H30090
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Elektrochemischer Sensor mit einer Erdalkali-veredelten Elektrolytformulierung
Die Erfindung betrifft einen elektrochemischen Sensor mit einer Referenzelektrode mit einem porösen Diaphragma und einer Elektrolytformulierung mit mindestens einem Erdalkalimetall-Ion, sowie eine Elektrolytformulierung für einen elektrochemischen Sensor.
Elektrochemische Sensoren werden zum Analysieren von Medien, besonders von flüssigen Prozessmedien, verwendet, um bestimmte Eigenschaften des entsprechenden Mediums zu bestimmen, insbesondere den pH-Wert, das Redox-Potential, und/oder das Vorliegen bestimmter Ionen bzw. Molekül-Sorten im Medium. Das zu untersuchende Medium wird synonym auch als Messfluid oder Arbeitsfluid bezeichnet.
Die mittels elektrochemischer Sensoren bestimmbaren Eigenschaften werden im Folgenden unter dem Begriff „elektrochemische Messgröße" zusammengefasst. Zum Bestimmen elektrochemischer Messgrößen werden jeweils geeignete Messelektroden verwendet, die die Eigenschaft haben, dass sich bei Kontakt der Messelektrode mit dem zu untersuchenden Medium entweder ein elektrochemisches Potential einstellt, das von der jeweils zu bestimmenden elektrochemischen Messgröße abhängt, beispielsweise dem pH-Wert oder der Konzentration einer bestimmten lonen-Sorte. Dieses Potential wird als Messsignal erfasst, weshalb derartige Sensoren auch potentiometrische Sensoren genannt werden.
Oder es wird, bei sogenannten amperometrischen Sensoren, zwischen einer Messelektrode und einer Referenzelektrode eine bestimmte Potentialdifferenz (Spannung) in einer Weise angelegt, dass die zu messenden Ionen- bzw. Molekül-Sorten an der Messelektrode oxidiert oder reduziert werden. Der dabei zwischen Messelektrode und einer dritten Elektrode, nämlich der sogenannten Gegenelektrode, fließende Strom wird gemessen. Dieser ist proportional zur
Konzentration der zu bestimmenden Ionen- bzw. Molekül-Sorten. Sowohl po- tentiametrische als auch amperometrische elektrochemische Sensoren benötigen also eine Referenzhalbzelle bzw. -elektrode.
Elektrochemische Sensoren sind häufig als Einstabmessketten ausgebildet, wobei die Räume der Referenzhalbzelle und der Messelektrode konzentrisch angeordnet sind. Unter einer Einstabmesskette wird eine Kombination aus einer Messelektrode und einer Referenzelektrode verstanden, die in einem einzelnen Stab untergebracht sind. Für den Begriff Messelektrode wird auch synonym der Begriff Arbeitselektrode verwendet und für den Begriff Referenzelektrode wird auch synonym der Begriff Bezugselektrode verwendet.
Die Messelektrode kann als ionenselektive Elektrode ausgebildet sein, die unmittelbar mit dem zu untersuchenden Medium in Kontakt gelangt, so dass die ionenselektive Elektrode und das Medium unmittelbar ein System bilden, dessen elektrochemisches Potential von der Konzentration einer bestimmten lo- nen-Sorte im Medium abhängt.
Bei Sensoren mit Glasmembran weist aber die Messelektrode selbst bereits ein System aus Messableitelektrode in Kontakt mit einem Innenelektrolyten auf, wobei der Innenelektrolyt dann über die Glasmembran in Kontakt mit dem zu untersuchenden Medium steht. Beispielsweise misst man bei pH-Elektro- den in der Regel eine vom pH-Wert des Mediums abhängige Potentialdifferenz über die Glasmembran, die sich zwischen dem Medium und dem Innenelektrolyten der Messelektrode befindet. Der Innenelektrolyt bildet dann ein Puffersystem und ist so gewählt, dass sich über die Glasmembran hinweg eine der gewünschten elektrochemischen Messgröße möglichst proportionale elektrische Potentialdifferenz einstellt.
Ganz allgemein wird im Folgenden ein System mit Messelektrode und ggf. zugehörigem Innenelektrolyten/Messmembran als Messhalbzelle eines elektrochemischen Sensors bezeichnet, wobei die Messelektrode in einem Messhalbzellenraum vorgesehen ist, in dem sich auch der Innenelektrolyt befindet.
