Diagnose-Kit, DNS-Chip sowie Verfahren zur Diagnostik oder Behandlungskontrolle bei Hodenkrebs
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Diagnose-Kit, einen DNS-Chip sowie ein Verfahren zur Diagnostik oder Behandlungskontrolle bei Hodenkrebs. I - Rahmen der Krebsvor- und -nachsorge ist es von großer Wichtigkeit, maligne Hodentu ore bzw. rezidive maligne Hodentumore anhand des Auftretens metastasierender Tumo Zeilen im Blut frühzeitig nachweisen zu können.
Hodenkrebs ist für weniger als 2% aller bösartigen Neubildungen von Tumoren beim Mann verantwortlich. Allerdings handelt es sich bei 20-30% aller Krebser- krankungen unter 40jähriger Männer um Hodenkrebs. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland beträgt ca. 3600, wobei ca. 240 Männer an Hodenkrebs sterben. Die höchste Inzidenz findet man dabei zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr. Durch den Fortschritt in der onkologi-
sehen Therapie können heute über 90% aller Betroffenen langfristig geheilt werden. Die hohen Überlebens- raten begründen sich dabei in der ausgeprägten Wirksamkeit der cis-Platin-basierenden Chemotherapien.
Dabei gilt es, im klinischen Stadium 1 der Erkrankung zu entscheiden, ob der Patient mit einer Chemotherapie und/oder mit einer Operation belastet werden muß, um einen dauerhaften Heilungserfolg zu erzielen. Eine große Anzahl von Patienten wird dabei chemotherapeutisch behandelt, obwohl kein gesicherter Nachweis einer Metastasierung vorliegt. In den Konzepten, die auf einer reinen Überwachung aufbauen, kommt es jedoch in 25% der Fälle zu Rezidiven mit zum Teil töd- liehern Ausgang.
Bei den derzeit angewandten Untersuchungsmethoden werden bei Krebspatienten sogenannte Tumormarker auf Proteinebene (immunologisch bzw. enzymatisch) quanti- tativ im Blut oder in anderen Körperflüssigkeiten ermittelt. Diese Nachweisverfahren sind jedoch für die Tumordiagnostik bzw. Behandlungskontrolle/Nachsorge bei Hodentumor nur bedingt geeignet, da erhöhte Tu- mormarkerwerte in .Körperflüssigkeiten auch durch nichttumoröse Erkrankungen, wie beispielsweise Entzündungen des Magen-Darm-Traktes, Leberzirrhose, Virusinfekte oder starkes Rauchen hervorgerufen werden •können .
Molekulargenetische Verfahren erscheinen hier für den Nachweis von Tumorzellen im peripheren Blut hilfreich, da am Beginn des Metastasierungsprozesses der Übertritt von Tumorzellen ins venöse Blut stehen kann.
Die EP 0 520 794 Bl offenbart ein derartiges Verfahren, bei dem Metastasierungen in Körpergeweben oder Flüssigkeiten erfaßt werden. Dabei werden Nukleinsäuren erfaßt, beispielsweise mittels Vervielfältigung durch Polymerase-Kettenreaktion. Das Verfahren beruht nun entscheidend darauf, daß die nachgewiesene Nu- kleinsäuresequenz in Zellen des Herkunftsgewebes eines Tumors exprimiert wird, d.h. in Tumorzellen und markec- abhängig auch in den gesunden Zellen des Her- kunftsgewebes. Weitere Bedingung ist, daß diese Sequenz jedoch nicht in denjenigen Zellen exprimiert wird, deren Gewebe untersucht wird. Wird also eine entsprechende Sequenz in der untersuchten Probe gefunden, so muß diese von verschleppten, d.h. metasta- sierenden Zellen eines ortsfremden Tumors herrühren. Damit beruht dieses Verfahren letztlich auf dem Nachweis von Zellen, die in der Blutprobe ~von gesunden Personen nicht vorkommen sollten.
