Release Liner
Bei der vorliegenden Erfindung handelt es sich um die spezielle Ausgestaltung eines Release Liner-Systems für Klebemittel wie beispielsweise Stanzteile, Klebestreifen oder pflasterähn- liche Produkte und insbesondere für Klebebänder.
Damit Klebebänder aufgerollt werden können, ist es notwendig, die klebende(n) Seite(n) so zu behandeln, dass sie nicht bereits vor ihrem bestimmungsgemäßen Gebrauch ihre Klebkraft entfaltet/entfalten. Üblicherweise verwendet man zu diesem Zweck sogenannte Release Liner, d.h. Trennpapiere oder Abdeckmaterialien, die sich vor Gebrauch des Klebebandes leicht von der Klebfläche entfernen lassen. Diese Release Liner können aus den verschiedensten Materialien hergestellt werden, sie werden z.T. vor Gebrauch klebstoffabweisend z.B. durch einen entsprechende Silikonisierung behandelt, damit sie leichter von der Klebfläche lösbar sind und auch keine Kleberreste an ihnen verbleiben. Eines der Probleme beim Ablösen der Release Liner von der Klebefläche besteht darin, den Anfang eines Liners zu finden und diesen dann sauber von der Klebfläche zu entfernen. Die vorliegende Erfindung beschreibt nun ein Produkt sowie ein Verfahren zur leichteren Entfernung eines Release Liners von der Klebfläche eines Klebestreifens oder auch eines Stanzteils.
Ansätze zur Lösung dieser Problematik gibt es bereits einige, doch insbesondere bei einem Klebeband erweisen sich diese Ansätze als wenig zufrieden stellend. So wird in EP 2603567 Bl und ähnlich auch in EP 2599845 Bl beispielsweise ein Verfahren zur Herstellung eines Klebebands mit überstehendem Liner beschrieben. Der Überstand dient dabei als eine Art Anfasslasche, die ein leichteres Ergreifen des Liners und damit auch ein besseres Ablösen von der Klebfläche ermöglichst. Gleichzeitig löst ein solcher überstehender Liner ein weiteres Problem, nämlich die Seitenkantklebrigkeit, die dazu führen kann, dass eine Klebebandrolle, die mit ihrer flachen Seite auf einen Untergrund gelegt wird, dazu neigt, auf Grund des Kontakts unerwünschterweise mit diesem Untergrund zu verkleben, dies ist besonders bei Transport und Lagerung von Klebebandrollen ein Problem und macht den Gebrauch einer antiadhäsiven Trennlage notwendig. Auch die Gefahr, dass die Wickellagen einer Klebebandrolle miteinander verkleben und somit ein sauberes Abrollen des Klebebands verhindern, wird durch einen über die Klebfläche überstehenden Liner deutlich minimiert. Der wesentliche Nachteil solcher Lösungen liegt in der aufwändigen Herstellung derartiger Abdeckungen auf entsprechenden Klebeflächen.
Eine weitere Möglichkeit bietet ein strukturierter Release Liner, der in Teilen in seiner Haftkraft reduziert ist und sich daher in diesen Teilen reduzierter Haftkraft leichter von der Klebfläche abheben lässt, so in ähnlicher Form beschrieben in WO 2014/202283 A2 und auch in WO 2007/941599 AI . Als an jeder Stelle des Klebebands mögliche Anfasshilfe sind auch solche strukturierten Liner nicht befriedigend.
Andere Lösungsmöglichkeiten insbesondere bei definierten Klebebandabschnitten wie Pflastern mit Wundkissen bestehen darin, dass der Liner aus zwei sich über dem nicht klebrigen Wundkissen überlappenden Abschnitten besteht, so dass die jeweiligen Enden beider Abschnitte leicht ergreifbare Anfasshilfen für beide Linerteile darstellen, wie es in US 2007/0016123 AI dargestellt wird. In ähnlicher Weise kann auch ein einziger durchgehender Liner leicht von der Klebfläche gelöst werden, wenn das Pflaster dergestalt ein wenig gebogen wird, dass der Liner sich vom Wundkissen abhebt und so wiederum leicht ergriffen und entfernt werden kann. Fingerlifts in unterschiedlichen Ausgestaltungen, Perforationen oder andere Formen von Schwächungslinien sind weitere Hilfskonstruktionen, die im vorliegenden Zusammenhang sowohl in der Literatur beschrieben, als auch bei Produkten gegeben sind, beansprucht beispielsweise in EP 2599845 Bl .
Schließlich findet man auch Verfahren, bei denen ein relativ starrer Liner eingesetzt wird, der beim Abrollen von klebenden Segmenten einer Rolle an einer Art Spenderkante von der Klebfläche ein wenig abspringt und so ein problemloses Ergreifen und Abziehen des betreffenden Linerabschnitts ermöglicht.
Keine der gefundenen Varianten aber bietet eine wirklich zufrieden stellende und in einfacher Weise herstell- und anwendbare Lösung als Anfasshilfe für einen Liner als Abdeckung auf einem auf sich selbst gewickelten Klebeband.
