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Die vorliegende Erfindung betrifft ein Gerät zur Ortung von Personen in Lawinen mit einem Auftriebskörper, der über ein Seil oder eine seilähnliche Verbindung mit dem Verschütteten verbunden ist.
Aus einer Statistik des Eidgenössischen Institutes für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (CH) geht hervor, dass die Überlebenschance ganz verschütteter Personen bei einer Bergung binnen 15 Minuten 92% beträgt. Zwischen 15 und 35 Minuten liegt die Überlebenschance nur mehr bei 30% und reduziert sich dann nach 130 Minuten auf 3%. Die Kameradenhilfe ist somit die entscheidende lebensrettende Massnahme. Unverschüttete sollten daher die Bergung mit allen Mitteln in den ersten 15 Minuten anstreben, da in dieser Zeit praktisch alle nicht tödlich Verletzten lebend geborgen werden können.
Aus einer weiteren Statistik (Winter 94/95) dieses Institutes ist ersichtlich, dass von den insgesamt 29 Ganzverschütteten, nur zwei lebend und sieben weitere nur noch tot geborgen werden.
Jene übrigen sechs Ganzverschütteten, die aufgrund sichtbarer Teile (Gegenstand oder Körperteil) gefunden wurden, konnten alle lebend geborgen werden.
Handelsübliche Geräte zur Ortung von Verschütteten basieren auf dem Prinzip der Funkortung.
Die Problematik dieser Geräte liegt in der komplizierten bzw. übungsbedürftigen Handhabung, ausserdem sind sie teuer.
Die oben genannte Statistik unterstreicht die Dringlichkeit einer optischen Orientierungshilfe bei der Suche nach Verschütteten. Diese "sichtbaren Teile" an der Lawinenoberfläche können die Zeit bis zur Bergung um ein Vielfaches verkürzen und somit lebensrettend sein.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es somit ein Ortungsgerät für Lawinenverschüttete zu schaffen, das mit optischen Orientierungshilfen arbeitet und so eine sichere und vor allem schnellere Auffindung von Verschütteten ermöglicht.
In der FR 2 059 951 wird ein Gerät beschrieben, welches ein "Einwegsystem" darstellt. Mittels Gasflaschen, die bei Bedarf über eine Schnur zur Abgabe ihres Gasinhaltes veranlasst werden, wird ein Ballon aufgeblasen und durch das Prinzip des Auftriebes soll der Ballon mitsamt dem Verunglückten an der Lawinenoberfläche schwimmen Die Verbindung des Auftriebsballons mit dem verschütteten Körpers besteht über eine Art Gürtel, der um den Rumpf des Verunglückten geschnallt ist. Der Rettungseffekt ist allerdings nur durch den Ballon gegeben, welcher erst durch eine relativ komplizierte Technik aktiviert werden muss. Neben genannten Nachteilen und dem darüberhinaus noch zusätzlich hohen Gewicht, konnte dieses Gerät nie realisiert werden.
Gemäss der DE 3 300 841 A1 wird eine Lawinenschutzvorrichtung geoffenbart, die aus einem in einem Behältnis verstauten, fest mit dem Körper verbundenen komprimierten Element besteht, welches im Notfall etwa mittels einer Reissleine freigegeben wird und sich entfaltet, dabei jedoch mit dem Körper seines Trägers fest in Verbindung bleibt (vgl. Fig. 1 der DE 3 300 841 A1 sowie S. 4, Z. 51-61). Weitere ähnliche Lawinenschutzgeräte, werden in den DE 2 326 850 B2 und EP-0 123 684-A1 beschrieben. Diese sind mit Ballonen, sogenannten Steigballonen ausgestattet Aufgabe dieser Rettungsgeräte ist, wie auch in der zuvor erwähnten DE 3 300 841 A1, ein Aufschwimmen bzw Getragenwerden der von Lawinen erfassten Personen an der Lawinenoberfläche zu ermöglichen.
Die US 4 109 905 A beschreibt eine Vorrichtung zur Verwendung in einem Swimmingpool, welche aus einem Schaumgummigürtel besteht, an dem ein flexibles Seil angebracht ist. Der Gürtel wird um den Unterleib des Schwimmers befestigt und das Seil an der Seitenwand des Swimmingpools verankert. Der Schwimmer kann dann gegen den Widerstand des Seils Schwimmzüge üben.
