Verfahren zur Herstellung wässriger Polymerdispersionen
Beschreibung
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung wässriger Polymerdispersionen, enthaltend wenigstens ein Copoly- merisat CP in Form dispers verteilter Polymerteilchen, das aus ethylenisch ungesättigten Monomeren M aufgebaut ist. Die Erfin- düng betrifft auch die nach diesem Verfahren erhältlichen, wäss- rigen Polymerdispersionen und daraus hergestellte Polymerpulver. Die vorliegende Erfindung betrifft auch die Verwendung dieser Polymerdispersionen in KlebstoffZubereitungen, insbesondere in Haftklebstoffen.
ässrige Polymerdispersionen finden in vielfältiger Weise Anwendung, beispielsweise als Beschichtungsmittel oder als Imprägnierung für Papier oder Leder, als Bindemittel in z.B. Dispersionsfarben, Spachtelmassen oder in kunstharzgebundenen Putzen, als Modifikatoren für mineralische Bindebaustoffe und als Klebstoffe oder Klebrohstoffe.
Bei Klebstoffen stellt sich grundsätzlich das Problem, dass für eine feste und formstabile Verklebung der Substrate eine gute Haftung des Klebstoffs auf dem zu verklebenden Substrat (Adhäsion) und gleichzeitig eine innere Festigkeit des Klebefilms (Kohäsion) gewährleistet sein muss. Adhäsion und Kohäsion sind im Allgemeinen nicht unabhängig voneinander optimierbar. Gewünscht sind Maßnahmen, die entweder das Niveau beider Eigenschaften an- heben oder zumindest eine Eigenschaft unverändert erhalten, während sich die jeweils andere verbessert. Diese Problematik spielt insbesondere bei Haftklebstoffen eine Rolle.
Haftklebstoffe bilden einen bleibend klebrigen Film, der schon unter geringem Druck bei Raumtemperatur an den verschiedensten Oberflächen haftet (eng.: pressure sensitive adhesives (PSA)). Haftklebstoffe dienen zum Herstellen selbstklebender Erzeugnisse, wie Selbstklebeetiketten, -bänder oder -folien. Derartige Produkte lassen sich sehr einfach anwenden und ermöglichen ein schnelles Arbeiten beim Verkleben. Es sind im Gegensatz zu Kontaktklebemassen keine Ablüftzeiten erforderlich. Auch eine sog. "offene Zeit", innerhalb der die Verklebung ausgeführt werden
muss, existiert nicht. Die Qualität eines selbstklebenden Artikels hängt im Wesentlichen davon ab, ob die innere Festigkeit (Kohäsion) und die Haftung des Klebstofffilms auf der zu beklebenden Oberfläche (Adhäsion) entsprechend der Anwendung aufeinan- der abgestimmt sind.
Insbesondere bei Haftklebestoffen für Etiketten muss die Kohäsion so groß sein, dass beim Stanzen und Schneiden kein Fadenziehen bzw. Kantenaustritt auftritt, da es sonst zu Verschmutzungen der Schneidewerkzeuge und zur Verklebung der Schnittflächen kommt. Gleichzeitig soll die Adhäsion auf einem hohen Niveau liegen, um eine gute Haftung auf dem zu beklebenden Substrat zu erreichen.
Aus der DE 196 33 967 ist ein Verfahren zur Herstellung hochkon- zentrierter, wässriger Haftklebstoffdispersionen bekannt, bei dem die Polymerisation nach einem speziellen Zulaufverfahren in Gegenwart von weniger als 50 ppm Polymerisationsinhibitor durchgeführt wird.
Aus der DE 196 32 203 sind Haftklebstoffe bekannt, deren Adhäsion durch Anwesenheit geringer Mengen an einpolymerisiertem Styrol verbessert wird.
Aus der älteren Patentanmeldung DE 198 18 394.1 ist bekannt, dass in wässrigen HaftklebstoffZubereitungen auf Basis von wässrigen Polymerdispersionen das Verhältnis von Adhäsion zu Kohäsion durch Verwendung aromatischer Emulgatoren verbessert werden kann.
Die WO 97/12921 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung wässri- ger Polymerdispersionen, bei dem auf eine Saatlatex eine Monomer- mischung aufpolymerisiert wird, die man während der Polymerisation ändert. Die nach diesem Verfahren hergestellten Polymere werden als Beschichtungsmittel eingesetzt. Die US 3,804,881 beschreibt ein ähnliches Verfahren, bei dem in Abwesenheit eines Saatlatex gearbeitet wird.
Der vorliegenden Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, wässrige Polymerdispersionen bereitzustellen, die insbesondere als Klebstoffe oder Klebrohstoffe, d.h. als klebende Komponente in Kleb- stoffZubereitungen, geeignet sind. Die Klebstoffe bzw. Klebstoffzubereitungen sollen ein ausgewogenes Eigenschaftsprofil, d.h. eine gute Haftung des Klebstoffs auf den zu verklebenden Substraten bei einer zugleich hohen Festigkeit des Klebefilms, aufweisen.
Es wurde überraschenderweise gefunden, dass ein Verfahren zur Herstellung wässriger Polymerisatdispersionen nach der Methode der radikalischen, wässrigen Emulsionspolymerisation ethylenisch ungesättigter Monomere M, bei dem man die Rate, mit der man den Polymerisationsinitiator der Polymerisationsreaktion zuführt, mehrfach oder kontinuierlich verändert, zu wässrigen Polymerdispersionen mit verbesserten technischen Anwendungseigenschaften, insbesondere im Hinblick auf ihre Verwendung als Haftklebstoffe führt.
Demnach betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Herstellung einer wässrigen Polymerdispersion, eines Copolymerisats CP, wenigstens zwei voneinander verschiedene Monomere Ml und M2, durch radikalische, wässrige Emulsionspolymerisation der Monomere M in Gegenwart wenigstens eines Initiators, wobei wenigstens 80 % der Monomere M und wenigstens 75 % des Initiators der Polymerisationsreaktion in ihrem Verlauf kontinuierlich zugeführt werden, das dadurch gekennzeichnet ist, dass man die Rate, mit der der Initiator der Polymerisationsreaktion zugeführt wird, mehrfach oder kontinuierlich während der Polymerisationsreaktion ändert.
