Verfahren und Vorrichtung zur Regelung einer Rauchgasentstickungsanlage
Beschreibung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Regelung einer Rauchgasentstickungsanlage gemäß dem Oberbegriff der Patentansprüche 1 und 9.
Rauchgasentstickungsanlagen werden verwendet, um nach der Verbrennung fossiler Energieträger den Anteil an NOx im Rauchgas zu reduzieren. Solche Anlagen kommen beispielsweise in Kraftwerken zur Anwendung, die zur Gewinnung von Wärme mit fossilen Brennstoffen in Form von Kohle, Erdgas- und Erdöl betrieben werden. Rauchgasentstickungsanlagen werden aber auch in Müll- und Klärschlammverbrennungsanlagen, Prozessdampfanlagen oder fossil beheizten Kesseln von Raffinerien genutzt. Bei den Rauchgasentstickungsanlagen wird zwischen einer selektiven katalytischen Reduktion und einer selektiven nicht katalytischen Reduktion unterschieden. In Großanlagen werden vorzugsweise Rauchgasentstickungsanlagen eingesetzt, die nach der selektiven katalytischen Reduktion arbeiten. Hierbei werden die in dem Rauchgas enthaltenen Stickoxide mit einem Reduktionsmittel vorzugsweise Ammoniak zu Stickstoff und Wasser unter Verwendung eines Katalysators umgesetzt. Die in solchen Rauchgasentstickungsanlagen integrierten Katalysatoren sind sehr großen Beanspruchungen ausgesetzt, die ihre Lebensdauer begrenzen. So gehen beispielsweise die Mikrooberflächen der Katalysatoren verloren, weil die Poren der Katalysatoren durch den Einfluss sehr hoher Temperaturen zerstört werden. Zudem werden Arsen oder Alkalimetalle, die in den Rauchgasen mitgeführt werden, irreversibel an die katalytisch aktiven Flächen gebunden. Die engen Poren der Katalysatoren werden durch Ammoniumsulfat verstopft, das durch Oxidation von S02 zu S03 und dann durch Reaktion mit NH3 zu NH4HS04 entsteht. Aber auch durch Staub, der von den Rauchgasen mitgeführt wird, werden die Poren der Katalysatoren verstopft.
Die Verschmutzungen eines Katalysators durch Staub lassen sich gegebenenfalls durch Freiblasen beseitigen. Die Desaktivierung durch chemische Einflüsse kann jedoch nicht rückgängig gemacht werden. Als Folge der Desaktivierung eines Katalysators sinkt zum einem der Umsatz im Katalysator durch die Verringerung der Anzahl der katalytischen Aktivitätszentren. Das bedeutet, dass die Verzugszeit der Rauchgasentstickungsanlage vergrößert wird. Diese Zeit benötigt der Katalysator, um ausreichend Ammoniak zu aktivieren, damit der geforderte Entstickungsgrad erreicht wird. Zum anderem nimmt der Wirkungsgrad des Katalysators mit dem Aktivitätsverlust und der steigenden Verschmutzung ab. Es muß deshalb mehr Ammoniak in den Katalysator eingedüst werden. Das ist aber nur bis zu einem bestimmten stöchiometrischen Verhältnis von NH3 zu NOx möglich, da ansonsten Ammoniak freigesetzt wird. Der Katalysator verliert also zunehmend die Fähigkeit, genügend Stickoxide in Stickstoff und Wasser umzuwandeln. Aus der Desaktivierung des Katalysators folgt für die Betriebsführung und Regelung eine Änderung des Prozessverhaltens, insbesondere der Streckenverstärkung und der Zeitkonstanten der Rauchgasentstickungsanlage. Rauchgasentstickungsanlagen werden geregelt, um die gewünschte Entstickung bei gleichzeitig minimalem Ammoniakschlupf, geringer Umweltbelastung und niedrigen Kosten zu erreichen.
Bei den bekannten Rauchgasentstickungsanlagen werden die NO- und O2- Konzentrationen vor dem Katalysator gemessen. Ebenso wird der NO-Gehalt im Rauchgas nach dem Katalysator gemessen. Aus der eingesetzten Brennstoffmenge und der zugeführten Luftmenge während der Verbrennung wird in Verbindung mit dem Heizwert des Brennstoffes und dem O2-Gehalt des Rauchgases die Menge des einzu- düsenden Ammoniaks errechnet. Dieser Regelwert ist also ein Vorsteuersignal für die Ammoniakeindüsung. Die Sollwerteinstellung erfolgt über die Messung des NO- Gehaltes nach dem Katalysator, der mit dem errechneten NO-Gehalt verglichen wird.