Bei potentiometrischen oder amperometrischen Sensoren besteht die Messelektrode in der Regel aus einem Metall wie z.B. Platin, Gold, Indium, Rodium oder anderen Metallen, Metall-Legierungen oder Metalloxiden wie lrC>2, RuÜ2, TiÜ2, TaÜ2, ZnÜ2 oder anderen.
Eine weitere Sorte elektrochemischer Sensoren stellen sogenannte ISFET (Ionen selektive Feldeffekttransistor)-Sensoren dar, bei denen auf dem das Medium berührenden Gate eine ionensensitive Schicht aufgebracht ist, die in Abhängigkeit von der Konzentration der zu bestimmenden Spezies ein Potential ausbildet, welches den Stromfluss zwischen Source und Drain eines Feldeffekt-Transistors regelt.
Weil elektrische Potentiale immer nur als Differenz zu einem Bezugspotential erfasst oder eingestellt werden können, benötigt ein elektrochemischer Sensor immer eine Messelektrode und eine weitere Referenzelektrode, die ein elektrochemisches Bezugspotential als Bezugsgröße für das von der Messelektrode gelieferte Messsignal bereitstellt.
Die Referenzelektrode umfasst ein Redoxsystem aus einer Referenzelektrode in Kontakt mit einem Referenzelektrolyten. Das Referenz-Redoxsystem wird so gewählt, dass sich bei Kontakt der Referenzelektrode mit dem Referenzelektrolyten ein bekanntes, möglichst stabiles und gut reproduzierbares elektrochemisches Potential einstellt. Ganz allgemein wird ein beliebiges Referenz- Redoxsystem der beschriebenen Art im Folgenden als Referenzhalbzelle eines elektrochemischen Sensors bezeichnet.
Die Referenzhalbzelle umfasst einen Referenzhalbzellenraum, in dem sich die Referenzelektrode und der Referenzelektrolyt befinden. Das elektrochemische Potential der Referenzhalbzelle soll sich durch den Kontakt des Referenzelektrolyten mit dem zu untersuchenden Medium möglichst wenig ändern.
Gängige Referenzhalbzellen beruhen auf Elektroden zweiter Art, bei denen eine mit einem schwer löslichen Metallsalz überzogene Referenzableitelekt- rode aus Metall mit einem Referenzelektrolyten in Kontakt steht, der ein gut im Referenzelektrolyt lösliches, chemisch inertes Salz mit demselben Anion wie
das des schwer löslichen Elektrodenüberzugs enthält. Der Referenzelektrolyt ist vielfach eine Flüssigkeit oder ein eher zähflüssiges Gel, insbesondere eine wässrige Salzlösung oder ein wässriges Gel eines bestimmten Salzes.
Ein gängiges für Referenzelektroden verwendetes Redox-System, wie es auch zur Verwendung mit der vorliegenden Erfindung vorgesehen sein kann, besteht aus einem Ag-Draht mit einem Überzug aus AgCI (S ilber-S ilberch lorid- Elektrode), der in einen Referenzelektrolyten aus wässriger KCI-Lösung eintaucht.
Andere Redoxsysteme, die ebenfalls zur Verwendung mit der vorliegenden Erfindung in Frage kommen, beruhen ebenso auf der Verwendung von KCl, wie z.B. das Kalomel-Redoxsystem (Hg/Hg2Cl2).
Der Referenzelektrolyt wird auch danach ausgewählt, dass er eine gute elektrische Leitfähigkeit besitzt, chemisch inert ist und seine Ionen möglichst gleiche Beweglichkeit aufweisen.
Bei potentiometrischen Sensoren, wie z.B. bei pH Sensoren, müssen die Referenzhalbzelle und Messhalbzelle zur Bestimmung der jeweiligen elektrochemischen Messgröße elektrolytisch in Kontakt mit dem zu untersuchenden Medium gebracht werden. Dann wird eine Spannungsdifferenz bestimmt, die der Differenz der elektrochemischen Potentiale der Referenzhalbzelle und der Messhalbzelle entspricht.
Das sich jeweils einstellende elektrochemische Potential zwischen Messhalbzelle und zu untersuchendem Medium sowie zwischen Referenzelektrode und Referenzelektrolyt ist von vielen Faktoren abhängig. Deshalb ist es erforderlich, bei Inbetriebnahme eines elektrochemischen Sensors diesen zunächst mit Lösungen bzw. Elektrolyten bekannter lonen-Aktivität (in der Regel werden hierzu genormte Pufferlösungen herangezogen) zu kalibrieren, bevor aus der für ein unbekanntes Medium ermittelten Spannungsdifferenz die gewünschte elektrochemische Messgröße quantitativ ermittelt werden kann.
