von kleiner oder gleich 0,97 g/cm3, die neben Hohlglaskugeln zwingend einen Schlagzähmodifier und optional weitere Zusatzstoffe enthalten. Die in den Beispielen gearbeiteten Formmassen umfassen keine Verstärkungsfasern und haben eine geringe Steifigkeit sowie eine geringe Festigkeit.
Nach wie vor weisen die aus dem Stand der Technik bekannten Polyamidformmassen, die Hohlglaskugeln umfassen, keine befriedigenden mechanischen Eigenschaften auf. Es ist somit Aufgabe der vorliegenden Erfin dung, Polyamidformmassen anzugeben, die gleichzeitig eine geringe Dichte bei hoher mechanischer Steifigkeit und Festigkeit aufweisen. Ebenso war es Aufgabe der vorliegenden Erfindung Polyamid-Formmassen mit guter Schlag zähigkeit und Kerbschlagzähigkeit bereitzustellen, ohne dass die Steifigkeit reduziert wird. Konkret sollen die Polyamidformmassen bei einer Dichte von kleiner gleich 1.05 g/cm3 (bestimmt anhand ISO 1183-3:1999) einen Zug-E- Modul von wenigstens 7000 MPa und eine Bruchspannung von wenigstens 90 MPa (bestimmt jeweils anhand ISO 527:2012) aufweisen. Weiterhin sollen die Polyamidformassen eine Schlagzähigkeit bei 23 °C von mindestens 50 kJ/m2 und eine Kerbschlagzähigkeit bei 23 °C von mindestens 10 kJ/m2 (jeweils be stimmt anhand ISO 179-1:2010) besitzen.
Diese Aufgabe wird hinsichtlich einer Polyamidformmasse mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 bezüglich eines Formkörpers mit den Merkmalen des
Patentanspruchs 28 sowie hinsichtlich Verwendungsmöglichkeiten mit den Merkmalen des Patentanspruchs 31 gelöst.
Die vorliegende Erfindung betrifft somit eine Polyamidformmasse bestehend aus den Komponenten
(A) 63,0 - 85,0 Gew.-% mindestens einem Polyamid ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus acyclischen aliphatischen Polyamiden mit einem C/N-Verhältnis von 7 bis 13 (Al) und cycloaliphatischen Polyamiden auf Basis der Diamine MACM, PACM oder TMDC (A2),
(B) 7,0 - 20,0 Gew.-% Hohlglaskugeln,
(C) 8,0 - 20,0 Gew.-% Kohlenstofffasern, sowie
(D) 0,0 - 5,0 Gew.-% mindestens einem Additiv,
wobei die Formmasse ausschließlich aus den Komponenten (A) bis (D) be steht, die Gewichtssumme der Komponenten (A) bis (D) 100 Gew.-% ergibt und die Gewichtssumme der Komponenten (B) und (C) im Bereich von 15,0 bis 32,0 Gew.-% liegt.
Die erfindungsgemäße Polyamidformmasse besteht somit ausschließlich aus den angegebenen Komponenten (A) bis (D), so dass keine weiteren Kompo nenten der Polyamidformmasse enthalten sind.
Überraschenderweise wurde gefunden, dass die Polyamidformmasse gemäß der vorliegenden Erfindung eine geringe Dichte und gleichzeitig sehr gute me chanische Eigenschaften, insbesondere einen hohen Zug-E-Modul (als Maß für die Steifigkeit), eine hohe Bruchspannung (als Maß für die Festigkeit) sowie eine hohe Bruchdehnung aufweist.
Die erfindungsgemäße Polyamidformmasse besitzt bevorzugt eine Dichte von kleiner oder gleich 1,05 g/cm3, bestimmt anhand der Norm ISO 1183-3:1999.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform beträgt die Gewichtssumme der Komponenten (B) und (C) im Bereich von 15,0 bis 30,0 Gew.-% und insbeson dere bevorzugt im Bereich von 17,0 bis 27,0 Gew.-%.
Komponente (A): Polyamid
Im Sinne der vorliegenden Erfindung wird unter dem Begriff„Polyamid" (Ab kürzung PA) ein Oberbegriff verstanden, dieser umfasst Homopolyamide und Copolyamide. Die Schreibweisen und Abkürzungen für Polyamide und deren Monomere sind in der ISO-Norm ISO 16396-1:2015 festgelegt. So werden un ter anderem folgende Abkürzungen für Diamine verwendet: MACM für Bis(4- amino-3-methyl-cyclohexyl)methan, PACM für Bis(4-amino-cyclohexyl)methan und TMDC für Bis(4-amino-3,5-dimethyl-cyclohexyl)methan.
Die vorliegende Erfindung umfasst daher Polyamide sowohl mit ausgegliche nem Endgruppenverhältnis der Carboxyl- und Aminogruppen als auch Polya mide mit einem unausgeglichenem Endgruppenverhältnis der Carboxyl- und Aminogruppen, d.h. bei denen entweder die Aminoendgruppen oder die Carboxylendgruppen im Überschuss vorliegen. Um die Polyamide mit einer bestimmten Endgruppenkonfiguration zu versehen, wird bei der Herstellung z.B. bevorzugt ein Überschuss an Diaminen oder Dicarbonsäuren verwendet, insbesondere liegt das molare Verhältnis von Diaminen zu Dicarbonsäuren im Bereich von 0,90 bis 1,10, weiter bevorzugt von 0,94 bis 1,06, ganz besonders bevorzugt im Bereich von 0,97 bis 1,03. Weiterhin werden zur Einstellung der Endgruppen der Polyamide bevorzugt monofunktionelle Zusätze an Aminen und Monocarbonsäuren verwendet.
Die Mengenangaben bezüglich der Monomere sind dabei so zu verstehen, dass sich ein entsprechendes Molverhältnis dieser bei der Polykondensation eingesetzten Monomere auch in den derart durch Polykondensation herge stellten Polyamiden wiederfindet. Wird ein Lactam oder eine Aminocarbon- säure eingesetzt, liegt kein Überschuss der einen Komponente vor, sondern es wird gezielt ein Amin oder eine Carbonsäure zu den Ausgangsstoffen hinzuge geben um das Endgruppenverhältnis einzustellen.