Als Monomere M kommen alle einfach oder mehrfach ethylenisch ungesättigten Monomere in Betracht, die für sich alleine oder in Kombination mit anderen Monomere nach der Methode einer radikali- sehen wässrigen Emulsionspolmyerisation polymerisiert werden können. Derartige Monomere sind dem Fachmann bekannt und umfassen Vinyl- Allyl und Methallylester aliphatischer Carbonsäuren mit linearem oder verzweigtem Kohlenwasserstoffgerüst, Ester mono- ethylenisch ungesättigter Carbonäuren mit Alkanolen oder Cycloal- kanolen, Olefine, konjugierte Diene, vinylaromatische Verbindungen, ethylenisch ungesättigte Carbonsäuren, Sulfonsäuren, Phosp- honsäure und funktionale Monomere, z.B. Vernetzer und vernetzend wirkende Monomere.
In der Regel umfassen die zu Monomere M wenigstens ein und vorzugsweise wenigstens zwei hydrophobe Monomere. Unter hydrophoben Monomeren versteht man solche Monomere, deren Wasserlöslichkeit in der Regel unterhalb 80 g/1 vorzugsweise unterhalb 60 g/1 bei 25 °C und 1 bar liegt. Die hydrophoben Monomere machen in der Re- gel wenigstens 60 Gew.-% und vorzugsweise wenigstens 70 Gew.-% der zu polymerisierenden Monomere aus.
Im Hinblick auf die Verwendung der erfindungsgemäßen Polymerdispersionen als Kleb- oder Klebrohstoffe hat es sich als vorteil- haft erwiesen, wenn die zu polymerisierenden Monomere wenigstens 60 Gew.-% und bis zu 99 Gew.-%, vorzgsweise 70 bis 98 Gew.-% und insbesondere 80 bis 95 Gew.-% wenigstens eines hydrophoben Mono-
mers Ml umfassen, dessen Homopolymerisat eine Glasübergangstemperatur Tg < 0 °C aufweist. Dementsprechend umfassen die Monomere M wenigstens 1 Gew.-% und bis zu 40 Gew.-%, vorzugsweise 2 bis 30 Gew.-% und insbesondere wenigstens 5 bis 20 Gew.-% Monomere M2 , das mit den Monomeren Ml copolymerisierbar ist.
Unter der Glasübergangstemperatur Tg wird hier die gemäß ASTM D 3418-82 durch Differentialthermoanalyse (DSC) ermittelte "mid- point temperature" verstanden (vgl. Ullmann's Encyclopedia of In- dustrial Chemistry, 5th Edition, Volume A 21, VCH Weinheim 1992, S. 169 sowie Zosel, Farbe und Lack 82 (1976), S. 125-134, siehe auch DIN 53765). Ferner kann die Glasübergangstemperatur auch aus der Messung des E-Moduls im Kriechversuch als Funktion der Temperatur bestimmt werden. Glasübergangstemperaturen für die Homopo- lymerisate zahlreicher Monomere sind bekannt und z.B. in Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, VCH, Weinheim, Vol. A 21 (1992) S. 169 oder in J. Brandrup, E.H. Immergut, Polymer Handbook 3rd ed, J. Wiley, New York 1989 zusammengestellt.
Erfindungsgemäße hydrophobe Monomere Ml sind solche mit einer begrenzten Wasserlöslichkeit, wie sie üblicherweise für die radikalische wässrige Emulsionspolymerisation eingesetzt werden. Übliche Monomere Ml sind ausgewählt unter den Vinylestern C3-Cιs-Mono- carbonsäuren, wie Vinylpropionat, Vinylbutyrat, Vinylvalerat, Vi- nylhexanoat, Vinyl-2-ethylhexanoat, Vinyldecanoat, Vinyllaurat, Vinylstearat und Vinylester der Versatic-Säuren (Versatic-Säuren sind verzweigte, aliphatische Carbonsäuren mit 5 bis 11 C-Ato- men) . Typische Monomere Ml sind weiterhin die C -Cι8-Alkylester und C5-Cιo-Cycloalkylester der Acrylsäure wie Acrylsäure-ethylester, Acrylsäure-n-propylester, Acrylsäure-isopropylester, Acrylsäure-n-butylester, Acrylsäure-1-hexylester, Acrylsäure-2-ethylhexylester, Acrylsäure-2-laurylester, Acrylsäure-2-stearylester, Acrylsäure-cyclopentylester, Acrylsäure-cyclohexylester, etc. Beispiele für Monomere Ml sind auch die Cι-Cι0-Alkylester der Maleinsäure und der Fumarsäure wie Maleinsäuredimethylester, Ma- leinsäure-di-n-butylester und Fumarsäure-di-n-butylester . Zu den Monomeren Ml zählen auch konjugierte Diene mit vorzugsweise 4 bis 10 C-Atomen, wie 1, 3-Butadien, Isopren oder Olefine mit vorzugs- weise 2 bis 6 C-Atomen wie Ethylen, Propen, 1-Buten und Isobuten. Bevorzugte Monomere Ml sind die C2-Cχo-Ester der Acrylsäure wie Ethylacrylat, n-Butylacrylat und 2-Ethylhexylacrylat .
Als Monomere M2 kommen alle diejenigen Monomere in Betracht, die unter den Bedinguingen einer radikalischen, wässrigen Emulsionspolymerisation mit den Monomeren Ml copolymerisierbar sind. Zu den Monomeren M2 zählen wasserlösliche Monomere, deren Wasserlös-
lichkeit ≥ 80 g/1 bei 25 °C und 1 bar beträgt (Monomere M2a) . Die Monomere M2 umfassen weiterhin hydrophobe Monomere M2b, deren Ho- mopolymerisate eine Glasübergangstemperatur > 0 °C aufweisen. Weiterhin können die Monomere M2 vernetzende Monomere M3 enthalten, d.h. Monomere mit wenigstens zwei nicht konjugierten ethylenisch ungesättigten Doppelbindungen, sowie vernetzbare Monomere, d.h. Monomere, die neben einer ethylenisch ungesättigten Doppelbindung eine weitere reaktive Funktionalität, beispielsweise eine Anhydridgruppe, eine Epoxidgruppe, eine Ketocarbonylgruppe oder eine Aldehydgruppe aufweisen (Monomere M4 ) .