Damit ein zur Messung erforderlicher elektrolytischer Kontakt des Referenzelektrolyten mit dem zu untersuchenden Medium hergestellt werden kann, steht die Referenzhalbzelle über eine Öffnung, ein Diaphragma oder eine ähnliche Verbindung mit ihrer Umgebung in Kontakt.
Das Diaphragma zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Durchmischung der KCI-Lösung und des zu untersuchenden Mediums verhindert, jedoch einen Ladungstransport zwischen der KCI-Lösung und dem Medium in Form einer lonenwanderung ermöglicht. Dafür werden häufig Diaphragmen mit poröser Struktur verwendet. Ein Störfaktor des Diaphragmas ist sein Diffusionspotential. Dieses Potential entsteht immer an der Phasengrenze zwischen zwei Elektrolyten unterschiedlicher Konzentration oder Zusammensetzung. Das Diffusionspotential ist auf die unterschiedlichen Wanderungsgeschwindigkeiten der Ionen durch das Diaphragma auf Grund der Wechselwirkung der Ionen mit der Diaphragma-Oberfläche zurückzuführen, die wiederum von der Ladung und Größe der lonen-Sorte, also von der Ladungsdichte und Umfang seiner Hydrathülle und dem Diaphragma-Material abhängen.
Mit zunehmenden Unterschieden der lonenkonzentration zwischen Medium und Referenzelektrolyt vergrössern sich die Diffusionsgradienten und damit auch die Diffusionspotentiale.
Wenn Anionen schneller als Kationen diffundieren oder umgekehrt, entsteht ein Potential an der Grenze der beiden Lösungen. Um das Diffusionspotential am Diaphragma einer Referenzelektrode möglichst klein zu halten, sollten die verschiedenen Ionen im Referenzelektrolyten die gleiche lonenbeweglichkeit haben. Bei einer 3 M KCI-Lösung ist dieser Idealzustand nahezu erreicht. Generell kann gesagt werden: Je größer die Fließgeschwindigkeit des Referenzelektrolyten durch das Diaphragma ist, desto kleiner ist das Diffusionspotential.
Dem steht allerdings der Wunsch nach einem langsamen Austritt des Referenzelektrolyten und der Ionen aus dem Referenzelektrolytraum entgegen, um den Verlust des Referenzelektrolyten durch Ausfluss und eine Verarmung des
Referenzelektrolyten an Ionen möglichst lang hinauszuzögern und so die Lebensdauer und Potentialstabilität des Sensors zu erhöhen. Dies wird erreicht durch Beimischung von Verdickungsmitteln und/oder ungeladenen organischen Verbindungen zum Referenzelektrolyten, was wiederum niedrigere KCI- Konzentrationen zur Folge hat.
Die EP 1 219 959 A1 beschreibt einen elektrochemischen Sensor zum Erfassen eines pH-Wertes, der neben einer Messelektrode zwei Referenzelektroden aufweist, die eine unterschiedliche Potenzialstabilität aufweisen. Die Referenzelektrode mit der höheren Potenzialstabilität wird zur Bestimmung des Messwerts im Messmedium verwendet, während die Referenzelektrode mit der niedrigeren Potenzialstabilität zur Bestimmung der Salzkonzentration im Referenzelektrolyten dient. Als für Diaphragmen geeignet werden hier poröse oder feinporige Materialien beschrieben, insbesondere poröse Keramikstopfen, Glasschliffe, Baumwollfasern, synthetische Fasern, Metallfäden, poröse Kunststoffstopfen und Holzstifte.
Die EP 1 636 149 B1 beschreibt einen elektrochemischen Sensor mit einem Diaphragma, das eine offene Porosität zwischen 20 und 38% aufweist. Das Material des Diaphragmas, nämlich eine poröse Keramik, wird im Zuge seiner Herstellung mit einem Lyo-Gel-Vorläufermaterial imprägniert, das sich dann in ein Lyo-Gel umwandelt. Dadurch, dass die Hohlräume der porösen Keramik mindestens teilweise mit Lyo-Gel befüllt werden, ergibt sich eine poröse Keramik mit verkleinerten Poren. Die verkleinerten Poren bewirken jedoch, dass Diffusionspotentiale, insbesondere im Falle eines zu untersuchenden Mediums mit geringer lonenkonzentration, besonders groß sind.
