Instrument für die Plasmachirurgie und Verfahren zur Plas- maerzeugung
[0001] Die Erfindung betrifft ein elektrochirurgisches Instrument insbesondere zur Plasmabehandlung von biologi schem Gewebe, insbesondere zur Plasmakoagulation, sowie ein Verfahren zur Plasmaerzeugung.
[0002] Aus der DE 100 30 111 Al sind ein Plasmakoagula tionsinstrument mit einer als flaches Plättchen ausgebilde ten Elektrode und weiter ein Plasmakoagulationsinstrument mit einer drahtförmigen Elektrode bekannt, die beide je weils in einem Lumen eines schlauchartigen Fluidleiters an geordnet sind. Durch ihre Formgebung stützen sich die Elektroden jeweils an der inneren Wandung des Lumens ab, sodass die Spitze der jeweiligen Elektrode im Lumen
zentriert und ortsfest gehalten ist. Die von der Elektrode ausgehende elektrische Entladung bildet mit dem durch das Lumen strömenden Gas einen Plasmastrahl.
[0003] Weiter ist aus der WO 2005/046495 Al ein ähnli ches Instrument mit einer draht- oder stiftartigen Elekt rode bekannt, die ortsfest zentral in einem Lumen eines schlauchartigen Fluidleiters gehalten ist. Zur Fixierung der Elektrode dient ein sich diametral durch den Kanal er streckendes, sich mit seinen langen Kanten an der inneren Wand des Lumens abstützenden Metallplättchen, an dem die Elektrode befestigt ist. Die Elektrode wird beispielsweise durch einen Wolframdraht gebildet.
[0004] Weiter ist aus der EP 1 743 588 Bl eine elektro- chirurgische Elektrode zur Kontaktkoagulation bekannt, die einen Elektrodenkörper aufweist, der im Kern aus Molybdän besteht und mit einer Silberlegierung plattiert ist. Die Silberlegierung besteht aus Silber mit 1,4% bis 4% Germa nium und ein bis 1% bis 2% Indium. Mit derartigen Elektro den sollen beim Gewebeschnitt die am Gewebe auftretenden Beeinträchtigungen vermindert werden.
[0005] Bei den Plasmakoagulationsinstrumenten tritt im Betrieb an der Elektrode und in deren Umgebung eine erheb liche Wärmeentwicklung auf. Die Elektrode ist typischer weise in einem Fluidleiter angeordnet, der durch die ent stehende Wärme beeinträchtigt werden kann. Auch die Elekt rode selbst kann beeinträchtigt werden. Zur Minimierung o- der Vermeidung solcher Beeinträchtigungen ist in der Ver gangenheit ein thermischer Schutz des Fluidleiters vorgese hen worden. So schlägt die oben genannte DE 100 30 111 Al die Ausbildung der Elektrode als flaches Plättchen zur Ver besserung deren Kühlung vor. Durch flächige Gestaltung des Entladungsabschnitts der Elektrode soll die Erhitzung der Sonde vermieden werden. Hingegen soll gemäß der WO
2005/046495 Al am distalen Ende des Fluidleiters ein Kera mikröhrchen angebracht sein, das die auftretende Hitzeent wicklung von dem Kunststoffschlauch der Sonde fernhält.
[0006] Alle genannten Maßnahmen setzen der Miniaturisie rung des Instruments Grenzen, insbesondere, wenn es um ein Plasmakoagulationsinstrument geht .
[0007] Davon ausgehend ist es Aufgabe der Erfindung, ein Konzept anzugeben, mit dem sich die Abmessungen von Plasma koagulationssonden weiter reduzieren lassen.
[0008] Diese Aufgabe wird mit dem elektrochirurgischen Instrument nach Anspruch 1 sowie auch mit dem Verfahren nach Anspruch 14 gelöst:
[0009] Das Instrument weist einen Fluidleiter mit we nigstens einem Lumen auf, in welchem eine Elektrode vor zugsweise ortsfest und vorzugsweise zentriert angeordnet ist. Die Elektrode besteht aus einem Elektrodenkörper, der sich, von seinem distalen Ende ausgehend, in proximaler Richtung in das Lumen erstreckt und auf dem eine Beschich tung angeordnet ist. Das Lumen ist an eine Gasquelle, ins besondere eine Argonquelle anschließbar, so dass die Elekt rode in einem Fluidstrom angeordnet ist. Das Instrument kann in Betrieb an dem distalen Ende einen axial oder auch seitlich gerichteten Plasmastrahl abgeben. Das Lumen kann als Kanal eines Schlauchs oder Rohrs realisiert sein. Der Schlauch oder das Rohr können ein oder mehrere Lumen auf weisen.