Vorzugsweise umfassen die Monomere M2 wenigstens ein Monomer M2a, vorzugsweise in einer Menge von 0,1 bis 10 Gew.-% und insbesondere in einer Menge von 0,2 bis 5 Gew.-%, bezogen auf die Gesamt- menge an Monomeren M, und wenigstens ein Monomer M2b, vorzugsweise in einer Menge von 0,9 bis 39,9 Gew.-%, insbesondere in einer Menge von 1 bis 30 Gew.-% und besonders bevorzugt in einer Menge von 5 bis 20 Gew.-%, bezogen auf die Monomere M.
Die Monomere M2a umfassen vorzugsweise wenigstens ein Monomer mit einer oder mehreren Säuregruppen, die im wässrigen Polymermedium durch eine Base deprotoniert werden können. Beispiele für geeignete Monomere M2a sind α,ß-monoethylenisch ungesättigte Mono- und Dicarbonsäuren sowie monoethylenisch ungesättigte Sulfonsäuren, Phosphonsäuren oder Dihydrogenphosphate und deren wasserlösliche Salze, z.B. deren Alkalimetallsalze. Bevorzugte Monomere M2a sind α,ß-monoethylenisch ungesättigten Monocarbonsäuren mit vorzugsweise 3 bis 10 C-Atomen, z.B. Acrylsäure, Methacrylsäure, Croton- säure, Vinylessigsäure, Acrylamidoglykolsäure, monoethylenisch ungesättigte Dicarbonsäuren mit vorzugsweise 4 bis 10 C-Atomen, z.B. Itaconsäure, und die Halbester monoethylenisch ungesättigter Dicarbonsäuren, z.B. Monomethylmaleinat und Monobutylmaleinat . Besonders bevorzugte Monomere mit einer Säurefunktion sind Acrylsäure und Methacrylsäure. Beispiele für Monomere mit einer Sul- fonsäuregruppe sind Vinyl-, Allyl- und Methallylsulfonsäure sowie 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure bzw. deren Alkalimetallsalze. Anstelle oder zusammen mit den vorgenannten ethylenisch ungesättigten Carbonsäuren können auch deren Anhydride verwendet werden. Die genannten Monomere M2a machen erfindungsgemäß 0,05 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise 0,05 bis 5 Gew.-% und insbesondere 0,05 bis 2 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Monomere M aus.
Anstelle oder zusammen mit den Monomeren mit Säuregruppe können auch neutrale Monomere M2a mit einer erhöhten Wasserlöslichkeit eingesetzt werden. Zu den neutralen Monomeren M2a mit einer erhöhten Wasserlöslichkeit zählen beispielsweise die Amide und die
Erfindungsgemäß wird die Rate der Initiatorzufuhr , d.h. die Geschwindigkeit mit der der Initiator der Polymerisationsreaktion zugeführt wird, nach der Initiierungsphase während der verbleibenden Zeit der Polymerisationsreaktion mehrfach, d.h. wenigstens zweimal, vorzugsweise wenigstens dreimal, insbesondere wenigstens fünfmal oder ganz besonders bevorzugt kontinuierlich im Verlauf der Polymerisationsreaktion geändert.
Vorzugsweise ändert man die Zugaberate so, dass die Änderung ent- weder zu einer kontinuierlichen Zunahme oder einer kontinuierlichen Abnahme der Zugaberate führt. Ebenfalls kann man die Rate der Initiatorzugabe zunächst steigern und anschließend verlangsamen. Man kann auch, beginnend mit einer hohen Zugaberate, diese zunächst im Verlauf der Zugabe verringern und anschließend wieder steigern.
Die Zugaberate des Initiators kann in Intervallen geändert werden, wobei innerhalb dieser Intervalle die Zugaberate näherungsweise konstant bleibt. Sie kann auch kontinuierlich während der Zugabe verändert werden.
Unter Änderungen der Initiatorzugaberate versteht man erfindungsgemäß gezielte Änderungen und keine unkontrollierten Schwankungen, die sich in Abweichungen der aktuellen Zugaberate von der mittleren Zugaberate von weniger als 5 % bemerkbar machen.
In der Regel wird der Maximalwert der Zugaberate um einen Betrag von wenigstens 10 %, vorzugsweise wenigstens 25 %, insbesondere wenigstens 40 % und ganz besonders bevorzugt wenigstens 50 %, be- zogen auf die durchschnittliche, d. h. die über den Zeitverlauf nach Beendigung der Initiierungsphase gemittelte Initiatorzugaberate, von dieser mittleren Zugaberate abweichen. Entsprechendes gilt für den Minimalwert der Zugaberate.
Besonders bevorzugt wird man, gegebenenfalls nach der Initiierungsphase, wenn diese vorgesehen ist, mit einer niedrigen Initiatorzugaberate beginnen und diese dann im Verlauf der Polymerisationsreaktion steigern. Vorzugsweise nimmt die Rate der Initiatorzugabe gegen Ende der Initiatorzugabe wenigstens den dop- pelten Wert an, den sie bei Beginn der Initiatorzugabe hatte. Insbesondere steigt der Wert der Initiatorzugaberate auf wenigstens das 4-fache, besonders bevorzugt auf wenigstens das 8-fache und ganz besonders bevorzugt auf wenigstens das 12-fache des Anfangswertes an.
Vorzugsweise erfolgt die Initiatorzugabe nach der Initiierungsphase, wenn diese vorgesehen ist, parallel zu der Zugabe der Monomere, d.h. die Initiatorzugäbe wird nahezu zeitgleich mit der Monomerzugabe gestartet und beendet.
Der Polymerisationinitiator wird vorzugsweise als verdünnte, wässrige Lösung der Polymerisationsreaktion zugeführt. Vorzugsweise enthält diese Initiatorlösung weniger als 25 Gew.-%, z. B. 1 bis 20 Gew.-%, vorzugsweise 1 bis 10 Gew.-% Initiator, bezogen auf das Gesamtgewicht der Initiatorlösung.
