Anorganische Füllstoffe und organische Matrixmaterialien mit Brechunσsindex-Anpassunσ
Die Erfindung betrifft anorganische Füllstoffe und organische Matrixmaterialien mit Brechungsindex-Anpassung. In vielen technischen Anwendungen treten organische Materialien in Erscheinung, in die anorganische Füllstoffe inkorporiert sind. Die anorganischen Füllstoffe haben dabei häufig nicht nur Ersatz- und Verdünnungsfunktion, sondern dienen der Modifizierung des organischen Matrixmaterials oder verleihen diesem erst bestimmte Eigenschaften. In vielen Fällen, insbe¬ sondere wenn bei Anwendung oder Gebrauch optische Phänomene oder Effekte eine Rolle spielen, ist eine anwendungsspezi¬ fische Anpassung der optischen Brechungsindices von Füllstoff und Matrixmaterial wünschenswert oder sogar notwendig.
Zum Beispiel werden bei optischen, elektrooptischen und optoelektronischen Bauteilen, wie etwa Leuchtdioden und Laserdioden, Optokopplern und Photodetektoren, die Halb¬ leiterbauelemente mit Einbettmassen auf Basis von polymeren oder polymerisierbaren Systemen umhüllt, wobei die Einbett¬ massen optische Funktionen zu erfüllen haben.
Aufgrund der optischen Eigenschaften der bislang eingesetzten Füllstoffe, wie z.B. Calciumfluorid, Calciumcarbonat, Barium¬ sulfat, amorphe Kieselsäure etc. ist deren Einsatzmenge aber derzeit limitiert. Als noch tolerable Obergrenze für die gängigen Füllstoffe sind etwa 25 Gew.% anzusehen. Dies liegt daran, daß durch die unterschiedlichen Brechungsindices von anorganischem Füllstoff und polymerer Matrix die Einbettmasse mit zunehmendem Anteil an Füllstoff optisch inhomogener wird und es durch Lichtstreuung an den anorganischen Partikeln zu einem erheblichen Streulichtverlust kommt. Der Brechungsindex von gängigen EpoxidharzSystemen, die als Einbettmassen für optische, elektrooptische und optoelektronische Bauteile üblich sind, liegt um etwa 1,5, der von Calciumfluorid bei 1,43 und der von spheroiden Teilchen amorpher Kieselsäure bei 1,42.
Weitere optische Inhomogenitäten, die zum Teil noch größere optische Verluste verursachen, kommen dadurch zustande, daß die üblicherweise eingesetzten anorganischen Partikel zur Agglomeration neigen, sich im Gießharz nicht ausreichend gleichmäßig dispergieren lassen und im nicht ausgehärteten Zustand zur Sedimentation neigen. Hochtransparente streu¬ lichtfreie Einbettmassen sind für Anwendungen wie bei Laser¬ dioden und Optokoppler essentiell.
Etwas anders ist die Sachlage etwa bei Leuchtdioden für Anzeigezwecke. Diese sollen bei minimaler Eigenabsorption der Einbettmasse im Spektralbereich der Leuchtdiodenemission einen intensiven Streulichtkegel mit räumlich gleichmäßiger Intensitätsverteilung liefern. Zu diesem Zweck werden in die als Einbettmassen fungierenden GießharzSysteme Diffusor-
materialien eingearbeitet, die für eine ausreichende Licht¬ streuung sorgen sollen. Als Diffusormaterialien werden üblicherweise die bereits genannten anorganischen Füllstoffe wie Calciumfluorid, Calciumcarbonat, Bariumsulfat und amorphe Kieselsäure eingesetzt. Die Streulichtausbeute ist abhängig von der Menge der zugesetzten Partikel, deren Brechungsindex, Teilchenform, Teilchengröße und Teilchengrößenverteilung. Günstig sind ein möglichst großer Unterschied der Brechungs- indices von Partikelmaterial und polymerem Matrixmaterial und möglichst kugelförmige Partikel mit enger Teilchengrößen¬ verteilung. Die üblicherweise als Diffusormaterialien einge¬ setzten anorganischen Füllstoffe weisen jedoch in der Regel ungleichmäßige Partikelformen und eine nicht chargenkon¬ stante, relativ breite Teilchengrößenverteilung auf. Dies führt zu Schwankungen im Streuverhalten der Leuchtdioden und zu Verlusten in der Lichtausbeute. Ungenügendes Dispergier- verhalten und Sedimentation der Partikel im Harzsystem bedin¬ gen ebenfalls derartige nachteilige Effekte.
