Oberflächenmessvorrichtung und Verfahren zur mechanischen sowie beruhrungslosen-optischen Untersuchung von Objektoberflächen
Die Erfindung betrifft eine Oberflächenmessvorrichtung zur mechanischen sowie beruhrungslosen-optischen Untersuchung von Objektoberflächen mit einem Tastkopf zur mechanischen Messung.
Die Erfindung betrifft weiterhin Verfahren zur mechanischen sowie zur beruhrungslosen-optischen Untersuchung von Objektoberflächen mit einer solchen Oberflächenmessvorrichtung.
Die Untersuchung der Geometrie von Objekten kann mit verschiedensten Messmethoden berührungslos oder mechanisch mit Sensoren, die in einer Kraftwechselwirkung mit der zu untersuchenden Objektoberfläche stehen, erfolgen.
In der DE 199 47 287 A1 ist ein Rastersondenmikroskop zur mechanischoptischen Messung von Objektoberflächen beschrieben, bei der eine Spiegeloptik auf eine Messspitze fokussiert ist, die in Kontakt mit der zu untersu-
chenden Objektoberfläche steht. Die Spiegeloptik sowie die Messspitze sind in einem Wechselobjektiv eingebaut. Mit Hilfe der fokussierenden Optik kann Strahlung in die Messspitze eingekoppelt werden, aber nicht die Position oder Bewegung der Messspitze gemessen werden.
Ebenfalls sind in den US-Patenten 5,641 ,896 und 5, 138, 1 59 Rastersondenmikroskope beschrieben, bei denen die Fokussierung von Lichtstrahlen auf eine Messspitze mit Spiegelanordnungen erfolgt. Derartige Mikroskope sind relativ genau. Die Messgeschwindigkeit ist jedoch nachteilig eingeschränkt. Zudem ist die Abtastung von elastischem oder weichem Material nur begrenzt möglich. Daher sind auch separate optische Profilometer verfügbar, mit denen Objektoberflächen berührungslos untersucht werden können.
Aus dem US-Patent 5,955,661 ist ein kombiniertes mechanisches und berüh- rungsloses-optisches Messgerät bekannt, bei dem ein optisches Profilometer zusammen mit einem mechanischen Profilometer in einem Gerät integriert sind. Durch seitliches Verschieben des zu untersuchenden Objektes oder des Messkopfes oder durch Austausch der Messköpfe kann zwischen dem beruhrungslosen-optischen und dem mechanischen Messmodus gewechselt werden.
Damit kann eine Objektoberfläche durch das berührungslose-optische Verfahren relativ schnell untersucht werden und kritische Bereiche der Objektoberfläche später relativ genau durch das mechanische Messverfahren vermessen werden.
Weiterhin ist aus der WO 92/22805 eine Oberflächenmessvorrichtung zur Untersuchung von Objektoberflächen bekannt, bei dem eine spektrographische Analyse mit einer beruhrungslosen-optischen oder mechanischen Messung
verknüpft wird. Durch Korrelation der topographischen Informationen aus der beruhrungslosen-optischen oder mechanischen Messung mit einer zugehörigen spektrographischen Information bspw. aus einem Raman-Filter kann das Messergebnis verbessert werden.
Weiterhin ist in der WO 99/53268 eine Oberflächenmessvorrichtung zur beruhrungslosen-optischen und mechanischen Messung von Objektoberflächen beschrieben, bei der der Fokus einer Linsen-Zoomoptik entweder auf die zu untersuchende Oberfläche zur beruhrungslosen-optischen Messung oder auf ein Tastelement zur mechanischen Messung eingestellt wird. Hierzu werden die Linsengruppen axial verschoben. Der Wechsel zwischen den Messmodi ist hierbei relativ zeitaufwändig und ungenau. Zudem ist der Messkopf mit den Linsengruppen relativ groß.
Aufgabe der Erfindung war es daher, eine verbesserte Oberflächenmessvorrichtung zur mechanischen sowie beruhrungslosen-optischen Untersuchung von Objektoberflächen zu schaffen, die mit einem relativ kompakten Messkopf ausgebildet werden kann und einen schnellen und präzisen Wechsel zwischen den beiden Messmodi, nämlich der mechanischen und der berührungslosen- optischen Messung erlaubt.