Die zu polymerisierenden Monomere können in Substanz oder als wässrige Emulsion, die vorzugsweise eine oberflächenaktive Verbindung enthält zugegeben werden. Die Zugabe der Monomeren M er- folgt vorzugsweise in Form einer wässrigen Emulsion, die wenigstens eine oberflächenaktive Substanzen enthält. Die Zugabe der Monomere M erfolgt vorzugsweise mit einer nahezu konstanten Zugaberate, bezogen auf die im Zeitintervall zugegebene Gesamtmono- mermenge. Dies bedeutet, dass die Rate mit der die Monomere M der Polymerisationsreaktion zugeführt werden, weniger als 20 % vom Anfangswert und vorzugsweise weniger als 10 %, insbesondere weniger als 5 % von der mittleren, d. h. über den gesamten Zugabezeitraum (gegebenenfalls nach einer Initiierungsphase, wenn vorgesehen) abweicht.
In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ändert sich die Zusammensetzung der zugeführten Monomere während ihrer Zugabe. Dazu geht man in der Regel so vor, dass der Anteil einer Monomersorte im Verhältnis zu den Anteilen der übrigen Mo- nomersorten in der zugeführten Monomermischung während der Zugabe zunimmt oder abnimmt. Die Zunahme oder Abnahme kann dabei Intervallweise erfolgen, wobei das Verhältnis der in der Monomermischung M enthaltenen Monomere innerhalb dieser Intervalle nahezu konstant bleibt. Die Änderung kann aber auch kontinuierlich er- folgen.
Erfindungsgemäß bevorzugt hält man die Rate, mit der die Monomere Ml der Polymerisationsreaktion zugeführt werden, während der Polymerisationsreaktion näherungsweise konstant. Sofern die Mono- mere M2 zwei verschiedene Monomere, beispielsweise ein Monomer M2a und wenigstens ein Monomer M2b, umfassen, ändert man vorzugsweise nur das Verhältnis der Monomere M2a/M2b im Verlaufe der Polymerisationsreaktion. Hierzu kann man so vorgehen, dass zu Beginn der Polymerisationsreaktion eine der Monomersorten in der zugeführten Monomermischung vollständig oder nahezu vollständig fehlt und gegen Ende der Polymerisationsreaktion einen maximalen Anteil erreicht. Man kann auch so vorgehen, dass diese Monomer-
•
^
2 fi
Φ
4-1 μ o in μ
Φ o ε ß
0
Die beiden vorgenannten Methoden haben sich insbesondere dann bewährt, wenn die Monomersorte, deren Anteil geändert werden soll, nur einen geringen Anteil bezogen auf die Gesamtmonomerzusammen- setzung ausmacht.
Ein besonders elegantes Verfahren ist die sogenannte Inline-Mi- schung. Hierbei erfolgt die Abmischung der Monomere in dem jeweils gewünschten Monomerverhältnis kurz vor ihrer Zufuhr in den Polymerisationsreaktor. Diese Methode hat sich auch dann bewährt, wenn die Monomere in Form einer wässrigen Monomeremulsion der Polymerisationsreaktion zugeführt werden. Hierbei ist es erforderlich, dass die zu polymerisierenden Monomere in dem jeweils gewünschten Mengenverhältnis kurz vor der Zufuhr in den Reaktor in der wässrigen Phase emulgiert werden (sog. Inline-Emulgierung) . Verfahren zur Inline-Emulgierung sind aus dem Stand der Technik, z.B. aus der WO 98/23650 bekannt. Die Inline-Emulgierung erfolgt dabei in der Regel durch Vermischen des Wassers, der oberflächenaktiven Substanz und der zu polymerisierenden Monomere M zu einer Emulsion in einer üblichen Mischvorrichtung. Derartige Misch- Vorrichtungen umfassen in der Regel einen dynamischen und/oder einen statischen Mischer. Bevorzugte Mischer sind sogenannte In- line-Mischer, insbesondere Rohrdurchlaufmischer, Zahnkranzdisper- giermaschinen, die gegebenenfalls in Kombination mit einem statischen Mischer verwendet werden. Die Zufuhr der Komponenten in den Mischer erfolgt in der Regel über getrennte Zuläufe, die mit Dosierventilen ausgestattet sind, was eine einfache Einstellung der Zusammensetzung des Monomerzulaufs ermöglicht. Wegen weiterer Details zu Mischern für die Inline-Emulgierung sei hiermit auf die Offenbarung der WO 98/23650 verwiesen.
Als radikalische Polymerisationsinitiatoren kommen grundsätzlich sowohl anorganische Peroxide und Hydroperoxide, z.B. Wasserstoffperoxid, Peroxodisulfate wie Natriumperoxodisulfat, Ammoniumpero- xodisulfat, sowie organische Peroxide oder Hydroperoxide, z.B. tert . -Butylhydroperoxid als auch Azoverbindungen in Betracht. Bevorzugte Initiatoren sind Natriumperoxodisulfat oder Ammonium- peroxodisulfat . Bevorzugt sind weiterhin Redoxinitiatorsysteme, die aus wenigstens einem organischen Reduktionsmittel und wenigstens einem Peroxid und/oder Hydroperoxid zusammengesetzt sind. Beispiele hierfür sind Kombinationen aus tert .-Butylhydroperoxid mit Ascorbinsäure oder mit wenigstens einer Schwefelverbindung, z.B. das Natriumsalz der Hydroxymethansulfinsäure, Natriumsulfit, Natriumdisulfit, Natriumthiosulfat oder Acetonbisulfit-Addukt ; oder Kombinationen aus Wasserstoffperoxid mit Ascorbinsäure oder mit wenigstens einer der vorgenannten Schwefelverbindungen. Die Redoxinitiatorsysteme können weiterhin eine geringe Menge einer im Polymerisationsmedium löslichen Metallverbindung enthalten,
deren metallische Komponente in mehreren Wertigkeitsstufen auftreten kann, Eisen( II)sulfat gegebenenfalls zusammen mit EDTA, Vanadiumsalze etc. Vorzugsweise beträgt die Menge der eingesetzten radikalischen Initiatorsysteme, bezogen auf die Gesamtmenge der zu polymerisierenden Monomere, 0,1 bis 5 Gew.-%.
