VORRICHTUNG UND VERFAHREN ZUR STEUERUNG DES VERTRIEBS EINER VIELZAHL
UNTERSCHIEDLICHER WAREN
Gebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein Lager- und Vertriebssystem sowie ein computer-implementiertes Verfahren zur Steuerung der Lagerung, Kommissionierung und des Vertriebs einer Vielzahl unterschiedlicher Waren, beispielsweise Lebensmittel und andere Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs.
Hintergrund der Erfindung
Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs werden derzeit zum überwiegenden Teil (>95%) über die traditionelle Vertriebsschiene des Einzelhandels, also über Supermärkte, Discounter und Verbrauchermärkte unterschiedlicher Größenordnungen vertrieben. Dabei ist typischerweise ein zentrales Großlager für den Vertrieb einer Supermarktkette in einem geographisch abgegrenzten Gebiet (z.B. Nordrhein-Westfalen, Nordbayern) zuständig. Die Waren (im Folgenden auch „Artikel“ genannt“) werden von den Herstellern oder Spediteuren an das Zentrallager geliefert, dort auf Paletten eingelagert und in einem Datenbanksystem registriert. Bestellt eine Verkaufsstelle wie etwa ein Supermarkt neue Ware, wird diese im Zentrallager zum Transport zu diesem Supermarkt kommissioniert und dann per LKW geliefert.
Das Zentrallager ist mit einem Lagerverwaltungssystem ausgestattet, welches alle angelieferten und eingelagerten Waren sowie die ausgelieferten Waren erfasst. Somit kann dem Lagerverwaltungssystem jederzeit die im Zentrallager gelagerte Menge jedes Produkts entnommen werden.
Zusätzlich kann vorgesehen sein, dass Frischware wie Obst, Gemüse oder Molkereiprodukte direkt vom Hersteller oder der Spedition an die Verkaufsstelle geliefert wird, um die Frische der Produkte sicherzustellen. Diese Frischware wird vorzugsweise bei der Anlieferung in der Verkaufsstelle erfasst und in das zentrale Lagerverwaltungssystem eingespeist.
Den Verkaufsstellen werden die Waren typischerweise in Form von Verpackungseinheiten (Kartons und dgl. , auch „cases“ genannt) angeliefert. Jede Verpackungseinheit enthält mehrere Verkaufseinheiten (einzelne Flasche, Glas, oder sonstige Einzelverpackung des Produktes, auch „pieces“ genannt). In den Verkaufsstellen wird die Ware zum Teil aus den Verpackungseinheiten
entnommen und die Verkaufseinheiten werden in ein Verkaufsregal gestellt. Reicht der Platz in den Verkaufsregalen nicht aus, wird Ware häufig in Nebenräumen oder Pufferlagern in Form von Lagereinheiten und/oder Verkaufseinheiten zwischengespeichert.
Die in den Verkaufsstellen verkaufte Ware wird über Registrierkassen erfasst und der Verkauf der Ware einer lokalen Software der Verkaufsstelle und gegebenenfalls auch an das Zentralverwaltungssystem übermittelt.
Häufig ergibt sich das Problem, dass die in den Nebenräumen der Verkaufsstellen in Form von Lagereinheiten oder Verkaufseinheiten gelagerte Ware „in Vergessenheit gerät“. Gelegentlich wird von der Verkaufsstelle basierend auf einem leeren Lagerregal Ware bestellt, obwohl im Nebenraum noch genügend davon vorhanden wäre. Besonders betroffen sind häufig Sonderangebote oder Aktionsware in den Verkaufsstellen.
Derartige Probleme verschärfen sich mit zunehmendem Anteil online bestellter Waren (E- Commerce), welche den Endkunden nach Hause geliefert werden oder an Abholstellen zur Abholung zur Verfügung gestellt werden. Dabei werden häufig nicht ausgelieferte Ware oder Retouren an die Verkaufsstellen zurückgeliefert. Eine effiziente Lagerhaltung der Bestände an unterschiedlichen Artikeln in den Verkaufsstellen stellt daher eine große Herausforderung dar.
Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zu Grunde, ein Lager- und Vertriebssystem sowie ein computer-implementiertes Verfahren zur Steuerung der Lagerung, Kommissionierung und des Vertriebs einer Vielzahl unterschiedlicher Waren vorzuschlagen, welches eine präzisere Erfassung der Lagerbestände jedes Artikels auch in den Verkaufsstellen ermöglicht.
Zusammenfassung der Erfindung
Gelöst wird die Aufgabe durch das in Anspruch 1 beschriebene erfindungsgemäße Lager- und Vertriebssystem. Dieses ist für eine Vielzahl unterschiedlicher Artikel konzipiert, wobei es folgende Elemente aufweist: ein Zentrallager ausgebildet zur Lagerung und Kommissionierung der Artikel in Verkaufseinheiten und/oder in Verpackungseinheiten, in denen mehrere Verkaufseinheiten eines Artikels zusammengepackt sind, und eine Vielzahl von Verkaufsstellen ausgebildet zum Empfang zugelieferter Artikel vom Zentrallager und zur Bereitstellung der Artikel zum Verkauf in Verkaufseinheiten und/oder in Verpackungseinheiten, wobei jede Verkaufsstelle Einrichtungen aufweist zur Erfassung von Verkaufseinheiten und Verpackungseinheiten angelieferter und verkaufter Artikel, und eines Umpackens zwischen Verpackungs- und
Verkaufseinheiten. Das System weist ferner eine mit dem Zentrallager und den Verkaufsstellen verbundene Datenbankeinrichtung auf, die ausgebildet ist (i) zur Speicherung und Aktualisierung der im Zentrallager gelagerten Anzahl der Verkaufseinheiten und der Verpackungseinheiten jedes Artikels, und (ii) zur Speicherung und Aktualisierung der in den Verkaufsstellen jeweils vorhandenen Anzahl der Verkaufseinheiten und der Verpackungseinheiten jedes Artikels.
Die vorliegende Erfindung schlägt ferner ein computer-implementiertes Verfahren zur Steuerung der Lagerung, Kommissionierung und des Vertriebs einer Vielzahl unterschiedlicher Artikel vor. Dieses weist die in einem Zentrallagerausgeführten Verfahrensschritte der Annahme, Lagerung und Kommissionierung der Artikel in Verkaufseinheiten und/oder in Verpackungseinheiten, in denen mehrere Verkaufseinheiten eines Artikels zusammengepackt sind, auf, sowie die in einer Vielzahl von Verkaufsstellen ausgeführten Verfahrensschritte: (a) Empfang zugelieferter Artikel vom Zentrallager, (b) Erfassung der Anzahl der Verkaufseinheiten und Verpackungseinheiten der angelieferten Artikel, (c) Bereitstellung der Artikel zum Verkauf in Verkaufseinheiten und/oder in Verpackungseinheiten, (d) Erfassung der Anzahl der Verkaufseinheiten und Verpackungseinheiten verkaufter Artikel, und (e) Erfassung eines Umpackens zwischen Verpackungs- und Verkaufseinheiten, sowie die in einer mit dem Zentrallager und den Verkaufsstellen verbundenen Datenbankeinrichtung ausgeführten Verfahrensschritte der (i) Speicherung und Aktualisierung der im Zentrallager gelagerten Anzahl der Verkaufseinheiten und der Verpackungseinheiten jedes Artikels, und der (ii) der Speicherung und Aktualisierung der in den Verkaufsstellen jeweils vorhandenen Anzahl der Verkaufseinheiten und der Verpackungseinheiten jedes Artikels auf.