Die Aufgabe wird mit der gattungsgemäßen Oberflächenmessvorrichtung erfindungsgemäß gelöst durch eine Spiegel- und/oder Linsenanordnung zur Fo- kussierung von Lichtstrahlen derart, dass der Fokuspunkt der von der Spiegel- und/oder Linsenanordnung gebildeten Lichtstrahlen wahlweise entweder auf den Tastkopf zur mechanischen Messung oder auf die zu untersuchende Oberfläche zur beruhrungslosen-optischen Messung einstellbar ist.
Durch die Verwendung einer Spiegel- bzw. gleichwirkenden Linsenanordnung deren Fokus entweder auf den Tastkopf oder auf die zu untersuchende Oberfläche einstellbar ist, kann der Messkopf sehr kompakt ausgebildet sein. Zudem hat sich herausgestellt, dass der Fokus einer Spiegel- oder Linsenanord- nung präzise und schnell justierbar ist.
Wenn die auf den Tastkopf fokussierten Lichtstrahlen den Tastkopf durchdringen und an einer Spitze des Tastkopfes lokal austreten kann eine lokale optische Untersuchung der Oberfläche erfolgen. Dabei können die Lichtstrahlen nach einer Wechselwirkung mit der zu untersuchenden Oberfläche durch die Spitze des Tastkopfes wieder eingesammelt und ausgewertet werden (z.B. nach Art der optischen Nahfeldmikroskopie).
Die Spiegel- bzw. Linsenanordnung ist vorzugsweise aktorisch kippbar gela- gert, wobei die Verkippung beispielsweise durch Piezoaktoren oder Elektromotoren erfolgt. Die Lagerung und Verkippung der Spiegel- bzw. Linsenanordnung durch Piezoaktoren hat den Vorteil, dass diese hoch präzise einstellbar und relativ verschleißunempfindlich sind.
Die Spiegelanordnung oder einzelne Spiegel davon oder eine gleichwirkende
Linsenanordnung oder einzelne Linsen davon können aber auch in Richtung der Achse der Spiegel- oder Linsenanordnung, auf der der Fokus liegt, verschiebbar sein, um den Fokus einzustellen.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn der Fokuspunkt mit Mitteln zur Einstellung des Einstrahlwinkels der Lichtstrahlen auf die Spiegel- oder Linsenanordnung eingestellt wird. Bei der optischen Messung sollte der Lichtstrahl möglichst achsennah in Richtung der Achse der Spiegel- oder Linsenanordnung ausge-
richtet sein. Durch Verkippung des Einfallwinkels des Lichtstrahls kann zur mechanischen Messung der Fokus dann seitlich auf den Tastkopf verlagert werden.
Der Fokuspunkt kann allerdings auch durch Einstellung der Divergenz oder Konvergenz der auf die Spiegel- oder Linsenanordnung gerichteten Lichtstrahlen eingestellt werden.
Durch Einstellung der Divergenz oder Konvergenz der auf die Spiegel- oder Lin- senanordnung gerichteten Lichtstrahlen kann auch erreicht werden, dass in der Messebene ein Bildfeld ausgeleuchtet wird. So ist es möglich, eine Abbildung oder simultane Untersuchung des größeren Bereiches der Oberfläche durchzuführen. Zur simultanen Untersuchung der Oberfläche können bildgebende Verfahren mit beispielsweise interferentieller Auswertung eingesetzt werden. Zu- sätzlich können der Tastkopf und das Messobjekt gleichzeitig beobachtet werden. Die Ausleuchtung eines Bildfeldes und die Erzeugung eines Fokuspunktes kann zum Beispiel durch die Verwendung unterschiedlicher Strahlungsquellen und/oder Strahlgänge (divergente oder konvergente sowie parallele Strahlen) auch simultan erfolgen.
Zumindest im sichtbaren Spektralbereich sind Spiegel- und Linsenoptiken als gleichwertig anzusehen. Auch mit Linsenoptiken kann ein Umschalten zwischen den Messmodi z. B. durch Kippung der Optik, Kippung der Strahlen, oder durch Fokussierung/Defokussierung realisiert werden.
Die Spiegel- oder Linsenanordnung und der Tastkopf sind vorzugsweise in einem kompakten Messkopf angeordnet. Ein solcher kompakter Messkopf kann
vorteilhafterweise im Unterschied zu einer Linsenanordnung durch die Spiegeloder Linsenanordnung realisiert werden, deren Fokus einstellbar ist.
Der Tastkopf kann zusätzlich zur mechanischen Bearbeitung der zu untersu- chenden Oberfläche vorgesehen sein.
Aufgabe der Erfindung war es weiterhin, ein verbessertes Verfahren zur mechanischen sowie zur beruhrungslosen-optischen Untersuchung von Objektoberflächen zu schaffen.
Die Aufgabe wird mit dem gattungsgemäßen Verfahren erfindungsgemäß gelöst durch Einstellung des Fokuspunktes der Spiegel- oder Linsenanordnung auf den Tastkopf zur mechanischen Messung oder auf die zu untersuchende Oberfläche zur beruhrungslosen-optischen Messung.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand der beigefügten Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 a - Oberflächenmessvorrichtung mit vertikal in Richtung der Achse der Spiegelanordnung verschobenem Spiegel mit Fokuspunkt auf einem Tastkopf zur mechanischen Messung;
Figur 1 b - Oberflächenmessvorrichtung aus der Figur 1 a mit vertikal in Richtung der Achse der Spiegelanordnung verschobenem Spiegel mit Fokuspunkt auf der Objektoberfläche;
Figur 2 - Oberflächenmessvorrichtung mit verkippbarer Spiegelanordnung zur Einstellung des Fokuspunktes;
Figur 3 - Oberflächenmessanordnung mit veränderlichem Einstrahlwinkel der Lichtstrahlen zur Einstellung des Fokuspunktes.
Die Figuren 1 a und 1 b lassen schematische Darstellungen einer Oberflächenmessvorrichtung erkennen, mit der Objektoberflächen 1 wahlweise mit an sich bekannten beruhrungslosen-optischen Messverfahren oder mechanischen
Messverfahren untersucht werden können. Dabei kann die Rauigkeit, Welligkeit und die Form der Objektoberfläche 1 bestimmt werden. Für die mechanische Messung können beispielsweise Rasterkraft-, Rastertunnel- oder Nahfeldmikroskope oder andere bekannte Profilometer oder Koordinatenmessgerä- te mit einem Tastkopf 2 eingesetzt werden.
Der Tastkopf 2 muss nicht zwangsläufig als Spitze an einem Balken ausgeführt und horizontal ausgerichtet sein, sondern kann auch beispielsweise als
Taststift mit Tastkugel ausgebildet sein. Beispielsweise sind auch Schwingquarze mit Messspitzen einsetzbar. Der Tastkopf 2 kann zusätzlich auch zur mechanischen Bearbeitung der zu untersuchenden Objektoberfläche vorgesehen sein.
Für die Messung wird ein Lichtstrahl 3 über eine Spiegelanordnung 4a, 4b wahlweise entweder auf die Objektoberfläche 1 oder auf den Tastkopf 2 fo- kussiert. Hierzu ist mindestens einer der Spiegel 4a oder 4b der Spiegelanordnung 4 entlang der Pfeilrichtung in Richtung der Achse X der Spiegelanord- nung 4 verschiebbar.
In der Figur 1 b ist der Fokuspunkt zur beruhrungslosen-optischen Messung auf die Objektoberfläche 1 gerichtet. Hingegen ist in der Figur 1 a der Messmodus dargestellt, in dem der Fokuspunkt auf den Tastkopf 2 zur mechanischen Mes- sung eingestellt ist, in dem der Spiegel 4a der Spiegelanordnung 4 in X- Richtung nach unten verfahren worden ist.
Die Ausgestaltung der Profilometer zur mechanischen bzw. beruhrungslosen- optischen Messung sowie die Auswertung der Messdaten zur Bestimmung der Objektoberfläche 1 ist hinreichend bekannt und wird nicht weiter erläutert.