Gegebenenfalls setzt man bei der Polymerisation solche Substanzen ein, die das Molekulargewicht der Polymerisate erniedrigen. Derartige Substanzen werden in der Regel in Mengen bis zu 1 Gew.-%, bezogen auf die Monomere M, eingesetzt. Vorzugsweise werden die Molekulargewichtsregler, sofern erwünscht, in einer Menge von 0,01 bis 0,5 Gew.-%, bezogen auf die Monomere M eingesetzt. Sie werden in der Regel während der Polymerisation der Polymerisationsreaktion zugeführt, z.B. über einen separaten Zulauf als Re- glerlösung oder in den zugeführten Monomeren. Beispiele für Molekulargewichtsregler sind organische Schwefelverbindungen, Silane, halogenierte Kohlenwasserstoffe, Allylalkohole und Aldehyde. Bevorzugte Molekulargewichtsregler sind solche mit einer Thiol- gruppe z.B. Thiolglycolsäure, Thiolglycolsäurealkylester, Mercap- toethanol und lineare oder verzweigte Alkylmercaptane wie tert.- Butylmercaptan und tert .-Dodecylmercaptan.
Für die Durchführung der Emulsionspolymerisation geeignete grenzflächenaktive Substanzen sind die üblicherweise für diese Zwecke eingesetzten Schutzkolloide und Emulgatoren. Die grenzflächenaktiven Substanzen werden üblicherweise in Mengen bis zu 10 Gew.-%, vorzugsweise 0,1 bis 5 Gew.-% und insbesondere 0,5 bis 4 Gew.-%, bezogen auf die zu polymerisierenden Monomere eingesetzt.
Geeignete Schutzkolloide sind beispielsweise Polyvinylalkohole, Stärke- und Cellulosederivate oder Vinylpyrrolidon enthaltende Copolymerisate. Eine ausführliche Beschreibung weiterer geeigneter Schutzkolloide findet sich in Houben-Weyl, Methoden der organischen Chemie, Band XIV/1, Makromolekulare Stoffe, Georg-Thieme- Verlag, Stuttgart 1961, S. 411-420. Auch Gemische aus Emulgatoren und/oder Schutzkolloiden können verwendet werden. Vorzugsweise werden als grenzflächenaktive Substanzen ausschließlich Emulgatoren eingesetzt, deren relative Molekulargewichte im Unterschied zu den Schutzkolloiden üblicherweise unter 2000 liegen. Bevorzugt wird wenigstens ein anionischer Emulgator, gegebenenfalls in Kombination mit einem nichtionischen Emulgator verwendet.
Zu den anionischen Emulgatoren zählen Alkali- und Ammoniumsalze von Alkylsulfaten (Alkylrest: Cg-Cι2), von Dialkylestern der Sul- fobernsteinsäure (Alkylrest: C -Cχo), von Schwefelsäurehalbestern ethoxylierter Alkanole (EO-Grad: 2 bis 50, Alkylrest: Ci2 bis C18) und ethoxylierter Alkylphenole (EO-Grad: 3 bis 50, Alkylrest:
C4-Cιo)r von Alkylsulfonsäuren (Alkylrest: Cι2-Cιs) und von Alkyla- rylsulfonsäuren (Alkylrest: Cg bis C s). Zu den anionischen grenzflächenaktiven Substanzen zählen auch Mono- und Dialkylderivate von Sulfonylphenoxybenzolsulfonsäure-Salzen, insbesondere von de- ren Natrium-, Kalium- oder Calciumsalze. Die Alkylgruppen in diesen Verbindungen weisen in der Regel 6 bis 18 und insbesondere 6, 12 oder 16 C-Atome auf. Häufig werden technische Gemische verwendet, die einen Anteil von 50 bis 90 Gew.-% des monoalkylierten Produktes aufweisen. Diese Verbindungen sind allgemein bekannt, z.B. aus der US-A-4,269, 749, und im Handel erhältlich, beispielsweise als Dowfax® 2Al (Warenzeichen der Dow Chemical Company) .
Geeignete nichtionische Emulgatoren sind araliphatische oder ali- phatische nichtionische Emulgatoren, beispielsweise ethoxylierte Mono-, Di- und Trialkylphenole (EO-Grad: 3 bis 50, Alkylrest: C -Cg), Ethoxylate langkettiger Alkohole (EO-Grad: 3 bis 50, Alkylrest: C8-C36), sowie Polyethylenoxid/Polypropylenoxid-Blockco- polymere. Bevorzugt werden Ethoxylate langkettiger Alkanole (Alkylrest: Cιo-C2 , 'mittlerer Ethoxylierungsgrad: 3 bis 50) und da- runter besonders bevorzugt solche auf Basis von Oxoalkoholen und nativen Alkoholen mit einem linearen oder verzweigten Cι2-Cιs-Al- kylrest und einem Ethoxilierungsgrad von 8 bis 50.
Weitere geeignete Emulgatoren finden sich in Houben-Weyl, Metho- den der organischen Chemie, Band XIV/1, Makromolekulare Stoffe, Georg-Thieme-Verlag, Stuttgart, 1961, S. 192-208.
Bevorzugt umfassen die für die Herstellung der erfindungsgemäßen Polymerdispersionen verwendeten oberflächenaktiven Substanzen we- nigstens einen anionischen Emulgator. Für die Stabilität der erfindungsgemäßen Polymerdispersionen, insbesondere gegenüber mechanischen Belastungen wie Scherkräften, hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn bei der Herstellung der erfindungsgemäßen Dispersionen wenigstens ein Salz eines Dialkylesters der Sulfo- bernsteinsäure (linearer oder verzweigter C4-C10- und insbesondere Cg-Alkylrest) , vorzugsweise ein Alkalimetallsalz und insbesondere das Natriumsalz eingesetzt wird, oder ein solches Salz im An- schluss an die Polymerisationsreaktion der fertigen Polymerdispersion zugesetzt wird.
Das Polymerisationsmedium kann sowohl nur aus Wasser, als auch aus Mischungen aus Wasser und damit mischbaren organischen Flüssigkeiten, wie Methanol, Ethanol, n-Propanol, iso-Propanol, n-Bu- tanol, tert .-Butanol, Tetrahydrofuran, Formamid, Dimethylforma- mid, bestehen, wobei der Anteil dieser Flüssigkeiten, bezogen auf das Polymerisationsmedium üblicherweise weniger als 10 Gew.-%
ausmacht. Vorzugsweise wird nur Wasser als Polymerisationsmedium verwendet .
