Verfahren zum Abtöten von Nikroorganismen in Produkten. Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Abtöten von Mikroorganismen in. Produkten, welche Produkte an sich nicht die Möglichkeit einer Auskeimung der Sporen bieten, sondern unter solche Züchtungsbedin gungen gebracht werden, dass allfällig vor handene Sporen auskeimen können, wonach das so erhaltene Material sterilisiert wird. Die Produkte können organische Stoffe jeder Art oder Stoffe mit organischen Konstituen ten sein, die Mikroorganismen, Bakterien, Pilze oder Sporen enthalten, wie Därme für Katgut, Fasern und Haare.
Die bisher allgemein zur Anwendung ge brachten Verfahren zum Sterilisieren eines sporenhaltigen Materials oder eines von Spo ren verunreinigten Materials, z. B. Därme für Katgut, weisen den Nachteil auf, dass sie keine vollkommene Sterilisierung, sondern nur eine gewisse Desinfizierung gewährlei sten, weil sie nicht die widerstandsfähigen Bakteriensporen, z. B. .Sporen der Milzbrand-, Starrkrampf- und Gasödembazillen, töten. Es hat sich z.
B. gezeigt, dass die allgemein käuf lichen Katgutfäden, die man auf verschiede nen Stufen der Bereitung durch Erwärmung, gegebenenfalls zu wiederholten Malen, auf 120-150 in organischen Flüssigkeiten oder dergleichen zu desinfizieren gesucht oder in irgendeiner desinfizierenden Flüssigkeit, z.B. einer Jodlösung, behandelt hat, reich an wi derstandsfähigen Sporenbildnern sind, die auch nicht durch eine gegebenenfalls vom Arzt vorgenommene weitere Desinfizierung getötet werden.
Überdies leidet die Qualität der organischen Stoffe stark durch die Be handlungen, insbesondere die Wärmebehand lungen, denen sie ausgesetzt werden; das Kat- gut bekommt z. B. eine verhältnismässig ge ringe Zugfestigkeit, weshalb es im Gebrauch leicht zerreisst. Diese Mängel werden durch das vorliegende Verfahren beseitigt.
Nach dem vorliegenden Verfahren wird das Material, z. B. das rohe Darmmaterial, für die Kaigutherstellung so behandelt, dass etwaige Sporen der sporenbildenden Mikroben auskeimen können, und die Züchtung wird i.n so kurzen Zeitspannen ausgeführt, dass die Sporen zwar auskeimen, den Mikroben jedoch nicht die Zeit gelassen wird, um neue wider standsfähige Sporen zu bilden, wonach die Mikroben dadurch getötet werden, dass das Material einem folgenden Desinfizierungs- oder Sterilisierungsvorgang ausgesetzt wird, der infolge des Zustandes, in welchen die Mi kroben nunmehr gebracht worden sind,
nicht die Tötung widerstandsfähiger Sporen anzu streben braucht. Da es sich lediglich darum handelt, vegetative 1Llikrobeformen zu töten, die der Sterilisierung leichter zugänglich sind als die widerstandsfähige Sporenform, lässt sich mittels eines geeigneten Verfahrens so wohl erreichen, dass die Sterilisierung eine vollständige wird, als dass das Material dabei nicht wesentlich beeinflusst wird.
Es wurde bereits versucht, eine zuver lässigere Katgutsterilisierung dadurch zii er reichen, da.ss man vor diesem Vorgang das Darmmaterial in einer Nährflüssigkeit züch tete - wie in den Beschreibungen der deut schen Patente Nr. 600512 und 612968 an gegeben.
Es hat sich aber um langwierige, mindestens 4 bezw. 10 Tage dauernde Züch tungen gehandelt, bei denen reiche Möglicb- keiten einer erneuten Sporenbildung bestehen, welche Sporen nicht leichter durch die fol gende Desinfizierung getötet werden, ivesha 1b hierdurch keine zuverlässigere Sterilisierung als ohne die vorherige Züchtung und jeden falls keine vollständige Sterilität erreicht werden dürfte.
Dabei wird überdies das 14late- rial während der langwierigen Beeinflussung seitens der Nährflüssigkeit und der darin wachsenden Mikroben geschwächt, die u. a. die Bildung alkalischer Zersetzungsprodukte verursachen, die das ersterwähnte Patent durch Zugabe einer Säurequelle zu neutrali sieren erstrebt. Keines der beiden Patente ist übrigens noch in Kraft.