Es besteht die Aufgabe, einen elektrochemischen Sensor mit einer verbesserten Referenzhalbzelle bereitzustellen.
Diese Aufgabe wird durch einen elektrochemischen Sensor gemäß Anspruch 1 und eine Elektrolytlösung gemäß Anspruch 21 gelöst. Weitere vorteilhafte Ausführungsformen und Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den
Unteransprüchen, den Figuren und den Ausführungsbeispielen. Die Ausführungsformen der Erfindung sind in vorteilhafter Weise miteinander kombinierbar.
Ein erster Aspekt der Erfindung betrifft einen elektrochemischen Sensor zum Messen eines Arbeitsfluids, mit einer in einem ein erstes elektrisch leitfähiges Fluid aufweisenden ersten Volumen angeordneten Referenzelektrode und mindestens einer Arbeitselektrode, bei der das erste Volumen mindestens von einem porösen Diaphragma mit einer offenen Porosität von unter 35% begrenzt wird, und das erste elektrische leitfähige Fluid eine Elektrolytformulierung ist, die mindestens ein Lösungsmittel, mindestens einen Elektrolyten aus der Gruppe der Salze der Alkalimetalle und mindestens ein Erdalkalimetall-Ion in einer Konzentration im Bereich von 20 bis 95 mmol/kg aufweist.
Das erste elektrisch leitfähige Fluid kann auch als Referenzelektrolyt bezeichnet werden.
Es hat sich überraschend gezeigt, dass ZrC -bassierte Diaphragmen eine hohe adsorptive Affinität zu Erdalkali-Ionen aufweisen, sodass durch Vorhandensein dieser lonensorte im Referenzelektrolyten im Konzentration-Bereich von 20 - 95 mmol/kg die Diffusionspotentiale beeindruckend gedämpft werden. Durch die Erdalkalimetall-Ionen-Dotierung im Referenzelektrolyt wird vorteilhaft eine permanente und stationäre Konzentration an diffusionspotential- dämpfenden Kationen am Diaphragma-Ort eines elektrochemischen Sensors garantiert. Dadurch werden Messfehler, verursacht durch Diffusionspotentiale, der entsprechenden Sensoren verringert.
Die offene Porosität des Diaphragmas wird mittels Quecksilberporosimetrie bestimmt. Gebräuchliche Diaphragmen weisen eine Porosität von 35% oder mehr auf. Dagegen weist das Diaphragma des erfindungsgemäßen Sensors eine offene Porosität von unter 35% auf. Bevorzugt weist das Diaphragma eine offene Porosität von unter 30% auf, weiter bevorzugt von unter 25%, und besonders bevorzugt im Bereich von 18 - 22%. Das Herabsetzen der offenen Porosität des Diaphragmas hat unter anderem den Vorteil, dass sich die Dauer
der möglichen Trockenlagerung des Sensors, die unter anderem durch den kontinuierlichen Ausfluss des Referenzelektrolyten aus dem Diaphragma begrenzt wird, verlängert. Das Herabsetzen der offenen Porosität des Diaphragmas beeinflusst jedoch die bei der Verwendung des Sensors auftretenden Diffusionspotentiale am Diaphragma, insbesondere bei Arbeitsfluiden mit einer geringen Leitfähigkeit, so dass durch diese Maßnahme das operative Einsatzgebiet bzw. die Spezifikation des Sensors eingeschränkt werden müsste, insbesondere im Fall von verdünnten Lösungen als Arbeitsfluiden.
Durch die erfindungsgemäße Kombination des Herabsetzens der offenen Porosität mit dem Verwenden von mindestens einem Erdalkalimetall-Ion in der Referenzelektrolytlösung wird ein synergistischer Effekt bewirkt, da durch beides ein Erweitern der Spezifikation des Sensors ermöglicht wird. Beispielsweise kann das operative Einsatzgebiet des Sensors auf Lösungen (Arbeitsfluide) mit niedrigeren lonenkonzentrationen bis zu 0,5 mS/cm ausgeweitet werden. Die geringere Porosität des Diaphragmas erhöht zwar das Diffusionspotential, durch die Erdalkalimetall-Ionen im Referenzelektrolyten wird das Diffusionspotential aber wiederum gedämpft. Wie schon beschrieben verringert die geringere Porosität des Diaphragmas den Ausfluss von Ionen aus dem Diaphragma. Dadurch werden auch die Betriebslebensdauer und die Trockenlagerungsdauer des Sensors verlängert. Ebenso ist es so möglich, das Volumen des Referenzelektrolyten zu verringern und die Sensoren zu verkleinern, ohne auf eine zu herkömmlichen Sensoren vergleichbare Performance zu verzichten.