Neben der saatfreien Herstellungsweise kann zur Einstellung einer definierten Polymerteilchengröße die Emulsionspolymerisation nach dem Saatlatex-Verfahren oder in Gegenwart von in situ hergestelltem Saatlatex erfolgen. Verfahren hierzu sind bekannt und können dem Stand der Technik entnommen werden (siehe EP-B 40 419, EP-A-614 922, EP-A-567 812 und dort zitierte Literatur sowie 'En- cyclopedia of Polymer Science and Technology', Vol. 5, John Wiley & Sons Inc., New York 1966, S. 847).
Bei dem Saatlatex-Verfahren wird die Polymerisation üblicherweise in Anwesenheit von 0,001 bis 3 Gew.-% und insbesondere 0,01 bis 1,5 Gew.-% eines Saatlatex (Feststoffgehalt des Saatlatex, bezogen auf Gesamtmonomermenge) , vorzugsweise mit vorgelegtem Saatlatex (Vorlagensaat ) durchgeführt. Der Latex weist in der Regel eine gewichtsmittlere Teilchengröße von 10 bis 300 nm und insbesondere 20 bis 150 nm auf. Seine konstituierenden Monomere sind in der Regel Monomere M2 , beispielsweise Styrol, Methylmethacry- lat, n-Butylacrylat und Mischungen davon, wobei der Saatlatex in untergeordnetem Maße auch Monomere Ml und/oder M3 , vorzugsweise weniger als 10 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Polymerisatteilchen im Saatlatex, einpolymerisiert enthalten kann.
Vorzugsweise arbeitet man in Anwesenheit wenigstens eines Saatlatex oder stellt diesen durch Polymerisation eines Teils der Monomere M, z. B. 0,01 bis 20 %, vorzugsweise 0,02 bis 10 % in der Initiierungsphase (bzw. Anpolymerisationsphase) der Polymerisa- tion her (sogenannte in situ-Saatfahrweise) .
Eine Initiierungsphase durch Zugabe eines Teils der Initiatormenge in der oben beschriebenen Weise kann selbstverständlich auch in Anwesenheit eines separat hergestellten Saatlatex mit oder ohne Zugabe zusätzlicher Monomere M durchgeführt werden.
Häufig gibt man als Initiierungsphase eine Teil des Initiators zu dem in der Vorlage befndlichen Saatlatex.
Zur Entfernung der Restmonomere wird üblicherweise im Anschluss an die letzte Polymerisationsstufe eine Desodorierung auf physikalischem Wege, z.B. durch Abdestillieren der flüchtigen Monomere mit Wasserdampf, oder auf chemischem Wege durchgeführt. Bei der chemischen Desodorierung wird nach Ende der eigentlichen Emulsionspolymerisation, d.h. nach einem Umsatz der Monomeren von mindestens 95 %, oder nachdem der Restmonomergehalt durch physi-
kaiische Desodorierung auf einen Wert < 5 Gew.-% abgesenkt wurde, weiterer Initiator, z.B. ein Redoxinitiator zugesetzt.
Es wurde überraschenderweise gefunden, dass das erfindungsgemäße Verfahren d.h. eine Änderung der Rate, mit der der Initiator der Polymerisationsreaktion zugeführt wird, bei den erhaltenen Polymeren zu eine Verbreiterung der Molekulargewichtsverteilung und damit zu einer erhöhten Polydispersität MW/MN führt. Die Polydis- persität MW/MN spiegelt die Molekulargewichtsverteilung der Polymerketten wider und wird Üblicherweise als das Verhältnis von gewichtsmittlerem Molekulargewicht Mw zu zahlenmittlerem Molekulargewicht N definiert. Die Molekulargewichtsverteilung kann durch das bekannte Verfahren der Gelpermeationschromatographie (GPC), das in den Beispielen beschrieben wird, bestimmt werden. Die Molekulargewichtsverteilung der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlichen Polymere ist in der Regel durch eine Polydispersität oberhalb 35 charakterisiert.
Die erfindungsgemäßen Polymerdispersionen sind beispielsweise als Dichtungs- oder Beschichtungsmassen, als Bindemittel für Dispersionsfarben oder kunstharzgebundene Putze, zur Modifizierung mineralischer Bindebaustoffe, wie Beton, Lehm oder Ton, zur Behandlung von Leder oder Textilien, zur Verfestigung von Faservliesstoffen, insbesondere als Klebstoffe sowie als Klebstoffkompo- nente, d.h. als Klebrohstoff, für KlebstoffZubereitungen, insbesondere für wässrige KlebstoffZubereitungen, z. B. in Bauklebern, wie Teppich- oder Fliesenklebern, Haftklebstoffen und sonstigen KlebstoffZubereitungen auf Basis wässriger Polymerdispersionen geeignet. So zeichnen sich die erfindungsgemäßen Polymerdisper- sionen durch ein ausgewogenes Verhältnis von Haftung des Kleb- Stoffs auf dem zu verklebenden Substrat und innerer Festigkeit des Klebefilms aus. Dieses Eigenschaftsprofile macht die erfindungsgemäßen Polymerdispersionen besonders geeignet als Haftklebstoffe bzw. als Klebrohstoffe für Haftkleber. Demnach betrifft die vorliegende Erfindung auch die Verwendung der erfindungsgemäßen wässrigen Polymerdispersionen als Klebstoffe und Klebrohstoffe, insbesondere als Haftklebstoffe.
Die erfindungsgemäßen Polymerisatdispersionen können als solche oder nach Konfektionierung mit üblichen Hilfsstoffen eingesetzt werden. Übliche Hilfsstoffe sind beispielsweise Netzmittel, Verdicker, Entschäumer, Weichmacher, Pigmente, Füllstoffe, Schutzkolloide, Lichtschutzstabilisatoren und Biozide.
Bei Verwendung als Haftklebstoffe können den erfindungsgemäßen Polymerdispersionen als Hilfstoffe auch Tackifier, d.h. klebrigmachende Harze zugesetzt werden. Tackifier sind beispielsweise
Die im Folgenden angegebenen Beispiele sollen die Erfindung verdeutlichen ohne sie einzuschränken.