Das C- zu N-Verhältnis (C/N-Verhältnis) gemäß der vorliegenden Erfindung gibt das Verhältnis von Kohlenstoffatomen zu Stickstoffatomen im Polyamid an. Dabei werden auch die Kohlenstoffatome und Stickstoffatome, welche an der Bildung der Polyamid-Gruppe beteiligt sind berücksichtigt. Konkret ergibt sich das C/N-Verhältnis der jeweiligen Polyamid-Einheiten aus der Summe der
Kohlenstoffatome (C) der Monomere, welche die Polyamid-Einheiten aufbau en, also den Dicarbonsäuren, Diaminen sowie Lactamen und
Aminocarbonsäuren, in Bezug auf die Summe der Stickstoffatome (N) in die sen Monomeren, die im Polyamid zu Amidbindungen reagieren können. Ent hält ein Polyamid mehrere Polyamideinheiten, wie beispielsweise PA 11/913 (30:70 mol-%), das die PA-Einheiten "11" und "913" umfasst, so werden die C/N-Verhältnisse der einzelnen PA-Einheiten gemäß ihrem Molanteil im Poly amid gewichtet. Für das Beispiel PA 11/913 (30:70 mol-%) resultiert somit ein C/N-Verhältnis von (0.3 * 11) + 0.7 * (9 + 13) / 2 = 11.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist das mindestens eine Polyamid (A) ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Polyamiden (Al) und Polyamiden (A2) oder Mischungen hiervon.
Bevorzugt ist das mindestens eine Polyamid (A) ausgewählt als ein Polyamid (Al) oder eine Mischung von Polyamiden (Al).
Ebenso wird bevorzugt die Komponente (A) als Mischung aus teilkristallinen Polyamiden (Al) und amorphen oder mikrokristallinen Polyamiden (A2) aus zubilden.
Mischungen mindestens zweier Polyamide (A2), die bevorzugt beide amorph sind, eignen sich ebenso als Komponente (A).
Teilkristalline Polyamide weisen im Gegensatz zu amorphen Polyamiden einen ausgeprägten Schmelzpunkt (oder Schmelztemperatur) auf, der z.B. über die Schmelzwärme mittels dynamischer Differenz-Kalorimetrie (engl. Differential Scanning Calorimetry, DSC) bestimmt werden kann. Teilkristalline Kunststoffe können z.B. einen kristallinen Anteil von 10 bis 80% aufweisen und sowohl eine Glasübergangstemperatur, unterhalb derer die amorphe Phase einfriert, als auch eine Schmelztemperatur, bei der sich die kristalline Phase auflöst, aufweisen. Bevorzugt liegt der Schmelzpunkt der teilkristallinen Polyamide im Bereich von 160 bis 330 °C, weiter bevorzugt im Bereich von 170 bis 300 °C und insbesondere im Bereich von 175 bis 280°C, jeweils bestimmt gemäss ISO 11357-3:2013 bei einer Aufheizrate von 20 K/min. Die teilkristallinen Polyami de weisen dabei eine Schmelzenthalpie bestimmt gemäss ISO 11357-3:2013
von > 31 J/g, weiter bevorzugt von > 35 J/g und insbesondere bevorzugt von > 40 J/g auf.
Amorphe Polyamide weisen hingegen keinen bestimmbaren Schmelzpunkt auf und verfügen lediglich über eine Glasübergangstemperatur. Während teil kristalline Polyamide opak sind, unterscheiden sich die amorphen Polyamide hiervon durch ihre Transparenz. Die amorphen Polyamide zeigen in der dy namischen Differenz-Kalorimetrie (engl. Differential Scanning Calorimetry, DSC) nach ISO 11357-3:2013 bei einer Aufheizrate von 20 K/min bevorzugt eine Schmelzwärme von weniger als 5 J/g, besonders bevorzugt von maximal 3 J/g, ganz besonders bevorzugt von 0 bis 1 J/g. Amorphe Polyamide besitzen aufgrund ihrer Amorphizität keinen Schmelzpunkt.
Als Bindeglied zwischen den teilkristallinen und amorphen Polyamiden kön nen die mikrokristallinen Polyamide angesehen werden. Mikrokristalline Poly amide sind teilkristalline Polyamide und besitzen daher einen Schmelzpunkt. Sie haben jedoch eine Morphologie, bei der die Kristallite eine so kleine Di mension haben, dass eine daraus hergestellte Platte mit einer Dicke von 2 mm noch transparent ist, d.h. ihre Lichttransmission mindestens 75 % beträgt, gemessen nach ASTM D 1003:2013. Die mikrokristallinen Polyamide zeigen in der dynamischen Differenz-Kalorimetrie (engl. Differential Scanning Calori metry, DSC) nach ISO 11357-3:2013 bei einer Aufheizrate von 20 K/min bevor zugt eine Schmelzwärme von 5 bis 30 J/g, besonders bevorzugt von 7 bis 25 J/g, ganz besonders bevorzugt 10 bis 22 J/g. Für die Zwecke der vorliegenden Erfindung werden die mikrokristallinen Polyamide mit zu den amorphen Poly amiden gezählt und stellen somit eine Untergruppe der amorphen Polyamide dar.
Vorzugsweise beträgt die Glasübergangstemperatur des amorphen oder mik rokristallinen Polyamids 40 bis 220 °C, besonders bevorzugt 60 bis 200 °C, ganz besonders bevorzugt 105 bis 170 °C, gemessen nach ISO 11357-2:2013 bei einer Aufheizrate von 20 K/min.
Für die Zwecke bevorzugter Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung werden nachfolgend bevorzugte teilkristalline Polyamide (Al) einerseits, so wie zusammengefasst bevorzugte amorphe und mikrokristalline Polyamide
(A2) betrachtet.
Die Polyamide (Al) beruhen auf acyclischen aliphatischen Diaminen mit be vorzugt 4 bis 12, insbesondere bevorzugt 6 bis 10 Kohlenstoffatomen und acyclischen aliphatischen Dicarbonsäuren mit bevorzugt 8 bis 16, insbesonde re bevorzugt 10 bis 16 Kohlenstoffatomen und/oder auf Laurinlactam, Amin- dodecansäure oder Aminoundecansäure, wobei das C/N-Verhältnis im Bereich von 7 bis 13 liegt. Diese aliphatischen Polyamide sind teilkristallin. Bevorzugt werden die Polyamde (Al) ausschliesslich aus den oben genannten Monome ren gebildet.