Der Gürtel ist wasseraufnahmfähig, sodass er als Kissen gegen den Körper des Schwimmers wirkt. Der US 4 109 905 A ist ein möglicher Auftrieb eines derartigen Schwimmgürtels nicht zu entnehmen.
Der erfindungsgemässen Vorrichtung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Ortungssystem so auszugestalten, dass es den Anforderungen des praktischen Gebrauchs, der sicheren Auslösung und der wiederholten Verwendung, gewachsen ist Ausserdem soll die effektive Sicherheit für die Benützer um ein Vielfaches erhöht und die Verwirklichung der Auftriebsfähigkeit des Lawinenschwimmkörpers verbessert werden.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss dadurch gelöst, dass bei dem Ortungsgerät der eingangs angegebenen Art der Auftriebskörper als Schwimmkörper ausgebildet ist, der spezifisch leichter als Schnee, jedoch schwerer als Luft ist. Dies ermöglicht bei einem Unglücksfall ein leich-
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tes Aufschwimmen des Körpers auf der Lawinenoberfläche, hingegen wird ein Eintauchen in die oberen Bereiche der Lawine hinangehalten. Überdies wird durch ein geringes Gewicht ein Aufsteigen der Schwimmeinrichtung in die Luft verhindert. Selbst bei unterschiedlichen Schneearten findet die erfindungsgemässe Vorrichtung eine äusserst effektive Anwendung. So laufen einige herkömmliche Systeme Gefahr, dass sich ihre Auftriebskörper, gleichgültig für welchen Zweck, bei beispielsweise Nasschneelawinen, nicht auf der Lawinenoberfläche halten können.
Durch die Tatsache, dass Nasschneelawinen eine wesentlich höhere Dichte aufweisen und daher extrem langsam flie- #en, und durch die spezifisch leichtere Dichte des erfindungsgemässen Schwimmkörpers gegen- über Schnee, ist eine zuverlässige Einsatzbarkeit in jedem Fall gegeben. Das Lawinenortungsgerät gemäss der vorliegenden Erfindung dient also dazu, eine möglichst rasche Bergung des Verunglückten nach Lawinenabgang zu ermöglichen. Ein Verschüttetwerden des Verunglückten wird in Kauf genommen, da ein kurzzeitiges Verschütten, wie aus der eingangs genannten Statistik hervorgeht, die Überlebenschancen nicht wesentlich verringert.
Besonders bevorzugt wird die letztgenannte Ausführungsform, dass also der Auftriebskörper zusammenfaltbar ist, und aus dem zusammengefalteten Zustand mechanisch mittels einer Feder in den ungefalteten Zustand expandierbar ist. So ist einerseits eine erhöhte Sicherheit bei der Anwendung gewährleistet, wenn der Körper zusammenfaltbar ist und/oder aus luftdurchlässigem oder mit Ventilen versehenen dichten Ballonstoff besteht. Andererseits kann der Auftriebskörper aus einem festen, gegebenenfalls mit einem Schutzüberzug überzogenen Schaumstoff bestehen, und/ oder aber auch aus komprimierbarem Schaumstoff bestehen. Eine Kombination der oben genannten flexiblen Ausgestaltungen kommt einer effektiven Einsetzbarkeit und den damit verbundenen Erfordernissen am nächsten.
Ein Mechanismus den erfindungsgemässen Schwimmkörper aus dem beispielsweise ungefalteten Zustand zu expandieren ist der eines Federdruckes, vorzugsweise einer Springfeder (Fig. 3). Dabei wird die Feder aktiviert und der Auftriebskörper in seine maximale Ausdehnung gebracht und anschliessend mittels einer Verriegelung in der geöffneten Stellung fixiert. Nach einem Einsatz kann der Schwimmkörper wieder entriegelt, wieder zusammengefaltet und in die ursprüngliche Position gebracht werden. Diese Möglichkeit bietet dasselbe Ortungssystem auch in einer kleineren, nicht so voluminösen Ausführungsform und ist ebenfalls mehrmalig anwendbar. Ebenso ist eine einfache Expansion des Auftriebskörpers gegeben, wenn ein kompnmierbarer Schaumstoff verwendet wird.