I Herstellungsbeispiele:
1.1 Vergleichsbeispiel VI:
In einem Polymerisationsreaktor wurden 3,636 g einer Styrol- saat (Durchmesser ca. 30 nm, 33%ig) in 200 g Wasser auf 90 °C unter Rühren erwärmt. Hierzu gab man innerhalb 2 min unter
Rühren 10 % (d. h. 6,88 g) einer Lösung von 4,80 g Natriumpe- roxodisulfat in 64 g Wasser (Initiatorlösung; Konzentration 7 Gew.-%). Nach 5 min startete man Zulauf 1 und gab ihn innerhalb von 270 min in den Polymerisationsreaktor. Zeitgleich mit Zulauf 1 wurde die Zugabe der restlichen 90 % der Initiatorlösung gestartet und innerhalb von 270 min mit konstanter Zulaufgeschwindigkeit in den Polymerisationsreaktor gegeben. Nach Beendigung des Zulaufs 1 wurden zur Desodorierung bei 90 °C unter Rühren zeitgleich 3,5 g einer 70 %igen Lösung von tert .-Butylhydroperoxid in 20,6 g Wasser sowie eine Lösung von 2,4 g Natriumdisulfit in einer Mischung aus 24,8 g Wasser und 1,44 g Aceton zudosiert. Zu der so erhaltenen Mischung gab man bei 90 °C in 15 min 16,8 g einer wässrigen Lösung (50 %ig) eines Sulfobernsteinsäuredioktylesters . Der Feststoffge- halt der Dispersion wurde auf 56 % eingestellt.
Zulauf 1:
596, 1 g Wasser 40,0 g Emulgatorlösung 1
5,3 g Emulgatorlösung 2
24,0 g einer 10 %igen wässrigen Lösung von Natronlauge
6,5 g Acrylsäure AS
26,0 g Hydroxypropylacrylat HPA 104,4 g Methylmethacrylat MMA
26,0 g Styrol S
1037,0 g 2-Ethylhexylacrylat EHA
Emulgatorlösung 1: 30 %ige wässrige Lösung des Natriumsalzes des Schwefelsäurehalbesters von mit 30 Ethylenoxideinheiten ethoxiliertem Dodecanol (Disponil FES77)
Emulgatorlösung 2: einer 45 %igen wässrigen Lösung des Natriumsalzes des mit einem Cι2-Cχ -Alkylrest und mit zwei Sul- fonylresten derivatisierten Diphyenlethers (Dowfax 2A1 )
1.2 Erfindungsgemäßes Beispiel El "steigender Gradient NaPS":
Die Umsetzung erfolgte in der für Vergleichsbeispiel VI beschriebenen Weise, wobei 10 % der Initiatorlösung (4,8 g Na- triumperoxodisulfat in 187,4 g Wasser) und die übrigen 90 % der Initiatorlösung als Zulauf 2 zeitgleich beginnend mit der Monomerzugabe in 30-Minuten-Intervallen wie folgt dosiert wurden:
2g, 6g, 11g, 15g, 19g, 24g, 28g, 32g, 36g in jeweils 30 min.
1.3 Erfindungsgemäßes Beispiel E2 "fallender Gradient Acrylsäure, steigender Gradient NaPS":
Die Herstellung erfolgte wie in Beispiel 1 beschrieben, je- doch wurde der Monomerzulauf 1 in einen Zulauf 1 und einen Zulauf 3 aufgeteilt.
Zulauf 1:
236,7 g Wasser 20,0 g Emulgatorlösung 1
2,7 g Emulgatorlösung 2
12,0 g einer 10 %igen wässrigen Lösung von Natronlauge
6,5 g Acrylsäure AS
13.0 g Hydroxypropylacrylat HPA 52,2 g Methylmethacrylat MMA
13,0 g Styrol S
518,5 g 2-Ethylhexylacrylat EHA
Zulauf 3 : 236,0 g Wasser
20,0 g Emulgatorlösung 1
2,7 g Emulgatorlösung 2
12,0 g einer 10 %igen wässrigen Lösung von Natronlauge
13,0 g Hydroxypropylacrylat HPA 52,2 g Methylmethacrylat MMA
13,0 g Styrol S
518,5 g 2-Ethylhexylacrylat EHA
Die Zuläufe 1/3 wurden wie folgt dosiert: 184g/llg, 162g/32g, 140g/54g, 119g/75g, 97g/96g, 76g/118g, 54g/139g, 32g/161g, llg/182g in jeweils 30 Minuten.
Zulauf 2 wie folgt: 2g, 6g, 11g, 15g, 19g, 24g, 28g, 32g, 36g in jeweils 30 min.
.4 Vergleichsbeispiel V2 "fallender Gradient Acrylsäure, steigender Gradient Styrol":
Die Herstellung erfolgte wie in Vergleichsbeispiel VI be- schrieben, jedoch wurde der Monomerzulauf 1 in einen Zulauf 1 und einen Zulauf 3 aufgeteilt.
Zulauf 1:
295.0 g Wasser 20,0 g Emulgatorlösung 1 2,7 g Emulgatorlösung 2 12,0 g einer 10 %igen wässrigen Lösung von Natronlauge
6,5 g Acrylsäure AS 13,0 g Hydroxypropylacrylat HPA 52,2 g Methylmethacrylat MMA
518,5 g 2-Ethylhexylacrylat EHA
Zulauf 3:
301.1 g Wasser 20,0 g Emulgatorlösung 1 2,7 g Emulgatorlösung 2
2,0 g einer 10 %igen wässrigen Lösung von Natronlauge 13,0 g Hydroxypropylacrylat HPA 52,2 g Methylmethacrylat MMA 26,0 g Styrol S
518,5 g 2-Ethylhexylacrylat EHA
Die Zuläufe 1/3 wurden wie folgt dosiert: 193g/12g, 170g/35g, 148g/58g, 125g/82g, 102g/105g, 79g/128g, 57g/152g, 34g/175g, llg/198g in jeweils 30 Minuten.
1.5 Erfindungsgemäßes Beispiel E3 "fallender Gradient Acrylsäure, steigender Gradient S, steigender Gradient NaPS":
Die Herstellung erfolgte wie in Beispiel 1 beschrieben, jedoch wurde der Monomerzulauf 1 in einen Zulauf 1 und einen Zulauf 3 aufgeteilt.