Die bekannten Verfahren zur Regelung von Rauchgasentstickungsanlagen gehen von Modellen aus, bei denen die Alterung eines Katalysators unberücksichtigt bleibt. Beim Einsatz von modellbasierten Reglern wie Smith-Prädiktoren oder modellprädiktiven Reglern nimmt die Regelungsgüte mit der Alterung eines Katalysators ab. Es kann
hierbei zu einem grenzzyklischen oder instabilen Verhalten kommen. Um der Variation des Prozessverhaltens vorzubeugen, werden Regler oft lascher ausgelegt als das aus dem Normalfall folgen würde. Bei der Regelung von Totzeitprozessen mit einfachen Reglern ohne spezielle Maßnahmen in Form von PID-Reglern wird gegenüber einem totzeitfreien Prozess die Reglerverstärkung im allgemeinen verringert, um ein instabiles Verhalten zu vermeiden. Dies wird leicht durch Betrachtung der Pole des geschlossenen Regelkreises verständlich. Allerdings wird so nicht die bei einer ange- passten Regelungsstrategie realisierbare Regelungsgüte erreicht.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren aufzuzeigen, mit dem eine bessere Regelung von Rauchgasentstickungsanlagen durchgeführt werden kann, als das mit den bekannten Verfahren der Fall ist. Der Erfindung liegt ferner die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung aufzuzeigen, mit der sich das Verfahren durchführen lässt.
Die Aufgabe, das Verfahren betreffend, wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
Die Aufgabe, die Vorrichtung betreffend, wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 9 gelöst.
Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens, bei dem modellbasierte, gehobene Re- gelungs- und Betriebsführungsstrategien zur Anwendung kommen, kann die Regelung einer Rauchgasentstickungsanlage wesentlich verbessert werden. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Katalysator der Rauchgasentstickungsanlage die eingangs beschriebenen Alterungszustände aufweist. Die Anwendung der erfindungsgemäßen Regelungs- und Prozessführungsstrategien gestattet die Verbesserung des Anlagenbetriebs.
Bei der Durchführung des Verfahren wird die Desaktivierung des Katalysators der zu regelnden Rauchgasentstickungsanlage an Hand von Messdaten bestimmt. Hierfür eignen sich beispielsweise Messdaten von der Wärmetönung oder der Leitfähigkeitsänderung des Katalysators. Die gemessene Menge an Ammoniak, die nicht für die
Entstickung des Rauchgases genutzt, sondern an die Umwelt abgeben wird, kann ebenfalls zur Bestimmung der Desaktivierung des Katalysators genutzt werden. Aus der Desaktivierung des Katalysators, der Temperatur und der Geschwindigkeit des Rauchgases vor und hinter der Rauchgasentstickungsanlage und zusätzlichen Informationen, die beispielsweise aus Erfahrungswerten ermittelt werden können, wird die Totzeit und die Verzögerung der Rauchgasentstickungsanlage ermittelt. Mit Hilfe dieser Daten wird ein Modell der Rauchgasentstickungsanlage korrigiert und angepaßt, das in einem Rechner gespeichert ist. Mit Hilfe dieses Modells wird die Regelung der Rauchgasentstickungsanlage angepasst. Damit wird eine Reduktion . der Regelungsgüte durch alterungsbedingte Veränderungen des Prozessverhaltens verhindert.
Weitere erfinderische Merkmale sind in den abhängigen Ansprüchen gekennzeichnet.
Die Erfindung wird nachfolgend an Hand von schematischen Zeichnungen näher erläutert.
Es zeigen:
Fig. 1 eine Einrichtung zur Regelung einer Rauchgasentstickungsanlage,
Fig. 2. die Ausgangskonzentrationsregelung eines PID-Reglers, eines Smith-Prädik- tors und eines modellprädiktiven Reglers.
Die in Fig. 1 dargestellte Einrichtung 1 umfasst einen Regler 2, eine Rauchgasentstik- kungsanlage 3, eine Messvorrichtung 4, sowie vier Rechner 5, 6, 7A und 7B. Das erfindungsgemäße Verfahren ist im wesentlichen für die Regelung mit einem expliziten Modell einer Rauchgasentstickungsanlage, vorzugsweise dem Modell eines Smith- Prädiktors ausgerichtet. Dieses Modell ist in dem Rechner 7A gespeichert und wird an die aktuellen Werte der Rauchgasentstickungsanlage 3 angepasst. Bei der Inbetriebnahme der Rauchgasentstickungsanlage 3 sind die Parameter dieses Modells an die Parameter der Rauchgasentstickungsanlage 3 im Neuzustand angepasst. Das Modell ist besonders für die Anwendung bei Totzeitprozessen geeignet ist. Dem Rechner 7A
ist der Rechner 7B nachgeschaltet, der als Verzögerungsglied 7B genutzt wird. Das Verfahren ist jedoch auch dann anwendbar, wenn ein Modell nur implizit als Regler eingeht. Das ist dann der Fall, wenn die Reglerparameter aus dem Modell berechnet und/oder abgeleitet werden, wie das beispielsweise bei PID-Reglern oder Zustands- reglern der Fall ist.