Die Polyamide (A2) beruhen bevorzugt auf den cycloaliphatischen Diaminen MACM, PACM und TMDC und acyclischen aliphatischen Dicarbonsäuren mit 10 bis 16 Kohlenstoffatomen sowie gegebenenfalls Terephthalsäure, Isophthalsäure, acyclischen aliphatischen Diaminen mit 6 bis 12 Kohlenstoff atomen und Aminocarbonsäuren oder Lactamen mit 6 bis 12 Kohlenstoffato men. Die Polyamide (A2) sind amorph oder mikrokristallin. Bevorzugt werden die Polyamde ( A2) ausschliesslich aus den oben genannten Monomeren ge bildet.
Als acyclische aliphatische Diamine für die Polyamide (Al) und (A2) können verzweigte oder unverzweigte offenkettige, aliphatische Diamine verwendet werden. Bevorzugte acyclische aliphatische Diamine für die Polyamide (Al) sind: 1,4-Butandiamin, 1,5-Pentandiamin, 1,6-Hexandiamin, Methy-1,5- pentandiamin, Trimethyl-l,6-hexandiamin, 1,7-Heptandiamin, 1,8-Octandi- amin, 1,9-Nonandiamin, Methyl-l,8-octandiamin, 1,10-Decandiamin, 1,11- Undecandiamin, 1,12-Dodecandiamin. Bevorzugte acyclische aliphatische Diamine für die Polyamide (A2) sind: 1,6-Hexandiamin, Methy-l,5-pentandi- amin, Trimethyl-l,6-hexandiamin, 1,7-Heptandiamin, 1,8-Octandiamin, 1,9- Nonandiamin, Methyl-l,8-octandiamin, 1,10-Decandiamin, 1,11-Undecandi- amin, 1,12-Dodecandiamin, wobei insbesondere 1,6-Hexandiamin bevorzugt ist.
Bevorzugte acyclische aliphatische Dicarbonsäuren für die Polyamide (Al) und (A2) sind: Sebazinsäure, Undecandisäure, Dodecandisäure, Tridecandisäure, Tetradecandisäure, Hexadecandisäure. Die Polyamide (A2) können darüber
hinaus noch Terephthalsäure und/oder Isophthalsäure enthalten.
Beispielhafte und besonders bevorzugte acyclische aliphatische Polyamide (Al) sind hierbei ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus PA 410, PA 411, PA 412, PA 413, PA 414, PA 415, PA 416, PA 59, PA 510, PA 511, PA 512, PA 513, PA 514, PA 515, PA 516, PA 68, PA 69, PA 610, PA 611, PA 612, PA 613, PA 614, PA 615, PA 616, PA 1010, PA 1011, PA 1012, PA 1013, PA 1014, PA 1015, PA 1016, PA 6/12, PA 11, PA 12, PA 1212. Bevorzugt sind ebenfalls Poly amide (Al) die mindestens zwei der oben genannten PA-Einheiten umfassen.
Bei den amorphen bzw. mikrokristallinen Polyamiden (A2) ist es bevorzugt, wenn diese ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus PA MACM10, PA M ACM 12, PA M ACM 14, PA M ACM 16, PA TMDC10, PA TMDC12, PA TMDC14, PA TMDC16, PA P ACM 12, PA PACM14, PA PACM16, PA PACM10/11, PA PACM10/12, PA PACM12/612, PA PACM12/PACM 14/612/614, PA MACMI/12, PA MACMT/12, PA MACMI/MACM12, PA MACMT/MACM12, PA MACMI/MACMT/12, PA 6I/6T/MACMI/MACMT, PA 6I/6T/MACMI/ MACMT/12, PA MACM6/11, PA MACM6/12, PA MACM10/11, PA MACM10/12, PA MACM10/1010, PA MACM12/1012, PA MACM12/1212, PA MACM 14/1014, PA 6I/6T/MACM l/M ACMT/M ACM 12/612, PA
6I/6T/MACMI/MACMT/MACM12, PA MACMI/M ACMT/M ACM 12/12, PA MACM l/M ACMT/M ACM 12, PA 6I/6T/MACMI/MACMT/12, PA
TMDC12/TMDCI, und PA TMDC12/TMDCT und Mischungen oder Copolymeren hiervon, wobei MACM vollständig, bevorzugt bis zu 50 mol-% des MACM, insbesondere bis zu maximal 35 mol-% des MACM durch PACM und/oder TMDC ersetzt sein kann, und/oder das Laurinlactam ganz oder teil weise durch Caprolactam ersetzt sein kann.
Insbesondere bevorzugt sind als Polyamide (Al) PA 610, PA 612, PA 614, PA 616, PA 1010 sowie die Polyamide PA 11, PA 12. Ganz besonders bevorzugt sind PA 12, PA 616 und PA 1016. Insbesondere bevorzugt sind als Polyamide (A2) PA MACM12, PA MACM 14, PA MACM16 und PA MACMI/12.
Die relative Viskosität der Polyamide (A2) beträgt vorzugsweise 1,35 bis 2,20, bevorzugt 1,40 bis 2,10, besonders bevorzugt 1,45 bis 2,00, ganz besonders bevorzugt 1,50 bis 1,90, gemessen an einer Lösung von 0,5 g Polyamid in 100
ml-Kresol bei 20 °C gemäss ISO 307:2013.
Die relative Viskosität der Polyamide (Al) beträgt vorzugsweise 1,40 bis 2,70, bevorzugt 1, 50 bis 2,40, besonders bevorzugt 1,60 bis 2,20, gemessen an ei ner Lösung von 0,5 g Polyamid in 100 ml-Kresol bei 20 °C gemäss ISO 307:2013.
Es ist besonders bevorzugt, wenn die Komponente (A) frei von Monomeren mit aromatischem Bestandteil ist.
Die Komponente (A) kann auch Mischungen von Polyamiden (Al) und Polya miden (A2) umfassen. Bevorzugt beträgt der Anteil der Polyamide (Al) in der Komponente (A) dabei 30,0 bis 98,0 Gew.-%, weiter bevorzugt im Bereich von 40,0 bis 95,0 Gew.-% und besonders bevorzugt im Bereich von 50,0 bis 90,0 Gew.-%. Die Summe der Gewichtsprozente von (Al) und (A2) ergibt dabei 100% der Komponente (A).
Diese Mischungen aus Polyamiden (A2) mit Polyamiden (Al) werden bevor zugt ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Mischungen von PA MACM12 mit PA 12, von PA MACM12 mit PA 612, von PA MACM14 mit PA 12, von PA M ACM 14 mit PA 612, von PA PACM12 mit PA 12, von PA PACM12 mit PA 612, von PA PACM14 mit PA 12, von PA PACM14 mit PA 612, von PA MACMI/12 mit PA 12 und von PA 6I/6T/MACMI/MACMT/PACMI/PACMT mit PA 12.