Mit geringer werdenden Werten der offenen Porosität wird die Durchlässigkeit des Diaphragmas immer geringer. Bevorzugt weist das Diaphragma daher eine offene Porosität von mindestens 5%, weiter bevorzugt von mindestens 10%, auf. Somit weist das Diaphragma bevorzugt eine offene Porosität von mindestens 5% und unter 35%, weiter bevorzugt von mindestens 5% und unter 30%, weiter bevorzugt von mindestens 5% und unter 25%, auf. Alternativ weist das Diaphragma bevorzugt eine offene Porosität von mindestens 10% und unter 35%, weiter bevorzugt von mindestens 10% und unter 30%, weiter
bevorzugt von mindestens 10% und unter 25%, auf. Wie bereits beschrieben weist das Diaphragma besonders bevorzugt eine offene Porosität im Bereich von 18 - 22% auf.
Bevorzugt ist das Erdalkalimetall-Ion ein Magnesium-Ion. Ebenfalls bevorzugt ist das Erdalkalimetall-Ion ein Calcium-Ion. Die besagten Erdalkalimetall-Ionen können auch beide vorhanden sein. Auch weitere Erdalkalimetall-Ionen können in der Elektrolytlösung vorhanden sein.
Bevorzugt liegt die Konzentration des Erdalkalimetall-Ions in der Elektrolytformulierung im Bereich von 30 - 85 mmol/kg. Weiter bevorzugt liegt die Konzentration des Erdalkalimetall-Ions in der Elektrolytformulierung im Bereich von 40 - 75 mmol/kg, und besonders bevorzugt bei 55 mmol/kg.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform liegt die Konzentration des Erdalkalimetall-Ions in der Elektrolytformulierung im Bereich von 20 - 50 mmol/kg.
Vorzugsweise liegt das Erdalkalimetall-Ion in der Elektrolytlösung als Teil eines anorganischen Salzes des Erdalkalimetalls vor. Bevorzugt ist das anorganische Salz des Erdalkalimetalls ein Chloridsalz. Bevorzugt handelt es sich um Magnesiumchlorid und/oder Calciumchlorid oder deren Hydrate.
Die Elektrolytformulierung weist mindestens einen, insbesondere genau einen, Elektrolyten aus der Gruppe der Salze der Alkalimetalle auf. Vorzugsweise ist der Elektrolyt Kaliumchlorid. Kaliumchlorid ist einfach bereitzustellen, da es häufig in einer Referenzelektrolytlösung verwendet wird. Der erfindungsgemäße Dämpfungseffekt durch Erdalkalimetall-Ionen ist im Zusammenhang mit der erfindungsgemäß verringerten Diaphragmaporosität besonders für Kaliumchlorid-haltige Lösungen geeignet, da ein geringerer Kalium-Verlust (Kalium-Ausfluss) aus dem Sensor in das Arbeitsfluid einen Einsatz des Sensors in Fermentern und gerührten Brut- bzw. Kulturgefäßen zur Kultivierung von Zellen ermöglicht. Beispielsweise reagieren Säugerzellen nicht gut auf zu viel Kalium. Dies kann vor allem bei kleinen Kulturvolumina durch Kalium-Ausfluss
des Sensors ins Gewicht fallen. Der erfindungsgemäße Sensor weist vorteilhaft einen geringen Kaliumfußabdruck auf und ist somit für eine Verwendung in Säugerzellkulturen besonders geeignet. Dies ist insbesondere in der biotechnologischen pharmazeutischen Industrie von Bedeutung. Weiterhin führt ein vergleichsweise geringerer Chlorid-Verlust (Chlorid-Ausfluss) aus dem Sensor zu geringerer Drift (d.h. zu einer erhöhten Driftstabilität) der Referenzelektrode bzw. zu höherer Messqualität während der operativen Betriebsdauer des Sensors.
In einer bevorzugten Ausführungsform weist die Elektrolytformulierung Kaliumchlorid und Magnesiumchlorid auf. In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform weist die Elektrolytformulierung Kaliumchlorid und Calciumchlorid auf.
Das Lösungsmittel in der Elektrolytformulierung ist insbesondere Wasser. Bevorzugt weist die Elektrolytformulierung einen Wassergehalt von mindestens 20 Gew% auf.