Die Rauchgasentstickungsanlage 3 ist mit einem Katalysator 3K bestückt und in einen Abgaskanal 8 integriert. Über den Abgaskanal 8 wird Rauchgas 9 aus einer Verbrennungsanlage (hier nicht dargestellt) abgeleitet. Von einem Vorratsbehälter 10 aus wird Ammoniak über ein als Dosiereinrichtung dienendes Ventil 11 der Rauchgasentstik- kungsanlage 3 zugeführt. Das Ventil 11 wird von dem Regler 2 betätigt. Die Menge an Rauchgas 9 sowie der Gehalt des Rauchgases 9 an NOx wird vor dem Eintritt des Rauchgases 9 in die Rauchgasentstickungsanlage 3 mit Hilfe der Messvorrichtung 4 ermittelt und gespeichert. Das Gleiche gilt für den Gehalt an NOx welches das Rauchgas 9 nach dem Verlassen der Rauchgasentstickungsanlage 3 aufweist. Diese Messwerte werden unter anderem auch dem Rechner 7A zugeführt. Ferner können mit der Messvorrichtung 4, falls es für die Regelung der Rauchgasentstickungsanlage 3 erforderlich ist, auch der Differenzdruck über der Rauchgasentstickungsanlage 3, die Menge an Ammoniak, die der Rauchgasentstickungsanlage 3 zur Minderung des NOx- Anteils im Rauchgas 9 zugeführt wird, die Wärmetönung des Katalysators 3K, die Leitfähigkeitsänderung des Katalysators 3K, die Menge an Ammoniak, die nicht für die Entstickung des Rauchgases 9 genutzt, sondern an die Umwelt abgeben wird, die Geschwindigkeit des Rauchgases 9 sowie dessen Temperatur ermittelt und gespeichert werden. Alle Messungen können kontinuierlich durchgeführt werden. Die Messvorrichtung 4 steht für die Durchführung der Messungen über Signalleitungen 4A, 4B, 4C und 4D mit dem Abgaskanal 8 vor und hinter der Rauchgasentstickungsanlage 3, mit der Rauchgasentstickungsanlage 3 und dem Ventil 11 in Verbindung. Die Messvorrichtung 4 ist zudem so ausgebildet und so verschaltet, dass mit ihr noch weitere Messsignale ermitteln und gespeichert können, die gegebenenfalls für die Durchführung des gesamten Verfahrens erforderlich sind.
Die mit der Messvorrichtung 4 erfassten Messdaten werden dem Rechner 5 zugeführt, der mit der Messvorrichtung 4 in Verbindung steht. Aus diesen Messdaten wird dort die Desaktivierung α des Katalysators 3K ermittelt. Diese Information wird an den Rechner 6 weitergeleitet, der dem Rechner 5 nachgeschaltet ist. Messdaten von der Temperatur σ und der Geschwindigkeit des Rauchgases 9 vor und hinter der Rauchgasentstickungsanlage 3 werden von der Messvorrichtung 4 unmittelbar an den Rechner 6. übertragen. Erfindungsgemäß können die beiden Rechner 5 und 6 auch durch einen einzigen Rechner (hier nicht dargestellt) ersetzt werden.
Mit Hilfe des Rechners 6 werden die parametrischen Verhaltensänderungen wie Totzeit und Verstärkung der Rauchgasentstickungsanlage 3 ermittelt. Hierfür sind neben den ermittelten Wert der Desaktivierung α des Katalysators 3K, der Temperatur des Rauchgases 9 sowie dessen Geschwindigkeit noch weitere Informationen erforderlich. Diese Informationen können regelbasiert und/oder wissensbasiert physikalisch motiviert, durch Messungen oder Stimulation und Regression bzw. Identifikation bestimmter Zusammenhänge ermittelt werden. Hierzu gehört auch die Verwendung von künstlichen Neuronalen Netzen, die Identifikation von Fuzzy Modellen oder anderen linearen oder nichtlinearen Regressionsmodellen. Ferner ist die Kombination eines Absolutmodells mit einem Trendmodell oder eine Kombination mehrere dieser Ansätze möglich. Da diese Informationen für die Betriebsführung und/oder Regelung verwendet werden, müssen sie nicht die räumliche Variation etwa entlang des Katalysators 3K beschreiben. Eine Beschreibung des resultierenden Ein-und/oder Ausgangsverhaltens der Rauchgasentstickungsanlage 3 reicht beispielsweise hierfür aus.