In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform der erfindungs gemäßen Polyamidformmasse handelt es sich bei der Komponenten (A) um Polyamide (A2) oder deren Mischungen.
Die Mischungen aus den Polyamiden (A2) werden bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Mischungen von PA MACM12 mit PA TMDC14, von PA MACM10 mit PA TMDC14, von PA PACM12 mit PA TMDC14 und von PA PACM10 mit PA TMDC14.
In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform der erfindungs gemäßen Polyamidformmasse handelt es sich bei der Komponenten (A) aus schliesslich um Polyamide (Al) oder deren Mischungen. Insbesondere werden
die Polyamide PA 12, PA 616 und PA 1016 mit einer relativen Viskosität im Bereich von 1,60 bis 2,30 sowie deren Mischungen bevorzugt.
Bevorzugt enthält die Polyamidformmasse 67,0 bis 84,9 Gew.-%, besonders bevorzugt 71,0 bis 82,8 Gew.-% des mindestens einen Polyamids (A), jeweils bezogen auf die Summe der Komponenten (A) bis (D).
Komponente (B)
Die Hohlglaskugeln (Komponente B) sind in einer bevorzugten Ausführungs form von 7,0 bis 19,0 Gew.-%, bevorzugt von 7,0 bis 18,0 Gew.-%, weiter be vorzugt von 7,0 bis 17,0 Gew.-%, besonders bevorzugt von 8,0 bis 15,0 Gew.- % Hohlglaskugeln (B), jeweils bezogen auf die Summe der Komponenten (A) bis (D) enthalten.
Hierbei ist es ebenso von Vorteil, wenn die Hohlglaskugeln (B) eine Druckfes tigkeit, gemessen nach ASTM D 3102-72 (1982) in Glycerin von mindestens 50 MPa und insbesondere bevorzugt von mindestens 100 MPa aufweisen.
Bevorzugt ist ferner, dass die Hohlglaskugeln (B) einen mittleren volumetri schen Durchmesser d50 von 10 bis 80 pm, bevorzugt 13 bis 50 pm, gemessen mittels Laserbeugung nach ASTM B 822-10 aufweisen.
Die Hohlglaskugeln können dabei oberflächenbehandelt sein. Dies kann mit einem geeigneten Schlichte- oder Haftvermittlersystem geschehen. Dazu kön nen zum Beispiel Systeme auf Basis von mit Aminosilanen, Epoxisilanen, Poly amiden, insbesondere wasserlöslichen Polyamiden, Fettsäuren, Wachsen, Silanen, Titanaten, Urethanen, Polyhydroxyether, Epoxiden, Nickel oder Mi schungen davon verwendet werden. Bevorzugt sind die Hohlglaskugeln mit Aminosilanen, Epoxisilanen, Polyamiden oder Mischungen davon oberflä chenbehandelt.
Beispielsweise können die Hohlglaskugeln aus einem Borsilikatglas, bevorzugt aus Natriumcarbonat-Calciumoxid-Borsilikatglas gebildet sein.
Bevorzugt weisen die Hohlglaskugeln (B) eine Reindichte von 0,10 bis 0,65 g/cm3, bevorzugt 0,20 bis 0,60 g/cm3, besonders bevorzugt 0,30 bis 0,50 g/cm3, gemessen nach ASTM D 2840-69 (1976) mit einem Gaspyknometer und Helium als Messgas auf.
Beispiele für Hohlglaskugeln, die für die Zwecke der vorliegenden Erfindung verwendet werden können, werden beispielsweise unter den Markennamen iM16K, ΪM30K von 3M und Cenostar C-60 von Cenostar Corp. vertrieben.
Komponente (C): Kohlenstofffasern
Die Kohlenstofffasern (auch: Carbonfasern oder Kohlefasern) sind in der er findungsgemäßen Polyamidformmasse bevorzugt zu 8,0 bis 19,0 Gew.-%, vor zugsweise von 8,0 bis 18,0 Gew.-%, besonders bevorzugt von 8,0 bis 17,0 Gew.-% und insbesondere bevorzugt von 9,0 bis 16,0 Gew.-%, jeweils bezogen auf die Summe der Komponenten (A) bis (D) enthalten.
Die Kohlenstofffasern können in der Polyamidformmasse als geschnittene Fasern oder als geschnittenes oder endloses Faserbündel (Rovings) ausgebil det sein.
Besonders bevorzugt werden Kohlenstofffasern mit einer Länge von 0.1 bis 50 mm, bevorzugt von 1 bis 12 mm und/oder einem Durchmesser von 5 bis 40 pm, insbesondere bevorzugt von 5 bis 10 pm verwendet.
Die Kohlenstofffasern können beispielsweise auf Basis von PAN-, Pech- oder Cellulose-basierten Fasern ausgebildet sein.
Weiter können die Fasern der Komponente (C) anisotrop ausgebildet sein.
Die Fasern der Komponente (C) können als Kohlenstofffaserbündel ausgebil det sein aus mehreren hundert bis hunderttausend Einzelfilamenten, die ei nem Durchmesser von 5 bis 10 pm, eine Zugfestigkeit von 1000 bis 7000 MPa und einen Elastizitätsmodul von 200 bis 700 GPa aufweisen.
Spezifisch lässt sich die Komponente (C) alternativ, oder zusätzlich wie folgt, weiter allgemein charakterisieren gemäß einer oder mehrerer der folgenden
weiteren bevorzugten Ausführungsformen:
Die Kohlenstofffasern der Komponente (C) können als geschnittene Fasern oder als endloses Faserbündel eingesetzt werden, wobei geschnittene Koh lenstofffasern mit einer Länge von 0.1 bis 50 mm, bevorzugt von 1 bis 12 mm und einem Durchmesser von 5 bis 40 pm, insbesondere bevorzugt von 5 bis 10 pm bevorzugt verwendet werden. Als Basis für die Kohlenstofffasern kön nen PAN-, Pech- oder Cellulose-basierte Fasern, wie z.B. Celluloseacetat ver wendet, insbesondere bevorzugt sind PAN-Fasern (PAN = Polyacrylnitril). Die se Ausgangsmaterialien werden durch Pyrolyse (Oxidation und Carbonisation) in graphitartig angeordneten Kohlenstoff umgewandelt. Anisotrope Kohlenstoffffasern zeigen hohe Festigkeiten und Steifigkeiten bei gleichzeitig geringer Bruchdehnung in axialer Richtung.