Insgesamt ist festzustellen, daß die derzeit verwendeten diagnostischen Methoden zu ungenau sind, wenn es um die Beurteilung der malignen Potenz von Resttumoren nach durchgeführter Chemotherapie in den meta- stasierenden Stadien geht. Es gilt also weiterhin, Nachweise für eine okkulte bzw. restliche Metastasie- rung zu finden, die eine rechtzeitige Einordnung in die vielfältigen primär kurativen therapeutischen Optionen zulassen.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein Verfahren, ein Diagnose-Kit sowie einen Nukleinsäure- Mikroarray zur Verfügung zu stellen, mit denen Tumorzellen bei Hodentumorerkrankungen im peripheren Blut nachgewiesen werden können.
Diese Aufgabe wird durch das Diagnose-Kit nach Anspruch 1, den Mikroarray nach Anspruch 20 sowie das Verfahren nach Anspruch 22 und deren Verwendung nach Anspruch 45 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Diagnose-Kits, Mikroarrays, Verfahrens oder der Verwendungen werden in den jeweiligen abhängigen Ansprüchen gegeben.
Die vorliegende Erfindung beruht im wesentlichen dar- auf, daß nicht etwa auf immunologischer oder enzyma- tischer Ebene Hodentumormarker im Blut von Patienten nachgewiesen werden, sondern daß die mRNS (Messenger- Ribonukleinsäure) von Hodentumormarkern in einer Blutprobe nachgewiesen wird, wobei die Tumormarker eine tumorassoziierte Genexpression darstellen. Als Marker für Hodentumoren werden erfindungsgemäß die Plazenta-spezifische alkalische Phosphatase (PLAP) und die Keimzeil-spezifische alkalische Phosphatase (GCAP) , die bei Hodentumoren exprimiert werden, das epitheliale Glycoprotein (GA733__2 oder EGP40) , das high-mobility group protein Isoform I-C (HMGI-C) sowie der Gastrin freisetzendes Peptid-Rezeptor (GRPR) erfaßt. Der Nachweis kann dabei für nur einen der Marker oder auch für eine beliebige Anzahl dieser vier Hodentumorenmarker in Kombination miteinander durchgeführt werden, wobei jedoch zumindest ein Nachweis der mRNA der Marker GA733.2 und/oder GCAP/PLAP erfolgt.. Das erfindungsgemäße Kit kann daher Oligonu- kleotidpaare für nur einen oder eine beliebige Aus- wähl oder auch alle der vier Hodentumormarker enthalten.
Dadurch werden alle diejenigen Fälle nicht erfaßt, bei denen beispielsweise aufgrund von anderen Krank- heiten ebenfalls die Hodentumormarker im Ursprungsgewebe exprimiert und als Protein in die Blutbahn ge-
langen. Es werden folglich lediglich Zellen erfaßt, die zum einen sich selbst in der Blutprobe befinden und zum anderen den jeweiligen Hodentumormarker ex- primieren. Dabei handelt es sich folglich um Tumor- zellen, die aus ihrem ursprünglichen Hodentumorgewebe stammen und in das Blut der Patienten verschleppt wurden. Da im Blut nicht an einem Hodentumor Erkrankter die mRNA der untersuchten Marker nicht exprimiert wird, zeigt sich eine direkte Korrelation zwischen dem Auftreten der zugehörigen mRNA und einer Metasta- sierung schon im frühen Stadium im Metastasierungs- prozeß .
Vorteilhafterweise wird nicht nur die mRNS eines ein- zelnen Hodentu ormarkers erfaßt sondern eine Kombination von Markern untersucht. Dadurch ist es möglich, beispielsweise alle Hodenkrebsformen über ihre im Blut metastasierenden Zellen erfassen zu können. Dies bedeutet, daß sowohl seminöse als auch nichtseminöse Hodenkrebsformen bzw. auch Mischtumore mit Anteilen eines Semino s und damit 90-95 % aller malignen Tumo- re des Hodens, nämlich sämtliche Keimzelltumoren, erfaßt werden.
Da einzelne Marker in therapieabhängiger Weise unterschiedlich exprimiert werden, ist es vorteilhaft, eine Kombination von Tumormarkern zu untersuchen, um alle im Blut zirkulierenden Tumorzellen zu erfassen. Hierdurch lassen sich Tumorzellen auch dann erkenn- nen, wenn die Expression eines bestimmten Markers bei einem Patienten bzw. in einem Krankheitsstadium relativ gering ist, was sonst zu einem vermeintlich negativen Ergebnis führen könnte. Die Verwendung weiterer Marker stößt jedoch meist deswegen auf Grenzen, weil mononukleäre Blutzellen eine Hintergrundexpression
(„illegitime Transkription ) aufweisen, die eine ex-
akte Analyse behindern.
Für die Erkennung von Hodenzellen wird daher erfindungsgemäß die folgende Kombination aus Markern vorgeschlagen:
- GA733.2
- GCAP/PLAP
- HMGI-C - GRPR,
wobei GA733.2 und/oder GCAP/PLAP für eine sichere Erkennung von Hodentumorzellen obligatorisch erfaßt werden müssen.
Bei der Anwendung von RT-PCR-Syste en zum Nachweis von Tumorzellen ist aufgrund der sehr hohen Amplifi- kationsrate die Spezifität ein kritischer Punkt. Geringste Kontaminationen, etwa durch Fremd-RNA oder untypische Transkription, können hierbei das Ergebnis verfälschen.
Zentral für die Qualität der als Nachweisbasis isolierten RNS und der daraus synthesitierten cDNS ist die Anreicherung der hierfür verwendeten Zellfraktion aus der verwendeten Blutprobe. Hierfür stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:
a) Anreicherung durch wiederholte Zentrifugation nach Erythrozytenlyse:
1 ml EDTA-Blut werden nach Zugabe von 5 Volumina Erythrozyten-Lysepuffer („QIAmp Blood Kitλ , Qia- gen; Hilden) für 20 Minuten auf Eis lysiert. Nach Abnehmen des Plas as/Lysates von den pelletierten
Zellen und Resuspension erfolgt eine erneute Zen-
trifugation bei 3000 x g für 20 Minuten. Nach Abnehmen des Überstandes steht die pelletierte Leukozytenfraktion für die RNA-Präparation zur Verfügung.
b) Anreicherung durch Dichtegradienten- Zentrifugation:
Mittels eines über Zentrifugation erzeugten Dich- tegradienten lassen sich Zellen unterschiedlicher mittlerer Volumendichte voneinander trennen. Mononukleare Blutzellen werden mittels eines Ficoll- Hypaque-Gradienten (Pharmacia, Uppsala, Schweden) separiert und anschließend zweifach mit PBS/1% FCS gewaschen.
c) Anreicherung mittels Antikörpermarkierung
Durch die Verwendung der Immunzytochemie mit mono- klonalen Antikörpern gegen Tumorzellantigene kann eine Steigerung der Spezifität des Tumorzell- Nachweises erzielt werden (Nachweisquote von 1 Tumorzelle auf 107 mononukleären Blutzellen) . Die Tumorzellen werden dabei mittels spezifischer An- tikörper bzw. einer Antikörpermischung von mononukleären Blutzellen getrennt. Die Trennung kann mittels Magnetpartikel (Dynal), an die die Antikörper gebunden werden, erfolgen. Dies wird im folgenden detaillierter beschrieben.
Eukaryontische Zellen tragen eine Vielzahl unterschiedlicher Moleküle an ihrer Zelloberfläche. Entsprechend des Ursprungs und der Funktion der einzelnen Zelle unterscheidet sich die Kombination der exprimierten Oberflächenmoleküle, so daß zell- typ-spezifische Muster entstehen. Zur' Erkennung
dieser zelltyp-spezifischen Muster werden Antikörper genutzt. Antikörper binden mit hoher Spezifi- tät an ihr Antigen, hier an ausgewählte Oberflächenmoleküle. Diese Eigenschaft wird genutzt, um Zellen mittels spezifischer Antikörperbindung anhand ihrer Zelltyp-spezifischen Muster zu erkennen und voneinander zu unterscheiden.
Die Expression spezieller Oberflächenproteine un- terscheidet Tumorzellen von nichttransfor ierten
Zellen dieses Zelltyps. Da sich dieses spezielle Muster der Oberflächen-Antigene bei Tumorzellen auch von den Blutzeil-typischen Mustern unterscheidet, können Tumorzellen im Blut unter- schieden werden. Um Tumorzellen zu identifizieren, werden Antikörper, die diese speziellen Oberflächenproteine spezifisch erkennen, als Werkzeuge genutzt. Die spezifische Antikörperbindung wird für verschiedene Analyse- und Separations-Methoden nutzbar gemacht.
Aufgrund der intensiven Bindung von speziell dafür selektionierten Immunglobulinen ist neben der Erkennung von Zellen über deren Oberflächenepitope auch eine Separierung der erkannten Zellen von nicht erkannten möglich.
Verschiedene Trennprinzipien sind möglich:
1. Trennprinzip beruhend auf Flüssigphase; z. B.
Durchflußzytometrie :
Für die durchflußzytometrische Analyse werden Antikörper mit Fluoreszenzfarbstoffen gekoppelt. Vereinzelte Zellen werden in einem konstanten
Flüssigkeitsstrom einzeln an einer Lichtquelle
(Laser) vorbeigeleitet. Bei Beleuchtung der Zellen werden die an den Antikörpern gebundenen Fluoreszenzfarbstoffe angeregt und strahlen Licht bestimmter Wellenlängen ab. Das abge- strahlte Licht wird detektiert und das gemessene
Signal digitalisiert gespeichert. Das Lichtsignal kann einzelnen Zellen zugeordnet werden. Die Antikörper-markierte Zelle wird so erkannt und kann nun von anderen Zellen getrennt werden. Zur Trennung werden die Zellen in kleinsten
Tropfen vereinzelt. Nach Erkennung der Antikörper-markierten Zelle wird der entsprechende Tropfen in ein Auffangbehältnis gelenkt.
Eine derartige Anreicherung kann beispielsweise durch FACS-Durchflußzytometrie erfolgen. Dabei werden beispielsweise die mononukleären Zellen aus der unter b) angereicherten Fraktion mit fluoreszenzmarkierten- mononuklearen Antikörpern gegen tumorspezifische Oberflächenproteine inkubiert. Die markierten Zellen werden zweifach mit PBS gewaschen und im Anschluß werden 107 Zellen in 1 ml PBS resuspendiert. Für die Isolierung der Tumorzellen wird ein FACS Vantage SE- Durchflußzytometer (Becton Dickinson) verwendet.
Über das CellQuest Programm erfolgen Datenaufnahme, Instrumentenkontrolle und Datenauswertung. Die sortierten Zellen werden in ein 1,5 l-Reaktionsgefäß (gefüllt mit 1 ml PBS) über- führt. Die RNS kann dann wie später beschrieben isoliert werden.
2. Trennprinzip beruhend auf Festphase; z. B. magnetische Separation:
Für die magnetische Separation werden Antikörper mit pseudomagnetischen Partikeln gekoppelt. Nach Einbringen der pseudomagnetischen Partikel in ein Magnetfeld wandern die Partikel im magnetischen Feld. Bei der Bewegung in diesem magnetischen Feld werden Zellen, an die diese gekoppelten Antikörper gebunden sind, mitgerissen und von anderen Zellen getrennt.
Zur Tumorzellenerkennung mittels Magnetpartikel werden folglich an pseudomagnetische Partikel, die eine definierte Anzahl an chemisch aktivierten Stellen auf ihrer Oberfläche besitzen, Anti- körper kovalent gekoppelt. Über die Spezifität der Antikörper wird die Spezifität der Trennung bestimmt. Eine Tumorzellen enthaltende Blutprobe wird mit Antikörper-gekoppelte Magnetpartikel versetzt; dann werden Partikel und Blut relativ zueinander bewegt, beispielsweise durch „Über-
Kopf-Rotieren in einem geschlossenen Behälter befindlicher Proben oder durch Bewegung der Partikel aufgrund wechselnder Magnetfelder. Jene (Tumor-) Zellen, die von den Festphase-gebundenen Antikörpern erkannt und damit fest gebunden werden, folgen der Bewegung der Partikel. Hierdurch 'ist es möglich, bei Anlegen eines magnetischen Feldes, die Partikel mit den daran gebundenen Zellen aus dem Blut herauszuziehen (z.B. an die Wand des Trenngefäßes) . Das auf diese Weise Tu- morzellen-depletierte Blut kann gegen andere Lösungen ausgetauscht werden, wobei die über Magnetpartikel separierten Zellen bis zum Abschalten/Entfernen des Magnetfeldes vor Ort verblei- ben und für weitere Anwendungen zur Verfügung stehen.
Vorteilhafterweise können für die Erkennung der Tumorzellen spezifische Antikörper-Mischungen verwendet werden, die entweder allgemein auf Tumorzellen oder auch spezifisch für Hodenzellen-Erkennung optimiert sind. Beispielsweise eignet sich zur Erkennung von Tumorzellen im Blut eine Kombination der Antikörper MOC-31 und Ber-EP4.
Tabelle A: Antikörper-Mischung 1
Mittels der Antikörpermischung in der vorhergehenden Tabelle A werden ganz allgemein Tumorzellen, jedoch mit hoher Spezifität erfaßt. Dies beruht auf der selektiven Expression bestimmter Oberflächenproteine, die Krebszellen von anderen Zellen unterscheidet.
Derartige Antikörpermischungen zeigen im Vergleich zu den jeweils separat eingesetzten Antikörpern bei der Zellerkennung und Zelltrennung unabhängig von der angewandten Methode eine erhöhte Sensitivität .
Im folgenden werden einige Beispiele erfindungsgemäßer Verfahren, hierzu verwendeter Diagnose-Kits und dergleichen beschrieben.
Es zeigen :
Fig. 1 den, Nachweis von PCR-Produkten mittels
Elektrophorese; und
Fig. 2 einen weiteren Nachweis von PCR-Produkten mittels Elektrophorese.
In einem ersten Schritt des erfindungsgemäßen Verfah- rens wird einem Patienten eine Blutprobe entnommen. Aus einem Milliliter dieses Vollblutes (als EDTA- Vollblut) erfolgt eine RNS-Aufarbeitung mit dem QIAampRNA-Blood Mini Kit™ (Firma Qiagen, Hilden) . Kontaminationen mit genomischer DNS werden durch ei- nen zusätzlichen DNS-Verdau mit dem RNase-Free DNase Set™, (Firma Qiagen, Hilden) auf der Säule vermieden.
Alternativ zur oben beschriebenen RNS-Isolierung ist es auch möglich, die isolierte Fraktion mononukleärer Blutkörpercen, wie sie oben beschrieben sind, in TRI- zol-Reagenz der Firma Gibco BRL, NY, USA aufzunehmen, zu lysieren und mittels Pipette zu homogenisieren. Anschließend wird die RNS-haltige wäßrige Phase aus einer Chloroform-Extraktion in Isopropanol bei -80°C gefällt. Nach zweimaligem Waschen in 80%igem Ethanol wird das Pellet an der Luft getrocknet und anschließend in RNase-freiem Wasser resuspendiert.
Anschließend wurde die RNS in einem entsprechenden Volumen Wasser zusammen mit Oligo (dT) ι5-Primern der Firma Promega, Mannheim für 5 Minuten bei 65 °C denaturiert und anschließend direkt auf Eis inkubiert. Es folgte eine cDNS-Synthese bei 37 °C für eine Stunde und eine nachfolgende Inaktivieruήg der zugegebenen reversen Transkriptase für 5 Minuten bei 93 °C und
Abkühlung auf Eis. Die gesamte reverse Transkription wurde mittels des Sensiskript™ Reverse Transkriptase Kit der Firma Qiagen, Hilden durchgeführt.
Der Reaktionsansatz für 20 μl für die cDNS-Synthese ist in der nachfolgenden Tabelle 1 angegeben.
Tabelle 1: Komponenten der cDNS-Synthese
Im Anschluß an die reverse Transkription wurde eine Multiplex-PCR mit ß-Aktin als interner Kontrolle durchgeführt. Der entsprechende Reaktionsansatz geht aus Tabelle 2 im folgenden hervor.
Tabelle 2: PCR-Ansatz
Die PCR-Synthese erfolgte in einem 20 μl-Reaktionsansatz
* enthält 15 mM MgCl2
** HotStar Taq™ DNA Polymerase, Fa. Qiagen, Hilden *** Q-Solution; Fa. Quiagen, Hilden;
(Der Zusatz von Q-Solution ist zum Nachweis von GCAP/PLAP notwendig) .
Als Primer wurden die in der folgenden Tabelle 3 zusammengefaßten PCR-Primer eingesetzt.
Tabelle 3: Liste der PCR-Primer
Diese Primer wurden in den in Tabelle 4 aufgelisteten Mengen und Kombinationen eingesetzt, die dort spaltenweise aufgeführt sind.
Tabelle 4: Auflistung der Pri ermengen und Pri- merkominationen
Die Multiplex-PCR wurde unter den in Tabelle 5 angegebenen Bedingungen und bei den in Tabelle 6 angegebenen markerspezifischen Annealingtemperaturen und Zyklenzahlen durchgeführt. In Tabelle 5 ist die An- nealingtemperatur mit x angegeben, wobei dabei jeweils die entsprechende Annealingtemperatur aus Tabelle 6 verwendet wurde.
Tabelle 5 PCR-Bedingungen
Vorabdenaturierung 95 ° C 15 min
Zyklus
1 . Denaturierung 94 °c 1 min
2 . Annealing x °c 1 min ( s . Tab . 6)
3 . Extension 72 °c 1 min
Finale Extension 72 °c 10 min
4 °c Pause
Tabelle 6: Marker-spezifische Annealingtemperatur und Zyklenzahl
1 μl des so erzeugten PCR-Produktes wurde in einem Agilent Bioanalyzer 2100 auf einem DNA-Chip 500 aufgetrennt und das Trennergebnis elektrophoretisch dokumentiert.
Fig. 1 zeigt das Ergebnis eines Nachweises mittels Elektrophorese unter Einsatz eines DNA-500-Chip (Agilent) und eines Agilent Bioanalyzer 2100. Spur 1 zeigt eine 100 bp-Leiter, Spur 2 eine cDNA-Kontrolle ohne RNA im Ansatz, Spur 3 eine PCR-Kontrolle ohne cDNA im Ansatz, Spur 4 eine Negativkontrolle für GCAP/PLAP mit RNA einer gesunden Kontrollperson im Ansatz und Spur 5 die Probe einer erkrankten Person.
Die Kontrollmessung von ß-Aktin ist lediglich bei den beiden realen Blutproben der Spuren 4 und 5 positiv, während lediglich Spur 5 die zu erwartende Bande für GCAP/PLAP als Hodentumormarker aufweist.
Ein weiteres Ergebnis ist in Fig. 2 dargestellt. Der Nachweis erfolgte dabei ebenfalls mittels eines Agilent Bioanalyzer 2100 und einem DNA-500 Assay-Chip von Agilent. Die Spuren 1 bis 6 zeigen dabei eine Multiplex-PCR der cDNA von GCAP und GA733.2 und die Spuren 7 bis 13 eine Multiplex-PCR der cDNA von GCAP, GA733.2, GRPR und HMGI-C. Die Bezeichnungen cDNA-
Kontrolle, PCR-Kontrolle und Negativ-Kontrolle bezeichnen Proben ohne RNA, ohne cDNA bzw. mit RNA einer gesunden Kontrollperson. Es ist in den Spuren 5, 9 bzw. 13 zu erkennen, daß lediglich die Proben an Hodentumor erkrankter Personen im Nachweis der cDNA unddamit der mRNA für GCAP/PLAP, GA733.2, GRPR und HMGI-C positiv sind.