Durch die erfindungsgemäße Spiegeloptik mit axialer Bewegung eines der Spiegel 4a, 4b ist eine schnelle Variation der Fokusposition möglich, wie sie bei dynamischen Mikroskopie- und Profilometrieverfahren eingesetzt wird (kon- fokale Mikroskopie, Laserfokussensoren, etc.).
Die Figur 2 lässt eine andere Ausführungsform der Oberflächenmessvorrichtung mit einem aktorisch quer zur Achse der Spiegelanordnung 4 verkippbar
gelagerten Spiegel 4a erkennen. Es wird deutlich, dass durch Verkippen des Spiegels 4a um den Winkel α der Fokuspunkt F^ von der Objektoberfläche 1 zu einem Fokuspunkt F2 verlagert werden kann, der auf dem Tastkopf 2 liegt. Die Verkippung des Spiegels 4a kann beispielsweise mit Piezoaktoren hochgenau erfolgen. Alternativ hierzu kann der Spiegel 4a auch an Elektromotoren gelagert und durch diese verkippbar sein.
Es ist auch denkbar, dass zusätzlich zu dem Spiegel 4a oder anstelle des Spiegels 4a der Spiegel 4b verkippt wird. Die Spiegel 4a, 4b können auch eine Vielzahl einzeln verstellbarer Spiegelelemente haben.
Die Figur 3 lässt eine weitere Ausführungsform der erfindungsgemäßen Oberflächenmessvorrichtung erkennen, bei der der Fokuspunkt durch Einstellung des Einstrahlwinkels der Lichtstrahlen 3 entweder auf die Objektoberfläche 1 oder auf den Tastkopf 2 eingestellt wird.
Es wird deutlich, dass durch Verkippen des Einstrahlwinkels der Lichtstrahlen 3 um den Winkel ß, die Lichtstrahlen 3 durch die Spiegelanordnung 4 von der Objektoberfläche 1 weg auf den Tastkopf 2 fokussiert werden.
Dann kann wiederum die Bewegung des Tastkopfes 2 auf der Objektoberfläche 1 beispielsweise über die Quadrantenfotodiode 5 detektiert werden.
Denkbar ist auch die Divergenz bzw. Konvergenz der eingekoppelten Licht- strahlen 3 zu verändern. Hierdurch ergibt sich eine Verschiebung des Fokuspunktes F in vertikaler Richtung, d. h. in Richtung der Achse X der Spiegelanordnung.
Die dargestellte Einheit aus Spiegelanordnung 4 und Tastkopf 2 kann beispielsweise anstelle eines Objektivs in den Revolver eines konventionellen optischen Mikroskops eingebaut werden.
Beispielsweise können insbesondere größere Objektoberflächen zunächst mit dem beruhrungslosen-optischen Messverfahren relativ schnell untersucht werden. Bei dieser beruhrungslosen-optischen Messung sind auch Streulichtverfahren auf einer größeren Oberfläche einsetzbar. Detektierte Unregelmäßigkeiten können dann anschließend mit dem genaueren mechanischen Messverfah- ren genauer analysiert werden. Auf diese Weise können beispielsweise submikroskopische Defekte auf ausgedehnten, gekrümmten oder planaren Oberflächen, wie z. B. ultrapräzisen Oberflächen von Spiegeln oder Optiken relativ schnell und präzise untersucht werden.
Bei der Untersuchung von Bauteilen der Mikrosystemtechnik oder integrierten elektronischen Schaltungen kann mit der Oberflächenmessvorrichtung beispielsweise die Rauheit in Gräben und auf Plateaus lokal mit Hilfe der mechanischen Messmethode (z. B. Rastersondenmikroskopiemodus) bestimmt werden, wobei die Orientierung und Positionierung des Messkopfs auf dem Bauteil mit Hilfe der beruhrungslosen-optischen Messmethode erfolgt.
Weiterhin können bei der Analyse der Informationen auch zusätzliche Verfahren, wie z. B. eine spektroskopische Analyse eingesetzt werden.