[0010] Die Elektrode ist wenigstens teilweise in dem Lu men angeordnet und dazu vorzugsweise zentriert axial ver stellbar oder axial fest gehalten. Z.B. kann die Elektrode dazu an einem sich bis zu der Begrenzungsfläche des Lumens erstreckenden Halter befestigt sein. Alternativ kann sie sich selbst bis zu der Begrenzungsfläche erstrecken, um sich an dieser abzustützen.
[0011] Das distale Ende der Elektrode ist bei einer Aus führungsform der Erfindung innerhalb des Lumens platziert. Der Plasmastrahl entsteht somit in oder an dem distalen Endabschnitt des Lumens. Das Ende der Elektrode sticht nicht aus dem Lumen heraus und ist somit vor direktem Gewe bekontakt geschützt.
[0012] Die Elektrode kann aber auch so platziert sein, dass ihr distales Ende aus dem Lumen heraus ragt. Insbeson dere kann die Elektrode an ihrem distalen Ende einen Isola tor tragen. Der Isolator besteht vorzugsweise aus einem elektrisch isolierenden keramischen Material.
[0013] Der Isolator kann als Kugel ausgebildet sein, die von der Elektrode getragen ist. Der Isolator kann auch als Halbkugel ausgebildet sein, die von der Elektrode getragen ist. Der Isolator kann dabei dem Lumen seine gerundete oder seine flache Seite zuwenden. Der Isolator kann auch als endseitig abgerundeter Zylinder ausgebildet sein. Weiter kann der Isolator als Kreiskegel mit gerundeter oder ebener Grundfläche ausgebildet sein. Der Isolator kann dabei dem Lumen seine Grundfläche oder seine kegelige Seite zuwenden. Der Isolator kann auch als Scheibe ausgebildet sein. Vor zugsweise ist der Isolator in Bezug auf die drahtförmige Elektrode rotationssymmetrisch ausgebildet und angeordnet.
[0014] Zwischen dem Isolator und dem distalen Ende des Schlauchs oder Rohrs kann eine seitlich gerichtete Öffnung verbleiben, durch die Gas und/oder Plasma austreten kann. Die Öffnung kann sich über 360° um die Elektrode herum er strecken. Sie kann z.B. als ringförmiger Schlitz oder als breiter ringförmiger freier Bereich zwischen dem Isolator und dem Schlauch- oder Rohrende ausgebildet sein. In diesem Fall ist der Isolator nur von der Elektrode getragen. Mit dem Rohr oder Schlauch oder mit darin angeordneten Elemen ten ist er nicht verbunden.
[0015] Die seitlich gerichtete Öffnung kann auch in zwei oder mehrere Teilöffnungen aufgeteilt sein. Z.B. können den Isolator ein, zwei oder mehrere Stege mit dem Schlauch oder
Rohr verbinden, in dem das Lumen ausgebildet und die Elekt rode angeordnet ist. Der Steg oder die Stege können mit ei nem in dem Lumen angeordneten Element oder einem außen auf dem Rohr oder Schlauch angeordneten Element, z.B. einem Halter, verbunden sein. Der Halter kann mit den Stegen und dem Isolator einstückig aus Keramik ausgebildet sein.
[0016] Bei Ausführungsformen, bei denen sich die Elekt rode aus dem Lumen heraus erstreckt, kann derjenige Teil der Elektrode, an dem sich Entladungsfußpunkte der Plasma entladung bilden, komplett außerhalb des Lumens angeordnet sein. Die Elektrode kann z.B. 1 mm bis 3 mm aus dem Lumen heraus ragen.
[0017] Unabhängig davon, ob die Elektrode aus dem Lumen heraus ragt oder vollständig in diesem angeordnet ist, gilt :
[0018] Die auf dem Elektrodenkörper angeordnete Be schichtung hüllt den Elektrodenkörper ein, wobei der Quer schnitt der Beschichtung in einem Abstand von mehreren Mil limetern von der distalen Spitze wenigstens 12% des Flä cheninhalts des Querschnitts der gesamten Elektrode aus macht. Vorzugsweise gilt dies für einen erheblichen, sich von dem distalen Ende der Elektrode in proximaler Richtung weg erstreckenden Abschnitt von wenigstens einigen Millime tern, unabhängig von der Elektrodenform.