Die Erfindung ermöglicht eine verbesserte integrierte Lagerverwaltung von Verkaufs- und Verpackungseinheiten der vertriebenen Artikel in den Verkaufsstellen und damit eine Zeit-, Raum und Kostenersparnis. Außerdem kann die Menge von Waren reduziert werden, die vor ihrem Verkauf das Verfallsdatum überschreiten.
Dabei werden vorzugsweise die einer Verkaufsstelle zugeordneten Daten der gelagerten Verkaufseinheiten und Verpackungseinheiten der im Sortiment befindlichen Artikel einem Betreiber der Verkaufsstelle zur Verarbeitung zur Verfügung gestellt. Der Betreiber der Verkaufsstelle wie beispielsweise eines Supermarktes kann auf Basis dieser Daten die Lagerhaltung optimieren.
Die Einrichtungen zur Erfassung eines Umpackens zwischen Verpackungs- und Verkaufseinheiten in einer Verkaufsstelle können dabei beispielsweise eine Scanvorrichtung zur
Erfassung von auf der Verpackungseinheit und/oder der Verkaufseinheit aufgebrachten Codes aufweisen.
Verkaufsstellen können beispielsweise neben einem oder mehreren Verkaufsräumen zusätzlich einen oder mehrere Lagerräume oder Nebenräume aufweisen, wobei jeweils eine Erfassungseinrichtung zur separaten Erfassung und zur Übermittlung an die Datenbankeinrichtung der Anzahl der in den Verkaufs- und Lagerräumen jeweils vorhandenen Verpackungs- und Verkaufseinheiten der vorhandenen Artikel vorgesehen ist. Diese Erfassungseinrichtungen können dabei eine oder mehrere Lichtschranken und/oder Scanner zur Erfassung zwischen Verkaufs- und Lagerräumen verbrachten Artikeln aufweisen.
Eine oder mehrere der Verkaufsstellen können dabei als Verteil- und/oder Abholstellen für Warenlieferungen an Endkunden für den Online-Handel ausgebildet sein.
Erfindungsgemäß kann eine Einrichtung zur Erfassung und Speicherung von Verfalls- und/oder Verbrauchsdaten von angelieferten Artikeln in der Datenbankeinrichtung vorgesehen sein, um einen Verlust von Frischwaren aufgrund Überschreitens des Verfallsdatums zu minimieren.
Weiterhin kann eine Erfassungseinheit zur Erfassung einer zeitlichen Entwicklung der Bestellmengen der im Sortiment befindlichen Artikel einzelner Verkaufsstellen vorgesehen sein sowie eine Überprüfungseinheit, die eingerichtet ist, eine Konsistenz manueller Bestellungen der einzelnen Verkaufsstellen anhand der erfassten zeitlichen Abfolge der Bestellungen und der jeweils vorhandenen Anzahl von Verkaufs- und Verpackungseinheiten jeweiliger Artikel zu überprüfen. Dadurch können die Bestellmengen anhand von historischen Daten optimiert und Fehler bei der manuellen Warenbestellung minimiert werden.
Ferner kann eine Vorhersageeinheit zur Abschätzung zukünftiger Bestellmengen einzelner Verkaufsstellen auf Basis der erfassten vergangenen Bestellmengen vorgesehen sein, wobei zur Abschätzung zukünftiger Bestellmengen ein Machine Learning-Modell eingesetzt werden kann.