Der Schaumstoff wird während des Transportes auf sein minimalstes Volumen zusammengedrückt und ist in diesem Zustand fixiert. Bei Gefahr wird die Fixierung gelöst, der Schaumstoff dehnt sich aus und ein Schwimmkörper geeigneten Volumens für das Aufschwimmen in der Lawine wird erhalten. Eine weitere bereits angeführte bevorzugte Möglichkeit besteht auch darin, dass der feste Schaumstoff mit einem Schutzüberzug überzogen ist und vorzugsweise oben genannten Auslösermechanismus aufweist. Eine derartige Vorrichtung mit mehrfachen Auslössystemen, um die Expansion des Auftriebskörpers zu aktivieren, ist daher gegenüber "Einwegsystemen", beispielsweise nur mit Gasdruck, vorzuziehen. Den Forderungen nach erhöhter Zuverlässigkeit, erleichterter Handhabung und einfacher Montage nach Gebrauch werden die genannten Ausgestaltungen des Erfindungsgegenstandes gerecht.
Das Problem, dass gasdruckgefüllte Ortungsgeräte durch Fehlauslösungen nicht wieder verwendbar sind, wenn keine geeigneten Gaspatronen vor Ort zur Verfügung stehen, wird mit der vorliegenden Erfindung einfach gelöst. Die Auftriebsfähigkeit des erfindungsgemässen Schwimmkörpers ist durch das spezifische Gewicht im expandierten Zustand gegeben. Demgemäss wird dieses System durch den geringeren Materialaufwand leichter, durch die einfache Technik erheblich sicherer, und somit auch zahlreichen Personen zugänglich gemacht.
Es ist ausserdem äusserst günstig, wenn das Gerät mit einer akustischen Alarmeinrichtung ausgestattet ist. Die Abgabe eines derartigen Signals ermöglicht gleichzeitig mit der optischen auch eine akustische Ortung des Verunglückten sofort nach Lawinenabgang und eine Warnung gefährdeter Personen. Retter sind somit in der Lage, ohne zusätzliche Ausrüstung das Lawinenopfer sicher zu orten.
Mit der vorliegenden Erfindung wird demgemäss erreicht, dass - Verschüttete nach einem Lawinenabgang sicherer und schneller geortet werden können (sichtbarer Schwimmkörper auf der Lawinenoberfläche, akustische Alarmeinrichtung, eventuell Verbindungsschnur mit Metereinteilung).
- Retter und Helfer keine elektronischen Zusatzgeräte und keine besonderen Vorkenntnisse
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zur Ortung von Verschütteten benötigen.
- mit dem Betätigen des Auftriebskörperauslösers vorzugsweise gleichzeitig ein akustischer
Warnton abgegeben wird und somit andere, gefährdete Personen warnt, aber auch mögliche Ret- ter alarmiert.
- bei Lawinenabgängen ohne Augenzeugen, später eintreffende Retter mittels auffälligem
Schwimmkörper und vorzugsweise akustischen Alarms auf die Anzahl der Verschütteten hingewie- sen werden.
- anhand einer zeitunterschiedlichen Tonfolge des akustischen Signals sich die Verschüttungs- dauer rekonstruieren lässt.
- eine Metereinteilung des Verbindungsseils eine Rettungskoordination ermöglichen kann (Ver- schüttete in geringerer Tiefe können von nur einer Rettungsperson, tiefer Verschüttete müssen von mehreren Rettern geborgen werden).
- bei schlechten Witterungsverhältnissen dieses kombinierte Ortungssystem die Suche erheb- lich erleichtert (sichtbarer Schwimmkörper und akustisches Warnsignal).
- diese Ortungsvorrichtung sinnvoll ergänzbar ist mit anderen bestehenden Systemen (verschiedene Techniken erhöhen die Sicherheit).
- keine weiteren Kosten und keine Einschränkungen der Funktionstüchtigkeit bei mehrmaligem
Einsatz des Systems entstehen (z. B.: bei mehrtagigen Touren oder ungewollten Auslösungen).
- das System auch in jeder anderen alpinen Notsituation durch die akustische Alarmeinrichtung einsatzfähig ist, wie die Alarmierung von Rettern nur mit dem akustischen Warnsignal.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung wird im einzelnen anhand der beiliegenden Zeichnungen, auf die sich der Erfindungsgegenstand jedoch nicht beschränken soll, erläutert, wobei - in Fig. 1 der Schwimmkörper als sichtbarer Auftriebskörper 1 mit Seilbefestigung 2 am Schwimmkörper einer Alarmeinrichtung 3 dargestellt ist.