Als Alternative zu den endlosen oder geschnittenen Kohlenstofffasern können auch Kohlenstofffasern, z.B. gemahlene Kohlenstofffasern eingesetzt werden, die eine mittlere Faserlänge von 100 bis 400 pm und einen Durchmesser von 5 bis 10 pm besitzen. Für hohe mechanische Eigenschaften wie Schlag- und Kerbschlagzähigkeit ist ein auf den gemahlenen C-Fasern aufgebrachter Haft vermittler von Vorteil. Dies können beispielsweise Systeme auf PUR- oder Po lyamid-Basis sein, die in Mengen von vorzugsweise 1,0 bis 3,0 Gew.-% bezo gen auf die Kohlenstofffasern verwandt werden.
Üblicherweise werden Kohlenstofffasern hergestellt, indem eine geeignete Polymerfaser aus Polyacrylnitril, Pech oder Rayon wechselnden kontrollierten Bedingungen von Temperatur und Atmosphäre ausgesetzt wird. Beispielswei se können Kohlenstoff-Fasern durch Stabilisierung von PAN-Fäden oder - Geweben in oxidativer Atmosphäre bei 200 bis 300°C und anschließender Carbonisierung in inerter Atmosphäre oberhalb 600°C hergestellt werden. Derartige Verfahren sind Stand der Technik und beispielsweise beschrieben in H. Heißler, "Verstärkte Kunststoffe in der Luft- und Raumfahrt", Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1986.
Kohlenstofffaserbündel bestehen aus mehreren hundert bis hunderttausend Kohlenstofffasern, den sogenannten Einzelfilamenten, die einem Durchmes ser von 5 bis 10 pm, eine Zugfestigkeit von 1000 bis 7000 MPa und einen Elas-
tizitätsmodul von 200 bis 700 GPa aufweisen. Üblicherweise werden 1.000 bis 24.000 Einzelfilamente zu einem Multifilamentgarn (endloses Kohlenstofffa serbündel, Roving) zusammengefasst, das aufgespult wird. Die Weiterverar beitung zu textilen Halbzeugen wie z. B. Geweben, Geflechten oder Multiaxi algelegen erfolgt auf Webmaschinen, Flechtmaschinen oder Multiaxial- Wirkmaschinen bzw. im Bereich der Herstellung von faserverstärkten Kunst stoffen direkt auf Prepreganlagen, Strangziehanlagen (Pultrusionsanlagen) oder Wickelmaschinen.
Als Kurzschnittfasern können sie Polymeren beigemischt und über Extruder und Spritzgussanlagen zu Kunststoffbauteilen verarbeitet werden.
Um die Verarbeitung von Kohlenstofffasern zu verbessern oder erst zu ermög lichen, sowie eine gute Verträglichkeit zu den eingesetzten Kunststoffen zu bewirken, werden die Kohlenstofffasern an ihrer Oberfläche mit einer Schlich te versehen. Bevorzugt wird eine Schlichte mit Kompatibilität zu Polyamid. Kommerziell ist eine solche geschnittene Kohlenstofffaser beispielsweise un ter dem Handelsnamen Tenax E-HT C604 6MM von Toho Tenax Europe GmbH (DA) erhältlich.
Bei der Kohlenstofffaser der Komponente (C) kann es sich gemäß einer weite ren bevorzugten Ausführungsform um eine Rezyklat-Kohlefaser handeln.
Komponente (D): Additive
Die Polyamidformmasse kann weiterhin Zusatzstoffe bzw. Additive in einer bevorzugten Menge von 0,1 bis 3,0 Gew.-%, insbesondere bevorzugt von 0,2 bis 2,0 Gew.-%, jeweils bezogen auf die Summe der Komponenten (A) bis (D) enthalten.
Die Zusatzstoffe bzw. Additive sind vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus anorganischen Stabilisatoren, organischen Stabilisatoren, ins besondere Antioxidantien, Antiozonantien, Lichtschutzmittel, UV- Stabilisatoren, UV-Absorber oder UV-Blocker, IR-Absorber, NIR-Absorber, An tiblockmitteln, Nukleierungsmitteln, Kristallisationsbeschleunigern, Kristallisationsverzögerern, kettenverlängernden Additiven, Leitfähigkeitsad-
ditiven, Trennmitteln, Gleitmitteln, Farbstoffen, Markierungsmitteln, anorga nischen Pigmenten, organischen Pigmenten, Ruß, Graphit, Kohlenstoffnano- röhrchen, Graphen, Titandioxid, Zinksulfid, Zinkoxid, Bariumsulfat, photoch- romen Agenzien, Antistatika, Entformungsmitteln, optischen Aufhellern, halo genfreien Flammschutzmitteln, metallischen Pigmenten, Metallflittern, me tallbeschichteten Partikeln, Füllstoffen, Verstärkungsstoffen verschieden von (C), natürlichen Schichtsilikaten, synthetischen Schichtsilikaten, Schlagzähmodifikatoren und deren Mischungen.
Für den Fall, dass die Polyamidformmasse beispielsweise einen Schlagzäh modifikator beinhaltet, ist dieser bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe be stehend aus Polyethylen, Polypropylen, Polyolefin-Copolymeren, Acrylat- Copolymeren, Acrylsäure-Copolymeren, Vinylacetat-Copolymeren, Styrol- Copolymeren, Styrol-Blockcopolymeren, ionischen Ethylen-Copolymeren in denen die Säuregruppen teilweise mit Metallionen neutralisiert sind, Kern- Mantel-Schlagzähmodifikatoren und Mischungen davon.
Der Schlagzähmodifikator besitzt vorzugsweise eine Dichte von maximal 1,00 g/cm3, bevorzugt von maximal 0,95 g/cm3, besonders bevorzugt von maximal 0,91 g/cm3 und ganz besonders bevorzugt von maximal 0,89 g/cm3 aufweist.
Der Schlagzähmodifikator ist vorzugsweise funktionalisiert, entweder durch Copolymerisation oder durch Pfropfen mit ungesättigten Carbonsäuren, unge sättigten Carbonsäurederivaten und/oder ungesättigten
Glycidylverbindungen.