In jeder Rauchgasentstickungsanlage, in der eine selektive katalytische Reduktion von Stickoxiden durchgeführt wird, reagieren diese mit dem Reduktionsmittel Ammoniak zu Stickstoff N2 und Wasser H2O. Die beiden wesentlichen Reaktionen zwischen den Stickoxiden und dem Ammoniak werden durch folgende Gleichungen beschrieben. 4 NO + 4 NH3+02 -► 4N2 + 6 H20 und 2 N02 + 02 + 4NH3 -»- 3N2 + 6H20. Aus diesen stöchiometrischen Gleichungen und der baulichen Ausführung der Rauchgasentstik- kungsanlage 3 lassen sich direkt dynamische Modellgleichungen aufstellen, in welche die Desaktivierung α des Katalysators 3K eingeht. Mit Hilfe dieser Gleichungen, dem
ermittelten Wert der Desaktivierung α des Katalysators 3K und den Messdaten, die dem Rechner 6 von der Messvorrichtung 4 geliefert werden, können die parametrischen Verhaltensänderungen der Rauchgasentstickungsanlage 3 in dem Rechner 6 ermittelt werden.
Die zusätzlichen Informationen, die zur Ermittlung der parametrischen Verhaltensänderungen der Rauchgasentstickungsanlage 3 neben der Desaktivierung α des Katalysators 3K, der Temperatur und/oder der Geschwindigkeit des Rauchgases 9 noch erforderlich sind, können auch aus Erfahrungswerten des Bedienpersonals der Rauchgasentstickungsanlage 3 gewonnen werden. Wenn das Bedienpersonal ausreichende Kenntnisse darüber hat, wie die Desaktivierung α des Katalysators das Verhalten der Rauchgasentstickungsanlage 3 beeinflußt, können die parametrischen Verhaltensänderungen auch durch ein regel- und/oder wissensbasiertes Modell beschrieben werden. Hierfür kann beispielsweise ein Fuzzy-Regelwerk eingesetzt werden. Ein solche Regelung kann durch eine Wertetabelle approximiert werden. Das vereinfacht die Implementierung in handelsübliche Leitsysteme oder speicherprogrammierbare Steuerungen. Das Fuzzy-Regelwerk, das die Informationen über Totzeit und Verstärkung der Rauchgasentstickungsanlage 3 liefert, läuft in diesem Fall auf dem Rechner 6.
Um die parametrischen Verhaltensänderung der Rauchgasentstickungsanlage 3 mit den jeweils aktuellen Daten dieser Einrichtung in dem Rechner 6 erstellen zu können, ist es möglich, neben der Bestimmung der Desaktivierung α des Katalysators 3K, der Temperatur und/oder der Geschwindigkeit des Rauchgases 9 weitere Daten der Rauchgasentstickungsanlage 3 beispielsweise mit der Messvorrichtung 4 zu messen. So kann beispielsweise aus den Messwerten des NH3-Stroms, der zugeführten Gesamtmenge an Luft und der NOx-Konzentration im Rauchgas 9 vor dem Katalysator 3K sowie der gemessenen NOx-Konzentration im Rauchgas 9 hinter dem Katalysator 3K ein dynamisches Modell der Rauchgasentstickungsanlage 3 für den jeweils aktuellen Desaktivierungszustand des Katalysators 3K ermittelt werden kann. Als Modelltyp kommen beispielsweise einfache lineare und nichtlineare Regressionsmodelle, künstliche Neuronale Netze oder Fuzzy-Modelle in Betracht. Es ist darüber hinaus möglich, die Desaktivierung α des Katalysators für verschiedene Alterszustände des-
selben Katalysators mit einzubeziehen. Daraus kann dann beispielsweise ein Zusammenhang zwischen der Desaktivierung α des Katalysators und den parametrischen Verhaltensänderungen ermittelt werden.