Die vorliegende Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass man die Bebrütung zu dem Zeitpunkt unterbricht, an welchem alle Sporen, anaerobe wie aerobe, zum Auskeimen gelangt sind, während neue resistente Sporen nocb nicht gebildet sind, das Ganze derart, dass das Produkt selbst durch die Behandlung nicht wesentlich beschädigt wird. Die eigent liche Bebrütungsdauer kann so gewählt wer den, dass sie kürzer ist als '72 Stunden. Sie kann oft zweckmässig \weniger als 24 Stunden betragen.
Bei einer geeigneten Ausführungs form des Verfahrens erstreckt sich die Be- brütungsdaiier auf weniger als eine bis höch- siens 4-6 Stunden, wobei man oft zweck mässig Leberbouillon oder andere die Aus keimung der Sporen fördernde Nährböden oder Substanzen verwendet.
Die Behandlung kann, gegebenenfalls nach erforderlicher Vorbehandlung der Ware, dadurch vorgenommen werden, dass dieselbe in einem Ziichtungsapparat bei geeigneten, gegebenenfalls wechselnden Temperaturen und mit einem oder mehreren geeigneten, ge gebenenfalls sauerstoffbindende Mittel ent haltenden Nährboden angebracht wird. Diese Mittel können organische oder anorganische Chemikalien oder organische Substanzen, z. B. Gewebestüclze, sein.
Die Züchtung kann unter wechselnden Atmosphären, unter aeroben und anaeroben Verhältnissen - z. B. unter Was serstoff, liolilendiorvd, Stickstoff, Sauer stoff usw. oder @liscliungen solcher Gase oder im Vakuum erfolgen. Danach wird mit mikrobentötenden Mitteln, z. B. Chemikalien oder ultraviolettem Licht oder besonderen Formen von Wärmesterilisierung behandelt, wodurch sämtliche Mikroben, auch die aus gesprossten Sporen, getötet werden.
Diese Be handlung \vi.rd gegebenenfalls ausgeführt, nr,chdem die Ware von Nährflüssigkeit be freit ist. Die Wärmebebandlung kann bei spielsweise an der schnell getrockneten Ware vorgenommen werden. Durch die schnelle Trocknung werden die sporenbildenden Bak terien keine oder nur wenige, geschwächte und nur wenig widerstandsfähige Sporen bil den, die durch die Wärmebehandlung leicht getötet werden.
Häufig wird es zweckmässig sein, die Wasserstoffionenkonzentration wäh rend der Züclitunig zu ändern. In gewissen Fällen mag die Wäre solcher Beschaffenheit sein, dass sie sich nicht in einem besonderen Nährboden für die Züch tung anbringen lässt, noch darin angebracht zu werden braucht. Durch Zugabe geeigneter Stoffe, Änderung der Wasserstoffionenkon- zentration während der Züchtung oder durch sonstige Behandlung kann man sie dazu brin gen, an sich geeignete Möglichkeiten der Spo- renauskeimung darzubieten und sozusagen selbst als Nährboden zu wirken.
Um mit der grösstmöglichen Sicherheit arbeiten zu können, mag es in gewissen Fäl len erwünscht sein, das Material der erwähn ten Züchtung mit folgender Sterilisierung zwei- oder mehrmal zu unterwerfen. Sind Chemikalien für die Sterilisierung zur An wendung gebracht, müssen sie vorher elimi niert, z. B. neutralisiert, vernichtet oder so weit entfernt werden, dass eine wiederholte Züchtung stattfinden kann. Man kann bei den wiederholten Züchtungen und Sterilisierun gen gegebenenfalls die benutzten Behand lungsvorgänge ändern, z. B. während längerer Zeit, in andern Nährflüssigkeiten züchten <B>USW.</B>
Bei der Sterilisierung von Katgut hat es sich erwiesen, da.ss das im Beispiel angeführte Verfahren mit einer einzigen Züchtung und einer folgenden Sterilisierung die vollständige Tötung aller im Ausgangsmaterial vorkom menden Mikroben bewirkt, indem man durch umfassende Kontrollzüchtungen in verschie denen besonders geeigneten Nährflüssigkeiten unter sowohl aeroben als verschiedenen an aeroben Verhältnissen während Zeiträumen bis zu einem Monat kein Mikrobenwachstum irgendwelcher Art nachweisen konnte.