Der Schlagzähmodifikator kann auch in Form einer Mischung oder eines Blends von unfunktionalisierten und/oder funktionalisierten Schlagzähmodifi katoren eingesetzt werden.
Die zur Funktionalisierung verwendeten ungesättigten Carbonsäuren, unge sättigten Carbonsäurederivate und/oder ungesättigten Glycidylverbindungen sind vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus ungesättigten Carbonsäureestern, ungesättigten Carbonsäureanhydriden, Acrylsäure, Meth- acrylsäure, Glycidylacrylsäure, Glycidylmethacrylsäure, Acrylsäureestern, Methacrylsäureestern, alpha-Ethylacrylsäure, Maleinsäure,
Maleinsäureanhydrid, Fumarsäure, Itaconsäure, Citraconsäure, Aconitsäure, Tetrahydrophthalsäure und/oder Butenylsuccinsäure.
Bevorzugt erfolgt die Funktionalisierung durch Pfropfung, wobei der Anteil an oben genannten ungesättigten Verbindungen bezogen auf den gesamten Schlagzähmodifikator bevorzugt im Bereich von 0,3 bis 2,5 Gew.-%, insbeson dere im Bereich von 0,5 bis 1,5 Gew.-% liegt. Die Funktionalisierung kann aber auch durch Copolymerisation mit den geannten ungesättigten Carbon säuren, Carbonsäurederivate und/oder ungesättigten Glycidylverbindungen erfolgen.
Die Polyolefin-Copolymeren sind bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe be stehend aus Ethylen-a-Olefin-Copolymeren, Propylen-a-Olefin-Copolymeren, Ethylen-Propylen-Copolymeren, Ethylen-Propylen-Dien-Copolymeren und deren Mischungen, wobei die a-Olefine bevorzugt 3 bis 18 Kohlenstoffatome besitzen. Besonders bevorzugt sind die a-Olefine ausgewählt aus der Gruppe bestehen aus Propen, 1-Buten, 1-Penten, 1-Hexen, 1-Octen, 1-Decen 1- Dodecen und Mischungen davon.
Beispiele für Ethylen-a-Olefin-Copolymere sind lineare Polyethylene mit mitt leren Dichten (PE-LMD), lineare Polyethylene mit niedrigen Dichten (PE-LLD), lineare Polyethylene mit sehr niedrigen Dichten (PE-VLD) , lineare Polyethyle ne mit ultra niedrigen Dichten (PE-ULD), Ethylen-Propylen-Copolymere oder Ethylen-l-Buten-Copolymere.
Unter den Ethylen-a-Olefin-Copolymeren sind Ethylen-Propylen-Copolymere, Ethylen-l-Buten-Copolymere, Ethylen-Propylen-l-Buten-Copolymere oder Ethylen-Octen-Copolymere bevorzugt.
Bevorzugte Schlagzähmodifier sind Ethylen-Propylen-Copolymere, Ethylen-l- Buten-Copolymere, Ethylen-Propylen-l-Buten-Copolymere oder Ethylen- Octen-Copolymere, die mit 0.4 bis 1.5 Gew.-% Maleinsäureanhydrid gepfropft sind.
Im Fall, dass die Polyamidformmasse einen Schlagzähmodifikator beinhaltet, ist dieser bevorzugt zu maximal 5,0 Gew.-%, bevorzugt maximal 3,0 Gew.-%
des mindestens einen Schlagzähmodifikators, jeweils bezogen auf die Summe der Komponenten (A) bis (D) in der Polyamidformmasse enthalten.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist die Polyamidformmasse dabei jedoch frei von Schlagzähmodifikatoren.
Insbesondere zeichnet sich die erfindungsgemäße Polyamidformmasse durch eine Dichte von < 1,05 g/cm3, bevorzugt einer Dichte < 1,04 g/cm 3 und insbe sondere bevorzugt im Bereich von 0,90 bis 1,03 g/cm 3 aus.
Bevorzugt ist ebenso, wenn der Zug-E-Modul der erfindungsgemäßen Polyamidformmasse > 7000 MPa, insbesondere im Bereich von 7000 bis 15000 MPa, ist.
Eine bevorzugte Bruchspannung der erfindungsgemäßen Polyamidformmasse ist dabei > 90 MPa. Eine bevorzugte Bruchdehnung ist dabei > 2.0, insbeson dere > 3.0 %.
Zudem zeichnet sich die erfindungsgemäße Polyamidformmasse bevorzugt durch eine Schlagzähigkeit von > 50 kJ/m2 und eine Kerbschlagzähigkeit von > 10 kJ/m2 aus.
Die erfindungsgemäße Polyamidformmasse zeichnet sich neben der geringen Dichte und den guten mechanischen Eigenschaften, insbesondere der guten Zähigkeit, auch noch durch eine Reihe verbesserter Eigenschaften aus wie erhöhter Formstabilität bzw. Maßhaltigkeit, Abriebfestigkeit, Oberflächenhär te, Fließfähigkeit der Schmelze, Isolationsfähigkeit, sowohl gegenüber Tempe ratur als auch Schall, geringer sowie isotroper Schwindung und verringerter Wärmeausdehnung aus.
Geeignete Verarbeitungsmethoden für die erfindungsgemäße Polyamidform masse sind Spritzguss, Extrusion, Schichtung, Lamination, und Extrusionsblas formen.
Beispielhafte und bevorzugte Formmassen weisen dabei die nachfolgende Zusammensetzung auf:
(A) 63,0 - 85,0 Gew.-%, bevorzugt 65,0 bis 85,0 Gew.-%, besonders bevor zugt 68,0 bis 83,0 Gew.-% mindestens ein Polyamid ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus PA 610, PA 612, PA 614, PA 616, PA 1010, PA 11 und PA 12, PA MACM12, PA MACM14, PA MACM16 und PA MACMI/12,
(B) 7,0 - 20,0 Gew.-% Hohlglaskugeln,
(C) 8,0 - 20,0 Gew.-% Kohlenstofffasern, sowie
(D) 0,0 - 5,0 Gew.-% mindestens ein Additiv,
mit der Massgabe, dass die Gewichtssumme der Komponenten (B) und (C) im Bereich von 15,0 bis 32,0 Gew.-%, bevorzugt 15,0 bis 30,0 Gew.-% und beson ders bevorzugt im Bereich von 17,0 bis 27,0 Gew.-% beträgt.