Es bestand daher ein Bedürfnis nach verbesserten anorgani¬ schen Füllstoffen für den Einsatz in polymeren oder poly- merisierbaren Systemen, insbesondere in Einbettmassen für optische, elektrooptische und optoelektronische Bauteile.
Es wurde nun gefunden, daß monodisperse, unporöse, kugel¬ förmige Partikel auf Basis von Si02, Ti02, Zr02, A1203, V205, Nb205 oder Mischsystemen hiervon sich in vorzüglicher Weise als Füllstoffe für derartige Anwendungen eignen und in mehr¬ facher Hinsicht die genannten Probleme vorteilhaft lösen. So kann zum einen je nach Wahl der den anorganischen Partikeln
zugrundeliegenden Oxide bzw. der Zusammensetzung bei Misch- oxiden der Brechungsindex der Partikel nach Maßgabe der Anwendung gezielt auf den Brechungsindex der organischen Matrix eingestellt werden, so daß etwa bei Brechungsindex- Identität hochtransparente oder etwa bei sehr unterschied¬ lichem Brechungsindex hoch-lichtstreuende Materialien entstehen. Das Vorliegen dieser Oxide oder Mischoxide in Form von monodispersen, unporösen, kugelförmigen Partikeln ver¬ leiht den damit versetzten organischen Matrixmaterialien zum anderen überragende optische Eigenschaften. Eine Oberflächen¬ modifizierung der Partikel mit kovalent gebundenen organi¬ schen Gruppen verbessert das Dipergierverhalten in organi¬ schen Medien, insbesondere die homogene Verteilung und Ein¬ bindung in Polymermaterialien und reduziert die Neigung zu Agglomeration und Sedimentation.
Gegenstand der Erfindung ist somit die Verwendung von monodispersen, unporösen, kugelförmigen Partikeln auf Basis von Si02, Ti02, Zr02, A1203, V205, Nb205 oder Mischsystemen hiervon, die gegebenenfalls eine Oberflächenmodifizierung durch kovalent gebundene organische Gruppen aufweisen, als Füllstoffe in organischen Matrixmaterialien, wobei der Brechungsindex der Partikel nach Maßgabe der Anwendung an den Brechungsindex der organischen Matrix angepaßt ist.
Gegenstand der Erfindung ist insbesondere die Verwendung derartiger Partikel als Brechungsindex-angepaßte Füllstoffe in polymeren oder polymerisierbaren Systemen, die vorzugs¬ weise als Einbettmassen für optische, elektrooptische und optoelektronische Bauelemente zur Anwendung gelangen.
Gegenstand der Erfindung sind weiterhin polymere und poly- merisierbare Sysreme, die diese Partikel als Füllstoffe enthalten, deren Verwendung als Einbettmassen für optische, elektrooptische und optoelektronische Bauelemente sowie auch die entsprechenden Bauteile.
Die erfindungsgemäß zu verwendenden monodispersen, unporösen, kugelförmigen Partikel sind an sich aus dem Stand der Technik bekannt. Grundsätzlich sind alle Oxidpartikel geeignet, die sich durch hydrolytische Polykondensation aus Alkoxidverbin¬ dungen entsprechender Elemente erhalten lassen und dabei in Form monodisperser kompakter sphärischer Partikel anfallen. Die grundliegenden Reaktionsbedingungen zur Herstellung von Si02-Partikeln durch hydrolytische Polykondensation sind beispielsweise aus den Publikationen W. Stöber et al. in
J. Colloid and Interface Science 2_6, 62 (1968) und .30, 568 (1969) sowie dem US-Patent 3,634,588 zu entnehmen. Nach dieser Methode können auch andere Partikel, wie z.B. Ti02 oder
Zr02 hergestellt werden. Die so hergestellten Partikel zeigen aber oft große Standardabweichungen für die Teilchendurch- messer und weisen eine gewisse Porosität auf.
