Explosionsmotor für Benzin- und Holzgasbetrieb. Als Betriebsstoff für Automobile wurde bis vor einigen Jahren grösstenteils nur Ben zin verwendet. Um die Betriebskosten zu reduzieren, ist eifrig im Konstruieren eines guten Automobildieselmotors gearbeitet wor den. Es gelang auch, solche Motoren zu bauen, und es fahren sehr viele Dieselmotor lastwagen zur vollen Zufriedenheit. Nun ist aber Rohöl ein ausländisches Produkt. In der Schweiz, mit ihren vielen und grossen Waldbeständen, liegt der Holzmarkt darnie- der, da kein Absatz vorhanden ist. Die Folge davon war, dass nun auch in der Schweiz alte und neue Lastwagen auf Holzgas um gebaut wurden, was anfänglich eine vielver sprechende Lösung des Problems schien.
Lei der hatten aber die Besitzer dieser Holzgas wagen viel Ärger, weil die Motoren bei schlechtem Gas nicht sofort ansprangen, oder bei starker Beanspruchung (bei Steigungen) zu wenig Kraft entwickelten. Um eine grö ssere Leistung zu bekommen, wurde an der Ansaugleitung des Motors ein Benzinvergaser angebaut, um dem Holzgas bei Bedarf Ben- zin- oder Benzolgas zuzusetzen. Man konnte jedoch den Motor nicht ohne Schaden mit Benzingas allein anlaufen oder laufen lassen. Die Explosionen des Holzgases sind wesent lich weicher als die des Benzingasgemisches. Dies bedingt, dass für eine genügende Kraft ausnutzung des Holzgases die Zylinder der betreffenden Motoren ein höheres Kompres sionsverhältnis (1 :7 bis 1 :10) aufweisen müssen.
Bevor der Motor angelassen werden konnte, musste mittels eines an der Batterie angeschlossenen Ventilators die Luft durch den Holzgasgenerator angesaugt werden, um das Feuer im Generator anzufachen. Nach 3 bis 5 Minuten entwickelte der Generator verwendbares Holzgas. Die Batterie und der Anlasser wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch war es fast unmöglich; die Motoren von Hand anzuwerfen.
Gegenstand vorliegender Erfindung ist ein mehrzylindriger Explosionsmotor für Benzin- und Holzgasbetrieb. Derselbe zeich net sich dadurch aus, dass ein Teil der Zy linder ein höheres Kompressionsverhältnis aufweist als der andere Teil derselben, und dass das Benzingas grösstenteils nur in den oder die Zylinder mit niedrigerem Kompres sionsverhältnis eintreten kann und das Holz gas wahlweise in den oder die Zylinder mit höherem Kompressionsverhältnis oder in sämtliche Zylinder geführt werden kann.
Die Erfindung ermöglicht, die angeführ ten Nachteile zu beheben.
Die beiliegende Zeichnung zeigt ein Aus führungsbeispiel des Erfindungsgegenstan des.
Fig. I ist eine Seitenansicht der Zylinder Blocks eines vierzylindrigen Motors mit An saugleitung; Fig. II ist ein Vertikalschnitt durch die Zylinderblocks.
1 und 2 sind die Kolben für den Benzin betrieb und arbeiten in den Zylindern des Motorblockes 5 mit einem Kompressionsver hältnis von 1 : 4 bis 1 : 5. 3 und 4 sind län gere Kolben, welche im Zylinderblock 6 mit einem höheren zum Beispiel 1 : 9 nur auf Holzgas arbeiten. Beim Zylinderblock 5 ist nahe am Eingang 7 der Ansaugleitung ein Benzinvergaser 8 ange schlossen. Die Holzgaszuleitung 9 mit dem Luftzusatzschieber 10 ist möglichst nahe der Eingangsöffnung 11 in den Block 6 ange schlossen.
In der Verbindungsleitung 12 zwischen der Benzingaszuleitung 18 und der Holzgaszuleitung 9 ist eine Drosselklappe 13 eingebaut. 16 stellt die Benzingasdrossel dar und 17 ist die Holzgasdrossel.
Die Arbeitsweise des vorbeschriebenen Motors ist folgende: Zum Anlassen des Mo tors, welcher zu jeder Zeit sofort auf den zwei Zylindern des Motorblockes 5 mit Ben zin in Betrieb gesetzt werden kann, wird die Drosselklappe 13 geschlossen, damit nicht schlechtes Gas oder Luft aus der Leitung 9 zu diesen Zylindern einströmen kann. Das gemeinsame Bedienungsgestände 14 der Dros selklappen 16 und 17 wird auf Vollgas ge stellt. Das Bedienungsgestänge 14 besitzt einen Schlitz 15, in welchem der Drossel klappenhebel der Benzingasdrossel 16 Spiel raum hat.