Vorzugsweise weist die Elektrolytformulierung mindestens ein verdunstungshemmendes Mittel und/oder mindestens ein Verdickungsmittel auf. Das verdunstungshemmende Mittel ist beispielsweise Glycerol. Das Verdickungsmittel ist beispielsweise Xanthan.
Das Diaphragma des erfindungsgemäßen Sensors ist vorzugsweise ein Keramikdiaphragma. Das Keramikdiaphragma kann beispielsweise eine poröse Keramik aus Porzellan, Aluminiumoxid, Spinell, Forsterit und/oder Zirkoniumdioxid (auch als Zirkonia bezeichnet) aufweisen. Die Verwendung dieser Keramiken als Diaphragmen ist bekannt. Zirkoniumdioxid kann Calciumoxid, Magnesiumoxid oder Yttriumoxid als stabilisierenden Zusatz aufweisen.
Bevorzugt weist das Keramikdiaphragma Yttriumoxid-dotiertes Zirkoniumdioxid auf. Besonders bevorzugt beträgt die Yttriumoxid-Dotierung 8 mol%. Zirkoniumdioxid mit einer Yttriumoxid-Dotierung von 8 mol% ist aufgrund seiner Härte, seinem Ausdehnungskoeffizienten und Korrosionswiderstand für Glaselektroden besonders geeignet. Der Stabilisierungseffekt von Yttriumoxid im
Zirkoniumdioxid-Gefüge beruht auf der vermehrten Bildung von kubischen Kristallphasen, gegenüber den thermodynamisch instabileren tetraedrischen und monoklinischen Materialphasen. Andere stabilisierende Oxid-Komponen- ten, welche die Bildung von kristallinen kubischen Phasen fördern, sind Calciumoxid und Magnesiumoxid.
Vorzugsweise ist der Sensor ein potentiometrischer Sensor, der aus der Gruppe bestehend aus einem pH-Sensor, Redoxsensor und ionenselektiven Sensor ausgewählt ist. Die Referenzhalbzelle kann aber auch für andere elektrochemische Sensoren eingesetzt werden, wie z.B. amperometrische oder IS- FET-Sensoren.
Bevorzugt ist der Sensor eine Einstabmesskette. Einstabmessketten sind vorteilhaft besonders als pH-Sensoren einsetzbar.
Ein zweiter Aspekt der Erfindung betrifft eine Elektrolytformulierung für einen elektrochemischen Sensor mit einem porösen Diaphragma, umfassend mindestens ein Lösungsmittel, mindestens einen Elektrolyten aus der Gruppe der Salze der Alkalimetalle und mindestens ein Erdalkalimetall-Ion in einer Konzentration im Bereich von 20 - 95 mmol/kg.
Die Vorteile der erfindungsgemäßen Elektrolytformulierung entsprechen den Vorteilen des erfindungsgemäßen elektrochemischen Sensors.
Die Erfindung wird anhand der Figuren näher erläutert. Es zeigen
Figur 1 eine schematische Darstellung eines Längsschnittes durch eine Einstabmesskette gemäß einer Ausführungsform der Erfindung.
Figur 2 ein Diagramm zur Wechselbeziehung zwischen Porosität des Diaphragmas und dem Diffusionspotential.
Figur 3 ein Diagramm zum dämpfenden Effekt von Erdalkalimetall- Ionen auf das Diffusionspotential.
Eine Einstabmesskette 1 gemäß der Darstellung in Fig. 1 weist zum Messen eines Arbeitsfluides eine Arbeitselektrode 2, eine Referenzelektrode 3, ein Diaphragma 10 und ein erstes elektrisch leitfähiges Fluid 6 auf. Das erste elektrisch leitfähige Fluid 6 steht in Kontakt mit der Referenzelektrode 3 und dem Diaphragma 10, so dass das Diaphragma 10 via das erste elektrisch leitfähige Fluid 6 elektrisch leitfähig mit der Referenzelektrode 3 verbunden ist. Das erste elektrische leitfähige Fluid 6 wird auch als Referenzelektrolyt bezeichnet.
Bei der Einstabmesskette 1 kann es sich um eine pH-Einstabmesskette und/oder um einen Redox-Sensor handeln. Bei der pH-Einstabmesskette kann es sich um eine pH-Glaselektrode handeln.