Figurenbeschreibung
Die Erfindung wird nachstehend anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme auf die Figuren im Einzelnen beschrieben. Dabei zeigt:
Fig. 1 eine schematische Darstellung eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Lager- und Vertriebssystems;
Fig. 2 eine schematische Darstellung eines Zentrallagers des Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Lager- und Vertriebssystems;
Fig. 3 eine Querschnittsansicht des Zentrallagers gemäß Fig. 2;
Fig. 4 ein schematisches Flussdiagramm zur Illustration von Verfahrensschritten eines
Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Verfahrens in Bezug auf das Zentrallager;
Fig. 5 ein schematisches Flussdiagramm zur Illustration von Verfahrensschritten eines
Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Verfahrens in Bezug auf eine Verkaufsstelle;
Fig. 6 ein schematisches Diagramm zur Erläuterung der Funktionsweise eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Lager- und Vertriebssystems; und
Fig. 7 ein schematisches Diagramm zur Erläuterung eines weiteren Aspekts der Funktionsweise eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Lager- und Vertriebssystems.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Lager- und Vertriebssystems. Dieses weist ein Zentrallager 100 sowie mehrere Verkaufsstellen 20, 20a, 20b auf. Bei den Verkaufsstellen kann es sich um Supermärkte, Discounter oder Verbrauchermärkte handeln, die mit Bezugsziffer 20 bezeichnet sind, oder auch um Abholstellen 20a oder Verteilstellen 20b zur Ausführung von Online-Bestellungen (E-Commerce). Die Supermärkte 20 weisen einen oder mehrere Verkaufsräume 21 auf, in denen die Artikel zum Verkauf angeboten werden, können jedoch weiterhin einen oder mehrere Lagerräume bzw. Nebenräume 22 aufweisen, in denen Artikel zwischengelagert werden.
Mit dem erfindungsgemäßen Lager- und Vertriebssystem können alle möglichen Waren gelagert, kommissioniert und zu den Verkaufsstellen geliefert werden. Insbesondere ist das erfindungsgemäße Lager- und Vertriebssystem geeignet für Lebensmittel und andere Artikel des täglichen Bedarfs, die typischerweise in Supermärkten aller Größenordnungen, Discountern und Verbrauchermärkten verkauft werden. Bestellungen über das Internet können mit dem erfindungsgemäßen System jedoch auch integriert werden.
Typischerweise werden die Artikel in haushaltsüblichen Verpackungen zum Verkauf angeboten, beispielsweise ein Liter Milch, eine Tüte Haferflocken, eine Flasche Wasser, eine Packung
Hundefutter usw. Diese haushaltsüblichen Verpackungseinheiten (oft auch „pieces“ genannt) werden vorliegend als Verkaufseinheiten bezeichnet. Diese Bezeichnung ist jedoch nicht einschränkend auf eine bestimmte Verpackungsart oder -große zu verstehen.
Zum Zwecke der Lieferung der Artikel vom Hersteller an das Zentrallager 100 und zur Lagerung im Zentrallager 100 werden häufig mehrere Verkaufseinheiten zu einer Verpackungseinheit (auch als „case“ bezeichnet) zusammengefasst, z.B. zehn Tüten Milch zu einem Zehnerpack oder sechs 1,5-Liter-PET-Wasserflaschen zu einem Gebinde. Derartige zusammengefasste Verkaufseinheiten werden vorliegend als Verpackungseinheiten bezeichnet. Auch diese Bezeichnung ist nicht einschränkend zu verstehen. Das erfindungsgemäße Lager- und Vertriebssystem ist geeignet, alle möglichen Verpackungstypen zu verarbeiten.
Das Zentrallager 100 weist ein Steuerungsmodul 110 auf, welches ein Datenbanksystem zur Erfassung und Aktualisierung der Anzahl der im Zentrallager 100 und in den Verkaufsstellen 20, 20a, 20b vorhandenen Artikeln umfasst, wobei die Verpackungseinheiten und die Verkaufseinheiten der Artikel separat erfasst werden. In der schematischen Darstellung der Fig. 1 ist das Steuerungsmodul und damit das Datenbanksystem dem Zentrallager 100 zugeordnet. Das Steuerungsmodul 110 kann auch räumlich getrennt vom Zentrallager 100 angeordnet sein. Außerdem können erfindungsgemäß mehrere Zentrallager 100 mittels eines Steuerungsmoduls 110 gesteuert werden.
