Beschreibung
Leistungshalbleiterschaltung und Verfahren zum Herstellen einer Leistungshalbleiterschaltung
Die Erfindung liegt auf dem Gebiet der Leistungshalbleitertechnik und betrifft eine Leistungshalbleiterschaltung, insbesondere für eine UmrichterSchaltung, und ein Verfahren zu deren Herstellung.
Bei einer aus der EP 0 901 166 AI bekannten Leistungshalbleiterschaltung ist ein Leistungshalbleitermodul in klassischer Technik aufgebaut, indem ein oder mehrere einzelne Leistungshalbleiterelemente, z.B. IGBTs, (nachfolgend auch Leistungs- halbleiter genannt) über eine Lotschicht und eine Metallisierung mit der Oberseite eines Aluminiumnitrid-Substrats verbunden sind. Die Unterseite des Substrats ist mit einer Kühleinrichtung in Form eines Rippen-Kühlkörpers vergossen.
Ein neuer Trend der Modulgestaltung geht unter Verwendung von Laminierverfahren, wie sie beispielsweise in dem Aufsatz „A High Performance Polymer Thin Film Power Electronics Packa- ging Technologie" von Ray Fillion et al. in Advancing Microe- lectronics September/October 2003 beschrieben sind, in Rich- tung flacher Modulgeometrien.
So kann beispielsweise zur Herstellung eines derartigen Moduls ein Substrat mit einem eine Kontaktfläche aufweisenden Bauelement bereitgestellt werden. Dabei wird eine induktions- arme Kontaktierung realisiert, indem die Kontaktfläche mit einer Anschlussfläche zusammengebracht wird, die auf einer relativ dünnen Folie ausgebildet ist. Das Zusammenbringen von
Kontaktfläche und Anschlussfläche erfolgt durch Auflaminieren der Folie unter isostatischem Druck in einer Vakuumpresse.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine Leistungshalbleiterschaltung anzugeben, die sich durch eine automatisierbare Herstellung und eine besonders raumsparende Bauform auszeichnet.
Die Aufgabe wird durch eine Leistungshalbleiterschaltung ge- maß Anspruch 1 bzw. ein Verfahren zu dessen Herstellung gemäß Anspruch 10 gelöst.
Erfindungsgemäß ist eine Leistungshalbleiterschaltung mit einem Leistungshalbleitermodul vorgesehen, das als flache Bau- gruppe ausgebildet ist, indem mindestens ein elektronisches Leistungs-Bauelement auf einem Substrat angeordnet und mit einer oberseitigen Kontaktfläche mit einer Anschlussfläche einer auflaminierten Folie kontaktiert ist, wobei das Substrat unmittelbar an einer als Kühlelement fungierenden wär- meleitenden Grundplatte befestigt ist. Als Befestigungsverfahren und -mittel kommen dabei Kleben, Crimpen, Einrasten mittels Rasthaken, Schrauben mittels Gewindeelementen etc. in Frage .
Ein wesentlicher Aspekt der Erfindung besteht also darin, die flache Bauform des vorbeschriebenen neuartigen Leistungshalbleitermoduls zur Realisierung einer besonders flach ausgebildeten Leistungshalbleiterschaltung zu nutzen. Damit wird eine Technik bereitgestellt, die in Abkehr von dem bisher üblichen Aufbau und der üblichen Häusung von Leistungshalbleitermodulen eine besonders flache und kompakte Gestaltung erlaubt . Die Leistungshalbleitermodule bzw. die Leistungshalbleiterschaltung müssen nicht mehr in Gehäusen untergebracht oder
vergossen werden, da der erfindungsgemäße Aufbau eine Gestaltung mit passivierten Elementen ermöglicht.
Außerdem erlaubt die Erfindung, die einzelnen Komponenten der Leistungshalbleiterschaltung vollautomatisiert zu platzieren und zu montieren. Bevorzugt können dabei die Komponenten ge- gurtet zugeführt werden und die elektrischen Verbindungen untereinander durch Bonden und/oder Laserschweißen hergestellt werden. Die Grundplatte besteht bevorzugt aus einem Metall, z.B. Aluminium.
Eine bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass das Substrat ein Keramiksubstrat ist und mit seiner keramischen Unterseite auf die Grundplatte geklebt ist . Dazu kann das Substrat und/oder dessen auf der Grundplatte vorgesehener Platzierungsbereich vorab mit Klebstoff bedruckt sein. Gegenüber konventioneller Montagetechnik uss das Substrat also unterseitig nicht vorbehandelt (z.B. metallisiert) sein.
Die Grundplatte kann als Luftkühlkörper oder als flüssig- keitsgekühlte Kühleinrichtung ausgestaltet sein. Damit ist nicht nur eine homogenisierte Wärmeverteilung, sondern auch eine effektive Wärmeabfuhr durch die Grundplatte gewährleistet.