Die Einstabmesskette 1 weist ein äußeres Rohr 4 und ein inneres Rohr 5 auf, dass innerhalb des äußeren Rohrs 4 angeordnet ist. Das äußere Rohr 4 wird hier synonym auch als Außenrohr und das innere Rohr 5 synonym auch als Innenrohr bezeichnet.
Das Volumen zwischen den beiden Rohren ist als Referenzraum 20 ausgebildet, in dem das erste elektrisch leitfähige Fluid 6 angeordnet ist. Das äußere Rohr 4 weist ein erstes Außenrohrlängsende 15 und ein zweites Außenrohrlängsende 16 auf. Im Bereich des ersten Außenrohrlängsendes 15 ist ein erstes Innenrohrlängsende 17 angeordnet. Im Bereich des zweiten Außenrohrlängsendes 16 ist ein zweites Innenrohrlängsende 18 angeordnet.
Im inneren Rohr 5 ist ein Innenrohrraum 19 ausgebildet, in dem ein zweites elektrisch leitfähiges Fluid 7 (auch als Innenelektrolyt bezeichnet) angeordnet ist. Zudem weist das Innenrohr 5 gemäß Fig. 1 an seinem ersten Längsende 17 ein Vorratsgefäß 8 auf, dessen Volumen mit dem Innenrohrraum 19 fluidverbunden ist und einen größeren Durchmesser als das innere Rohr 5 hat, so dass eine größere Menge des zweiten elektrisch leitfähigen Fluids 7 bereitgestellt werden kann.
Die Einstabmesskette 1 weist im Bereich des ersten Außenrohrlängsendes 15 und ersten Innenrohrlängsendes 17 eine Öffnung des Referenzraumes 20 in
Form eines ringförmigen Spaltes auf. Das Diaphragma 10 ist in der Öffnung angeordnet und dichtet die Öffnung ab. Die Dicke des Diaphragmas 10 wird dabei in Bezug auf die Erstreckung zwischen dem ersten Innenrohrlängsende 17 zum zweiten Innenrohrlängsende 18 angegeben. Die Dicke des Diaphragmas 10 kann von 0,1 mm bis 1 ,0 mm betragen, insbesondere von 0,35 mm bis 0,7 mm. Vom Diaphragma kann ein Flüssigkeitskanal (nicht gezeigt) vorgesehen sein, der zum ersten Außenrohrlängsende 15 führt.
Das Diaphragma 10 zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Durchmischung des ersten elektrisch leitfähigen Fluides 6 und des Arbeitsfluides verhindert, jedoch einen Ladungstransport zwischen dem ersten elektrisch leitfähigen Fluid 6 und dem Arbeitsfluid ermöglicht. Um eine Messung in einem Betrieb der Einstabmesskette 1 durchzuführen, ist die dem ersten elektrisch leitfähigen Fluid 6 abgewandte Seite des Diaphragmas 10 mit dem Arbeitsfluid zu kontaktieren. Zudem weist die Einstabmesskette 1 eine Glasmembran 9 im Bereich des ersten Innenrohrlängsendes 17 auf. Über das zweite elektrisch leitfähige Fluid 7 ist die Glasmembran 9 elektrisch leitfähig mit der Arbeitselektrode 2 verbunden. Das erste elektrisch leitfähige Fluid 6 und das zweite elektrisch leitfähige Fluid 7 sind elektrisch voneinander isoliert. Zum Messen des Arbeitsfluides wird das Arbeitsfluid auch mit der dem zweiten elektrisch leitfähigen Fluid 7 abgewandten Seite der Glasmembran 9 kontaktiert und zwischen der Arbeitselektrode 2 und der Referenzelektrode 3 eine elektrische Spannung gemessen.
Das Diaphragma 10 weist als Material Zirkoniumdioxid mit einer Yttriumoxid- Dotierung von 8 mol% auf. Es sind auch andere poröse keramische Werkstoffe nutzbar.
Das Material des Diaphragmas 10 weist eine offene Porosität von 20% auf. Über die Porosität des Diaphragmas 10 lässt sich die Diffusion von Ionen aus dem ersten elektrisch leitfähigen Fluid 6 einschränken, wobei sich allerdings das Diffusionspotential erhöht. Die Wechselbeziehung zwischen Porosität und Diffusionspotential bei verschiedener Salinität ist in Fig. 2 dargestellt. Die ge-
strichelte Linie entspricht einer offenen Porosität von 35%, die mit Karos gekennzeichnete durchgezogene Linie einer offenen Porosität von 25% und die mit Dreiecken gekennzeichnete durchgezogene Linie einer offenen Porosität von 20%. Deutlich ist auch der dämpfende Effekt des Leitungswassers gegenüber 0,015 M NaCI. Durch Kontrollmessungen hat sich überraschend herausgestellt, dass sich dieser dämpfende Effekt auf Calcium-Ionen-Spuren im Leitungswasser zurückführen lässt.