[0019] Gemäß der Erfindung ist die Beschichtung an dem distalen Ende der Elektrode unabhängig von der geometri schen Form der Elektrode zumindest nach einiger Zeit des bestimmungsgemäßen Gebrauchs und während desselben redu ziert oder beseitigt. Alternativ kann das distale Ende der Elektrode auch schon vor dem ersten Gebrauch frei von Be schichtung sein oder die Beschichtung kann an dem distalen
Ende eine reduzierte Dicke aufweisen oder ein- oder mehr fach unterbrochen sein. Unter dem distalen Ende wird im Rahmen der vorliegenden Beschreibung ein Endabschnitt der Elektrode verstanden, der 1 mm bis 3 mm lang sein kann. Das distale Ende kann stumpf, gerundet, sich verjüngend oder spitz zulaufend ausgebildet sein.
[0020] Die Elektrode kann als Plättchen mit einer dista len Spitze oder auch als stift- oder nadelförmige Elektrode (sogenannte Drahtelektrode) ausgebildet sein. Die Elektrode ist durch geeigneten Mittel, beispielsweise einen Halter, in dem Lumen des Fluidleiters vorzugsweise ortsfest oder auch längs beweglich angeordnet. Sie ist vorzugsweise zentriert .
[0021] Vorzugsweise weist die Beschichtung der Elektrode eine Schmelztemperatur auf, die niedriger, vorzugsweise deutlich niedriger, ist als die Schmelztemperatur des
Elektrodenkörpers. Der Elektrodenkörper besteht vorzugs weise aus einem Material mit einem Schmelzpunkt oberhalb 1000°C. Er kann aus Stahl, Edelstahl insbesondere chrom- und/oder nickelhaltigen Stählen, Molybdän, Wolfram, Hartme tall oder einem anderen vorzugsweise elektrisch leitfähigen Material bestehen. Vorzugsweise besteht der Elektrodenkör per aus einem kohlenstoffhaltigen Metall oder einer kohlen stoffhaltigen Metalllegierung. Der Kohlenstoffgehalt ist vorzugsweise größer als 0,02 Gew.%, vorzugsweise mindestens 0,05 Gew . % .
[0022] Dagegen weist die Beschichtung vorzugsweise eine niedrige Schmelztemperatur von weniger als 1000°C auf. Die Schmelztemperatur ist dabei vorzugsweise so niedrig ge wählt, dass bei den Einsatzbedingungen, für die das Instru-
ment vorgesehen ist, wenigstes ein Teil des Beschichtungs materials an dem distalen Ende oder in der Nähe des dista len Endes der Elektrode schmilzt. Die Einsatzbedingungen, für die das Instrument vorgesehen ist, betreffen die wäh rend des Betriebs am Patienten vorgesehenen Gasflüssen und elektrischen Leistungen. Das Beschichtungsmaterial kann vorzugsweise Silber oder eine Silberlegierung sein. Insbe sondere wird als Beschichtungsmaterial ein Material bevor zugt, das mit dem in dem Lumen strömenden Gas wenig oder nicht reagiert.
[0023] Durch die genannten Maßnahmen kann sich zu Beginn der Benutzung des Instruments eine Elektrodenstruktur aus bilden, bei der die Beschichtung der Elektrode an dem dis talen Ende der Elektrode fehlt oder eine Struktur aufweist, die von der Struktur der übrigen Beschichtung abweicht. Dadurch kann erreicht werden, dass sich die elektrische Entladung auf das distale Ende der Elektrode konzentriert. Damit konzentriert sich auch der Wärmeeintrag in die Elekt rode auf das distale Ende derselben. Die Elektrode nimmt dadurch wesentlich weniger Wärme auf als bekannte Elektro den, bei denen der Entladungsfußpunkt an der Elektrode ent lang wandert oder springt.
[0024] Die Elektrode kann zumindest nach der Erstinbe triebnahme an ihrem distalen Ende eine raue Oberfläche auf weisen, an der wenigstens einige von Beschichtungsmaterial befreite Inseln existieren. Vorzugsweise enthält das Elekt rodengrundmaterial Kohlenstoff, der an einigen Stellen An sammlung bildet und an einigen Stellen frei liegt. Der Koh lenstoff kann von Beschichtungsmaterial umgeben oder in Be reichen liegen, die von Beschichtungsmaterial frei sind. Kohlenstoffcluster können Entladungsfußpunkte bilden.
[0025] Die genannten Effekte treten insbesondere bei Elektrodendurchmessern unterhalb von 0,5 mm und Beschich tungen auf, deren Dicke ein Mindestmaß übersteigt. Das Min destmaß ist erreicht, wenn wenigstens 10%, besser 12% der Elektrodenquerschnittsfläche aus Beschichtungsmaterial be steht .