Ein Ausführungsbeispiel eines Zentrallagers wird im Folgenden mit Bezugnahme auf die Fig. 2 und 3 beschrieben. Das erfindungsgemäße Lager- und Vertriebssystem sowie das erfindungsgemäße Verfahren sind jedoch nicht auf eine bestimmte Art eines Zentrallagers beschränkt.
Fig. 2 zeigt schematisch in Aufsicht ein Ausführungsbeispiel eines Zentrallagers 100 und Fig. 3 eine Querschnittsansicht entlang der Linie ll-ll aus Fig. 2.
Ein Eingangslager 102 ist beispielsweise als Palettenlager ausgebildet, d.h. die an einer Anlieferungsstation 115 angelieferten Artikel oder Waren werden auf den Anlieferungspaletten in einem Palettenlager 102 in Regalreihen 101 gelagert. In den zwischen den Regalreihen 101 ausgebildeten Regalgassen 103 (siehe Fig. 3) sind in an sich bekannter Art und Weise Regalfahrzeuge verfahrbar, die die angelieferten Lagerpaletten im Regallager einlagern. Mit dem Regallager über eine vorzugsweise automatisierte Fördertechnik verbunden ist z.B. ein ebenfalls automatisiertes Kommissioniersystem 130.
Wie in Fig. 2 schematisch dargestellt ist, schließt sich an das Palettenlager 102 und das automatisches Lager - und Kommissioniersystem 130 seitlich ein Funktionsbereich 120 an, der Wartung und Reparatur dient sowie beispielsweise einen Lagerverwaltungsrechner enthalten kann. An das automatisches Lager - und Kommissioniersystem 130 wiederum schließt sich eine Verladungszone 140 an, wo Ladungsträger wie beispielsweise Auftragspaletten mit den für einen Kommissionierauftrag einer oder mehrerer Verkaufsstellen 20 benötigten Artikel geladen werden. Die auf der Palette gebildeten Ladestapel werden über eine LKW-Rampe 141 ebenengleich in einen LKW 200 geladen. Vorzugsweise bestehen die Ladestapel aus unterschiedlichen Artikeln, die als Verpackungseinheiten vorliegen. Gemischte Ladestapel bestehend aus Verpackungseinheiten und Verkaufseinheiten verschiedener Artikel sind jedoch ebenso möglich. Der LKW befördert die bestellten Artikel auf einer beispielsweise bezüglich Fahrzeit optimierten Fahrtroute zu den einzelnen Verkaufsstellen 20.
Bei dem Datenbanksystem kann es sich um ein aus bekannten Hard- und Softwarekomponenten bestehendes System handeln, das auch mit einem Enterprise Ressource Planing (ERP)-System verbunden sein kann. Das Datenbanksystem des erfindungsgemäßen Lager- und Vertriebssystems ist eingerichtet, die im Zentrallager 100 angelieferten und ausgelieferten Artikel sowie die den jeweiligen Verkaufsstellen 20, 20a, 20b gelieferten Artikel sowie die in den Verkaufsstellen verkauften Artikel jeweils zu erfassen. Die Erfassung verkaufter Artikel kann beispielsweise mit vorhandenen Registrierkassensystemen erfolgen. Ebenso erfolgt eine Wareneingangskontrolle in den Verkaufsstellen sowie eine Rücklaufkontrolle aus den Verkaufsräumen 21 in die Lagerräume bzw. Nebenräume 22. So kann der Lagerbestand der Artikel im Zentrallager, in den Verkaufsstellen einschließlich den Verteilstellen und Abholstellen für E-Commerce sowie in den LKW erfasst und vorzugsweise in Echtzeit aktualisiert werden. Erfindungsgemäß wird dabei die Anzahl der Verpackungseinheiten und der Verkaufseinheiten der einzelnen Artikel jeweils separat erfasst. Dazu ist es jedoch erforderlich, dass ein „Auspacken“ und „Aufteilen“ einer Verpackungseinheit in mehrere Verkaufseinheiten z.B. in einer Verkaufsstelle beispielsweise mittels eines Handscanners oder vergleichbaren Geräten ebenfalls erfasst wird. Die getrennte Erfassung von Verpackungseinheiten und Verkaufseinheiten ermöglicht insbesondere den Betreibern von Verkaufsstellen eine exaktere Lagerhaltung und gibt einen besseren Überblick über die Menge jeweils gerade vorhandener Artikel. Die getrennte Erfassung von Verpackungseinheiten und Verkaufseinheiten ist außerdem für die Lagerhaltung im Online-Handel von großem Nutzen, da hier kleine Bestellmengen von Endkunden überwiegen, die meistens in Form von Verpackungseinheiten ausgeliefert werden.