Damit ist gezeigt, daß die entsprechenden Hodentumor- marker wie beschrieben und beansprucht, nachgewiesen werden können.
Alternativ zu den hier dargestellten Methoden können selbstverständlich auch herkömmliche Analysemethoden wie Agarose-Gelelektrophorese angewandt werden, bei denen beispielsweise 25 μl des oben dargestellten PCR-Produktes über ein 2,5%iges Agarosegel aufgetrennt werden und die DNS-Banden anschließend mit Ethidiumbromid angefärbt und sichtbar gemacht werden. Die Dokumentation kann beispielsweise mit Hilfe des DUO Store Systems der Fa. Inta durchgeführt werden.
Auch eine Fragmentanalyse mittels ABI Prism 310 Gene- tic Analyzer (Fa. PE Applied Biosystems, Weiterstadt) kann zur Auswertung verwendet werden. Hierzu wird eine PCR mit fluoreszenzmarkierten Primern durchgeführt und anschließend beispielsweise jeweils 1 μl des jeweiligen PCR-Produktes in einer Verdünnung von 1 : 50 eingesetzt.
Als weiterer Nachweis ist ein Nachweis mittels sequenzspezifischer fluoreszenzmarktierter Hybridisie- rungsproben möglich, die nach jedem Zyklus der PCR die Produktentwicklung verfolgen lassen. Anhand spe- zieller Standards kann dann auch ein Rückschluß auf die Menge an Ausgangs-RNS gezogen werden. Als Alter-
native zur Block-PCR kann der Tumormarkernachweis auch mittels Echtzeit-PCR unter Verwendung DANN- interkallierender Fluoreszenzfarbstoffe erfolgen (z.B. LightCycler™ und CybrGreen™ der Fa. Hoffmann- Röche) .Dazu erfolgt beispielsweise eine Quantifizierung über fluoreszenzbasierte Echtzeit-PCR. Hierzu wird dem PCR-Ansatz eine sequenzspezifische fluoreszenzmarkierte Hybridisierungsprobe zugesetzt, durch die nach jedem Zyklus der PCR mittels der von ihr emittierten Fluoreszenz die Produktentwicklung, d.h. die Amplifikation, verfolgt werden kann. Anhand spezieller Standards können dann Rückschlüsse auf die Mengen an Ausgangs-RNS gezogen werden. Damit ist auch eine Quantifizierung der in der Blutprobe vorliegen- den Hodentumor-assoziierten RNS und folglich eine direkte Aussage über das Ansprechen auf eine gewählte Therapiemethode möglich. Dieses Verfahren kann beispielsweise mit einem Light-Cycler™ der Firma Röche, Basel oder einem Taq-Man™ der Firma PE Applied Bio- Systems, Wieterstadt, wie es bereits hinlänglich aus der Literatur bekannt ist, durchgeführt werden.
Abschließend sei darauf hingewiesen, daß die erfindungsgemäße Vorrichtung und das erfindungsgemäße Ver- fahren es weiterhin ermöglichen, die wie oben beschriebenen sortierten und separierten Zellen anschließend beliebig weiter zu verwenden. Beispielsweise können diese in ein geeignetes Zellkulturmedium eingesetzt und in situ kultiviert werden.
Da die Zellen nach der Trennung intakt sind, bleiben auch die Eigenschaften der Zellmembran und des Zellkerns erhalten. Dies eröffnet die Möglichkeit, mikroskopisch die Expression weiterer Oberflächenmarker untersuchen oder auch Chromosomen-Analysen durchzuführen. Die sortierten Zellen werden dazu auf Objekt-
träger aufgebracht. Der Nachweis weiterer Oberflä- chenmarker kann chytochemisch oder über Fluoreszenzmikroskopie erfolgen. Ebenso können genetische Analysen durchgeführt werden, wie beispielsweise Chromosomenanalysen mittels FISH (Fluorescence in situ hybri- disation) oder Karyogramm-Erstellung.