Für die Herstellung von hochmonodispersen, unporösen, kugel¬ förmigen Si02-Partikeln, die eine Standardabweichung von nicht mehr als 5 % aufweisen, wird auf EP 0 216 278 hingewiesen, die ein entsprechend abgestelltes Herstellungsverfahren auf Basis von hydrolytischer Polykondensation offenbart. Kern dieses Verfahrens, das für die Herstellung der Partikel gemäß vorliegender Erfindung bevorzugt wird, ist eine zweistufige Vorgehensweise. Hierbei wird zunächst durch hydrolytische
Polykondensation von Tetraalkoxysilanen in wäßrig- alkoholisch-ammoniakalischem Medium ein Sol bzw. eine Suspen¬ sion von Primärteilchen gebildet, die man daran anschließend durch dosierte Zugabe von weiterem Tetraalkoxysilan auf die gewünschte Endgröße bringt.
Das Verfahren gemäß EP 0 216 278 ist ohne weiteres und mit gleichem Ergebnis auf andere Oxide und auch auf Mischoxid¬ systeme übertragbar.
Ein sinngemäßes Verfahren zur Herstellung verschiedener Metalloxide in Form sphärischer Partikel mit enger Teilchen¬ größenverteilung ist EP 0 275 688 zu entnehmen.
Ein entsprechendes Zweistufenverfahren zur Herstellung unter¬ schiedlicher Metalloxide und auch Mischoxide, die darüber hinaus an der Oberfläche noch glykolische Gruppen chemisch gebunden haben, ist in EP 0 391 447 beschrieben.
Bei der erfindungsgemäßen Anwendung der nach vorgenanntem Verfahren hergestellten monodispersen, unporösen, kugel¬ förmigen Metalloxidpartikeln als Füllstoffe in organischen Matrixmaterialien kommt es sehr wesentlich darauf an, daß der Brechungsindex der Partikel nach Maßgabe der Verwendung an den Brechungsindex der organischen Matrix angepaßt ist.
Als organische Matrixmaterialien kommen grundsätzlich alle organischen Systeme in Betracht, in die üblicherweise anorga¬ nische Füllstoffe inkorporiert werden, insbesondere solche, bei denen die Füllstoffe zusätzlich funktioneile Zwecke zu erfüllen haben. Im Vordergrund des Interesses stehen polymere und polymerisierbare Systeme, die zu polymeren Formkörpern oder anderen entsprechenden Produkten verarbeitet werden.
Eine der grundsätzlichen Anwendungsmöglichkeiten ist die Herstellung von optisch homogenen, hochtransparenten poly- meren Körpern. Die anwendungsspezifische Brechungsindex¬ anpassung ist in diesem Fall so zu verstehen, daß die Brechungsindices von Füllstoff und organischer Matrix möglichst identisch sind.
Die Brechungsindices von organischen Verbindungen und licht¬ transparenten organischen Systemen, wie insbesondere Harze und Polymere, liegen in der Regel im Bereich zwischen 1,3 und 1,6. Bei Polymermaterialien liegt der Brechungsindex um 1,5.
Mit den hier in Betracht gezogenen anorganischen Oxiden liegt eine gewisse Auswahl an Materialien vor mit bestimmten unter- schiedlichen Brechungsindices, mit denen sich aber nicht für alle organischen Matrixmaterialien der jeweilige Brechungs¬ index exakt treffen läßt. So zeigen beispielsweise mono¬ disperse, unporöse, kugelförmige Si02-Partikel einen Bre¬ chungsindex von 1,42, entsprechende Al203-Partikel einen Brechungsindex um 1,6, entsprechende Zr02-Partikel einen Brechungsindex um 1,95 und entsprechende Ti02-Partikel einen Brechungsindex von ca. 2,3.