Weitere beispielhafte und bevorzugte Formmassen weisen dabei die nachfol gende Zusammensetzung auf:
(A) 63,0 bis 84,9 Gew.-%, bevorzugt 67,0 bis 84,9 Gew.-%, insbesondere bevorzugt 71,0 bis 82,8 Gew.-% mindestens ein Polyamid ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus PA 610, PA 612, PA 614, PA 616, PA 1010, PA 11 und PA 12,
(B) 7,0 bis 18,0 Gew.-%, bevorzugt 7,0 bis 17,0 Gew.-%, insbesondere be vorzugt 8,0 bis 15,0 Gew.-% Hohlglaskugeln,
(C) 8,0 bis 18,0 Gew.-%, bevorzugt 8,0 bis 17,0 Gew.-%, insbesondere be vorzugt 9,0 bis 16,0 Gew.-% Kohlenstofffasern, sowie
(D) 0,1 bis 5,0 Gew.-%, bevorzugt 0,1 bis 3,0 Gew.-%, insbesondere bevor zugt 0,2 bis 2,0 Gew.-% mindestens ein Additiv,
mit der Massgabe, dass die Gewichtssumme der Komponenten (B) und (C) im Bereich von 15,0 bis 32,0 Gew.-%, besonders bevorzugt 15,0 bis 30,0 Gew.-% und insbesondere bevorzugt im Bereich von 17,0 bis 27,0 Gew.-% beträgt.
Die vorliegende Erfindung betrifft ebenso einen Formkörper, gebildet aus ei ner in voranstehend beschriebener erfindungsgemäßer Polyamidformmasse. Die Formkörper können hergestellt werden durch Extrusion, Extrusionsblasformen oder durch Spritzguss, wobei die Herstellung durch Spritzguss bevorzugt ist.
Der Formkörper kann beispielsweise ausgewählt sein aus der Gruppe beste hen aus Folien, Profilen, Rohren, Behältern, Halbzeugen, Fertigteilen oder
Hohlkörpern. Insbesondere ist der Formkörper dabei nicht geschäumt (Syno nym hierfür: mikrozellulär).
Weitere mögliche Formkörper sind vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Brillenteilen, insbesondere Brillenfassungen, Brillenrahmen oder Brillenbügeln, insbesondere für Sicherheitsbrillen, Sportbrillen oder Ski brillen, Sportgeräten, insbesondere Skischuhen, Tourenskischuhen, Snowbo ardschuhen oder Helmen, Gehäusen, Gehäuseteilen, Rahmen, Schutzgehäu sen, Abdeckungen oder Verkleidungselementen, insbesondere für Elektroge räte, Elektronikgeräte, elektrooptische Geräte, elektrooptische Bauteile, Kon nektoren, Ventilatoren, insbesondere Ventilatorrad, Büroautomatisierungsge räte, Unterhaltungselektronik, tragbare Computer, insbesondere Laptops, Notebooks, Netbooks und Tablet-PCs, Spielkonsolen, Navigationsgeräte, Messgeräte, persönliche digitale Assistenzgeräte, Telekommunikationsgeräte, Kameras, (Armband-)Uhren, Rechner, elektronische Speichergeräte, Key boards, Musik-Recorder, digitale Musik-Abspielgeräte (z.B. CD- und MP3- Player), E-Books, Mobiltelefone oder Smartphones.
Die erfindungsgemäßen Polyamidformmassen können vor allem in den Berei chen Industrie, Haushalt, Sanitär, Optik, Uhren, Elektro, Elektronik, Elektroop- tik, Fahrzeuge, Automobil, Luftfahrt, Maschinenbau, Mode, Sport und Freizeit, Mess- und Prüfmittel und Spielwaren eingesetzt werden.
Die erfindungsgemässen Formteile kommen bevorzugt zum Einsatz als Kom ponenten für den Leichtbau und stellen somit leichtgewichtige Strukturbautei le, z.B. als Komponenten für Drohnen, Sport- und Freizeitartikel, z.B. Kompo nenten für Sport- und Ski-Schuhe sowie Ski-und Snowboard-Bindungen, Mo torrad- und Fahrrad-Komponenten, Möbelelemente, Profile, Karosserieteile, Rahmen, Gehäuse, Gehäuseteile, Abdeckungen, und Halterungen.
Die vorliegende Erfindung wird anhand der nachfolgenden Ausführungsfor men näher beschrieben, ohne die Erfindung auf die dargestellten Parameter zu beschränken.
Herstellung der erfindungsgemäßen Polyamidformmasse
Zur Herstellung der erfindungsgemäßen Polyamidformmasse werden die
Komponenten (A) bis (C) und gegebenenfalls (D) bevorzugt auf üblichen Compoundiermaschinen, wie z.B. ein- oder zweiwelligen Extrudern oder Schneckenknetern gemischt. Die Komponenten (A) bis (D) werden dabei z.B. einzeln über gravimetrische Dosierwaagen in den Einzug dosiert. Die Kompo nente (B) (Hohlglaskugeln) und (C) (Kohlenstofffasern) werden bevorzugt über einen Sidefeeder in die Polymerschmelze dosiert.
Werden Zusatzstoffe (Komponente (D)) verwendet, können diese direkt oder in Form eines Masterbatches eingebracht werden. Bei dem Trägermaterial des Masterbatches handelt es sich bevorzugt um ein matrixidentisches Poly amid. Unter den Polyamiden eignen sich dazu besonders das Polyamid der jeweiligen Komponenten (A) oder bevorzugt PA MACM12, PA PACM12, PA 11, PA 12, PA 610, PA 612, oder PA 616.
Die Compoundierung erfolgt bei eingestellten Zylindertemperaturen von be vorzugt 200 bis 350 °C, wobei die Temperatur des ersten Zylinders unter 100 °C eingestellt werden kann. Vor der Düse kann Vakuum angelegt oder atmo sphärisch entgast werden. Die Schmelze kann in Strangform ausgetragen wer den, z.B. im Wasserbad bei 10 bis 80 °C abgekühlt und anschließend granuliert werden. Alternativ kann die Schmelze auch mit Hilfe einer Unterwassergranu lierung in Granulat überführt werden. Das Granulat wird bevorzugt für 12 bis 24 Stunden bei 80 bis 120 °C unter Stickstoff oder im Vakuum auf einen Was sergehalt von unter 0.1 Gew.-% getrocknet.