[0026] In Betrieb kann die Beschichtung insbesondere an dem distalen Ende schmelzen und eine ganz oder teilweise flüssigen Bereich bilden. Die Beschichtung kann sich von dem distalen Ende des Elektrodenkörpers etwas zurückziehen und den Elektrodenkörper ganz oder teilweise freilegen. Es zeigt sich aber eine erhöhte Elektrodenstandzeit mit gegen über unbeschichteten Elektroden stark vermindertem Materi alabtrag .
[0027] Es zeigt sich, dass durch die Konzentrierung der elektrischen Entladung auf das äußere distale Ende der Elektrode der Eintrag von Wärmeenergie in die Elektrode mi nimiert ist. Der Effekt ist so stark, dass zumindest bei einigen Ausführungsformen der Fluidleiter komplett aus Kunststoff ausgebildet werden kann und eine Keramikausklei dung auch am distalen Ende überflüssig ist. Weiter ist es möglich, auf eine Kühlung der Elektrode mittels Kühlkörper oder anderer Maßnahmen zu verzichten. Als Elektrodenhalte rung kann ein thermisch und/oder elektrisch isolierendes Material wie Keramik oder Kunststoff verwendet werden, ohne dass auch bei längerem Einsatz eine Schädigung des Instru ments zu befürchten wäre.
[0028] Zu diesem Verhalten trägt auch bei, wenn die Elektrode an ihrem distalen Ende einen z.B. mindestens 2 mm, vorzugsweise mindestens 2,5 mm langen aufweist, dessen Wärmekapazität kleiner als 4,5 mJ/K vorzugsweise kleiner
als 4,17 mJ/K ist. Die geringe Wärmekapazität trägt zur Lo kalisierung und Fixierung der Entladung an dem distalen Ende der Elektrode bei. Die Elektrode erreicht an ihrem distalen Ende schnell ihre Betriebstemperatur, bei der das Beschichtungsmetall wenigstens abschnittsweise flüssig ist. Es kann sich von der heißen Elektrodenspitze zurückziehen. Der Entladungsfußpunkt fixiert sich an der heißen Elektro denspitze. Er wandert nicht in proximaler Richtung aus und überquert insbesondere nicht die sich ausbildende ringför mige Barriere aus geschmolzenem Beschichtungsmetall (z.B. Silber) .
[0029] An der Elektrode ergibt sich ein sehr starker axialer Temperaturgradient mit einem starken Abfall zwi schen hoher Temperatur am distalen Ende und niedriger Tem peratur jenseits eines ungefähr ringförmigen Bereichs, in dem in Betrieb flüssiges Beschichtungsmaterial vorhanden ist .
[0030] Zur Erfindung gehört auch ein Konzept zur Ausbil dung der Elektrode mit Verankerung des Entladungsfußpunkts oder der Entladungsfußpunkte an dem distalen Ende der
Elektrode. Die Entladungsfußpunkte sind Punkte mit gegen über der Umgebung erhöhtem Elektronenaustritt. Sie sind im als Stellen sichtbar, von denen im Plasma sichtbare stark leuchtende Strähnen ausgehen.
[0031] Die gewünschte Gestaltung der Elektrode kann auch durch Formierung der Elektrode bei Erstinbetriebnahme er folgen. Eine noch unbenutzte Elektrode kann insbesondere an ihrem distalen Ende eine weitgehend präzise festgelegte ge ometrische Form aufweisen. Die Beschichtung kann sich mit weitgehend konstanter Dicke bis an das äußerste distale Ende der Elektrode erstrecken. Spätestens während der
Erstinbetriebnahme können ein oder mehrere Bereiche des distalen Endes der Elektrode freiliegen oder eine redu zierte Dicke der Beschichtung aufweisen. Somit unterschei det sich die Elektrodenoberfläche am distalen Ende von der Elektrodenoberfläche an weiter proximal liegenden Abschnit ten der Elektrode. Die Unterschiede können stofflicher und struktureller Natur sein. Insbesondere kann das distale Ende der Elektrode an der Oberfläche Kohlenstoffpartikel aufweisen. Die Unterschiede der Oberfläche des distalen En des zu der Oberfläche der sonstigen Elektrode führen zur Fixierung der Entladungsfußpunkte am äußersten distalen Ende der Elektrode und somit zur Minimierung des Wärmeein trags in die Elektrode und die umgebende Wandung des Fluid leiters .