Für die Ermittlung der parametrischen Verhaltensänderungen liegen nicht immer Daten von verschiedenen Zuständen der Desaktivierungen α des Katalysators einer Rauchgasentstickungsanlage 3 vor. Für die Bestimmung der Desaktivierung α können zwar immer Messwerte des aktuellen Anlagenzustands ermittelt werden. Wie sich die Desaktivierung α eines Katalysator jedoch zukünftig entwickeln wird, kann aus aktuellen Messwerten nicht ermittelt werden. Wird davon ausgegangen, dass die Desaktivierung α eines Katalysators nicht zu einer strukturellen Verhaltensänderung, sondern einer graduellen Variation der Parameter führt, dann kann das zu erstellende Modell auch approximativ aus zwei Teilmodellen zusammengesetzt werden. Das erste Teilmodell wird aus Messwerten der vorliegenden Desaktivierung α des Katalysators 3K ermittelt. Aus den Messwerten einer Referenzanlage wird für das zweite Teilmodell die relative Änderung der Katalysatoraktivität ermittelt. Als Referenzanlage kann eine ähnlich ausgebildete Rauchgasentstickungsanlage (hier nicht dargestellt) verwendet werden. Dadurch stimmen die Trends der Werte überein, nicht aber unbedingt die absoluten Werte. Dabei können sich die Gasgeschwindigkeiten in der Referenzanlage (hier nicht dargestellt) und der zu regelnden Rauchgasentstickungsanlage 3 unterscheiden. Aus den beiden Teilmodellen lässt sich ein Modell zusammensetzen, das absolut und quantitativ die Änderung der Modellparameter mit der Desaktivierung α des Katalysators beschreibt. Ein solches vereinfachtes Modell reicht für einen robusten Regler aus.
Die im Rechner 6 ermittelte Verstärkung bzw. die Totzeit der Rauchgasentstickungsanlage 3 werden dem Rechner 7A bzw. dem als Verzögerungsglied dienenden Rechner 7B zugeführt. Das in dem Rechner 7 gespeicherte dynamische Modell der Rauchgasentstickungsanlage 3 wird an den jeweils aktuellen Wert der Verstärkung angepasst. Dem Rechner 7A wird für die Anpassung des dynamischen Modells zudem das Ausgangssignal des Reglers 2 zugeführt. Ferner erhält der Rechner 7A von der Messvorrichtung 4 die Messwerte über die Menge an Rauchgas 9 sowie den Gehalt des Rauchgases 9 an NOx vor dem Eintritt und nach dem Verlassen der Rauchga-
sentstickungsanlage 3. Der Rechner 7A nimmt in Abhängigkeit von diesem dynamischen Modell Einfluss auf den Istwert des Reglers 2. Das Ausgangssignal des Rechners wird dem nach geschalteten Verzögerungsglied 7B zugeführt. Die Differenzwerte zwischen dem Ausgangssignal des Rechners 7B und dem gemessenen Anteil an NOx, der nach der Entstickung noch im Rauchgas 9 enthalten ist, wird in einem Differenzbildner 12 ermittelt, und an einen als Sollwertgeber 2S dienenden Differenzbildner des Reglers 2 weitergeleitet. In ihm wird der vorgegebene Sollwert entsprechend korrigiert. Das Ausgangssignal der Differenzbildners 12 wird zudem an den Rechner 6 weitergeleitet. Dem Sollwertgeber 2S ist ein als Differenzbildner dienender istwertgeber 2T nachgeschaltet. Dieser vergleicht den zugeführten Sollwert mit der Prädiktion des dynamischen Modells des Rechners 7A. Das Ausgangssignal des Istwertgebers 2T wird dem Regler 2 zugeführt.
Die Erfindung beschränkt sich nicht nur auf das Regelungsprinzip des Smith- Prädiktors. Vielmehr weist die Bezeichnung prädikative Regelung darauf hin, dass innerhalb der Regelung ein Modell verwendet wird, mit dem die Wirkung der Stellgröße auf das Verhalten der Regelstrecke vorhergesagt wird. Alternativ zum Smith-Prädiktor kann deshalb die Regelung auch mit einem modellprädikativen Regler, kurz auch MPC genannt, durchgeführt werden. Dieser verwendet ebenfalls ein internes Strek- kenmodell. In Fig. 2 ist die Ausgangskonzentrationsregelung eines PID-Reglers, eines Smith-Prädiktors und eines modellprädiktiven Regelers dargestellt. Sind Sollwertänderungen und/oder Störungen bekannt, so führt der MPC-Regler zu wesentlich besseren Eigenschaften als die beiden erst, genannten Regler, wobei der Smith-Prädiktor im Vergleich zum PID-Relger wiederum bessere Ergebnisse liefert.