- Fig.2 die Systembefestigung 4 mit dem Kabelauslöser 5, der lösbaren Verbindung (z.B.: Kupplung) 6 einer Seilverbindung 10 und dem Gurt 7 für den Benutzer zeigt.
- Fig.3 ein mechanisches System mit Federdruck, vorzugsweise Springfeder 8 einer Verriegelung 9 einer Seilverbindung 10 und einer Alarmeinrichtung 3 veranschaulicht.
- Fig.4 eine Situation nach einem Lawinenabgang.
Gemäss Fig. 1 ist der erfindungsgemässe sichtbare Auftriebskörper 1 an einem Rucksack aufgesetzt. Wichtig ist die Plazierung der Seilverbindung 2 am Auftriebskörper. Diese sollte an der Längsachse, bei einer Aufteilung von 2/3 zu 1/3 erfolgen, um bei grossen Belastungen ein Ausscheren des sichtbaren Schwimmkörpers zu ermöglichen. Zusätzlich ist die Verwendung eines dehnbaren Teilstückes am Ende der Seilverbindung zum Auftriebskörper vorgesehen, um einer Verschüttung durch Sekundärlawinen entgegenzuwirken. Weiters zeigt Fig. 1 die zusätzliche Ausstattung mit der akustischen Alarmeinrichtung 3.
Dieser unüberhörbare Warnton tritt sofort mit dem Betätigen des Systemauslösers in Kraft und kann somit andere, gefahrdete Personen warnen, bzw. mögliche Retter alarmieren
Eine Systembefestigung 4, wie in Fig.2 dargestellt, mit dem Kabelauslöser 5 und der lösbaren Vorrichtung 6, wie zum Beispiel einer Kupplung, kann an, vorzugsweise einem Rucksack oder dergleichen, oder direkt am Körper des Benützers angebracht werden. Als Beförderungsmitte! für das Ortungssystem ist ein Rucksack natürlich sehr dienlich, ist aber durch andere ähnliche Transporteinrichtungen ebenfalls beförderbar. Durch die Möglichkeit der Verwendung eines Gurtes 7, welcher am Körper der Person angebracht und nur die Befestigung des Verbindungsseifes am Körper darstellt, erübrigt sich der Gebrauch der eigentlichen Systembefestigung (z. B.: Rucksack).
Somit bleibt der Verschüttete auch dann mit dem Schwimmkörper über die Seilverbindung 10 in Verbindung, wenn der Rucksack in der Lawine verloren geht.
Fig 3 zeigt eine Ausführungsform, bei welcher eine Expansion des Schwimmkörpers mittels Federdruck, vorzugsweise über eine Springfeder 8 erreicht wird. Eine Verriegelung 9 ermöglicht ein Arretieren des Schwimmkörpers Wiederum ist die Seilverbindung 10 zwischen dem Körper der verunglückten Person und dem Ortungsgerät gezeigt. Die aktivierte (so dargestellt) akustische Alarmeinrichtung 3 ist direkt am Auftriebskörper angebracht. Um ferner eine sichere Verschüttungstiefe feststellen zu können, ist die seilähnliche Verbindung 10, welche vom Verschütteten selbst zum Schwimmkörper reicht, mit einer Metereinteilung versehen (nicht dargestellt).
Zur Veranschaulichung der vorliegenden Ortungsvorrichtung, samt ihren erfindungsgemässen
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Vorteilen, ist in Fig.4 die Situation nach einem Lawinenabgang gezeigt, wobei das Gerät an einem Rucksack angebracht dargestellt ist. Der Auftriebskörper (1) treibt an der Lawinenoberflache und gibt einen akustischen Alarmton ab. Die Seilverbindung 10 ist unterhalb der Lawinenoberfläche durch eine strichlierte Linie angedeutet.
PATENTANSPRÜCHE:
1. Gerät zur Ortung von Personen in Lawinen mit einem Auftriebskörper, der über ein Seil oder eine seilähnliche Verbindung mit dem Verschütteten verbunden ist, dadurch gekenn- zeichnet, dass der Auftriebskörper (1) als Schwimmkörper ausgebildet ist, der spezifisch leichter als Schnee, jedoch spezifisch schwerer als Luft ist.