Die Verarbeitung der erfindungsgemäßen Polyamidformmassen im Spritzguss erfolgt bevorzugt bei Zylindertemperaturen von 200 bis 350 °C und Werkzeug temperaturen von 40 bis 140 °C.
Anhand der nachfolgenden Beispiele soll der erfindungsgemäße Gegenstand näher beschrieben werden, ohne diesen auf die hier gezeigten spezifischen Ausführungsformen einschränken zu wollen.
In dieser Anmeldung verwendete Messmethoden:
Zug-E-Modul:
ISO 527:2012 mit einer Zuggeschwindigkeit von 1 mm/min
ISO-Zugstab, Norm: ISO/CD 3167, Typ Al, 170 x 20/10 x 4 mm, Tempera tur 23 °C
Bruchspannung und Bruchdehnung:
ISO 527:2012 mit einer Zuggeschwindigkeit von 5 mm/min
ISO-Zugstab, Norm: ISO/CD 3167:2014, Typ Al, 170 x 20/10 x 4 mm, Temperatur 23 °C
Schlagzähigkeit nach Charpy:
ISO 179-l:2010/*eU
ISO-Prüfstab, Norm: ISO/CD 3167:2014, Typ Bl, 80 x 10 x 4 mm, Tempe ratur 23 °C
* 1 = nicht instrumentiert, 2 = instrumentiert
Kerbschlagzähigkeit nach Charpy:
ISO 179-l:2010/*eA
ISO-Prüfstab, Norm: ISO/CD 3167:2014, Typ Bl, 80 x 10 x 4 mm, Tempe ratur 23 °C
* 1 = nicht instrumentiert, 2 = instrumentiert
Relative Viskosität:
ISO 307:2013
Granulat
0,5 g in 100 ml m-Kresol
Temperatur 20 °C
Berechnung der relativen Viskosität (RV) nach RV = t/t0 in Anlehnung an Abschnitt 11 der Norm.
Schmelzpunkt, Schmelzwärme und Glasübergangstemperatur (Tg):
ISO 11357-1, -2, -3:2013
Granulat
Die Differential Scanning Calorimetry (DSC) wurde mit einer Aufheizrate von 20 K/min durchgeführt. Beim Schmelzpunkt wird die Temperatur am Peakmaximum angegeben. Der Mittelpunkt des Glasübergangsbereichs, welcher als Glasübergangstemperatur (Tg) angegeben wird, wurde nach der Methode "Half-step-height" ermittelt.
Dichte:
ISO 1183-3: 1999
ISO-Prüfstab, Norm: ISO/CD 3167:2014, Typ Bl, 80 x 10 x 4 mm
Temperatur 23 °C
Der ISO-Prüfstab wird in etwa gedrittelt, so dass die Teile in die Mess kammer des Gaspyknometers passen. Als Messgas wird Helium verwen det.
In Tabelle 1 sind die in den Beispielen und Vergleichsbeispielen eingesetzten Komponenten aufgeführt.
Die Hohlglaskugeln (Bl), (B2) und (B3) wurden vor der Verwendung mit einer Schlichte versehen, wobei Silane wie zum Beispiel 3-Aminopropyltriethox- ysilane in Mengen von 1 - 3 Gew.-% bezogen auf die Hohlglaskugeln verwen det wurden. In Tabelle 1 wird die Schlichte, erzeugt mit 2 Gew.-% 3- Aminopropyltriethoxysilane, als Aminosilan-Schlichte bezeichnet.
Tabelle 1
Herstellung der Polyamidformmassen der erfindungsgemäßen Beispiele und der Vergleichsbeispiele
Die Herstellung der Polyamidformmasse erfolgte auf einem Zweiwellenextru der der Firma Werner & Pfleiderer Typ ZSK 25. Dazu wurden das getrocknete Granulat des Polyamids (Al, A2 bzw. A3) zusammen den Zusatzstoffen (Dl,
D2, D3 und/oder D4) in den in Tabelle 2 bzw. 3 angegebenen Verhältnissen über eine Dosierwaage in den Einzug dosiert. Bei den Vergleichsbeispielen CEx4 bis CEx6 wurde der Schlagzähmodifikator (D3 bzw. D4) ebenfalls über eine Dosierwaage in den Einzug dosiert.
Die Hohlglaskugeln (Bl bzw. B2) und die Kohlenstofffasern (C) wurden über separte Dosierwaagen in je einen Sidefeeder dosiert, der die Hohlglaskugeln und die Kohlenstofffasern sechs Gehäuseeinheiten vor der Düse in die Schmelze förderte.
Die Temperatur des ersten Gehäuses wurde auf 100 °C eingestellt, diejenige der restlichen Gehäuse auf 260 bis 270 °C. Es wurde eine Drehzahl von 200 U/min und ein Durchsatz von 15 kg/h verwendet und atmosphärisch entgast. Die Stränge wurden im Wasserbad abgekühlt, geschnitten und das erhaltene Granulat bei 110 °C für 24 h im Vakuum (30 mbar) auf einen Wassergehalt unter 0,1 Gew.-% getrocknet.
Herstellung der Prüfkörper
Die Prüfkörper wurden auf einer Spritzgussmaschine der Firma Arburg, Modell Allrounder 420 C 1000-250 hergestellt. Dabei wurden zur Herstellung der Formkörper aus den Polyamidformmassen der Beispiele Exl bis Ex8 und der Vergleichsbeispiele Cxl bis Cx6 aufsteigende Zylindertemperaturen von 220 °C bis 285 °C verwendet. Die Formtemperatur betrug 80 °C.
Die Prüfkörper wurden in trockenem Zustand verwendet; dazu wurden sie nach dem Spritzguss mindestens 48 h bei Raumtemperatur in trockener Um gebung, d.h. über Silicagel gelagert.
In Tabelle 2 wurden aus den erfindungsgemäßen Polyamidformmassen herge stellten Prüfkörper mit Prüfkörpern aus nicht-erfindungsgemäßen Polyamid formmassen (Tabelle 3) hinsichtlich der mechanischen Eigenschaften vergli chen.
Tabelle 2: erfindungsgemäße Beispiele
Tabelle 3: Vergleichsbeispiele
Wie sich aus den Resultaten ergibt, lässt sich eine Ausgewogenheit einer geringen Dichte bei gleichzeitig hervorragenden mechanischen Eigenschaften nur dann er zielen, wenn die Polyamidformmassen die im Anspruch 1 genannten essentiellen Komponenten in den angegebenen Anteilen enthalten.