Gemäß einer bevorzugen Variante der Erfindung ist es außerdem möglich, die im Verkaufsraum 21 einer Verkaufsstelle 20 und die in einem separaten Lagerraum 22 derselben gelagerten Verkaufs- und Verpackungseinheiten der vorrätigen Artikel getrennt zu erfassen. Dadurch kann verhindert werden, dass in einem (gegebenenfalls unübersichtlichen) Lager- oder Nebenraum einer Verkaufsstelle vorhandene Artikel übersehen oder vergessen werden. Es ist dann jedoch erforderlich, im Lagerverwaltungssystem ein Verbringen von Artikeln zwischen Verkaufs- und Lagerraum zu erfassen, beispielsweise mittels einer Lichtschranke oder mit Hilfe von Handscannern.
Vorzugsweise wird den in der Datenbank gespeicherten Artikeln ein Verfalls- oder Verbrauchsdatum zugeordnet, wodurch insbesondere das Verderben von Frischprodukten minimiert werden kann.
Die Erfindung schlägt außerdem ein computer-implementiertes Verfahren zur Steuerung der Lagerung, Kommissionierung und des Vertriebs einer Vielzahl unterschiedlicher Artikel vor, welche wie beschreiben als Verkaufseinheiten und als Verpackungseinheiten gelagert und wertrieben werden.
Die in einem Zentrallager 100 ausgeführten Verfahrensschritte sind schematisch in Fig. 4 illustriert, umfassend den Verfahrensschritt S10 der Erfassung der im Zentrallager angelieferten Verkaufseinheiten und Verpackungseinheiten der jeweiligen Artikel. Im Verfahrensschritt S12 werden die vom Zentrallager ausgelieferten Verkaufseinheiten und Verpackungseinheiten der jeweiligen Artikel erfasst. Sodann kann in Verfahrensschritt S14 in der Datenbank die Anzahl der im Zentrallager 100 jeweils vorhandenen Verpackungseinheiten und Verkaufseinheiten der gelagerten Artikel aktualisiert werden.
Die in den Verkaufsstellen 20, 20a, 20b ausgeführten Verfahrensschritte sind schematisch in Fig. 5 illustriert: In Verfahrensschritt S20 werden die in der jeweiligen Verkaufsstelle 20 angelieferten Verkaufseinheiten und Verpackungseinheiten der jeweiligen Artikel erfasst. In Verfahrensschritt S22 werden die in den jeweiligen Verkaufsstellen 20 im Verkaufsraum 21 und im Lagerraum 22 eingelagerten Verkaufseinheiten und Verpackungseinheiten der jeweiligen Artikel erfasst. Außerdem werden laufend in einem Verfahrensschritt S24 die zwischen Verkaufsraum 21 und Lagerraum 22 verbrachten Verkaufseinheiten und Verpackungseinheiten der jeweiligen Artikel erfasst. In einem weiteren (in Fig. 5 nicht dargestellten) Verfahrensschritt werden aus einer Verpackungseinheit „ausgepackte“ Verkaufseinheiten beispielsweise per Scanner oder Kamera erfasst. Selbstverständliche werden auch die typischerweise im Verkaufsraum 22 verkauften
Artikel erfasst, vorzugsweise mittels eines Registrierkassensystems. Schließlich wird in Verfahrensschritt S28 jede Statusänderung in der Datenbank registriert. Daher sind in Fig. 5 die Verfahrensschritte nicht notwendigerweise chronologisch dargestellt. Sobald eine Änderung der im Verkaufsraum und/oder dem Lagerraum vorhandenen Verkaufs- oder Verpackungseinheiten registriert wird, wird diese Änderung in der Datenbank nachgeführt. Es sei außerdem angemerkt, dass Verfahrensschritt S28 typischerweise nicht in den einzelnen Verkaufsstellen 20, sondern in der Steuerungseinheit 110 stattfindet, wo die Datenbankeinträge bezüglich der jeweiligen Verkaufsstellen aktualisiert werden.