Eine weitere bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass auf der Oberseite des Substrats eine hochstromlei- tende Metallisierung aufgebracht ist. Deren Schichtdicke ist je nach Anwendungsfall (Stromleitungsbedarf) gewählt und kann z.B. als Kupfer- oder Aluminiumschicht beispielsweise zwischen 50μm und 4 mm liegen.
Hinsichtlich des Verlustwärmemanagements ist es vorteilhaft, wenn bei einer Vielzahl von wärmeerzeugenden Bauteilen mehrere Leistungshalbleitermodule mit jeweils Verlustwärme entwickelnden Leistungshalbleitern auf der Oberseite der Grund- platte verteilt angeordnet sind.
Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zum Herstellen einer Leistungshalbleiterschaltung, bei dem
auf ein Substrat mindestens ein elektronisches Leistungs- Bauelement mit einer oberseitigen Kontaktfläche aufgebracht wird,
eine Folie mit einer Anschlussfläche zur Kontaktierung der Kontaktfläche auflaminiert wird,
eine wärmeleitende Grundplatte mit dem Substrat bestückt wird, indem das Substrat mit seiner Unterseite unmittelbar mit der Grundplatte durch wärmeleitende Klebung verbunden wird, und
weitere Schaltungen in Flachbauform und/oder Bauteile mit bondbaren Anschlüssen auf der Grundplatte aufgeklebt und mit auf der Folie ausgebildeten Anschlussflächen verbunden wer- den.
Ein wesentlicher Aspekt des erfindungsgemäßen Verfahrens ist die Möglichkeit, dass alle Verfahrensschritte vollautomatisiert durchgeführt werden können. Das oder die Leistungshalb- leitermodul (e) hat/haben dazu z.B. bondbare Anschlussflächen, mit denen sie untereinander und mit weiteren Flachbaugruppen, wie z.B. einer Steuerschaltung, verbunden werden können. Die Steuerschaltung kann bevorzugt auf einer Keramik z.B. als
Dickschichthybrid aufgebaut und auf der Grundplatte ebenfalls aufgeklebt sein. Zusätzlich können, z.B. bei einer Umrichterschaltung, auch diskrete Bauteile, wie z.B. Speicherkondensatoren, mit bondbaren Anschlussflächen versehen und auf der Grundplatte angeordnet sein. Diese und weitere Komponenten - wie. z.B. Anschlussklemmen oder Anschlussstecker zum externen elektrischen Anschluss - können bevorzugt in Trays, Gurten oder Schienen automatisch dem Montageprozess zugeführt und sämtlich durch Klebung mit der Grundplatte verbunden werden. Dadurch kann auf aufwendige Verbindungstechniken, wie z.B. Schraubverbindungen, verzichtet werden. Jedoch sind außer Klebeverbindungen jedoch auch Kleben, Crimpen, Einrasten mittels Rasthaken, Schrauben mittels Gewindeelementen etc. zum mittelbaren oder unmittelbarem, abstandslosem oder von der Grundplatte beabstandetem Befestigen von Platinen und/oder Baugruppen und/oder Anschlusselemente und/oder passive Bauelemente und/oder Kontaktierungselemente etc. in Frage.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand von in den Figuren der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispielen näher erläutert. Dabei zeigen:
Figur 1 eine erfindungsgemäße Leistungshalbleiterschaltung in perspektivischer Ansicht und
Figur 2 die Leistungshalbleiterschaltung aus Figur 1 in Seitenansicht .
Die Figuren 1 und 2 zeigen eine Leistungshalbleiterschaltung, die auf einer Aluminium-Grundplatte 1 aufgebaut ist. Dabei sind mehrere Leistungshalbleitermodule z.B. 2, 3 auf der flachen Oberseite 4 der Grundplatte angeordnet. Die Grundplatte ist als Kühleinrichtung 5 ausgebildet, die als Luftkühler
Kühlrippen 6 aufweist. Die Grundplatte hat damit eine Doppel- funktion; sie ist Träger der Leistungshalbleiterschaltung und sorgt zugleich für eine sehr effektive Abfuhr der beim Betrieb entstehenden Verlustwärme.
Beispielhaft sei anhand des Moduls 2 dessen grundsätzlicher Aufbau beschrieben: Auf der Oberseite 10 eines Substrats 11, das aus Keramik besteht, ist ein elektronisches Leistungs- Bauelement, z.B. ein IGBT, aufgelötet. Dazu ist auf dem Sub- strat eine hochstromleitende, strukturierte Metallisierung aufgebracht .
Über dem Bauelement ist eine Folie 12 der eingangs beschriebenen Art mit Leiterbahnen und Anschlussflächen auflaminiert, die elektrische Verbindungen realisiert. Diese Verbindungen können auch einen elektrischen Kontakt zwischen einer auf der Oberseite des Bauelements vorgesehenen Anschlusskontaktfläche (Pad) und einer korrespondierenden Anschlussfläche auf der Folie umfassen, wie im einzelnen eingangs erläutert und in der deutschen Patentanmeldung mit dem amtlichen Aktenzeichen
103 14 172.3 beschrieben. Die Folie 12 weist oberseitige Anschlussflächen 13, 14 auf, die über Bonddrähte (z.B. 15) mit korrespondierenden Anschlussflächen (z.B. 16) elektrisch verbunden sind. Dieses Modul zeichnet sich durch eine sehr fla- ehe und kompakte Bauform aus.
Das Substrat 11 ist seinerseits mittels gut wärmeleitendem Klebstoff 20 (z.B. Silikon) unmittelbar auf die Oberseite 4 der Grundplatte aufgeklebt. Insbesondere ist keine untersei- tige Metallisierung des Substrats vorgesehen, so dass der
Klebstoff bzw. die Klebung 20 die Werkstoffpaarung Keramik/ Aluminium verbindet .
Um eine gleichmäßige Wärmeverteilung zu erreichen, sind die Leistungshalbleitermodule 2, 3 auf der Oberseite 4 verteilt angeordnet .
Über dem Modul 2 ist auf Pfosten 24 eine Platine 25 angeordnet, die eine Steuerschaltung 26 trägt und über Bonddrähte (z.B. 15, 29) mit dem Modul 2 und weiteren Komponenten verbunden ist. Eine beispielhaft dargestellte weitere Komponente ist ein Zwischenspeicher-Kondensator 30.
Um die Leistungshalbleiterschaltung mit externen Komponenten und/oder Steuerungen und/oder zu schaltenden Elementen zu verbinden, sind an beiden Stirnseiten der Grundplatte Anschlussleisten 32, 33 vorgesehen, die zur externen Verbindung außenseitig z.B. Schraub- oder Steckverbindungen aufweisen.
Auch diese Anschlussleisten sind in Oberflächenmontagetechnik montierbar, weisen bondbare Anschlussflächen auf und sind durch Klebungen 34, 35 (Figur 2) mit der Grundplatte verbunden.
Zum Herstellen der Leistungshalbleiterschaltung wird wie vorstehend beschrieben zunächst auf das Substrat 11 mindestens ein elektronisches Leistungs-Bauelement mit einer oberseitigen Kontaktfläche aufgebracht und die Folie 12 mit einer An- Schlussfläche zur Kontaktierung der Kontaktfläche auflaminiert . Diese Einheit wird dann mit der Oberseite 4 der Grundplatte 1 verbunden, indem das Substrat mit seiner Unterseite unmittelbar mit der Grundplatte mittels wärmeleitendem Kleber verklebt wird. Außerdem werden weitere Komponenten und/oder Schaltungen in Flachbauform mit bondbaren Anschlüssen auf die Grundplatte aufgeklebt. Auf dem Modul ausgebildete Anschlussflächen werden dann gemäß der zu realisierenden Schaltung mit
den weiteren Komponenten z.B. durch Kupferdraht-Bonden verbunden.
Damit ist eine insgesamt sehr kompakte Leistungshalbleiter- schaltung, z.B. einer Umrichterschaltung, realisiert, die in ein relativ kleines (nicht dargestelltes) Gehäuse eingesetzt werden kann. Dort kann bedarfsweise eine Vergussmasse eingebracht werden. Aufgrund einer relativ leicht zu realisierenden Passivierung der Module kann unter elektrischen Aspekten auf einen Verguss aber auch verzichtet werden.
Mit der erfindungsgemäßen Leistungshalbleiterschaltung werden die sich durch den flachen Aufbau eines Schichtartig aufgebauten Leistungshalbleitermoduls ergebenden Raumsparmöglich- keiten optimal ausgeschöpft. Ein wesentlicher Vorteil ist dabei schließlich noch, dass diese Leistungshalbleiterschaltung bei der internen Verbindung und Montage ohne interne Ver- schraubungen und Wärmeleitpasten auskommen kann.
Bezugszeichenliste :
1 Grundplatte 2 Leistungshalbleitermodul
3 Leistungshalbleitermodul
4 Oberseite
5 Kühleinrichtung
6 Kühlrippen 10 Oberseite
11 Substrat
12 Folie
13 Anschlussfläche
14 Anschlussfläche 15 Bonddraht
16 Anschlussfläche
20 Klebung
24 Pfosten
25 Platine 26 Steuerschaltung
29 Bonddraht
30 Zwischenspeicher-Kondensator
32 Anschlussleiste
33 Anschlussleiste 34 Klebung
35 Klebung