Für die Einstellung anderer Brechungsindexwerte sind Partikel auf Basis von Mischoxiden die erfindungsgemäße Wahl. Durch Kombination von vorzugsweise zwei oder auch mehr verschiede¬ ner Oxide lassen sich bestimmte Brechungsindexwerte gezielt realisieren. Als grobe Richtschnur für den resultierenden Brechungsindex eines solchen Mischoxidsystems kann gelten.
daß sich der Brechungsindex der Mischoxidpartikel im wesent¬ lichen in arithmetischer Weise aus dem Brechungsindex der reinen Oxide und ihrem anteilsmäßigen Verhältnis im Misch¬ oxidpartikel ergibt.
Die Herstellung solcher hochmonodisperser, unporöser, kugelförmiger Mischoxidpartikel erfolgt nach der voran¬ gegangenen beschriebenen Methode, wobei im einfachsten Fall entsprechende Gemische von Alkoxiden der verschiedenen Elemente der hydrolytischen Polykondensation unterworfen werden.
Der jeweilige tatsächliche Brechungsindexwert in Abhängigkeit von Art und Mengenverhältnis der eingesetzten Alkoxide und von den gewählten Arbeitsbedingungen läßt sich ohne weiteres durch routinemäßige Inprozesskontrollen und/oder empirische Vorversuche ermitteln bzw. vorbestimmen.
Beispielsweise lassen sich aus einem Gemisch aus Tetraethoxy- silan und Tetrabutoxytitan im Molverhältnis 4:1 monodisperse, unporöse, kugelförmige Mischoxidpartikel erhalten, in denen Si02 und Ti02 im Verhältnis von ungefähr 80:20 vorliegen und die einen Brechungsindex von 1,52 aufweisen. Dieser Bre¬ chungsindex entspricht übrigens exakt dem eines handels- üblichen Epoxid-HarzSystems, das häufig als Einbettmasse für optische, elektrooptische und optoelektronische Bauelemente Verwendung findet. Die entsprechende Polykondensation eines Gemisches aus Tetraethoxysilan und Tetrapropoxyzirkon im Molverhältnis 1:1 liefert Partikel, in denen Si02 und Zr02 im Verhältnis von ungefähr 50:50 vorliegen und die entsprechend der rechnerischen Vorhersage einen Brechungsindex von 1,7 aufweisen.
Neben Metalloxidpartikeln mit homogener Verteilung der ver¬ schiedenen Oxide lassen sich auch gemischtphasige Partikel herstellen. Dies ist in einfacher Weise und nach dem eingangs beschriebenen Zweistufenverfahren möglich, in dem man etwa Primärpartikel aus einem Oxid bildet und dann im Aufwachs¬ schritt ein anderes Oxid oder ein Oxidgemisch abscheidet. Überwiegt die Menge des im Aufwachsschritt gebildeten Oxides oder Mischoxides in dem Partikel, so ist für den resultieren¬ den Brechungsindex im wesentlichen dieser Anteil bestimmend. Auch hier läßt sich die Abhängigkeit des Brechungsindex in einfachen Routineversuchen empirisch ermitteln.