[0032] Weitere Einzelheiten vorteilhafter Ausführungs formen der Erfindung ergeben sich aus der Zeichnung und der nachfolgenden Beschreibung. Es zeigen:
[0033] Figur 1 ein Instrument und das zur Speisung vorgesehene Gerät, in schematisierter Darstellung,
[0034] Figur 2 einen distalen Endabschnitt eines er findungsgemäßen Instruments, in vergrößerter längsgeschnit tener Prinzipdarstellung,
[0035] Figur 3 einen distalen Endabschnitt des Instru ments nach Figur 2 während des Betriebs,
[0036] Figur 4 einen Querschnitt durch die Elektrode nach Figur 3, geschnitten entlang der Linie IV-IV,
[0037] Figur 5 eine Elektrode in längsgeschnittener Darstellung ihres distalen Endabschnitts vor ihrer ersten Benutzung, im Längsschnitt,
[0038] Figur 6 die Elektrode nach Figur 5, in formier tem Zustand,
[0039] Figur 7 und 8 weitere Ausführungsformen einer er findungsgemäßen Elektrode vor Erstinbetriebnahme, im Längs schnitt .
[0040] Figur 1 veranschaulicht ein Instrument 10, das als Endoskopsonde ausgebildet ist. Es dient zur Plasma-Koa gulation, insbesondere Argon-Plasma-Koagulation, d.h., zur Behandlung von menschlichem oder tierischem Gewebe ohne di rekten physischen Kontakt zwischen seiner Elektrode 11 und dem entsprechenden biologischen Gewebe. Das Instrument 10 ist als flexible Sonde ausgebildet. Die nachstehend erläu terten Prinzipien können aber auch an einem starren, für den laparoskopischen Einsatz oder einem für den offenchi rurgischen Einsatz geeigneten Instrument verwirklicht wer den .
[0041] Das Instrument 10 weist einen Fluidleiter 12 bei spielsweise in Gestalt eines flexiblen Schlauchs 13 auf, der sich von einem distalen Ende 14 bis zu seinem proxima len Ende 15 erstreckt. Durch die Länge des Schlauchs 13 führt ein Lumen 16, das insbesondere aus Figur 2 hervor geht. Dieses Lumen wird in Betrieb von einen Gas, typi scherweise einem Inertgas, wie beispielsweise Argon, durch strömt. Dazu ist das Instrument 10 an ein Gerät 17 ange schlossen, das eine Gasquelle 18 enthält oder eine Verbin dung zu einer solchen vermittelt. Im Betrieb strömt das Gas von dem proximalen Ende 15 zu dem distalen Ende 14 des Schlauchs 13 und somit des Lumens 16 und von diesem aus dem offenen Ende des Schlauchs 13 aus.
[0042] In dem Lumen 16 ist die Elektrode 11 angeordnet, deren distales Ende 19 vorzugsweise nicht aus dem Fluidlei ter 12 herausragt, sondern vielmehr noch in dem Lumen 16 positioniert ist. Sie kann allerdings bei einigen Ausfüh rungsformmen auch mit einem Abschnitt aus dem Fluidleiter 12 und/oder dem Lumen 16 heraus ragen. Die Elektrode 11 ist
vorzugsweise eine Stift- oder Nadelelektrode, die zum Bei spiel durch einen Rund -oder Profildraht oder auch durch ein Röhrchen oder eine Kanüle gebildet sein kann. Die
Elektrode 11 kann auch durch das distale Ende des sich durch das Lumen 16 erstreckenden Drahts gebildet sein. Die Elektrode 11 kann einen im Wesentlichen konstanten Quer schnitt aufweisen. Sie kann unabhängig von ihrer konkreten Form in dem Lumen 16 vorzugsweise zentriert und ortsfest o- der axial beweglich gehalten sein. Der dazu vorgesehene Halter 20 trägt die Elektrode 11 und stützt sich innen an dem Fluidleiter 12 bzw. dem Schlauch 13 ab.
[0043] Die Elektrode 11 ist elektrisch mit einem Genera tor 21, zum Beispiel einem HF-Generator verbunden, der eine hochfrequente elektrische Spannung an die Elektrode 11 ab gibt. Ein entsprechender Verbindungsleiter kann sich von der Elektrode 11 durch das gesamte Lumen 16 hindurch bis zu dem proximalen Ende 15 erstrecken, an dem ein elektrischer Anschluss den Kontakt zu dem Generator 21 vermittelt.
[0044] Der Generator 21 ist vorzugsweise darauf einge richtet, eine Spannung abzugeben, die ausreichend hoch ist, um an der Spitze der Elektrode 11 eine elektrische Entla dung zu erzeugen und dadurch den an der Elektrode 11 ent lang strömenden Gasstrom wenigstens teilweise zu ionisie ren. Es bildet sich ein Plasmastrahl zur Behandlung von bi ologischem Gewebe.