Das erste elektrisch leitfähige Fluid 6 weist eine Zusammensetzung auf, die ein Calcium- und/oder Magnesium-Ion in einer bestimmten Konzentration enthält. Beispielhaft sind verschiedene erfindungsgemäße Zusammensetzungen in Tabelle 1 als Formulierung 0, 1 , 2, 3 und 4 dargestellt. Die Werte sind dabei in Gramm angegeben, soweit nicht in der Tabelle anders angegeben.
Ein weiteres Beispiel für den dämpfenden Effekt von Erdalkalimetall-Ionen findet sich in Fig. 3. Hier ist die Potentialdifferenz gegen das Diffusionspotential in Bezug auf Natriumchlorid als Elektrolyt-Kontakt-Lösung (erstes elektrisch leitfähiges Fluid 6) dargestellt. Die Diffusionspotenzial-Messung erfolgte durch potenziometrische Differenzialmessung mittels eines Protos® Transmitters der Fa. Knick Elektronisch Messgeräte GmbH & Co KG. Die potenziometri- schen Messungen finden durch Abgleich zweier Ortmesspositionen statt. Die erste Ortmessposition wird externe Referenz genannt und besteht aus einem Glasschaft-Halbelektrodensystem aus Ag/AgCI/KCI und einem 35%-porigen Diaphragmasystem (d.h. einem Diaphragma mit einer offenen Porosität von
35%) aus vollständiger stabilisierter Zirkoniumdioxid-Keramik, mit einer 3 M KCI-Lösung als Elektrodenfüllung (Hamilton Standard Referenzelektrode); die zweite Ortmessposition, Prüflingreferenzelektrode genannt, ist ebenfalls ein Glasschaft-Halbelektrodensystem bestehend aus Ag/AgCI/KCI, einer verdickten Salz-Elektrolyt-Mischung und einem Diaphragma aus einer Porosität-reduzierten vollständig stabilisierten Zirkoniumdioxid-Keramik. Beide Glas- schaft-Halbelektrodensysteme werden elektrolytisch über eine wässrige Kontakt-Lösung mit unterschiedlicher Leitfähigkeit ionisch in Verbindung gehalten und die Messung bei einer ständigen Agitation von 100 rpm vollzogen. Mit zunehmender Verdünnung der Elektrolyt-Kontakt-Lösungen steigt diffusionsbedingt die Potentialdifferenz zwischen beiden Ortmesspositionen, wodurch eine Abweichung der Referenzpotenzial-Messstabilität festgestellt wird. Die Diffusion wird im Wesentlichen durch die Diaphragma-Porosität, Viskosität und Ko- diffusionsprozesse der formulierten Salzelektrolytmischung reguliert.
In dem Diagramm wird auch hier deutlich, dass sich gegenüber einer Lösung ohne Erdalkalimetall-Ion (gestrichelte Linie) ein dämpfender Effekt auf das Diffusionspotential einstellt, wenn Magnesium-Ionen vorliegen (durchgezogene Linie mit Dreiecken: 22 mmol/kg), und mit zunehmender Konzentration steigt (durchgezogene Linie mit Karos: 44 mmol/kg, durchgezogene Linie mit Quadraten: 84 mmol/kg). Zusätzlich ist auch ein dämpfender Effekt von Calcium- Ionen dargestellt (durchgezogene Linie mit Kreisen: 84 mmol/kg). Die Werte sind in Fig. 3 als gerundete Werte angegeben.
Bezugszeichenliste
1 Einstabmesskette
2 Arbeitselektrode
3 Referenzelektrode
4 äußeres Rohr
5 inneres Rohr
6 erstes elektrisch leitfähiges Fluid
7 zweites elektrisch leitfähiges Fluid
8 Vorratsgefäß
9 Glasmembran
10 Diaphragma
12 Kopfteil
13 Vergussmasse
14 Dichtring
15 erstes Außenrohrlängsende
16 zweites Außenrohrlängsende
17 erstes Innenrohrlängsende
18 zweites Innenrohrlängsende
19 Innenrohrraum
20 Referenzraum