Zulauf 1: 235,0 g Wasser
20,0 g Emulgatorlösung 1
2,7 g Emulgatorlösung 2
12,0 g einer 10 %igen wässrigen Lösung von Natronlauge
6,5 g Acrylsäure AS 13,0 g Hydroxypropylacrylat HPA
52,2 g Methylmethacrylat MMA
518,5 g 2-Ethylhexylacrylat EHA
Zulauf 3:
237,7 g Wasser 20,0 g Emulgatorlösung 1
2,7 g Emulgatorlösung 2
12,0 g einer 10 %igen wässrigen Lösung von Natronlauge
13,0 g Hydroxypropylacrylat HPA
52,2 g Methylmethacrylat MMA 26,0 g Styrol S
518,5 g 2-Ethylhexylacrylat EHA
Die Zuläufe 1/3 wurden wie folgt dosiert: 180g/llg, 159g/33g, 138g/54g, 117g/76g, 96g/98g, 74g/120 g, 53g/142g, 32g/163g, llg/185g in jeweils 30 Minuten.
Zulauf 2 wie folgt: 2g, 6g, 11g, 15g, 19g, 24g, 28g, 32g, 36g in jeweils 30 min.
1.6 Beispiel E4 "fallender Gradient Acrylsäure, fallender Gradient Styrol, steigender Grandient NaPS":
Die Herstellung erfolgte wie in Beispiel 1 beschrieben, jedoch wurde der Monomerzulauf 1 in einen Zulauf 1 und einen Zulauf 3 aufgeteilt.
Zulauf 1: 240,0 g Wasser 20,0 g Emulgatorlösung 1 2,7 g Emulgatorlösung 2
12,0 g einer 10 %igen wässrigen Lösung von Natronlauge
6,5 g Acrylsäure AS 13,0 g Hydroxypropylacrylat HPA 52,2 g Methylmethacrylat MMA 26,0 g Styrol S
518,5 g 2-Ethylhexylacrylat EHA
Zulauf 3:
232 , 7 g Wasser 20,0 g Emulgatorlösung 1
2,7 g Emulgatorlösung 2
2,0 g einer 10 %igen wässrigen Lösung von Natronlauge
13,0 g Hydroxypropylacrylat HPA
52,2 g Methylmethacrylat MMA 518,5 g 2-Ethylhexylacrylat EHA
Die Zuläufe 1/3 wurden wie folgt dosiert: 187g/llg, 165g/32g, 143g/53g, 121g/74g, 99g/95g, 77g/115g, 55g/136g, 33g/157g, llg/178g in jeweils 30 Minuten.
Zulauf 2 wie folgt: 2g, 6g, 11g, 15g, 19g, 24g, 28g, 32g, 36g in jeweils 30 min.
II Anwendungstechnische Prüfung:
a) Herstellung der Prüfstreifen
Die zu prüfende Dispersion wird mit einer Rakel in dünner Schicht auf ein silikonisiertes Papier aufgetragen und 3 min bei 90 °C getrocknet. Die Spalthöhe der Rakel wird dabei so gewählt, dass sich für den getrockneten Klebstoff eine Auftragsmenge von 19 - 21 g/m2 ergibt. Auf den getrockneten Klebstoff wird handelsübliche OPP-Folie (Stärke 30 μ, vorbehandelt) aufgelegt und mit einem Handroller fest angerollt. Das so hergestellte Folienlaminat wird in Streifen von 2,5 cm Breite geschnitten. Diese Streifen werden vor der Prüfung mindestens 24 h im Normklima gelagert.
b) Prüfung der Scherfestigkeit (K, in Anlehnung an FINAT FTM 7)
Nach Abziehen des silikonisierten Papiers wird der Prüfstreifen so auf den Rand eines Prüfblechs aus Afera verklebt, dass sich eine Verklebungsflache von 6,25 cm2 ergibt. 10 Minuten nach dem Verkleben wird am überstehenden Ende der Folie ein 1000 g-Gewicht befestigt und das Prüfblech senkrecht aufge- hängt. Umgebungsbedingungen: 23 °C, 50 % relative Luftfeuchtigkeit. Als Scherfestigkeit wird die Zeit bis zum Versagen der Verklebung unter Einfluss des Gewichts als Mittelwert aus den Ergebnissen von zwei Prüfkörpern in Minuten angegeben.
c) Prüfung der Schälfestigkeit (in Anlehnung an FINAT FTM 1)
Nach Abziehen des silikonisierten Papiers wird ein 2,5 cm breiter Prüfstreifen auf ein Prüfblech aus Stahl und auf Po- lyethylen verklebt. Umgebungsbedingungen: 23 °C, 50 % rela- tive Luftfeuchtigkeit. 1 Minute nach der Verklebung wird der Streifen mit Hilfe einer Zugprüfmaschine in einem Winkel von 180° mit einer Geschwindigkeit von 300 mm/min abgezogen. Als Schälfestigkeit wird die dafür im Mittel erforderliche Kraft in N/2, 5 cm angegeben.
Zusätzlich wird das Bruchbild beurteilt. Dabei bedeuten: A = adhäsiver Bruch, kein Rückstand auf dem Edelstahlblech
K = kohäsiver Bruch (Trennung im Klebstoff]
Tabelle 1: Klebewerte
S (Afera) : Schälfestigkeit auf Stahl, sofort, K: Kohäsion in [min] auf Afera, BB: Bruchbild
III Molekulargewichtsverteilung:
Die Molekulargewichtsverteilungen der Polymere der Herstellungsbeispiele wurden mittels Gelpermeationschromatographie (GPC) bestimmt. Die GPC erfolgte an 3 Säulen vom Typ mixed B (1 = 300 mm, d = 7,5 mm, beladen mit PL-gel von Polymer Laboratories), die in Reihe geschaltet waren. Als mobile Phase diente Tetrahydro- furan (analytical grade). Die Proben wurden mit entionisiertem Wasser auf einen Feststoffgehalt von 0,25 Gew.-% verdünnt und bei einer Fliessgeschwindigkeit von 1,0 ml/min bei 21 °C chromatogra- phiert. Die Detektion erfolgte mittels UV-Spektrometrie bei einer Wellenlänge von 254 nm und über den Brechungsindex. Kommerzielle Polystyrol-Standards (Polymer Laboratories, Molekulargewicht 500 - 10.000.000 Dalton) wurden zur Kalibrierung eingesetzt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 zusammengestellt.
Tabelle 2: