"Flüssiokristalline wäßrige Tensidzubereituno"
Die Erfindung betrifft niedrigkonzentrierte flüssigkristalline wäßrige Tensidzubereitungen, die Alkylglykoside und bestimmte langkettige Alkohole sowie gegebenenfalls synthetische Aniontenside enthalten, ein Verfahren zu ihrer Herstellung sowie die Verwendung derartiger Zubereitungen zur Her¬ stellung von Wasch- oder Reinigungsmitteln.
Daß Alkylglykoside mit langkettigen Alkylgruppen zu den nichtionischen Tensiden gehören, ist seit langer Zeit bekannt. Ebenso weiß der Fachmann, wie zum Beispiel in A.M. Schwartz, J.W. Perry, Surface Active Agents, Vol. I, Interscience Publishers, 1949, Seite 372 beschrieben, daß Tensidmischun- gen in der Regel synergistische Effekte aufweisen und oft bessere Reini¬ gungseigenschaften besitzen, als sich aus der Summe der Werte der Einzel- komponenten ergeben würde.
Waschmittel, die Alkylglykoside in Kombination mit wenigstens einem übli¬ chen anionischen Tensid im Verhältnis 1 : 10 bis 10 : 1 enthalten, werden in der europäischen Patentanmeldung EP 070074 beschrieben. Waschmittel, die Alkylglykoside und Aniontenside enthalten, sind auch aus der europä¬ ischen Patentanmeldung EP 092 877 bekannt. Des weiteren sind aus der eu¬ ropäischen Patentanmeldung EP 105556 flüssige Waschmittel bekannt, die Alkylglykoside, bestimmte andere nichtionische Tenside und anionische Ten- side enthalten. Auch aus der internationalen Patentanmeldung WO 86/02943 sind alkylglykosidhaltige Flüssigwaschmittel bekannt, die übliche Anion¬ tenside enthalten. Aus der europäischen Patentanmeldung EP 132043 ist ein Verfahren zur Herstellung von Alkylglykosiden unter Einsatz katalytischer Mengen eines Aniontensids in dessen Säureform bekannt. In der europäischen Patentanmeldung EP 132046 wird vorgeschlagen, ein derartiges Herstellungs¬ verfahren durch Zugabe bestimmter Basen nach der eigentlichen Reaktion zur Neutralisation des Katalysators zu modifizieren.
Die in diesen Dokumenten erwähnten Wasch- beziehungsweise Reinigungsmit¬ telVorprodukte auf Alkylglykosid-Basis sind relativ hochkonzentrierte wä߬ rige Lösungen beziehungsweise Pasten, da die für die Mischung zu fertigen Mitteln vorgesehenen Komponenten einen möglichst hohen Aktivsubstanzgehalt aufweisen sollen. Gleichzeitig müssen sie leicht handhabbar sein, das heißt, sie sollten eine möglichst niedrige Viskosität aufweisen, flie߬ fähig und leicht pumpbar sein. Demgegenüber wird an vom Verbraucher ange¬ wendete wäßrige Flüssigprodukte, zu denen insbesondere Flüssigwaschmittel, Geschirrspülmittel und Universalreiniger, aber auch kosmetische Produkte, beispielsweise Haarshampoos oder Körperreinigungslotionen gehören, die Forderung an eine gewisse Mindestviskosität gestellt, obwohl der Aktivsub¬ stanzgehalt derartiger Produkte in der Regel relativ niedrig ist. Aus der internationalen Patentanmeldung WO 91/04313 ist bekannt, daß die Viskosi¬ tät von Mitteln, welche anionische und/oder amphotere Tenside enthalten, durch die Zugabe einer Kombination aus Alkylglykosid und Alkalichlorid reduziert wird. Dabei soll der Gehalt an AlkaliChlorid so gering wie mög¬ lich gehalten werden, so daß die hauptsächliche Viskositätsreduktion auf das Alkylglykosid zurückzuführen ist.
Wäßrige Tensidzubereitungen, enthaltend 2 bis 15 Gew.-% Alkylglykosid und 0,05 bis 2 Gew.-% Aniontensid vom Sulfat- und/oder Sulfonat-Typ sind aus der deutschen Patentanmeldung DE 41 34071 bekannt. Diese sind gelförmige, isotrope, viskoelastische Lösungen. Sie weisen eine Viskosität im Bereich von 250 mPa-s bis 10 0000 mPa-s auf und liegen somit bei für Endprodukte wünschenswerter Konzentration im für Verbraucher gut zu handhabenden Vis¬ kositätsbereich. In die aus diesem Dokument bekannten wäßrigen Tensid- systeme können jedoch nicht ohne weiteres feinteilige Feststoffe lager¬ stabil, das heißt ohne Phasentrennung und/oder Sedimentation, eingearbei¬ tet werden.
Für die Konfektionierung von Flüssigprodukten, welche ungelöste Feststoffe enthalten, sind aus Gründen der physischen Stabilität Tensidsyste e, die lamellare Flüssigkristalle ausbilden, von Interesse. Das Auftreten von flüssigkristallinen Phasen im System Wasser/Seife ist seit langer Zeit bekannt, wie beispielsweise der Übersicht von F.B. Rosevaer in J. Soc. Cos etic Chemists 19, 1968, Seiten 581-594 zu entnehmen. In Alkylglyko-
sid/Wasser-Gemischen treten Flüssigkristalle jedoch erst bei sehr hohen, für die direkte Anwendung praktisch irrelevanten Wirkstoffkonzentrationen auf. So bildet beispielsweise ein Ci2/i4-Alkylglglucosid (Oligo erisie- rungsgrad 1,4) in Wasser erst bei Konzentrationen über etwa 65 Gew.-% und Temperaturen über 25 °C eine flüssigkristalline Phase (Lα) aus (Figur 1).
Überraschenderweise wurde nun gefunden, daß durch Zugabe geringer Mengen von mittel- bis langkettigen Alkoholen zu wäßrigen Alkylglykosidlösungen Flüssigkristalle, insbesondere lamellare Flüssigkristalle schon "bei sehr niedrigen Alkylglykosidkonzentrationen auftreten. Auch wenn man diesen Systemen Aniontensid zusetzt, bricht die flüssigkristalline Phasenstruktur keineswegs zusammen. Vielmehr führt dieser Zusatz in der Regel zu einer anwendungstechnisch vorte lhaften Viskositätserhöhung und dem Entstehen einer Fließgrenze.
Gegenstand der Erfindung ist demgemäß eine wäßrige Tensidzubereitung, die 0,5 Gew.-% bis 30 Gew.-% eines Alkyl- und/oder Alkenylglykosids der For¬ mel I,
R1-0(G)n (I)
in der R*** einen Alkyl- oder Alkenylrest mit 8 bis 22 C-Atomen, insbesonde¬ re 8 bis 16 C-Atomen, G eine Glykose-Einheit und n eine Zahl zwischen 1 und 10 bedeuten, 0,05 Gew.-% bis 12 Gew.-% eines Alkohols der Formel II,
R2-0H (II)
in der R2 einen Alkyl- oder Alkenylrest mit 6 bis 20 C-Atomen und bis zu 3 C-C-Doppelbindungen bedeutet, bis zu 30 Gew.-%, insbesondere 0,01 Gew.-% bis 28 Gew.-% eines syntheti¬ schen Aniontensids vom Sulfat- und/oder Sulfonattyp, insbesondere eines Alkyl- und/oder Alkenylsulfats der allgemeinen Formel III,
R2-0S03M (III)
in der R3 einen Alkyl- oder Alkenylrest mit 10 bis 22 C-Atomen und bis zu 3 C-C-Doppelbindungen und M ein Kation, insbesondere ein Alkalimetallkat¬ ion, bedeuten, sowie auf 100 Gew.-% Wasser enthält und bei 25 °C lyotrop flüssigkristallin ist.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von flüssigkristallinen wäßrigen, 0,5 Gew.-% bis 30 Gew.-% Alkyl- bezie¬ hungsweise Alkenylglykosid gemäß Formel I enthaltenden Tensidsystemen durch Mischen des Glykosids mit Wasser sowie gegebenenfalls bis zu 30 Gew.-%, bezogen auf entstehendes Tensidsyste , synthetischem Aniontensid vom Sul¬ fat- und/oder Sulfonat-Typ und einer zur Entstehung von Flüssigkristallen bei einer Temperatur im Bereich von 20 °C bis 30 °C ausreichenden Menge Alkohol gemäß Formel II, Einwirkenlassen von starken Scherkräften zur Homo¬ genisierung des Tensidsystems und gegebenenfalls equilibrierendes Ruhen¬ lassen, bis sich die flüssigkristalline Phase bildet. Dies kann bei un¬ günstiger Wahl der Mengen der einzelnen Komponenten, insbesondere beim Einsatz längerkettiger Alkohole unter Umständen bis zu 2 Wochen benötigen, dauert in der Regel allerdings nur etwa 1,5 Stunden bis 1 Tag. Die zum Homogenisieren der wäßrigen Systeme notwendigen starken Scherkräfte können im Labormaßstab durch handelsübliche Intensivmischer, beispielsweise Ultra- Turraχ(R)-Rührer, eingebracht werden. Im Produktionsmaßstab können übliche Homogenisatoren bzw. Dispergatoren eingesetzt werden. Unter equiTarieren¬ dem Ruhenlassen ist ein einfaches Stehenlassen des wäßrigen Tensidsystems bei einer Temperatur im Bereich von 20 °C bis 30 °C zu verstehen. Die Reihenfolge des Zumischens der Einzelkomponenten ist beim erfindungsge¬ mäßen Herstellungsverfahren nicht von Bedeutung. Insbesondere Wasser kann im Rahmen des Herstellungsverfahrens an jeder Stelle zugemischt werden. Vorzugsweise geht man so vor, daß man eine wäßrige Alkyl- beziehungsweise Alkenylglykosid-Lösung beziehungsweise -paste (Konzentration 30 Gew.-% bis 60 Gew.-%) vorlegt, einen Teil des Wassers zumischt, den Alkohol zusetzt und schließlich die restliche Wassermenge, in welcher das gewünschtenfalls einzuarbeitende Aniontensid enthalten sein kann, zusetzt.
In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, daß nach unserer Erfahrung nicht im gesamten Mehrstoffsystem aus Wasser/Alkyl- beziehungsweise Alkenylgly-
kosid/Alkohol/gegebenenfalls Aniontensid Flüssigkristalle auftreten. Der Fachmann ist jedoch ohne weiteres in der Lage, die erfindungsgemäßen flüs- sigkristallinen Systeme zu erkennen, beispielsweise anhand von Texturen (zum Beispiel Bandstrukturen oder spherische Teilchenstrukturen, wie in dem obengenannten Artikel von F.B. Rosevaer abgebildet) unter einem Mikro¬ skop mit gekreuzten Polarisatoren oder Bestimmung der Lage der Peaks und ihrer Intensität bei der Röntgenkleinwinkelstreuung. Zur Erläuterung sei auf das in Figur 2 wiedergebene Phasendiagramm des Systems Ci2/i4~Alkyl- glucosid/Ci2/i4-Fettalkohol/Wasser bei 25 °C hingewiesen. In dieser Figur bezeichnen "Lα"f "db" beziehungsweise "L3" erfindungsgemäße flüssigkri¬ stalline Phasen (la ellar flüssigkristallin, doppelbrechend beziehungswei¬ se strömungsdoppelbrechend). Die mit "1" wie auch die mit "Li" bezeichne¬ ten Phasen sind isotrop flüssig, in den mit "Li/Lj" und "4" bezeichneten Gebieten liegen jeweils 2 flüssige isotrope Phasen vor. In den Gebieten "20" und "LQ^LI" liegen jeweils eine flüssigkristalline und eine isotrop¬ flüssige Phase nebeneinander vor.
Vorzugsweise enthalten die erfindungsgemäßen flüssigkristallinen Zuberei¬ tungen 2 Gew.-% bis 20 Gew.-%, insbesondere 3 Gew.-% bis 15 Gew.-% Alkyl- beziehungsweise Alkenylglykosid gemäß Formel I, 0,1 Gew.-% bis 10 Gew.-%, insbesondere 0,5 Gew.-% bis 5 Gew.-% Alkohol gemäß Formel II, 0,1 Gew.-% bis 25 Gew.-%, insbesondere 0,5 Gew.-% bis 10 Gew.-% synthetisches Anion¬ tensid und auf 100 Gew.-% Wasser. Bevorzugt beträgt das Gewichtsverhältnis von Alkyl- beziehungsweise Alkenylglykosid zu Alkohol 50:1 bis 1:5, insbe¬ sondere 15:1 bis 1:1. Falls zusätzlich Aniontensid enthalten ist, liegen die Alkoholmengen vorzugsweise etwas höher; das GewichtsVerhältnis von Alkyl- beziehungsweise Alkenylglykosid zu Alkohol beträgt dann vorzugswei¬ se 45:1 bis 1:4, insbesondere 10:1 bis 1:2.
Die erfindungsgemäßen flüssigkristallinen Tensidzubereitungen weisen bei 25 °C vorzugsweise Viskositäten im Bereich von 10 mPa.s bis 150000 mPa.s, insbesondere von 80 mPa.s bis 10000 mPa.s bei einer Scherrate von 1 s"1 auf. Dabei wurde beobachtet, daß bei höheren Gehalten von insbesondere langkettigen Alkoholen mit Alkylresten im Bereich von C12 bis Ciß beson¬ ders hohe Viskositäten auftreten. In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung enthalten die flüssigkristallinen Tensidzubereitungen daher AI-
kyl- beziehungsweise Alkenylglykosid und C12- bis Ciß-Alkohol in Gewichts¬ verhältnissen von 4:1 bis 2:1 und weisen unter den genannten Bedingungen Viskositäten im Bereich von 50000 mPa.s bis 150000 mPa.s auf. Falls syn¬ thetisches Aniontensid enthalten ist, liegt die Viskosität unter den ge¬ nannten Meßbedingungen vorzugsweise im Bereich von 80 mPa.s bis 12000 mPa.s, insbesondere von 100 mPa.s bis 10000 mPa.s. Die erfindungs¬ gemäßen flüssigkristallinen Tensidzubereitungen weisen vorzugsweise, ins¬ besondere wenn sie aniontensidhaltig sind, eine Fließgrenze im Bereich von 0,5 Pa bis 50 Pa bei 25 °C auf.
Die für die erfindungsgemäßen Tensidzubereitungen geeigneten Alkylglykosi¬ de und ihre Herstellung werden zum Beispiel in den europäischen Patentan¬ meldungen EP 92355, EP 301 298, EP 357 969 und EP 362 671 oder der US- amerikanischen Patentschrift US 3547828 beschrieben. Bei den Glykosid- ko ponenten ((G)n in Formel I) derartiger Alkylglykoside handelt es sich um Ol go- oder Polymere aus natürlich vorkommenden Aldose- oder Ketose- Mono eren, zu denen insbesondere Glucose, Mannose, Fruktose, Galaktose, Talose, Gulose, Altrose, Allose, Idose, Ribose, Arabinose, Xylose und Lyxose gehören. Die aus derartigen glykosidisch verknüpften Monomeren be¬ stehenden Oligomere werden außer durch die Art der in ihnen enthaltenen Zucker durch deren Anzahl, den sogenannten Oligomerisierungsgrad, charak¬ terisiert. Der Oligomerisierungsgrad (n in Formel I) kann als analytisch zu ermittelnde Größe auch nicht-ganzzahlige Zahlenwerte annehmen; er liegt in der Regel bei Werten zwischen 1 und 10, bei den vorzugsweise einge¬ setzten Alkylglykosiden unter einem Wert von 3, insbesondere zwischen 1,2 und 1,4. Bevorzugter Monomer-Baustein ist wegen der guten Verfügbarkeit Glucose.
Der Alkyl- beziehungsweise Alkenylteil (R* in Formel I) der in den erfin¬ dungsgemäßen Tensidzubereitungen enthaltenen Alkyl- beziehungsweise Al- kenylglykoside stammt bevorzugt ebenfalls aus leicht zugänglichen Deriva¬ ten nachwachsender Rohstoffe, insbesondere aus Fettalkoholen, obwohl auch deren verzweigtkettige Isomere, insbesondere sogenannte Oxoalkohole und/o¬ der Guerbet-Alkohole, zur Herstellung verwendbarer Alkylglykoside einge¬ setzt werden können. Brauchbar sind demgemäß insbesondere die primären Al¬ kohole mit linearen Octyl-, Decyl-, Dodecyl-, Tetradecyl-, Hexadecyl- oder
Octadecylresten und ein- oder mehrfach ungesättigte Alkohole dieser Ket¬ tenlängen, zu denen beispielsweise Oleylalkohol , Elaidylalkohol , Linoleyl- alkohol, Linolenylalkohol, Gadoleylalkohol und Erucaalkohol gehören, sowie deren Gemische. Besonders geeignete Alkylglykoside enthalten einen Kokos- fettalkylrest, das heißt Mischungen mit im wesentlichen R**-=Dodecyl und Rl=Tetradecyl.
Die Alkyl- beziehungsweise Alkenylglykoside können bekanntlich herstel¬ lungsbedingt geringe Mengen, normalerweise 1 bis 2 Gew.-% bezogen auf Al¬ kyl- beziehungsweise Alkenylglykosid, an nicht umgesetztem freiem Alkohol enthalten. Diese Mengen an Alkohol reichen jedoch bei weitem nicht aus, um zu erfindungsgemäßen flüssigkristallinen Systemen zu führen
Zu den in den erfindungsgemäßen flüssigkristallinen Tensidzubereitungen enthaltenen lineraren oder verzweigtkettigen, gesättigten oder ein- bis dreifach ungesättigten Alkoholen gemäß Formel II gehören neben den obenge¬ nannten Alkoholen, die Ausgangsstoffe für die Alkyl- beziehungsweise Al¬ kenylglykoside sein können, auch kürzerkettige Alkohole, wobei jedoch Al¬ kohole mit weniger als 6 C-Atomen erfindungsgemäß nicht brauchbar sind. Insbesondere werden die Alkohole aus Hexanol, Heptanol, Octanol, Decanol, Undecanol, 10-Undecenol, Dodecanol, Tridecanol, Tetradecanol, Pentadeca- nol, Hexadecanol, Heptadecanol, Octadecanol, Oleylalkohol, Elaidylalkohol, Linoleylalkohol und/oder Linolenylalkohol ausgewählt, wobei deren lineare Isomere mit primärer Alkoholgruppe bevorzugt sind. Dabei muß die Ketten¬ länge des Alkyl- beziehungsweise Alkenylteils des in der erfindungsgemäßen flüssigkristallinen Zubereitung enthaltenen Glykosids keineswegs mit der¬ jenigen des Alkohols übereinstimmen.
Zu den in den erfindungsgemäßen Tensidzubereitungen gegebenenfalls enthal¬ tenen Aniontensiden vom Sulfat- oder Sulfonat-Typ gehören insbesondere Alkylsulfate, Alkansulfonate, Alkylbenzolsulfonate, oc-Sulfofettsäuren, deren Carbonsäureester, Sulfonierungsprodukte von Alkenen oder ungesättig¬ ten Fettsäuren sowie deren Gemische.
Die im Rahmen der Erfindung einsetzbaren Alkylsulfate gemäß Formel III sind bekannte anionische Tenside, die in der Regel durch Umsetzung von
aliphatischen primären Alkoholen mit einem Sulfatierungsreagenz, beispiels¬ weise Schwefeltrioxid oder Chlorsulfonsäure sowie nachfolgender Neutra¬ lisation und Hydrolyse der entstandenen Reaktionsprodukte, vorzugsweise mit Alkali-, Ammonium- oder Alkyl- beziehungsweise Hydroxyalkyl-substitu¬ ierten Ammoniumbasen, hergestellt werden. Alkylsulfate, auf die sich die Erfindung erstreckt, leiten sich vorzugsweise von Fettalkoholen mit 12 bis 22 Kohlenstoffatomen, insbesondere 12 bis 18 Kohlenstoffatomen, ab. Typi¬ sche Beispiele hierfür sind Laurylalkohol, Myristylalkohol, Cetylalkohol, Stearylalkohol oder Behenylalkohol. Die Alkylsulfate können sich auch von technischen Alkoholgemischen ableiten, wie sie zum Beispiel bei der Hy¬ drierung von technischen Fettsäureestergemischen natürlicher Herkunft oder von Aldehyden aus der Roelen'sehen Oxosynthese anfallen. Bevorzugt sind hierbei Alkylsulfate auf der Basis von technischen Kokos- oder Talgalko¬ holschnitten.
Derartige Alkylsulfate können auch, bedingt durch den Anteil ungesättigter Alkohole im Einsatzmaterial für die Sulfatierung, mehr oder weniger große Mengen an Sulfatierungsprodukten von ein-, zwei- oder dreifach ungesättig¬ ten Alkoholen der genannten Kettenlängen enthalten. Dabei handelt es sich, da bei Einsatz ungesättigter Alkohole bei der Sulfatierung auch eine Anla¬ gerung des Sulfatierungsmittels an die Doppelbindung stattfinden kann, in der Regel um Mischungen aus Alkenylsulfaten mit Stoffen, die eine innen¬ ständige Sulfonatgruppe beziehungsweise eine Sulfonat- und eine Sulfat¬ gruppe enthalten. Der Begriff "Alkylsulfat" umfaßt daher im Rahmen der vorliegenden Erfindung auch derartige Gemische. Vorzugsweise sind aus un¬ gesättigten Alkoholen hervorgegangene Sulfierungsprodukte, wenn im Alkyl¬ sulfat vorhanden, in Mengen nicht über 80 Gew.-%, insbesondere von 30 Gew.-% bis 70 Gew.-%, im eingesetzten Alkylsulfat, bezogen auf gesamte in diesem enthaltene anionteπsidische Aktivsubstanz, enthalten.
Die für die Einarbeitung in die erfindungsgemäßen Zubereitungen geeigneten Sulfofettsäuresalze sind neutralisierte Derivate der mindestens eine Dop¬ pelbindung enthaltenden Fettsäuren mit 8 bis 22 C-Atomen. Zu diesen ge¬ hören insbesondere die Sulfonierungsprodukte von Lauroleinsäure, Myristo- leinsäure, Palmitoleinsäure, Ölsäure, Gadoleinsäure und Erucasäure. Der¬ artige Sulfofettsäuresalze werden durch Umsetzung der ungesättigten Fett-
säuren mit einem Sulfonierungsmittel und anschließende Neutralisation und Hydrolyse mit den genannten wäßrigen Basen nach bekannten Verfahren, wie sie zum Beispiel in der britischen Patentschrift GB 1 278 421 oder der internationalen Patentanmeldung WO 90/06300 beschrieben sind, hergestellt. Dabei entstehen Gemische der eine Sulfo- und eine Hydroxygruppe tragenden gesättigten Fettsäuren mit durch formale Eliminierung eines Molequivalents Wasser aus diesen entstehenden ungesättigten, eine Sulfogruppe tragenden Fettsäuren. Durch analoge Reaktion können aus Alkenen mit vorzugsweise 12 bis 22 C-Atomen oberflächenaktive Gemische aus Hydroxyalkylsulfonaten mit Alkensulfonaten erzeugt werden.
-Sulfofettsäuresalze können durch Umsetzung von Fettsäuren, die 6 bis 22, vorzugsweise 16 bis 18 Kohlenstoffatome enthalten und vorzugsweise eine Iodzahl kleiner 20 aufweisen, mit einem Sulfiermittel und nachfolgende Neutralisation mit wäßrigen Basen hergestellt werden. Als Sulfiermittel kommen in diesem Fall insbesondere Schwefelsäure, Oleum, Chlorsulfonsäure oder gasförmiges Schwefeltrioxid im Gemisch mit einem Inertgas in Betracht. Als Neutralisationsbasen eignen sich vor allem wäßrige Lösungen von Alkali- und Erdalkalihydroxiden oder Ammoniak. Alternativ können auch die Ester von Fettsäuren der genannten Art mit Cj- bis C4~Alkoholen, insbesondere Fettsäuremethylester, sulfoniert werden, wobei die erfindungsgemäß brauch¬ baren oc -Sulfofettsäureester entstehen. Durch Verwendung von wäßriger Base im Überschuß und unter Abspaltung von Methanol können sie zu den ent¬ sprechenden o-Sulfofettsäuresalzen verseift und neutralisiert werden. Typische Beispiele für Fettsäuren der genannten Art sind Capronsäure, Caprylsäure, Caprinsäure, Laurinsäure, Myristinsäure oder Behensäure. Sub¬ stanzen mit besonders günstigen Detergenseigenschaften werden auf Basis von Palmitin- und Stearinsäure erhalten, die aus diesen Gründen bevorzugt sind. Diese Fettsäuren können auch in Form technischer Gemische vorliegen, wie sie üblicherweise bei der Spaltung pflanzlicher oder tierischer Fett- säureglycerinester anfallen. Weisen derartige Gemische hohe Anteile unge¬ sättigter Fettsäuren auf, können sie in an sich bekannter Weise durch Hy¬ drierung z. B. in Gegenwart von Nickelkatalysatoren in Gemische weitgehend gesättigter Fettsäuren überführt werden, deren Iodzahl kleiner 20 ist.
Bei den erfindungsgemäß einsetzbaren Alkansulfonaten handelt es sich um Substanzen, die durch Sulfoxidation von Kohlenwasserstoffen, welche vor¬ zugsweise 10 bis 20 C-Atome enthalten, gewonnen werden. Dabei entstehen in der Regel Produkte mit statistischer Verteilung der Sulfonsäure-Substitu- enten, die gewünschtenfalls in bekannter Weise getrennt werden können. Für die erfindungsgemäßen Mischungen sind sekundäre Alkansulfonate mit 12 bis 17 C-Atomen besonders geeignet. Als Kationen kommen auch in diesem Fall insbesondere solche aus der Gruppe der Alkaliionen, Ammonium- oder Alkyl- beziehungsweise Hydroxyalkyl-substituierten Ammoniumionen in Betracht.
Unter den genannten synthetischen Aniontensiden sind Alkylsulfate, Alkan¬ sulfonate und/oder Sulfofettsäureester bzw. Salze besonders bevorzugt.
In einer bevorzugten Ausführungsform enthält eine erfindungsgemäße Tensid- zubereitung 3 Gew.-% bis 10 Gew.-% Alkyl- beziehungsweise Alkenylglykosid gemäß Formel I, 0,75 Gew.-% bis 7,5 Gew.-% Alkohol gemäß Formel II, insbe¬ sondere mit 6 bis 18 C-Atomen, bis zu 20 Gew.-%, insbesondere 1 Gew.-% bis 15 Gew.-% synthetisches Aniontensid, insbesondere vom Sulfat-Typ, und als Rest auf 100 Gew.-% Wasser.
Die erfindungsgemäßen flüssigkristallinen Tensidzubereitungen weisen aus¬ gezeichnete Reinigungseigenschaften und eine hohe Kaltwasserlöslichkeit auf. Sie werden daher vorzugsweise als Wasch,- Spül- oder Reinigungsmittel sowie insbesondere in der Haar- und Körperpflege verwendet oder dienen als lagerstabile, leicht handhabbare Vorgemische zur Herstellung solcher Mit¬ tel. Im Rahmen der Herstellung solcher Endprodukte ist die Zugabe anderer in derartigen Mitteln üblicher Bestandteile, zu denen insbesondere Buil- dersubstanzen, wie Alkalitripolyphosphate, -citrate, Zeolithe und Schicht¬ silikate, Korrosionsinhibitoren, Bleichmittel, Bleichaktivatoren, optische Aufheller, Enzyme, Vergrauungsinhibitoren, antimikrobielle Wirkstoffe, Abrasivstoffe, beispielsweise Alkalibicarbonate oder -tetraborate, Schaum¬ regulatoren bzw. -Stabilisatoren, Konservierungsmittel, pH-Regulatoren, Trübungs- und Perlglanzmittel, Färb- und Duftstoffe sowie zusätzliche Ten- side gehören, zu den erfindungsgemäßen Zubereitungen möglich. Von besonde¬ rem Vorteil sind die erfindungsgemäßen flüssigkristallinen Tensidzuberei¬ tungen, wenn zur Herstellung der genannten Mittel feinteilige Feststoffe
eingearbeitet werden sollen, beispielsweise wasserunlösliche Buildersub- stanzen, insbesondere Zeolith Na-A in Waschmittelqualität, und/ oder Abra- sivstoffe, beispielsweise Quarzmehl, Marmormehl oder feinteiliges Alu¬ miniumoxid, da diese durch die erfindungsgemäßen flüssigkristallinen Systeme sehr effektiv stabilisiert, das heißt in homogener Verteilung in der Flüssigkeit gehalten, werden. Aus diesem Grund ist die Verwendung der erfindungsgemäßen flüssigkristallinen Tensidzubereitungen zur Stabilisie¬ rung von feinteiligen wasserunlöslichen Bestandteilen flüssiger Wasch-, Spül-, Reinigungs- oder kosmetischer Mittel ein bevorzugtes Einsatzgebiet der erfindungsgemäßen Zubereitungen. Dabei war überraschenend, daß die er¬ findungsgemäßen flüssigkristallinen Tensidzubereitungen in der Lage sind, sehr große Mengen derartiger wasserunlöslicher Bestandteile in homogener Verteilung zu stabilisieren. Vorzugsweise werden die erfindungsgemäßen flüssigkristallinen Tensidzubereitungen daher in Mitteln, insbesondere Reinigungsmitteln, mit hohen Anteilen, insbesondere 10 Gew.-% bis 60 Gew.- und besonders bevorzugt 20 Gew.-% bis 50 Gew.-% an wasserunlöslichen Be¬ standteilen, insbesondere Abrasivstoffen, verwendet. Die zum Stabilisieren notwendige Menge an erfindungsgemäßem Tensidsyste ist relativ klein und wird vorzugsweise so gewählt, daß im fertigen Mittel das Gewichtsverhält¬ nis von feinteiligem wasserunlöslichem Bestandteil zu der Summe aus Alkyl- und/oder Alkenylglykosid der Formel I und Alkohol der Formel II im Bereich von 20 : 1 bis 1 : 1, insbesondere von 15 : 1 bis 2 : 1 liegt.
Beispiele
Beispiel 1
Durch Vermischen der E nzelkomponenten mit Hilfe eines Ultra-Turraχ( )- Rührers wurden wäßrige Mischungen Ml bis M3 aus den in der nachfolgenden Tabelle 1 angegebenen Komponenten in den angebenen Mengenverhältnissen (Gew.-%) hergestellt. Sämtliche der aufgeführten Tensidzubereitungen waren flüssigkristallin und besaßen bei 25 °C die angebene Viskosität (gemessen mit einem schubspannungskontrollierten Rotationsrheometer Carri-med(R) CS 100 bei einer Scherrate D von 1 s-i).
Tabelle 1: Viskositäten erfindungsgemäßer Zubereitungen
Ml M2 M3
Ci2/i4-Alkylglucosida) 10 10 10
Ci2/i4-AlkoholD) 1 1,5 1,75
Wasser 89 88,5 88,25
Viskosität [mPa.s] 180 6000 1000
a) Oligomerisierungsgrad 1,4 b) Lorol(R) spezial, Hersteller Henkel
Beispiel 2
Wie in Beispiel 1 beschrieben, wurde aus Ci2/i6-Alkylglucosid (Oligomeri¬ sierungsgrad 1,4) und Cχ2/i4-Alkohol eine flüssigkristall ne wäßrige For¬ mulierung hergestellt. Dieser wurde Marmormehl zugemischt, so daß man ein flüssiges Reinigungsmittel M7 der in der nachfolgenden Tabelle 2 angegebe¬ nen Zusammensetzung erhielt, das bei Lagerung über mehrere Wochen seine Homogenität nicht verlor und die in Tabelle 3 angegebenen Viskositätsei¬ genschaften, bestimmt mit einem schergeschwindigkeitskontrollierten Rota- tionsrheometer Rheometrics( ) RFS II mit Platte-Platte-Meßsystem (2 cm Durchmesser, 2 m Spalt), besaß.
Tabelle 2: Zusammensetzung [Gew.-%]
M7 c12/16"Alkylglucosid 5 Ci2/l4-Alkohol 1,5 Marmormehl 45 Wasser 48,5
Tabelle 3: Viskoelastische Eigenschaften von M7
Viskosität [mPa.s] bei 30 s~l und 10 °C 1270
Nullscherviskosität [mPa.s] bei 10 °C 430000
Viskosität [mPa.s] bei 30 s~l und 20 °C 320
Nullscherviskosität [mPa.s] bei 20 °C 330000
Fließgrenze [Pa] bei 20 °C 3,0
Viskosität [mPa.s] bei 30 s" und 45 °C 270
Nullscherviskosität [mPa.s] bei 45 °C 5750000
Fließgrenze [Pa] bei 45 °C 0,3
Bezugszeichenliste
Fig. 1
T Temperatur [°C] 7 1 isotrope flüssige Phase
L« lamellar-flüssigkristalline Phase
7/7 Zweiphasengebiet (2 isotrope flüssige Phasen) s/7 Zweiphasengebiet (Feststoff und isotrope Flüssigkeit)
Zweiphasengebiet (lamellar-flüssigkristalline Phase und isotrope flüssige Phase)
Fig. 2
Erläuterungen zu Abkürzungen in den Phasendiagrammen
1 isotrop, flüssig 4 2 flüssige Phasen db doppelbrechende Phase
L3 Strömungsdoppelbrechende Phase L« lamellare, flüssigkristalline Phase 20 Zweiphasengebiet (isotrop flüssig / L3)
Lo Ll Zweiphasengebiet (flüssigkristallin / isotrop)
Ll isotrop flüssig (mizellare Phase)
Ll/Li 2 flüssige Phasen