Die einer Verkaufsstelle zugeordneten Daten der gelagerten Verkaufseinheiten und Verpackungseinheiten der Artikel werden dabei einem Betreiber der Verkaufsstelle zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung gestellt. Für jede Verkaufsstelle kann die zeitliche Entwicklung der Bestellmengen der im Sortiment befindlichen Artikel erfasst werden. Dies ermöglicht eine Optimierung und Überprüfung von Bestellungen sowie eine Vorhersage zukünftiger Bestellmengen unterschiedlicher Artikel. Zur Vorhersage können dabei Machine Learning- Modelle eingesetzt werden. Je nach Lagergröße in den einzelnen Verkaufsstellen können somit vom Zentrallager 100 vorausschauend Waren passend zur Kapazität des jeweiligen Lagerraums 22 angeliefert werden und es lassen sich so vor allem in Spitzenzeiten Zentrallager und Transportlogistik optimieren und Warenströme glätten.
Fig. 6 zeigt ein schematisches Diagramm zur Erläuterung der Funktionsweise der Anwendung eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Lager- und Vertriebssystems auf ein Merhrkanal-Vertriebssystem.
Die Waren werden von den Lieferanten an das Zentrallager geliefert und dort gelagert. Bei einer Bestellung werden die entsprechenden Mengen an Verpackungseinheiten und Verkaufseinheiten der bestellten Artikel an die Verkaufsstellen, d.h. klassische Märkte sowie Abholstellen 20a und Verteilstellen 20b für den E-Commerce geliefert. Die Kunden kaufen die Waren in einem Verkaufsraum 21 eines Marktes oder holen diese an einer Abholstelle 20a ab. Alternativ kann die Ware dem Kunden von einer Verteilstelle 20b nach Hause geliefert werden. Die Warenflüsse aller drei Vertriebskanäle werden vom erfindungsgemäßen System integriert modelliert.
Fig. 7 zeigt schematisch die Optimierungs- und Steuerungsmöglichkeiten in der integrierten Lieferkette vom Lieferanten bis zum Endkunden.
Die Anlieferung zum Zentrallager 100 kann in Bezug auf die Einlagerungskapazitäten bestimmter Produkte optimiert werden. Der Transport zwischen Zentrallager 100 und den Verkaufsstellen 20, 20a, 20b kann bezüglich Fahrzeit der LKW oder auch der Kundenfrequenz in den Verkaufsstellen gesteuert und optimiert werden. Weiterhin kann wie vorstehend erläutert die Lagerhaltung in den verschiedenen Typen von Verkaufsstellen basierend auf den (Echtzeit-) Daten der jeweils vorrätigen Verkaufs- und Verpackungseinheiten der jeweiligen Artikel laufend verbessert und angepasst werden, wodurch Kosten gesenkt und die Kundenfreundlichkeit verbessert werden kann. Auch die im Online-Geschäft häufigen Retouren können von dem erfindungsgemäßen Lager- und Vertriebssystem berücksichtigt werden.