[0045] Eine wesentliche Besonderheit des vorliegenden Instruments 10 liegt in der Beschaffenheit der Elektrode 11. Diese ist beispielsweise als schlanker Zylinder mit ei-
ner flachen, runden, kegelförmigen oder konischen Spitze o- der insgesamt als schlanker Kegel ausgebildet. Sie weist zumindest in der Nähe ihres distalen Endes 19 vorzugsweise einen Durchmesser von weniger als 0,5 mm vorzugsweise höchsten 0,3 mm auf. Mithin ist ihr aus Figur 4 ersichtli che Radius R kleiner als 0,25 mm vorzugsweise kleiner als 0,15 mm. Radien kleiner als 0,1 mm sind möglich. Die Elekt rode 11 kann aber auch eine prismatische Form aufweise, beispielsweise, indem sie als Profildraht ausgebildet ist. Sie kann außerdem als flaches Plättchen mit einer in dista ler Richtung orientierten Spitze ausgebildet sein.
[0046] Figur 4 veranschaulicht einen Querschnitt der Elektrode 11 in einer axialen Distanz von einigen Millime tern zu dem distalen Ende 19 der Elektrode 11. Die Distanz ist so groß, dass die Struktur der Elektrode 11 in Betrieb unverändert bleibt. Wie ersichtlich, weist die Elektrode 11 einen Elektrodenkörper 22 auf, der mit einer Beschichtung 23 versehen ist. Der Elektrodenkörper 22 und die Beschich tung 23 bestehen aus unterschiedlichen Materialien. Vor zugsweise liegt die Schmelztemperatur TK des Elektrodenkör pers 22 über 1000°C. Auch kann der Elektrodenkörper 22 aus einem anderen thermisch beständigen elektrisch leitfähigen oder auch elektrisch, zumindest in kaltem Zustand, nicht leitfähigen Material, wie zum Beispiel Keramik, bestehen.
[0047] Der Elektrodenkörper 22 kann aus einem hoch schmelzenden Metall wie zum Beispiel Stahl, Edelstahl, Hartmetall, Molybdän, Wolfram oder dergleichen bestehen.
Als Material für den Elektrodenkörper 22 eignen sich insbe sondere Legierungen, die Eisen und/oder Chrom und/oder Ni ckel enthalten. Außerdem können als weitere Legierungsbe standteile Kohlenstoff und/oder Mangan und/oder Phosphor
und/oder Schwefel und/oder Silizium und/oder Nickel und/o der Stickstoff und/oder Molybdän vorhanden sein. Ein als Grundmaterial bevorzugter Edelstahl hat folgende Zusammen setzung :
[0048] Hingegen besteht die Beschichtung 23 vorzugsweise zumindest teilweise aus einem elektrisch gut leitfähigen niedrig schmelzenden Material mit einem Schmelzpunkt vor zugsweise niedriger als 1000 °C, die Beschichtung 23 kann zum Beispiel aus Silber oder Silberlegierungen bestehen.
Die Dicke D der Beschichtung 23 ist vorzugsweise wenigstens so groß, dass der Anteil des Flächeninhalts der in Figur 4 kreuzschraffierten Querschnittsfläche der Beschichtung 23 an der Gesamtquerschnittsfläche der Elektrode 11 größer als 10% vorzugsweise größer als 12% ist. Die gesamte Quer schnittsfläche ist die Querschnittsfläche mit dem Flächen inhalt eines Kreises des Radius R. Dies entspricht in Figur 4 der Summe aus dem Flächeninhalt der Querschnittsfläche des Elektrodenkörpers 22 (in Figur schrägschraffiert) und dem Flächeninhalt der Querschnittsfläche der Beschichtung 23 (in Figur 4 kreuzschraffiert) . Der erläuterte Zusammen hang zwischen der Querschnittsfläche der Beschichtung 23 und der Gesamtquerschnittsfläche der Elektrode 11 gilt un abhängig von deren konkreter Querschnittsform. So kann die Elektrode 11 einen hohlzylindrischen oder einen polygonal begrenzten Querschnitt aufweisen.
[0049] Zwischen der Beschichtung 23 und dem Elektroden körper 22 kann eine Zwischenschicht 24 vorgesehen sein.