Eine für den jeweiligen Anwendungszweck gegebenenfalls vor¬ teilhafte organische Modifizierung der Partikel an der Ober- fläche kann in völliger Übereinstimmung mit Methoden vorge¬ nommen werden, wie sie für die Herstellung von als chromato¬ graphische Sorbentien gebräuchlichen Kieselgelen bekannt sind. Gängige Modifizierungsmittel sind Organoalkoxysilane, wie z.B. Methyltriethoxysilan, Ethyltriethoxysilan, Octyl- triethoxysilan, Octadecyltriethoxysilan, Mono- oder Poly- fluoroalkyltriethoxysilan oder auch Silane mit funktionali- sierten Organogruppen, die eine spätere weitere Modifizierung durch kovalente Bindungsknüpfung in bekannter Weise ermöglichen. Im letzteren Fall sind solche Organoalkoxysilane im Hinblick auf den erfindungsgemäßen Einsatz der Partikel als Füllstoffe in polymeren oder polymerisierbaren Systemen bevorzugt, die solche funktioneile Gruppen aufweisen, mit denen sich eine kovalente Einbindung in das Polymermaterial erreichen läßt. Beispiele hierfür sind Trimethoxyvinylsilan, Triethoxyvinylsilan und 3-Glycidoxypropyltrimethoxysilan,
2- (3, -Epoxycyclohexyl)-ethyltrimethoxysilan, [2- (3, -Epoxy- 4-methylcyclohexyl)-propyl]-methyldiethoxysilan, sowie Silane mit Hydroxyl-, Carboxyl-, Epoxy- und Carbonsäureestergruppen tragenden anorganischen Resten.
Partikel mit einer derartigen Oberflächenmodifizierung sind in der Lage, mittels der funktionellen Gruppen an der die Aushärtung von EpoxidharzSystemen bewirkenden Reaktion teil¬ zunehmen und dabei kovalent in das Polymer eingebaut zu werden.
Selbstverständlich kann diese organische Modifizierung völlig analog auch bei anderen Oxiden als Si02 und/oder mit entspre¬ chenden Organoalkoxiden andere Elemente vorgenommen werden.
Aus der zuerst genannten EP 0 216 278 ist auch zu entnehmen, daß die Partikel durch den Einsatz von Organoalkoxysilanen in der Matrix organisch modifiziert werden können. Für nähere Details hierzu wird auf die genannte Schrift verwiesen.
Im Falle einer Oberflächenmodifizierung der Partikel durch kovalent gebundene organische Gruppen werden die Eigenschaf¬ ten der Teilchen hinsichtlich Kugelform, Unporosität, Monodispersität und Brechungsindex nicht beeinflußt, während die vorteilhaften Eigenschaften, die mit einer derartigen Modifizierung einhergehen, wahrgenommen werden können.
Die Partikel können erfindungsgemäß überall da als Füllstoffe in organischen Matrixmaterialien vorteilhaft eingesetzt werden, wo es auf eine anwendungsspezifische Brechungsindex¬ anpassung bei höchster optischer Homogenität ankommt. Vor- teile bieten die erfindungsgemäß einzusetzenden Partikel durch die Möglichkeit der gezielten Brechungsindexanpassung und die extreme optische Homogenität der damit versetzten Matrixmaterialien, die durch das Vorliegen der Partikel in hochmonodisperser, kompakter und sphärischer Form bedingt ist. Durch organische Oberflächenmodifizierung wird das
Dispergierverhalten der Teilchen in organischen Medien ent¬ scheidend verbessert und die Neigung zur Sedimentation ver¬ ringert, wodurch eine hohe Gleichverteilung resultiert. Letzteres läßt sich noch verstärken durch Oberflächen- modifizierung mit Gruppen, die zur kovalenten Bindungs- knüpfung mit dem organischen Matrixmaterial befähigt sind.
Beispiele für derartige Anwendungen sind optisch homogene, hochtransparente polymere Formkörper für optische Zwecke, w e etwa optische Bauteile oder die polymeren Einbettungen der Halbleiterelemente elektrooptischer und optoelektroni¬ scher Bauteile, insbesondere von Laserdioden, Optokopplern und Photodetektoren.
Bei den genannten Anwendungen werden Partikel mit Durchmesser von 50 bis 1500 nm eingesetzt. Bevorzugt sind Partikel im Größenbereich 100 bis 1000 nm.
Die als Matrixmaterialien dienenden Polymersysteme für diese Anwendungen, ihre Herstellung und ihre Verarbeitung sind an sich bekannt und dem einschlägigen Stand der Technik ohne weiteres entnehmbar.
Als typische Epoxidharzsysteme, die als Grießharze für die Einbettung von optoelektronischen Bauelementen in Frage kommen, sind beispielhaft solche zu nennen, die etwa auf 3,4-Epoxy-cyclohexancarbonsäure-3,4-epoxycyclohexanmethyl- ester
oder auf "Bisphenol - A - Epoxid"
0 CH3 0
basieren. Entsprechende handelsübliche Grießharzsysteme enthalten üblicherweise im Gemisch oder als separat zuzu¬ setzende Komponenten noch Härter und Härtungsbeschleuniger auf Basis organischer Säureanhydride und organischer Amine, sowie ggf. weitere Additive.
Die erfindungsgemäßen Partikel, vorzugsweise mit einer orga¬ nischen Oberflächenmodifizierung mittels 2-(3,4-Epoxycyclo- hexyl)-ethyltrimethoxysilan, werden im gewünschten Anteil mit dem entsprechenden Grießharz vermischt und darin homogen dispergiert. Je nach Anwendungszweck und Funktion können die Partikel in dem Polymermaterial in einem Anteil von 0,1 bis ca. 40 Gew.-% vorliegen. Gängiger Bereich bei Einbettmassen
für optoelektronische Bauteile ist 0,5-25 Gew.-%, bezogen auf das gesamte Grießr.arzsystem. Bei Einbettmassen für Leucht¬ dioden, in denen den Partikeln Diffusorfunktion zukommt, kann sich ihr Anteil zwischen 1 und 15 Gew.-% bewegen.
Aufgrund der besonderen Vorteile der erfindungsgemäß einzu¬ setzenden Partikel kann ihr Anteil in den entsprechenden Materialien im Bedarfsfall auch deutlich erhöht werden. Die Gefahr von Spannungen und Rißbildung, die im Falle thermi- scher Belastung bei Betrieb derartiger Bauteile drohen kann, läßt sich hierdurch erheblich reduzieren.
Die Partikel können bereits als solche den Polymermassen zugegeben und darin dispergiert werden. Bevorzugt ist jedoch der Einsatz in Form einer Vordispersion der Partikel in einem mit dem Polymersystem kompatiblen Lösungsmittel. Beispiele von Dispergiermedien, die je nach Natur des Polymersystems eingesetzt werden können, sind aliphatische Alkohole wie Ethanol und Butanol, Aceton, Glycol, Diethylenglycol und Polyglycole. Die Dispergierung in Polyglycolen, die bei
Raumtemperatur fest sind, erfolgt nach Erwärmung oberhalb der Schmelztemperatur. Bevorzugt ist ebenfalls die Vordispersion der Partikel als "Masterbatch" in dem entsprechenden Polymer¬ system oder einem damit kompatiblen Harz oder Polymer- material. Hierin kann der Anteil an Partikeln bis zu ca. 50 Gew.-% betragen.
Bei der Verwendung der erfindungsgemäßen Partikel als Füll¬ material in Einbettmassen für Leuchtdioden, wo den Partikeln optische Diffusorfunktion zukommt, sind gegenüber üblichen Diffusormaterialien eine höhere Streuintensität, eine Erhöhung der Lichtausbeute und eine Verbesserung der Homoge¬ nität der Streulichtkegel zu beobachten. Für die Leistungs¬ beurteilung von Leuchtdioden kommt es auf die Helligkeit bzw. Lichtausbeute, auf eine definierte Abstrahlcharakteristik und auf ein homogenes Leuchtbild an.
Überraschend hat sich gezeigt, daß Leuchtdioden, deren Ein¬ bettmassen die erfindungsgemäßen Partikel als Diffusoren enthalten, eine um ca. 25 % höhere Streuintensität und eine um ca. den Faktor 2 größere Lichtausbeute aufweisen, im Vergleich zu entsprechenden Bauteilen mit Calciumfluorid als Diffusormaterial.
Als weitere erfindungsgemäße Anwendung brechungsindexange¬ paßter, monodisperser, unporöser, kugelförmiger Oxidpartikel kommt der Einsatz als Füllstoffe in hochtransparenten oder auch opaken Kunststoffolien sowie in Fotoemulsionen in Betracht.
Bei Trägerfolien für magnetische Aufzeichnungsbänder dienen diese Partikel, vorzugsweise wenn sie eine organische Ober¬ flächenmodifizierung aufweisen, zur Verbesserung der Gleit¬ eigenschaften der Bänder.
Beispiel 1
Zu einem auf 30 °C thermostatisierten Gemisch aus 520 ml Ethanol, 230 ml Wasser und 140 ml 25%igen Ammoniak gibt man unter intensiver Durchmischung in einem Guß eine auf gleiche Temperatur eingestellte Lösung aus 66,7 g (0,32 mol) Tetraethoxysilan und 27,2 g (0,08 mol) Tetrabutoxytitan in 120 ml Ethanol. Man rührt noch intensiv für 15 Sekunden und läßt dann das Reaktionsgemisch für eine Stunde ruhig stehen.
Die entstandenen Teilchen liegen im Reaktionsgemisch disper¬ giert vor und können durch Abzentrifugieren und gegebenen¬ falls wiederholtes Aufnehmen in Wasser und erneutes Abzentri¬ fugieren und anschließendes Trocknen als trockenes Pulver gewonnen werden.
Man erhält dichte sphärische Teilchen mit Partikeldurchmesser von 500 ± 15 nm. In den Partikeln liegen Si02 und Ti02 ungefähr im Verhältnis 80:20 vor. Den Brechungsindex des Pulvers bestimmt man mikroskopisch nach der bekannten Methode der Verschiebung der Becke-Linie zu 1,52.
Beispiel 2
Zu einem auf 30 °C thermostatisierten Gemisch aus 520 ml
Ethanol, 230 ml Wasser und 140 ml 25%igen Ammoniak gibt man unter intensiver Durchmischung in einem Guß eine auf gleiche Temperatur eingestellte Lösung aus 42 g (0,2 mol) Tetra¬ ethoxysilan und 65,5 g (0,2 mol) Tetrapropoxyzirkon in 150 ml
Ethanol. Man rührt noch intensiv 20 Sekunden, läßt dann das Reaktionsgemisch zwei Stunden ruhig stehen und rührt anschließend erneut für zwei Stunden. Die Gewinnung der Partikel erfolgt wie in Beispiel 1.
Man erhält dichte sphärische Teilchen mit einem Partikel¬ durchmesser von 500 ± 20 nm. In den Partikeln liegen Si02 und
Zr02 ungefähr im Verhältnis 1:1 vor. Der Brechungsindex wird zu 1,65 bestimmt.
Beispiel 3
Zu einem auf 30 °C thermostatisierten Gemisch aus 600 ml Ethanol, 225 ml Wasser und 140 ml 25%igen Ammoniak gibt man unter intensiver Durchmischung 90 ml (0,4 mol) Tetraethoxy- silan. Man erhält hierdurch eine Dispersion von Teilchen mit mittlerem Durchmesser von 500 nm. Die entstandenen Teilchen werden in 500 ml Ethanol umdispergiert. In diese Dispersion läßt man bei 40 °C ein Gemisch aus 9 ml (0,04 mol) Tetra- ethoxytitan und 400 ml Ethanol innerhalb von 2 Stunden ein¬ tropfen und danach noch 2 Stunden nachreagieren. Hierdurch erreicht man ein Aufwachsen von Ti02 auf Si02-Primärpartikel. Die Aufarbeitung erfolgt gemäß Beispiel 1.
Man erhält dichte sphärische Teilchen mit einem Partikel¬ durchmesser von 500 ± 20 nm. Der Brechungsindex wird zu 1,48 bestimmt.
Beispiel 4
Man verfährt wie in Beispiel 3, nur daß man den Aufwachs¬ schritt mit 18,25 g (0,08 mol) Tetraethoxytitan in 400 ml Ethanol durchführt. Man erhält dichte sphärische Teilchen mit einem Partikeldurchmesser von 490 ± 15 nm und mit einem Brechungsindex von 1,51.
Beispiel 5
Man verfährt wie in Beispiel 3, nur daß man den Aufwachs¬ schritt mit 34,2 g (0,15 mol) Tetraethoxytitan durchführt. Man erhält dichte sphärische Teilchen mit einem Partikel¬ durchmesser von 555 ± 15 nm und mit einem Brechungsindex von 1,58-1,60.
Beispiel 6
Zu einem Gemisch aus 825 ml Ethanol, 308 ml Wasser und 193 ml 25%igem Ammoniak, das man auf genau 35 °C thermostatisiert hat, werden in einem Guß 123 ml Tetraethoxysilan hinzugege¬ ben. Die Mischung wird kräftig durchgerührt und nach 15 Se¬ kunden das Rührwerk abgeschaltet. Das Reaktionsgemisch läßt man für eine Stunde ruhig stehen. Danach liegt eine Disper¬ sion von Saatpartikeln in der Größe von 375 nm (REM-Kon- trolle) vor.
Die Saatdispersion wird für den Aufwachprozess vorbereitet, indem man weitere 308 ml Wasser und 193 ml 25%ige Ammoniak¬ lösung hinzufügt. Danach wird die Dispersion auf 40 °C Reak¬ tionstemperatur gebracht und während des ganzen Prozesses exakt eingehalten.
Mittels einer Dosierpumpe wird mit einer Dosiergeschwindig¬ keit von ca. 7 ml/min eine Aufwachsmischung bestehend aus 2213 ml Ethanol und 2213 ml Tetraethoxysilan in die Reak¬ tionsmischung kontinuierlich hinzugepumpt. Nach der voll- ständigen Zugabe der Aufwachsmischung rührt man über Nacht die gesamte Dispersion bei 40 °C weiter. Die anschließende Kontrolle mit dem REM zeigt Teilchen von 1000 mm Durchmesser.
Zur Oberflächenmodifizierung der Partikel wird die Reaktions- mischung eingeengt, wobei man das ganze Ethanol und den
Ammoniak abdestilliert. Die nunmehr wäßrige Dispersion wird in ca. 1800 ml 1-Butanol umdispergiert, wobei das Wasser azeotrop abdestilliert wird.
Die Silanisierung der Monospheres findet in der butanolischen Dispersion statt. Dazu wird die Dispersion (~ 10,5 mol bezo¬ gen auf festes Si02) auf 70 °C erwärmt, 10,4 g (4 mmol/mol Si02) 2-(3,4-Epoxycyclohexyl)-ethyltrimethoxysilan hinzugefügt und das Ganze über Nacht bei gleicher Temperatur reagieren gelassen.
Anschließend werden 2900 ml Aceton zum Ansatz als Lösungs¬ vermittler hinzugegeben und 5670 g eines Epoxydharzes auf Basis von 3, -Epoxy-cyclohexancarbonsäure-3,4-epoxycyclo- hexanmethylester (Araldit® CY 179; Ciba Geigy AG) hinzu¬ gewogen. Danach werden die Lösungsmittel quantitativ abge¬ zogen; es entsteht eine ca. 10%ige Dispersion der spherischen Si02-Teilchen in Epoxydharz. Diese Dispersion ist Ausgang zur
Verarbeitung in z.B. epoxydische Gießharze für Leuchtdioden.
Bei spiel 7
Leuchtdiodenhalbleiterelemente werden in üblicher Technik mit dem Gießharzsystem aus Beispiel 6 eingegossen und das Harz thermisch ausgehärtet.
Als Vergleich dienen Bauteile, die die entsprechende Menge CaF2 als Diffusor in dem Einbettmaterial enthalten.
Abstrahlwinkel Helligkeit
erfindungsgemäßes Bauteil 55° 8,5
Vergleichsbauteil 77° 3,5
Die erfindungsgemäßen Bauteile zeigen eine ca. 25 % höhere Streuintensität und eine um ca. den Faktor 2 größere Licht- ausbeute.