Dadurch wird beim Betätigen des Be dienungsgestänges 14 auf Vollgas zuerst die Holzgasdrossel 17 bis 3/4 geöffnet, dann erst beginnt sich die Benzingasdrossel 16 bis 1/4 oder '/ zu öffnen.
Erst auf Vollast ist also die Benzingasdrossel 16 1/4 bis 13offen. Während nur der Motor, solange die Klappe 13 geschlossen ist, nur mit den Zylindern des Motorblockes 5 arbeitet, saugen die Zy linder des Motorblockes 6, deren Kolben da bei von den Kolben 1 und 2 angetrieben werden, durch die Holzgasleitung 9 bei ge schlossener Luftzusatzdrossel 10 und ge schlossener Drossel 13 Luft durch den Holz gasgenerator. Letzterer wird dann durch Anfeuern in Funktion gesetzt. Durch rich tiges Einregulieren der Luftzusatzdrossel 10 werden nach 2 bis 3 Minuten auch die Zylin der 3 und 4 zu arbeiten beginnen, aber auf Holzgas.
Das Bedienungsgestänge 14 muss nun wieder aus der Vollaststellung zurück gestellt werden, um den Motor auf die ge wünschte Tourenzahl einzustellen. Dann wird die Drosselklappe 13 geöffnet, damit auch die Zylinder des Motorblockes 5 auf Holzgas zu arbeiten beginnen. Da das Ver dichtungsverhältnis in den Zylindern des Motorblockes 5 geringer ist als in denjenigen des Motorblockes 6, wodurch die Zylinder des Blockes 5 dem Benzingasbetrieb ange passt sind, erhält man bei reinem Holzgas betrieb eine 20 bis 30% geringere Leistung in den Zylindern des Motorblockes 5.
Das Gestänge 14 befindet sich dabei in einer Stellung, dass die Benzingasdrossel 16 noch gerade geschlossen ist und die Holzgasdros- sel 3/4 geöffnet ist. Um diesen Leistungs abfall ganz auszugleichen, zum Beispiel bei ,starken ,Steigungen, so erhalten nur die bei den Zylinder des Motorblockes 5 bei Vollgas' Benzingaszusatz.
In Fig. II befindet sich der Kolben 1 am Ende des Ansaughubes, der Kolben 2 am Ende des Kompressionshubes, der Kolben 3 am Ende des Ausstosshubes und der Kolben t am Ende des Arbeitshubes. Demzufolge saugt nach dem Kolben 1 der Kolben 3, dann der Kolben 4 und dann der Kolben 2 an.
Weil der Durchströmungswiderstand der Benzingasdrossel 16 zwei- bis dreimal so gross ist als derjenige der Holzgasdrossel 17, so füllen bei Vollast die Kolben des Motor blockes 5 bei ihrem unmittelbar aufeinander folgenden Ansaugen die Verbindungsleitung 12 aus der Holzgasleitung 9 zur Hauptsache mit Holzgas und erhalten 1/4 bis '/, Benzin gas von Seite des Benzinvergasers B.
Daraufhin ziehen die Zylinder des Mo torblockes 6 bei ihrem Ansaugen den Haupt anteil ihres Holzgasverbrauches von der Holzgasleitung 9 an, und nur 1/4 bis '/ aus der reichlich dimensionierten Verbindungs leitung 12. Letztere wird dann von Seite des Benzinvergasers 8@mit Benzingas nachgefüllt, um dann wieder von den Zylindern des Mo torblockes 5 mit etwas Holzgas angesaugt zu werden. Die lange und grossdimensionierte Verbindungsleitung 12 macht ein Einweg ventil unnötig und ist für die Zylinder des Motorblockes 5 eine jeweilige Benzingas reserve. In jeder Betriebslage kann das Ben zingas grösstenteils nur zu den Zylindern des Blockes 5 gelangen.
Je nachdem, ob die Klappe 13 offen oder geschlossen ist, kann das Holzgas hingegen wahlweise nur zu den Zylindern des Blockes 6 oder zu sämtlichen Zylindern gelangen. Ventilator und Anlas ser können beim dargestellten Motor weg gelassen werden, da der Motor mit den Zy lindern 1 und 2 angelassen werden kann und die Zylinder 3 und 4 die Luft durch den Generator saugen.