Die hier beanspruchte Lösung besteht darin, dass zwei nur jeweils einseitig haftabweisend ausgerüstete Liner mit ihren nicht haftabweisend ausgerüsteten Oberflächen mittels Klebstoff zusammen laminiert werden, wobei dieser Klebstoff nicht vollflächig, sondern in gewisser Weise strukturiert, beispielsweise im Streifenstrich quer zur Längsrichtung eines Klebebandes, aufgetragen wird, d.h. es entsteht letztlich ein einziger Liner mit mehreren Schichten: Die beiden Schichten (2 und 4) zur vollflächigen Klebstofffläche (1) hin sind jeweils klebestoffabweisend ausgerüstet (2a und 4a), z.B. durch entsprechende Silikoni- sierung, die beiden, den klebstoffabweisend ausgerüsteten Schichten gegenüber liegenden Schichten sind jeweils nicht klebstoffabweisend ausgerüstet, so dass sie in Teilen dauerhaft mittels Klebstoff (3) miteinander verbunden werden können. Dieser Klebeverbund der beiden Liner muss stärker sein, als die Haftung der klebstoffabweisend ausgerüsteten Lineroberflächen (2a und 4a) zur vollflächigen Klebstofffläche (1) hin. Dadurch, dass diese Verklebung (3) der beiden Liner (2 und 4) aufeinander nicht vollflächig erfolgt, sind in gewissen Abständen klebstofffreie Zonen vorhanden, die dann als Anfasshilfe dienen. Je breiter diese klebstofffreien Zonen sind, desto leichter sind sie ergreif- und abhebbar.
Je nach Beschaffenheit der Liner ist auch eine andere Verbindungsmöglichkeit der beiden Liner (2 und 3) miteinander denkbar: statt durch Verklebung (3) kann dies z.B. auch durch einen Heißsiegel- oder Schweiß Vorgang erfolgen. Die Strukturierung des Klebstoffauftrags kann für den vorliegenden Zweck auch anders als im Streifenstrich (3) quer zur Längsrichtung des Bandes erfolgen, vielerlei geometrische Ausgestaltungen sind hier möglich. Im Endeffekt müssen aber alle zu klebstofffreien Zonen zwischen den beiden Linern führen, um als Anfasshilfe im Sinne des Erfindungsgedankens dienen zu können.
Vor Applikation eines mit einem solchen Linersystem ausgerüsteten Klebebandes ist der der vollflächigen Klebefläche (1) entfernt liegende Liner (4) an einer der klebstofffreien Zonen leicht greifbar, er wird dann von der vollflächigen Klebefläche weg abgezogen. Dadurch, dass die Haftung der beiden Liner (2 und 4) aufeinander größer als die Haftung zum Klebstoff (1)
ist, wird auch der den Klebstoff bedeckende Liner (2) gleichzeitig mit abgezogen oder zumindest so„angeliftet", dass er problemlos greifbar und entfernbar ist.
Als Linermaterialien einsetzbar sind grundsätzlich alle hier üblichen Materialien, die die gewünschten Eigenschaften z.B. in Bezug auf Reissfestigkeit oder Zugfestigkeit erfüllen, also Papiere oder Folien in jeweiliger Reinform oder auch in beschichteter, bedampfter oder befilmter Form. Das Linersystem kann dabei aus zwei gleichartigen Linermaterialien bestehen oder auch aus einer Kombination unterschiedlicher Materialien.
Papierliner bestehen meist aus Glassine- oder Kraftpapier, bei Folien sind die Linermaterialien üblicherweise aus Polyethylen, Polypropylen, Polyester oder PVC. Auch diese Materialien können sowohl in Reinform als auch als Blends aus unterschiedlichen Materialien eingesetzt werden.
Sowohl für den vollflächigen Klebstoff als auch für den strukturiert aufgetragenen Klebstoff gibt es hinsichtlich der Art des Klebstoffs keine Beschränkungen, grundsätzlich sind hier alle herkömmlich bekannten Klebstoffarten einsetzbar, es kann sich in beiden Fällen um den gleichen Klebstoff handeln, es können aber auch unterschiedliche Klebstoffe eingesetzt werden.
Die Herstellung von mit dem erfindungsgemäßen Linersystem ausgerüsteten Klebebändern erfolgt in einem der herkömmlichen und allseits bekannten Produktionsverfahren.
Die Darstellung des erfindungsgemäßen Linersystems wird anhand der beiden Figuren näher erläutert. Fig. 1 zeigt dabei die verschiedenen Schichten des Linerssystems im Querschnitt. Fig. 2 ist eine Draufsicht auf Liner 2 mit darauf aufgebrachtem Klebstoff im Streifenstrichmuster.
Legende zu den beiden Figuren:
1 : Vollflächige Klebefläche
2: Liner 1
a: Haftabweisend ausgerüstete Seite von Liner 1 : Strukturierter Klebstoffauftrag
: Liner 2
a: Haftabweisend ausgerüstete Seite von Liner 2