Diese kann aus einem Metall bestehen, vorzugsweise aus ei nem Edelmetall, einer Edelmetalllegierung oder einem reak tionsträgem Metall, z.B. Nickel, einer Nickellegierung,
Gold oder einer Goldlegierung. Die Schmelztemperatur Tz des Materials der Zwischenschicht 24 liegt vorzugsweise zwi schen den Schmelztemperaturen TK und TB der Materialien des Elektrodenkörpers 22 und der Beschichtung 23 (TK>TZ>TB) . Die Zwischenschicht 24 kann als Haftvermittler wirken und zu gleich das Zurückziehen der schmelzenden Beschichtung 23 von dem Elektrodenkörper 22 am distalen Ende 19 begünsti gen .
[0050] Bei Einhaltung der genannten Parameter, d.h., Durchmesser der Elektrode 11 kleiner als 0,3 mm und Anteil der Querschnittsfläche der Beschichtung 23 größer als 10%, vorzugsweise größer als 12% an der Gesamtquerschnittsfläche der Elektrode 11 ergeben sich günstige thermische Verhält nisse. So können Instrumente 11 mit filigranen äußeren Ab messungen gestaltet werden. Der Außendurchmesser des Fluid leiters 12 kann bedarfsweise 1 mm oder weniger betragen.
[0051] Die sich ergebende Miniaturisierungsmöglichkeit beruht auf der geringen Wärmeentwicklung und Wärmeabstrah- lung an und von der Elektrode 11. Dies wird durch die Kom bination wenigstens einiger der vorbeschriebenen Maßnahmen erreicht. Insbesondere wird dadurch erreicht, dass sich die elektrische Entladung in Betrieb auf das distale Ende 19 der Elektrode 11 konzentriert. Diese weist einen sich an das distale Ende 19 anschließenden vorzugsweise mehrere Millimeter langen Abschnitt 25 auf. In diesem gelten die im Zusammenhang mit Figur 4 beschriebenen Verhältnisse hin sichtlich der Querschnittsflächen des Elektrodenkörpers 22 und der Beschichtung 23. Vorzugsweise endet der Abschnitt 25 proximal vor oder an dem Halter 20. Die Beschichtung
kann sich jedoch auch über den Halter 20 in proximaler Richtung weiter erstrecken und fortsetzen. In distaler Richtung endet der Abschnitt 25 an dem distalen Ende 19 der Elektrode 11. Das distale Ende 190 beginnt an einem aus Fi gur 3 ersichtlichen Bereich 26, der so nahe an sich ausbil denden Entladungsfußpunkten 27 liegt, dass in diesem Be reich 26 Material der Beschichtung 23 in Betrieb in flüssi ger Form vorliegt oder vorliegen kann.
[0052] An dem distalen Ende 19 liegen im Betrieb zumin dest Teile des Elektrodenkörpers 22 frei. Der freiliegende Bereich bildet das distale Ende 19. Ausgehend von dem stirnseitigen Ende der Elektrode 11 bis etwa 2 mm bis 2,5 mm in proximaler Richtung ist ein Abschnitt 19a gebildet, dessen Wärmekapazität vorzugsweise kleiner als 4,5 mJ/K weiter vorzugsweise kleiner als 4,17 mJ/K ist. Der Ab schnitt 19a kann durch das distale Ende 19 gebildet sein. Die geringe Wärmekapazität des Abschnitts 19a ermöglicht das lokale Schmelzen der Beschichtung 23. Auch stellt sie eine stetige Elektronenemission des Endes 19 sofort nach Zünden eines Plasmas auch bei geringen HF-Leistungen si cher. Dies fördert die Konzentration der Plasmaentladung auf das distale Ende der Elektrode und mindert somit den Wärmeeintrag in diese.
[0053] Das insoweit beschriebene Instrument 10 wird wie folgt eingesetzt und seine Elektrode 11 wie folgt betrie ben :
[0054] Im Betrieb wird zunächst das Lumen 16 mit Gas be aufschlagt, sodass sich eine Gasströmung in distaler Rich tung ergibt. Als Gas kann beispielsweise Argon dienen, das an der Elektrode 11 längs entlangströmt. Die Elektrode 11 ist elektrisch mit dem Generator 21 verbunden. Die an dem
distalen Ende 19 anliegende Spannung führt zu einem Funken überschlag zu einer in der Nähe befindlichen Gegenelekt rode, die zum Beispiel biologisches Gewebe sein kann.