Wird das Verfahren auf einer frühen Stufe der Bereitung der betreffenden Ware zur Anwendung gebracht - wie im Beispiel betreffend das Kaigut - muss die weitere Behandlung der Ware steril oder vorzugs weise steril erfolgen und im letzteren Fall durch eine nachherige Sterilisierung abge schlossen werden, die jedoch keine grossen Anforderungen stellt, da man sich leicht sichern kann, dass das Material nur mit nicht sporenbildenden Luftbakterien und derglei chen infiziert oder verunreinigt wird, die sich leicht töten lassen.
Die nach dem Verfahren sterilisierten Eatgutfäden konnten somit nach einer nur teilweise sterilen Weiterverarbeitung in so schonender Weise nachsterilisiert werden, dass die Zugfestigkeit der fertigen Ware der des gewöhnlichen Kaigutes um 30-100 überlegen ist. Das Verfahren ergibt somit ausser einer durchaus sterilen Ware auch die Herstellung eines sehr starken gatgutes Hierzu kommt noch, dass man ausser den jetzt allgemein zur Anwendung gelangenden Schaf und Hammeldärmen häufig auch weit billi gere, leicht resorbierbare Darmsorten, z. B.
Schweinedärme, anwenden kann, die bisher nicht zur Anwendung gelangen konnten, weil sie durch die bisher benutzten Sterilisierungs- verfahren zu stark geschwächt wurden, oder aber man kann Därme zur Anwendung brin gen, die bisher wegen eines zu grossen Bak teriengehaltes als unbrauchbar verworfen wurden.
Ausser für Katgut kann das. Verfahren auch vorteilhaft zur Sterilisierung, u. a. von Bürsten, Haaren und Fasern jeder Art und Form in unbearbeitetem und bearbeitetem Zustand zur Anwendung gelangen. In diesem Zusammenhang sei angeführt, dass es bisher mit grossen .Schwierigkeiten verbunden war, tierische Bürsten und Haare, die Milzbrand sporen enthalten, in effektiver Weise zu steri lisieren. In mehreren Fällen sind daher in folge der Anwendung nicht genügend des infizierter Bürsten und Haare, z. B. für. Ra sierpinsel, grankheits- und Todesfälle ein getreten.
Von andern praktisch wertvollen Anwen dungsgebieten sei ferner die Sterilisierung von aus tierischen Organen oder pflanzlichen Ausgangsmaterialien gewonnenen Erzeug nissen, z. B. Hormonpräparaten und Konser ven erwähnt. Die Sterilisierung wird vor zugsweise in einer die Ware schonenden Weise vorgenommen.
Beispiel: Schafdärme werden in an sich bekannter Weise vorbehandelt, bis sie durch Schaben von überflüssigem Material befreit und in passenden Längen abgemessen sind, an deren Enden die gewöhnlichen Bindfadenschlingen befestigt sind, wonach sie in ZiiehtungsgIii- sern mit frisch ausgekochtem Leberbouillon, dessen Wasserstoffionenkonzentration gleich p$ 7,6 ist, so angebracht werden, dass das ganze Material von der Nährflüssigkeit be deckt ist.
Danach wird das Züchtungsglas in einem mittels einer Ölpumpe auf Vakuum ausgepumpten Zeisslerbehälter angebracht und während 3 Stunden im Thermostat bei 37 belassen. Dann wird das Ziichtungsglas aus dem Zeisslerbehälter genommen und bleibt nun 1-2 Stunden unter aeroben Verhältnis sen im Thermostat bei 37 . Das Material wird alsdann in eine Lösung von Jod 1 % -j- Jod- kalium 1r/2 % in sterilem Wasser, in sterilen Glasbehälter gegossen, eingebracht, worin es während 24-48 Stunden behandelt wird.
Nach dieser Behandlung wird das Material steril in einen Behälter mit steriler Lösung von 10% Natriumtiosulfat -f- 1 % Natrium karbonat in Wasser eingebracht und während 24 Stunden darin behandelt, wodureli der grösste Teil des Jodes vom Material entfernt -wird. Das Material wird alsdann in einen Be hälter mit sterilem Wasser zwecks Auswässe- rung eingebracht. Das Züchtungsergebnis lässt sich durch wiederholte, vorzugsweise während eines längeren Zeitraumes erfolgte Züchtung nachprüfen.