[0055] Unmittelbar vor oder nach Beginn dieses Vorgangs hat die Elektrode 11 die in Figur 5 veranschaulichte An fangsform, die geometrisch bestimmt ist. Zum Beispiel ist der Elektrodenkörper 22 zylindrisch, während die Beschich tung 23 im Wesentlichen überall eine konstante Dicke auf weist. Die Beschichtung 23 erstreckt sich ausgehend von dem distalen Ende 19 einige Millimeter oder Zentimeter in pro ximaler Richtung und kann dann enden oder sich fortsetzen. Die Beschichtung 23 kann sich bis über die Stirnseite des Elektrodenkörpers 22 erstrecken oder diese auch freilassen, wie es aus dem Beispiel nach Figur 8 hervorgeht. Auch kann die Beschichtung 23 schon bei der Produktion der Elektrode von einem Endbereich, z.B. von dem distalen Ende 19 ent fernt sein, wie es Figur 7 zeigt. Dazu kann das distale Ende 19 der Elektrode 11 kegelförmig angespitzt, als Kegel stumpf oder auch als Keil ausgebildet sein. Beispielsweise kann die Elektrode 11 durch Abschneiden eines ausreichend langen Teilstücks von einem endlos gelieferten beschichte ten Draht erzeugt werden. Gegebenenfalls kann das distale Ende 19 materialabtragend nachbearbeitet sein, um die Be schichtung 23 an dem Ende 19 ganz oder teilweise zu entfer nen .
[0056] Mit der Erstinbetriebnahme erhitzt sich zunächst das distale Ende 19 der Elektrode 11, sodass sich dieses dann für den weiteren Betrieb umgestaltet. An der Elektrode 11 bildet sich ein Bereich 26, in dem das Material der Be schichtung 23 zumindest teilweise geschmolzen ist, wie es in Figur 6 veranschaulicht ist. In dem Bereich 26 kann die
Beschichtung dicker sein, als im übrigen Bereich der Elekt rode 11. Dagegen kann die Beschichtung an dem äußeren Ende 19 eine geringere Dicke aufweisen, unterbrochen sein oder gänzlich fehlen.
[0057] Die oben im Zusammenhang mit der Erstinbetrieb- nahme beschriebenen Vorgänge können auch im Rahmen der Fer tigung des Instruments 10 durchgeführt werden. Dazu kann der Hersteller das Instrument 10 unter kontrollierten Be dingungen kurzzeitig in Betrieb nehmen. Dabei kann der Her steller sowohl Gasart und Gasfluss sowie die Spannung und den Strom festlegen, wie für den Betrieb am Patienten. Er kann aber auch abweichende Gasarten, Gasflüsse oder Be triebsspannungen oder -ströme wählen.
[0058] In Betrieb wird das distale Ende 19 der Elektrode 11 heiß und elektronenemissionsfähig, während die Elektrode 11 in dem Bereich 26 und insbesondere weiter proximal im Abschnitt 25 weitaus geringere Temperaturen erreicht und dort relativ kühl bleibt. An dem distalen Ende 19 fixieren sich die Entladungsfußpunkte 27 (Figur 3), ohne in proxima ler Richtung zu wandern. Die Elektrode 11 strahlt somit sehr wenig Wärme ab und trägt nicht wesentlich zur Erwär mung des Fluidleiters 12 bei.
[0059] Das erfindungsgemäße Instrument 10 weist eine Elektrode 11 auf, die in einem gasführenden Lumen 16 ange ordnet und zentriert gehalten ist. Die Elektrode 11 weist einen Elektrodenkörper 22 aus einem thermisch stabilen Ma terial, beispielsweise Hartmetall, Wolfram, Stahl, Edel stahl oder dergleichen, auf. Die Elektrode 11 ist mit einer Beschichtung 23 aus einem niedrig schmelzenden Material, wie beispielsweise Silber, Silberlegierungen oder einem an deren niedrig schmelzenden Metall versehen. Zwischen der
Beschichtung 23 und dem Elektrodenkörper 22 kann eine Haft schicht 24, insbesondere eine Goldschicht vorgesehen sein. Diese kann das Zurückziehen der Beschichtung 23 bei Erstin betriebnahme und somit beim Ausbilden der für den Betrieb gewünschten Form der Elektrode 11 (z.B. nach Figur 6) be günstigen .
Bezugs Zeichen :
10 Instrument
11 Elektrode
12 Fluidleiter
13 Schlauch
14 distales Ende des Fluidleiters 12 / Schlauchs 13
15 proximales Ende des Fluidleiters 12 /
Schlauchs 13
16 Lumen
17 Gerät
18 Gasquelle
19 distales Ende der Elektrode 11
19a Abschnitt der Elektrode 11 (2 bis 2,5 mm Länge)
20 Halter
21 Generator
22 Elektrodenkörper
23 Beschichtung
24 Zwischenschicht
25 Abschnitt
26 Bereich, in dem Beschichtungsmaterial flüssig sein kann
27 Entladungsfußpunkte